kei
Be
= 1-2
Ba
7
Hi
Ei
7
Raabe Ze
HR
RETURN TO
LIBRARY OF MARINE BIOLOGICAL LABORATORY
WOODS HOLE, MASS.
Verhandlungen
der kaiserlich-königlichen
zoologisch - botanischen Gesellschaft in Wien. Herausgegeben von der Gesellschaft.
Redigiert von Anton Handlirsch,
k. u. k. Kustosadjunkt am naturhistorischen Hofmuseum.
Jahrgang 1903. LIN. Band.
Mit 1 Tafel und 15 Figuren im Texte.
Wien, 1903. Für das In- und Ansland besorgt durch A. Hölder, k. und k. Hof- und Universitäts-Buchhändler.
Druck von Adolf Holzhausen, k. und k. Hof- und Universitäts-Buchdrucker in Wien.
Adresse der Redaktion: Wien, I., Wollzeile 12.
a SA E NREN ES ei ÜEe a 22 { a I we N nr ' * YA Aus. 2 3 a2 5 : an " $ u a EIER 9 r AA EL -
A
4)
Ve A 6 re A 2 nesrnlbarriie: 1} Due k 4 3 [0 2 - ae fi Be, - N . D
. s R | SUR,
rn,
}
Be ito>lis2nd.. Iorloaıtınıod = a
u Vs
Y, u
Bar
: R ww aaa pet NA EN NEN: Mar) Wu [3 I Na VaeNE
starte Maag Nah Aa: nd
In | | ih aehn FABEL FUN a Bar als
# MR Al &, = E a 04.275-aQughP, u Br en d r
IR AIm!
lat WERTEN. EI : A
Alsbb
SER
pi A RN z gr r
ee a ke
a A
& Ei: y“
ä . g Nu mw. 6 PIRLZILEN, RL see N ur> ’ mar hy > us
Stand der Gesellschaft zu Beginn des Jahres 1909.
Protektor: Seine k. und k. Hoheit der durchlauchtigste Herr Erzherzog
Rainer.
Ehrenmitglieder:
Se. Hoheit Albert I., Fürst von Monaco.
Die P.T. Herren: Agassiz Alex. (Cambridge), Ascherson Paul (Berlin), Bartsch Franz (Wien), Van Beneden (Liege), Bonnier Gaston (Paris), Brauer Friedrich (Wien), Brunner v. Wattenwyl Karl (Wien), Bütschli ©. (Heidelberg), Carus Jul. Viktor (Leipzig), Chimani Ernst (Wien), Chun K. (Leipzig), Delpino Fred. (Neapel), Dohrn Anton (Neapel), Drasche Freih. v. Wartimberg, Richard (Wien), Drude Oskar (Dresden), Engler Ad. (Berlin), Gegenbauer Karl (Heidelberg), Göbel Karl (München), Haeckel Ernst (Jena), Heller Kamill (Innsbruck), Kerner Josef (Salzburg), Kornhuber Andr. (Preß- burg), Lankester Edw. R. (London), Leydig Franz v. (Würzburg), Mayr Gustav (Wien), Möbius Karl (Berlin), Nawaschin Sergius (Kiew), Pfeffer W. (Leipzig), Schulze Fr. Eilhard (Berlin), Schwendener Simon (Berlin), So‘lms-Laubach, Graf (Straßburg), Steindachner Franz (Wien), Strasburger Ed. (Bonn), Suess Ed. (Wien), Treub Melch. (Buitenzorg), De Vries Hugo (Amsterdam), Wallace Russel (Parkstone), Warming Eugenius (Kopenhagen), Wiesner Julius (Wien).
Leitung der Gesellschaft.
Präsident (gewählt bis Ende 1904): P. T. Herr Prof. Dr. Richard Wettstein Ritter v. Westersheim.
Vizepräsidenten (gewählt bis Ende 1904):
P. T. Herr Kustos Dr. Emil v. Marenzeller. 5 „ Dr. Franz Ostermeyer. Z.B. Ges. Bd. LIII. 1
2 Leitung der Gesellschaft. — Leitung der Sektionen.
Sekretäre (gewählt bis Ende 1904):
P. T. Herr Kustosadjunkt Anton Handlirsch. = „ Dr. Friedrich Vierhapper.
Rechnungsführer (gewählt bis Ende 1904): P. T. Herr Josef Kaufmann.
Ausschußräte (gewählt bis Ende 1904):
Die P.T. Herren: Braun Heinrich, Brunner v. Wattenwyl, Dr. Karl, Brunnthaler Josef, Burgerstein, Dr. Alfred, Fuchs Theodor, Gangl- bauer Ludwig, Grobben, Dr. Karl, Habich Otto, Haläcsy, Dr. Eugen v., Hatschek, Dr. Berthold, Hayek, Dr. August Edler v., Heimerl, Dr. Anton, Hockauf, Dr. Josef, Hungerbyehler, Julius Edler v., Keissler, Dr. Karl Ritter v., Lebzelter Ferdinand, Lorenz v. Liburnau, Dr. Ludwig, Lütke- müller, Dr. Johannes, Mayr, Dr. Gustav, Müllner Mich. Ferdinand, Pfeiffer Ritter v. Wellheim, Ferd., Pfurtscheller, Dr. Paul, Pintner, Dr. Theodor, Rebel, Dr. Hans, Rechinger, Dr. Karl, Spaeth, Dr. Franz, Sturany, Dr. Rudolf, Werner, Dr. Franz, Wilhelm, Dr. Karl, Zahlbruckner, Dr. Alexander.
Kooptirt wurden die P. T. Herren Prof. Dr. Fridolin Krasser und Dr. Rud. Wagner.
Redaktions- Comite.
Die P. T. Herren: Burgerstein, Dr. Alfr., Handlirsch Anton, Krasser, Dr. Frid., Lorenz, Dr. Ludw. v., Pfurtscheller, Dr. Paul, Pintner, Dr. Theod., Zahlbruekner, Dr. Alexander, Rechinger, Dr. Karl, sowie die Schriftführer der Sektionen.
Bibliotheks - Comite. Die P. T. Herren: Brunnthaler Josef, Hendel Friedr., Zahlbruckner, Dr. Alexander. Comite für Pflanzenschutz. Obmann: Herr Dr. Franz Ostermeyer. Mitglieder: Die Herren Haläcsy, Dr. Eugen v., Hayek, Dr. Aug. Edl. v., Rechinger, Dr. Karl.
Leitung der Sektionen.
Sektion für Zoologie. Obmann: Herr Prof. Dr. Karl Grobben. Obmann-Stellvertreter: Herr Prof. Dr. Theodor Pintner. Schriftführer: Herr Dr. Rud. Sturany.
Leitung der Sektionen. — Publikationen der Gesellschaft. =
Sektion für Koleopterologie.
Obmann: Herr Hofrat Josef Birnbacher. Obmann-Stellvertreter: Herr Kustos Ludwig Ganglbauer. Schriftführer: Herr Dr. Franz Spaeth.
Sektion für Lepidopterologie. Obmann: Herr Dr. Hans Rebel. Obmann-Stellvertreter: Herr Otto Habich. Schriftführer: Herr Fritz Wagner. Sektion für Ornithologie.
Obmann: Herr Dr. Ludwig Lorenz v. Liburnau. Obmann-Stellvertreter: Herr Karl Mayerhofer.
Sektion für Botanik.
Obmann: Herr Dr. Eugen v. Halaäcsy. Obmann-Stellvertreter: Herr Prof. Dr. Viktor Schiffner. Schriftführer: Herr Dr. August Edler v. Hayek.
Sektion für Kryptogamenkunde,
Obmann: Herr Dr. Alex. Zahlbruekner. Obmann-Stellvertreter: Herr Dr. Joh. Lütkemüller. Schriftführer: Herr Jos. Brunnthaler.
Publikationen der Gesellschaft.
Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. Redigiert von Anton Handlirsch. ;
Abhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien. Redigiert von Anton Handlirsch.
Die Schwalbe. Berichte des Comites für ornithologische Beobachtungsstationen in Österreich. Redigirt von Dr. Ludwig Lorenz v. Liburnau.
Kanzlist der Gesellschaft: Herr Kornelius Frank, VIII, Lenaugasse 11.
Gesellschaftslokale:
Wien, I., Wollzeile 12. — Täglich (mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage) von 3—7 Uhr Nachmittags geöffnet.
1*
Von
Subventionen. — Nachtrag zu dem Mitglieder -Verzeichnisse.
Subventionen.
Seiner k. u. k. Apostolischen Majestät dem Kaiser Franz Josef.
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Josef Karl.
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Rainer.
Seiner k. u. k. Hoheit dem hochwürd. durchl. Herrn Erzherzoge Eugen.
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Friedrich.
Seiner k. u. k. Hoheit dem durchl. Herrn Erzherzoge Leopold ne
Seiner Majestät dem Könige von Baiern.
Seiner kgl. Hoheit dem Herrn Herzoge von Cumberland.
dem hohen k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht.
dem löbl. Gemeinderate der Stadt Wien.
Nachtrag zu dem Mitglieder-Verzeichnisse.
. Herr Bartel, Max, Rixdorf, Ziethenstr. 441 . . . . Berlin. „ Böhmerle, Karl, Adjunkt an der forstlichen Versuchsanstalt . .... 0. Mariabrunn. „ Dahl, Ove, Konservator am BO SnscherN Moin der Universität . . . © ». Ohrstan, Frau Frank, Eugenie, IX./l, Den 19 asia. Wien,
Herr Furlani, Hans, Stud., IX., Liechtensteinstr. 127 Wien. „ Hauk, Rud., Apotheker, XVIIL/1, Martinstr. 94 Wien.
„ Holtz, Martin, IV./2, Schönburgstraße 28 . . Wien.
„ Hruza, Franz, k. u. k. Oberlieutenant, III., Boer- havepasse 105 er. Wien.
„ Jakowatz, Dr. Anton, Pibiäkkör an der Tendwir schaftlichen Schule . . . Tetschen.
„ Janchen, Erwin, Stud., VIIL, ee 2 Wien. Frau Klekler, Pauline, Prof. am städt. Mädchenlyceeum Brünn. Herr Klima, Dr. Anton, Tanga ERBE 12/3%
Wollzeile3 .. .....0 Wien. »„ Kolisko, Dr. Alfred, 1, N, Rennpaae 6 Wien. me kKöorabrRıtter v: Mühlström, Eugen, k. u. k.
Hauptmann, III./l, Ungargasse 68. . . Wien.
„ Kraskowits, Guido, stud. kai 1, Schmerling platz 2 RT 2 eWADR:
Nachtrag zu dem Mitglieder-Verzeichnisse.
P. T. Herr Kraupa, Dr. Josef, ae 111./3,
Marokkanergasse 3 5 Krska, Emanuel, Enreschul: Der
Wien. Mährisch-Budwitz.
„ Frl. Mayer, Amalie, IX., Prechtelgasse 1 Wien.
n „ Meissner, Hedwig, XIX., Brechergasse 6 . . Wien.
„ Herr Mitlacher, Dr. Wilh., Privatdozent am 57 oa kologischen Takte Wien.
N „ Netolitzky, Dr. Fritz, KinteneBe ie . Innsbruck.
F „ Penk, Prof. Dr. Albr., III./3, Marokkanergasse 12 Wien.
= „ Petraschek, Dr. Wilh., III./3, Strohgasse 7 Wien.
4 „ Podp£&ra, Josef, Assistent am Landesmuseum, kgl. Weinberge, Slezska 20 EEE
ei „ Regen, Joh., Professor, IX./2, Lazarethgasse 30 Wien.
n „ Schawerda, Dr. Karl, VI., Gumpendorferstr. 22 Wien.
A „ Sehnerf, Karl, Stud., VI., Kanalgasse 5 . Wien.
$ „ Senft, Emanuel, k. “ Med. -Offizial, IX./3, Wäh- ringerstraße 25 ’ Wien.
»„ Frl. Soltokovie, Marie, nen VIL, Rollo 12 Wien.
„ Herr Tachet, Karl, IV./1, Große Neugasse 30 . Wien.
= „ Teodoresco, Dr. E. C., Botanisches Institut . Bukarest.
„ Frau Weinreb, Hermine, IX./1, ag 50 Wien.
„ Herr Weippl, Theodor, Lehrer Klosterneuburg.
E „ Zederbauer, Willibald, Lehrer, IL. hr: Wien,
5 „ Zeiss, Karl, optische PreiPSUlE (deva)ı IX Ferstlgasse 1 a: s . Wien.
Bericht
über die
außerordentliche Plenarversammlung
am 10. Dezember 1902.
Der Präsident Prof. v. Wettstein begrüßt die Versammlung
und widmet dem ausscheidenden Sekretär Prof. Dr. Frid. Krasser
warme Worte des Dankes und der Anerkennung.
Auf Antrag Prof. Grobbens wird der hochbetagte Zoologe Prof. Franz v. Leydig in Würzburg einstimmig zum Ehrenmitgliede
6 Bericht über die außerordentliche Plenarversammlung.
ernannt. In gleicher Weise werden, einer Anregung aus dem Kreise der Botaniker entsprechend, die Professoren Graf Solms-Laubach in Straßburg und Karl Göbel in München zu Ehrenmitgliedern gewählt.
Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl eines Sekretärs entfielen fast alle Stimmen auf Dr. Friedr. Vierhapper, welcher sich auch bereit erklärt, diese Wahl anzunehmen und seine Kräfte dem Vereine zur Verfügung zu stellen.
Zum Schlusse hielt Herr Emerich Zederbauer einen von Demonstrationen und Vorführung von Projektionsbildern begleiteten Vortrag über seine auf Kosten des „Vereines zur naturhistorischen Erforschung des Orientes“ unternommene Reise in das Erdschias- (Gebiet.
Sektion für Lepidopterologie.
Versammlung am 6. Dezember 1902. Vorsitzender: Herr Dr. H. Rebel.
Der Abend war fast vollständig der von Herrn Fritz Wagner eingeleiteten und durch Demonstration des einschlägigen Materiales unterstützten Diskussion über Pieris Napi-Formen gewidmet, an welcher sich außer dem Vorsitzenden auch die Herren Bohatsch, Galvagni und Habich beteiligten. In sachlicher Beziehung wird auf eine diesbezügliche, demnächst in diesen „Verhandlungen“ er- scheinende Arbeit von Herrn Fritz Wagner verwiesen.
Herr Otto Habich demonstriert hierauf einige aberrative Exemplare aus seiner Sammlung, darunter ein @ von ‚Erebia Aethiops Esp. mit breiter, augenloser, gelbroter Binde der Vorderflügel von St. Egyd in Niederösterreich.)
!) Ein ganz übereinstimmendes Stück (9) mit der Bezeichnung „Hinterberger auf dem hohen Buchberg bei Steinbach (Ob.-Österr.)“ befindet sich im k. k. naturhistorischen Hofmuseum (Rebel).
Versammlung der Sektion für Lepidopterologie am 6. Dezember 1902. 7
Herr Otto Bohatseh läßt einige Neuerwerbungen seiner Sammlung zirkulieren, darunter besonders neue Cossus-Arten aus Zentralasien.
Versammlung am 2. Jänner 1903. Vorsitzender: Herr Dr. H. Rebel.
Der Vorsitzende macht unter Demonstration des einschlägigen Materiales nachstehende Mitteilung:
Bei Neuaufstellung der Lycaeniden im k. k. naturhistorischen Hofmuseum fielen mir unter dem Namen Lycaena Galba Ld. zwei männliche, von Kotschy in Senaar (Nubien) gesammelte und mit der Nadeletiquette „Galba Koll. i. 1.“ bezeichnete Stücke auf, welche unmöglich der von Lederer als Galba beschrie- benen Art aus Syrien angehören können, obwohl Lederer zweifellos den Namen von ihnen entlehnt hatte, wie er dies in seiner Beschreibung auch angibt. Die fraglichen Stücke von Senaar erwiesen sich vielmehr als ganz sicher zu Zycaena (Lampides) Thebana Stgr. gehörig. Ein weiteres Nachforschen ergab nun, daß Thebana Stgr. zweifellos mit Ubaldus Cr. (Nicev., Butt. Ind., III, p. 123; Auriv., Rhopal. Aethiop., p. 366) zusammenfallt, wovon auch Zena Moore (wie dies be- reits Niceville, l. c., annimmt, trotz der angeblich einfärbig braunen Oberseite des g') nicht zu trennen sein dürfte (die kurze Schwanzbildung in der Abbil- dung von Zena g' bei Moore, Pr. Z. S., 1865, 31, Fig. 9, ist irrtümlich).
Was nun die echte, syrische Lycaena Galba Ld. anbelangt, so erhielt ich durch Zufall dieser Tage ein Pärchen mit der Bezeichnung „Jordantal“, respektive „Haifa“ zur Ansicht, welches die vollste Übereinstimmung mit Lederers Beschrei- bung aufwies. Darnach kann von einer Synonymie mit Lycaena Lysimon Hb., wie diese Nic&@ville (Butt. Ind., III, p. 116) annimmt, keine Rede sein. Galba unterscheidet sich von Lysimon sofort auf der Flügelunterseite durch den Mangel eines Wurzelpunktes in der Mittelzelle der Vorderflügel, durch den geraderen Ver- lauf der äußeren Fleckenreihe daselbst, ferner auf den Hinterflügeln durch drei sehr hervortretende, tief schwarze Basalpunkte (davon zwei am Vorderrande ge- legen) und vor allem auch durch die beiden tief schwarzen, metallisch auf- geblickten Randpunkte am Innenwinkel, wovon jener in Zelle 2 eine bedeutende Größe erreicht. Letzterer ist — namentlich beim 9 — auch auf der Öberseite sehr deutlich. Lederers Abbildung des g' ist vorzüglich, nur der schwarze Schlußstrich der Mittelzelle der Vorderflügel auf der Oberseite ist bei dem vor- liegenden g' weniger deutlich.
Galba Ld. steht der Lye. Jesous Guer. (Gamra Ld.) etwas näher, unter- scheidet sich aber auch von dieser sofort durch die Unterseite, wo Jesous auf den Vorderflügeln einen sehr charakteristischen Subkostalstrieh, zu braungelben Bändern vereinigte Flecke, grobe schwarze Saumpunkte und auf den Hinter-
8 Versammlung der Sektion für Lepidopterologie am 2. Jänner 1903.
flügeln sechs tief schwarze Basalpunkte besitzt. Auch ist das Violettblau der Oberseite von ‚Jesous Z' ganz verschieden von dem tiefen Blau von Galba d', die Oberseite von Jesous @ ist im Diseus viel heller ete.
Von Ubaldus Cr. (Thebana Stgr.) unterscheidet sich Galba sogleich dureh die Färbung der Oberseite des Z', welche bei Ubaldus (ähnlich wie bei ‚Jesous) violettblau, gegen den Saum aber breit bräunlich wird. Auf der Unterseite treten auch bei Ubaldus ein Kostalstrieh der Vorderflügel und die Flecke in gelbbraunen Bändern geeinigt auf, überdies liegt ein sehr charakteristischer schwarzer Punkt am Vorderrande bei ?/; seiner Länge. Die Hinterflügel besitzen daselbst vier schwarze Basalpunkte und nur schwarze (nicht metallisch aufgeblickte) Punkte im Innenwinkel. Mit der kleineren, auf der Oberseite in beiden Geschlechtern stets braun bleibenden Zycaena (Chilades) Trochylus Frr. liegt keine nähere Verwandtschaft vor.
In systematischer Beziehung ist jedenfalls wichtig, daß Lye. Galba Ld. sowie ZLye. Lysimon Hb. und Lyc. Jesous Guer. nackte Augen besitzen, daß die- selben aber bei Ubaldus Cr. lang behaart sind. Der Verlauf der Subkostaläste der Vorderflügel von Galba Ld. stimmt besser mit jenem von Lysimon als mit jenem von Jesous oder Ubaldus überein.
Schließlich sei noch bemerkt, daß die Gattung ZLampides Hb. im Sinne der neuen Katalogsauflage nicht zu Recht besteht. Die darunter vereinigten Arten, welche nur das Gemeinsame besitzen, daß sie mehr oder weniger fremde Elemente in der paläarktischen Fauna darstellen, gehören ganz verschiedenen Gattungen an und wären besser mit den Arten der (bis auf C'hilades und Cyaniris) ohnedies nicht weiter aufgelösten Gattung ZLycaena vereinigt geblieben.
Herr Egon Galvagni macht hierauf folgende Mitteilung:
Dr. Staudinger hat bereits vor Jahren eine tiefer gefärbte und schärfer gezeichnete Form der Rhyparia Purpurata L. als var. Atromaculata abgetrennt, welche seither auch unter diesem Namen in den Handel kam, aber unbeschrieben blieb. Nun möchte ich diese Form, natürlich unter Beibehaltung des von Dr. Staudinger vorgeschlagenen Namens, in die Systematik einführen. Die Grund- farbe der Vorderflügel ist oberseits licht bis dunkel o-kergelb (letzteres ins- besondere im weiblichen Geschlechte); ihr entspricht ein tieferes Purpurrot der Hinterflügel. Die braungrauen Flecke der Vorderflügel sind vergrössert und ver- dunkelt und haben die Neigung, sich zu Binden zu vereinigen. Dasselbe gilt von den schwarzen Flecken der Hinterflügel, deren Zwischenräume mitunter an- gerußt sind. Die Unterseite aller Flügel unterscheidet sich in der Färbung nicht von normalen Stücken. Die schwarzen runden Flecke sind hier fast durchwegs zu Binden zusammengeflossen. — Typen: Ein tadelloses gezogenes Pärchen (Bremen) aus der bekannten Sammlung des Herrn Otto Bohatsch in Wien, 2 Q (Hieflau, Steiermark, Mitte Juli 1901 am Licht gefangen) in meiner Sammlung.
Es sei bemerkt, daß von Oberthür (Etud. Ent., XX, Pl. 18, Fig. 290—293) bereits Stücke aus Elsaß und Deutschland abgebildet wurden, welche der aberr.
Versammlung der Sektion für Lepidopterologie am 2. Jänner 1903. 9
Atromaculata zugehören dürften, die vielleicht in Korea und im Amurgebiet den Charakter einer Lokalform annimmt (Staudinger, Mem. Rom., VI, p. 279). Weiters wird ein aberrierendes Stück der Larentia Variata Schiff., welches die Zeichnungsanlage der ab. Stragulata Hh., aber das Kolorit der Stammart aufweist, von Herrn Galvagni demonstriert.
Schließlich macht der Vorsitzende darauf aufmerksam, daß die biologisch sehr relevante Frage, ob die Schmetterlinge im Imaginal- stadium unter der Verfolgung durch Vögel zu leiden hätten, jetzt in auswärtigen Fachblättern häufig zur Diskussion gebracht wird, und fordert die anwesenden Sektionsmitglieder auf, ihre diesbezüglichen Beobachtungen zu sammeln und an einem der nächsten Diskussions- abende zur Kenntnis zu bringen.
Die Herren Dr. Schima, Fr. Wagner und Dr. Kolisko geben sofort einige diesbezügliche Beobachtungen bekannt.
Sektion für Zoologie.
Versammlung am 12. Dezember 1902. Vorsitzender: Herr Prof. Dr. K. Grobben.
Herr Kustos Dr. L. v. Lorenz hielt einen Vortrag: „Ueber subfossile Lemuren von Madagaskar.“
Reste von solehen waren in bedeutender Anzahl in Höhlen bei Fort Dauphin gefunden worden, wovon der größere Teil an das naturhistorische Hofmuseum gelangte und von dem Vortragenden untersucht wird. Eine dieser Formen ist bereits in den Denkschriften der kaiserlichen Akademie der Wissen- - schaften (1901 und 1902) unter dem Namen Hadropithecus stenognathus Lz. eingehend beschrieben. Die hauptsächlich auf ziemlich vollständige Schädelstücke begründete Gattung ist mit dem Genus Nesopithecus nahe verwandt und hat mit diesem eine Reihe anthropoider Merkmale gemein, wie eine geräumige Schädelhöhle, ein steiles Profil, nach vorne gerichtete Augen, den Eingang in den Tränenkanal am Rande der Orbita und insbesondere Eigentümlichkeiten der Bezahnung. Der freie Übergang der Augenhöhlen in die Schläfengruben, die große, blasig aufgetriebene Bulla mit dem frei in dieselbe hineinragenden Annulus tympanicus weisen aber auf Lemuren hin. Die Größe des Schädels von Hadro- pithecus entspricht ungefähr dem eines Luchses, übertrifft also die größten der
10 Versammlung der Sektion für Zoologie am 12. Dezember 1902.
bekannten lebenden Lemuren beträchtlich. Der bedeutende Umfang der Augen- ränder deutet auf ein Nachttier.
Die zweite Form, welche zur Besprechung gelangte, gehört der schon 1893 aufgestellten Gattung Megaladapis an. Es liegen davon mehrere Schädel und zahlreiche Knochen des übrigen Skeletes vor. Vorläufige Mitteilungen wurden darüber gleichfalls in den genannten Denkschriften veröffentlicht, und zwar zu- nächst nur auf Grund von Photographien und einigen wenigen Bruchstücken von Armknochen. Eine ausführliche Abhandlung über die anderen seither eingelangten Originalstücke ist in Vorbereitung. Die Schädel übertreffen jenen von Megala- dapis madagascariensis F. Major ungefähr um ein Drittel, der größte hatte eine Länge von über 30 cm besessen. Für diese riesigen Lemuren hatte Lorenz ur- sprünglich den Namen Megaladapis brachycephalus vorgeschlagen, es stellte sich aber nach Eintreffen der ÖOriginalschädel heraus, daß sie mit den als Peloria- dapis edwardsi G. Grand. und Megaladapis insignis F. Major beschriebenen Resten identisch seien und daß ihnen demnach die Bezeichnung Megaladapis edwardsi G. Grand. zukommt. Überraschend ist die Ähnlichkeit, welche die Seitenansicht des Schädels mit den Umrissen eines Nashornschädels zeigt. Die Mächtigkeit und Gestalt der Arm- und Schenkelknochen deuten auf ein Tier von großer Muskelkraft mit vollkommen freier Beweglichkeit der vorderen Extremitäten.
Bericht über die Koleopterenausbeute
des Herrn E. Galvagni auf den dalmatinischen Inseln Pelagosa, Lissa und Lagosta.
Von Josef Müller,
Supplent an der Staatsrealschule in Triest.
(Eingelaufen am 15. September 1902.)
Im vergangenen Jahre (1901) hat mein Kollege Herr Egon Galvagni in Wien eine Reise nach Dalmatien unternommen, auf der in erster Linie Lepido- pteren gesammelt wurden. Nebenbei hat aber Herr Galvagni sein Augen- merk auch auf die übrigen Insektenordnungen gerichtet und mir die erbeuteten Koleopteren in liebenswürdiger Weise zur Bearbeitung überlassen. Im Nach- stehenden soll nur über einen Teil (allerdings den größten) der Koleopteren- ausbeute berichtet werden, nämlich über die auf den Inseln Pelagosa, Lissa und Lagosta gesammelten Arten; ein anderer Teil der Ausbeute stammt aus der Umgebung von Spalato, doch scheint dieser, so weit ich bei einer flüchtigen Betrachtung sehen konnte — zu einem eingehenden Studium fehlt mir momentan die Zeit —, nichts Bemerkenswertes zu enthalten.
Bericht über eine Koleopterenausbeute von den Inseln Pelagosa, Lissa und Lagosta. ul
Wie schon erwähnt, wurden von Herın Galvagni auf seiner Reise haupt- sächlich Lepidopteren gesammelt und es darf daher nicht wundern, daß die Koleopterenausbeute nicht besonders reich ausgefallen ist. Doch bietet sie einiges Interessante, namentlich in Bezug auf die geographische Verbreitung gewisser Species. So wurde z. B. die Danacaea pieicornis Küst., die von J. Pro- chäzka!) nur aus Korsika und Sardinien angeführt wird, auf der Insel Pelagosa gefunden und Pachybrachys etruscus Weise, von Florenz beschrieben, wurde auf Lissa erbeutet.
Über die Käferfauna der von Galvagni besuchten Inseln ist eigentlich nur außerordentlich wenig bekannt. Was zunächst Pelagosa anbelangt, so finden wir einige spärliche Notizen in der Publikation von M. Stossich, be- titelt: Sulla geologia e zoologia dell’ isola di Pelagosa.”) Hier werden von der Insel Pelagosa nebst anderen Tieren auch acht Koleopterenarten angeführt. Eine andere Arbeit über Pelagosa rührt von dem Engländer Burton her. Sie ist unter dem Titel: „A Visit at Lissa and Pelagosa“ erschienen?) und soll auch An- gaben über einige Käfer enthalten; doch war mir leider diese Publikation nicht zugänglich. Außer diesen beiden Arbeiten ist meines Wissens nichts erschienen, worin über die Käferfauna von Pelagosa etwas gesagt wäre. Über die Fauna von Lissa kenne ich nur ein kleines Verzeichnis von 32 Arten, die von F. Dirn- böck im Jahre 1873 gesammelt wurden. Diese Liste wurde in der Berliner Entom. Zeitschr., XVIII. 1874, S. 142 publiziert und enthält lediglich eine Auf- zählung der erbeuteten Arten, ohne sonstige Angaben über Lebensweise ete. Über die Insel Lagosta habe ich in der Literatur keine Angaben, die Koleo- pteren betreffend, gefunden. — Bei diesen so mangelhaften Kenntnissen über die Koleopterenfauna von Pelagosa, Lissa und Lagosta scheint es mir angezeigt, ein vollständiges Verzeichnis der von Galvagni auf den genannten Inseln ge- sammelten Arten (auch der gemeinen und weit verbreiteten) zu publizieren.
Bevor ich zur Aufzählung und Besprechung der auf den einzelnen Inseln gesammelten Spezies übergehe, sei es mir erlaubt, den Herren Dr. Max Bern- hauer, Kustos Ludw. Ganglbauer, J. Schilsky und J. Weise für die gütige Unterstützung bei der Bestimmung einiger Arten meinen herzlichsten Dank aus- zusprechen. Ich habe bei diesen Arten den Namen des Determinators in Klam- mern beigefügt. Wo nichts erwähnt ist, wurde die betreffende Spezies von mir selbst bestimmt.
I. Pelagosa.
Wie allgemein üblich, war in den vorhergehenden Zeilen von der „Insel Pelagosa“ die Rede; eigentlich sollte man aber von der „Inselgruppe Pela- gosa“ sprechen. Denn die Bezeichnung Pelagosa umfaßt vor allem zwei Inseln,
1) Revision der Coleopteren-Gattung Danacaea (Verh. des naturf. Ver. in Brünn, XXXIII, 1894, 8. 22).
2) Bolletino della Societä adriatica di scienze naturali in Trieste, 1877, p. 184—192.
3) Journal of the royal geograph. Soc. of London, 1879, p. 151.
12 Josef Müller.
nämlich Pelagosa grande und Pelagosa piccola, dann eine Anzahl von Scoglien, wie den Scoglio di Tramontana, Sasso d’ Ostro, Sceoglio Braghe ete.
Herr Galvagni hat hauptsächlich auf Pelagosa grande gesammelt und ich gebe zunächst ein Verzeichnis der auf dieser Insel erbeuteten Koleopteren:
eat
. Acinopus pieipes Oliv. 1 Exemplar.
. Ophonus sabulicola columbinus Germ. 1 Exemplar.
. Ophonus meridionalis Dej. 1 Exemplar.
. Harpalus distinguendus Duftschm. 1 Exemplar.
. Harpalus tenebrosum var. Solieri Dej. 1 Exemplar.
. Licinus silphoides Rossi. 2 Exemplare.
. Danacaea pieicornis Küst. (determ. Schilsky). 2 Exemplare.
. Tentyria italica Sol. Unter Steinen und am Boden, in Anzahl.
. blaps gibba Lap. Unter Steinen und am Boden, 3 Exemplare (9).
Bei einem dieser drei Exemplare ist der Halsschild 1'/;mal so breit als lang, nicht viel schmäler als die Flügeldecken; die Seiten sind hinten nur schwach verengt. Die beiden übrigen Exemplare haben zwar auch nach hinten nur wenig verengte Halsschildseiten, dafür ist aber die Breite des Halsschildes geringer; sie steht gegen diejenige der Flügeldecken weit zurück und beträgt nicht ganz 1’/zmal soviel als die Halsschildlänge. Ein viertes Exemplar von Pelagosa (ebenfalls 2), welches mir durch Herrn Dr. A. Ginsberger vorliegt, hat wieder einen etwas anders gebauten Halsschild. Dieser ist nämlich im Verhältnisse zu den Flügeldecken ziem- lich schmal, wie jener der beiden letztgenannten, von Galvagni gesam- melten Exemplare; im Gegensatze zu diesen ist er aber etwas kürzer, daher stärker quer; auch sind seine Seiten mehr gerundet und nach hinten stärker verengt. Es herrscht also bezüglich der Größe und Form des Halsschildes eine ziemlich große Variabilität.
10. Dendarus dalmatinus Germ. Unter Steinen, 2 Exemplare.
11. Pedinus meridianus Muls. Unter Steinen, häufig.
12. Anaspis pulicaria Costa. 2 Exemplare (', 9).
13. Oedemera flavipes Fabr. 1 Exemplar (9).
14. Rhytidoderes plicatus sieulus Fahrs. 1 Exemplar.
15. Apion pisi Fabr. 1 Exemplar,
16. Macrolenes ruficollis Fabr. Zwei weibliche Exemplare, von denen das eine der ab. salicariae Menetr., das andere der ab. bimaculata Rossi angehört.
17. Psylliodes cuprea Koch (determ. Weise). 1 Exemplar.
18. Aphthona cyanella Redtb. 1 Exemplar.
19. Longitarsus exoletus var. arctulus Wse. (determ. Weise). Mehrere Exemplare,
SOC@O I UM DD
Auf der Insel Pelagosa piccola fand Galvagni nur zwei Spezies, von denen die eine bereits von Pelagosa grande angeführt wurde (Oedemera flavipes); die andere ist:
20. Stenosis brenthoides Rossi. Unter Steinen, einige Exemplare.
Bericht über eine Koleopterenausbeute von den Inseln Pelagosa, Lissa und Lagosta. 15
Von diesen 20 durch Galvagni auf Pelagosa (grande und piecola) er- beuteten Koleopterenformen sind zwölf nur aus Südeuropa oder den Medi- terranländern bekannt; sieben (nämlich Harpalus distinguendus, tenebrosus, Anaspis pulicaria, Oedemera flavipes, Apion pisi, Psylliodes cuprea und Aph- thona cyanella) sind über ganz Europa oder wenigstens über Mittel- und Südeuropa verbreitet und eine Form, nämlich Longitarsus exoletus var. arc- tulus, wird von Weise!) nur von Prag und Magdeburg angeführt.
Interessant ist das Vorkommen von Danacaea pieicornis Küst. auf Pela- gosa; Prochäzka (l. c.) gibt als Fundorte dieser Art nur Korsika und Sar- dinien an. Auch Rhytidoderes plicatus siculus war meines Wissens bisher aus Dalmatien noch nicht bekannt; Reitter wenigstens gibt in seiner Bestimmungs- tabelle der Tropiphorini und Alophini?) als Fundort dieses Rüßlers nur Sizilien, Griechenland, Syrien und Algier an. Ich muß übrigens noch erwähnen, daß Rhytidoderes plicatus siculus auch auf der Insel Lesina vorkommt; er wurde dort von dem verstorbenen Lehrer Giambattista Novak erbeutet.
Es sei hier noch bemerkt, daß von den oben angeführten, von Herrn Galvagni auf Pelagosa gesammelten Koleopteren die Tenebrioniden bezüglich der Individuenzahl am reichsten vertreten waren; sämtliche fünf mitgebrachten Tenebrionidenarten waren in mehreren oder in vielen Exemplaren vorhanden, während von den Repräsentanten der anderen Familien nur einzelne, selten mehrere Exemplare gefunden wurden. Es scheinen also auf Pelagosa unter den Käfern die Tenebrioniden wenigstens hinsichtlich der Individuenzahl den ersten Rang einzunehmen. Übrigens dürfte auch die Artenzahl der auf Pelagosa vor- kommenden Tenebrioniden eine für Dalmatien verhältnismäßig große sein; man bedenke nur, daß von den oben aufgezählten 20 Koleopterenformen fünf (also ein Viertel) auf die Tenebrioniden entfallen.
M. Stossich erwähnt in seiner oben eitirten Arbeit über Pelagosa acht Koleopterenspecies, von denen fünf auch von Herrn Galvagni wieder gefunden wurden (Ophonus sabulicola columbinus, Tentyria italica, Stenosis brenthoides,?) Blaps gibba und Pedinus meridianus); die übrigen drei von Stossich ange- gebenen Arten sind: Oryctes grypus, Othiorrhynchus giraffa und Parmena Solieri. Es wäre sehr interessant zu konstatieren, ob wirklich die Parmena $o- lieri, eine südfranzösische Art, auf Pelagosa vorkommt, oder vielmehr die ähn- liche Parmena pubescens, die auch auf anderen dalmatinischen Inseln zu finden ist.
Ich möchte an dieser Stelle der Vollständigkeit halber noch einige wenige Arten von Pelagosa anführen, die mir von Herrn Dr. A. Ginsberger in Wien zur Determination zugeschickt wurden. Sie wurden sämtlich auf Pelagosa grande, und zwar anfangs Mai 1895 gesammelt; nur der Lixus angwineus wurde im Juni 1901 gefunden.
ı) Naturgesch. der Ins. Deutschl,, Bd. IV, 1893, S. 1001.
2) Wiener Entom. Zeitg., XX, 1901, S. 209.
3) Stossich erwähnt zwar nur Stenosis intermedia, doch glaube ich, daß damit wohl nichts anderes als die typische Stenosis brenthoides gemeint ist.
Josef Müller.
. Acinopus pieipes Oliv. 1 Exemplar.
. Dermestes Frischi Kugel. 1 Exemplar (J').
. Tentyria italica Sol. 2 Exemplare.
. Blaps gibba Lap. 1 Exemplar (P).
. Lixus anguineus L. 1 Exemplar, in Stengeln von Brassica Botterüi Vis.
II. Lissa.
Im nachfolgenden Verzeichnisse der von Galvagni auf dieser Insel ge-
sammelten Koleopteren werden drei Fundorte erwähnt: Hum, Comisa und Lissa. Hum ist die höchste Erhebung der Insel Lissa (585 m) und befindet sich im südwestlichen Teile derselben; Comisa und Lissa sind zwei kleine Ortschaften, erstere an der West-, letztere an der Nordküste der Insel gelegen. Näheres darüber hat Kollege Galvagni in seiner Publikation über die Fauna dieser Insel mitgeteilt.')
1.
ao Va w
d. 10. Al, 12. 13.
Carabus caelatus dalmatinus Duft. Weg auf den Hum, in zirka 100 m Höhe, 2 Exemplare (d', Q).
. Acinopus pieipes Oliv. Comisa, 1 Exemplar.
Ganglbauer?) gibt für diese Spezies zwei borstentragende Punkte jederseits in den Vorderecken des Clypeus an. Das trifft aber nicht immer zu; es gibt auch Exemplare, bei denen in den Vorderecken des Clypeus nur je ein Borstenpunkt vorhanden ist. Ein Beispiel dafür liefert gerade das oben erwähnte Exemplar von Comisa; ferner besitzen auch einige der mir vorliegenden Stücke von der Insel Meleda in den Vorderecken des Kopfschildes nur je eine Borstenpore.
. Oxytelus complanatus Er. (determ. Bernhauer). Comisa, 1 Exemplar.
. Oxytelus speculifrons Kr. (determ. Bernhauer). Comisa, 1 Exemplar.
. Oxytelus elypeonitens Pand. (determ. Bernhauer). Comisa, 1 Exemplar. . Olibrus castaneus Baudi. Comisa, 2 Exemplare von Cistus monspeliensis
gekötschert.
7. Melighetes nanus Er. (determ. Ganglbauer). Comisa, 2 Exemplare (d', ). . Attagenus piceus Oliv. Comisa, 1 d'.
Dieses Exemplar besitzt bemerkenswerterweise dunkle Beine. Ein zweites Exemplar mit dunklen Beinen (und zwar ein Q) besitze ich von Zara. — Sonst kommen in Dalmatien auch typisch gefärbte Individuen mit gelbroten Extremitäten vor.
Hister major L. Comisa, 1 Exemplar.
Scarabaeus variolosus Fabr. Comisa, 2 Exemplare.
Gymnopleurus pilularius L. Comisa, in Anzahl.
Epicometis hirta Poda. Comisa, 2 Exemplare.
Cetonia aurata ab. praeclara Muls. Comisa, 1 Exemplar; Hum, 1 Exemplar.
ı) „Beiträge zur Kenntnis der Fauna einiger dalmatinischer Inseln“ in diesen „Verhand-
lungen“, Bd. LII, 1902, S. 362—388.
2) Die Käfer von Mitteleuropa, Bd. I, S. 336.
Bericht über eine Koleopterenausbeute von den Inseln Pelagosa, Lissa und Lagosta. 15
14. Potosia speciosissima Scop. Comisa, 1 Exemplar.
15. Potosia cuprea F. (= floricola Herbst) subspee. obscura Andersch. Comisa,
1 Exemplar.
. Troscus elateroides Heer (determ. Ganglbauer). Comisa, von Cistus mon-
speliensis am Abend 1 Exemplar gekötschert.
. Cardiophorus vestigialis Er. Hum, 1 Exemplar.
. Melanotus crassicollis Er. Comisa, 1 Exemplar.
. Malachius spinipennis Germ. Comisa, 19.
. Dasytes dalmatinus Baudi (determ. Schilsky). Comisa, 3 Exemplare.
. Dasytes flavipes Ol. (determ. Schilsky). Comisa, 2 Exemplare (d', %).
. Danacaea macrocephala Schauf. (determ. Schilsky). Comisa, einige Exem-
plare.
. Trichodes alvearius Fabr. Comisa, 1 Exemplar.
. Xylopertha praeusta Germ. Comisa, 1 Exemplar.
. Tentyria italica Sol. Comisa, 1 Exemplar; Hum, 1 Exemplar.
. Helops Rossi Germ. Comisa, 1 Exemplar.
. Isomira testacea Seidl... Hum, ein auf der Oberseite ganz bräunlich-
gelbes Jg‘. Seidlitz beschrieb diese Art nach Exemplaren von Zara, Pola,
Italien und Nizza. Bei Zara hatte ich selbst Gelegenheit, mehrere Jahre hindurch diese Art zu sammeln. Sie kommt dort auf Eichen vor und ist namentlich gegen Ende April und im Mai nicht selten. — Isomira marcida habe ich dagegen bei Zara nie gefunden und es dürfte daher die Angabe Millers?) bezüglich des Vorkommens von Isomira marcida in den Eichenwäldern von Boccagnazzo bei Zara irrtümlich sein; höchst wahrscheinlich sammelte Miller nur die (damals noch nicht beschriebene) Isomira testacea.
28. Omophlus (Odontomophlus) armillatus Brull. subspec. epipleuralis Seidl.?)
Hum, ziemlich häufig.
Mit Hinsicht auf die Färbung der Beine und Palpen lassen sich bei den vorliegenden Exemplaren von Lissa drei Hauptformen unter- scheiden:
a) Das mittlere und das hintere Beinpaar sind vollkommen schwarz pigmentiert; an den Vorderextremitäten sind dagegen Schienen und Tarsen, oft auch die Spitze der Schenkel gelb. Palpen mehr oder minder gelbbraun.
b) Die gelbe Färbung erstreckt sich auch auf die Mittelbeine, und zwar zunächst auf die Tarsen und Schienen, seltener auch noch auf den apikalen Teil der Schenkel; an den Vorderbeinen ist außer den Tarsen und Schienen stets auch der Endteil der Schenkel gelb. Palpen mehr minder gelbbraun.
ı) Naturgesch. der Ins. Deutschl., Bd. V, II. Hälfte, 1896, S. 121. 2) Bericht über eine im Frühling 1879 nach Dalmatien unternommene koleopterologische
Reise (diese „Verhandlungen“, Jahrg. 1880, S. 4).
®) Naturgesch. der Ins. Deutschl., Bd. V, II. Hälfte, 1896, S. 241.
16
29, 80.
31. 32.
30. 34. 30. 96.
37.
38. 39. 40. 41.
42. 43. 44.
Josef Müller.
c) Die gelbe Färbung der Beine verschwindet, sämtliche Beinpaare sind vollständig dunkel pigmentiert. Palpen ebenfalls dunkel.
Von der Form a) sammelte Herr Galvagni 12 Exemplare (darunter nur 1 9), von b) 8 Exemplare (darunter ebenfalls nur 1) und von c) nur 1 g. Im Ganzen wurden also 21 Exemplare erbeutet, davon nur zwei 9.
Zonabris variabilis Pallas.. Comisa, in Anzahl.
Sämtliche Exemplare gehören der typisch gefärbten Form an. Oedemera flavipes Fabr. Comisa, mehrere Exemplare, darunter eines von
Cistus monspelliensis gekötschert.
Oedemera barbara Fabr. Comisa, 1 Jg‘.
Othiorrhynchus corruptor Host. Weg auf den Hum, in Weingärten zahl- reich, 25. Mai 1901.
Die meisten Exemplare sind noch nicht ganz ausgehärtet. Brachycerus algirus Fabr. (determ. Ganglbauer). Comisa, 1 Exemplar. Spermophagus cardui Bohem. Comisa, zahlreiche Exemplare auf Cistus,
darunter auch einige Stücke der ab. suleifrons Küst.
Hylotrupes bajulus L. Stadt Lissa, an einer Mauer 1 Exemplar.
Dorcatypus tristis Fabr. Comisa, 3 Exemplare.
Pachybrachys etruscus Wse. (determ. Weise). 1 Exemplar mit der Fundorts- angabe „Lissa“. Ich weiß nicht, ob damit die Insel Lissa in toto oder die Stadt Lissa gemeint ist.
Ohrysomela americana L. Comisa, 1 Exemplar.
Chrysomela menthastri Suffr. Comisa, 3 Exemplare.
Galerura littoralis Fabr. Comisa, einige Exemplare.
Psylliodes Kiesenwetteri Kutsch. Ein Exemplar bei Comisa von (istus monspeliensis am 22. Mai gegen Abend gekötschert. Zwei weitere Exem- plare sammelte ich vor Jahren in der Umgebung von Zara.
Cassida subferruginea Schrank. Comisa, 1 Exemplar.
Epilachna chrysomelina Fabr. Comisa, 1 Exemplar.
Scymnus Apetzi var. incertus Muls. Hum, 1%.
In Bezug auf die Färbung ist dieses Exemplar dem Seymnus inter- ruptus sehr ähnlich: auf jeder Flügeldecke befindet sich eine dreieckige rote Makel, welche auf die vordere Hälfte der Epipleuren übergreift; die Tarsen und Schienen sind rötlichgelb, nur die obere Kante der Mittel- und Hinterschienen ist etwas angedunkelt; die Schenkel sind schwarz pigmentiert und nur die äußerste Spitze der Vorder- und Mittelschenkel ist rötlichgelb gefärbt.
In der Größe stimmt dagegen dieses Exemplar von Lissa mit Sc. Apetzi überein. Seine Länge beträgt nämlich 2°7 mm, eine Zahl, die über die Maximallänge von Scymnus interruptus hinausgeht, bei Se. Apetzi dagegen sehr häufig vorkommt. — Es dürfte daher dieser Scymnus von Lissa eher dem Apetzi angehören, und zwar der var. incertus Muls. (wegen der interruptus-ähnlichen Färbung).
Bericht über eine Koleopterenausbeute von den Inseln Pelagosa, Lissa und Lagosta. 47
Auf der Insel Lissa wurde noch ein zweites Exemplar des eben beschriebenen Scymnus, und zwar ebenfalls ein $, durch Herrn A. Go- banz aufgefunden.
Von den oben verzeichneten 44 Spezies sind nur 13 über ganz Europa oder wenigstens Mitteleuropa verbreitet; alle übrigen sind südeuro- päische, respektive Mediterranformen.
Ein Vergleich zwischen der Koleopteren-Fauna von Lissa mit jener der benachbarten dalmatinischen Inseln kann vorläufig noch nicht angestellt werden, da letztere noch viel zu wenig in dieser Hinsicht erforscht sind. Das Gleiche gilt für Pelagosa.
Bemerkenswert ist das Vorkommen des Pachybrachys etruscus Wse. auf Lissa, einer Spezies, die von Florenz beschrieben ist.
Es sei hier noch erwähnt, daß Herr Galvagni außer den oben ver- zeichneten 44 Koleopterenarten noch ein weibliches Exemplar einer Lampyris von Lissa (Comisa) mitbrachte, welche aber nicht näher bestimmt werden konnte.
Dirnböck zählt (a. a. O0.) von Lissa 30 Koleopteren-Arten auf. Außer- dem werden noch zwei Koleopteren erwähnt, bei denen aber nur die Gattung festgestellt werden konnte (Helops spec. und Haltica nov. spec.?). Zwei Spezies, nämlich Cistela (= Gonodera) antennata und Chrysomela graminis, sind viel- leicht unrichtig determiniert; erstere dürfte die Isomira testacea sein, letztere die Chrysomela menthastri. Sollte sich die Sache so verhalten, so würden von den 30 Arten, die Dirnböck von der Insel Lissa aufzählt, sechs auch im Verzeich- nisse der von Galvagni mitgebrachten Arten vertreten sein, sonst nur vier (nämlich Helops Rossi, Chrysomela americana, Epilachna chrysomelina und Scymnus Ahrensi = Apetzi).
III. Lagosta. Auf dieser Insel wurden leider nur folgende fünf Spezies gesammelt:
1. Hister majer L. 1 Exemplar. . Potosia angustata Germ. Ein typisch gefärbtes Exemplar. 3. Capnodis tenebrionis L. Porto rosso (größere Bucht an der Südseite der Insel), 1 Exemplar. 4. Tentyria italica Sol. Porto rosso, 2 Exemplare; dann mehrere Exemplare auf dem Berge Hum. . Timarca pratensis Duft. 1 Exemplar.
DD
[3
Sämtliche fünf Spezies sind südeuropäisch.
Z. B. Ges. Bd. LIIl. 2
18 Ruggero Cobelli.
I veleni ed il Lasius emarginatus Oliv.
Per il D" Ruggero Cobelli
in Rovereto.
(Eingelaufen am 30. Oktober 1902.)
Nello scorso anno 1901, nei miei esperimenti sul senso del gusto di questa formica,!) adoperai sostanze sapide, ma quasi tutte non velenose per I’ uomo. Era pereio interessante di vedere come si comportasse questo L., verso sostanze che agiscono sull’uomo come veleni. Allo scopo di dilueidare tale questione eseguii in quest’ anno 1902 aleune osservazioni sul medesimo nido di L., usando del medesimo metodo adoperato in allora. Ed in vero procedeva nel modo se- guente. Nel primo giorno mescolava la sostanza velenosa a parti uguali di miele; nel secondo giorno su di un portaoggetti collocava il miele mescolato alla sostanza velenosa e presso a questo un secondo portaoggetti con miele puro; nel terzo giorno su di un portaoggetti si metteva una goccia di miele puro, e su di un altro vieino la sostanza velenosa sola. Ecco gli esperimenti e le relative con- elusioni.
Esperimenti.
30 Maggio. Miele con soluzione acquosa di solfato di atropina (0,01 :2). Moltissimi Z. succhiano tutto il miele, senza che si trovassero morti nello spazio adiacente. Per evitare ripetizioni noto qui che anche colle altre sostanze non trovai nessun morto.
31 Maggio. Miele colla soluzione di solfato di atropina e miele puro. Suechiano indifferentemente I’ uno e l’altro.
1 Giugno. Miele puro e soluzione sola di solfato di atropina. Succhiano il primo e non la seconda.
2 Giugno. Miele con tintura di belladonna. Lo succhiano tutto.
3 Giugno. Miele con tintura di belladonna e miele puro. Succhiano indifferentemente l’ uno e l’altro.
4 Giugno. Miele puro e tintura di belladonna sola. Suechiano il primo e non la seconda.
5 Giugno. Miele con soluzione acquosa di idroclorato di coc- caina (0,05:2). Pochi L. lo suechiano.
6 Giugno. Miele con soluzione di idroclorato di coccaina e miele puro. Succhiano il miele puro e non la soluzione di ceoceaina mescolata al miele.
7 Giugno. Miele puro e soluzione di idroclorato di coccaina sola. Suc- chiano il primo e non la seconda.
!) „Il senso del gusto nel Lasius emarginatus Oliv.“ per il Dre. Ruggero Cobelli in Rove- reto. (Separat-Abdruck aus den Verhandl, der k. k. zool,-botan. Gesellsch. in Wien, Bd. LII, 1902, Heft 4, 8. 254.)
I veleni ed il Zasius emarginatus Oliv. 19
8 Giugno. Miele mescolato con soluzione acquosa di idroclorato di morfina (0,05:2). La succhiano avidamente.
9 Giugno. Miele con soluzione di idroclorato di morfina e miele puro. Sucehiano indifferentemente ambidue.
10 Giugno. Miele puro e soluzione sola di idroclorato di morfina. Sue- chiano soltanto il primo.
11 Giugno. Miele con tintura di opio semplice. I Z. lo succhiano.
12 Giugno. Miele mescolato con tintura d’opio e miele puro. Ambidue sono succhiati dai L.
13 Giugno. Miele puro e sola tintura d’ opio. Succhiano soltanto il primo.
14 Giugno. Miele con soluzione acquosa di codeina (0,05:2). Lo succhiano avidamente.
15 Giugno. Miele con soluzione di codeina e miele puro. Succhiano ambidue.
16 Giugno. Miele puro e soluzione di codeina sola. Succhiano il primo e non la seconda.
17 Giugno. Miele con soluzione acquosa di idroclorato di pilo- carpina (0,05:2). I L. lo succhiano.
18 Giugno. Miele con soluzione di idroelorato di pilocarpina e miele puro. Succhiano ambidue.
19 Giugno. Miele puro e sola soluzione di idroclorato di pilocarpina. Succhiano soltanto il primo.
20 Giugno. Miele con soluzione arsenicale del Fovvler. Parecchi L. lo suechiano.
21 Giugno. Miele con soluzione del Fovvler e miele puro. I L. non succhiano n& l’ uno ne l’altro.
22 Giugno. Si replica l’ esperimento come jeri. Pochi ZL. succhiano ad ambidue.
23 Giugno. Per controprova si colloco su di un portaoggetti soltanto miele puro. Vengono soltanto pochi L. a succhiare il miele.
24 Giugno. Questo esperimento colla soluzione del Fovvler non essendo stato deeisivo abbastanza, si replica eollocando nuovamente un portaoggetti con miele mescolato alla soluzione arsenieale del Fovvler, ed un secondo portaoggetti con miele puro. Questa volta succhiano indifferentemente ad ambidue.
25 Giugno. Miele puro e soluzione sola del Fovvler. Succhiano il primo e non la seconda.
26 Giugno. Miele con soluzione acquosa satura a freddo di ni- trato di strienina. Pochi L. lo succhiano.
27. Giugno. Miele con soluzione di nitrato di strienina e miele puro. Succhiano indifferentemente l’ uno e l’altro.
23 Giugno. Miele puro e sola soluzione di nitrato di strienina. Suechiano soltanto il primo.
29 Giugno. Miele con tintura di noce vomica. I Z. la succhiano-
30 Giugno. Miele con tintura di noce vomica e miele puro. I L. suc-
chiano in numero presso a poco eguale ad ambidue i portaoggetti. 3%
20 Ruggero Cobelli.
1 Luglio. Miele puro e sola tintura di noce vomica. Succhiano il primo e non la seconda.
2 Luglio. Miele con tintura di aconito. I L. la succhiano.
3 Luglio. Miele con tintura di aconito e miele puro. Succhiano indiffe- rentemente I’ uno e l’altro.
4 Luglio. Miele puro e sola tintura di aconito. Succhiano soltanto il primo.
5 Luglio. Miele con tintura di colchico. I L. la succhiano avidamente.
6 Luglio. Miele con tintura di colchico e miele puro. Succhiano ad ambidue.
7 Luglio. Miele puro e sola tintura di colchico, Succhiano solo il primo.
8 Luglio. Miele con tintura di digitale. I L. lo succhiano.
9 Luglio. Miele con tintura di digitale e miele puro. I L. suechiano ad ambidue i portaoggetti.
10 Luglio. Miele puro e sola tintura di digitale. I Z. suechiano il primo e non la seconda.
11 Luglio. Miele con soluzione alecoolica di veratrina (0,02:2). Qualche L. si avvicina e sembra succhi il miele, sua non potei constatare il fatto con sicurezza.
12 Luglio. Miele con soluzione di veratrina e miele puro. I Z. suechiano il secondo soltanto, almeno non ne vidi aleuno succhiare il primo.
13 Luglio. Miele puro e sola soluzione di veratrina. Suechiano il primo e non la seconda.
14 Luglio. Miele puro. I L. lo succhiano.
15 Luglio. Non essendo riuseiti a tutta evidenza gli esperimenti colla soluzione acquosa di idroclorato di coccaina, e cosi pure quelli colla soluzione aleoolica di veratrina, eredetti bene di replicarli.
Miele con soluzione acquosa di idroclorato di coccaina e miele puro. I L. succhiano indifferentemente ad ambidue i portaoggetti.
16 Luglio. Miele con soluzione alcoolica di veratrina e miele puro. I L. suechiano indifferentemente e I’ uno e l’altro.
17 Luglio. Si replico l’esperimento ma colla variante, che si colloco il portaoggetti con miele puro nel luogo dove jeri erasi il portaoggetti con miele mescolato alla soluzione di veratrina, e quest’ ultimo nel sito gia oceupato dal primo. Anche con questa trasposizione i L. succhiano indifferentemente dall’ uno e dall’ altro.
18 Luglio. Esperimento eome jeri e con ugual risultato.
Conclusioni.
1. IL. suechiano indifferentemente il miele puro, ed il miele mescolato a parti eguali con soluzione acquosa di solfato di atro- pina (0,01:2), tintura di belladonna, soluzione acquosa di coccaina (0,05 :2), soluzione acquosa diidroclorato di morfina (0,05:2), tintura d’opio semplice, soluzione acquosa di codeina (0,05:2), soluzione acquosa di idroclorato di pilocarpina (0,05:2), soluzione arsenicale
I veleni ed il Zasius emarginatus Oliv. >
del Fovvler, soluzione acquosa satura a freddo di nitrato di stric- nina, tintura di noce vomica, tintura diaconito, tinturadicolchico, tintura di digitale, e soluzione aleoolica di veratrina (0,02:2).
2. Rifiutano tutte le sostanze citate al numero ], quando sono sole.
Da questi esperimenti parerebbe quindi risultare che il La- sius emarginatus Oliv., e refrattario a tutte queste sostanze che agiscono come veleni sull’uomo. Ed inoltre che le accetta qua- lunque sia il loro sapore.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. Von
Dr. Rudolf Wagner (Wien). Mit 6 Abbildungen im Texte.
(Eingelaufen am 26. Juli 1902.)
An den Capitulis der Zinnia paueiflora L.') und auch anderer Arten der Gattung, wie Z. verticillata Andr.,?) bemerkt man häufig eine Mißbildung einer der untersten Involukralschuppen; dieselbe besteht darin, daß eine solche, anstatt
!) Die Art stammt nach Angabe De Candolles im Prodr., Vol. V, p. 536 (1836) aus Peru, ist übrigens nach Angabe neuerer Autoren in Amerika weit verbreitet und auch auf den Kap Verde- schen Inseln eingeschleppt; der Index Kewensis gibt „Am. bor. et austr.“ als Heimat an. Nach Hemsley (Biol. Centr. Amer., Bot., II, p. 154) ist die Art unsicherer Herkunft, als Heimat wird nur „Mexiko?“ angegeben. Sie gehört wie die Z. verticillata Andr. in die von Asa Gray in Plant. Wright. Smithson. Contrib., III, Art. V, p. 105, adnot. aufgestellte Sektion Euzinnia, welche die sämtlichen im Prodromus aufgeführten Arten umfaßt.
Bentham et Hooker fil. nehmen in Gen. Plant., Vol. II, Pars 1, p. 357, die Gray sche Einteilung an, die in folgender Weise formuliert wird:
1. Euzinnia. Herbae annuae, achaeniis radii saepius (nee semper) exaristatis.
2. Diplothrix. Suffrutices vel fruticuli humiles, foliis angusta linearibus, achaeniis radii saepius dentatis aristatisve.
3. Heterogyne, a Diplothrice distinguitur fl. Q paueis saepe corolla abortiente ad stylum inter dentes ovarii nudum reductis.
Zur Sektion Zuzinnia wird bemerkt: „Species ad 4, inelusis omnibus a De Cand., Prodr., l. c., enumeratis ab auctoribus ad varietates hortenses inordinate multiplicatis.* Ohne Kenntnis des Materiales läßt sich dazu wohl in dem Sinne Stellung nehmen, daß bei der weiten Verbreitung der Sektion, von welcher De Candolle 10 Arten aufzählt, ein genaueres Studium gewiß mehr als vier Arten ergeben wird, vorausgesetzt allerdings, daß man sich nicht dem außerordentlich weiten Art- begriffe der meisten englischen Autoren anschließt.
Das „nec semper* der zitierten Diagnose bezieht sich darauf, daß im Prodromus, Vol. V, p- 534 sq. steht: „Achaenia corticata membranacea subalata, radii subtrigona calva ...*
Die Sektion Diplothrix wurde von De Candolle im Prodr., Vol. V, p. 611 auf zwei im mexi- kanischen Staate San Luis Potosi von Berlandier gesammelte Pflanzen gegründet: D. acerosa DC. und D. juniperifolia DU. Der Autor bemerkt zu den Namen: „Nomen (olim ab Oppiano Pino con-
22 Rudolf Wagner.
die Form und Textur eines Hochblattes zu haben, sich wenigstens bezüglich der Konsistenz und Färbung an die voraufgehenden Laubblätter anschließt, daß aber deren Gestalt ein mehr oder minder verunglücktes Mittelding zwischen den beiden genannten Blattformen darstellt: eine solche Schuppe ist gewöhnlich unregel- mäßig entwickelt, asymmetrisch, am Rande oft faltig, steht aber wohl immer den Laubblättern an Größe ganz bedeutend nach. Untersucht man die Stellungs- verhältnisse, so ergibt sich, daß der Ort für eine solche Mißbildung kein be- liebiger ist, sondern daß nur in ganz bestimmten Stellungen solche anomale Schuppen auftreten. Um dieses Verhalten genauer zu präzisieren, ist es nötig, den morphologischen Aufbau zuerst kurz darzustellen.
Die Blattstellung dieser Art wie der meisten der Gattung ist die dekus- sierte; die Internodien sind von wechselnder Länge, nehmen aber im allgemeinen nach oben zu. Z. paueiflora L. ist einjährig; an der ersten Achse der Pflauze werden 5—7 Blattpaare entwickelt, worauf die Achse mit Ter- minalinfloreszenz abschließt. Die untersten Internodien messen nur wenige Centimeter, während weiter nach oben deren Länge zunimmt; gewöhnlich beträgt die des letzten der Infloreszenz vorangehenden Internodiums etwa 8cm. Aus den Achseln sämt- licher Blattpaare mit Ausnahme der Kotyledonen entspringen Seitenachsen, deren Hypopodien 6cm und mehr messen. Sie ent- wickeln auf ihre Vorblätter bin nur noch wenige Blattpaare, um dann wiederum mit einem Blütenstande abzuschließen. Im Fig.1. Zinnia Gegensatze zu der Hauptachse und wohl auch zum Verhalten der paueifloraL. meisten anderen Arten der Gattung findet hier eine Streckung Capitulum mit des letzten der Infloreszenz voraufgehenden Internodiums nicht
mißgebildeten stutt, dessen Länge bemißt sich vielmehr nur nach wenigen Milli- Involukral- DE s > - le a metern, und bei diesen die Seitenachsen abschließenden Capitulis
trifft man denn auch vorwiegend die oben angedeuteten Miß- bildungen. Ein solcher Fall ist in Fig. 1 abgebildet. — Das betreffende Capi- tulum schließt eine Seitenachse erster Ordnung ab, welche drei wohlausgebildete Blattpaare zur Entwicklung gebracht hat: die Vorblätter und zwei weitere Blatt- paare; die Länge des Hypopodiums und der folgenden Internodien beträgt 9,
secratum) alludit et ad habitum foliorum ad Coniferas accedentem et ad aristas binas florum centra- lium.*“ Bentham et Hooker fil. geben die Zahl der Arten mit etwa sieben an.
Die Sektion Heterogyne A. Gr. umfaßt nur eine Art, die in Texas und Nordmexiko aui Prä- rien von Wright gesammelte Z. anomala A. Gr., deren Abbildung sich in Smithson. Contrib,, III, Art. V, Pl. X findet.
In den „Natürl. Pflanzenfam.“ (4. Teil, 5. Abt., S. 245) werden von 0. Hoffmann die beiden letzten Sektionen unter dem Namen Diplothrix DC. vereinigt, dafür aber eine andere Gattung (in Biol. Centr. Amer., Bot., Vol. II, p. 158) als zweite Sektion aufgenommen, nämlich Mendezia DC., von welcher weiter unten noch die Rede sein wird.
2) Gleichfalls Gartenmaterial; nach De Candolle (l. c., p. 535) stammt die Art aus Mexiko, Hemsley in Biol. Centr. Amer., Bot., Vol. II, p. 189, schreibt: „propably a robust cultivated state of Z. elegans Jacg.; nach der nämlichen Quelle (p. 153) kommt die letztgenannte Art im südlichen Mexiko, bei Ziticuaro, ferner um Cuernavaca wild vor und ist in anderen Ländern vielfach verwildert.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 23
beziehungsweise 55 und 2’5cm. Wie die Abbildung zeigt, alterniert nun das mißgebildete Involukralblatt mit den Blättern des letzten Laubblattpaares und eine genauere Vergleichung ergibt, daß auch das andere, zu einem zweizähligen Wirtel anscheinend fehlende Blatt vorhanden ist und seine entsprechende Stellung hat: es besitzt allerdings eine ganz andere Form und Konsistenz, indem es als Involukralblatt ausgebildet ist. Es stellt also dieser Fall nichts anderes dar, als einen allmählichen Übergang von der vegetativen Region in die florale. Indessen können wir noch etwas anderes an dem vorliegenden Falle feststellen. Berück- sichtigt man die an zahlreichen anderen Pflanzen der verschiedensten Familien gemachten Erfahrungen, so ergibt sich daraus mit großer Wahrscheinlichkeit, daß das mißgebildete, also in abnormer Weise entwickelte, gegen das andere, dem näm- lichen Wirtel angehörende Blatt nach außen fällt, also von der Abstammungs- achse, das ist in unserem Falle die Hauptachse, abgewendet ist. Der tatsächliche Befund bestätigt diese Vermutung. Wir haben es hier in gewissem Sinne mit einer lokalisierten Anisophyllie zu tun, und zwar speziell mit einer lokalisierten Median- anisophyllie, jener Form also, bei welcher nur die in die Mediane der Seiten- achsen fallenden Blätter ungleich sind. Eine solche Ungleichheit ist aber keine willkürliche, sondern die Stellung der größeren Blätter ist genau geregelt, und zwar sind es bei der großen Mehrzahl dieser Fälle die nach außen fallenden Blätter, die größer sind, es handelt sich also um eine exotrophe Förderung im Sinne Wiesners. Hier, an der Grenze zweier so verschiedener Blattformationen, wie es die Laubblätter und die im allgemeinen innerhalb der Gattung davon so scharf geschiedenen Involukralblätter sind,!) ist die große Differenz in der Aus- bildung der beiden zusammengehörenden Blätter keineswegs verwunderlich, um so weniger, wenn man die entwicklungsgeschichtlichen Vorgänge sich ins Gedächtnis zurückruft, die sich bei der Entwicklung eines Kompositenköpfchens abspielen. Die Anlage der ersten Phylla erfolgte zu einer Zeit, wo es noch gar nicht be- stimmt war, daß eine Infloreszenz zur Entwicklung gelangen solle; indessen änderten sich schon auf die ersten Involukralblätter hin die Divergenzen, womit die Zukunft des Vegetationskegels entschieden war. Die weitere Entwicklung der ursprünglich indifferenten Anlage vollzog sich dann im Sinne der Involukral- blätter, mit alleiniger Ausnahme des untersten, von der Abstammungsachse abgewandten, bei welchem exotroph fördernde Einflüsse im Sinne eines Rück- schlages nach der vegetativen Region zur Geltung kamen.
Nach den obigen Ausführungen möchte es wohl vielleicht als sehr unwahr- scheinlich gelten, daß ein der Abstammungsachse zugewandtes Involukralblatt eine solche Mißbildung wie die oben beschriebene aufwiese. Tatsächlich kommt das aber doch vor, aber das opponirte Blatt gehört in diesem Falle nicht mehr dem Involucrum an, sondern steht erheblich unterhalb desselben und ist als ge- wöhnliches Laubblatt ausgebildet. Es hat sich also hier, wie das so häufig vor- kommt, ein Sekundärinternodium eingeschoben, und zwar in dem häufig beob-
ı) Verhältnisse, welche innerhalb der Familie zwischen weiten Grenzen schwanken, und auf die ich weiter unten mehrfach zurückkommon werde,
24 Rudolf Wagner.
achteten Sinne, daß das nach außen fallende, also von der Abstammungsachse abgewandte Blatt tiefer inseriert erscheint; es ist denn auch in unserem Falle das geförderte, während das dem Involuerum angehörende das zurück- gebliebene darstellt.
Es wird sich in folgendem zeigen, daß derartige Verhältnisse, wie die so- eben besprochenen, in der Familie keineswegs isoliert stehen, daß es sich nicht um ein ganz absonderliches Vorkommnis handelt, was allein bei der genannten Zinnia festgestellt wurde, sondern daß Analoges bei anderen Kompositen wenn nicht ganz regelmäßig, so doch sehr bäufig beobachtet werden kann, ja bei ein- zelnen Gattungen geradezu typisch zu sein scheint, wenn schon in verschiedenem Grade bei verschiedenen Gattungen. Einige diesbezügliche Beobachtungen, die mir gerade zur Verfügung steben, sollen in den folgenden Zeilen mitgeteilt werden. Streng planmäßig ein solches Thema zu verfolgen, muß leider noch lange ein pium desiderium bleiben, da uns das Materiale eben nur in sehr be- schränktem Maße zur Verfügung steht und die weitaus überwiegende Hauptmasse aller Pflanzen ja nur in getrockneten Fragmenten bekannt ist. Fragmentarisch werden infolge dessen auch alle derartigen Angaben sein, die sich nicht aus- schließlich auf reichliches lebendes, an natürlichem wie künstlichem Standorte lange zu beobachtendes Material stützen. Dazu kommt noch etwas weiteres: die Schwierigkeit der Systematik, vor allem in Familien wie der vorliegenden, wo die Gattungs- wie jede andere Gruppenabgrenzung auf die größten Schwierig- keiten stößt und man bei der morphologischen wie anatomischen Besprechung von Pflanzen nur zu oft nicht weiß, ob sie wirklich mit anderen, zum Ver- gleiche herbeigezogenen verwandt sind oder ob die Annahme einer Verwandt- schaft lediglich auf blütenmorphologischen Parallelismen beruht.*)
Vielleicht kann in diese Verhältnisse durch das Studium der Verzweigungs- systeme, das sich aber dann auf die ganze Familie erstrecken müßte, etwas Licht gebracht werden; immerhin möchte ich auch hier schon darauf aufmerksanı machen, daß sich Anklänge an sehr verschiedene Familien finden; man braucht
!) Eine vorzügliche Illustration hierfür bietet, abgesehen von der weiter unten zu behan- delnden Gattung Gymnolomia H.B.K., die eingezogene, oben erwähnte Gattung Mendezia DC. Aus einer Art, M. bicolor DC., einem einjährigen, „in Mexici prov. Leoninä ad oceid. urbis Guanaxato* entdeckten Kraut bestehend, wurde die von De Candolle im Prodr., Vol. V, p. 532sq. aufgestellte Gattung benannt „in honorem cl. Mendez, botanici Mexicani, qui, mediante amiciss. L. Alaman, hane et plurimas alias ab ipso detectas humanissim& communicavit“ (l. c., p. 533). Bezüglich der morphologischen Verbältnisse der mir nur aus der Beschreibung bekannten Art teilt er unter-anderem mit: „Herba ... annua trichotoma ... Folia opposita ... Capitula terminalia solitaria ...“ Das sind Verhältnisse, die mit denjenigen der Euzinnien recht wohl vereinbar sind. Über die Verwandt- schaft heißt es: „Genus affine Verbesinae ex achaenio biaristata, sed multo affinius Parthenio et Tragocerati, priori caraeteribus, posteriori habitu.*
Endlicher folgt in seinen Gen. Plant. der Anschauung des Prodromus und stellt die Gat- tung zwischen Parthenium L. und Tragoceras Less.; in seinem in der Bibliothek des botanischen Museums befindlichen Handexemplar ist die Gattung gestrichen und mit aanz bezeichnet, käme demnach zwischen Chrysanthellum Rich. und Neuractis Cass. zu stehen.
Bentham et Hooker fil. schreiben in ihren Gen. Plant., l. c., p. 381: „... species Mexi- cana ex analysi optima Decaisnei in Deless., Ic. Sel., IV, f. 29, a Spilanthi non separanda videtur ...*;
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 25
nur im Schema die Einzelblüte mit dem Capitulum zu vertauschen und wird in Einzelfällen nicht mehr feststellen können, ob das Verzweigungsschema einer Komposite oder aber einer Caryophyllacee gilt. Ähnliches ließe sich über manche Borragineen. ja bis zu einem gewissen Grade selbst über Rosaceen oder Capri- foliaceen und andere fern stehende Familien sagen; indessen sind die einschlägigen Verhältnisse noch viel zu wenig studiert, um über den systematischen Wert der Verzweigungssysteme in dieser Familie auch nur etwas mehr als Vermutungen auszusprechen.
Aus diesen, wie aus rein praktischen Gründen halte ich mich in den folgenden Darstellungen, deren Unvollständigkeit mir recht wohl bekannt ist, nicht an ein bestimmtes System, sondern stelle die Verhältnisse in der Reihen- folge dar, wie sie mir bekannt geworden sind; ich behalte mir vor, Ergänzungen dazu später mitzuteilen, namentlich auch die eigentümlichen Verzweigungs- verhältnisse der Galinsoga parviflora R. et P. in extenso zu behandeln. Dabei wird sich Gelegenheit bieten, auf andere Kompositen mit dekussierter Blattstellung einzugehen.
Melanthera Rohr.!)
Vom M. hastata Mchx. liegt mir ein Ast vor (ob vielleicht das Ende der Hauptachse?), der mit einem Capitulum abschließt. Die Blattstellung ist
darnach wird die Art bei Spilanthes L. untergebracht und der Index Kewensis schreibt auch Sp. bi- color Bth. et Hook. fil., ex Hemsl., Biol. Centr. Amer., Bot., II, p. 153.
Hemsley (l. c.) zieht die Gattung gleichfalls ein, behält sie aber als Sektion von Zinnia L. bei, so daß nach seiner Anschauung, der sich auch 0. Hoffmann, l.c., anschließt, die Pflanze den Namen Zinnia bicolor (DC.) Hemsl. erhält.
Der Index Kewensis führt die Art doppelt, nämlich als Spilanthes und als Zinnia an; die Synonymieverhältnisse sind bei „Mendezia*“ angegeben.
Ähnliche Beispiele ließen sich noch in Menge beibringen; so vergleiche man nur, was alles schon als Cacalia oder Liatris beschrieben wurde.
ı) Die Gattung wurde nach A. P. De Candolle im Prodr., Vol. V, p. 544, von Rohr in Kiobch. nat. hist. selsk., 2 (1792), p. 213 aufgestellt (konf. auch 1. c., p. 213) und ist im Prodromus mit vier Arten vertreten. De Candolle stellt die Gattung zwischen Lipotriche R. Br. und Ogiera Cass. zu den Heliantheae-Heliopsideae, zu welchen noch mehrere der schon besprochenen Gattungen gerechnet werden (Zinnia L., Wedelia Jucq., Jaegerta H. B. K., Rumfordia DC., Guizotia Cass.).
Endlicher (Gen. Plant., Nr. 2499) weist ihr die nämliche Stellung an.
Bei Bentham et Hoo er fil. (Gen. Plant., Vol. II, Pars 1, p. 377) gehört sie zu der aus 56 Gattungen bestehenden Subtribus der Verbesineae in die Tribus der Helianthoideae und bildet mit der aus etwa 13 in Mexiko und Peru vorkommenden Arten bestehenden Gattung Perymenium Schrad. eine kleine Gruppe.
Baillon (Hist. plant., Vol. VIII, p. 202) zieht die Gattung zu Wulffia Neck.
0. Hoffmann (Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, S. 236) stellt sie zu den Heliantheae - Verbe- sineae zwischen Perymenium Schrad. und Lipochaeta DC.
Bentham et Hooker fil. schreiben über den Habitus der Gattung: „Herbae suffruticesve scabro-pubescentes vel villosuli. Folia oppositu, petiolata, dentata vel rarius hastato — 3 — loba. Capitula mediocria, juniora depressa, demum subglobosa, acuminibus palearum receptaculi saepius echinata, ad apices ramorum vel in azillis superioribus pedunculata. Corollae albae vel flavae. Achaenia glabra vel pilosula ... Genus Wulffiae proximum, differt pappo, et ab omnibus finitimis Facile distinguitur achaeniorum forma. Species omnes, radüs neglectis inter se habitu characteribusque
26 Rudolf Wagner.
sonst die dekussierte, die letzten Blätter stehen indessen nicht mehr opponiert. Das letzte Laubblatt steht etwa 4 cm unterhalb des Köpfchens, ist im Gegensatze zu den anderen fast ganzrandig, nur schwach gezähnt und entbehrt eines Achsel- produktes; dagegen ist ein solches in der Achsel des vorhergehenden entwickelt. Das «-Vorblatt ist von der Gestalt der übrigen Laubblätter, nur um ein geringes kleiner und schließt ein 6cm langes Hypopodium ab; das Vorblattinternodium mißt nur lem. Das Achselprodukt aus dem besprochenen «-Vorblatt ist weiter verzweigt. Das zweite Vorblatt ist klein, nur wenige Centimeter lang, lanzettlich, langgestielt und stützt kein Achselprodukt.
Bei dieser Art!) findet man also gegen das Ende der durch Infloreszenz ab- geschlossenen Achsen ein Aufgeben der dekussierten Blattstellung, wobei sich jeweils aus der Achsel des letzten Laubblattes kein weiterer Sproß mehr ent- wickelt, wohl aber aus derjenigen des vorletzten. Zum mindesten die höheren Verzweigungsgenerationen setzen nicht mehr mit opponierten Vorblättern ein, sondern mit solchen, die durch ein Sekundärinternodium getrennt sind; mit anderen Worten, eine Differenzierung in «- und A-Vorblatt tritt hier mit großer Deutlichkeit ein. Wenn auf die Vorblätter noch weitere Blätter folgen, dann entwickeln sich aus den Achseln beider Vorblätter Seitensproße; schließt aber auf dieselben die Achse mit einem Blütenstande ab, dann entwickelt sich nur aus derjenigen von «@ ein solcher, während das zweite Vorblatt steril bleibt. Wenn auf die Vorblätter noch weitere folgen, dann stehen sie bisweilen opponiert, weisen aber dann ausgesprochene Anisophyllie auf; so messen sie in einem Falle 85, beziehungsweise Il cm im Sinne der exotrophen Förderung.
M. Brownei (DC.) Sch. Bip.?) Das mir vorliegende Stück stellt einen Seitenzweig unbekannter Ordnung dar, dessen laubige Vorblätter ein Hypopodium
similes, in genera 4 ab auctoribus distribuuntur.* Eingerechnet werden Zipotriche R. Br., Trigono- iheca Sch. Bip., Psathurochaeta DC., Echinocephalum Gardn. und Wuerschmittia Sch. Bip.
Der Index Kewensis stellt Zchinocephalum Gardn. mit vier brasilianischen Arten wieder her, begrenzt aber sonst die Gattung in gleicher Weise, von der neun Arten anerkannt werden.
!) Geo. V. Nash, Plants of Centr.-Penins. Florida, coll. in vieinity of Eustis, Lake County, Nr. 1141. Die Höhe der Pflanze wird auf der Scheda mit 4—6 Fuß angegeben. Es ist die Form, welche im Prodr., Vol. V, p. 545 als var. «@. Zobata (Pursh, Flor. bor. am., 2, p. 519) bezeichnet wird; als Synonyma werden zitiert Mel. trilobata Cass. und als fragliches Synonyma Athanasia hastata Walt.
Nach Hemsley (Biol. Centr. Amer., Vol. II, p. 183) kommt die Art außerdem noch in Yucatan und Tabasco, Nicaragua, Costa Rica, Panamä, dann in Westindien und dem nördlichen Teile von Südamerika vor.
2) Konf. „Flora“, Vol. XXVII (1844), p. 673. Im Prodr., Vol. V, p. 544, als Vertreter der mono- typischen Gattung Zipotriche R. Br., die unmittelbar vor Melanthera Rohr steht, unter dem Namen L. Brownei DC. aufgeführt („in Africa aequin. ad ripas fluminis Congo legit infelieiss. Chr. Smith“), wurde sie nach K. H. Schultz Bip. im Prodr., Vol. V, p. 609 noch einmal beschrieben, und zwar als Psathurochaeta Dregei DOC.: „in Africa australi ad Omsamcoubo, .. . detexit el. Drege*, dessen Exemplare zwei verschiedenen Formen angehören, von denen eine mit M. Brownei K. H. Sch. iden- tisch ist. Außerdem findet sich in schedis der Name Trigonotheca natalensis K. H. Schultz Bip. Letztgenanntem Autor lagen Exemplare vor, die „inter arundines jrope fl. Umbaas, Natal* gesammelt sind. Am Schlusse seiner Beschreibung folgt die Bemerkung: Est quasi Melanthera capitulo radiato — Melanthera Brownei K.H. Schultz.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 27
von 5’5 em abschließen, worauf zwei etwa ebenso lange Internodien folgen; dann schiebt sich ein Sekundärinternodium von 1’5cm Länge ein. Das letzte Blatt- paar ist nämlich in der Weise anisophyll, dass sein einer, unterer Komponent ein kaum centimeterlanges Blättehen darstellt, in dessen Achsel sich eine In- floreszenz auf 45cm langem Stiele erhebt, während das zweite zu dem Wirtel gehörige Blatt in das Involuerum eingetreten ist. Wir haben also hier mutatis mutandis die nämlichen Vorgänge, wie bei der Entwicklung eines heterogenen Kelehes. Während in den Achseln der Vorblätter sich Zweige entwickeln, die erst nach drei in ihrer Entwicklung sehr regelmäßigen Blattpaaren wieder mit Infloreszenz abschließen, stehen in denen des zweiten Blattpaares Blütenstände, deren einer sehr einfach ist: Das «-Vorblatt begrenzt ein centimeterlanges Hypo- podium und ist als kleines Blättehen ausgebildet, das keinerlei Achselprodukt stützt. Das andere Vorblatt ist mehr als 3cm höher inseriert und gehört schon dem Involucrum an.
Der andere Blütenstand!) ist eomplieierter: Außer den beiden, der Größe nach sehr verschiedenen Vorblättern wird noch ein drittes, sehr kleines, nach außen fallendes Blatt gebildet, das der Achselprodukte gänzlich entbehrt; das zu- gehörige, den Wirtel ergänzende Blättchen ist schon im Involuerum zu suchen. Die Vorblätter sind hier nicht mehr wie in der vegetativen Region opponiert, sondern durch ein reichlich centimeterlanges Internodium getrennt.
In der Achsel des 3-Vorblattes steht ein Capitulum, dessen erstes Vorblatt 6cm über der Basis inseriert ist und wiederum ein Köpfchen stützt, dessen beide Vorblätter indessen schon dem Hüllkelche angehören; das zweite Vorblatt ist ein Involukralblatt.
In der Achsel des «-Vorblattes steht ein Zweig, dessen erstes Vorblatt ein 5 cm langes Hypopodium abschließt, worauf das Vorblattinternodium nur wenige Millimeter mißt; beide Vorblätter tragen Achselprodukte floralen Charakters. Das nächste Blattpaar ist wieder durch ein Sekundärinternodium getrennt, das nach außen fallende Blättchen mißt nur mehr 1cm und stützt eine Infloreszenz, deren Vorblätter beide dem Involuerum angehören. Das der Abstammungsachse zugewandte, in Frage stehende Medianblatt ist in den Hüllkelch des seine Achse beschließenden Capitulums eingetreten.
Wir sehen hier also die Tendenz, gegen die florale Region hin die Blatt- paare zu trennen, sehr ausgebildet, und zwar in Übergangsformen, deren Ende das Eintreten der Vorblätter in den Hüllkelch bedeutet, womit das Endglied einer sympodialen Verzweigung gegeben ist. In den folgenden Zeilen werden noch eine Reihe derartiger Vorkommnisse zur Darstellung gelangen.
M. deltoidea Mchax. ist eine einjährige?) Art, deren erste Achse durch eine Infloreszenz abgeschlossen wird.) An der Hauptachse des vorliegenden
!) Zenker und Staudt, Yaunde-Station in Kamerun, wie vorige.
2) Nach Angabe von De Candolle (I. e., Vol. V, p. 545) ist die Pflanze in der Heimat strauchig oder doch wenigstens perennierend, in den europäischen Gärten meist einjährig.
3) Die Angaben stützen sich auf eine 1869 im Hort. Vindob. kultivierte Pflanze. Als Heimat wird im Index Kewensis das tropische Amerika bezeichnet, der Prodromus erwähnt „in insulis Cari-
28 Rudolf Wagner.
Stückes sind inklusive der Kotyledonen sechs Blattpaare vorhanden, welche sämt- lich Achselprodukte tragen; diejenigen der Kotyledonen sind schwach und ver- kümmert, am kräftigsten, nämlich reichlich fußlang, ist der eine aus der Achsel eines dem zweiten Paare angehörigen Blattes axilläre Sproß. Die Länge der sukzessiven Internodien beträgt an der Hauptachse 5, 25, 70, 130, 90 und 70 mm. Für unseren Fall interessieren weniger die bis 12cm langen Hypopodien der fast unter einem rechten Winkel abstehenden, dann nach oben gebogenen Äste, als das Verhalten der letzten Blätter der verschiedenen Sproßgenerationen.
An der Hauptachse sind sämtliche Blattpaare streng opponiert; nicht so an den Seitenachsen. Die Achselprodukte Esı und Eaı verhalten sich verschieden. Esı «aı schließt ein 5°5 cm langes Hypopodium ab und stützt eine Infloreszenz, deren beide Vorblätter dem Involuerum angehören; der Pedunculus mißt noch über 3cm. Während das «-Vorblatt 1'5 cm erreicht, mißt das zweite nur noch einen halben und stützt ebenfalls einen Blütenstand, der sich gerade wie der eben besprochene verhält.
Eaı ist einfacher gebaut: nach 6'5cm langem Hypopodium folgt ein laubiges Vorblatt, in dessen Achsel ein langgestieltes Capitulum steht; seine Vor- blätter gehören schon dem Involucrum an. Das Blatt Bar Paı ist ein Involukral- blatt und entbehrt somit selbstverständlich eines Achselproduktes.
Ein gauz analoges Verhalten zeigen die aus den Achseln des vierten Blatt- paares der Hauptachse axillären Sproße. Dar schließt nach zwei Blattpaaren mit Infloreszenz ab, das Vorblattpaar bietet nichts besonderes, seine Stellung ist genau opponiert. Beim ersten Medianblattpaare ist indessen wieder ein Sekundär- internodium in dem Sinne eingeschoben, daß das von der Abstammungsachse abgewandte Blatt einen halben Centimeter tiefer inseriert ist; beide stützen In- floreszenzen, deren Vorblätter den betreffenden Involukris angehören.
Dpı verhält sich etwas anders: die Achselprodukte der opponierten Vor- blätter sind weiter entwickelt, so daß man erkennen kann, daß dasjenige des einen von ihnen einen Infloreszenzstand dichasialen Charakters darstellt, während das andere ein bikapituläres Monochasium bildet. Das folgende Median- blattpaar ist hier sehr ungleich entwickelt, indem Dpı bpr dem Involuerum an- gehört, während Dpz Ba2 ein Capitulum darstellt, dessen Vorblätter vom Hüllkelche aufgenommen wurden.
Die tiefer inserierten Seitenachsen verhalten sich im wesentlichen gleich, Modifikationen sind höchstens in dem Sinne zu konstatieren, daß an denselben noch ein zweites Transversalblattpaar zur Entwicklung gelangt, womit sich selbstverständlich die Symmetrieverhältnisse der diese Seitenachsen abschließenden Blütenstände etwas verschieben.
baeis, Jamaicä, Martinicä, Santo Domingo, Cubä, Nova Granadä ad fl. Magdalenae*. Als Synonyma werden aufgeführt: Mel. urticaefolia Cass., Melananthera Linnaei Kth., Bidens nivea L., sp. 1167, var. @. excl. syn. nnd Calea aspera Jacq.
Nach Hemsley (Biol. Centr. Amer., Bot., Vol. II, p. 183) kommt die Art in Südmexiko vor Orizuba und Tal von Cördova), ferner in Guatemala, Nicaragua, Costa Rica, Panamä, außerhalb des Gebietes in Westindien und dem nördlichen Teile von Südamerika.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 29
M. abyssinica (Sch. bip.) Bth. et Hook. fil.‘) Die Blattstellung ist die dekussierte, welche erst in der floralen Region aufgegeben wird. Die Pflanze scheint mehrjährig zu sein,?) ein ungefähr zwei Fuß hoher Jahrestrieb trägt 8—9 Blattpaare. In einem Falle folgt an der durch ein Capitulum abgeschlossenen Hauptachse noch ein durch ein Sekundärinternodium von fast 3cm Länge ge- trenntes Blattpaar, das sehr ungleich ist und aus beiden Achseln Sekundancapitula entwickelt; deren Vorblätter werden in den Hüllkelch aufgenommen.
Aus den Achseln des letzten regelmäßigen und gleichen Laubblattpaares entwickeln sich wiederum florale Verzweigungssysteme. Das eine besteht aus vier Capitulis, nämlich aus einem Priman-, zwei Sekundan- und einem Tertian- capitulum; letzteres hat die zu erwartende Stellung, es ist nämlich von der Ab- stammungsachse dritter Ordnung abgewandt. Das «-Vorblatt schließt ein Hypo- podium von etwa 7 cm Länge ab, das Vorblattinternodium mißt etwa einen halben Centimeter. Wie zu erwarten, entwickelt sich der weiter verzweigte Sproß aus der Achsel des «-Vorblattes. Die sterilen Vorblätter gehören sämtlich dem Hüll- kelch an.
Ein anderer Blütenstand, der einen etwa 1!/; Fuß langen Zweig abschließt, an welchem das vierte Internodium das längste ist und 11cm mißt, ist viel ein- facher gebaut: Terminaleapitulum, aus den Achseln der beiden letzten Laubblätter je wiederum ein langgestieltes Köpfchen, welche beide die Terminalinfloreszenz kaum überragen, deren Vorblätter vom Hüllkelch aufgenommen werden. So scheinen sich schwächere Exemplare zu verhalten.
Ein dritter Fall: Eine Achse, welche acht regelmäßig dekussierte Blatt- paare trägt, wird nach Bildung eines unregelmäßigen neunten durch Terminal- capitulum abgeschlossen. Das letzte Blattpaar ist durch ein Sekundärinternodium von 0°5cm Länge getrennt und sehr ungleich; das obere Blatt mißt kaum 1 cm und entbehrt eines Achselproduktes, das untere dagegen ist 4°5 cm lang und trägt in seiner Achsel ein Capitulum auf 7cm langem Stiel, dessen beide Vorblätter dem Involucrum angehören.
Das letzte, regelmäßig gebaute Laubblattpaar hat ganz ähnliche Achsel- produkte ausgebildet: im einen Falle stehen die Vorblätter am Ende eines 6°5 cm langen Hypopodiums opponiert, jedoch erhebt sich nur in der Achsel des einen ein seine Abstammungsachse weit überragendes Capitulum; im anderen sind sie durch ein Sekundärinternodium von einigen Millimetern Länge getrennt. Das
1) Abyssinien: Amozai, leg. W. Schimper am 19. September 1862, sub Nr. 218. Nach Wal- pers, Rep., Vol. VI, p. 161 wurde die in Schimpers Herb. Fl. Abyss., Nr. 334 ausgegebene und in der Regensburger „Flora“, 1841 im Ergänzungsblatt $8. 27 unter dem Namen Wuerschmittia abyssinica K. H. Schultz beschriebene Pflanze „in declivibus australibus regionis mediae montis Abyssinia Scho- loda“ entdeckt. Bentham et Hooker fil. schreiben in Gen. Plant., Vol. II, Pars 1, p. 377: „Echino- cephalum Gardn. ... et Wuerschmittia Sch. Bip. .... ligulis neutris distinguuntur.*“ K.H. Schultz Bip. bezeichnet die Gattung als „Genus Melantherae Rohr affine“ ; gewidmet ist es „Adolpho Brunoni Wuerschmitt, canonico et professori historiae naturalis Spirensi, botanico et praeeipue mycologo peritissimo“ (ex Walp., Rep., Vol. VI, p. 164).
2) Schultz bip. äußert sich auch nicht bestimmt: „Herba Abyssinica scaberrima, speciosa 1—2pedalis et altior.“
30 Rudolf Wagner.
Achselprodukt aus dem ersten Vorblatt ist wohl infolge einer Verletzung ver- kümmert, dafür dasjenige aus dem zweiten desto kräftiger entwickelt, ein Capi- tulum, das seine Abstammungsachse überragt und dessen Vorblätter dem Hüll- kelche angehören.
Jaegeria H. B. K.!)
Das Auflassen der dekussierten Blattstellung scheint bei manchen Kom- positen auf die Seitenachsen beschränkt zu sein. Zu diesen gehört Jaegeria calva Sch. bip., die mir in Exemplaren vorliegt, die ©. G. Pringle an feuchten Stellen in der Sierra Madre im mexikanischen Staate Chihuahua gesammelt und in seinen Pl. Mex. sub Nr. 1282 ausgegeben hat.?) Es handelt sich um ein zartes einjähriges Kraut, dessen Hauptachse schon nach Bildung von vier Blattpaaren (inklusive Kotyledonen) durch das zuerst in Blüte kommende terminale Capitulum abgeschlossen wird. Die Länge der sukzessiven Internodien beträgt 3, 15, 23 mm, die des Pedunculus 45 mm. Durch Sympodienbildung wird indessen die Pflanze reichlich spannenhoch. In den Achseln der sämtlichen Blattpaare — soweit ich erkennen kann, auch denjenigen der Kotyledonen — entwickeln sich nämlich Äste, die sich etwas verschieden verhalten. Am kräftigsten sind die aus den Achseln des obersten Laubblattpaares hervorgegangenen: das Hypopodium mißt 9 cm, das folgende Internodium die Hälfte, weitere Blätter werden an dieser Achse nicht mehr entwickelt, sie schließt vielmehr dann mit einem Capitulum ab. Aus den Achseln des zweiten Blattpaares, nämlich der Medianblätter, ent- wickelt sich nach der einen Seite ein freier laubiger Vorblätter entbehrendes
ı) Die Gattung wurde in Nov. Gen. et Spec., Vol. IV, p. 277 aufgestellt und eine Art be- schrieben, .J. mnioides H.B.K., ein einjähriges mexikanisches Kraut mit gegenständigen Blättern; „caule simpliei puberulo 1—2cephalo* (De Candolle im Prodr., Vol. V, p. 543). Demnach stellt diese Art einen viel einfacheren Fall dar als die oben beschriebene J. calva Sch. Bip.; wahrschein- lich handelt es sich um ein Terminalcapitulum und ein Achselprodukt des obersten Laubblattpaares.
Der Prodromus erwähnt ]. c., p. 543sq. fünf Arten, von welchen im Index Kewensis drei zusammengezogen werden. Die Gattung gehört dort wie Melanthera Rohr und Zinnia L. zu den Heliantheae-Heliopsideae, eine Anschauung, der sich auch Endlicher anschließt.
Baillon (Hist. plant., Vol. VIII, p. 216) steilt die Gattung zwischen Monactis H.B.K. und Montanoa, die unten erwähnte Gattung Macella K. Koch wird eiugezogen.
Bentham et Hookerfil. stellen sie in den Gen, Plant., Vol. II, Pars 1, p. 360 zwischen Stemmatella Wedd. und Enhydra Lour. zu den Helianthoideae-Verbesineae, und zwar in eine kleine Gruppe von Gattungen, zu welcher außer den genannten noch Monactis H.B.K., Rumfordia DC. und Siegesbeckia L. gehören. Über den Habitus schreiben Bentham et Hookerfil.: „Herbae an- nuae, ramosae, hispidae vel glabrescentes. Folia opposita, dentata. Capitula parva, pedunculata. Involucra brevia, saepius hispida. Corollae flavae (vel albae?).“ — „Genus Sabaziae valde afne, habitu 8, urtieifoliae,; differt imprimis involucri bracteis achaenia radii plus minus involventibus ; haud tamen arcte elausae sunt nec achaenio adhaerentes ut in Melampodio, et flores 8 fertiles sunt.* Die erwähnte Gattung Sabazia Cass. besteht nach den Gen. Plant. aus acht auf Mexiko und Kolum- bien beschränkte Arten, die im Index Kewensis auf vier reduziert werden; es sind „herbae ramosae, hispidulae* mit gegenständigen gezähnten Blättern, rosenroten oder gelben Blüten und Capitulis von mittlerer oder geringer Größe.
Der Index Kewensis erkennt sieben Arten der Gattung Jaegeria an, mit welcher die auf J. hirta Less. gegründete Gattung Macella K. Koch wieder vereinigt wird.
2) Eine „Jaegeria calva* fehlt im Index Kewensis,
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 31
Capitulum, welches seine Abstammungsachse nur wenig überragt, nach der ande- ren dagegen, nämlich nach vorne, ein Verzweigungssystem, indem die der Größe nach sehr ungleichen Vorblätter Achselprodukte entwickeln. Das kleinere stützt ein einfaches Capitulum, das größere ein Monochasium, insoferne das Quartan- capitulum (auf die ganze Pflanze bezogen) nur mehr ein freies Vorblatt hat, das ein der Vorblätter anscheinend entbehrendes Capitulum in seiner Achsel trägt.
Ganz ein ähnliches Verhalten weisen die aus den Vorblättern dieser in Frage stehenden ersten Seitenachsen axillären Sproße auf, indem dieselben Vor- blätter entwickeln, in deren Achseln einerseits ein einfacher, nicht weiter ver- ästelter, durch Capitulum abgeschlossener Sproß, andererseits ein bikapituläres Monochasium bekannten Charakters steht.
Ebenso verhalten sich im wesentlichen die Achselprodukte früherer, an der Hauptachse inserierter Blattpaare, nur ist deren Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten, sind deren Hypopodien nicht so mächtig entwickelt.
Sehr wesentlich werden alle diese Auszweigungen bereichert durch Bei- sproße, welche in der Gestalt basipetaler Serialsproße!) zur Entwicklung gelangen, hinter dem Hauptachselprodukt zwar an Stärke zurückstehen, aber für den Habitus der Pflanze sehr charakteristisch sind. Unterhalb der Hauptachselprodukte aus den beiden letzten Laubblättern entwickeln sich ähnliche Sproße, deren Hypo- podium 6cm mißt, worauf ein 3cm langes Internodium folgt; darauf schließt der Seitenzweig mit einem Capitulum ab. Die Achselprodukte verhalten sich ganz wie in den oben dargestellten Fällen, es findet eine allmähliche Verarmung in der Weise statt, daß zunächst ungleiche Achselprodukte gebildet werden. Auf der einen Seite kommt nämlich zunächst ein freier Vorblätter entbehrendes Capi- tulum zur Entwicklung, auf der anderen eines, das nur ein einziges Vorblatt hat, in dessen Achsel sich aber dann ein „vorblattloses* Köpfehen entwickelt.
Das in Fig. 2 mitgeteilte Diagramm?) stellt die Achselprodukte aus dem einen der oben besprochenen letzten Laubblätter unterhalb des an der Haupt- achse terminalen Capitulums dar. Eine leichte Asymmetrie macht sich bei dem Hauptachselprodukte bemerkbar, während der Beisproß vollständig symmetrisch entwickelt ist. Nun setzt sich das gesammte Achselprodukt aus 23 Köpfchen zu- sammen und nur durch die Stellung eines einzigen wird die Symmetrie gestört. Wie sich in anderen Fällen zeigt, kommen Symmetriestörungen ganz bestimmter Art bei pleiochasialen Köpfcehenständen dann zustande, wenn die betreffende In- floreszenz gewisse Seitenachsen abschließt, wovon weiter unten noch ausführlicher die Rede ist; wenn es sich indessen um eine so geringfügige Abweichung han- delt, wie in dem hier dargestellten Falle, dann ist der Schluß, daß es sich um eine von einer Seitenachse entwickelte Infloreszenz handle, nicht zuläßig. Wenn schon die von der Hauptachse inserierten Infloreszenzen sich im allgemeinen —
2) Die Capitula sind nach Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, Bd. CX, Abth. 1, S. 532 wie Blütenstände überhaupt durch doppelte Kreise bezeichnet, um Verwechslungen mit Einzelblüten auszuschließen.
32 Rudolf Wagner.
so ist dieselbe namentlich bei komplizierteren Partialinfloreszenzen wohl nur selten so vollkommen, wie das etwa bei einem Vertizillaster von Phlomis anisodonta Boiss., wenigstens als Einzelfall festgestellt werden konnte.) Am schärfsten aus- gesprochen pflegt die Asymmetrie zu sein bei den Vorblattachselprodukten, be- ziehungsweise überhaupt bei den unteren Achselprodukten der Transversalblätter.
° Ö oo
En De ©) © 00 — © — ——— Fig. 2. Jaegeria calva Sch. bip.
Oberste Partialinfloreszenz erster Ordnung. (Näheres im Texte.)
In biologischer Beziehung wohl leicht verständlich ist die Tatsache, daß die untersten Blätter der vegetativen Region mit der Abstammungsachse viel größere Winkel bilden als die obersten. Letzteren steht das durch das kleine Terminaleapitulum der Hauptachse so gut wie gar nicht geschmälerte Sonnen- licht zur Verfügung, während die unteren Blätter erst dem Schatten der kräftig entwickelten oberen Zweige zu entfliehen haben, um des Lichtes in höherem Maße teilhaftig werden zu können.
ı) Vergl. diese „Verhandlungen“, Bd. LII (1902), S. 559, Fig. 11,
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 33
Wedelia Jaeq.t)
Die Arten dieser in etwa 60 Arten in den Tropen der alten und neuen Welt verbreiteten Gattung sind Kräuter oder Halbsträucher mit gegenständigen Blättern. Wie letztere Angabe mit Einschränkungen aufzunehmen ist, dafür werden die folgenden Daten Anhaltspunkte liefern.
W. urtieaefolia DC. (Herb. Hook. fil. et Thomson, Malabar, Concan ete., Reg. trop. Coll. Stocks ete., Law ete.).?) Die vorliegenden Fragmente lassen folgen- des erkennen: Die Seitenachse (wahrscheinlich handelt es sich um eine solche, wie aus der Ungleichheit der Blätter hervorgeht) ist durch ein Capitulum ab- geschlossen; die obersten Laubblätter stehen fast genau opponiert, das eine ist etwas größer und um ein Minimum tiefer inseriert. In der Achsel des kleineren steht ein 12cm langes gestieltes Köpfchen, dessen Vorblätter schon dem Invo- luerum angehören, in der des größeren ein Verzweigungssystem, das nach den Vorblättern zunächst durch ein Sekundancapitulum abgeschlossen wird. Letzterem gehen zwei große laubige Vorblätter voraus, die ein 12cm messendes Hypopodium abschließen, worauf der Pedicellus noch 75cm mißt. Bei den Achselprodukten dieser Vorblätter wiederholt sich der Vorgang mit einer leichten Modifikation, welche den Abschluß der Sympodienbildung bedingt. Die Vorblätter sind 7, be- ziehungsweise 8°5 cm lang, in der Achsel des kleineren entwickelt sich ein Tertian- capitulum, dessen Vorblätter vom Hüllkelch aufgenommen werden, in der des größeren ein bikapituläres Monochasium, indem nur mehr ein fertiles Vorblatt von etwa 83cm Länge zur Entwicklung gelangt, in dessen Achsel ein freier Vor- blätter gänzlich entbehrendes Quartancapitulum steht.
An einem anderen schwächeren Zweige folgt auf das letzte regelmäßig zur Ausbildung gelangte Blattpaar noch ein einzelnes Blatt, in dessen Achsel
1) De Candolle stellt im Prodr., Vol. V, p. 538 die Gattung zu den Heliantheae-Heliopsi- deae, wo sie zwischen Alargonia DC. und Jaegeria H. B.K. mit 34 Arten steht; Endlicher (Gen. Plant., p. 406) weist ihr die nämliche Stellung an. Baillon (Hist. plant., Vol. VIII, p. 205) ver- einigt die Gattung mit Verbesina L. Bentham et Hooker fil. (Gen. Plant., II, 1, p. 370) rechnen sie zu ihren Helianthoideae-Verbesineae und stellen sie zwischen Blainvillea Cass. und Eleutheran- thera Poit. O. Hoffmann (Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, S. 234) rechnet sie gleichfalls zu den Heli- antheae-Verbesininae und weist ihr ihren Platz zwischen Borrichia Adans. und Wyethia Nutt. — zu ‘welch’ letzterer die oben erwähnte Gattung Alargonia als Synonym zitiert wird — an. Über den Habitus bemerken Bentham et Hooker fiil. (l. c., p. 370): „Herbae suffruticesve scabro-pubescentes vel hirsuti. Folia opposita, saepius dentata ... Capitula mediocria ... ad apices ramorum vel in axillis superioribus pedunculata. Corollae flavae.“
Eine über die Tropen der ganzen Welt verbreitete Gattung, von der im „Index Kewensis* trotz seines weiten Speciesbegriffes 74 Arten aufgezählt werden; die Flora of tropical Africa kennt deren sechs, die Flora Indica nur vier. „Genus quoad species plerasque ab affinibus faecile distin- guitur ligulis Q@, achaeniis obtus-angulis et pappo cyathiformi exaristato vel aristis brevibus seti- formibus, species tamen nonnullae obviae sunt characteribus minus definitis subdubiae“ schreiben Bentham et Hooker fil., welche die Gattung in drei Sectionen teilen: Stemmodon Gris. (Wedelia Cass.), Cyathophora DC. und Wollastonia (DC.).
2) Nach J.D. Hooker in ÖOstindien auf den Chats vom Concan an südwärts verbreitet. Als Synonyma gibt er an: Wollastonia biflora Dalz. et Gibs. und Verbesina biflora Wall.p.p. Eine Ab- bildung findet sich in Wight, Icones, Tab. 1106 (konf. Flora of Brit. Ind., Vol. III, p. 306).
Z. B. Ges. Bd. LIII. 3
54 Rudolf Wagner.
eine Infloreszenz steht; das zugehörige, den Wirtel ergänzende Blatt gehört schon dem Involucrum an. Also ein Vorkommnis, das sehr an einen der bei Zinnia pauciflora geschilderten Fälle erinnert.
W. madagascariensis Vatke liegt mir in einem Original-Exemplare aus dem Amber-Gebirge in Nordmadagaskar vor, wo Hildebrandt die später unter Nr. 3380 ausgegebene Pflanze entdeckt hat. Die Blattstellung dieses Halb- strauches ist die dekussierte. Kräftige Zweige des nicht sehr reich verästelten Strauches werden durch ein Capitulum abgeschlossen, wobei sich aus den Achseln der beiden letzten Laubblätter weitere Capitula entwickeln, die freier Laubblätter gänzlich entbehren. Unterhalb dieser axillären Capitula finden sich im Knospen- zustand befindliche Sproße, deren Hypopodium wohl entwickelt ist und die mit laubigen Vorblättern einsetzen, somit als ein Rückschlag nach dem Verhalten von tiefer inserierten Zweigen erkennen lassen.
Schwächere Zweige findet man in etwas anderer Weise abgeschlossen: Zwar steht an deren Spitze auch ein Capitulum, aber das letzte Blattpaar ist durch ein etwa centimeterlanges Sekundärinternodium getrennt, indem das obere Blättehen schon zum Involuerum gehört, das untere eines Achselproduktes ent- behrt, sonst aber als Laubblatt ausgebildet ist und obschon bedeutend kleiner als die anderen Laubblätter die zugehörige Achse überragt.
Einen ähnlichen Abschluß schwächerer Zweige findet man bei W. Hilde- brandti Vtke., einem stark verästelten rauhhaarigen Halbstrauch, der von Hildebrandt an sterilen Orten bei Kitui in Ukamba im Mai 1877 entdeckt wurde. Die fraglichen Sekundärinternodien messen hier nur etwa einen halben Centimeter, ein Achselprodukt aus dem letzten Laubblatte kommt nicht zur Ent- wicklung.
Bei dieser Art ist eine Differenz der Hypopodien zu konstatieren, welche sich vielleicht durch das Lichtbedürfnis erklären läßt. An einer Seitenachse un- bekannten Grades finden sich zwei opponierte Blätter, in deren Achseln je ein sparriger, fast unter rechtem Winkel abstehender Seitenzweig sich entwickelt hat, dessen Hypopodium 5°5 cm mißt. Das nächste Internodium ist kaum über 1 cm lang, dann schließt die Achse mit einer verwitterten, der früheren Vegetations- periode angehörenden Infloreszenz ab. Aus den Achseln des letzten Laubblatt- paares, also der Medianblätter, entwickelt sich je ein Sproß, der durch eine zur Zeit der Aufsammlung geöffnete Infloreszenz abgeschlossen wird. An diesen letztgenannten Achsen kommen drei Blattpaare zur Entwicklung, das Hypopodium mißt indessen nur etwas über 1 cm.
W. calendulacea (L.) Less. [Candy auf Ceylon,!) leg. Thwaites, Herb. Öberleitner]. Die Pflanze ist ein sehr wenig verzweigtes, etwa fußlanges Kraut
!) Nach J. D. Hooker (Fl. Brit. Ind., Vol. III, p. 306) ist die Pflanze weit verbreitet: sie wächst „in wet places, Bengal, Assam, Silhet, the Eastern and Western Peninsulas and Ceylon“, außer- dem im malayischen Archipel, ferner in China und Japan. Nach Trimen (Flora of Ceylon, Vol. III, p- 38) ist die Art in Ceylon bis zu einer Höhe von 4000‘ gemein; sie stellt ein perennierendes, nieder- liegendes, an den Knoten wurzelndes Kraut dar, dessen Achse nach Hooker fil. (l. e., p. 306) bis 18 Zoll lang wird. Eine Abbildung findet sich in Wight, Icones, Tab. 1107, ferner in Burm., Fl.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 35
mit opponierten Blättern; die Achse wird dureh ein Capitulum abgeschlossen, ebenso findet sich ein solches in der Achsel eines der obersten Laubblätter; die Vorblätter des letztgenannten gehören dem Involuerum an.
W. abyssinica Vtke. wurde von Hildebrandt „stellenweise auf Kraut- wiesen bei Mombassa* an der Zanzibarküste gesammelt?!) und unter Nr. 1945 ausgegeben.
Die Achsen dieses Halbstrauches werden abgeschlossen durch Capitula; in den Achseln der beiden letzten Laubblätter steht je eine Infloreszenz, die jedoch entweder keine oder nur ein einziges Vorblatt hat. In diesem Falle entwickelt sich in seiner Achsel ein Capitulum, dessen Vorblätter dem Involuerum angehören.
Bisweilen stehen die Vorblätter einer solehen höheren Seitenachse nicht genau opponiert und es entwickelt sich dann nur aus der Achsel des «- Vorblattes ein Sproß, und zwar wieder eine Infloreszenz, deren beide Vorblätter dem In- volucrum angehören.
Eigentümliche Differenzen lassen sich bezüglich der Hypopodienlänge in der vegetativen Region konstatieren. Bei einem der Astpaare mißt dasselbe einer- seits 2, andererseits 16mm. Das läßt sich wohl in der ungezwungensten Weise so erklären, daß die betreffenden Sproße Achselprodukte von Medianblättern dar- stellen; dann ist es verständlich, daß das von der Abstammungsachse zweiter Ordnung abgewandte Hypopodium das längere ist; wir haben es eben dann mit einem der häufigen Fälle exotropher Förderung zu tun.
W. biflora (L.) DC. liegt mir in zwei Exemplaren vor. Das von Robinson auf der Norfolkinsel?) gesammelte Exemplar stellt einen schwach spannenlangen, durch ein abgeblühtes Capitulum abgeschlossenen Ast dar, an welchem die drei obersten Blattpaare erhalten sind. Die Länge der Internodien beträgt in ab- gerundeten Zahlen 9, 3, 25cm. In den Achseln des untersten Blattpaares stehen zwei in Entwicklung begriffene vegetative Seitenäste, in denjenigen des zweiten aber zwei florale, von denen der eine ein Capitulum darstellt, das seine Vorblätter in das Involuerum aufgenommen hat, während das andere etwas komplizierter gebaut ist. Es stellt nämlich ein bikapituläres Monochasium dar, in der Achsel
Zeyl., Tab. 22, Fig.1. Als Synonyma zitiert Trimen nur Verbesina calendulacea L., Hooker üil. außerdem noch Jaegeria calendulacea Spreng. und als fraglich Wedelia bengalensis Rich. in Pers., Synops., II, p. 490.
1) Konf. Vatke in Österr. botan. Zeitschr., Bd. XXV (1875), S. 327 ff. Dazu wird als Syno- nyma zitiert Wirtgenia frutescens K. H. Schultz bip. in Schweinf., Beitr., S. 287, ein nomen nudum.
Auf Grund des bei Rora asyeda, Habab, Abyssinien von Hildebrandt gesammelten Mate- riales gibt Vatke, 1. e., an: „Frutex Im altus; rami ad 4dm longi; folia 4—8 cm longa, I—2 cm lata,; flores radii aurantiaci feminei, quare Wedeliae nec Aspiliae species.“
2) Nach J. D. Hooker (Fl. Brit. Ind., Vol. III, p. 306) von Bombay und Bengalen bis Ceylon und Vingayora verbreitet, erstreckt sich die Pflanze auch auf die „tropical shores of Eastern Asia“; in Ceylon repräsentiert sie mit W. calendulacea (L.) Less. zusammen die Gattung (konf. Trimen, Flora of Ceylon, Vol. III, p. 39) und stellt „a scrambling, semi-scandent serub“ dar. Eine Abbildung findet sich in Rheede, Hort. Malab., Vol. X, Tab. 40 und in Wight, Icones, Tab. 1108. Hooker fil. eitiert als Synonyma W. scandens Clarke, Verbesina biflora L., V. dichotoma Wall., Eelipta scabriuscula Wall., Acmella biflora Spreng.; die große Anzahl beruht auf der Zusammenziehung von Wollastonia biflora (L.) DC. und W. scabriuscula (Wall.) DC.
3*+
36 Rudolf Wagner.
des 35 cm über der Insertion des Zweiges stehenden «-Vorblattes steht eine freier laubiger Vorblätter entbehrende Infloreszenz; das zweite Vorblatt gehört schon dem Involucrum des Sekundancapitulums an.
Das dritte Blattpaar entwickelt in der Achsel jedes Blattes eine Infloreszenz, der freie Vorblätter nicht vorangehen.
Bei einem Exemplare aus Port Darwin in Nordaustralien sind die sterilen Vorblätter bisweilen noch ein Minimum vom Hüllkelch abgerückt, unterscheiden sich aber der Gestalt nach sehr wenig von den folgenden Involukralschuppen.
Rumfordia DC.
R. floribunda DC. ist die einzige Art dieser Gattung!) und liegt mir in einem von C. G. Pringle auf den um Patzkuaro im mexikanischen Staate Michoacan gelegenen und in seinen Pl. Mex. unter Nr. 3940 ausgegebenen Exem- plare vor.) Der betreffende Zweig des 5—8 Fuß hoch werdenden Strauches trägt zunächst einige Paare 15 cm langer Laubblätter, die durch Internodien von un- gefähr 8cm getrennt sind. Dann tritt die Achse in die florale Region ein, welche indessen hier nicht sehr scharf abgegrenzt ist; in der Achsel eines der beiden obersten Laubblätter steht nämlich eine durch ein Capitulum abgeschlossene Partialinfloreszenz von 7 cm Länge, die folgenden Bau aufweist: Das Hypopodium mißt 12 mm, die schuppenförmigen Vorblätter stehen opponiert, deren Achsel- produkte sind frühzeitig verkümmert, die nächsten beiden Blattpaare durch starke Sekundärinternodien getrennt, so daß deren Zusammengehörigkeit nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. Aus der Achsel des dritten Blattes, das wieder wie alle Blätter der Infloreszenz eine Schuppe darstellt, hat sich wiederum ein aus seinen Vorblättern weiter verzweigter kleiner Blütenstand entwickelt, in den Achseln der oberen Blätter stehen einzelne Köpfchen, deren Vorblätter den In- volueris angehören und die auf 2cm langen Stielen stehen.
ı) Die Art wurde nach De Candolle (Prodr., Vol. V, p.549sq.) von Karwinski in Mexiko an nicht näher bezeichneter Stelle entdeckt. Benannt ist die zu den Helianthoideae-Heliopsideae gerechnete und zwischen Pascalia Ort. und Heliopsis Pers. gestellte Gattung „in memoriam cl. phy- siei Benj. Thomson, comitis de Rumford, qui experimentis circa calorem et lucem et etiam circa lignorum naturam momentosis inter hodiernos spectabilis remanet“.
Endlicher weist der Gattung die nämliche Stellung an; Bentham et Hooker fil. (Gen, Plant., II, 1, p. 359) stellen sie zu den Helianthoideae-Verbesineae, und zwar zwischen Monactis H. B.K. und Siegesbeckia L., und bemerken dazu: „Genus habitu Montanoae et Polymniae accedit, a priore floribus radii 9, ab hac floribus disei fertilibus facile distinguendum.“ Von Montanoa wird noch weiter unten zu reden sein. Polymnia L. wird zu den Helianthoideae-Melampodieae gerechnet und umfaßt etwa ein Dutzend Arten, teils Stauden, teils Sträucher oder Bäume; die Gattung ist von Kanada bis Argentinien verbreitet.
Baillon (Hist. plant., Vol. VIII, p. 215) stellt die Gattung zwischen Selloa H.B.K. und Monactis H. B. K.
0. Hoffmann (Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, 8. 230) schließt sich bezüglich der systemati- schen Stellung von Rumfordia DC. ganz an Bentham et Hooker fil. an.
2) Nach Hemsley (Biol. Centr. Amer., Bot., Vol. II, p. 157) wurde die Art auch am Orizaba in Südmexiko von Botteri gesammelt, ferner in 7000’ Höhe in der Kordillere von Oaxaca von Galnotti,
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 37
An der Hauptachse messen die sukzessiven Internodien oberhalb des letzten Laubblattpaares 50, 25, 20, 15, 10 mm, die Hochblätter dieser Hauptachse sind aber genau opponiert, ebenso sind die jeweils ein langes Hypopodium abschließen- den Vorblätter der ersten Seitenachsen durch ein höchstens millimeterlanges Sekundärinternodium getrennt, worauf dann die dekussierte Blattstellung auch bei den Seitenachsen völlig maskiert wird. Bei den unteren, kräftigeren Zweigen der Infloreszenz werden noch einige weitere Blätter entwickelt, in deren Achseln dann langgestielte Capitula ohne freie Vorblätter stehen, bei den oberen schließen die Seitenachsen erster Ordnung direkt mit einem freier Vorblätter entbehrenden Capitulum ab.
Man sieht hier in ähnlicher Weise, wie das für Arten anderer Gattungen festgestellt wurde, wie an der Hauptachse die dekussierte Blattstellung beibehalten wird, ebenso bei den Vorblättern der ersten Seitenachsen, daß dann aber die Regelmäßigkeit der Anordnung durch Sekundärinternodien sehr wesentlich ge- stört wird.
Montanoa Cerv.!)
M. arborescens (DC.) C. Koch. Das im Herb. Univ. Vindob. liegende Stück stellt ein durch eine Rispe abgeschlossenes Ende einer Seitenachse dar, wie mit großer Wahrscheinlichkeit aus den Symmetrieverhältnissen der Infloreszenz hervorgeht, und wurde von ©. G. Pringle auf Bergen bei Zacatacas im gleich- namigen mexikanischen Staate gesammelt und unter Nr. 3935 seiner Plant. Mex. verteilt.?)
) In La Llave et Lex., Nov. Veg. Desc., Fasc. II, p. 11 (1825). Von den 28 im „Index Kewensis“ aufgeführten Arten dieser Gattung kommen 24 in Mexiko vor, nördlich reicht die Verbreitung der Gattung bis Neu-Mexiko, südlich bis Venezuela und Kolumbien. De Candolle schreibt Mon- tagnaea (Prodr., Vol. V, p. 564). In die Gattung werden von Bentham et Hooker fil. noch ein- gerechnet Eriocarpha Cass., Eriocoma H.B.K., Priestleya Mog. et Sesse und Uhdea Kth.
De Candolle rechnet die Gattung zu den Heliantheae-Rudbeckieae und stellt sie zwischen Wulffia Neck. und Selerocarpus Jacq. (konf. Prodr., Vol. V, p. 564); es werden acht Arten aufgeführt. Endlicher (Gen. Plant., p. 410) schließt sich dieser Auffassung an und gibt ihr die nämliche Stel- lung, Bentham et Hookerfil. (Gen. Plant., Vol. II, Pars 1, p. 364, respektive 194) stellen sie wie auch Rudbeckia L. zu den Heliantheae-Verbesineae, wo sie mit Selerocarpus Jacqg. zusammen eine kleine Gruppe bildet: „Genus habitu distinetum, a Gymnolomia differt paleis receptaculi demum auctis achaenia includentibus etsi minus arcte claucis quam in Selerocarpo* (l. c., p. 365). Die zitierte Gattung Gymnolomia H.B.K. besteht aus etwa 20 mexikanischen und zentralamerikanischen Arten, von denen nur wenige in das tropische Südamerika übergehen und aufrechte ästige Kräuter darstellen.
Baillon (Hist. plant., Vol. VIN, p. 216) stellt die Gattung zwischen Jaegeria H. B.K. und Selerocarpus Jacq.
0. Hoffmann schließt sich in den Natürl. Pflanzenfam. (IV, 5, S. 232) an Bentham et Hookerfil. an und stellt die Gattung zu den Heliantheae-Verbesineae zwischen Selerocarpus Jacq. und Tetragonotheca L.
Dem Habitus nach sind die Montanoa-Arten „Frutices nunc arborescentes rarius suffrutices, pupescentes vel tomentoso-villosi, rarius glabri (Bentham et Hookerfil., 1. c.).
2) Die Art wurde zuerst aus Mexiko von nicht genau bekanntem Standorte bekannt, dann von der Kordillere von Guchilaqua. Als Synonyma gibt De Candolle Zriocoma arborescens Alam. und Montanoa floribunda Cerv., non DC. an. Hemsley (Biol. Centr. Amer,, Bot., Vol. II, p. 165)
38 Rudolf Wagner.
Eine scharfe Grenze zwischen vegetativer und floraler Region ist hier nicht vorhanden. Die Hauptachse ist durch ein Capitulum abgeschlossen, die Blattstellung ist mit Ausnahme des letzten Paares, zwischen welches ein Sekundär- internodium von einigen Millimetern eingeschoben ist, streng dekussiert und es messen die sukzessiven Internodien 70, 60, 45, 45, 35, 25, 3, 15 mm. Dabei werden die Laubblätter allmählich kleiner, so daß an der Hauptachse wenigstens eigent- liche Hochblattbildungen nicht zustande kommen.
Die ersten beiden Blattpaare entwickeln in ihren Achseln noch vegetative Sproße, die indessen vorerst noch sehr klein sind und erst später, vielleicht erst lange nachdem die Früchte abgefallen sind, zur Entwicklung kommen und so den Stamm sympodial fortsetzen.
Vom dritten Blattpaare an stehen in den Achseln Zweige der floralen Region, d. h. wenigstens solche, die durch ein Capitulum abgeschlossen sind und sich an dem Aufbau der terminalen Rispe beteiligen. Sie beginnen mit einem Hypopodium von 4—5cm Länge, welches durch opponierte Vorblätter ab- geschlossen wird, in deren Achseln kleine Knospen wahrscheinlich vegetativen Charakters stehen. In den Achseln des ersten Medianblattpaares stehen aber Capitula, und zwar in derjenigen des nach hinten fallenden eines mit wohl differenzierten Vorblättern, die durch ein Internodium von einem halben Centi- meter getrennt sind und ein fast 3cm langes Hypopodium abschließen, jedoch steril sind. In der Achsel des nach vorne fallenden Medianblattes steht ein bikapituläres Monochasium, indem an dem betreffenden Sekundancapitulum ein fertiles freies Vorblatt, an der nächst höheren Achse indessen kein solches mehr entwickelt ist.
Vom vierten Blattpaare der Hauptachse an verhalten sich die Achsel- produkte insofern verschieden, als vegetative Sproße gänzlich ausgeschaltet er- scheinen.
Bei den Achselprodukten aus dem vierten Blattpaare stehen die Vorblätter noch genau opponiert und tragen in der Achsel je ein Capitulum, dessen Vor- blätter aber nicht mehr opponiert, sondern durch ein Sekundärinternodium ge- trennt und somit deutlich in «- und ß-Vorblatt differenziert sind. Ebenso finden sich Capitula in den Achseln der Medianblätter, worauf die betreffende Seiten- achse mit einem Köpfchen abschließt. An den Achselprodukten der Medianblätter fehlen freie Vorblätter, das Hypopodium erreicht mit anderen Worten ein Maxi- mum an Länge, indem die Vorblätter in den Hüllkelch aufgenommen werden. Es bedarf wohl kaum einer weiteren Erörterung, daß diese Partialinfloreszenzen als reduzierte, durch Einschiebung von Sekundärinternodien modifizierte, drei- achsige dekussierte Pleiochasien bezeichnet werden müssen.
Beim fünften Blattpaar und wohl auch schon vorher findet sich folgende Modifikation: Die Vorblätter stehen opponiert, außer ihnen ist an der Seitenachse
zitiert als Synonyma M. atriplicifolia Sch. bip. in Seem,, Bot. Voy. „Herald“, p. 304 und Verbesina atriplieifolia Juss. et Desf. ex De Candolle, Prodr., Vol. V, p. 613. Als Heimat wird angegeben die Sierra Madre in Nordmexiko, dann Chiagas; ferner wurde die Art an mehreren nicht näher be- kannten mexikanischen Standorten gesammelt,
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 39
nur noch ein Medianblatt frei vorhanden, das nach vorne fällt und eines Achsel- produktes entbehrt; doch ist die Partialinfloreszenz fünfköpfig, indem die Achsel- produkte der Vorblätter bikapituläre Monochasien darstellen. Von den Sekundan- vorblättern ist nur das fertile, von der Abstammungsachse dritter Ordnung abgewandte frei, das andere gehört dem Hüllkelche an, ein gewohnter Fall einer eigentümlichen lokalisierten Anisophyllie, der sich bei den hier besprochenen Pflanzen so häufig zeigt. Die Tertianvorblätter sind sämtlich in die Bildung des Hüllkelches eingetreten.
Weiter oben in der Infloreszenz findet man vierköpfige Partialinfloreszenzen erster Ordnung, die folgenden Bau aufweisen: In den Achseln der genau oppo- nierten Vorblätter steht je ein freier Vorblätter entbehrendes Capitulum, ebenso in derjenigen des einzigen zur Entwicklung gelangten Medianblattes, das nach vorne fällt. Das andere Medianblatt gehört dem Involuerum an, ein weitgehen- der Fall von Mediananisophyllie.
Gegen die Spitze der Rispe hin verarmen die Partialinfloreszenzen immer mehr und als weitere Reduktionsform ist folgende zu registrieren: Der Teil- blütenstand ist dreiköpfig und weist dichasialen Typus auf; in diesem Falle sind zunächst noch die Vorblätter beinahe genau opponiert und nur durch ein ganz kleines Internodium getrennt, an den Achselprodukten sind aber schon keine freien Vorblätter mehr vorhanden. Noch weiter gegen die Spitze der Rispe zu wird das Vorblattinternodium größer; es dürften dann wohl auch gelegentlich bikapituläre Monochasien vorkommen, doch habe ich solche bei dieser Art nicht beobachtet.
Den Schluß der Reihe bilden einfache axilläre, freier Vorblätter entbehrende langgestielte Köpfchen, die in dem vorliegenden Falle aus den durch Sekundär- internodien getrennten letzten Blättern der Rispenhauptachse ihren Ursprung nehmen.
Der hier beschriebene Blütenstand bildet im Fruchtzustande einen stumpfen Kegel von 25cm Durchmesser und 15 cm Höhe, von den untersten Capitulis bis zum obersten gerechnet. Das Terminalcapitulum der gesamten Infloreszenz wird von den seitlichen nicht überragt, da dieselben von der Hauptachse fast um einen rechten Winkel abstehen und nur wenig nach oben gekrümmt sind.
Nach den obigen Ausführungen läßt sich für die Reduktion der koordi- nierten Partialinfloreszenzen erster Ordnung bei dieser Art nachfolgendes Schema (siehe Fig. 3a—e) entwerfen, bei welchem auf die Aufblühfolge keinerlei Rück- sicht genommen ist und größerer Übersichtlichkeit halber gleiche Sproßgene- rationen in gleicher Größe gezeichnet sind.
Es ist zu erwarten, daß diese Schemata Modifikationen unterworfen sind, wie sie bei denjenigen Blütenständen der verschiedensten Familien einzutreten pflegen, die Seitenachsen zum Abschlusse bringen. Wo in einem der obigen Schemata nur ein Vorblatt gezeichnet ist, gehört das andere dem Involuerum an; sterile Blattachseln sind in der üblichen Weise mit einem schrägen Kreuz bezeichnet. Im Schema Fig. 3 a sind die ein vegetatives Achselprodukt stützenden
40 Rudolf Wagner.
Vorblätter unverhältnismäßig kräftig gezeichnet, um das abweichende Verhälten dieses Sproßes besser hervortreten zu lassen.
M. frutescens Mairet gleicht habituell der M. arborescens wenigstens bezüglich des Blütenstandes gar nicht, es läßt sich aber zeigen, daß die Ver- zweigung desselben sich auf das nämliche Schema zurückführen läßt. Das mir vorliegende Materiale wurde von ©. G. Pringle in kühlen Caniones bei Patzkuaro im mexikanischen Staate Michoacan gesammelt und in seinen Plant. Mex. sub
PR ©
©) ® ® ®
® JOO0OL (O O ONQO9NOQ0N000O
(OÖ Se _° mer
zen, N a. b. ce. d. e.
Fig. 3. Montanoa arborescens (DC.) C. Koch.
Sukzessive Verarmung der dekussierte Pleiochasien darstellenden Partialinfloreszenzen erster Ordnung. (Näheres im Texte.)
©
Nr. 4270 ausgegeben.!) Es ist, nach dem Herbarmateriale zu schließen, ein etwas steifer, aufrechter Strauch mit geraden Ästen. Ein Stück eines solchen trägt vier Paar Laubblätter, die an Größe nach oben rasch abnehmen. Die Länge der sukzessiven Internodien beträgt 110, 80, 34, 120 mm, womit das Involucrum der den Sproß abschließenden Infloreszenz erreicht ist. Aus den Achseln der beiden obersten Laubblätter, die kaum mehr 4cm, also den vierten Teil der untersten messen, entwickelt sich je ein freier Vorblätter entbehrendes Capitulum auf 45 mm langem Stiele, das bald nach dem terminalen in Blüte kommt. In den Achseln des zweitobersten, schon fast doppelt so großen Blattpaares stehen zwei Capitula, von denen eines verkümmert ist, die aber beide zwei freie, nicht opponierte Vorblätter tragen; die Sekundärinternodien messen nur wenige Millimeter, in den Achseln stehen Capitula, die „vorblattlos“ sind und ihre Abstammungsachse übergipfeln.
Auch bei dieser Art zeigt sich der häufig beobachtete Gegensatz zwischen vegetativer und floraler Region, der sich in dem Verhalten der Hypopodien aus- spricht: An einem kräftigen, oben abgebrochenen Zweig stehen verschiedenen Blattpaaren angehörige Seitenäste, die mit kaum millimeterlangem Hypopodium beginnen; ebenso kurz sind die nächsten Internodien und erst vom dritten oder vierten Blattpaare an beginnt die Streckung auf die vorhin angegebene Länge.
ı) Hemsley (Biol. Centr. Amer., Bot., Vol. II, p. 165) erwähnt an sichergestellten Fund- orten nur das Tal von Mexiko und außerdem die Kordilleren von Oaxaca, wo sie in 4500’ Höhe von Galeotti gesammelt wurde,
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 41
Soweit sich aus den erhaltenen Narben schließen läßt, sind diese ersten Blätter eines Seitenzweiges wahrscheinlich schuppenförmige, mit breiter Basis inserierte Niederblätter, jedenfalls aber keine Laubblätter gewöhnlicher Form und Grösse.
An einer dieser Seitenachsen finden sich an der durch das Capitulum ab- geschlossenen Achse noch 1 cm unterhalb desselben zwei genau opponierte Blättchen, die steril sind und die nämliche Form haben, wie die zum Teil fertilen Vorblätter der aus dem letzten entwickelten Laubblattpaare des in Frage stehenden Sproßes axillären Capitula.. Auch hier ist das Auflassen der dekussierten Blattstellung auf höhere Sproßgenerationen restringiert und es läßt sich, wie gesagt, bei aller habituellen Unähnlichkeit der beiden besprochenen Arten deren Infloreszenzbau auf das nämliche Schema zurückführen.
Ein kleiner, augenscheinlich einer hohen Verzweigungsgeneration ange- höriger Ast hat unterhalb des terminalen Capitulums noch ein einzelnes kleines Blättchen zur Entwicklung gebracht, in dessen Achsel sich ein freier Vorblätter entbehrendes Köpfchen gebildet hat.
M. patens A. Gr. liegt mir in Zweigen vor, die ©. @. Pringle auf felsigen Hügeln bei Guadalajara im mexikanischen Staate Jalisco gesammelt und in seinen Plant. Mex. sub Nr. 2467 ausgegeben hat. Die Pflanze ist ein Strauch mit endständigen Rispen, die in ihrem Aufbau stark an diejenigen der M. ar- borescens DC. erinnern, deren Partialinfloreszenzen, wie schon hier gesagt sein mag, ergänzend in die für jene Art mitgeteilten Schemata eingreifen. Die ge- samten Rispen sind indessen zur Blütezeit mehr cylindrisch, im Fruchtzustande mehr kegel- oder walzenförmig als jene.
Ein blühender, anfangs Oktober gesammelter Zweig zeigt folgendes er- halten: An seiner Hauptachse, die, wie aus den Symmetrieverhältnissen der Partialinfloreszenzen hervorgeht, eine Seitenachse unbekannter Ordnung mit größter Wahrscheinlichkeit darstellt, sind sechs Blattpaare entwickelt, die streng opponiert sind und an Größe rasch abnehmen. Die Länge der sukzessiven Inter- nodien beträgt 65, 60, 40, 36, 24, 25 mm, worauf die Achse mit einem Capitulum abschließt. Wie bei der zitierten Art sind hier die untersten Achselprodukte noch nicht rein floralen Charakters; das eine davon ist zwar verkümmert, das andere läßt aber ein paar opponierte Vorblätter erkennen, welche keine oder verkümmerte Achselprodukte stützen. Die Medianblätter sind durch ein Inter- nodium von fast 3cm Länge davon getrennt und etwas auseinander gerückt, so daß das nach vorne fallende etwa 1 mm tiefer steht; vom zweiten Transversal- blattpaare ist nur ein Blatt frei, in dessen Achsel ein freier Vorblätter ent- behrendes Capitulum steht und einen fast 2 cm langen Stiel abschließt. In den Achseln der Medianblätter stehen Sekundancapitula, deren jedes nur ein freies Vorblatt hat, welches ein verhältnismäßig kurzes, nämlich nur 1 cm langes Hypo- podium abschließt, während die Gesamtlänge der betreffenden Achse etwa das dreifache beträgt.
In den Achseln des zweiten Blattpaares stehen Infloreszenzen, welche sich verschieden verhalten: bei der einen wiederholt sich im wesentlichen der
42 Rudolf Wagner.
Aufbau der eben beschriebenen Partialinfloreszenz erster Ordnung, mit der Maß- gabe, daß das Achselprodukt des nach hinten fallenden Medianblattes verkümmert ist und daß dafür ein weiteres Transversalblattpaar mit je einem einzelnen, freier Vorblätter entbehrenden Capitulum entwickelt ist.
Die andere Partialinfloreszenz zeigt folgenden Bau: Die opponierten Vor- blätter schließen ein Hypopodium von fast 6cm Länge ab; aus ihnen entwickeln sich Achselprodukte in Gestalt von Capitulis mit freien, nicht opponierten Vor- blättern, die aber keine weiteren Achselprodukte hervorbringen. Das nächste Internodium mißt nur 2cm, worauf ein Sekundärinternodium von 4 mm folgt, welches die beiden Medianblätter trennt; nach weiteren 12 mm folgt ein einzelnes Transversalblatt, das einzige freie des zweiten Paares, das in seiner Achsel ein Capitulum ohne freie Vorblätter auf 2cm langem Pedunculus trägt. worauf dann die Seitenachse mit einem Köpfchen abschließt. Das Verhalten der Medianblätter, beziehungsweise ihrer Achselprodukte ist ein verschiedenes: einmal sind die Blätter selbst im Sinne der Medianasyınmetrie etwas an Größe verschieden, indem näm- lich das nach vorne fallende gefördert ist, und dann verhalten sich die Achsel- produkte analog. Aus der Achsel des nach hinten fallenden Medianblattes ent- wickelt sich ein seine Abstammungsachse weit überragendes, freier Vorblätter entbehrendes Capitulum, ein tricapituläres Dichasium dagegen aus derjenigen des nach vorne fallenden. Die Vorblätter dieser Partialinfloreszenz zweiter Ord- nung sind durch ein Internodium von einem halben Centimeter getrennt, deren Achselprodukte überragen wenigstens kurz vor dem Aufblühen ihre Abstammungs- achse noch nicht.
In den Achseln des dritten Blattpaares stehen zwei ungleiche Partial- infloreszenzen; deren größere zeigt folgenden Bau: Während die Vorblätter oppo- niert stehen, sind die Medianblätter durch ein Internodium von einem halben Centimeter getrennt; darauf erfolgt der Abschluß durch das Primancapitulum. In der Achsel des einen Vorblattes steht ein Sekundancapitulum mit zwei nicht opponierten sterilen Vorblättern, in der des anderen eine Infloreszenz, deren Vor- blätter gleichfalls nicht opponiert sind; das Achselprodukt aus dem «-Vorblatt ist verkümmert, dasjenige aus dem zweiten stellt ein freier Vorblätter entbehren- des Capitulum dar. In einem Abstande von etwa 2cm steht das nach außen fallende Medianblatt, mit axillärem einfachen Capitulum ohne freie Vorblätter, dann erfolgt der Abschluß der Achse durch Primancapitulum. Das nach hinten fallende Medianblatt gehört schon dem Involuerum an.
Die kleinere, aus dem dritten Blattpaare axilläre Partialinfloreszenz erster Ordnung zeigt eine schon bei M. arborescens beobachtete, mit der Verarmung der Partialinfloreszenzen Hand in Hand gehende Erscheinung, nämlich die Tren- nung der Vorblätter durch Sekundärinternodien, welche im vorliegenden Falle allerdings nur 3mm erreicht. Von den Medianblättern ist nur das nach vorne fallende frei und trägt ein der freien Vorblätter entbehrendes langgestieltes Capitulum in seiner Achsel. Die Achselprodukte der Primanvorblätter erweisen sich auch als differenziert: in der Achsel des «-Vorblattes steht ein Capitulum mit zwei freien, nicht opponierten, sterilen Vorblättern, in derjenigen des 3-Vor-
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 43
blattes dagegen ein Capitulum ohne solche. Diese Partialinfloreszenz erster Ord- nung ist somit vierköpfig.
In der Achsel des nächsten Blattpaares, des vierten, treffen wir einerseits eine vierköpfige, andererseits eine sechsköpfige Partialinfloreszenz erster Ordnung. Die kleinere zeigt folgenden Bau: Die Vorblätter sind opponiert, in der Achsel eines jeden steht ein Capitulum mit zwei freien Vorblättern, die in einem Falle beide steril sind, während im anderen Falle das %-Sekundanvorblatt ein freier Vorblätter entbehrendes Capitulum stützt; das Achselprodukt aus dem koordi- nierten Vorblatt ist wohl infolge einer Beschädigung. verkümmert. Auf die Primanvorblätter folgt noch ein Medianblatt, und zwar, wie zu erwarten, das nach vorne fallende, das ein Capitulum ohne freie Vorblätter in seiner Achsel trägt.
®
® a keroXe) @je)
loc
Dt 20
d. e.
Fig. 4. Montanoa patens A. Gr.
Sukzessive Verarmung der Partialinfloreszenzen erster Ordnung. (Näheres im Texte.)
Die andere Partialinfloreszenz erster Ordnung hat ebenfalls opponierte Vorblätter, in deren Achseln bikapituläre Monochasien stehen, an welchen nur die fertilen Vorblätter frei entwickelt sind. Darauf folgt noch das nach vorne fallende Medianblatt mit einem axillären vorblattlosen Capitulum.
Ebenso ungleich wie die Achselprodukte des vierten Blattpaares sind die- jenigen des fünften. Einerseits ein trikapituläres Diehasium, dessen Priman- capitulum wenigstens zur Blütezeit noch nicht übergipfelt wird, mit zwei durch ein fast centimeterlanges Internodium getrennten Vorblättern; diese tragen in
44 Rudolf Wagner.
ihren Achseln Sekundancapitula, deren Vorblätter in den Hüllkeleh aufge- nommen sind.
Noch weiter geht die Differenzierung der Vorblätter beim anderen, ein- facheren Achselprodukt: Nicht nur, daß sie durch ein Internodium von der Länge des Hypopodiums, nämlich 2 cm, getrennt sind; nur das eine ist ein freies Blatt, während das andere dem Involucrum einverleibt ist. So stellt diese Partial- infloreszenz erster Ordnung ein bikapituläres Monochasium dar, wie wir es bis- her nur in höheren Verzweigungsgenerationen zu sehen gewohnt waren. Das Sekundancapitulum entbehrt, wie zu erwarten, freier Vorblätter.
Das Achselprodukt des obersten Laubblattpaares stellt ein einfaches Capi- tulum ohne freie Vorblätter dar, die beinahe unter einem rechten Winkel von der Abstammungsachse abstehen und einen Pedunculus von nahezu 3cm Länge besitzen.
Die in Fig. 4 dargestellten Schemata stellen die allmähliche Verarmung der Partialinfloreszenzen erster Ordnung dar und sind nach direkt beobachteten Fällen konstruiert. Die asymmetrischen, mit a, ce und e bezeichneten Schemata weisen auf eine Rispe hin, die eine Seitenachse abschließt. Die Schemata sind auf etwas anderer Basis konstruiert, als die für M. arborescens mitgeteilten, welche nach einem Fruchtstand konstruiert waren, bei welchem die Aufblühfolge der Capitula nicht mehr zu eruieren war. Hier sind dagegen die einzelnen Capi- tula ohne Rücksicht auf die Verzweigungsgeneration so gezeichnet, wie sie der Größe, beziehungsweise der Aufblühfolge nach aufeinander kommen; das größte ist stets das Primancapitulum, höhere Achsen folgen später. Im Übrigen bedarf die Figur wohl kaum einer weiteren Erörterung, wo opponierte Vorblätter vor- handen sind, ist das durch den gleichen Abstand von der zugehörigen Achse zum Ausdrucke gebracht.
Gymnolomia H.B.K.!)
G. Greggii A. Gr. liegt mir in einem von ©. G. Pringle auf dem Car- neros-Pass im mexikanischen Staate Coahuila gesammelten und in seinen Plant.
ı) Die Gattung wurde in Nov. Gen. et Spec., IV, p. 217 mit vier Arten aufgestellt, welche von De Candolle im Prodromus (Vol. V, p. 562) sämtlich zu Gymnopsis DC. gestellt werden. Endlicher (Gen. plant., p. 410) folgt darin dem Prodromus und stellt wie dieser die Gattung Gymnopsis DC. zu den Heliantheae-Rudbeckieae, und zwar zwischen die Gattungen Aspilia Pet.-Th. und Wulffia Neck. Bentham et Hooker fil. (Gen. Plant., Vol. II, 1, p. 363) stellen die Gattung Gymnolomia H. B. K. wieder her und rechnen sie zu den Helianthoideae - Verbesineae, wo sie im Ver- zeichnisse zwischen Varilla A. Gr. und Scelerocarpus Jacq. steht. Als Synonyma werden aufgeführt Gymnopsis DC. ex parte [die beiden ersten Arten des Prodromus, @. dentata (Llav. et Lex.) und @. Schiedeana (Less.) DC., Repräsentanten der dort schon eingezogenen Gattung Aldama Llav. et Lex., von welcher später A. Gray noch eine dritte Art beschrieb, werden von Bentham et Hooker fil. zu Selerocarpus Jacq. gezogen] und Heliomeris Nutt. Dazu bemerken die Gen. Plant. u.a.: „Genus ob pappum parum prominentem, in ovario per anthesin facile praetervisum, in achaenio maturo saepe obliteratum et in pluribus speciebus omnino deficientem, ab auctoribus male intellectum, a Sabazia et Zaluzania distinguitur ligulis neutris et saepius habitu ad Viguieram tendente, ab hac achaeniorum forma, pappo vix prominente ve) 0, et saepissime (an semper?) styli ramis non hirtis ...“ Ferner
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 45
Mex. sub Nr. 2387 ausgegebenen Exemplare vor.!) Der stark verästelte Zweig um- faßt fünf Sproßgenerationen, deren beide erste oben abgebrochen sind. Der kräftigste Zweig dritter Ordnung, der also eine Seitenachse unbekannter Ordnung darstellt, zeigt folgenden Bau: Ein Hypopodium ist nicht entwickelt, ebenso sind die beiden nächsten Internodien gestaucht, erst dasjenige zwischen dem zweiten Transversal- und dem folgenden Medianblattpaar erreicht etwas über 2 mm, die folgenden messen 8, 20, 28, 31, 30, 30, 33, 12, 2, 15 mm, womit das Involuerum der den Sproß abschließenden Infloreszenz erreicht ist. Die Blätter stehen genau opponiert, mit Ausnahme des letzten Paares, bei welchem, wie aus den Zahlen ersichtlich, ein kleines Sekundärinternodium eingeschoben erscheint. Vom dritten Transversalpaar an stehen in der Achsel jedes Blattes Sprosse vegetativen Charakters, die aber vorläufig nur eine Länge von höchstens etwas über 2cm erreichen. Die Hypo- podien sind unten ganz gestaucht, weiter oben an der Abstammungsachse er- reichen sie die Länge von Imm; das nämliche gilt von den ersten Internodien. Dabei sind die fraglichen Sprosse ausgesprochen mediananisophyll, und zwar so, daß das nach vorne fallende Medianblatt das andere gelegentlich reichlich um die Hälfte überragt.
Ganz anders verhält sich das Achselprodukt aus dem vorletzten Blattpaare: Hier messen die Hypopodien über 3 cm, die Seitenachsen schließen nach weiteren 4cm mit einem Capitulum ab, entwickeln aber dazwischen noch ein steriles Blattpaar, wie sich auch ein solches an der Abstammungsachse befindet. Dasselbe ist durch ein Sekundärinternodium von 3mm Länge getrennt, die relative Stel- lung der beiden Blätter ist die nämliche wie in den bisher beobachteten analogen Fällen. In den Achseln der Primanvorblätter stehen wiederum Sprosse, welche nach einem Hypopodium von 1'’5cm Länge noch zwei sterile Blattpaare produ- zieren; dasselbe ist in einem der Fälle ausgesprochen anisophyll, das größere, lmm tiefer inseriert, fällt nach vorne. In den Achseln der Sekundanvorblätter stehen kleine, mit transversalen Vorblättern einsetzende Sprosse, wahrscheinlich Infloreszenzen.
Die äußersten Infloreszenzschuppen vermitteln den Übergang zwischen Brakteen und Brakteolen der Hochblattregion auch ihrer Form nach; sie sind häufig etwas vom Involuerum abgerückt und nehmen noch ziemlich deutlich die opponierte Stellung der vorausgehenden Blätter ein.
werden noch in die Gattung einbezogen Wedelia subflexuosa und W. cordata Hook. et: Arn., Botan. Beech., p. 435 „(haec eadem videtur ac @. patens A. Gr.)“, eine Anschauung, der sich auch Hemsley anschließt (konf. Biol. Centr. Amer., Bot., II, p. 163), ferner Andrieuxia Quitensis Bth., Pl. Hartwig., p. 206, dann Montagnaea, beziehungsweise Zaluzania ensifolia K. H. Schultz bip. Also wie der Fall von Zinnia bicolor (DC.) Hemsl. eine vorzügliche Illustration zu den Schwierigkeiten der Kompo- sitensystematik. — Baillon (Hist. plant., Vol. VIII, p. 211) zieht die Gattung zu Eclipta L.
0.Hoffmann (Nat. Pflanzenf., IV, 5, S. 233) schließt sich an Bentham et Hookerfil. an.
Die Anzahl der Arten beträgt in der angenommenen Umgrenzung etwas über 30, in der Biol. Centr. Amer. werden deren 35 aufgeführt, zu welchen seither noch einige gekommen sind. Das Ver- breitungsgebiet erstreckt sich von Nordamerika bis Brasilien.
ı) Nach Hemsley (Biol. Centr. Amer., Bot., II, p. 162) ist die in den Proc. Amer. Acad., XV, p. 36 beschriebene Pflanze nur aus Nordmexiko bekannt, wo sie Gregg gesammelt hat.
46 Rudolf Wagner.
Der Gesamtblütenstand ist in seiner Entwicklung nicht genügend weit vor- geschritten, um das Vorhandensein eines typischen Ausganges der Sympodien fest- stellen zu können.
Bemerkenswert ist auch bei dieser Art der biologisch leicht verständliche Gegensatz zwischen den Hypopodien der floralen Region und denen der vegetativen. Damit stimmt es auch ganz vorzüglich überein, daß solche Achsen, welche nicht mit einem Blütenstande abschließen, ihre Internodien vor der Vegetationspause verkürzen und so eine Winterknospe bilden, worauf dann bei Wiederaufnahme der Vegetationstätigkeit die Internodien folgen, die ganz in derselben Weise ge- streckt werden, wie bei den Sprossen, welche die Vegetationsunterbrechung im Zustande kleiner axillärer Knospen mitgemacht haben.
Eine habituell von der eben besprochenen Art sehr abweichende Pflanze ist die @. patens A. Gr., die mir in einem in Niederungen bei Las Canoas im mexikanischen Staate San Luis Potosi von ©. G. Pringle gesammelten und in seinen Plant. Mex. sub Nr. 3937 ausgegebenen Exemplare vorliegt.!) Über den Habitus und das Vorkommen bemerkt die gedruckte Scheda: „10—15 ft., reelining on shrubs and rocks; base soft woody.“ Die Äste und wohl auch die Hauptachse endigen mit sehr sparrigen und lockeren Rispen, deren habituelle Ähnlichkeit mit denen der oben besprochenen Art gleich Null ist. Am Beginne der floralen Region stehen die Blätter genau opponiert, die folgenden Internodien der Haupt- achse messen 14, beziehungsweise 25cm, wobei das zweite Blattpaar durch ein Sekundärinternodium von 2 mm, das dritte durch ein solches von 3 mm ausein- ander geschoben wird; dazu kommt dann noch eine weitere Complication. Das auf die genannten Blätter folgende, wahrscheinlich durch ein Capitulum abge- schlossene Stück der Hauptachse ist nach weiteren 5 cm abgebrochen. In den Achseln des letzten der Hauptachse angehörenden Blattpaares stehen einfache Capitula; der Pedunculus des aus dem obersten Blatte axillären mißt 7 cm, der andere ist in etwas geringerer Länge abgebrochen. Die Vorblätter sind in das Involuerum aufgenommen und sind weiter nicht differenziert. Nun rekauleszieren aber diese letzten Achselprodukte um 16, beziehungsweise 13mm, so daß die noch nicht centimeterlangen und schmal linealen Tragblätter, die letzten der Rispenhauptachse, an ihnen hinaufgewachsen scheinen; das ist ein Verhalten, wie es in der Familie zwar nicht allzuhäufig ist, aber doch in den verschiedensten Verwandtschaftskreisen vorkommt.?)
Das vorletzte, an der Hauptachse inserierte Blattpaar ist in Gestalt von Laubblättern entwickelt, deren Lamina noch gegen 5cm Länge erreicht. Ihre Achselprodukte scheinen beide gleich gebaut, intakt erhalten ist nur das aus dem unteren der beiden Blätter entspringende: das Hypopodium mißt 5 cm, das
1) Konf. Proc. Am. Acad., V (1862), p. 182. Hemsley (Biol. Centr. Amer., Bot., Vol, II p- 168) zitiert dazu als Synonyma Wedelia cordata H. et A. (in Beech., Voy., p. 435). Sie kommt in Nordmexiko von San Luis Potosi bis Tampico vor, ferner wurde sie im südlichen Mexiko bei Tantoyuca und am Orizaba sowie in Guatemala gesammelt.
?) Bei Chartolepis Biebersteinii Jaub. et Spach, Zupatorium ianthinum (Hook.) Hemsl., ver- schiedenen Achillea- und Arctium -Arten.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 47
Vorblattinternodium einen halben Centimeter mehr, indem nämlich das ß-Vor- blatt dem Involucrum angehört; das aus einem einfachen freier Vorblätter ent- behrenden Capitulum bestehende Achselprodukt des «-Vorblattes rekaulesziert um 16mm. Das Achselprodukt aus dem höheren Blatte scheint sich nur durch sein etwa 7 cm messendes Hypopodium zu unterscheiden.
Das drittoberste Blattpaar der Hauptachse ist nicht genau opponiert und entwickelt zwei Partialinfloreszenzen erster Ordnung, die in ihrem Bau einander so ähnlich sind, daß es genügt, eine davon zu besprechen. Die Länge des Hypo- podiums beträgt 15 cm, die des Vorblattinternodiums 1 cm, die nächsten Inter- nodien messen 8'5, beziehungsweise 15cm und nach weiteren 6cm erfolgt der Abschluß der Achse durch ein Primancapitulum. Die Medianblätter sind aus- gesprochen anisophyll, sind als Laubblätter ausgebildet und 4, beziehungsweise 2 cm lang bei entsprechender Breite; das längere fällt nach vorne. Deren Achsel- produkte sind gleich, nämlich Capitula ohne freie Vorblätter, welche das Priman- capitulum übergipfeln.
Aus den Achseln der Vorblätter entwickeln sich Partialinfloreszenzen zweiter Ordnung, und zwar aus dem «-Vorblatt eine durch Sekundancapitulum abge- schlossene, 16 cm lange Achse, mit 115 cm langem Hypopodium und einem 1'5 cm messenden Vorblattinternodium. Aus der Achsel des $-Sekundanvorblattes ent- wickelt sich ein freier Vorblätter entbehrendes Capitulum, das vorerst seine Ab- stammungsachse noch nicht übergipfelt, aus der des «-Sekundanvorblattes ein trikapituläres Dichasium. Die Quartancapitula sind noch sehr klein und lassen das weitere Verhalten ohne mikroskopische Untersuchung noch nicht erkennen; indessen handelt es sich höchst wahrscheinlich um Capitula, bei denen freie Vor- blätter nicht zur Entwicklung kommen. Sollte eine Differenzierung der Achsel- produkte vorhanden sein, dann wäre sie in dem Sinne anzunehmen, daß etwa bei dem aus dem ersten Vorblatte axillären Quartancapitulum ein freies Vorblatt noch zu finden wäre, nicht mehr aber bei dem aus dem zweiten Tertianvorblatt axillären; wenn wider Erwarten bei dem erstgenannten Capitulum beide Vor- blätter frei sein würden, dann wäre mit größter Wahrscheinlichkeit bei dem zweiten Quartancapitulum entweder gar kein oder noch vielleicht eher ein freies Vorblatt zu erwarten.
Die andere Partialinfloreszenz zweiter Ordnung zeigt folgenden Bau: Das Hypopodium mißt 10 cm, das Vorblattinternodium 15cm, nach weiteren 4°5 cm ist die Achse durch ein Sekundancapitulum abgeschlossen. Die Vorblätter sind in hohem Maße ungleich, das größere ist ein 18cm langes Laubblatt, das kleinere ist schmal lineal und erreicht eben einen halben Centimeter. Entsprechend ver- schieden sind die Achselprodukte, dasjenige aus dem #-Sekundanvorblatt stellt ein freier Vorblätter entbehrendes Capitulum dar, das seine Abstammungsachse übergipfelt, beim anderen ist ein freies «-Tertianvorblatt vorhanden, in dessen Achsel eine sehr kleine Quartaninfloreszenz, vermutlich ein freier Vorblätter ent- behrendes Capitulum, steht.
Eigentümlich ist die Lokalisation der Rekauleszenz auf die obersten Teile des Verzweigungssystemes; in den untersten Partialinfloreszenzen erster Ordnung,
48 Rudolf Wagner.
die doch sehr stark verzweigt sind, ist davon gar nichts zu erkennen, nicht ein- mal Andeutungen.
G.tenuifolia (A. Gr.) Bth. et Hook. fil. Die Daten stützen sich auf ein von C. G. Pringle auf Bergen und sogenannten Mesas bei Jimulco im mexi- kanischen Staate Coahuila gesammeltes und in seinen Plant. Mex. sub Nr. 148 aus- gegebenes Materiale.!) Die Pflanze stellt einen etwas starren, sparrig verzweigten Strauch mit sehr geraden Aesten dar, die mit ihrer Abstammungsachse Winkel von ziemlich genau 45° bilden. Der größte vorliegende Zweig repräsentiert augenschein- lich das Ende einer Seitenachse, die sukzessiven Internodien messen 75, 26, 10, 54, 115, 14mm, womit das terminale Capitulum erreicht ist. Wie man aus den mitgeteilten Zahlen sieht, werden die Sekundärinternodien zuletzt länger als die primären. Es sind also an diesem Achsenstück zwei regelmäßig opponierte Blattpaare vorhanden und außerdem zwei durch Sekundärinternodien getrennte; das oberste Blatt stellt nach Gestalt und Größe einen deutlichen Übergang zu den Involukralblättern dar.
In den Achseln des obersten regelmäßig entwickelten Blattpaares stehen die letzten Zweige, die sich etwas verschieden verhalten. Der schwächere beginnt mit einem Hypopodium von 25 mm Länge, welches durch genau opponierte Vor- blätter abgeschlossen wird. Das eine derselben ist sehr ausgesprochen asym- metrisch, indem die beiden opponierten Laeciniae 18, beziehungsweise 30 mm messen; letztere ist von der Abstammungsachse des Zweiges abgewendet, hat also die im Sinne der Exotrophie zu erwartende Stellung. Die nächsten Inter- nodien messen 35, 25, 115 mm, worauf der Sproß mit einem Capitulum abschließt. Die Medianblätter sind also durch ein starkes Sekundärinternodium getrennt, das nach vorne fallende ist tiefer inseriert. Sämtliche Blätter der Seitenachse entbehren sichtbarer Achselprodukte.
Anders verhält sich der aus dem anderen der genannten obersten Laub- blätter axilläre Sproß, indem zwei Transversalblattpaare zur Entwicklung gelangen und außerdem noch ein freies Blatt des zweiten Medianpaares; ferner sind in den Achseln weitere Sprosse vegetativen Charakters entwickelt, von denen übrigens einer mit einem Capitulum abschließt. Außer den auch hier reichlich auftreten- den Sekundärinternodien ist etwas besonderes nicht zu registrieren; höchstens, daß eine eigentliche Infloreszenzbildung, d. h. die eines Köpfchenstandes bei dieser Art nicht zu Stande kommt.
Die C'egensätze in der Hypopodienbildung, wie sie bei @. Greggü A. Gr. konstatiert wurden, wiederholen sich auch hier; die aus den tiefer an den Achsen stehenden Blättern axillären Sprosse beginnen mit einem gestauchten Hypopodium und ebensolchen Internodien, erst nach dem zweiten Transversalpaare beginnt die Streckung; indessen ist wie bei der zitierten Art der Gegensatz kein ganz unvermittelter.
1) Nach Hemsley (Biol. Centr. Amer., Bot., Vol. II, p. 168) beschrieben als Heliomeris tenuifolia A. Gr, in Plant. Fendl., p. 84, wurde die Art von Gregg in Nordmexiko bei Rincomada, Saltillo, Mapimi und Andabazo sowie von Thurber bei Durengo gesammelt.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 49
G. multiflora (Nutt.) Bth. et Hook. fil., eine Pflanze, die habituell etwa an Imula salicifolia erinnert,!) scheint nach von Geo Letterman bei Manitou in Kolorado gesammelten Exemplaren eine Staude zu sein, die aus einem etwa bleistiftdieken Rhizom alljährlich steif aufrechte, I—1!/; Fuß hohe Triebe entwickelt, an welchen die Internodien rasch die Länge von 9cm erreichen, um gegen die durch Capitulum abgeschlossene Spitze hin wieder rasch abzunehmen. Die Blätter stehen mit Ausnahme der oberen alle genau opponiert, an dem schwächeren, aber stärker verzweigten der beiden Exemplare mißt das Sekundär- internodium des obersten Laubblattpaares nahezu einen halben Centimeter; schon das vorhergehende, mit seinen Achselprodukten noch zum Teile der vegetativen Region angehörende Blattpaar ist durch ein millimeterlanges Sekundärinter- nodium getrennt. In den Achseln steht nämlich einerseits eine kleine Knospe, vermutlich eines Laubsprosses, andererseits, und zwar in derjenigen des höher- stehenden Blattes, ein durch Capitulum abgeschlossener Sproß, an welchem zwei Blattpaare entwickelt sind, nämlich Vorblätter ohne sichtbare Achselprodukte, welche ein 35 mm langes Hypopodium begrenzen, und Medianblätter, von denen das nach vorne fallende ein winziges Capitulum in seiner Achsel trägt.
Die Achselprodukte des obersten Laubblattpaares der Hauptachse sind ebenfalls verschieden: In der Achsel des unteren Blattes steht ein durch Capi- tulum abgeschlossener Sproß, dessen «-Vorblatt ein Hypopodium von 30 mm Länge abschließt und ein noch sehr kleines Capitulum stützt; das 2 mm höher inserierte 8-Vorblatt entbehrt eines sichtbaren Achselproduktes. In der Achsel des oberen der in Frage stehenden Laubblätter steht ein freier Vorblätter ent- behrendes, seine Achse übergipfelndes Capitulum.
G. procumbens B. L. Robins. liegt mir in einem Original-Exemplare vor, das von C. G. Pringle auf felsigen Bergen bei Tultenango im Staate Mexiko gesammelt und in seinen Plant. Mex. sub Nr. 3263 ausgegeben wurde. Habituell weicht die Art von allen bisher besprochenen sehr ab, indem sie einen niederliegenden, nicht sehr reich verzweigten Strauch darstellt, dessen Zweige, soweit das nach Herbarexemplaren überhaupt zu beurteilen ist, eine Länge von etwa 11/a—2 Fuß erreichen, um dann mit einem Blütenstande abzuschließen. Noch in einer anderen Beziehung weicht die Art ab: die Blattstellung war bei den besprochenen Pflanzen wenigstens in der vegetativen Region fast peinlich genau die dekussierte, hier aber muß man Zweige suchen, bei denen diese Blatt- stellung rein entwickelt ist; namentlich solche, die durch Blütenstände abge- schlossen sind, zeigen sehr unregelmäßige Entwicklung der primären und sekun- dären Internodien und von diesen wieder weichen die kräftigsten am meisten von dem sonst innerhalb der Gattung üblichen Verhalten ab. Die Länge der Internodien schwankt in der vegetativen Region in unregelmäßiger Weise zwischen
ı) Nach Hemsley (Biol. Centr. Amer., Bot., Vol. II. p. 163) zuerst von Nuttal beschrieben (in Journ. Acad. Philad., Ser. 2, 1, p. 171), und zwar unter dem Namen Heliomeris multiflora,; konf. übrigens auch Asa Gray, Pl. Wright., II, p. 87. Ihre Verbreitung erstreckt sich von den Rocky Mountains bis Neumexiko und Texas; im Gebiete der Biol. Centr. Amer. kommt sie vor in Sonora in der Sierra Madre, von San Luis Potosi bis Tamyico und bei Chiagas in Südmexiko. Z. B. Ges. Bd. LIII, 4
50 Rudolf Wagner.
1 und 3cm, nimmt aber dann nach oben ganz bedeutend zu und erreicht,10 em und mehr. Die Verzweigung erfolgt zunächst ganz ausschließlich aus den unter- sten Blattachseln, in denen der weiter oben inserierten Blätter ist zunächst von Achselsprossen vegetativen Charakters noch nichts zu sehen.
An dem stärksten der vorliegenden Zweige sind die beiden letzten, durch ein Sekundärinternodium von 1'5 cm Länge getrennten, kleinen, dem terminalen Capitulum vorausgehenden Laubblätter steril, dagegen entwickeln die tieferen Blattachseln Seitensprosse, die mit Capitulis abschließen, sterile und nicht oppo- nierte Vorblätter tragen, welche ein langes Hypopodium abschließen, und mit der Abstammungsachse sehr spitze Winkel bilden. Die Blütenstände dieser Art sind im allgemeinen wenig verzweigt.
Auffallend ist noch ein anderer Umstand, der möglicherweise damit in kausalem Zusammenhange steht, daß die Seitenachsen der floralen Region mit ihren Abstammungsachsen spitzere Winkel bilden als bei irgend einer der anderen besprochenen Arten; nämlich die Neigung zur Konkauleszenz, die bei allen Sprossen der floralen Region zum Ausdrucke zu kommen scheint; das in dieser Beziehung beobachtete Maximum beträgt sogar 5cm; gewöhnlich erstreckt sich aber die Verwachsung nur etwa auf lcm.
Guizotia Cass.!)
G. abyssinica (L. fil.) Cass.?) ist ein steif aufrechtes Kraut, dessen Hauptachse bei den mir vorliegenden, von W. Schimper in Abyssinien gesam- melten Exemplaren in 84cm Höhe durch ein Capitulum abgeschlossen wird.
ı) Die 1827 von Cassini auf Polymnia abyssinica L. fil. gegründete Gattung zählt fünf aus- schließlich im tropischen Afrika einheimische Arten, nämlich außer den hier besprochenen noch @G. Schimperi Sch. Bip. aus Abyssinien und @. bidentoides 0. et H., die südlichste Art, in den Man- ganja-Bergen in Mozambique von Kirk entdeckt.
Ihrer systematischen Stellung nach wurde die nach einem Historiker benannte Gattung von De CandollIe im Prodr., Vol. V, p. 551 zu den Heliantheae-Heliopsideae gerechnet und zwischen Heliopsis Pers. und Tetragonotheca Dill. gestellt; nur eine Art nebst einer Kulturform wird er- wähnt. Endlicher (Gen. Plant., p. 408) folgt ihm darin, Bentham et Hookerfil. (Gen. Plant., Vol. II, Pars 1, p. 382) bringen die Gattung bei den Helianthoideae-Coreopsideae unter; Baillon (Mon. Comp. in Hist. nat. plant., Vol. VIII, p. 225) stellt sie zwischen Isostigma Less. und Trichospira H.B.K., Hoffmann in Engler et Prantl, Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, S. 242 folgt Bentham et Hookerfil. und reiht die Gattung zwischen Trichospira H. B.K. und Calyptrocarpus Less. ein.
Von Bentham et Hookerfil. werden in die Gattung einbezogen: Ramtilla DC. in Wight, Contrib. Bot. Ind., p. 18 und Veslingia Vis. in Nuov. Sagg. Acad. Sc. Padova, Vol. V (1840), p. 269, non Heist., Syst., p. 11 (1748).
2) De Candolle bemerkt 1. ec.: „In Abyssiniä ex Linn. f. sed Forte culta? in Indiä orient. frequenter culta et verisim. etiam spontanea!*
Die Art ist wohl in Abyssinien einheimisch, sie ist die Stammpflanze des Ramtilla- oder Werinnua-Öles, das zu Speise- wie Brennzwecken verwendet wird: „Culta in Abyssiniä et in Indiä orient. praesertim in agro Mysorensi ad oleum ex seminibus eliciendum in lampadibus et condi- mentis usitatissimum et olei sesamei succedaneum“* (De Candolle, ].c., p. 552).
Die Synonymie dieser Pflanze zeigt so recht die verschiedene Auffassung des Gattungs- begriffes; bezüglich der afrikanischen Pflanze werden in der Flora of tropical Africa, Vol. III, p. 385 folgende Synonyma aufgezählt: @. oleifera DC., Polymnia abyssinica L. fil., P. frondosa Bruce,
-
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 51
Die sukzessiven Internodien messen 3, 5, 8, 11, 95, 11'5, 15, 9, 5°5, 6cm. Die de- kussierte Blattstellung wird hier in der vegetativen Region streng beibehalten, ebenso innerhalb der floralen an der Hauptachse (selbstverständlich abgesehen von der Verzweigung innerhalb der Capitula selbst). In den Achseln der beiden obersten Laubblätter haben sich Infloreszenzen entwickelt, deren eine freier Vor- blätter entbehrt; bei der anderen trägt nur das «-Vorblatt den Charakter eines Laubblattes und stützt wiederum ein „vorblattloses* Capitulum, während das zweite in den Hüllkelch eingetreten ist.
Die Partialinfloreszenz, welche aus dem einen Blatte des vorletzten Paares hervorgegangen ist, zeigt folgenden Bau: Primancapitulum, zwei Sekundan- capitula; das eine davon, welches als Achselprodukt des «-Primanvorblattes anzusprechen ist, hat zwei laubige Vorblätter, in deren Achseln je ein freier Vorblätter entbehrendes Capitulum steht. Die anderen Köpfchen haben ein als Laubblatt ausgebildetes «-Vorblatt entwickelt, welches ein 1'5 cm messendes Hypopodium abschließt; in der Achsel dieses einzigen Vorblattes entwickelt sich wieder der typische Abschluß eines sympodialen Verzweigungssystemes, wie er uns bei fast allen erwähnten Arten bisher begegnet ist, nämlich ein freier Vor- blätter entbehrendes Capitulum.
Überall, auch da, wo es nicht besonders vermerkt ist, schließen die Vor- blätter, beziehungsweise das Vorblatt ein Hypopodium von beträchtlicher Länge ab, nämlich ein solches, das länger ist als das über ihnen befindliche Inter- nodium.
In der nachstehenden Fig. 5 ist der Abschluß eines im Wiener botanischen Garten kultivierten Exemplares der @. abyssinica abgebildet.!) Die an der Haupt- achse gemessene Höhe des dargestellten Objektes beträgt 35 mm. Die obersten Blätter der Hauptachse stehen hier nicht streng dekussiert, sondern greifen mit ihren Laminis etwas übereinander; das eine davon, in dessen Achsel sich das freier Vorblätter entbehrende Primancapitulum (im Sinne einer Partialinfloreszenz) entwickelt hat, ist etwas höher inseriert. Letzteres kommt sofort nach dem Terminalcapitulum in Blüte, wie das in analogen Fällen ja auch bei den anderen
Heliopsis platyglossa Cass., Parthenium luteum Spreng., Tetragonotheca abyssinica Led., Jaegeria abyssinica Spreng. Dazu kommen noch an Synonymis, die sich auf die indische Pflanze beziehen: Helianthus oleifera Wall., Bidens Ramtilla DC., Verbesina sativa Wall., Buphthalmum Ramtilla Ham., Anthemis mysorensis Herb. madr., Veslingia scabra Vis.
Der Index Kewensis erwähnt ferner Ramtilla oleifera DC. und Tetragonotheca abyssinica Led.
ı) Der abgebildete Köpfehenstand ist noch nicht geöffnet. Eine derartige Zusammensetzung zeigt auch der in Curtis’ Bot. Mag., Tab. 1017 abgebildete Zweig; die Pflanze wird dort als Verbe- sina sativa Roxb. bezeichnet. Sims schreibt im Texte dazu (1794) folgendes: „This plant having a five-leaved calyx and seeds, if we mistake not, without an arista, can hardly be considered as a true Verbesina,; but as long as Verbesina calendulacea, of which it seems to be a real congener, is suf- fered to remain in that genus, this need not to be exeluded. We are informed by Dr. Roxburgh, to whom the Botanical Garden at Brompton is indebted for seeds of this hitherto undescribed vege- table, that it is cultivated in the Mysore country and several other parts of India, for the sake of an oil expressed from the seeds, which serves as a substitute for that of Sesamum.*
Die genannte Verbesina calendulacea L. entspricht der im tropischen Asien und Australien weit verbreiteten Wedelia calendulacea (L.) Less.
4*
52 Rudolf Wagner.
besprochenen Pflanzen der Fall war und wie das auch für die „vorblattlosen* Einzelblüten in den höheren Verzweigungsgenerationen der Rispe von Phlox paniculata bekannt ist.!) Die der Form und Struktur nach von den übrigen Blättern der floralen Region recht verschiedenen Involukralblätter stellen hier zum Teile Vorblätter des Capitulums dar, wie aus dem Diagramm ersichtlich ist.
Das Achselprodukt aus dem unteren Laubblatte des letzten Paares ist etwas komplizierter, das Primancapitulum hat hier wenigstens ein freies Vor- blatt, das als Laubblatt ausgebildet ist, nach links fällt und in seiner Achsel ein freier Vorblätter entbehrendes Sekundancapitulum zur Entwicklung bringt.
Fig. 5. Guizotia abyssinica (L.) Cass. Ende der Hauptachse. (Näheres im Texte.)
Das sehr feine Indument konnte in der Zeichnung nicht wiedergegeben werden, im Diagramm sind jeweils nur die äußersten Involukralblätter gezeichnet, nach innen folgen noch eine ganze Anzahl, die dann in Blütendeckblätter über- gehen, da es sich um ein Capitulum paleaceum handelt.
Die Orientierung der Involukralblätter liegt hier sehr klar, anders ist es natürlich dann, wenn schon im Anfange des Involuerums die Divergenzen sehr komplizierte sind, oder wenn, wie in gewissen, nachher zu besprechenden Fällen, das Involucrum nach unten nicht scharf begrenzt ist, wenn vielmehr zwischen
!) Konf. Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch. in Wien., mathem.-naturw. Kl., Bd. CX, Abt. 1, 8. 10 ff. (1901).
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 53
die Vorblätter und die geschlossene Masse des Hüllkelches Blätter eingeschoben erscheinen, welche Sporalsteliungen mit höheren Divergenzbrüchen einleiten. Das andere Extrem, nämlich einen Hüllkelch, dessen Blätter zu einer langen Röhre verwachsen sind, findet man bei einer Reihe von Gattungen, von denen Tagetes L. eine der bekanntesten sein dürfte. Bei 7. tenwifolia Cav., über die mir einige Beobachtungen zur Verfügung stehen,!) habe ich an Achselsprossen, die & mit einem Capitulum abgeschlossen sind, ein als Laubblatt von geringer Größe ausgebildetes Vorblatt gesehen, jedoch über die Orientierung des Hüllkelches nichts notiert; in einem anderen, in nebenstehendem Diagramme dargestell- ten Falle sind beide Vorblätter frei und steril, der darauf folgende fünfzählige Hüllkelch hatte die übliche Orientierung pentamerer Kelche, die dreieckigen Zähne
weisen bei jungen Knospen noch deut- Fig. 6. Seitliches Capitulum von lich die geforderte Deckung auf. Tagetes tenuifolia Cav.
Das dargestellte Diagramm dürfte SUR } May Bi; . Rare x Nur die weiblichen Blüten sind eingetragen, übrigens wenigstens bezüglich des Hüll- auf sie folgen in komplizierten Divergenzen kelches und der Vorblätter für verschie- die Zwitterblüten. (Näheres im Texte.) dene andere Arten auch gelten, so für 7. subulata Llav. et Lex.,?) T. foetidissima DC.,) T. filifolia Lag.,*) T. erecta L. und wohl noch weitere. Indessen betreffen diese Angaben nicht alle Arten, denn bei einem Teile der Capitula von 7. lucida Cav.?) finde ich über den Vorblättern noch einige freie, keine Achselprodukte tragenden Blättchen oberhalb derselben, ganz ähnlich, wie sie weiter unten für einige Arten der Gattung Leptosyne be- schrieben werden. Seltener scheint dergleichen bei 7. micrantha Cav.°) zu sein,
!) Gartenmaterial; konf. Curtis, Botan. Mag., Tab. 2045 und Caramilles, Icones, Vol. II, p- 54, Tab. 169.
2) C.G. Pringle, Plant. Mex., Nr. 1819: Ebene von Guadalajara im Staate Jalisco.
3) C.G. Pringle, Plant. Mex., Nr. 4276: Auf Bergen bei Toluca im Staate Mexiko.
°) C.G. Pringle, Plant. Mex., Nr. 3329: An feuchten Stellen bei Guadalajara im Staate Jalisco; Nr. 3830: An ähnlichen Lokalitäten bei Toluca im Staate Mexiko.
5) Das den Angaben zugrunde liegende Materiale ist von C.G. Pringlein „Canyons and rocky banks of streams“ im Mapula-Gebirge (Staat Chihuahua) gesammelt und in seinen Plant. Mex. sub Nr. 760 ausgegeben. Daß die Pflanze mit der von Cavanilles (Icones, Tab. 264) abgebildeten iden- tisch ist, für deren Heimat „Nova Hispania“ angegeben wird, möchte ich stark bezweifeln; so stimmt die Gestalt der Blätter und ihre Serratur nicht ganz mit den Angaben des Textes wie der Tafel überein, immerhin handelt es sich augenscheinlich um eine sehr nahestehende Form.
Unter dem nämlichen Namen wurde auch von Dr. E. Palmer eine an nicht näher bezeich- netem Standorte in Coahuila oder Nuevo Leon gesammelte Pflanze sub Nr. 706 ausgegeben, die in- dessen der Beschreibung eher entspricht.
6) Von C.G@. Pringle auf felsigen Bergen bei Chihuahua gesammelt und in den Plant. Mex, sub Nr. 627 ausgegeben,
54 Rudolf Wagner.
wo ich in Ausnahmsfällen ebenfalls ein einzelnes steriles Blättchen oberhalb der Vorblätter gefunden habe, das fast unmittelbar unterhalb des Hüllkelches inseriert war. Auf solche Vorkommnisse scheinen Bentham und Hooker fil. anzuspielen, wenn sie (Gen. plant., II, 1, p. 411) schreiben: „Involuerum eylindraceum, bracteis 1-seriatis aequalibus alte connatis, addito rarius exteriore unico minimo.“ Die Orientierung des Hüllkelches würde sich dann eben nach der Anzahl der zwischen ihn und die Vorblätter eingeschobenen Blättchen modifizieren, so nämlich, daß bei Einschiebung eines einzigen das erste Involukralblatt gegen die Abstammungs- achse gerichtet wäre, bei zweien nach vorne auf die Seite des 3-Vorblattes, bei drei ebenso aber auf die des «-Vorblattes fiele u. s. w. Solche Vorkommnisse finden sich bei verschiedenen Gattungen; in der Diagnose der Helenioideae- Flaverieae schreiben die Genera plantarum: „Pnwolueri bracteae umiseriatae,
aequales, ... additis rarius 1—2 exterioribus parvis.“ In derjenigen der zur nämlichen Tribus gereehneten Tagetineae heißt es: „Involueri bracteae 1-seriatae, aequales, . . . additis saepe nonnullis exterioribus parvis“, womit indessen die
Vorkommnisse noch keineswegs erschöpft sind. Es mögen nur einige Gattungen genannt sein, wo nach der zitierten Quelle bei vollständig zu einer Röhre ver- wachsenem Hüllkelche dergleichen vorkommen soll.
Thymophylla Lag.*): „Involuerum campanulatum, bracteis 1-seriatis sub- aequalibus alte connatis, additis exterioribus paucis parvis.“
Hymenatherum Cass.?): „Involuerum campanulatum rarius ovoideum wel eylindraceum, bracteis interioribus 1-seriatis subaequalibus alte connatis rigide membranaceis, exterioribus paucis angustis brevibus wel nullis.“
Syncephalanthus Bartl.?): „Involuera (propria) campanulata, bracteis inte- rioribus rigide membranaceis subaequalibus alte connatis, exterioribus 1—3 brevi- bus linearibus.“
Inwieweit es sich in diesen Fällen um sterile Vorblätter handelt, das be- darf erst einer genaueren Untersuchung; ohne weiteres ist aus diesen Angaben nicht ersichtlich, ob es sich wirklich um Vorkommnisse von der Art der oben für 7. Iueida Cav. angegebenen handelt; wahrscheinlich scheint es mir vielmehr, daß unter solchen Daten Verhältnisse verschiedener morphologischer Zugehörig- keit zusammengefaßt werden, deren Sichtung noch aussteht.
@. Schultzii Hochst.*) ist eine steif aufrechte Staude von etwa 21/, Fuß Höhe. Die lockere Terminalinfloreszenz des mir vorliegenden Exemplares besteht aus 12 entwickelten Capitulis. Die Blattstellung ist an der durch ein Köpfchen
!) In Bentham et Hooker fil., Gen. Plant., II, 1, p. 410 irrtümlich als Thymophyllum be- zeichnet; niedrige, filzige, sehr ästige Halbsträucher, nach Benth. et Hook. fil., 1. c., p. 411 drei Arten, nach dem Index Kewensis deren zwei in Mexiko.
2) Einjährige oder perennierende Kräuter oder auch Halbsträucher, meist niedrig, von ver- schiedenem Habitus. Nach dem Index Kewensis 20 Arten, zwei aus Chile, einige aus Texas und Kali- fornien, die anderen aus Mexiko. Steht der gleichfalls mexikanischen und zentralamerikanischen Gattung Dysodia Cav. nahe.
®) In Bentham et Hooker fil., 1. c., p. 409 irrtümlich als Syncephalantha bezeichnet. Ein- jähriges Kraut aus Mexiko und Zentralamerika, der Dysodia incana DC. sehr ähnlich.
*) Ex A. Rich., Tent. Flor. Abyss., Vol. I, p. 407.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 55
abgeschlossenen Achse die dekussierte. Aus den Achseln des obersten Laubblatt- paares entwickeln sich zwei Partialinfloreszenzen, welche folgenden Bau besitzen:
Bei der einen kommt ein Hypopodium von 9cm Länge zur Entwicklung, auf welches ein nur einen halben Centimeter messendes Vorblattinternodium folgt. Das Achselprodukt des «-Vorblattes ist dichasialer Anlage, das Hypc- podium mißt 5cm, einen halben das Vorblattinternodium. Das Achselprodukt des «-Sekundanvorblattes (auf die Partialinfloreszenz bezogen) ist wohl infolge einer Beschädigung verkümmert; in der Achsel des %-Sekundanvorblattes steht ein Köpfchen, also im Sinne der hier angewandten Nomenklatur ein Tertian- capitulum, das jedoch nur ein freies, aber sehr kleines und eines Achselproduktes entbehrendes Vorblatt zur Entwicklung gebracht hat. Das Achselprodukt des ß-Primanvorblattes ist ein bikapituläres Monochasium; die beiden darin ver- tretenen Sproßgenerationen (das Capitulum als Ganzes gerechnet, nicht selbst als Verzweigungssystem) haben je nur ein einziges Vorblatt; das des Sekundancapi- tulums ist fertil, das des Tertiancapitulums steril. Hier wird also das Sympodium nicht in der typischen Form abgeschlossen, sondern es besteht wenigstens die theoretische Möglichkeit einer weiteren Verzweigung. Immerhin ist dieses der Achselprodukte entbehrende Vorblatt als Vermittlung zwischen den gewöhnlichen fertilen Vorblättern, wie sie in niedrigeren Verzweigungsgenerationen aufzutreten pflegen, und dem extremen Falle, der als typischer Sympodialabschluß bezeichnet wurde, anzusehen.
Das Achselprodukt aus dem anderen, eingangs erwähnten Blatte des ober- sten Paares verhält sich bezüglich des Hypopodiums und Vorblattinternodiums wie das schon besprochene; das «-Achselprodukt ist zunächst dichasial verzweigt, sein Hypopodium mißt 5cm, das Vorblattinternodium einen halben, die Tertian- capitula sind beide vorhanden. Das aus dem «-Sekundanvorblatt axilläre hat zwei der Achselprodukte entbehrende Vorblätter, das andere nur ein einziges.
Das 3-Achselprodukt ist ein bikapituläres Monochasium, in welchem nur das fertile Sekundanvorblatt frei ist, während das andere dem Involuerum an- gehört, ebenso wie beide Tertianvorblätter.
G. villosa Schultz bip.!) liegt mir in einem von W. Schimper in Adoa gesammelten Exemplare vor. Die Pflanze ist niedriger als die anderen der Gattung; die dekussierte Blattstellung wird hier nicht mit der Schärfe wie bei den drei anderen besprochenen Arten beibehalten. Das oberste, dem terminalen Capitulum vorausgehende Blattpaar trennt sich vielmehr häufig, es kommt ein Sekundärinternodium von über 2cm Länge zustande. In einem der Fälle ent- wickelt sich in der Achsel des letzten Laubblattes ein Capitulum, dessen einziges freies Vorblatt ein Hypopodium von 7cm Länge abschließt; axillär aus ihm steht dann ein weiteres Köpfchen auf 5cm langem Stiele, dessen Vorblätter in das Involuerum eingetreten sind, sich aber noch deutlich von diesem abheben. Bei dieser Art wird auch bei den Seitenachsen die dekussierte Blattstellung regelmäßig aufgegeben, gewöhnlich sind nur mehr die Vorblätter gegenständig,
ı) Ex A. Rich., 1. c., p- 406.
56 Rudolf Wagner.
dann folgt ein einzelnes, von der Abstammungsachse des Zweiges abgewandtes Blatt mit Achselprodukt meist eines freier Vorblätter entbehrenden Capitulums.
Tetragonotheca L.!)
T. Texana A.Gr.et Engelm. ist ein mehr oder minder verästeltes ein jähriges Kraut mit dekussierter Blattstellung.”) Die obersten Laubblätter stehen bei Reverchon’'schen Exemplaren (Texas Plants, Nr. 1538: Rocky prairies, upper Guadalupe) etwa 15 cm unterhalb des terminalen Capitulums; in deren Achseln erheben sich Sproße, deren Vorblätter genau opponiert stehen und ein 6 cm langes Hypopodium abschließen, worauf die Seitenachsen mit einem die Hauptachse übergipfelnden Capitulum abschließen. Wie Exemplare aus dem Maravillas Creek in Westtexas (leg. V.Havard, ausgegeben in seinen North American Plants sub Nr. 20) zeigen, findet man auch hier bisweilen nur ein einziges freies Vorblatt entwickelt, ein Fall also, der sich an die oben dargestellten anschließt.
Die von verschiedenen Standorten stammenden Pflanzen gleichen sich übrigens habituell nicht allzusehr, so weisen, abgesehen von den Größenver- hältnissen, die ja gewiß nach dem Standorte sehr variabel sein können, Exem- plare, die ©. @. Pringle auf Feldern bei Monterey im mexikanischen Staate Nuevo Leon gesammelt und in seinen Plant. Mex. sub Nr. 1917 ausgegeben hat, eine starke Verzweigung der vegetativen Region auf. Ob sich noch weitere Unter- schiede ergeben, die zur Aufstellung anderer Arten, oder, wie das bei weit ver- breiteten Arten so leicht möglich, zur Unterscheidung geographischer Rassen be- rechtigen, das müssen erst genauere Untersuchungen, die sich auf ein entsprechend umfangreiches Materiale, womöglich unter Heranziehung der Kultur von Exem- plaren verschiedener Provenienz erstrecken, zeigen.
Leptosyne DC.?)
L. Arizonica -A. Gr. liegt mir in einem von C. G. Pringle in den Santa Catalina-Bergen in Arizona gesammelten Exemplare vor.*) Es ist ein Strauch
!) Die Gattung ist inDeCandolle, Prodr., Vol. V, p. 552 mit einer Art vertreten (7. helian- thoides L. aus Virginien), wird zu den Heliantheae-Heliopsideae gerechnet, wo sie zwischen @ui- zotia Cass. und Ferdinanda Lag. ihren Platz findet. Endlicher (Gen. Plant., p. 408) schließt sich an De Candolle an. Bentham et Hooker fil. (Gen. Plant., Vol. I, Pars 1, p. 367) stellen sie zu den Helianthoideae-Vebesineae und bemerken dazu: „Genus tamen in integrum naturalissimum est et involucri indole a finitimis distinetissimum.“ Baillon (Mon. Comp. in Hist. plant., Vol. VIII, p. 217) bringt sie zwischen Selerocarpus Jacq. und Scalesia Arn. unter. O0. Hoffmann in Engler et Prant], Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, S. 232 schließt sich an Bentham et Hookerfil. an.
In die Gattung werden vom Index Kewensis eingerechnet: Bikera Ad., @onotheca Raf., Halea T. et Gr. (Stalea in Walp., Rep., Vol. II, p. 611, sphalm.) und Tetragonosperma Schuh. Im Ganzen besteht sie aus drei nordamerikanischen und einer westindischen Art; sämtliche sind Kräuter mit gegenständigen Blättern.
2) Beschrieben in Proc. Amer. Acad., Vol. I (1848), p. 48. Als Synonym dazu ist zu erwähnen Tetragonosperma lyratifolium Schuh in Linnaea, Vol. XXII (1849), p. 166.
®) Die Gattung wurde 1836 mit einer Art, L. Douglasii DC., im Prodromus, Vol. V, p. 531 aufgestellt, wo sie bei den Parthenieen zwischen Coniothele und Parthenium steht, von Endlicher
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 57
oder Halbstrauch, dessen rutenförmige heurige Äste — die Pflanzen sind Anfang Juni gesammelt — mit Infloreszenzen abschließen. Der Strauch macht den Ein- druck einer Wüstenpflanze oder doch zum mindesten einer solchen, die einem sehr trockenen Klima angehört, die Blätter erinnern der Gestalt nach an fein zer- schlitzte Tagetes-Blätter.
In der vegetativen Region werden im Gegensatze zu der floralen Hypo- podien nicht ausgebildet, was mit dem Verhalten mancher Wüstensträucher über- einstimmt; das erste Internodium mißt dann 1 cm, das nächste 4 cm, die folgenden 21, 43, 78,175 mm. Bis dahin ist die Blattstellung streng dekussiert, hier, wo die florale Region beginnt, schiebt sich schon ein Sekundärinternodium von aller- dings nur Imm ein, dann folgt ein Internodium von 57, beziehungsweise 6 mm, welchen noch drei nicht zum Involuerum gehörende kleine Blättchen ohne Achsel- produkte folgen, worauf die Achse mit einem Capitulum in gewohnter Weise ab- schließt. Auf die letzterwähnten sterilen Blättchen werden wir weiter unten noch zu sprechen kommen.
Die Achselprodukte aus den beiden Laubblättern, welche als am Anfange der floralen Region stehend bezeichnet wurden, entwickeln Hypopodien von mehr als 7cm Länge, haben nicht genau opponierte Vorblätter und schließen einen halben Centimeter höher mit einem Capitulum ab. Ebenso entwickelt sich ein solches aus der Achsel jedes Vorblattes. Die Grenze der floralen Region, beziehungs- weise der Capitula ist hier keine so scharfe wie bei den bisher besprochenen Pflanzen, indem sich nämlich oberhalb der Vorblätter noch einige andere von gleicher Form und Beschaffenheit finden, welche stark von den Involukralblättern abweichen. Diese Blätter vermitteln den Übergang zwischen den der hier immer- hin schon maskierten Dekussation der Vorblätter und der innerhalb des Involu- crums allgemeinen spiralen Folge. Das Verhalten dieses Falles und der bisher besprochenen ist kein so grundsätzlich verschiedenes, wie es etwa auf den ersten Blick scheinen möchte. Bei der Zinnia z. B. war zu konstatieren, daß die ersten Involukralblätter, die dem Charakter nach ganz den anderen gleichen und höch- stens kleine Differenzen in der Färbung aufweisen, noch genau opponiert stehen, daß somit in anderen Worten gesagt, der Wechsel in der Blattstellung sich erst
beibehalten, wo sie den nämlichen Platz hat, von Bentham und Hooker fil. in die Gattung Co- reopsis L. einbezogen, welchem Beispiele auch Hoffmann folgt; letzterer hält sie als Sektion auf- recht und vereinigt damit die Gattungen Agarista DC., Electra DC., Pugiopappus Torr., Tucker- mannia Nutt., Epilepis Bth., Coreocarpus Bth. und Acoma Bth. Baillon rechnet in seiner Mon. Comp. (Hist. plant., Vol. VIII, p. 222) die Gattung zu Bidens L.
Der gleichfalls wie der betreffende Band der Nat. Pflanzenfam. 1894 erschienene Index Kewen- sis erkennt die Gattung wieder an, in die er Acoma, Pugiopappus und Tuckermannia einbezieht; die erstgenannte Gattung war im ersten, ein Jahr vorher erschienenen Faszikel des Index Kewensis mit Coreocarpus Bth. vereinigt worden. Die Anzahl der angenommenen Arten beträgt acht, indessen ist zu bemerken, daß sie in einem Gebiete vorkommen, wo sehr viele neue Pflanzen entdeckt werden und voraussichtlich deren Zahl erheblich zunehmen wird.
s) Beschrieben in Proc. Amer. Akad., Vol. XVII (1881—1882), p. 218, wird die Art inEngler et Prantl (Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, p. 243) als Coreopsis ($ Leptosyne) arizonica (A. Gr.) 0. Hoffm. bezeichnet, eine Frucht wird (Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, S. 240, Fig. 118) abgebildet.
58 Rudolf Wagner.
innerhalb des Involucrums abspielt. Tatsächlich haben wir auch hier eine ge- wisse Vermittlung zwischen den Involukralblättern und den Laubblättern, nur besteht diese normaliter nicht in der Gestalt, sondern in der Stellung der ersten Involukralblätter. Hier, bei der in Frage stehenden Leptosyne, hat sich in ziem- lich jähem, aber doch immerhin durch Übergänge mit den Laubblättern ver- bundenem Gegensatze zu diesen für die Vorblätter der floralen Region eine eigene Blattgestalt herausgebildet, welche von derjenigen der Involukralblätter sehr ab- weicht. Blätter von der Gestalt der Vorblätter finden sich, wie oben dargestellt, in geringer Anzahl zwischen die Vorblätter der letzten Capitula und deren In- voluerum eingeschaltet; dieselben treten auch dicht an das Involuerum heran, ohne daß sich indessen vermittelnde Übergangsformen fänden. Tatsächlich spielt sich innerhalb dieser Blätter der Übergang der Blattstellungen ab, sie stehen nicht mehr dekussiert, sondern leiten schon die spirale, für die Involukralblätter charakteristische Stellung ein und entbehren ferner aller Anlagen von Achsel- produkten, soweit sich das wenigstens an dem vorliegenden Materiale feststellen läßt. Die Grenze des eigentlichen Capitulums ist also hier keine scharfe und es liegt gewiß eine gewisse Willkür in seiner Abgrenzung, wie ja schließlich eine solche auch in derjenigen so mancher Blüten und überhaupt aller möglichen organischen Gebilde liegt.
L. Mexicana A.Gr. ist eine steif aufrechte mehrjährige Pflanze, welche alljährlich büschelweise ausschließlich aus den untersten Blattachseln stark ver- zweigt sich aus einem knorrigen Rhizom entwickelt. Die unten 1—1’5 cm messen- den, jedoch der Länge nach unregelmäßigen Internodien werden gegen die florale Region hin länger, so daß von oben nach unten gemessen in einem beliebig herausgegriffenen Falle die Länge der obersten Internodien 4'5, 67, 45cm be- trägt. Nur die beiden obersten Knoten gehören der floralen Region an, an dem obersten steht nur ein einziges Blatt, in dessen Achsel sich ein freier Vorblätter entbehrendes Capitulum entwickelt hat, das die Abstammungsachse überragt. Der unterste der floralen Region angehörende Knoten trägt ein Blattpaar; in der Achsel des einen steht ein Capitulum mit auf zwei Drittel der Länge des Pedunculus inserierten Vorblättern, die opponiert sind und beide der Achsel- produkte entbehren; in der Achsel des anderen aber ein solches mit ausgebildeten Achselprodukten aus seinen beiden Vorblättern.
Die bei L. Arizonica vorhandenen Blättchen, die auf die Vorblätter folgen, sind hier anscheinend nicht vorhanden, das oft über 2cm messende Achselstück zwischen den opponierten Vorblättern und dem Hüllkelch ist ganz frei davon, dafür gehören sie aber dem Hüllkelch an, der in seiner Masse nicht so homogen wie bei der vorher besprochenen Art ist. Die äußersten Foliola, die spirale An- ordnung zeigen, stellen hier vielmehr einen Übergang von der Form der anderen Hochblätter zu denen des Involucrums dar.
L. Pringlei Rob. et Greenm. liegt mir in einem Original-Exemplare vor, das von ©. G. Pringle bei 7000 Fuß Meereshöhe in der Sierra de San Felipe im mexikanischen Staate Oaxaca gesammelt und in seinen Plant. Mex. unter Nr. 4871 ausgegeben wurde.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 59
Es ist eine Staude, deren 1!/; Fuß lange, steif aufrechte Äste sich aus dem fingerdicken, knorrigen, stark bewurzelten Rhizom entwickeln und mit In- floreszenzen abschließen. Habituell ähnelt die Pflanze der L. Mexicana Gray, ist jedoch durch die folia pinnatim partita ohne weiteres von ihr zu unterscheiden. Außerdem ist sie lange nicht so reichlich verzweigt, es fehlen vor allem die vege- tativen, in den unteren Blattachseln stehenden Seitenzweige der anderen Art. Die Internodien messen unten nur einen halben Centimeter, werden aber nach oben länger, um am Ende der vegetativen Region 7—8cm zu erreichen. Bis dahin ist die Blattstellung genau dekussiert.
Die Infloreszenzbildung ist eine sehr spärliche, aus den Achseln der ober- sten Blätter entwickeln sich Sekundancapitula, deren Vorblätter nicht immer opponiert stehen, es kommt vielmehr hier der schon oft erwähnte Fall vor, daß nur ein einziges Vorblatt frei ist und ein langes Hypopodium abschließt, während das andere an der Involukralbildung teilgenommen hat.
L. Newberryi A. Gr.!) liegt mir in einem von Dr. Edw. Palmer 1876 an nicht näher bezeichnetem Orte gesammelten und in seiner Flora of Columbia, Arizona etc. unter Nr. 217 ausgegebenen Exemplare vor. Dasselbe stellt ein ein- jähriges Kraut dar, bei welchem an der Hauptachse nur vier oder fünf Blatt- paare entwickelt werden, deren beide oberste erhalten sind; alle diese Blattpaare drängen sich auf die Länge von 1 cm zusammen, Achselprodukte entwickeln sich nur aus dem letzten. Dann erhebt sich die Hauptachse als Infloreszenzschaft auf 15cm, um mit einem Capitulum abzuschließen.
Die Hypopodien der Achselprodukte messen ebenfalls nur einige Millimeter, worauf diese wiederum mit einer die Abstammungsachse übergipfelnden Inflores- zenz abschließen, ohne ein Medianblattpaar zur Entwicklung gebracht zu haben. In der Achsel des einen Vorblattes steht ein Sproß, der den Vorgang wiederholt, so daß die ganze Pflanze fünf lange Schäfte abschließende Capitula trägt. An dem Schafte der einen seitlichen Infloreszenz findet man ein verkümmertes Blatt, ohne Achselprodukt, losgelöst aus dem Verbande der dekussierten Blattstellung, ganz ähnlich wie in dem nachher bei Coreocarpus parthenioides dargestell- ten Falle.
Ein noch stärkeres Zusammendrängen der sämtlichen Blätter, die außer- dem in viel größerer Anzahl vorhanden sind, findet sich bei Z. Douglasii DC., die mir in einem von ©. R. Orcutt bei San Diego in Kalifornien gesammelten Exemplare vorliegt. Aus der basalen Blattrosette, von der man hier wohl reden kann, entwickeln sich 10 bogig aufsteigende, 12—15cm hohe Schäfte, die in einzelnen Fällen auch 20 cm erreichen. Ob auch hier die Blätter der vegetativen Region die dekussierte Stellung beibehalten, vermag ich der gebotenen Schonung des Materiales wegen vorerst nicht zu eruieren. Im wesentlichen dürfte wohl auch hier die Verzweigung durch Astbildung aus den Vorblättern erfolgen.
Ein ähnlicher, aber viel robusterer Blattschopf wie bei der eben besproche- nen Art findet sich bei der augenscheinlich mehrjährigen L. pinnata Rob. Das
‘) Wird im Index Kewensis zu L. Douglasii DC. gezogen.
60 Rudolf Wagner.
vorliegende, von ©. G. Pringle auf feuchten Wiesen im Toluca-Thale in Mexiko gesammelte und in seinen Plant. Mex. sub Nr. 4194 ausgegebene Exemplar ent- wickelt drei beinahe fußlange Blütenschäfte. An denselben wird die vielleicht übrigens schon in der vegetativen Region nicht mehr vorhandene dekussierte Blattstellung verlassen. An einem dieser Schäfte finden sich drei sterile Blätter, im Abstande von 9, beziehungsweise 16 cm, das oberste etwa einen halben Centi- meter unterhalb des Capitulums; augenscheinlich handelt es sich hier um ganz analoge Gebilde, wie sie oben anläßlich der Besprechung der L. Arizonica er- örtert wurden.
Coreocarpus Bth.
Coreocarpus parthenioides Bth. wurde 1844 im Voy. Sulph., p. 28 aufgestellt, wo sich auch die Begründung der damals monotypischen Gattung findet?); eine zweite Art, €. heterocarpus, wurde später von A. Gray beschrieben.?) Unsere Art wurde in der Magdalena-Bay entdeckt und ]. e., Tab. 16 abgebildet, das mir vorliegende Materiale von einem Sammler Dr. Palmers im Juni 1887 bei Guaymas gefunden. Dasselbe weist innerhalb der vegetativen Region streng dekussierte Blattstellung auf; das letzte Internodium derselben mißt 9 cm, das erste der floralen 8°5 cm, der Peduneulus des terminalen Capitulums 2 cm. An dem letzterwähnten Knoten steht nur ein einziges Laubblatt und in dessen Achsel ein Sproß, der seine Abstammungsachse völlig zur Seite geworfen hat und sich in die Verlängerung derselben stellte. Sein Hypopodium mißt 6cm, nach einem weiteren Centimeter schließt er wieder mit Capitulum ab und trägt in der Achsel seines allein freien «-Vorblattes ein Köpfchen, welches seine Abstammungs- achse übergipfelt und dessen Vorblätter dem Involuerum angehören.
Die aus dem obersten entwickelten Blattpaare axillären Seitensprosse der vegetativen Region haben Hypopodien von 14cm Länge und schließen nach dem ersten Medianblattpaare mit einem Capitulum ab.
C. parthenioides A. Gr. var. dissecta Wats. ist ein kaum spannen- hohes zartes Kraut, das von unten an verästelt ist und schon in den Achseln der Kotyledonen allerdings schwache Zweige trägt. Im allgemeinen nimmt die Verzweigung an Stärke in basipetaler Richtung ab.
An der Hauptachse sind fünf Blattpaare genau opponiert, die Internodien messen 2, 5, 16, 40 cm, nach weiteren 43 mm folgt ein einzelnes Blatt, das zuge-
ı) Bentham schreibt über diesen Vertreter einer neuen Art und Gattung: „This little plant is evidently allied to Parthenium and Mendezia, approaching the former in habit, the latter in cha- racter, and should be transferred, as suggested by De Candolle, to the Verbesineae. 'The central flowers, though often sterile, are always hermaphrodite and frequently fertile.“
2) Die Gattung wird von Bentham et Hooker fil. zu den Helianthoideae-Coreopsideae ge- rechnet (Gen. Plant., II, 1, p. 384), wo sie zwischen Microlecane Schultz bip. und Coreopsis L. steht; Baillon versieht sie mit einem Fragezeichen und stellt sie zwischen Bidens L. und Hidalgoa Llav. et Lex. 0. Hoffmann in Engler u. Prantl, Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, S. 242 zieht die Gat- tung ein und bringt deren Arten in der Sektion II: Leptosyne der Gattung Coreopsis L. unter. Der Index Kewensis hält die Gattung mit ihren beiden Arten aufrecht, indem er damit dem Vorgange A.Grays folgt, welcher die Art als Leptosyne parthenioides bezeichnete.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 61
hörige winzig kleine, das eines Achselproduktes entbehrt, ist durch ein Sekundär- internodium von 40 mm Länge von ihm getrennt und steht nur 1 cm unterhalb des Involucrums. Aus der Achsel des letzten einzelnen, wohl ausgebildeten Laub- blattes entwickelte sich ein die Abstammungsachse übergipfelnder Seitensproß mit 30 mm langem Hypopodium und einem Vorblattinternodium von 15 mm Länge. Ähnliche Verhältnisse finden sich bei den tiefer inserierten Seitenachsen.
Mit dieser Gattung wird in den Genera plantarum die gleichfalls von Bentham, 1. c., p. 29 aufgestellte Gattung Acoma vereinigt, deren einzige Art, A. dissecta Bth., 1. e., Tab. 17 abgebildet ist. Der Index Kewensis zieht sie in- dessen in seinem zweiten Faszikel zu Leptosyne als L. dissecta A. Gr., im ersten wird sie, den Genera plantarum folgend, als zu Coreocarpus gehörend bezeichnet. Habituell hat die mir nur aus der Abbildung bekannte Pflanze mit C. parthenioides viel Ähnlichkeit.
Zum Schlusse möchte ich noch auf einige anlässlich der Besprechung von Leptosyne arizonica A. Gr. gemachte biologische Bemerkungen zurück- kommen und einige diesbezügliche Beobachtungen mitteilen.
Die besprochenen Gegensätze zwischen dem Verhalten des Hypopodiums in der floralen und vegetativen Region, beziehungsweise zwischen Sprossen, die in verschiedenen Jahreszeiten zur Entwicklung gelangen, finden sich auch bei anderen Gattungen; wie weit sie verbreitet sind, kann ich mangels diesbezüglicher Erfahrung nicht sagen, möchte indessen einige Beispiele aufführen.
Gutierrezia Gilliesii Griseb., die in den folgenden Zeilen nach einem von P. G. Lorentz in der Sierra Ventana in Argentinien gesammelten Exem- plare besprochen wird, ist ein starrer Strauch,!) der in jeder Vegetationsperiode eine Anzahl steifer, meist spannen-, seltener fußlanger Äste entwickelt, die mit einem Capitulum abschließen. Ein Hypopodium fehlt an der Basis dieser Zweige, an die als Schuppen ausgebildeten Vorblätter schließen sich allmählich größer werdende und Laubblatteharakter annehmende Blätter an, zunächst mit ge- stauchten Internodien in dichter Folge, dann erfolgt langsam die Streckung der Internodien, bis die durchschnittliche Länge von 1 cm erreicht ist. Das Doppelte bis Dreifache erreichen die schmal linealen, in spiraler Folge angeordneten Blätter. Die Anzahl der gestauchten basalen Internodien kann in einzelnen Fällen auf über 20 steigen, in anderen sind es deren nur fünf oder sechs.
!) Die Gattung Gutierrezia Lag. wurde auf die von Sprengel zu Galinsoyea gerechnete @. linearifolia aus Mexiko gegründet und steht mit dieser einzigen Art im Prodr., Vol. V, p. 653 sg. bei den Gaillardieae-Eschelenieae; Endlicher (Gen. Plant., p. 421) folgt De Candolle darin, Bentham et Hooker fil. stellen sie (Gen. Plant., II, 1, p. 250) zu den Asteroidege-Homochromeae, Baillon faßt sie als Sektion der Gattung Xanthocephalum W. auf (Mon. Comp. in Hist. plant., Vol. VIII, p. 158) und 0. Hoffmann in Engleru. Prantl, Natürl. Pflanzenf., IV, 5, S. 148 schließt sich an Bentham et Hooker fil. an.
Es sind Kräuter oder aufrechte Halbsträucher; der Index Kewensis zählt 18 Arten auf, die vom westlichen Nordamerika bis in den äußersten Süden ihre Verbreitungsgebiete haben. Zwei davon kommen noch an der Magelhaensstraße vor.
62 Rudolf Wagner.
Diese aufrechten Äste sind sehr wenig verzweigt, und zwar trägt jeder aus der Achsel eines oder einiger der oberen, nicht obersten Blätter in ununter- brochener Folge Achselprodukte, nämlich Zweige, deren oberste schon direkt nach den Vorblättern mit einem durch ein übrigens nicht sehr scharf abgegrenztes Involuerum eingeleiteten Capitulum abschließen, während die nächst unteren über den Vorblättern noch einige freie Blättchen tragen, deren Gestalt allmählich in die der Involukralschuppen überleitet.
Weiter unten an den Jahrestrieben, aber wohl immer schon ziemlich weit innerhalb der Region, in welcher die Internodien gestreckt sind, entwickeln sich frühzeitig an kräftigen Sprossen einige vegetative Seitenzweige, die mit dem Wachstum ihrer Abstammungsachse nahezu gleichen Schritt halten und deren terminales Capitulum, beziehungsweise abschließender Köpfchenstand noch in der nämlichen Vegetationsperiode zur Entwicklung gelangt.
Diese beiden letztgenannten Kategorien von Seitensprossen, welche sich während der Vegetationsperiode entwickeln, haben gestreckte Hypopodien gemeinsam, die der floralen Region messen l cm, die der vegetativen das Doppelte und mehr.
An den vorliegenden Exemplaren sind die Jahrestriebe der vorhergegan- genen Vegetationsperiode noch erhalten, aber abgestorben; Achselprodukte, näm- lich die heurigen Zweige — wenn dieser Ausdruck hier zulässig ist — sind nur in den unteren Blattachseln direkt oberhalb der Zone der Stauchungen entwickelt; es folgt also an einem Jahrestriebe auf einander: Eine basale Zone mit gestauch- ten Internodien, innerhalb welcher Achselprodukte (wenigstens normaliter) über- haupt nicht gebildet werden; dann einige Blattachseln, die vorerst steril scheinen, aber in der nächsten Vegetationsperiode Seitenzweige entwickeln, die mit ge- stauchtem Hypopodium und ebensolchen Internodien einsetzen; die folgenden Blattachseln entwickeln in sehr beschränkter Anzahl die heurigen Zweige, deren Hypopodium gestreckt ist, nach einigen weiteren sterilen Blättern folgen die Zweige der floralen Region, bis wieder einige sterile Blättchen den Schuppen des Involuerums vorausgehen. Auf diese Art kommt ein Sympodialwachstum zustande, bei welchem der Strauch nur sehr langsam an Höhe zunimmt.
Ganz das nämliche gilt im wesentlichen für die Gut. microcephala A. Gr., die unter dem Namen Gut. Euihamiae T. et Gr. var. microcephala Gr. von Pringle sub Nr. 337 seiner Plant. Mex. ausgegeben wurde; der Standort liegt in den Gebirgen bei Chihuahua.
Nicht uninteressant ist in dieser Beziehung das Verhalten von Poro- phyllum gracile Bth.,!) das mir in einem, von dem eben genannten Sammler
ı) Die Gattung Porophyllum Vaill. ist bei De Candolle im Prodr., Vol. V, p. 647 sqq. der einzige Repräsentant der Tagetineae-Porophylleae und mit 24 zum Teile ihrer Stellung nach frag- lichen Arten vertreten; Endlicher (Gen. Plant., p. 420) folgt dem Prodromus;: Bentham etHooker fil. (Gen, Plant., II, 1, p. 408) rechnen sie zu den Helenioideae-Tagetinea, Baillon (Mon. Comp. in Hist. plant., Vol. VII, p. 155) führt sie zwischen Peetis L. und Jaumea Pers. auf und 0, Hoffmann (in Engler u. Prantl, Natürl. Pflanzenfam.) schließt sich an Benth. et Hook. fil. an.
Die Arten sind Kräuter, ihre Zahl beträgt gegen 30, das Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom westlichen Nordamerika bis Argentinien und Chile.
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 63
in der Sierra Tucson in Arizona gefundenen und in seiner Flora of the Paeifie Slope ausgegebenen Exemplare vorliegt.
Bei dem in Frage stehenden Strauch oder Halbstrauch erfolgt die Ver- zweigung der vegetativen Region in der Weise, daß zunächst Achselprodukte gewöhnlicher Art gebildet werden, welche dann, wenn sie in der nämlichen Vegetationsperiode sich entwickeln, durch Hypopodien eingeleitet werden, deren mehrere bis 5cm Länge erreichen; ist das aber nicht der Fall, erfolgt die Ent- wicklung erst in der nächsten, dann erreichen die Hypopodien nur einige Milli- meter. Besonders auffallend ist dieser Gegensatz dann, wenn, wie das häufig geschieht, sich vegetative basipetale Serialsprosse entwickeln. Das erste Achsel- produkt hat dann lange Hypopodien, der Beisproß, der gewöhnlich (oder aus- schließlich?) nur im Falle des Absterbens des Hauptachselproduktes zur Ent- wicklung gelangt, setzt mit einem Hypopodium von einigen Millimetern Länge ein. Die Vorblätter sind in beiden Fällen opponiert oder doch nahezu gegen- ständig; im Falle langer Hypopodien schiebt sich auch bisweilen ein Internodium von 05cm zwischen die Vorblätter ein.
Ein dritter Fall, der die Verhältnisse zwar nicht so ausgesprochen zeigt wie der erste, auch eine andere Verzweigungsweise hat als die besprochenen Arten, betrifft Ohrysactinia pinnata Wats.,!) einen Strauch mit dekussierter Blattstellung, dessen zierliche Blätter durch Internodien von höchstens 45 cm getrennt sind. Die Angaben stützen sich auf Materalien, die C. G. Pringle auf „Limestone ledges of mountains near Monterey“ im Staate Nuevo Leon gesammelt und in seinen Plant. Mex. sub Nr. 2524 zur Verteilung gebracht hat. Die Inter- nodien messen an schwächeren Achsen nur 1—2cm, die gesamte Länge einer Achse scheint wenigstens an den blütentragenden Teilen der Pflanze 10—15 em nieht zu übersteigen, die Zweige sind durch ein Capitulum abgeschlossen. Der Übergang von der dekussierten zur spiralen Blattstellung erfolgt hier wie bei einigen Leptosyne-Arten unterhalb des Involuerums durch winzige, schmal lineale Blättehen, die Hochblatteharakter tragen, dem Pedunculus angedrückt und sehr leicht zu übersehen sind.
Außer diesen winzigen Blättehen kommen aber bisweilen, nicht immer, noch einige größere vor, die im wesentlichen die Beschaffenheit der Involukral- blätter haben, aber um ein geringes kürzer sind. Dieselben liegen dem Involu- crum an und folgen bisweilen nach kaum merkbarem Internodium auf das letzte der erwähnten kleinen Blättchen. Sie sind auch in den Genera plantarum er- wähnt: „Involuerum campanulatum, bracteis 1-seriatis linearibus aequalibus liberis, addıtis interdum 1—2 exterioribus paulo brevioribus.“ Diese Angabe stützt sich direkt zwar nur auf die damals (1873) allein bekannte Chr. mexicana A.Gr., gilt aber auch für die Chr. pinnata Wats.
!) Die Gattung C’hrysactinia A. Gr. wurde erst 1849 in Mem. Arn. Ac. N. S., IV (Pl. Fendl.), p- 93 aufgestellt, wird von Bentham et Hooker fil. (Gen. Plant., II, 1, p. 412) zu den Helenioi- deae-Tagetineae gerechnet und von Baillon (Mon. Comp. in Hist. plant., Vol. VIII, p. 254) zwischen Tagetes L. und Syncephalantha Bartl. untergebracht. 0. Hoffmann in Engler u. Prant], Natürl. Pflanzenfam., IV, 5, S. 260 schließt sich an Bentham et Hooker fil. an.
64 Rudolf Wagner.
Wenn die Achselprodukte noch innerhalb derselben Vegetationsperiode, in der sie angelegt werden, zur Entwicklung gelangen, dann messen die Hypopodien 15cm und mehr, im anderen Falle dagegen nur einige Millimeter. Hier werden indessen nicht wie bei den Gutierrezien Schuppen ausgebildet, sondern die Vor- blätter tragen schon Laubblatteharakter und unterscheiden sich nur durch ihre geringe Grösse von den folgenden; sie messen nämlich etwa 8Smm, während die übrigen Blätter das Vierfache erreichen; im allgemeinen schwankt hier die Blatt- größe innerhalb enger Grenzen. Das auf das kurze Hypopodium folgende Inter- nodium ist hier nicht gestaucht, sondern erreicht im Gegenteil bisweilen nahezu die größte Länge von allen Internodien, nämlich 35 mm, also erheblich mehr, als das Durchschnittsmaß beträgt. In geringem Masse, aber immerhin deutlich wahrnehmbar, ist eine Anisophyllie der unteren Medianblätter zu constatieren.
Die andere Art, auf die das Genus gegründet wurde, ist Chr. mexicana A. Gr.; die in der Sierra Madre in Mexiko!) von Dr. Palmer gesammelten Exem- plare stellen niedere Halbsträucher dar, deren Stamm bleistiftdick und stark ver- zweigt ist. Die schmal linealen, ganzrandigen Blätter messen nicht viel über 05 cm, die ganze Pflanze erreicht höchstens 10 cm, wovon 3°5 cm auf den Inflores- zenzstiel entfallen. Eine Bildung von Köpfehenständen findet hier ebensowenig wie bei der anderen Art statt. Am Peduneulus findet man die bei voriger Art erwähnten kleinen Blättchen, die auch hier leicht zu übersehen sind (vergl. An- merkung).
Eine Ähnlichkeit im Baue des Involucrums mit der Gattung Tagetes L., beziehungsweise, wenn man die sterilen Blättchen hinzunimmt, mit gewissen Arten derselben (7. Iucida Cav. ete.), ist trotz der hier freien Involukralblätter vorhanden: Die weiblichen Randblüten stehen in einer Reihe, ebenso die In- volukralschuppen, wenn man von den „additis interdum exterioribus“ absieht; die Zahl der Hüllblätter ist allerdings hier eine viel größere, so habe ich bei Chr. mexicana in einem Falle deren zehn gezählt. In den Achseln derselben stehen die weiblichen Blüten, gerade wie bei der im System der Genera plan- tarum neben ihr stehenden Gattung 7agetes, nur der Zahl nach verschieden. Eine nicht uninteressante Frage wäre hier aufzurollen: Das Involucrum der letzt- genannten Gattung stellt, wie aus obigen Ausführungen hervorgeht, einen Schein- wirtel dar, dessen Entstehung aus fünf nach ?/,; angeordneten Blättern noch deutlich an der Deckung der Hüllkelchzipfel erkannt werden kann. Bei Chrys- actinia haben wir ein „involucrum uniseriatum bracteis liberis* und da scheint es mir nicht unwahrscheinlich, daß dieses ebenfalls einen Scheinwirtel darstellt, im Falle der Zehnzähligkeit etwa hervorgegangen aus zwei alternierenden fünf- zähligen Wirteln, die ihrem Ursprunge nach wieder Scheinwirtel darstellen, auf die dann weiter innen die komplizierten Divergenzen der Zwitterblüten folgen. Theoretisch liegt einer solchen Anschauung nichts im Wege, man denke nur an den so überaus häufigen Fall der Alternation einer fünfzähligen Krone mit einem
) Nach Walpers, Ann., Vol. II, p. 873 wurde die Art von Fendler in Mexiko bei Saltillo und bei Buena vista gesammelt.
PO
Beiträge zur Kenntnis einiger Kompositen. 65
isomeren Kelche, der wie diese nach ?/, entstanden ist; es wäre die vielleicht auf den ersten Blick etwas weit hergeholt scheinende Annahme des Chrysactinia- Involuerums nur ein Analogiefall mehr in den Anschlußverhältnissen des Kompo- sitencapitulums einerseits und axillärer Blüten andererseits. Allerdings müßte die Sache erst noch durch eine genauere Untersuchung unter Berücksichtigung des entwicklungsgeschichtlichen Momentes bewiesen werden.
Über die von Herrn Dr. Karl Grafen Attems aus Kreta mitgebrachten Orthopteren.
Von
Dr. Franz Werner.
Mit zwei Abbildungen im Texte.
(Eingelaufen am 24. Oktober 1902.)
Die Örthopterenausbeute, welche Herr Dr. Graf Attems während eines einmonatlichen Aufenthaltes auf der Westhälfte von Kreta im Jahre 1900 zusammengebracht und mir zur Bearbeitung übergeben hat, enthält 19 Arten, die zwar durchwegs schon bekannt, jedoch teilweise für die Insel noch nicht an- gegeben worden sind. Da in der Jahreszeit, in welcher die Sammlung gemacht wurde (Mai), die meisten Orthopteren sich noch im Larvenstadium befinden, so war die Bestimmung teilweise nicht leicht, dürfte aber doch als korrekt zu be- zeichnen sein.
Die angegebenen Fundorte, soweit sie nicht allgemein bekannt sind, wie die Küstenstädte Kanea, Rethymno und Kandia, haben folgende Lage:
Perivolia: Südwestlich von Kanea (1 Stunde).
Homalos: Hochebene (1050 m) südlich von Kanea, in der Mitte zwischen der Süd- und Nordküste.
Agia Rumeli: Südküste von West-Kreta.
Ali Kampos: 2 Stunden südlich von der Armyro-Bucht.
Knossos: Südlich von Kandia (1 Stunde).
Visari: Südwestlich vom Berge Ida.
Von den gesammelten Arten ist eine, Ziphippigera Idomenaei Lucas, eine spezifisch kretensische Form. Die übrigen sind entweder über das ganze Mittel- meergebiet oder über seinen östlichen Teil verbreitet oder aber von beschränk- terem Verbreitungsgebiet, wie Ameles Heldreichi, Pamphagus Yersinü und Poecilimon jonicus. Einige Arten, von denen freilich die meisten überhaupt weit verbreitet sind, wie Stenobothrus petraeus und bicolor, Caloptenus italicus, Oedaleus nigrofasciatus, Troglophilus cavicola und Gryllotalpa vulgaris, kommen auch in Mitteleuropa vor.
Z. B. Ges. Bd. LII. 5
66 Franz Werner.
Flügellose, beziehungsweise flugunfähige Formen sind vier an der Zahl, also über ein Fünftel der ganzen Ausbeute (Pamphagus, Poecilimon, Troglo- philus, Ephippigera). Daß unter ihnen sich auch eine der charakteristischen Heuschrecken Kretas befindet, ist leicht einzusehen; ebenso geht aber auch aus dem Vorkommen der übrigen (Griechenland, Kleinasien, Syrien, Türkei, Öster- reich) hervor, daß Kreta einmal mit Südosteuropa und Westasien im Zusammen- hang gewesen sein muß, während für eine Verbindung mit Ägypten, überhaupt Nordafrika, in der Orthopterenfauna keinerlei Beweis vorliegt, so daß auch die noch jetzt manchmal auftauchende Angabe, daß die nordafrikanische große Schleuderschwanzeidechse (Uromastix spinipes) auf Kreta vorkomme, den letzten Rest von Wahrscheinlichkeit verliert, umsomehr, als auch die Reptilien Kretas ganz mit denen Griechenlands übereinstimmen, aber kein afrikanisches Element enthalten, wenn wir von Chalcides ocellatus absehen, der aber auch bei Athen vorkommt.
I. Mantodea.')
*1]. Fischeria baetica Ramb.?)
Vier Larven von Knossos, 29./V. 1900. Die jüngste von ihnen ähnelt auf- fallend der flügellosen Geomantis. Doch lassen sich Stadien von Fischeria, die ebenso groß sind wie erwachsene Geomantis, leicht durch folgende Merkmale unterscheiden: Das Pronotum ist bei Geomantis kürzer, an der verbreiterten Stelle gänzlich unbewehrt; Flügelansätze fehlen bei den im Juli und August gefangenen Geomantis vollständig, während sie bei der kleinen Fischeria-Larve vom Mai und einer anderen, in meiner Sammlung befindlichen aus der ostalgerischen Sahara (Biskra, April) schon deutlich erkennbar sind. Die Genitalgegend ist schon bei jungen Fischeria ganz verschieden von der bei Geomantis.
*2, Ameles Heldreichi Br.
Ein 5 und eine männliche Larve; erstere von Knossos, letztere von Kanea. Lucas (Rev. Mag. Zool., 2° Ser., VI, p. 165) erwähnt auch Mantis religiosa von Kreta (Kandia und Gonia), ebenso Brunner die Empusa fasciata Brull& (Pro- dromus, p. 70).
II. Acridiodea.
3. Tryzalis unguiculata Ramb.
Zahlreiche männliche und weibliche Exemplare dieser schönen Art von Kanea, Rethymno, Kandia und Knossos. Von Kreta schon bekannt (Brunner, Prodromus, p. 90; Lucas, 1. e., p. 167).
*4. Stenobothrus petraeus Bris.
!) Blattodeen sind in der Kollektion nicht vertreten. Lucas erwähnt aber Stylopyga orien- talis von Rethymno und Heterogamia aegyptiaca von Kandia, Griffini eine Aphlebia pallida subsp. Cecconii n. (Boll. Mus. Torino, X, 1895, Nr. 193) ebendaher.
2) Ein vorgesetztes Sternchen bedeutet: Von Lucas und Brunner noch nicht aus Kreta erwähnt,
Über die von Herrn Dr. Karl Grafen Attems aus Kreta mitgebrachten Orthopteren. 67
Je ein g' von Kanea und Rethymno. Hinterschienen gelbrot, sonst aber
ganz mit den Beschreibungen übereinstimmend. *5. Stenobothrus bicolor Charp.
Ein @ von Hagia Rumeli (10./V.).
6. Oedipoda venusta Fieb.
Ich beziehe drei Larven (Knossos, 29./V. und Rethymno) auf diese spezi- fisch kretensische Art, mit deren Beschreibung bei Brunner sie bis auf die nahezu einförmig gelbbraune Färbung vollständig übereinstimmen.
*7. Oedipoda gratiosa Serv.!) Zwei Larven, von denselben Fundorten stammend wie die vorigen, dürften wohl dieser Art angehören. *8. Oedaleus nigrofasciatus De Geer. Mehrere Larven von Kandia, Knossos und Rethymno. *9. Pyrgomorpha grylloides Latr.
28,3 ® von Knossos (29./V.), 3 d, 6 X von Rethymno (21./V.); alle vollkommen ausgebildet und von rötlichgrauer oder rotbrauner Färbung. Die von Kreta (Brunner, Prodromus, p. 92) angegebene, ähnliche Tryxalide Ochri- lidia tibialis Fieb. fehlt dagegen in vorliegender Kollektion.
10. Pamphagus Yersiniü Br.
Ein @ vom Homalos (8./V.), welches in mancher Beziehung dem P. Raulini (Lue.) ähnelt. Die Fühler sind ebenso lang als Kopf und Thorax zusammen, mit etwas zackigen Gliedern; links 14, rechts 13, indem das sechste und siebente miteinander verschmolzen sind. Der Kamm des Pronotums ist stark gewölbt, dieses selbst grob gerunzelt, hinten breit ausgerandet. Die Deckflügel erreichen den Hinterrand des ersten Abdominalsegmentes. Der Vorderrand des Prosternums besitzt zwei wenig vorragende, stumpfe Zacken. Vordertarsen mit grossen Haft- lappen zwischen den Krallen. Abdominalsegmente gekielt, jedes mit einem kleinen Höcker vor dem Ende des Kieles.
11. Aecridium aegyptium L.
Schon von Lucas (l. e., p. 169) angegeben. Zwei 9 von Ali Kampos und Perivolia, von dunkler Färbung.
* 12. Caloptenus italicus L.
Mehrere Larven verschiedenen Alters von Knossos und Rethymno, ein
erwachsenes 2 (var. marginella Serv.) von Knossos, 29./V.
Locustodea.
13. Poeeilimon jonicus Br. nov. var. eretensis.
Obwohl diese Form vielleicht eine neue Art vorstellt, so will ich sie doch einstweilen als Varietät zu jonicus stellen, da mir nur ein @ vorliegt, welches
1) Außer diesen Arten, welche von Lucas nicht erwähnt werden, sollen nach diesem Autor auf Kreta noch Oedipoda coerulescens, Sphingonotus coerulans, Epacromia thalassina und Pachytylus migratorius vorkommen.
5*
68 Franz Werner.
sich allerdings durch den kurzen Legestachel und die Färbung nicht unwesentlich unterscheidet. Kopf, Pronotum und Abdomen an den Seiten grün, letzteres fein schwarz punktirt. Hinter dem Auge eine weiße, schwarz eingefaßte Linie, die sich über die Seiten des Pronotums und des Abdomens fort- setzt, aber auf ersterem nur nach innen, auf letzterem gar nicht dunkler gerändert ist und die grüne Seiten- von der bräunlichen Dorsal- zone abgrenzt. Kopf oben bräunlich, nach hinten dunkel, mit einer feinen gelblichen Mittellinie, die auch auf Pronotum und Thorax bemerkbar ist. Pronotum hellbräunlich, am Vorderrande und an den Seiten des hinter dem Suleus gelegenen Teiles etwa kirschrot, im vorderen Teile fein dunkel punktirt. Dorsalregion des Abdomens hellbräunlich, fein dunkel punktirt, die Basis der Segmente schwarzbraun. Die letzten Abdominalsegmente und die ganze Genitalregion auch oben grün. Die vorderen Femora sind unten jederseits mit einer schwarzen Längslinie versehen, sonst einfarbig grün, die vorderen Tibien oberseits gleichfalls mit einer (weniger deutlichen) Längslinie.e Schenkel der Springbeine einfarbig grün. Antennen schwarz geringelt. Der Legestachel ist kürzer als das Pronotum.
Totalläinge 20 mm, Länge des Pronotums 6 mm, des Legestachels 5 mm, der Hinterschenkel 15 mm.
Fundort: Rethymno.
*14. Tylopsis lilkifolia Fab.
Eine weibliche Nymphe von Knossos, 29./V.
15. Platycleis affınis Fieb.
Ein 2 von Kandia.
16. Decticus albifrons Fab.
Mehrere Larven von Rethymno; durch die lebhafte Zeichnung der Oberseite des Abdomens ausgezeichnet.
17. Ephippigera Idomenaei Lue.
Ein @ und mehrere weibliche Larven, ersteres von Kandia, letztere von Kandia, Rethymno und Knossos. Da diese Art noch wenig bekannt scheint, so gebe ich nachstehend die Beschreibung des 9.
Färbung der Oberseite olivenbraun (bei den Larven mehr grün). Hinter- kopf tief schwarz. Pronotum grob gerunzelt, hellgrün, nur der gerade, wulstige untere Rand seiner Seitenlappen sowie der gleichfalls aufgewulstete, überaus seicht ausgerandete Hinterrand gelblichweiß; auch von den Runzeln diejenigen der hinteren Hälfte des Diskus meist gelblichweiß gefärbt. Der zweite Suleus des Pronotums, bei den Larven etwas vor dem zweiten Drittel der Pronotumlänge gelegen, ist bei dem erwachsenen ® nicht deutlich bemerkbar. Die Hinterhälfte des Diskus besitzt einen deutlichen, wenn auch schwachen und stumpfen Median- kiel. Seitenlappen des Pronotums durch eine wulstige, runzelige Leiste getrennt, die von der vorderen Ecke des Pronotums schief nach hinten und aufwärts steigt.
| | | |
Über die von Herrn Dr. Karl Grafen Attems aus Kreta mitgebrachten Orthopteren. 69
Flügeldecken mit schwarzem Diskus und stark genetztem, gelblichweißen Skapular- felde, dessen Randzellen gleichfalls schwarz sind. Hinterrand der Abdominal- segmente wie der des Pronotums gelblichweiß, durch grüne Flecke in regel- mäßigen Abständen unterbrochen. Seiten des Abdomens mit einem weißen
Längsbande, welches gerade über den Seitenrand der abdominalen Tergiten ver- läuft. Vordere Femora unbewehrt, hintere unterseits mit zwei Reihen von je sechs (sieben) schwarzen Dörnchen; vordere Tibien unterseits mit zwei Reihen von je sechs (sieben) Dörnchen, außerdem aber noch die des ersten Paares ober- seits ein, die des zweiten Paares zwei Dörnchen. Hinterschienen gegen das Ende vierkantig, auf jeder Kante bedornt. Lamina subgenitalis breit dreieckig aus- gerandet, mit abgerundeten Lappen. Legestachel mehr als 1'!/;mal so lang als das Pronotum, sehr wenig gebogen, am unteren Rande nahe der Spitze fein ge- zähnelt, in seiner ganzen Länge einförmig gelbbraun. Antennen etwas länger als der ganze Körper samt Legestachel, unregelmäßig braun geringelt.
Körperlänge 32 mm, Länge des Pronotums 10 mm, des Legestachels 16 mm, der Hinterschenkel 14 mm.
18. Troglophilus cavicola Koll. Drei g' von Kanea. Kreta scheint wohl der südlichste Fundort der Art zu sein.
Gryllodea.
19. Gryllotalpa vulgaris Latr. var. cophtha de Haan. Ein 2 von Visari, 24./V.
Mit den aus der Litteratur bekannten Arten sind also derzeit aus Kreta 3 Blattodeen, 4 Mantodeen, 15 Acridier, 6 Locustodeen und 1 Gryllodee, zu- sammen 29 Arten von Orthopteren bekannt, gewiß beiweitem nicht alles, was auf dieser großen Insel vorkommt.
70 Referate.
Referate.
Koch, W.D. J. Synopsis der deutschen und Schweizer Flora. Dritte Auflage, in Verbindung mit namhaften Botanikern herausgegeben von Prof. Dr. E. Hallier, fortgesetzt von R. Wohlfarth. (Leipzig, O. R. Reisland.) Lieferung 11—12.
Nach jahrelanger Pause ist endlich wieder eine Fortsetzung dieses in seinen verschiedenen Teilen so ungleich gearbeiteten Werkes erschienen. Der Herausgeber ist auch jetzt wieder seinem Grundsatze, die im ganzen ziemlich unbedeutende Arbeit durch Heranziehung hervorragender Monographen, wie Willkomm und Borbäs, zu einem unentbehrlichen Handbuche zu machen, treu geblieben.
Die 11. Lieferung bringt den Schluß der Bearbeitung der Cynarocephalen, speziell der Gattung Centaurea, sowie der Ligulifloren (exklusive Hieracium) von Weiss, die zwar jeder originellen Auffassung entbehrt, auch keine monographische Neubearbeitung enthält, aber auf Grund der in ausgiebiger Weise benützten neueren und neuesten Literatur, insbesondere Englers „Natürlichen Pflanzen- familien“, Becks „Flora von Niederösterreich“, Gremlis „Exkursionsflora* und „Neuen Beiträgen“, Freyns „Flora von Südistrien“ u. a., ein getreues Bild über den dermaligen Stand unserer Kenntnisse der behandelten Gruppen wiedergibt. Recht sorgfältig, wenn auch nicht immer einwandfrei ist die Synonymie zu- sammengestellt; die Verbreitungsangaben könnten vielleicht manchmal (z. B. bei Arnoseris minima, Scorzonera purpurea) detaillierter sein.
Die hierauf folgende Bearbeitung der Gattung Hieracium durch H. Zahn stellt wohl den interessantesten Teil des ganzen Werkes dar, da sie in gewissen Gruppen eine vollständige Neubearbeitung durch den besten Kenner der Gat- tung bietet.
Soweit Nägeli und Peters „Monographie“ erschienen ist, also bei der ganzen Untergattung Pilosella und von den Archieracien bei den Sektionen der Glauca, Villosa, Barbata (= Glandulifera N. et P.) und Tomentosa, lehnt sich Zahn eng an diese an, ohne sich in solche kleinliche Details wie diese Autoren einzulassen. Ob freilich der Modus, die „Greges“* Nägeli und Peters als Unter- abteilungen anzuführen, immer gerechtfertigt ist, mag, da genannte Autoren gerade in Beurteilung der Wertigkeit der Formen nicht immer glücklich waren, dahingestellt bleiben, doch kann man bei der auch heute noch bestehenden Un- klarheit dieser Formenkreise eine bessere Beurteilung nicht verlangen. Speziell die Piloselloiden bedürfen einer vollständig neuen, unbefangenen Durcharbeitung, die nicht in wenigen Jahren geliefert werden kann.
Auch bei der Bearbeitung der weiteren Gruppen hält Zahn an dem Standpunkte, nur wenige Hauptarten anzuerkennen und alle Zwischenformen in gewisse, die Beziehungen zu den Hauptarten darstellende Formeln zu bringen, fest, obne allerdings, außer bei zweifellosen Bastarden, sich genauer über diese
Referate, 7 1
Beziehungen auszusprechen. Ob ein derartiger Vorgang aber immer seine Be- rechtigung hat, bleibt wohl zweifelhaft. Gerade so außerordentlich variable und anpassungsfähige Pflanzen wie die Hieracien können gewiß durch verschiedene äußere Umstände oder durch direkte Anpassung Merkmale erwerben, die sie zu irgend einer Hauptart in Beziehung zu bringen scheinen, ohne daß dies wirklich der Fall wäre. So könnte doch z. B. ein A. glaucum oder silvaticum an gewissen . Standorten eines besonderen Transpirationsschutzes bedürfen und (natürlich im Verlaufe vieler Generationen) an Hülle oder Blättern lange weiße Trichome aus- bilden, ohne deswegen mit A. villosum irgend eine Beziehung zu haben; eine andere Pflanze vielleicht auf den Blättern Drüsen entwickeln, ohne daß deswegen an eine Verwandtschaft mit ZH. alpinum oder amplexicaule zu denken wäre. Man muß übrigens gestehen, daß der Autor sein Prinzip mit außerordentlichem Scharfsinne und gründlichster Sorgfalt durchgeführt hat; auch ist es zweifellos, daß eine solche Formel oft eine klarere Vorstellung der gemeinten Pflanze gibt, als die genaueste Beschreibung. Auf eine mögliche geographische Gliederung mancher Formenkreise, wie sie z. B. bei H. bupleuroides, amplexicaule, thapsi- forme u. a. gewiß vorhanden ist, wäre in Hinkunft ebenfalls Rücksicht zu nehmen.
Auf Einzelheiten des genaueren einzugehen, verbietet hier der Raum und es möge daher hier nur einiger interessanterer Punkte Erwähnung getan werden. Die Gruppe der Oreadea enthält nur eine Hauptart, H. Schmidtii Tausch, welchem u. a. H. rupicolum Fr., diversifolium Cel. und cerinigerum Fr. unter- geordnet werden. Die Vulgata umfassen zwei Hauptarten, A. silvaticum L. und H. vulgatum Fr.; ersteres zerfällt in acht Formengruppen: praecox Schultz-Bip., wozu u. a. auch H. fragile Jord. gehört, pleiotrichum Z., heteroschistum Z., eirritoides Z., silvaticum L., oblongum Jord., atropaniculatum Z. und crepidi- folium Polak; letzteres in H. haematodes Vill., vulgatum Fr. (hierzu alpestre Uechtr.), sciaphilum Uechtr. und anfractum Fr. Auffallend ist bei der Be- arbeitung der Vulgata, Alpina und Tridentata die geringe Berücksichtigung der neueren skandinavischen Autoren. Wenn es auch zweifellos ist, daß viele der schwedischen Hieracium-Formen mit den mitteleuropäischen nicht übereinstimmen und insbesondere Dahlstedt in letzterer Zeit in der Formzersplitterung gewiß viel zu weit gegangen ist, lassen sich doch gar manche deutsche Formen mit nordischen identifizieren.
Alle Zwischenformen zwischen FH. glaucum und silvaticum werden als H. caesium zusammengefaßt, zu welchem als Formen, beziehungsweise Unter- arten u.a. H. fluminense Kern., bifidum Kit., chartaceum Üel., subeaesium Fr. gehören. H. Murrianum A.T. (mit Ausschluß von H. Arolae Murr) wird ganz richtig dem H. incisum Hoppe (non Koch, welches = H. subcaesium ist) unter- geordnet, auch HZ. Trachselianum Christ. gehört in diesen Formenkreis. H. Gra- niticum Schultz-Bip. wird als sölvaticum-Schmidtii gedeutet, H. ramosum W.K. als vulgatum > glaucum, H. saxifragum Fr. (inklusive ZH. oreades Fr.) als H. vulgatum-Schmidti. H. Kerneri Ausserd. ist ein humile-incisum. Sehr inter- essant ist die Bearbeitung der Gruppe der H. alpina. Unter H. alpinum werden
7 5 Referate.
u.a. H. melanocephalum Tsch., tubulosum Tsch. und Halleri Vill. untergeordnet, während H. Fritzei F. Schltz. als ein prenanthoides-alpinum ausgeschieden wird. Nicht minder geistreich ist HZ. prenanthoides und seine so zahlreichen Zwischen- formen, zu welchen z. B. H. valdepilosum, Juranum sowie zahlreiche den Sudeten eigentümliche Formen, wie H. Wimmeri, Bohemicum, riphaeum, nigritum ete. teils als selbständige Zwischenformen, teils als Unterarten und Varietäten gehören, dargestellt. Die Aceipitrina enthalten die Hauptarten laevigatum W., umbel- latum L., latifolium Spr., Sabaudum L. und racemosum W. K. nebst zahlreichen interessanten Zwischenformen.
Störend wirken in der ganzen Arbeit die vielen geographischen Irrtümer, besonders in Bezug auf die österreichischen Alpenländer.
Im ganzen muß man gestehen, daß Zahn es verstanden hat, den unge- heuren Stoff in geistreicher Weise zu bemeistern und eine äußerst wertvolle Arbeit zu liefern, die gewiß auf lange Jahre hinaus die einzige Bearbeitung der deutschen Hieracien bleiben wird.
Auf diese Bearbeitung der Gattung Hieracium, die gewiß den wertvollsten Teil des ganzen Werkes darstellt, folgen die Vaceiniaceen, Ericaceen, Pirolaceen, Ebenaceen (im Gebiete durch den in der Südschweiz verwilderten Drospyros Lotus L. vertreten), Aquifoliaceen, Oleaceen, Asclepiadaceen und Apocyneen, aus der Feder eines ungenannten Autors, durchwegs sehr sorgfältig gearbeitet. Dann folgen die Gentianeen, Polemoniaceen, Convolvulaceen, Borragineen, Solaneen und Serophularineen, von einem Herrn Brand bearbeitet, eine Arbeit, die wohl alles in dieser Weise Gebotene tief in den Schatten stellt. Wenn auch Mono- graphen jahrelang die eingehendsten Studien machen, schließlich die gewonnenen Resultate publizieren und bei schwierigen Gruppen endlich einen Einblick in das Formengewirre schaffen, neue Theorien aufstellen und alte durch neue Beweise sicherer basieren, — für den Autor existieren diese Arbeiten entweder überhaupt nicht oder die Resultate derselben werden in einer unglaublichen Weise miß- achtet. Bei der Gattung Gentiana z. B. fällt es sofort auf, daß der Verfasser die Arbeit von Jakowatz über die Gentiana-Arten der Sectio Thylacytes gar nicht kennt, weshalb er auch @. angustifolia, alpina und exeisa zu @. acaulis als Synonyme setzt. Noch sonderbarer werden die Arten der Sectio Endotricha behandelt. Diese Sektion umfaßt nur fünf Arten, nämlich @. campestris L., Ger- manica Willd., amarella L., tenella Rottb. und nana Wulf. Bei „@. Germanica* finden wir sämtliche von A. und J. Kerner und R. v. Wettstein aufgestellten Arten als bloße Synonyme angeführt und dazu die Bemerkung: „Diese Art ist außerordentlich veränderlich, besonders was die Gestalt des Kelches anbelangt. Das hat mehrere Botaniker (sic!) veranlaßt, diese Art eingehend zu stu- dieren und die so gefundenen Unterschiede in besonderen Arten festzulegen. Jedoch die angegebenen Merkmale sind nicht immer konstant; die Formen sind durch Übergangsformen miteinander verbunden. Es scheint, daß die Art im Be- griffe steht, sich in mehrere Arten zu differenzieren. Dieser Prozeß ist aber noch nicht zum Abschlusse gekommen und so ist es für den Nichtspezialisten tun- licher, fürerst die Auffassung der Art im alten Sinne beizubehalten,“
Referate. 7 3
Wenn jemand „Nichtspezialist“ ist und sich in der betreffenden Gattung nicht zurecht findet, wäre es wohl besser, die Bearbeitung derselben jemand anderem zu überlassen.
Es sind aber nicht nur etwa die erst neuerdings monographisch bear- beiteten Gattungen, die in dieser Weise behandelt werden, auch der Gattung Verbascum geht es nicht besser. V. Austriacum ist synonym mit V. Chaixi Vill. und gehört als Varietät zu V. nigrum!, ebenso V. lanatum Schrad.! Am deut- lichsten aber zeigt sich die Eigenart des Verfassers bei der Bearbeitung der Genera Euphrasia und Alectorolophus. Euphrasia offieinalis L. zerfällt in zwei „Standortsformen“, nämlich E. nemorosa und E. Rostkoviana, denen noch E. minima und alpina als Varietäten, alle anderen Arten, die Gruppe der FE. Salis- burgensis ausgenommen, als bloße Synonyme beigefügt werden. Der Verfasser scheint also noch nie in seinem Leben E. nemorosa und KRostkoviana unter- einander wachsen gesehen zu haben und der Meinung zu sein, aus ersterer gehe durch Kultur auf feuchterem Boden letztere hervor. Es scheint ihm demnach ganz entgangen zu sein, daß der Monograph der Gattung zahlreiche Kulturver- suche gemacht hat, die gerade zu einem gegenteiligen Resultate geführt haben! Oder aber, man muß annehmen, daß er die Formen — nicht kennt.
Daß Alectorolophus nur drei Arten, major, minor und angustifolius, um- faßt, darf nach dem Gesagten nicht Wunder nehmen; bemerkenswert ist aber die originelle Auffassung des Autors bezüglich des Saisondimorphismus, indem er schreibt: „Bei dieser (A. minor) sowie bei der folgenden Art finden sich im Früh- sommer meist unverzweigte, im Spätsommer meist verzweigte Exemplare (vgl. Sterneck, 1. c.).“ Die Stelle, wo Sterneck diesen Ausspruch getan hat, kennen zu lernen, wäre wirklich von Interesse.
Die mitgeteilten Proben dürften wohl genügen, sich ein Urteil über den wissenschaftlichen Wert der in der „Synopsis“ enthaltenen Bearbeitung der in Rede stehenden Familien zu bilden.
Den Schluß der 13. Lieferung bildet der Anfang der Bearbeitung der Orobanchaceen von G. v. Beck, für deren Gründlichkeit und Wert ja schon der Name des Autors allein Gewähr bietet. Hayek.
Wagner, Rudolf. Ueber den Bau und die Aufblühfolge der Rispen von Phlox paniculata L. (Sitzungsber. der kais. Akad. der Wissensch. in Wien, mathem.-naturw. Kl., Bd. CX, Abt. I, Dezember 1901.)
Verfasser bespricht den pleiochasialen Aufbau der Rispen, wobei sich eine Reihe von komplizierten Verhältnissen ergibt, welche mit Hilfe der bisher be- stehenden Methoden nicht darzustellen waren. So ist es vor allem eine eigen- tümliche Mischung von spiraler und dekussierter Blattstellung, welche zu Er- örterungen deszendenztheoretischer Art Veranlassung gab. Des weiteren resultierte aus dem Umstand, daß die betreffenden Blätter Partialinfloreszenzen in ihren Achseln tragen, die Notwendigkeit, auch diese, die in ihrem Bau teilweise sehr verwickelt waren, miteinander zu vergleichen, und zwar nach zwei Richtungen: einmal die einzelnen Partialinfloreszenzen der gleichen Ordnung miteinander und
74 Referate.
dann die zu einer Partialinfloreszenz gehörenden Teilblütenstände höherer Ord- nung. Es kam da in Betracht: Blattstellung, Vorblattorientierung und Sympodien- bildung.
Dabei erwiesen sich, wie schon bemerkt, die bestehenden Methoden als unzulänglich, die Diagramme nehmen nämlich viel zu viel Platz weg, müßten außerdem vielfach wiederholt werden, was die Übersichtlichkeit sehr mindert; dann fehlt die Möglichkeit, leicht mehrere miteinander zu vergleichen, da sie sehr viel Raum beanspruchen, und sind zu allem Überflusse noch theuer. Mit dem gewöhnlichen sprachlichen Ausdruck ist nichts anzufangen, wie ein Beispiel beweisen wird.
So kam der Verfasser dazu, in ähnlicher Weise wie Grisebach Blüten- formeln konstruiert hat, auch Infloreszenz-, beziehungsweise Verzweigungs- formeln aufzustellen. Dieselben beruhen darauf, daß an einer Achse die Blätter mit den kleinen Buchstaben des Alphabetes bezeichnet werden, und zwar im An- schlusse an die Vorblattterminologie mit den griechischen, ihre Achselprodukte, einerlei ob vegetativen oder floralen Charakters, aber mit den entsprechenden großen Buchstaben, welche aber, da sie der nächst höheren Verzweigungsgene- ration angehören, einen um eins höheren Index erhalten (Generationsindex). Weil nun die Vorblattorientierung häufig wechselt, so muß das auch berücksichtigt werden, was durch Beifügung eines weiteren Index geschieht, der als Riehtungs- index bezeichnet wird. Im Interesse der internationalen Verwendbarkeit der Formeln hat Verfasser die Anfangsbuchstaben der betreffenden lateinischen Vokabeln gewählt; so bedeutet also Dr Aa2 Bs3 Ba2: Das nach rechts fallende zweite Vorblatt eines Sprosses, der das Achselprodukt darstellt aus dem nach links fallenden zweiten Vorblatt wiederum eines anderen Sprosses, der axillär ist aus dem nach rechts fallenden ersten Vorblatt eines aus dem vierten Blatte einer gegebenen Achse entwickelten Seitensprosses. Von Übersichtlichkeit ist in der sprachlichen Bezeichnung auch keine Spur, ohne Rekonstruktion auf dem Papier ist die Bezeichnung einfach unverständlich, im Gegensatze zu der kurzen Formel. Anzugeben ist namentlich bei der Besprechung von Herbarmaterial, ob es sich um die Hauptachse oder um eine Seitenachse unbekannter Ordnung handelt, ferner die Divergenz, die Richtung der Blattspirale; in letzterer Beziehung schlägt Verfasser vor, im Interesse einer einheitlichen Nomenklatur der gesamten Natur- wissenschaften die Ausdrücke „Rechtsspirale“, „linkswindend“ im nämlichen Sinne zu gebrauchen, wie die anderen Disciplinen, so auch die Mathematik und Technik; der andere Sprachgebrauch vieler Autoren bildet kein schwerwiegendes Hindernis.
Die mit Hilfe der Formeln festgestellten Tatsachen werden dann noch in eigenartigen Tabellen miteinander verglichen und zum Teile aus diesen Tabellen, zum Teile aus dem Text leitet Verfasser das Materiale ab zur Kon- struktion von Kurven, die das Verhalten konsekutiver und koordinierter Sproß- generationen zum Ausdruck bringen, ferner typische und individuelle Eigen- tümlichkeiten, deren Besprechung sich aber dem Rahmen eines Referates wegen ihrer Kompliziertheit entzieht und nur für denjenigen zu gebrauchen sind, der an graphische Darstellungen solcher Art durchaus gewöhnt ist.
Referate. ” 5
Einige Ausdrücke mögen noch Erwähnung finden; wie schon Wydler be- kannt war, kommen hier Blüten vor, deren Keleh die Vorblätter oder eines derselben aufgenommen hat; Verfasser bezeichnet solche Kelche als heterogene Kelehe, im Gegensatze zu den homogenen, an deren Bildung Vorblätter nicht beteiligt sind und welche die Hauptmasse der Kelche überhaupt ausmachen.
Hinsichtlich der Nomenklatur der Blütenstände findet sich der Ausdruck „dekussiertes Pleiochasium“, d.h. ein Pleiochasium, das aus den Achseln von lauter dekussierten Blättern seinen Ursprung nimmt.
Sehr interessante Vorkommnisse finden sich mit Rücksicht auf Atavismen, auf Rückschlagsbildungen, die sich innerhalb definierbarer Regionen in der Rispe finden und zu theoretischen Auseinandersetzungen Veranlassung geben. Letztere stellen das Endziel der Arbeit dar, aber auf die Beweisführungen, auf die sehr verwickelten Auseinandersetzungen über primäre und sekundäre Charaktere, über den Wechsel, die Alternation von Charakteren im Laufe der Phylogenie kann bier nicht näher eingegangen werden. Dr. F. A. Tscherning.
Hooker’s Icones plantarum. 5. Series, Vol. LIII, Part II. London, Mai 1902.
Das vorliegende Heft dieses wichtigen Abbildungswerkes enthält die Tafeln Nr. 2726 bis 2750 mit je 1—2 Seiten Text. Bezüglich des Inhaltes sollen nur die neu aufgestellten Gattungen berücksichtigt werden, die zum Teile Familien angehören, welche auch in der europäischen Flora vertreten sind.
Carolinella Hemsl. ist ein der Gattung Primula nahestehendes Genus: „habitu et capsula calyptratim dehiscente a Primula recedens“. Benannt nach der verstorbenen Gattin Dr. A. Henrys, des bekannten Erforschers der chinesi- schen Flora, die ihn auf seinen Reisen begleitete und auch anderwärts sammelte, ist die Gattung bisher monotypisch. C. Henryi Hemsl. ist ein perennierendes Kraut mit grundständigen Blättern und spannenhohem Schaft, an dessen Ende 10—20 Blüten „fasciculatim conferti“ stehen, und zwar in der Achsel von linearen Tragblättern, so daß der Blütenstand wohl als eine Traube oder viel- leicht auch als ein im ersten Grade sympodiales Aggregat mehrerer Trauben an- zusehen ist. Die Heimat der Pflanze sind die Gebirge von Yünnan, wo sie in einer Höhe von 5000’ südöstlich von Mengtze gefunden wurde (Tab. 2726).
Hartia Dunn. ist eine Gattung aus der Verwandtschaft der von den Khasia-Bergen und dem Himalaya an östlich bis in den malayischen Archipel mit etwa 10 Arten verbreiteten Gattung Schima Reinw. (Ternstroemiaceae— Gor- donieae); H. sinensis Dunn. ist ein 20—30’ hoher Baum in den Gebirgen von Yünnan (Tab. 2727).
Diuranthera Hemsl. steht der Gattung Paradisea L. nahe; D. major Hemsl. aus Westchina wurde durch Veitch in Kultur genommen (Tab. 2754); aus der nämlichen Gegend stammt D. minor H. C. Wright, vorher von demselben Autor als Paradisea beschrieben.
Thomassetia Hemsl. ist eine gänzlich isoliert stehende monotypische Tern- strömiaceengattung, benannt nach ihrem Entdecker. Th. seychellana Hemsl. ist ein Baum auf dem Gipfel des 1800’ hohen Mount Sebert auf Mahe (Tab. 2736).
16 Referate.
Oryptotaeniopsis Dunn., „genus novum Euamminearum ab affınibus con- sociatione umbellarum regularium multiradiatarum et umbellulis irregularibus pauciradiatis differt“. Or. vulgaris Dunn., aus China von einer Reihe von Stand- orten in Yünnan, Szechuen und Hupeh bekannt, erreicht auch das Gebiet der Flora of British India, nämlich in den Gebirgen von Manipur (Tab. 2737).
Carlesia Dunn. ist eine neue Gattung aus der Verwandtschaft von Sium L. und Pimpinella L. CO. sinensis Dunn. stammt aus den Chefoo-Bergen in der Provinz Schantung; vorher schon war die Pflanze als „Umbellifera dubia Atha- mantae affınis* beschrieben worden (Tab. 2739).
Paradombeya Stapf gehört in die Verwandtschaft der Gattungen Corcho- ropsis 8. et Z. und Pentapetes L.; letztere Gattung gehört zu den Sterculia- ceae—Dombeyeae, erstere wird gewöhnlich als Tiliacee betrachtet. P. burmanica Stapf (Tab. 2743 A) ist ein 5—6 Fuß hoher Strauch mit gebüschelten schnee- weißen Blüten aus den oberen Shan-Staaten, P. sinensis Dunn. eine nahe- stehende Art aus Yünnan-Fu, 500 englische Meilen nordöstlich vom Fundorte der vorigen Art.
Außerdem mag noch Hamadryas sempervivoides Sprague erwähnt werden, eine, wie schon der Name besagt, sehr merkwürdige Ranunculacee mit ein- geschlechtigen Blüten und höchstens 1!/, Zoll hohem, dieht beblättertem Stengel aus den Kordilleren von Südpatagonien. Dr. R. Wagner.
Boissieu, H. de. Note sur quelques Ombelliferes de Chine d’apres les colleetions du Mus&um d’histoire naturelle de Paris. (Bulletin de l’'Herbier Boissier, 2° Serie, Vol. II, N° 9, p. 801 sq., Aoüt 1902.)
Die Kenntnis der ostasiatischen Umbelliferen liegt noch sehr im Argen; erst in neuester Zeit wurden in einer Bearbeitung japanischer Doldengewächse von Yabe (Journal of the College of science, Tokyo, Vol. XVI, Art. IV) eine auf- fallende Anzahl neuer Arten und zum Teile auch Gattungen beschrieben.
Vorliegende Arbeit bespricht Arten aus den Gattungen Hydrocotyle L. (2), Certilla L. (1), Sanicula L. (4), Trachydium Ldl. (2), Melanosciadium nov. gen. (1), Bupleurum L. (5), Apium L. (1), Carum L. (2), Pternopetalum Franch. (1), Oryptotaeniopsis Dunn. (3), Nothosmyrnium Mg. (1), Pimpinella L. (11), Orypto- taenia DC. (1), Osmorrhiza Raf. (1). Anthriscus Hoffm. (2).
Neu ist die Gattung Melanosciadium; sie gehört in die Tribus der Am- mineae und zur Subtribus der Smyrnieae, neben Trachydium, Arracacia, Smyr- mium und Astoma. M. pimpinelloideum Boissieu mit schwarzpurpurnen Blüten (daher der Gattungsname) wurde von Farges in der Provinz Su-Tchuen entdeckt.
An Vorkommnissen, die für den europäischen Floristen von Interesse sind, mögen erwähnt werden: Sanicula europaea L. in Ta-Tsien-Lu und Tongolo (Ost- tibet), deren „var.“ elata Ham. (pro specie) in Su-Tehuen.
Bupleurum falcatum L. „incl. B. Chinense DC. und B. scorzonerifolium Hauer“ ist eine im Osten schwierige „Art“: „L’Index des plantes de Chine de Forbes et Hemsley, ä la suite de Maximowiez, donne comme possible l’assi- milation au Bupleurum falcatum de tous les Bupleurum chinois. Sans aller aussi
Referate. 71 7
loin que nos predecesseurs, nous nous permettrons de faire remarquer le poly- morphisme du Bupleurum falcatum en Extr&me-Orient. L’espece comprend un grand nombre de sous-especes et formes dont on ne pourra guere se rendre un compte exact que par des etudes minutieuses sur le frais.“ Dazu wird eine neue Varietät beschrieben, die ein verdächtiges Verbreitungsgebiet besitzt, indem sie von Peking bis Ria-La und Ta-Tsien-Lu vorkommt.
Apium graveolens L. auf Hainan.
Carum Carvi L. Ria-La in Osttibet und Ta-Tsien-Lu in Westchina. „Localites nouvelles tres interessantes pour le geographie botanique“, was aber sehr eingeschränkt wird durch die folgende Bemerkung: „Cultive ?“
Anthriseus sylvestris Hoffm. Tschen-Rüu-Tin (vielleicht in Su-Tehuen ?, leg. Farges) und Ta-Tsien-Lu in Westchina.
Anthriseus nemorosa Spreng. Ria-La in Tongolo, Osttibet.
Dr. R. Wagner.
Briquet, John. Monographie des Centaurdes des Alpes maritimes. Bale et Geneve, Mars 1902.
Der Verfasser, dem wir außer seinen bekannten Arbeiten über Labiaten schon einige interessante Studien über einzelne Gattungen aus der Flora der See- alpen, wie Oytisus und Bupleurum, verdanken, hat sich nun der dankenswerten Aufgabe unterzogen, die Centaurea-Arten dieses Gebietes monographisch zu be- arbeiten. Die Arbeit, die in vier Teile zerfällt, beweist, daß der Verfasser auf Grund eines sehr reichen Materiales die Formen dieser Gattung sehr eingehend studiert hat und wird jedenfalls stets ein recht wertvoller Beitrag zur Kenntnis dieser schwierigen Pflanzengruppe bleiben.
Der erste Abschnitt enthält Untersuchungen über den anatomischen Bau und die morphologischen Verhältnisse der Arten und ist durch mehrere instruktive Abbildungen erläutert. Er verdient als die erste mit Gründlichkeit durehgeführte anatomische Untersuchung dieser Gattung unser vollstes Interesse. Das zweite Kapitel enthält Betrachtungen über die Begrenzung der Gattung und ihrer Sektionen. Verfasser hält es nicht für am Platze, der so vielfach umstrittenen Frage der Begrenzung der Gattung näher zu treten und schließt sich darum an Bentham und Hooker und Hoffmann (in Englers Natürlichen Pflanzen- familien) an, faßt demnach die Gattung in weitestem Umfange auf, von welcher im behandelten Gebiete die Sektionen Rhaponticum, Leuzea, Jacea, Oyanus, Acrocentron, Acrolophus, Mesocentron, Caleitrapa und Seridia vertreten sind.
Der dritte Abschnitt, beiweitem der umfangreichste, ist der Beschreibung und Besprechung der Arten gewidmet. Es werden für das Gebiet folgende Arten aufgeführt: Centaurea rhaponticum L., conifera L., jacea L., procumbens Balb., Jordaniana Gr. Godr., Aemilüi Brig. nov. spec., pectinata L., uniflora L., mon- tana L., cyanus L., collina L., scabiosa L., eineraria L., aplolepa Mor., pani- culata L., solstitialis L., melitensis L., calcitrapa L., aspera L., seridis L., ferner zwei Bastarde, C. silvatica Pourr. (collina X scabiosa) und CO. Pouzini DC. (aspera X caleitrapa). Wie man sieht, steht der Verfasser, wie man es ja schon
7 6) Referate.
auf Grund seiner früheren Arbeiten erwarten konnte, auf dem Standpunkte des weiten Artbegriffes, doch sind die angeführten 20 Arten in 42 Unterarten und Varietäten aufgelöst. Referent möchte an dieser Stelle einige prinzipielle Bedenken gegen die Art und Weise, in welcher der Verfasser bei der Abgrenzung dieser Formen vorgeht, erheben. Man kann in dieser Beziehung zweierlei Standpunkte einnehmen, einerseits den rein morphologischen, wobei man nur auf Grund morphologischer Merkmale die Abgrenzung der Formen vornimmt, andererseits den phylogenetischen, welcher auch Einsicht in die Verwandtschaftsverhältnisse derselben zu gewinnen sucht. Der erste Standpunkt war bis vor wenigen Jahr- zehnten der allgemeine, da man weiteren phylogenetischen Untersuchungen hilf- los gegenüberstand. Heutzutage jedoch macht sich die zweite Richtung immer mehr Bahn und hat auch, wie die Arbeiten von v. Wettstein, Murbeck, v. Sterneck u. a. beweisen, zu glänzenden Resultaten geführt. Verfasser steht jedoch, wie die meisten französischen Autoren, auf dem ersten Standpunkte und grenzt die Formen blos auf Grund ihrer morphologischen Verschiedenheiten ab, ohne insbesondere auf ihre geographische Verbreitung Rücksicht zu nehmen. Dadurch aber werden die einzelnen Formen in Bezug auf ihre Wertigkeit oft unrichtig beurteilt. So zerfällt z. B. nach Briquet Centaurea jacea in fünf Unterarten, während tatsächlich «. amara, ßB. canescens und y. vulgaris Briqu. einerseits, &. transalpina und £. Vochinensis Briqu. andererseits zueinander in einem viel engeren Verwandtschaftsverhältnisse stehen als zu den übrigen Formen. Ebenso stehen die Verhältnisse bei ©. montana L., die ebenfalls nur in zwei und nicht, wie der Autor anführt, in drei Unterarten zerfällt, da ©. Triumfetti und (. variegata zusammengehören. Centaurea scabiosa s. l. ist sehr deutlich in geographische Rassen geschieden, was freilich aus der vorliegenden Arbeit nicht ersichtlich ist.
Hätte der Autor mehr darauf Rücksicht genommen, daß gewisse Formen auf bestimmte geographisch abgegrenzte Gebiete beschränkt sind, wäre er auch in der Auswahl der Namen vorsichtiger gewesen. So kommt z. B. Centaurea amara Vis., die mit C. Weldeniana Rb. identisch ist, in den Seealpen nicht vor, sondern ist die dortige Pflanze als C. bracteata Scop. oder ©. Gaudini B. R. zu bezeichnen; ©. mollis W. K. ist die in den Karpathen vorkommende Parallelform zu O. montana und nicht eine Form der ©. Triumfetti All., C. Badensis Tratt. fehlt in den Seealpen, die dortige Pflanze gehört zu (©. tenwifolia Schl. Die An- wendung des Namens (. Carniolica Host auf eine Form der €. Triumfetti hätte durch ein Nachschlagen der ÖOriginaldiagnose vermieden werden können, denn, obwohl schon Koch sie in gleichem Sinne wie Briquet deutete, ist doch zweifellos ©. Vochinensis Bernh., also eine in eine ganz andere Sektion gehörige Art, darunter zu verstehen.
Die angeführten Beispiele mögen genügen, zu erweisen, daß eine richtige Beurteilung der Formen blos auf Grund morphologischer Momente allein nicht möglich ist, sondern stets die geographische Verbreitung der Formen auch be- rücksichtigt werden muß, soll nieht die Arbeit zu einer künstlichen Gruppierung der Formen und einer oft direkt falschen Bezeichnung derselben führen.
Referate. 79
Im vierten Abschnitt ist ein analytischer Schlüssel zur Bestimmung ge- geben. Die beigefügte Tafel stellt die neu aufgestellte Centaurea Aemilü Briqu. dar.
Im grossen und ganzen muß die Arbeit jedenfalls als ein sehr wertvoller Beitrag zur Kenntnis der schwierigen Gattung Centaurea und der Flora der See- alpen betrachtet werden. Hayek.
Schroeder, Dr. Chr. (Itzehoe-Sude). Die Variabilität der Adalia bipunc- tata L. (Col.), gleichzeitig ein Beitrag zur Deszendenztheorie. (Sep.-Abdr. aus der Allgem. Zeitschr. für Entom., 1901—1902. Verlag Neu- mann, Neudamm.)
Der Verfasser macht uns mit einer reichen Fülle von Tatsachen bekannt, die er bei der Aufstellung von Temperaturexperimenten mit Puppen der Cocei- nella bipunctata erzielt hat. Der durch seine Beobachtungen über Eupithecien- raupen wohlbekannte Verfasser kommt dabei zu dem Schlusse, daß die durch extreme (hohe) Temperaturen — 37° C. — erzielten Variationen als Hemmungs- formen, nicht etwa als Progressivformen anzusehen sind; gleichzeitig liefert er interessante Daten über die verschiedenen Faktoren, welche für die Ausfärbung der Insekten in Betracht kommen: daß bei diesem Prozesse sowohl thermische als auch mechanische Einflüsse eine bedeutende Rolle spielen. In der genauen Schilderung der Ontogenie der var. semirubra Ws. liefert Verfasser einen ge- wichtigen experimentellen Beweis für das bekannte Haeckel’sche biogenetische Grundgesetz. Nicht genug können die Worte beachtet werden, mit denen der Verfasser im folgenden den Unterschied zwischen „Varietät* und „Aberration“ schildert, Begriffe, mit denen in der heutigen entomologischen Literatur zu leicht- fertig umgegangen wird.
Im zweiten Teile seiner Ausführungen gibt Verfasser detaillierte Unter- suchungen über Zeichnungscharaktere der Nachkommen einiger Varietäten und deren Kreuzungen untereinander, die hier wiederzugeben der Raum nicht ge- stattet. Besonderes Interesse in diesem Teile verdient wohl der Vergleich der De Vries’schen Mutationstheorie mit der Darwin’schen Auffassung der Varia- bilität. Über Temperaturformen kommt Verfasser zu der Meinung, daß die- selben allein in keinem Falle allgemeinere Schlüsse für die Beantwortung von Fragen der Vererbung zulassen. Es scheint aber, daß die Fischer’sehen Zucht- versuche mit Schmetterlingen diesem Satz entgegentreten. Wir müssen uns der Meinung Woltmanns anschliessen, daß, wie groß oder klein auch immer die Variationen sein mögen, die natürliche Zuchtwahl im Daseinskampf immer darüber zu entscheiden hat, ob aus ihnen neue Arten hervorgehen werden oder nicht. Wie auch die Varietät entstanden sein mag, sie versucht sich stets — durch die Vererbung — zu erhalten; ihr Gelingen wird von ihrer Nützlichkeit abhängen. Es gewinnt den Anschein, als ob unter den Insekten ähnliche „Ex- plosionsgruppen“ vorhanden sind, wie De Vries seinerzeit bei Oenothera La- marckiana beobachtet hat, und sind bei den Schmetterlingen besonders solche zu erwarten. Die, vom Schreiber dieses, sogenannten progenerischen Gruppen,
80 Referate.
wie z. B. Hemileuca, Datana, Haploa, dürften in dieser Hinsicht Berück- sichtigung verdienen. Gewisse „Explosionsprodukte“ scheinen sich hier als Arten gehalten zu haben.
Der Verfasser betont, daß die vorliegende Publikation, welcher auch sehr schöne Abbildungen beigegeben sind, nur eine vorläufige Mitteilung bedeutet. Hoffen wir, daß die Fortsetzung auch folgen wird und inzwischen bedanken wir uns für das Gelieferte! A. Radcliffe-Grote.
Gedoelst, L. Les champignons parasites de !’homme et des animaux domestiques. Guide technique de Parasitologie vegetale. (Lierre et Bru- xelles, J. van In et H. Lamertin, 1902. 8°. VIII+199 S. 124 Figuren im Text.)
Ein Buch, welches die parasitischen Pilze des Menschen und der Haus- tiere zusammenfassend behandelt hätte, fehlte uns bis heute und es war ein glücklicher Gedanke, dieses Thema, welches den Botaniker sowohl wie den Medi- ziner gleichmäßig interessiert, zu bearbeiten. Gedoelst hat den Stoff in möglichst knapper, jedoch klarer und übersichtlicher Weise behandelt und beiden Inter- essenten ein brauchbares Handbuch geboten. Um der zweifachen Aufgabe gerecht zu werden, wird jeder der aufgenommenen Pilze von zwei Standpunkten er- örtert; es wird zunächst eine auf den neuesten Untersuchungen basierende Natur- geschichte des betreffenden Pilzes gegeben, worauf der pathologische Teil, der insbesondere eingehend die Kulturmethoden behandelt, folgt. Der Anordnung des Stoffes wurde das mykologische System zugrunde gelegt; es werden demgemäß zunächst die pilzlichen Parasiten aus der Reihe der Phykomyzeten, dann die der Askomyzeten und schließlich die den „Fungi imperfeeti“ angehörigen erläutert. Zahlreiche und gute Textfiguren erleichtern das Verständnis des Textes.
Dr. A. Zahlbruckner.
Sydow, P.et H. Monographia Uredinearum seu specierum omnium adhune usque diem descriptioetadumbratio systematico. Leipzig, Gebrüder Borntraeger, 1902.
Das oben genannte Werk, von dem zunächst der erste Faszikel des ersten Bandes (den Beginn der Darstellung der Gattung Puccinia enthaltend) vorliegt, soll drei Bände umfassen, welehe in zwanglosen Lieferungen erscheinen werden. Der erste Band wird nur der Gattung Puceinia gewidmet sein, die ja bekannt- lich sehr artenreich ist. Der Zweck des Werkes ist, das Auffinden und Bestim- men einer Art soviel als möglich zu erleichtern. Zu diesem Behufe sind die Arten nach ihren Nährpflanzen in der Weise geordnet, daß jede Nährpflanzen- familie für sich behandelt wird und innerhalb derselben die einzelnen Nähr- pflanzengattungen alphabetisch aufgeführt erscheinen. So finden wir in der vor- liegenden Lieferung die auf den Kompositen vorkommenden Puceinia-Arten. Die den einzelnen Arten beigegebenen Diagnosen sind — soweit es möglich ist — nach Untersuchung von Originalexemplaren entworfen. Auch die Synonymie ist eingehend berücksichtigt. Seltenere Arten oder solche Arten, welche in schwer zugänglichen Werken oder Zeitschriften abgebildet sind, werden in schematischen Abbildungen wiedergegeben. Keissler.
Bericht der Sektion für Kryptogamenkunde.
Versammlung am 28. November 1902. Vorsitzender: Herr Prof. Dr. V. Schiffner.
Herr Kustos Dr. A. Zahlbruckner sprach „Über die syste- matische Gruppierung der pyrenokarpen Flechten“.
Der Vortragende erörtert einleitungsweise, daß eine natürliche Anordnung der Flechten, soweit es die großen Gruppen betrifft, sich enge an das Pilzsystem anschließen muß. Es sind demnach Asco-, Hymeno- und Gasterolichenen zu unterscheiden; die erste Gruppe ist in Pyrenocarpeae und Gymnocarpeae (mit den Unterreihen Discolichenes, Graphideae und Coniocarpeae) zu trennen. Bei der weiteren Einteilung ist darauf Bedacht zu nehmen, daß die Gattungen jeder Reihe polyphyletischen Ursprunges sind, daß die Entwicklung der höher organisierten Flechtenlager erst innerhalb der Konsortien stattgefunden haben kann, daß wahrscheinlich auch der Pilzantheil der Flechte durch die Weiter- entwicklung des Konsortiums beeinflußt wurde (z. B. in Bezug auf die Septierung der Sporen) und daß die große Konstanz des Algenkomponenten innerhalb gewisser Gruppen auf die Ausgangspunkte von bestimmten Primärkonsortien hinweist.
Unter Berücksichtigung dieser Umstände glaubt der Vortragende als Primärkonsortien der Pyrenocarpeae folgende annehmen zu dürfen: Moriolaceae, Epigloeaceae, Verrucariaceae, Pyrenulaceae, Pyrenidiaceae und Mwycoporaceae. Von diesen sechs Urstämmen haben indes nur die Verrucariaceae und die Pyre- nulaceae den Anstoß zur Entwicklung höher organisierter Familien gegeben.
Die Verrucariaceae werden gebildet von einem pyrenokarpen Pilz in seiner einfachsten Form in Verbindung mit einem Pallmella-Gonidien enthaltenden primären (krustigen, unberindeten) Lager; die einfachste Gattung ist Verrucaria. Von dieser Gattung lassen sich theoretisch (inwieweit dies auch in der Natur stattfand, läßt sich derzeit nicht nachweisen) alle übrigen Gattungen der Verru- cariaceae ableiten; ihre weitere Gruppierung erfolgt nach der Ausbildung der Paraphysen, der Septierung der Sporen, nach Abänderungen des Gehäuses der primitiven Fruchtform. Die nächst höhere Familie, welche sich von den Verru- cariaceae ableiten läßt, sind die Dermatocarpaceae, deren Lager die Ausbildung einer Rindenschichte aufweist, die höhere, schuppige oder blattartige Form zeigt
Z.B. Ges. Bd. LII. 6
82 Versammlung der Sektion für Kryptogamenkunde am 28. November 1902.
und mitunter durch Rhizinen an die Unterlage befestigt ist. Die höchste Thallus- form erreicht — aus dem Primärkonsortium der Verrucariaceae hervorgegangen — die Familie der Pyrenothamnaceae mit strauchigem, allseits berindetem Lager. Diese drei, leicht auf einen gemeinsamen Ursprung zurückzuführenden Familien zeigen auch in ihren biologischen Verhältnissen große Übereinstimmung; sie sind vornehmlich stein- oder erdebewohnende Flechten, die mit Vorliebe die kälteren und gemäßigten Regionen der Erde bewohnen.
Die Pyrenulaceae sind Konsortien, zusammengesetzt aus dem primärsten Lager mit Chroolepus-Gonidien, mit der einfachsten pyrenokarpen Fruchtform. Diese Familie bildet den Ausgangspunkt eines Stammes, der sich weniger durch eine Weiterentwicklung des Lagers, als durch diejenige der Früchte auszeichnet. Mit Ausnahme einer einzigen, nur durch eine Gattung (Lepolichen) vertretenen Familie zeigen die Gattungen des Stammes ein einfaches, unberindetes oder höchstens unvollständig berindetes Lager. Die Ausbildung der Apothecien hin- gegen ist eine mehrfache und gibt die Charaktere für parallel verlaufende Formen. Das ursprünglich aufrechte, einfache Apothecium der Pyrenulaceae wird bei den Paratheliaceae schief und trägt eine seitliche, nicht mehr terminale Mündung. Beide Fruchtformen können in Stromen vereinigt auftreten und bilden dann einerseits die Familie der T’rypetheliaceae, andererseits diejenige der Astrothelia- ceae. Der aus den Pyrenulaceae hervorgegangene Stamm ist hauptsächlich rindenbewohnend, die Mehrzahl seiner Gattungen und Arten lebt in den sub- tropischen und tropischen Gebieten.
Enge verwandt mit den Pyrenulaceae und vielleicht aus diesen als aus- schließlich blattbewohnende Formen ausgebildet ist die Familie der Strigulaceae, mit einfachem, unberindetem Lager und Phyllactidium-Gonidien.
Die übrigen Stämme der Pyrenocarpeae umfassen nur wenige Gattungen und sind, in mancher Beziehung noch nicht genau studiert, nicht völlig aufgeklärt.
Die Moriolaceae zeigen in ihrem Hyphensystem eine große Anlehnung an die Pilze und müssen einstweilen als eigener Stamm der pyrenokarpen Lichenen behandelt werden.
Die Epigloeaceae, vertreten durch eine einzige Gattung, sind sehr primäre Formen.
Die Pyrenidiaceae, pyrenokarpe Flechten mit Seytonema-Gonidien, um- fassen eine Gattung mit unberindetem und zwei Gattungen mit berindetem Lager.
Die NTycoporaceae endlich sind keine typischen Pyrenocarpeae, sondern weisen in ihrer Apothecienform den Übergang dieser Familie zu den Arthenio- ceae auf.
Herr Dr. August v. Hayek spricht „Über das angebliche Vorkommen von Botrychium Virginianum (L.) Sw. in Steier- mark“,
In den Species plantarum, ed. I, p. 1064 beschreibt Linne einen ihm nur aus Amerika bekannten Farn unter dem Namen Osmunda Virginiana,
Versammlung der Sektion für Kryptogamenkunde am 28. November 1902. 83
welcher später von Swartz in Schraders Journal für Botanik, 1800, II, 8. 111 in die von ihm aufgestellte Gattung Botrychium versetzt wurde. Viel später entdeckte Pres]l am Pyrnpasse nächst Liezen in Steiermark, nahe der ober- österreichischen Grenze ein Bbotrychium, das er für neu hielt und in den Ab- handlungen der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, 5. Serie, V, p. 323 (1848), als Botrychium anthemoides neu beschrieb. Später wurde von Milde!) nachgewiesen, daß dieses Botrychium anthemoides Presls nichts anderes sei, als eine kleinere Form des Botrychium Virginianum. Die Pflanze wurde später in Europa an mehreren Standorten entdeckt, auch an mehreren Orten innerhalb der Alpen so in der Schweiz, in Südtirol und Niederösterreich; der Standort am Pyrn- passe konnte jedoch nicht wieder aufgefunden werden, obwohl besonders Zeller, Strobl und Oberleithner eifrig nach der Pflanze fahndeten. Diese Mißerfolge hatten zur Folge, daß man allmählich an dem Vorkommen des Botrychium Virginianum in Steiermark zu zweifeln begann, wozu man allerdings keine Be- rechtigung hat, da noch Milde die von Presl gesammelte Pflanze gesehen hat.?)
Sehr überraschend ist es daher, daß Botrychium Virginianum im ver- gangenen Sommer in Steiermark an einem zweiten Standorte entdeckt wurde. Herr Otto Habich fand die Pflanze nämlich im August dieses Jahres unter der Hundswand nächst dem: Hötel Bodenbauer am Fuße des Hochschwab in mehreren Exemplaren, von welchen ich eines vorzulegen in der Lage bin.
Dieser Standort liegt nicht allzuweit von dem schon mehrfach erwähnten am Pyrnpasse entfernt und verbindet denselben mit den Fundorten in Nieder- österreich, wo die seltene Pflanze bekanntlich zuerst von Prof. Kornhuber im Sommer 1879 in einem einzigen Exemplar an der Thalhofriese bei Reichenau, später auch noch am Plateau des Saurüssels im Schneeberggebiete aufgefunden wurde. Ferner soll die Pflanze nach Wofoszezak auch noch in der Nähe der Prein an der steierischen Grenze beobachtet worden sein.
Schließlich legt Herr Dr. K. v. Keissler die neue Literatur vor.
Versammlung am 30. Jänner 1903.
Vorsitzender; Herr Kustos Dr. Alex. Zahlbruckner.
Der Vorsitzende teilt mit, daß Herr Primarius Dr. J. Lütke- müller infolge Verhinderung häufig an den Sitzungen nicht teil- nehmen kann und daher ersucht, von einer Wiederwahl zum Obmann- stellvertreter der Sektion Umgang zu nehmen. Die Sektion nimmt
1) Schles. Kryptog., S. 745. 2) Vergl. Milde, Sporenpflanzen, S.91; Neilreich, Nachträge zu Malys Enumeratio, S. 337. 6*
84 Versammlung der Sektion für Kryptogamenkunde am 30. Jänner 1903.
mit Bedauern dies zur Kenntnis und votiert Herrn Primarius Dr. J. Lütkemüller den Dank für seine Bemühungen.
Über Antrag des Herrn Dr. Fr. Ostermeyer wird Herr Prof. Dr. V. Schiffner zum Obmannstellvertreter neugewählt, die Herren Kustos Dr. A. Zahlbruckner als Obmann und J. Brunnthaler als Schriftführer der Sektion wiedergewählt.
Hierauf spricht Herr Prof. Dr. F. Ritter v. Höhnel „Über seltene und neue Pilze“.
Der Vortragende legt eine ganze Reihe für Niederösterreich neuer Pilze, insbesonders Polyporeen vor und weist auf den außer- ordentlichen Reichtum des Wienerwaldes an Pilzen hin, wobei das Vorkommen südöstlicher Arten besonders bemerkenswert ist.
Schließlich legt Herr Dr. K. v. Keissler die neue Literatur vor.
LVI. und LVII. Bericht der Sektion für Botanik.
Versammlung am 19. Dezember 1902. Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy.
Zu Beginn der Versammlung fand die Neuwahl der Funktio- näre der Sektion für das Jahr 1903 statt. Es wurden Herr Dr. E. v. Haläcsy und Herr Dr. A.v. Hayek zum Obmanne, beziehungs- weise Schriftführer wiedergewählt und — nachdem Herr Dr. Karl Rechinger auf eine Wiederwahl verzichtet hatte — Herr Prof. Dr. Viktor Schiffner zum Obmannstellvertreter neugewählt.
Fräulein Marie Soltokovi@ hielt einen Vortrag: „Ueber heliotropische Erscheinungen in der Blütenregion der Pflanzen.“
. Hierauf hielt Herr Prof. Dr. Viktor Schiffner einen Vortrag: „Uber die Beziehungen der Bryophyten zu den Pterido-
Versammlung der Sektion für Botanik am 16. Jänner 1903. 85
phyten.“ (Näheres in einer demnächst in diesen „Verhandlungen“ erscheinenden selbständigen Arbeit.)
Sodann legten die Herren Dr. A. Ginzberger und A. Jen&it die neue Literatur vor.
Versammlung am 16. Jänner 1903. Vorsitzender: Herr Dr. E. v. Haläcsy.
Herr Dr. R. Wagner hielt einen Vortrag: „Über ein neues Thamnosma mit archäischen Charakteren.“
Hieran schloß sich ein Vortrag des Herın J. Dörfler: „Über eine interessante Phanerogamengattung der Flora Bos- niens.“
Der Vortragende behandelte die Gattung „Zwackhia“ Sendtner; er brachte geschichtliche Daten über diese Gattung und legte schönes Materiale von dem Sendtnerschen Standorte in Bosnien vor. Er konstatierte schließlich, daß die Phanerogamengattung den Namen Zwackhia nicht führen dürfe, weil dieser Name für eine ältere Flechtengattung vergeben sei. Bei der notwendigen Neubenennung widmete der Vortragende die Boraginee Herrn kais. Rat Dr. Eugen v. Haläcsy, indem er den Namen Halacsya wählte.
Zu zitieren wäre somit:
Genus Halacsya Dörfler.
Herbarium normale, Schedae ad Cent. XLIV (Vol. II), p. 103; Exsice., Nr. 4364 (1902).
Syn.: Zwackhia Sendtner, apud Reichenbach, Icones florae Germanicae et Helveticae, XVIII, p. 65, Tab. 115, Fig. II (1858), non Zwackhia Körber, Systema Lichenum Germaniae, p. 285 (1855).
Species adhue unica:
Halacsya Sendtneri (Boiss.) Dörfl.
Moltkia Sendtneri Boissier, Diagnoses plantarum novarum, Ser. II, Nr. 5, p. 138 (1856). — Halacsya Sendtneri Dörfler, 1. c. (1902).
Syn.: Zwackhia aurea Sendtner, apud Reichenbach, 1. c. (1858).
Herr Dr. August v. Hayek hielt einen Vortrag: „Die Vege- tationsverhältnisse von Schladming in Obersteiermark.“
Vortragender bespricht die Resultate der von ihm in Gemeinschaft mit Herrn R. Eberwein im vergangenen Sommer durchgeführten kartographischen
86 Versammlung der Sektion für Botanik am 16. Jänner 1903
Aufnahme des Gebietes. Er unterscheidet folgende Formationen: I. Auf Ur- gestein. a) In der Voralpenregion: 1. den Voralpenwald der Zentralalpen, aus Fichten und Lärchen zusammengesetzt, 2. den Birkenwald, 3. die Erlenau (aus Alnus incana), 4. Bergwiesen, 5. Sumpfwiesen und Wiesenmoore, 6. Torfmoore, 7. das Equisetum-Moor; b) in der Alpenregion: 8. die Formation der Grünerle, 9, die Formation der rostblättrigen Alpenrose, 10. die Formation des Bürsten- grases (inklusive Azaleenteppich und Vaccinietum), 11. die Alpenmatten der Centralalpen, 12. die Hochalpenflora der Centralalpen. II. Auf Kalkboden. a) In der Voralpenregion: 13. den Fichtenwald der Kalkvoralpen, 14. die Formation der Grauweide (Salix incana); b) in der Alpenregion: 15. die Krummholzforma- tion der nördlichen Kalkalpen, 16. die Alpentriften, 17. die Flora der Felsen und Gerölle der Hochalpenregion, 18. die Formation der hochalpinen Kalkflechten.
Herr Dr. A. Ginzberger spricht sodann über Helianthus serotinus Tausch.
Die genannte Pflanze wurde Ende Oktober 1902 an einer Stelle des Weid- lingbachbettes zwischen Klosterneuburg und Weidling in einigen Exemplaren verwildert aufgefunden. H. serotinus wurde von Tausch in „Flora“, -1828, S. 504 aufgestellt. Die Pflanze ist dem bekannten H. tuberosus L. sehr ähnlich, kann aber von diesem durch die eilanzettlichen, nicht eiförmigen bis herz-eiförmi- gen Blätter sowie dadurch unterschieden werden, daß bei H. serotinus die beiden starken Seitennerven, die zusammen mit dem Mittelnerv das Blatt als dreinervig erscheinen lassen, mehrere Centimeter über der Stelle abzweigen, wo die Blatt- spreite in den geflügelten Blattstiel übergeht, während bei H. tuberosus diese Abzweigung an der genannten Stelle selbst oder ganz wenig oberhalb derselben stattfindet. Genauer ausgedrückt: Der (schmal geflügelte) Blattstiel und ebenso die Stelle der Nervenabzweigung liegt bei 7. tuberosus ungefähr gleich weit (bei den mittleren Blättern 3—5 cm) vom Grunde des Blattstieles entfernt; bei H. serotinus ist die Stelle der Nervenabzweigung (bei den mittleren Blättern) ebenso- weit vom Grunde des Blattstieles entfernt als bei HM. tuberosus (3—5 cm), aber die Blattfläche läuft in größerer Breite viel weiter am Blattstiel herab, so daß dieser selbst nur etwa 1—1'5 cm lang ist. Dieses Merkmal, das Tausch durch den Ausdruck: „folüs triplinervüs“ für H. serotinus und „folüis trinervüs“ für H. tuberosus bezeichnet, ist wohl das beste zur sicheren Unterscheidung der beiden Arten. Recht konstant ist auch die Stellung der Blätter: Bei H. tuberosus sind alle Blätter wechselständig, bei FH. serotinus blos die oberen, in deren Achseln die blühenden Äste stehen, die übrigen dagegen gegenständig.
Ob H. serotinus irgendwo wild vorkommt, war nicht sicher zu eruiren;?) die Originalexemplare Tauschs (aus dem Herbar der deutschen Universität in Prag), die der Vortragende dank des Entgegenkommens des Herrn Prof. Beck
ı) Ein im Herbar des Wiener Hofmuseums liegendes Exemplar aus Pennsylvanien (in pratis Cove Valley) könnte wild gewachsen sein,
Versammlung der Sektion für Botanik am 16. Jänner 1903. s7
v. Mannagetta sehen konnte, stammen aus Gärten Böhmens, in denen die Pflanze nach Tausch nicht selten auftritt. Auch im Herbar der Wiener Uni- versität liegen kultivierte Exemplare aus dem Wiener botanischen Garten und die Exemplare von Klosterneuburg sind wohl ebenfalls Gartenflüchtlinge. In den nordamerikanischen Florenwerken kommt der Name AH. serotinus, soweit dies zu eruieren war, überhaupt nicht vor.
H. serotinus scheint bei uns noch nicht verwildert beobachtet oder mit H. tuberosus verwechselt worden zu sein. Höck erwähnt die Pflanze in seinen Zusammenstellungen über die Ankömmlinge in der Flora Mitteleuropas nicht, ebensowenig übrigens auch MH. tuberosus.
Zum Schlusse legte Herr Dr. A. Ginzberger die neue Lite- ratur