JÜDISCHES AR

MITTEILUNGEN DES KÖMlfSfeb ,y ^5.5^ »JÜDISCHES KRIEGSARCHIV^y jj-j-n

NUMMER 1 VERLAG: R. LÖWIT, WIEN MAI 1915 ^

Die Mitteilungen erscheinen in Lieferungen und zwangloser Folge. / Abdruck der Original« berichte mit Quellenangabe gestattet. / Den Verlag und Vertrieb betreffende Zuschriften und Geldsendungen sind an die Buchhandlung R. Lowit, Wien, I., Rotenturmstraße 22, zu richten/ redaktionelle Mitteilungen und Beitrittserklärungen an das »Jüdische Kriegs« archiv«, Wien, IL, Zirkusgasse 33,- Spenden und Mitgliedsbeiträge an das Bankhaus J. 'S) Ä. Bredfier, Wien, IX., Peregringasse 1. / Postsparkassen-=Konto Nr. 16.60L

An die Leser!

Der Weltkrieg ist ein Markstein auf dem Entwicklungswege der Mensdi* heit. Audi wir Juden stehen vor großen Wendungen unseres Sdiicksals. Zum Guten oder zum Bösen je nadidem wir der Situation, den großen Aufgaben, die unserer harren, gewadisen sein werden oder nidit, Nadi Absdiluß des Krieges werden sidi der jüdisdien Gemeinsdia ft einerseits neue Möglidikeiten der freien Entfaltung bieten, anderseits werden neue Gefahren auftaudien. Um die ersteren auszunützen und die letzteren zu beseitigen, wird vor allem nötig sein, die neue Lage, in weldie der Krieg die Juden versetzt hat, genau zu kennen, genau festzustellen, was uns der Krieg genommen und was er uns gegeben hat. Diese Kenntnis soll uns das »Jüdisdie Kriegsardiiv« sdiafFen.

Um nur eine Aufgabe des Ardiivs zu bespredien, sei bemerkt:

Es steht zweifellos fest, daß alle Feinde und Neider der Judensdiaft emsig an der Arbeit sind, um aus dem Kriege Material gegen die Juden zu sammeln, und daß sofort nadi dem Kriege eine alles Dagewesene über* bietende Bewegung gegen uns einsetzen wird, Sdion jetzt ist eine, an die niedrigsten Instinkte sidi wendende Agitation zu bemerken.

Dieser Gefahr gilt es zu begegnen. Und wir können es, weil wir uns in diesem Kriege über alle Erwartung hinaus bewährt haben. Nidit nur auf den Sdiladitfeldern sind hervorragende Leistungen von jüdisdien Soldaten vollbradit worden, sondern audi unsere rückhaltslose patriotische Treue hat sidi als ein Faktor von wirklich staatserhaltendem Werte erwiesen.

Aber die Tatsadien allein genügen nidit. Zu leidit entsdiwinden sie dem Gedächtnisse der Völker und Maßgebenden, umsomehr als unsere wühlen*

4en Feinde darauf hinarbeiten, sie zu verdunkeln. Wir müssen sie daher für ewige Zeiten feststellen. Bis in die letzten Details müssen wir alle Vor= kommnisse budien, die unser Verhalten in diesem Kriege, sowie überhaupt gegen den Staat und das Verhalten aller Staatsfaktoren gegen uns betreffen. Mit einem Worte, wenn wir in unserem Kampfe gegen das Übelwollen und für unser volles Redit gerüstet sein wollen, dann müssen wir das »Jüdische Kriegsarchiv« haben und dafür arbeiten!

Das Komitee »Jüdisdies Kriegsardiiv« ersudit daher um rege Mitarbeit. Anleitungen zu dieser Arbeit werden über Verlangen sdiriftlidi oder mündlidi erteilt. Riditigstellungen, Ergänzungen, Bestätigungen etc., weldie die veröffentliditen Beridite betreffen, sind von besonderer Bedeutung und werden dringend erbeten.

Die widitige Arbeit des Ardiivs wird audi durch Beitritt zum Komitee gefördert. Förderer wird derjenige, der sidi zur Zahlung eines monatlidien Beitrages in beliebiger Höhe für die Dauer des Ardiivbestandes verpfliditet. Stifter leisten eine einmalige Spende. Förderer und Stifter erhalten die »Mitteilungen« gratis.

Die Mitarbeit am Jüdischen Archiv.

Das »Jüdisdie Ardiiv« ist auf die Mitarbeit der weitesten jüdisdien Kreise an= gewiesen. Nur aus den Materialien, die aus allen Wohnsitzen der jüdisdien Ge= meinsdiaft eingeliefert werden, kann es sidi aufbauen. Es ist daher nötig, daß alle diejenigen, die ihm ihre Mithilfe widmen wollen, audi wissen, wo und wie diese einzusetzen hat. Darüber aufzuklären ist der Zwedt der nadistehenden Zeilen,

Alle unmittelbare Arbeit für das Ardiiv ist Besdiaffung von Informationen, und zwar über alle Vorgänge und Tatsadien, die geeignet sind, die Haltung der Juden gegenüber der Umwelt und dieser gegenüber den Juden zu beleuditen und als Material im Ringen der jüdisdien Gemeinsdiaft um eine ihrem Können und ihren Leistungen entsprediende Stellung im Staate und in der Völkerfamilie zu dienen. Im besonderen aber müssen wir uns darauf besdiränken, auf die widi= tigsten Gebiete hinzuweisen.

Bei dem Umstände, als unausgesetzt Bestrebungen im Gange sind, die dahin zielen, die Juden als feig und unpatriotisdi zu brandmarken, liegt es im jüdisdien Interesse, die gegenteilige Wirklidikeit zu erweisen. Es ist daher notwendig, die ausführlidisten Daten über die Beteiligung der Juden am Kriege, über die jüdisdien Eingerüd^ten, Freiwilligen, Kämpfenden, Verwundeten, Gefallenen und Ausgezeidi« neten, über die Beteiligung der Juden an der Kriegsanleihe, über ihre Fürsorge« tätigkeit, sowie die Beweise ihrer rüdchaltslosen Loyalität und Treue zu ermitteln und zu sammeln. Dabei ist der hödist erreidibare Grad von Ausfühdidikeit anzu* streben, also im besonderen festzustellen, wieviel Juden eingerüdit sind, in weldier Eigensdiaft, in weldiem Range, wieviel gefallen sind und wie sie heißen,- wieviel sidi freiwillig gemeldet haben,- weldie Auszeidinungen Juden erhielten, wie die Aus» gezeidineten heißen und wofür sie ausgezeidinet wurden/ mit weldien Beträgen sidi die Juden an der Kriegsanleihe beteiligten, womöglidi mit Namenangabe,- was Juden

im ganzen und im einzelnen in der Kriegsfürsorge und für die Flüditlinge getan haben,- durdi welche Kundgebungen und Taten sie sonst ihren Patriotismus bezeugten.

Gegenüber Vorwürfen, dur A die gewisse in der Kriegszeit und audi sonst her* vortretende Verschuldungen als rein jüdische hingestellt werden, ist es besonders wichtig, Tatsachen und Beispiele beizubringen, welche dartun, daß es sich um Aus* wüdise handelt, an denen alle Sdiichten der Bevölkerung beteiligt sind.

Daß in einem jüdischen Archive, welclies eine Fundgrube verwertbaren Materials werden will, ein genaues Bild von den Wanderungen und Leiden der jüdischen Flüditlinge nicht fehlen darf, ist selbstverständlich, Namentlidi muß klar festge* stellt werden, welche Aufnahme sie in den versciiiedenen Orten und von ver» sdiiedenen Seiten gefunden haben, und wie sie sich ihr materielles und geistiges Leben in dem ihnen vom Unglück aufgezwungenen Ausnahmszustande eingeriditet haben.

In bezug auf die Frage, wie die Mitarbeit am jüdischen Kriegsardiiv einzurichten ist, ist vor allem zu vermerken, daß das jüdische Archiv zwei Hauptabteilungen hat, von denen die eine eine Sammlung der ins Archiv gehörigen Artikel, Notizen und Stellen aus Zeitungen, Zeitsdiriften und sonstigen Erscheinungen der Presse, die andere eine Sammlung von Originalberichten darstellt, die un^» mittelbar an das Archiv erstattet werden.

Die Art und Weise der Mitarbeit an der ersten Hauptabteilung ist durch die Natur der Sadie gegeben und braudit nicht erst erläutert zu werden. Nur soviel sei gesagt, daß, wer sich seiner Pflicht gegenüber dem jüdischen Interesse bewußt und ein Freund des Ardiivs ist, sich in keinem Falle durch die Erwägung abhalten lassen darf, daß diese oder jene Nadiricht, weil in vielen Blättern gedruckt, daher ohnehin von vielen und jedenfalls von der Archivleitung bemerkt worden sein muß, seine spezielle Mühe also unnötig ist. Denn abgesehen davon, daß zufällig einmal eine Notiz übersehen werden kann, braudit das Archiv mit Rücksicht auf die ver* schiedenen Arten der später einsetzenden Verwertung möglichst viel Exemplare jeder einzelnen Veröffentlichung, Noch weniger angebracfit ist ein Uebergehen von ge» drucktem Material deshalb, weil es ja nur gedruckt ist, d. h. nidits anders enthält, als was ja ohnehin die ganze Welt weiß.

Einer solchen Auffassung gegenüber möge man erstens bedenken, daß das Ardiiv für die ganze jüdische Welt arbeitet und die gedruckten Beridite des einen Staat» liehen oder Kulturgebietes in den anderen nichts weniger als notorisdi oder auch nur oberflädilick bekannt sein müssen. Außerdem kommt es in Hinblick auf die spätere wissenschaftliche oder praktisdie Verwertung des gesammelten Materials nicht nur auf die einzelnen Berichte für sidi allein betrachtet, sondern audi auf das Gesamtbild an, das sich aus ihnen allen zusammensetzt. Rechnet man noch die Wirkung der Zeit hinzu, daß nämlidi Dinge, die heute auf aller Lippen und in aller Köpfen sind, mit jedem weiter abgelaufenen Tage weniger geläufig und weniger gekannt werden, bis sie dem Gedächtnisse fast ganz entschwunden sind, so wird man wohl keinen Augenblick daran zweifeln können, daß bei der Sammlung von gedruckten Berichten keine noch so überflüssig scheinende Mühe gescheut werden darf.

Im übrigen geht es ja kaum an, bei so geringfügiger Arbeit von Mühe zu spredien. Jeder, der Zeitungen, Zeitschriften und sonstige Schriften liest, braucht sich nur beim Lesen audi des »Jüdischen Archivs« zu erinnern. Bei einigem Vorsatz wird sick diese Erinnerung in jedem Falle von selbst einstellen. Und was hierin zu tun ist, ist einfadh genug: Die Stelle ausschneiden, wo das nickt möglich ist, abschreiben, oder wo auch dies nicht tunlick ist, genau notieren, wo sie gedruckt ist, und dann den Aussdbnitt, die Kopie, die Notiz dem Archiv zu übermitteln, oder wo dem zeitweilige Schwierig* keiten entgegenstehen, für das Archiv aufzubewahren.

Die Mitarbeit an der zweiten Hauptabteilung erledigt sich allerdings nicht mehr so ganz nebenher, wie die an der ersten. Dafür ist sie umso anregender und lohnender.

Es handelt sidi nicht mehr hio5 um eine Art Sammler^ Aufmerksamkeit, sondern um selbständige Leistungen, um ein sicfi selber Orientieren, um das Herausholen von Begebenheitsbildern aus den Leuten, mit denen man zusammentrifft und die sich oft gar nicht Rechensdiaft darüber geben, daß sie etwas und oft sehr Widitiges wissen, was anderen gar nicht oder wenigstens nidit so bekannt ist, wie ihnen.

Hier gilt als erster Grundsatz, daß man niemanden, der Zeuge gewisser Begeben* heiten und Tatsadien gewesen sein kann, für zu unbedeutend halten darf, um bei ihm Erkundigungen einzuziehen. Der Unbedeutendste weiß oft ein Wort zu sagen, das auf eine bedeutsame Spur führt, oder wenigstens anzeigt, wo und bei wem man fragen muß, um Wissenswertes und Verläßliches zu erfahren.

Auf Verläßlidikeit der eingeholten Informationen muß besonders geaditet werden. Zu diesem Zwecke ist vor allem darnach zu streben, daß über dieselben Tatsadien und Vorgänge bei verschiedenen Personen Berichte eingeholt werden. Je mehr Zeugen von einem Vorgange Übereinstimmendes auszusagen wissen, desto sidierer ist er festgestellt, während andererseits hervorkommende Differenzen Anhaltspunkte für Richtigstellungen liefern.

Ebenso wie keine Person darf auA keine Begebenheit von vorneherein für zu un* bedeutend genommen werden, um notiert zu werden. Oft geben kleine Episoden, vereinzelte Vorfälle, beiläufige Gescfiehnisse, deren Helden auch nodi obendrein ganz unbekannte Mensdhen aus der Masse sein mögen, Aufschluß über widitige Strömungen, Stimmungen und Bewegungen, Das Sprüdilein eines beliebigen Bauern aus irgend einer steirischen, mährisdien oder galizisciien Ortsdiaft kann als Material für das *Jüdis(iie Ardiiv« ebenso wertvoll sein, als irgend eine hodioffizielle Kundgebung irgend einer repräsentativen Stelle, Und die armselige Liebesgabe eines alten Mütterchens in irgend einem jüdischen Städtchen des Ostens verdient es, unter Um= ständen mindestens ebenso verzeichnet und der archivarisdien Behandlung zugeführt zu werden, wie die Fürsorgearbeit irgend einer großen Körpersdiaft,

Frage und Antwort im Dienste des Kriegsarchivs erfolgt am besten im Zuge per» sönlidier Unterhaltung, in einer dem Bildungsgrade und den sonstigen Voraus» Setzungen der Fragenden und Befragten entsprechenden Weise. Brief lidie Auskünfte sind natürlich auch von Wert, In vielen Fällen wird sich die Ausgabe von Frage* bögen empfehlen, deren Abfassung am besten den jeweiligen besonderen Umständen angepaßt sein soll, <Ein allgemeines Muster und andere Behelfe Aufruf, In* struktion usw, können vom Bureau des Archivs bezogen werden,)

Nach allem, was hier ausgeführt wurde, kann kein Zweifel sein, daß die Mit* arbeit am »Jüdischen Archiv« nicht nur jüdisch gemeinnützig ist, sondern auch, wenn richtig betrieben, reiche Abwechslung und mannigfache Belehrung bietet : Ein Gr und mehr, daß sich immer mehr Freiwillige für sie melden.

Zur Lage der Juden in Österreich.

Die russisdie Sdireckensherrsciiaft in Bohorodczany, Solotwina, Nadworna und Delatyn <OstgaIizien>,

(Originalbericht des Jüdischen Archivs.)

Insoweit sich heute ein sidieres Urteil bilden läßt, kann behauptet werden,

daß die Städte und Dörfer in der Gegend von Stanislau und Kolomea unter

der Russenwirtschaft am schwersten gelitten haben. So: Bohorodczany,

Solotwina, Nadworna und Delatyn, Orte mit überwiegender jüdis die r

Bevölkerung, von welchen heute wenig mehr als ausgebrannte und ausge* plünderte Ruinen übrig geblieben sind. In dieser Gegend fanden die heftigsten Kämpfe statt, hier setzte die große, auf die Säuberung Ostgaliziens hinzielende österreidiisdie Offensive ein und es fand ein häufiger Wedisel zwisdien öster* reidiisdier und russisdier Besatzung statt. Die überaus patriotisdi gesinnte jüdisdie Bevölkerung erwies den österreidiisdien Truppen alle Dienste. Wenn diese abgezogen, wurde ihre Haltung sofort den einrüd^enden oder in der Nähe festgesetzten Russen denunziert und das Strafgeridit begann.

In Bohorodczany trafen im Monate Jänner österr.^polnisdie Legionäre ein. Sie bekamen von den Juden Quartier und Nahrungsmittel. Sie zogen sidi bald zurüdi. Sofort wurde dem russisdien Kommandanten in Stanislau das Vorgehen der Juden denunziert. Er entsandte eine »Strafexpedition« bestehend aus 400 Kosaken, Diese stedcten den Ort in Brand, zerrten die jüdisdien Frauen und Mäddien aus den Häusern, trieben sie zusammen und veranstal- teten eine Orgie unter freiem Himmel. Sämtlidie Frauen und Mäddien, deren die Kosaken so habhaft wurden, wurden gesdiändet. Die Unglüdilidien zogen dann in der entsetzlidien Kälte halbnadtt und hungernd zu Fuß aus dem ausgebrannten Orte nadi Stanislau. Viele bradien zusammen. So blieb eine Frau, die adit Tage nadi der Geburt ihres Kindes vergewaltigt worden war, tot auf dem Wege. Der Arzt Dr. B., weldier den Unglüdilidien während ihres Aufenthaltes in otanislau ärztlidien Beistand leistete, konstatierte bei zehn Frauen und Mäddien Sdiwängerung.

Ebenso sdiledit erging es den Juden in Solotwina, Nadworna und Delatyn. Das angestiftete Unheil läßt sidi gegenwärtig nodi nidit überblid^en.

Den W^iener Blättern wurde im März aus Solotwina berichtet : Von den am Dnjestr in der Nähe von Stanislau gelegenen Städten hat Solotwina unter der russisdien Invasion am stärksten gelitten. Unter dem Vorwande, daß polnisdie Legionäre von Solotwina aus gegen die russisdien Truppen Ausfälle unternommen hätten, stürzten sidi die Russen sdion bei ihrem Einzüge in die Stadt mit ungehemmter Wut auf die Einwohnersdiaft, deren Hab und Gut gründlidi ausgeplündert wurde. Zahlreidie Häuser fielen der Brandstiftung zum Opfer. Die russisdien Offiziere, die Manneszudit als überflüssig anzusehen sdieinen, verhielten sidi dem haarsträubenden Plünderungswerke der Soldateska gegenüber ganz gleidi- gültig, sie eigneten sidi sogar das von ihren Abteilungen geraubte Sdiuhwerk skrupellos an.

Die zahlreidien Greueltaten waren in erster Reihe gegen die Juden geriditet.

Die Russen äsdierten das Sokolgebäude, die Häuser des Freiherrn v. L i e b i g und den größeren Teil der jüdisdien Häuser auf dem Ringplatze ein. Insbesondere wurden jene Häuser, in denen polnisdie Legionäre gewohnt hatten, niedergebrannt.

Die Russen verhafteten elf angesehene Bürger der Stadt Solotwina, zehn Juden und einen Christen, und braditen sie naA Stanislau, wo sie erst nadi Erlag von 20.000 Kronen freigelassen wurden.

In der nädistgelegenen Ortsdiaft Porohy, von wo die polnisdien Legionäre den Russen in den Rüdcen gefallen waren, wurden sämtlidie jüdisdien Häuser und die Mühle des Frei* herrn v. Liebig in Brand gestedct.

Krakau. »Naprzod« meldet aus Solotwina : Als der russisdie Kommandant von Solot» wina von keinem Einwohner ein Geständnis erzielen konnte, wer dort bei der Bildung der polnisdien Legion mitgewirkt habe, ließ er die Gebäude mit Petroleum übergießen und in Brand stedcen. Jede Rettung wurde untersagt, ja es wurden sagar erwadisenePersonen und Säuglinge lebendig in die Flammen geworfen.

Russengreuel in Szczerzec <GaIizien>.

<OriginaIberidit des Jüdischen Archivs.)

Nadi ihrem Einzüge in Szczerzec, einem kleinen Städtdien in der Nähe Lembergs, griffen russisdie Soldaten den über 80 Jahre alten Gelehrten <Tal- mudisten) Ire Rapp <audi Ire Schimeles genannt) auf der Straße auf. Über ihren Befehl führte er sie in seine Wohnung, Dort verlangten sie Geld. Der arme, alte Mann konnte ihnen nidits geben, Sie folterten ihn. Sie rissen ihm Kopfhaar, Bart und Sdiläfenlodcen büsdielweise aus. Dann wurde er auf den Boden geworfen und solange gesdilagen und getreten, bis er starb. Dies gesdiah in Gegenwart seiner im Bette liegen- den alten, kranken Frau. Sie starb vor Aufregung kurze Zeit nadi ihrem Manne.

Im selben Orte wurde Jakob Misdiel, Gemeinderat und Kultusvorsteher, von russisdien Soldaten mit Petroleum begossen und bei lebendigem Leibe verbrannt.

Die Ermordung des Lehrers Sdiäditer in Kolomea <GaIizien>,

<OriginaIberi(ht des Jüdisdien Kriegsarchivs.)

In der ziemlidi entlegenen Diatkowergasse in Kolomea wohnte der Kin* derlehrer Salomon Schäditer, ein Mann von zirka 40 Jahren, Mitte Jänner 1915 drangen fünf Kosaken in die Wohnung ein, um die sdiöne, 16 jährige Toditer des Sdiäditer zu vergewaltigen, Sdiäditer trat ihnen entgegen, flehte und weinte und bot ihnen seine ganze Habe an, um das Kind zu sdiützen. Die Kosaken beaditeten ihn weiter nidit. In seiner Verzweiflung stürzte sidi Sdiäditer auf einen Kosaken, der die Toditer bereits in den Armen hatte. Da sprang ein anderer Kosak hinzu und tötete den Sciiäditer durdi Messer* stidie in die Brust und den Baudi, Dann nahmen zwei Kosaken die Leidie auf und warfen sie vor die Türe auf die Straße, Die Passanten wagten weder einzusdireiten, nodi eine Anzeige zu erstatten. Die Angst vor der Radie der Kosaken war zu groß.

Die russische Sdiredcensherrschaft in Sadagora ^Bukowina).

Originalberidit des Jüdischen Archivs. Erstellt auf Grund beglaubigter Angaben von Gemeinderäten, Magistratsbeamten, öffentlidien Funktionären und Bürgern der Stadt Czernowitz. Auszug aus einer an das k. k. Ministerium des Inneren geriditeten Eingabe.

In Sadagora, der Nadibarstadt von Czernowitz, weldie mit Czernowitz- Ost einen Reidisratswahlbezirk bildet, wurde wiederholt von russisdien Sol* daten geplündert. Sie verübten hiebei die brutalsten Gewalttaten, sdiändeten und mordeten. So ist heute Sadagora eine der ärmsten und elendsten Ort* sdiaften der Bukowina geworden, woselbst sdireddidie Not herrsdit. Die Bevölkerung hungert und ihre Lage ist jammervoll. Nadistehend eine kurze Darstellung der V orgänge ;

Bei der Invasion am 2, September 1914 wurden die Gesdiäfte der Kaufleute AdolfRudich,LeiserAItmann, Maier Wolf, ChaimSucher,K.L. Retter-, Hersdi Chacham, Josef Koch, Moses Weinhäuser, Isidor Sinnreich, Abraham W i 1 1 n e r, Sdiabse Linker, sämtlidi am Ringplatz und in den Haupt- straßen gelegen, von den Kosaken erbrodien und ausgeplündert. Die geraubten Waren wurden auf Wagen, weldie russisdie Bauern aus den Grenzdörfern hereinbraditen, verladen und über die Grenze weggeführt.

Der Vorsteher der Judengemeinde Sadagora, Kultuspräsident Kaiman Leib Retter, wurde durdi 14 Tage als Geisel in Haft gehalten. Nadi Verlauf der ersten drei Wodien trat leidlidie Ruhe ein, dodi unternahmen die Kosaken allnäditlidi Streifungen, angeblidi um nadi Waffen zu sudien, in Wirklidikeit sdileppten sie aus den Häusern alles weg, was nidit nagelfest war.

Die Einwohnersdiaft, die anfangs zum größten Teile geflüditet war, kehrte bis auf einen kleinen Teil zurüdi, und es sdiien sich ein Verkehr mit den russisdien Grenzgemeinden zu entwid^eln. Aus Rußland wurden Lebensmittel zu billigen Preisen nadi Sadagora gebradit und von da Krämereiwaren, namentlidi Wirkwaren, Stoffe und Eisenzeug, ausgeführt. Der Rubel mußte mit Kronen 3 : 35 in Geld genommen werden. Der Verkehr Sadagora-Czerno- witz war gefährlidi, denn Leibesvisitationen der Passagiere durdi herum- patrouillierende Kosaken, Konfiskationen von Uhren, Bargeld etc. fanden unausgesetzt statt.

Mit der Entsetzung von Czernowitz <Sadagora blieb weiter in der Gewalt der Russen) brach für Sadagora eine überaus harte und sdiwere Zeit herein. In den fünf Wodien, während weldier Zeit österreidiisdie Truppen in Czerno= witz waren, ist Sadagora budistäblidi vollständig ausgeplündert worden. Die Wohnungseinriditungen, Bettzeug, Warenvorräte, kurz alles wurde auf russisdiei) und im Orte requirierten Fuhrwerken nadi Rußland abtransportiert. In den Straßen wurde beständig gesdiossen, die Bevölkerung war in den Kellern verstedct und viele Zivilpersonen wurden getötet.

Der bereits genannte Kultusvorsteher Kalmann Leib Retter, ein an- gesehener und wohlhabender Kaufmann, wurde, nadidem man ihn tagsvorher während der Ausplünderung seines Tuchwarengeschäftes blutig geschlagen hatte, von russischen Soldaten im Bette erstochen. Seine Frau wurde sdiwer verletzt, sie liegt nodi heute krank in der Apotheke zu Sadagora, wohin sidi audi Hunderte von Mäddien und Frauen geflüditet haben. <Siehe weiter unten den Beridit über die Ermordung.)

Der Buchhändler Berisch Hermann, ein angesehener Kaufmann, der auf die Hilferufe Retters herbeigeeilt war, erhielt Kolbensdiläge auf den Kopf und brach sofort tot zusammen.

Der Weinhändler Meier Liquornik, der den Kosaken täglidi Wein un- entgeltlidi verabreidien mußte, wurde in Gegenwart seiner Frau er- schossen.

Der Wirtsdiaftsbeamte Abraham Rudich, der auf die Hilferufe einer von den Kosaken vergewaltigten Frau herbeigeeilt war, wurde mit Gewehr* Schüssen tot niedergestreckt.

Der Grundwirt Abraham Bendit, ein Greis von 80 Jahren, starb an den Folgen der von den Kosaken erlittenen sdiweren Mißhand*

lungen. Drei Tage später starb seine greise Frau, an den Folgen von Miß« Handlungen und der Aufregung,

Kein einziger Einwohner von Sadagora, insbesondere kein Jude, entging den Mißhandlungen, Selbst der von den Russen eingesetzte Bürgermeister und sein Beirat wurden öffentlidi durdigepeitsdit.

Ein Bürger, namens Koffler, entging dem Tode durdi Ersdiießen nur dadurdi, daß er den Kosaken, die ihn zur Exekution abholten, sagte, er wolle vom Boden Geld für sie holen. Vom Hausboden sprang er aber über die Planken und verbarg sidi durdi zwei Tage in einem Heusdiober.

Dem Kaufmanne Sef Sandmann, einem alten Manne, wurden auf offener Straße die Stiefel, der Pelz und die Kleider vom Leibe gerissen. Er mußte bei 12" Kälte barfüßig und halbnadtt nadi Hause eilen.

In sämtlidien Gasthäusern wurden die Vorräte teils verniditet, teils geraubt. Selbst das Brennholz wurde aus den Häusern weggeführt,

Brandlegungen kamen beständig vor, U, a, brannten die Häuser des Moses Gottlieb, Jakob Gottlieb, Hersdi Roll, Isak Roll, Jakob Schäfer, Sdiulim Schäfer und Rubin Grauer vollständig nieder. Laut Weisung des Kommandanten durften diese Brände weder gelösdit, nodi lokalisiert werden. Jede Hilfeleistung war unter Androhung des Ersdiießens verboten.

Die Russen haben so gründlidi gearbeitet, daß heute in Sadagora kein jüdisdier Einwohner ein Stüd^ Hauseinriditung besitzt. Selbst die Fenster- flügel und Türen wurden ausgehoben und weggeführt.

Haarsträubende Vorgänge spielten sidi bei den Vergewaltigungen von Frauen, Mäddien und Kindern ab, die durdi russisdie Kosaken verübt wurden. Eine Frau konnte sidi nur durdi den Sprung vom Balkon ihres Hauses vor der Vergewaltigung retten,

Adit Tage nadi der zweiten Räumung von Czernowitz seitens der öster* reidiisdien Truppen gaben die Russen den Verkehr von Sadagora nadi Czernowitz frei. Jetzt erfolgte eine vollständige Auswanderung der jüdisdien Einwohner, Ohne Barmittel, ohne warme Kleider sind sie in Czernowitz den härtesten Entbehrungen ausgesetzt.

Es sei nodi erwähnt, daß die Russen anläßlidi ihres Abzug-es von Czerno* witz beim Bahnhofe Sadagora die Kaufleute Abraham F eitler und Mendel Goldenberg auf der Straße aufgriff^en und wegführten. Bis heute fehlt jede Nadiridit über die Versdileppten,

Die Palais des Großrabbiners Friedmann und des Barons Mustatzain Sadagora wurden ausgeplündert und zum großen Teile audi zerstört.

Die Kosaken in Mikulczyn <GaIizien>.

<OriginaIberidit des Jüdisdien Ardiivs.)

Nadi der Besetzung von Delatyn durdi die Russen flüditetcn alle Juden von Mi» kulczyn. Es blieben nur der Kaufmann Chajim Singer und seine alte kranke Mutter Lea Singer, die nidit transportfähig war und weldie Singer nidit verlassen wollte, ferner die Sdiwester Singers, namens ZiporahSofer^ und ein jüdisdier Kauf- mann Jankel Marmos. Nadidem sidi die österreidier bis Körösmczö zurüdcgezogen hatten, rüditen die Kosaken in Mikulczyn ein. Wie überall sind sie audi hier auf Raub

ausgegangen. Sie suchten die verlassenen Wohnungen der Juden auf. Hiebei leisteten ihnen Ortsbewohner Führerdienste. Sie kamen auch in das Haus des Singer und drangen in das Zimmer ein, in welchem siA die obgenannten vier Personen aufhielten. Die alte Frau lag im Bette. Singer und Marmos wurden untersucht und ausgeraubt.

Am nädisten Tage kamen die Kosaken wieder. Bei ihrem Herannahen versteckten sicii Singer und seine Schwester im Keller. Marmos blieb bei der Kranken. Zuerst frag- ten die Kosaken nacb dem »roten Juden«. Sie meinten den Singer. Man antwortete ihnen, er sei geflücbtet. Dann verlangten sie von Marmos Geld, Dieser hatte noch 16 Kronen, den letzten Rest seiner Habe, bei sieb, wollte aber dieses Geld nidit heraus» geben und gebrauchte Ausflüchte. Inzwisdien kam noch ein junger Kosak ins Zimmer und trat auf die Streitenden zu. Er sagte: »Was macht Ihr denn mit diesen Ewreiczik <Juden> so viel Geschichten?« und stieß dem Marmos das Messer in die Brust und den Hals. Marmos war nadi wenigen Augenblicken tot. Die Kosaken wollten nun das Haus durchsuchen. Durch das gellende Jammergeschrei der kranken Greisin, vor derem Bette sich die Mordtat abgespielt hatte, ließen sie sich abhalten und zogen ab. Nun kamen Singer und seine Schwester aus dem Keller hervor. Die jam« mernde Greisin wollte nicbt länger beim Toten im Hause bleiben. Singer lud daher seine Mutter auf den Rücken, um sie an irgend einen geschützteren Ort zu tragen. Auf dem Wege starb die Mutter infolge des durchlebten Sdireckens auf dem Rücken des Sohnes.

Singer ging zum russischen Kommandanten und meldete den Vorfall. Der Komman- dant gab den Auftrag, die Leidien sofort an Ort und Stelle zu verscharren. Nach vielen Bitten erhielt Singer die Erlaubnis, die Leiciien auf dem jüdischen Friedhofe zu be- graben. Die Ortsbewohner verweigerten jede Mithilfe und Singer und seine Schwester mußten selbst die Leichen zum entfernten Friedhofe tragen, Audi die Gräber für die Mutter und den Marmos mußten sie allein auf» und zuschaufeln. Mitte Dezember 1914 kam Singer nadi einer be» schwerlichen Fludit in Wien an.

Amtlicbe Erhebung über russiscfie Mordtaten in Diclitenitz und Oalizisch* DolHopole.

{Bericht des k. k. Gendarmeriekommandos in Storonet2-"PutiHa an das Landesjfendarmeriekommando für die Bukowina. Abgedruckt in der «Neuen Freien Presse» vom 22. Jänner I9i5.>

Storonetz^Putilla, 29. Dezember 1914. Der Insasse Iwan Marfiewtcz aus Dolhopole in Galizien sagt, hier einvernommen, folgendes aus:

Um den 8. Dezember 1914, nach Besetzung von Galizisch«DolhopoIe, haben die Russen den dortigen Insassen Abraham Kohan erschossen und den Osias Poetzel an zwei zusammengewadisenen Fichten gekreuzigt. Vor dem Gekreuzigten stellten die Russen eine Wadie auf, die sie durch drei Tage unterhielten, bis der Unglüälidie starb.

Weiter sagte die dortige Ilena Dabrocziczuk vor dem gefertigten Kommando aus, daß die Russen am 23. Dezember 1914 die dortige krank zu Bett darniederliegende Liwsdie Stern abschlachteten, ihren Mann, Alter Stern, niederschössen und deren Haus samt Nebengebäuden verbrannten, nadidem sie zuvor die ihnen gehörende Kuh wegge- nommen hatten. Diese Greueltaten reditfertigten sie damit, daß erstere zwei Kotzen vor ihnen versteckt hätte.

InDichtenitz verbrannten die Russen, wie erhoben wurde, bisher insgesamt 42 Häuser, darunter alle jüdischen, das Wachthaus, die Volkssdiule, das Gemeindehaus, den Gemeinde-» arrest, die Leichenhalle sowie mehrere Bauernhäuser und ersdiossen den dortigen Insassen Moische Reichmann.

Sämtliche Dichtenitzer Insassen, denen die Häuser niedergebrannt wurden, wurden von den Russen fast nackt aus ihren Häusern weggejagt. Die Russen verboten ihnen das Mitnehmen irgendeines audi nodi so geringen Gegenstandes aus den zum Niederbrennen verurteilten Häusern bei Todesstrafe.

Moische Reichmann wurde deshalb ersdiossen, weil er versudit hatte, einen Polster aus seinem brennenden Hause zu retten.

10

Die Kosaken in Dembica.

<Nadi Bericht von Leon Weinreb an das »Frankfurter Israelitische Familienbild.«>

Um 8 Uhr früh langten die Kosaken in Dembica an. Die Juden, die bereits die ersten Plünderungsqualen der gewöhnlidien »braven« Truppen überstanden hatten, waren mit ihren Frauen und Kindern in der Synagoge versammelt und ahnten nidit das Sdiredclidie, was ihrer nodi vor »Tekias Sdiofer« wartete.

Die Kosaken stürzten in die jüdisdien Häuser mit Roß und Gewehr und was nidit niet^ und nagelfest war, wurde zertrümmert und auf die offene Straße geschleudert. Dodi staunten die Sdiurken, daß sie keinen einzigen Juden zu Gesidit bekamen, und forschten nach der Ursache. Es war ihnen nicht scfiwer, diese gleich zu erfahren. Da gab es ein jubelndes »Hurra«: »Gehen wir zu den Jewres, sie sind alle in einer Stube zu haben!« und in wenigen Sekunden war die Synagoge von den Kosakensotnien umzingelt.

Wie wilde Tiere stürzten sie sidi über die wehrlosen Frauen, die in der Frauen» abteilung versammelt waren und vergewaltigten sie. Die sich wehrten, wurden erdoldit und zu Tode getreten. Beherzte Frauen stürzten sich durch die Fenster und verletzten sich schwer, aber auch diese verschonten die Untiere nicht,- von den blutigen Nagaikaprügeln starben viele auf dem Synagogenplatz unter cjualvollen Schmerzen.

Den Männern verbot man, die Synagoge zu verlassen, durchsuchte ihre Taschen und gab ihnen gleichzeitig die spitzigen langen Piken im Fleische zu fühlen.

Die Synagogengasse wurde dann in Brand gesteckt, und nach kurzer Zeit stand eine ganze Reihe Häuser in lodernden Flammen.

Um 4 Uhr hieß man die teuflischen Truppen die Stadt verlassen und nach Ropczyce ziehen. Es verlautet, daß die Kosaken sich nicht mehr als sechs Stunden in einer Ortschaft aufhalten dürfen. Auch dort geschah das gleiche,- sofort nach ihrem Ankommen begaben sie sich in die Synagoge und verfuhren nach dem Dembicaer System. Ebenso geschah es den Juden aus Sedzischow und Lancut.

Russische Greueltaten in versdiiedenen galiziscfien Ortsdiaften, Aus galizischen Privatbriefen teilt der »Israelit« folgendes mit:

In Lisko sind beim zweiten Einzug der Russen nur Greise und Kranke geblieben. Alle anderen ergriffen, in Erinnerung an die Erlebnisse im Sommer schleunigst die Flucht. Die Russen stürzten sich in die verlassenen Häuser, die sie bis auf den Grund ausplün= derten, und gingen dann auf Menschenjagd aus. Die Tochter des Herrn H. ergriffen sie auf der Straße und wollten sie ins Quartier schleppen. In ihrer Verzweiflung simulierte sie eine Ohnmacht, worauf sie sie auf der Straße ließen. Der alte Jude M. wurde, als er die Synagoge verließ, dermaßen mißhandelt, daß er am dritten Tage seinen Verletzungen erlag. Der Synagogendiener, den das gleiche Schicksal im Gotteshause ereilte, liegt hoff» nungslos darnieder.

Im Dorfe Tyrawe = Silene banden die Kosaken drei Juden an die Pferde und schleiften sie so durdi die Straßen, bis sie ihre Seele aushauchten.

Im Dorfe Bergly hatte der alte Tabakhändler Jakob Tartner vergessen, das öster» reichische Wappen an seinem staatlich konzessionierten Tabakladen zu entfernen. Das Schild wurde ihm an die Brust geheftet. Auf das Schild wurde solange geschossen, bis Tartner tot hinfiel.

Im Dorfe Ropienka erlitt ein angesehener Mann namens Opnik den Tod, weil er die Ehre seiner Nichte verteidigen wollte.

In Lancut wurde ein junger Mann erschossen, weil in der Schenke, die er den Soldaten zeigen mußte, kein Schnaps mehr zu haben war.

Im Dorfe Tyrawe Woleska wurden drei jüdische Jünglinge wegen ähnlicher »Irre- führung« »standrechtlich« erschossen.

11 Ermordung des Kultuspräsidenten Retter vonSadagora<Bukowina>.

<Originalberidht des »Jüdisdien Ardiivs«.)

Jakob Retter, Student der Medizin an der Wiener Universität, beriditet: Mein Vater Leib Kallman Retter, Kaufmann und Kukuspräsident von Sadagora, wurde Mitte Oktober in Sadagora von den Russen ermordet. Mein Vater, der kurz vorher von den russisdien Soldaten sdiwer mißhandelt worden war, hiek sidi im Hause auf. Es drangen Kosaken ein. Sie wölken meiner Mutter Gewak antun. Mein Vater warf sich dazwisdien und wurde von den Kosaken getötet. Meine Mutter ist, sdiwer krank, mit meinen kleinen adit Gesdiwistern nadi Czernowitz geflohen. Wir waren wohlhabend. Wir hatten ein Haus, Bargeld und Waren im Werte von mehreren hunderttausend Kronen. Jetzt hungern die Meinen in Czernowitz, Mein Vater wollte trotz des Zuredens aller Freunde und Verwandten nidit fliehen und seinen Posten und sein Heim im Stidie lassen. Man hat ihm vor- gehalten, daß sidi die Russen in erster Linie an ihn, den offiziellen Vertreter der Judensdiaft, halten würden. Er war aber nidit zur Abreise zu bewegen.

Die Tragödie von Russisdi^MoIdawitza (Bukowina, österreidi).

<Originalbericht des »Jüdisdien Ardiivs«,)

Dem »Jüdisdien Ardiiv« wurde ein Feldpostbrief zur Verfügung gestellt. Er ist mit Bleistift in jüdisdier Spradie gesdirieben. Der Umsdilag ist zer- rissen. Als Briefblatt ist ein fled^iges, aus einem Sdiulhefte herausgerissenes Stüdidien Papier verwendet. Die Adresse lautet:

»An Benno Sporn, k, k, Landsturminfanterie-Reg, 8/22, Feldpost Nr, 153,«

Der Inhalt lautet in wortgetreuer Übersetzung :

»Teurer Benno ! Die Postverbindung ist von hier abgesdinitten, Idi weiß nidits von der Welt, Die Feinde <Russen> sind ringsum und audi bei uns in Russisdi^Moldawitza ist eine große Zahl eingezogen. Meine ganze Wohnung ist voll von Feinden, Was die madien, kann idi nidit sdiildern. Idi beneide den Vater, der auf dem Friedhofe liegt und sdion alles hinter sidi hat. Die Sdiilderungen der Pogrome in Kisdienew und Bialystod^ sind nidits gegen das, was die Feinde in unserem Dorfe und bei mir im Hause madien. Wenn es ein Chibet Hakewer <Anm. : Qualen nadi dem Tode) gibt, so werden idi, meine Zenta und meine drei kleinen Kinder nidits mehr zu leiden haben.

Idi kann es nidit länger aushalten. Die Taten von Sodom und Gomorrha sind gar nidit zu vergleidien mit den jetzigen. Wir redinen heute nadits von hier zu fliehen. Gebe Gott, daß uns dies gelingen soll ! Bete zu Gott für uns !

Dein Jonas.«

(Datum fehlt.) (Familienname fehlt.)

Der Briefumsdilag trägt zwei amtlidie Vermerke: Vom Regiment :»Adressat abgängig.«

Vom Ausgangspostamt in der Bukowina : »Dorna watra« <Poststempel> 28./XII, 1914, Nr, 565, »Laut eingeholten Redierdien wurden der Absender samt Frau und drei Kindern von einer Kosaken* patrouille ersdiossen.« /

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Schilderungen eines rumänischen Bauern aus der Bukowina.

Mihail Sadoveanu, der weitaus bedeutendste unter den heute lebenden rumäntscfien Sdiriftstellem, veröfFentlidit im »Universul« unter dem Titel »Namenlose Sdimerzen« eine ersdiütternde Sdiilderung der furditbaren Greuel, die die russische Soldateska an der fried= lidien Bevölkerung veräbt hat.

Dieser Tage, so schreibt er, bei einem Schneesturm, der wie ein grauer, beweglicher Flor Himmel und Erde bedeckte, kam an meine Tür ein Flüchtling aus der trauernden Bukowina, ein Rumäne.

»Vorgestern früh,« so erzählte er, »haben mir die Kosaken das Haus angezündet, daß es brannte wie ein Streidiholz. Damals, als sie ins Gebirge zogen, war es nichts Besonderes. Sie nahmen einfach weg, was ihnen in die Hand fiel, und auch das Weibervolk fand keine Schonung. Jetzt aber, als sie zurückkehrten, verjagt und geschlagen, da erst lernten wir alles Übel kennen. Sie kamen in Haufen und waren voller Wut, Sie verlangten rasch Heu und Hafer für die Pferde und Essen für sich selber. Gleich darauf kam der Befehl, das Haus des Dorfrichters anzuzünden. Dann brachten sie den jüdischen Schankwirt, um auch ihm seinen Teil zu geben. Einer spießte ihn mit der Lanze auf und ein anderer, der Mitleid mit ihm hatte, schoß ihn vor den Kopf, um seine Qualen zu beenden. Daraufhin kamen Leute von den Unsrigen und baten, daß man ihre Häuser und ihre Habe vor Raub schütze. Auch sie wurden von den Soldaten auf« gespießt und niedergeschlagen. Es war fürchterlich. Und in der herrenlosen Schenke floß der Branntwein aus den Fässern. Die Soldaten tranken sich toll und voll und gingen dann in die Häuser, um ihre Gelüste zu befriedigen, Sie kamen zu mir sowie zu den anderen, ich weiß nicht mehr, wie viel es waren. Sie schändeten mein Weib vor den Augen der Kinder und vergewaltigten meine unreife Tochter vor den Augen der Eltern. Midi banden sie mit Stricken und warfen mich unter die Ofenbank, damit ich meine Schmach sehe und nichts tun könne, damit ich mich vergifte und nicht sterbe, damit ich lebe, als der elendste aller Menschen. Und ganz zuletzt steckten sie uns das Haus in Brand. Die Weiber liefen davon, wie die Gluckhenne mit ihren Küchlein, wohin ihre Füße sie trugen, damit man sie nicht umbringe, und als der Brand aufhörte, als wir die ganze Arbeit unseres Lebens in Asche verwandelt sahen, da gingen auch wir in die weite Welt. Und so kam ich bei diesem Schneesturm an diese Tür.«

Russengreuel in verschiedenen Ortschaften der Bukowina.

<Aus einem Berichte des Freiherrn Kurt von Reden/ auf Grund behördlicher Protokolle.)

In Sadagora und der Vorstadt nördlich des Pruth, in Zuczka, wurde am 17. Februar, dem Tage d^s Abzuges der Russen, noch ein Pogrom veranstaltet, wobei vier Juden getötet wurden,- einer darum, weil er seine junge Frau vor Schändung bewahren wollte.

Bei Sereth wurde sogar der griechisch^orientalische Pfarrer geprügelt, an einen Baum gebunden und dann gezwungen, der Schändung seiner eigenen Frau zuzusehen,

Injablonitza zündeten die Russen ein Haus an und verboten, etwas zu retten. Der unglücklidie Besitzer, ein Jude, holte sich, um in der kalten Nacht nicht zu erfrieren, zwei Decken aus den Flammen. Er wurde gekreuzigt und ein Posten so lange dort aufgestellt, bis der Ärmste ausgelitten hatte. Es ist dies das kleine Dorf am Bialy Czeremosz, nicht das unweit gelegene Jablonica am Tartarenpaß,

Ein noch scheußlicherer Mord wurde an Isaak Zellermayer, dem reichsten Bürger von Storo^ynetz, südlich Czernowitz, begangen. Er wurde in der Nacht auf den 14. Februar ohne Angabe eines Grundes aus dem Bett geholt und gefangen gesetzt. Er ließ noch am Morgen seiner Frau sagen, sie möge ihm Kaffee schicken und sich nicht ängstigen/ das Miß- verständnis würde sich gewiß aufklären. Kurz darauf wurde Zellermayer von vier Soldaten, also offenbar über Befehl, abgeführt und gehenkt. Der Strick riß, der Unglückliche taumelte ein par Schritte davon, wurde niedergeworfen und buchstäblich abgeschlachtet. Dann wurden der Leiche die Augen ausgestochen und die Kleider geraubt. Sie blieb nackt im Sdinee liegen. Ich selbst habe am 19. Februar die Parte auf einer Telegraphenstange in Storozynetz gelesen/ die namenlose Angst vor den Russen, die kurz darauf abzogen, umschrieb das Schrecklichste mit den Worten : »Ein jähes Geschick hat ihn uns plötzlich entrissen.«

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Patriotismus der österreichischen Juden.

Patriotisdier Opfermut eines jüdisdien Mäddiens.

<Originalberidit an das »Jüdische Ardiiv«, erstattet von Dr. Arnold Friedmann.)

Das kleine Städtdien Pistyfi in Südostgalizien hatte im letzten Viertel des Jahres 1914 von den Russen viel zu leiden. Die Kosaken besetzten die jüdisdien Häuser und Hütten und die jüdisdie Einwohnersdiaft war ge* zwungen, bei befreundeten ruthenisdien Bauern Zufludit zu sudien. Es pflegte oft vorzukommen, daß die Kosaken für einige Tage das Städtdien verließen, um auf diversen Streifzügen neue Beute zu sudien. So war es den armen Mensdien hie und da möglidi, frei aufzuatmen.

An einem soldien »freien« Tage kehrte audi die 19 jährige Sara Esther Sdiorr in ihr Elternhaus zurüde und fand unter den zertrümmerten Haus- geräten einen von den Russen vergessenen Tagesbefehl. Das Mäddien, weldies ruthenisdi versteht, erkannte sofort die Widitigkeit des Dokumentes und blitzsdinell taudite der Gedanke in ihr auf, daß der Besitz für unsere Heeresleitung sehr wertvoll sein müsse. Dieser Erkenntnis folgte der mutige Entsdiluß, das Dokument dem in Wiznitz befmdlidien österreidiisdien Kommando zu überbringen.

Sara Sdiorr ließ sidi durdi die Gefahren der geplanten Unternehmung, weldie ihr von Eltern und Verwandten vorgestellt wurden, nidit absdiredten, und verließ ganz allein und ohne Wissen der Eltern Pistyfi,

Zwei Tage und Nädite währte die Wanderung in der von russisdien Patrouillen durdistreiften Gegend. Mit großer Vorsidit mußte jeder Steg und Weg gewählt werden, um den russisdien Waditposten zu entgehen.

Todmüde und sdiwer erkältet erreidite das brave Mäddien Wiznitz und war glüddidi, den geborgenen Sdiatz in die bewährten Hände des Generals Sdiuller und Majors Papp vom Kommando der k. u. k. 54. Infanterie* Truppendivision übergeben zu können.

Dem Kommando in Wiznitz braditen die Mitteilungen des wackeren jüdisdien Mäddiens und der russisdie Tagesbefehl widitige Aufklärungen über die Stellungen des Feindes, Die Herren vom Kommando wollten die Tapferkeit der Jüdin mit Gesdienken quittieren, Sara Sdiorr lehnte aber die Annahme von Geld und Geldeswert ab, mit der Motivierung: sie könne für ihre aus Patriotismus vollbradite Tat keinen Lohn entgegen* nehmen.

Dies gesdiah Ende November 1914, Im Dezember mußte Wiznitz geräumt werden. Major Papp erinnerte sich in der Stunde der Gefahr der tapferen Jüdin und ermöglichte ihr die Fludit nadi Wien, Sie erhielt seitens des Kommandos der k, u, k. 54, Infanterie*Truppendivision eine offene Order <Z1. 316 vom 2. Dezember 1914), mit weldier alle ZiviU und Militärbehör* den aufgefordert wurden, sie passieren und ihr jede Unterstützung ange* deihen zu lassen. ;

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Ende März erhielt Sara Sdiorr das hier abgebildete Medaillon, weldies von einem Sdireiben folgenden Inhaltes begleitet war:

»Zum Andenken für Ihre Heldentat empfangen Sie audi von mir eine kleine Aufmerksamkeit.

Major Papp,«

Die Eltern des Heldenmäddiens mußten den Patriotismus der Toditer sdiwer büßen. Die Russen sdiworen ihnen Radie wegen des versdiwundenen Tagesbefehls, den sie arg vermißten. Über das Sdiidisal der armen Leute verlautet nodi nidits Bestimmtes, aber sidier ist, daß namentlidi der Vater der Sara eine Reihe von Martern zu bestehen hatte.

Thronfolger Erzherzog Karl Franz Josef über die Juden.

Nadi dem Entsätze Südostgaliziens und der Bukowina besudite der öster- reidiisdie Thronfolger die von den Russen aufgegebenen Städte, Er nahm hiebei wiederholt Gelegenheit, sidi über das Verhalten der österreidiisdien Juden zu äußern.

Anläßlidi des Empfanges der Vertreter der Bevölkerung in Czernowitz sagte er: »Da die Bukowina glüddidi wiedererobert ist, werden die Dinge hoffentlidi besser gehen und die Bevölkerung wird sidi nunmehr gestärkt ihrer normalen Tätigkeit zuwenden können.« Zu dem Repräsentanten der jüdischen Kultusgemeinde Abgeordneten Dr. Neumann* Wender sagte er:

»Ihre Glaubensgenossen haben wegen ihres Patriotismus unter der Russenherrschaft sehr gelitten. Die jüdische Be* völkerung rst sehr patriotisch. Wir werden ihr das nie ver* gessen. Nach Beendigung des Krieges werden hoffentlich alle Schäden gut gemacht werden.«

In Kolomea empfing der Thronfolger eine Deputation der dortigen Judengemeinde unter Führung ihres Vorstandes, des kaiserlidien Rates Schiller. Auf die Frage des Erzherzogs, wie sidi gegenwärtig die Lage der Judengemeinde verhalte, sdiilderte kaiserlidier Rat Sdiiller die argen Verfolgungen, denen die Juden zurzeit der Russenherrsdiaft in der Stadt ausgesetzt waren. Jetzt, wo wieder österreidiisdie Truppen die Befreiung der Stadt durdigeführt haben, seien die Juden Kolomeas glüddidi, ihre

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Ergebenheit für den Thron ausdrücken und erweisen zu dürfen, Zugleidi erinnerte der Vorstand der jüdisdien Kultusgemeinde daran, daß zahlreidie Juden der Stadt, die von den Russen als österreidiisdie Spione verdäditigt wurden, von ihnen als Geiseln fortgesdileppt wurden,

Erzherzog Karl Franz Josef erwiderte: »Wir haben immer vorausgesetzt, daß die Juden treue Bürger des Staates sind und haben uns davon jetzt während des Krieges auch über= zeugt. Was die aus Kolomea verschleppten Geiseln betrifft, so hoffen wir, sie im Wege des Austausches bald zurückzu- bekommen. Jetzt«, so sdiloß der Thronfolger seine Worte: »Kopf hodi ! Es wird alles bald gut werden.«

Die Wiener Israelitische Kultusgemeinde und der Krieg.

Kundgebung der Kultusgemeinde anläßlidi des 84, Geburtstages des Kaisers,

Unabweisbar drängt sidi uns das Empfinden auf, all die guten Wünsche, welche wir im Gotteshause für unseren herzlich geliebten Kaiser im Gebete zu Gott richteten, hier neuerlich in dieser Festversammlung in solenner Festsitzung des Kultusvorstandes zu be- kunden. Und nicht allein für unseren Wiener Vorstand, für unsere zoo.ooo Wiener Juden sprechen wir hier, dem Empfinden, das alle unsere Glaubensbrüder in diesem weiten Reiche beseelt, geben wir Ausdruck in dem innigen, heißen Herzenswunsche: Gott segne, erhalte, beschütze unseren Kaiser Franz Josef I.

Ereignisse von welthistorisdier Bedeutung ziehen an uns vorüber. Als wir vor vier Jahren aus Anlaß des achtzigsten Geburtstages, vor seciis Jahren aus Anlaß des sechzig» jährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers in der Reihe der ihm Huldigenden erschienen, sprachen wir unseren ehrfurchtsvollen, tiefgefühlten Dank aus für die reichen Segnungen, mit denen er uns beglückt, für die väterliche Liebe, mit welcher sein edles Herz alle Bürger dieses Reiches ohne Unterschied der Abstammung und des religiösen Bekenntnisses um- schließt. Und wohl mochte der einstimmige Hymnus der gesamten gebildeten Welt, der Dank für die Erhaltung des Friedens, der Dank an den Friedenskaiser, sein mildes Herz mit Freude und Genugtuung erfüllen.

Und nun, nachdem unser erhabener Herr in seiner unerschöpflichen Friedensliebe bis an die äußerste Grenze gegangen, heute den Kampf aufnehmen mußte gegen unversöhnt liehe Feinde, gegen eine haßerfüllte Koalition und alle seine Völker zu den Waffen ruft zur Verteidigung von Thron und Vaterland, heute vereinigen sich wieder alle Völker, alle Stämme dieses weiten Reiches und wir österreichischen Juden gleich ihnen allen zu fester, enggeschlossener Phalanx der Treue.

Wie in den Stunden der Trauer, wie in den Tagen der Freude und den Jahren des segenvollen Friedens, fühlt sich die Judenschaft dieses Reiches auch jetzt in dieser schweren Zeit eins mit allen Bürgern dieser Monarchie, kämpft sie Mann für Mann, Schulter an Schulter mit allen treuen Söhnen dieses Reiches für die Ehre des Vaterlandes, setzt sie ihr Leben ein für Kaiser und Reich, opfert sie Gut und Blut für die Mehrung des Ruhmes unserer Waffen, für das Glück unseres geliebten, weisen, gerechten Kaisers und seiner Lande !

Unsere Söhne ziehen in diesen Krieg mit erhöhter Begeisterung. Uns ist es, als ob das gütige Gesdiick unseren großen Kaiser dazu ausersehen hätte, um in das Land der seit Jahrhunderten währenden Bedrückung Freiheit und Redit zu tragen. Uns ist es, als ob der gütigste Herrscher von der Vorsehung die Sendung erhalten hätte, sein segens* reiches Lebenswerk damit zu krönen, daß die ältesten Ghettomauern, die bisher allen Ein» flüssen der Kultur Trotz boten, die jedem Ansturm der elementarsten Gerechtigkeit un- überwindbaren Widerstand entgegensetzten, unter der Wucht der gerechten Waffen des edelsten Herrschers zusammenstürzen, wie auf sein Machtwort die Ghettomauern in diesem Reiche fielen.

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Hinter jenen Ghettomauern Rußlands, gegen welches unsere Besten jetzt todesmutig zu Felde ziehen, sAmaditen sechs Millionen Juden unter dem Drucke unmenschlichster Barbarei. Hinter jenen Ghettomauern des Zarenreiches, gegen welches unsere tapferen Truppen auf den Ruf unseres Kaisers sturmlaufen, ächzen unter vielen anderen Völkerschaften sechs Millionen fr eiheitsdürstige, kulturhungrige Menschen, in denen jede bessere Regung unterdrückt, jeder Versuch, ihren Geist, ihre Arbeitskraft, ihr Hab und Gut in den Dienst der Menschheit zu stellen, im Aufkeimen erstickt wird. Und als Krönung dieses Regierungsprogrammes die Pogroms, die von Amts wegen losge* lassene Meute der Hooligans, die ihr Unwesen treiben.

Allen Feinden unseres Vaterlandes entgegen entsenden wir freudig, ohne Zagen, erfüllt von hoffnungsvoller Zuversicht, unsere wehrfähigen Männer. Begeistert bringen wir unserem heißgeliebten Kaiser, unserem Vaterlande, denen wir mit Leib und Seele anhängen, unseren Tribut an Gut und Blut. Opferfreudig legen wir unsere Habe auf den Altar der Nächsten- liebe, um den Verwundeten Heilung, den Zurückgebliebenen Trost und wirtschaftlichen Beistand zu bringen und um beizutragen, daß allen, die durch den Krieg in Bedrängnis geraten, Linderung in der Notlage werde. Denn Vaterlandsliebe ist uns Tradition, Opfermut ist uns Gesetz, Tapferkeit vor dem Feinde ist uns Religion.

Unserem Herzen aber entcjuillt in dieser Stunde der tiefsinnige Wunsch, der Allmäch -- tige erhalte und beschütze unseren geliebten Kaiser, er lasse ihn den Sieg seiner rühm-- reichen Armee schauen, er gewähre ihm die Herzensfreude, daß er mit der Fackel der Gerechtigkeit in das Land der Finsternis hineinleuchte und dort Freiheit und Recht zu Ehren bringe.

Unser geliebter Kaiser Franz Josef L er lebe hoch! Heil unserem Vaterlande, Sieg

unserer Armee!

* *

«

Beteiligung an der Kriegsanleihe.

In ihrer Sitzung vom 19. November 1914 beschloß die Wiener Israelitische Kultus^ gemeinde, sich mit einem Betrage von K 500.000 an der Kriegsanleihe zu beteiligen. Der Präsident Dr. Stern hielt aus diesem Anlasse eine Ansprache, in der er auf die starke Belastung der Kultusgemeinde durch die Flüchtlingsfürsorge hinwies und die er hierauf mit den Worten schloß:

Wenn wir aber nichtsdestoweniger den Antrag auf Beteiligung an der Kriegsanleihe, und zwar mit einer so bedeutenden Summe stellen, so leitet uns hierbei ausschließlich der Gedanke, daß wir mit Hintansetzung aller entgegentretenden Schwierigkeiten es als unsere patriotische Pflicht erachten, auch bei dieser Gelegenheit dem Rufe, welchen das Vaterland an alle seine Bürger richtet, Folge zu leisten. Wir haben gleich bei Ausbruch des Krieges unser Spital für die Verwundetenpflege zur Verfügung gestellt, und zwar 100 Mannschafts* und 10 Offiziersbetten, die Unterbringung, Pflege, Wartung, ärztliche Behandlung ohne jeden Anspruch auf Entgelt übernommen. Die schon bisher bekundete patriotische Haltung der Mitglieder unserer Gemeinde erweckt in uns die Ueberzeugung, daß wir im Sinne aller unserer Gemeindemitglieder handeln, wenn wir unserer patriotischen Empfindung, unserer patriotischen Pflicht entsprechend und ungeachtet der in den Verhältnissen und in der Finanzlage unserer Gemeinde obwaltenden Schwierigkeiten uns an der Kriegsan-» leihe mit einer Summe von einer halben Million Kronen beteiligen. Wir sind hiebei auch der Ueberzeugung, daß diese Beteiligung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde als Beispiel voranleuditend, ein Ansporn sein wird für alle Kultusgemeinden Oesterreichs, sich an der Zeichnung der Kriegsanleihe zu beteiligen.

AufrufdesKlubsderjüdisdienLandtagsabgeordnetenin der Bukowina.

Jüdisdie Stammesgenossen!

In Europa wütet der Kriegsbrand, entzündet von dem unersättlioien Machtgelüste des russisciien Zarismus, unter dessen Despotie Millionen unserer Stammesgenossen seit Jahrhunderten seufzen und sdimaciiten. Das haßerfüllte Moskowitertum hat auch unser teures Vaterland mit Krieg überzogen.

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Wir österreidiisdien Juden, die wir uns unter dem Szepter eines hochsinnigen und geredeten Herrsdiers des Genusses aller bürgerlidien und politisdien Redite und Freiheiten erfreuen, ziehen begeistert in den Krieg, eingedenk unserer heiligen Pflicht, in unersdiütterlicher und unwandelbarer Treue zu Kaiser und Reidi.

Während unsere Soldaten hinausziehen über die russisdie Grenze, erwadit in uns Juden österreidi=LIngarns die wehmutvolle Erinnerung an unsäglidien Jammer und unsäglidies Leid, an tausendfältige Erniedrigung, Verfolgung, Sdimadi und Reditlosigkeit, an Metzeleien, die unsere unglüdclidien Stammesgenossen in Rußland unter dem fludiwürdigen Zarismus erdulden. Der maditgierige Panslawismus kann nur durdi Völkerkneditung und Mensdhenverniditung sein Ziel erreicfien. Blutige Pracht soll den Zarismus zur furchtbarsten Macht der Welt erheben, ^ Was gilt's, wenn Tausende jüdischer Soldaten gemordet werden ? Ist docfi audi heim« tückisdier Fürstenmord ein probates Mittel geworden, wenn es sich um die Befriedigung zarischer Machtgelüste handelt. Auch unserem Vaterlande, das sicii auf den Ruf des geliebten Kaisers erhob, soll der Fuß in den Nacken gesetzt werden und eine Welt von Waffen starrt uns entgegen.

Jüdische Stammesgenossen! Tut Euere Schuldigkeit, tut mehr als diese! Denn unser Kampf ist ein Kampf für die hehren Güter der Kultur, ist ein Kampf von Staaten und Völkern, um Redit auf Selbstbestimmung, ist ein Kampf für die heiligsten Interessen der unter dem habsburgisdien Szepter lebenden Völker,

In diesem Kampfe kämpfen auch wirjudenum die Erhaltung tausend» jähriger Kulturarbeit, an welcher unsere Väter im Westen und Süden Europas mit heißem Bemühen mitgesdiafft, und in diesem heiligen Kampfe wird auch das Schicksal der russischen Juden entsdiieden.

Hunderttausende österreiciiisdier Juden kämpfen freudig und begeistert als Soldaten und Offiziere, Sdiulter an Sciiulter mit den Söhnen anderer Völker gegen die Soldaten Rußlands, die dessen Zwingherr mit der Knute ins Feld getrieben. Bei jeder Kugel, die er in die feindlichen Reihen sendet, denkt der Jude: Das ist die Wiedervergeltung für die Pogrome, denen Tausende unserer geknechteten Brüder, wehrlose Greise, Frauen und unsdiuldige Kinder zum Opfer gefallen sind !

Jüdische Stammesgenossen ! Denket an Homel, Kiew, Odessa, Kischenew, Berdi* czcw etc. Unser Sieg bedeutet die Befreiung der russischen Juden und was Gott ver* hüten wird, unsere Niederlage die weitere Knechtung der unglücklichen russischen Juden, Die Zeit ist gekommen, welche die Ketten der russischen Juden sprengen soll. Mögen unsere Stammesgenossen in Rußland ihre Wünsche mit den unseren vereinen, mi denen der Juden Österreidis, die freudig ins Feld ziehen, für einen hoch» sinnigen, gerechten und gütigen, edlen und geliebten Kaiser, für ein Land, das ihnen ein teueres Vaterland ist!

Jüdische Stammesgenossen! Rechtfertigt unsere Hoffnungen, zeigt Euch als würdige Nachkommen unserer heldenhaften Makkabäer!

Czernowitz, im August 1914,

Abgeordneter Dr. Straucher, Dr, Weisselberger, Dr, Isidor Katz, Dr, N. Wender, Jakob Hecht, Sal, Rudich, Kammerpräsident Wilhelm Tittinger.

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Aufruf, erlassen von der Leitung der Jüdischen Nationalpartei in österreidi.

An das jüdische Volk in Österreich!

In diesen sdiicksalssdiweren Tagen, in denen unser Vaterland um seine Ehre und Zukunft kämpft, erfüllen die Söhne unserer, der jüdischen Nation, mit Begeisterung und Hingabe ihre patriotisdien Pflichten. Tausende und abertausende jüdisdie Männer stehen unter den Fahnen, Ihnen, die eingedenk sind der zahllosen Heldentaten, welche ihre Ahnen für unser Vaterland in früheren Kriegen vollbradit haben, und die voll Eifer sind, es ihren ruhmreichen Vorgängern gleichzutun, gilt unser erster Gruß,

Wir Juden Österreichs sehen in diesem Kampfe, welchen die Feinde im Nord und Süd freventlidi heraufbeschworen haben, nicht nur ein Ringen um unseres Vaterlandes Größe, Wir sind uns dessen klar bewußt, daß der entscheidende Schlag dem Zarismus, der Madit eines Staates gilt, in welchem unsere Volksgenossen unter dem entsetzlich» sten Druck der Barbarei unsäglich zu leiden haben. Es ist unsere feste Zuversidit, daß der Sieg der österreichischen Waffen diesem größten Teil unseres Volkes Freiheit bringen muß. Mit dem Einsatz all unserer Kraft wollen wir österreichischen Juden diesen Sieg erringen helfen.

Dieses unser heißes Streben ist der Ausdruck der Gefühle, die uns seit je für Kaiser und Reich beseelt haben.

Mit tiefster Dankbarkeit und unerschütterlicher Treue sind wir unserem Kaiser er» geben. Er, der alle seine Völker mit gleidier Liebe umfaßt, ist audi unserem Volke ein Hort der Gerechtigkeit,

In unserem Vaterlande hat die nationalgesinnte Judenschaft seit jeher die Bürgschaften für eine kraftvolle Entwicklung des jüdi* sehen Volkstumes gefunden. Der Völkerstaat Österreichs ist be« rufen, allen seinen Nationen freie Entwicklung zu sichern, also auch dem jüdischen Volke,

Mit dem Bestände und der Zukunft Österreichs ist das Schicksal unserer Nation innig verknüpft!

Jüdische Mitbürger!

Mag sich in diesem Weltenkriege Schmerz und Not noch so hoch türmen, harret aus in zäher, bewunderungswürdiger Pflichterfüllung ! Streitet'für das Heil Österreichs ! In seinem Unglück liegt unser Unglück, sein Heil ist unser Heil !

Wien, i8. August 1914,

Die Exekutive der Jttdisdinationalen Organisationen.

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Zur Lage der Juden in Rußland, insbesondere in Russisch-Polen.

Offener Brief an „The American Hebrew" in New York.

Von Rabbiner Dr. Arthur Lcvy, z. Z. in Lodz als Feldprediger bei der deutsAen Armee im Osten.

Ich bekomme ins Feld, wo idi als Rabbiner für die jüdischen Soldaten einer deutschen Armee tätig bin, die Nachridbt zugesandt, daß in Ihrem Blatt eine Notiz gestanden habe, die die bekannten Taten der Russen in Radom, über die s. Z. das Berliner Tageblatt beridhtet hat, in ihrer elementaren Wucht abzuschwädien und die Schuld von den Urhebern abzulenken sucht. Ich bin der eigentliche Autor jenes Berichtes, habe also an seinem Inhalt und Sdiicisal alles Interesse und erlaube mir daher, Ihnen hiermit feierlich und mit dem ganzen Ernst unserer blutigen Zeit zu wiederholen:

Es ist leider buchstäblich wahr! Die Russen haben in Radom die unschuldigen Juden ohne Gericht und ohne Urteil aufgehängt, darunter einen Mann, den Sohn des in ganz Polen berühmten Alexander Rebbe, der von der ganzen Gemeinde wie ein Heiliger verehrt wurde, der seine Tage, hinter dem Talmud sitzend und seinen frommen Gedanken nachgrübelnd, in bescheidener Zurückhaltung und Selbstvertiefung verbrachte und sich nicht kümmerte um die Händel dieser Welt. Ich selbst habe Gelegenheit gehabt, eine der un* glücklichen Witwen in Radom zu sprechen. Versteinert und starr in ihrem Schmerz saß sie vor mir," mit einer Ruhe, die mir das Herz ergriff, nahm sie ihr grausiges Geschick als eine Fügung Gottes hin, und, wenn das zerrissene Herz aufschreien wollte vor wahnsinnigem Weh, lehrte sie ihr frommer Sinn, in Gottes Namen zu dulden und sich seinem Willen zu fügen. Und mit einem nervösen Zucken um den Mund erzählte sie mir mit gedämpfter Stimme von dem nameniosen Unglück, das sie getroffen, und den Männern, die durch Henkershand gefallen : »Mein ScJiwager der Sohn des Alexander Rebbe war ein edler Mensch, eine stille Natur, ein göttlicher Mann/ warum man sie hängte? Fragen sie den polnischen Denunzianten, der diesen drei fachen Mord auf dem Gewissen hat.« Überhaupt, das Herz krampft sich mir zusammen, wenn idi hier in Polen sehe und höre, welcii entsetz* liehe Gewalttaten an den Juden im Laufe dieses Krieges von den Russen verübt worden sind und tagtäglich verübt werden. Die Pogrome früherer Zeiten sind ein Nidits gegen die rasende Vernichtung jüdischer Häuser und jüdischen Lebens, die mit dem russisdien Heere sich durch ganz Polen wälzt, mit ihm vorwärts, mit ihm rückwärts geht und es begleitet wie ein drohen* der Schatten, In mehr als 215 Ortschaften wurde bisher pogromiert, und es ist kein Ende dieses Schreckens abzusehen!

Ich will aber ins einzelne gehen und Ihnen Tatsachen berichten, nackte Tatsachen, deren Wucht sich niemand wird verschließen können und die sich durch keinerlei Schönfärberei aus der Welt schaffen lassen.

In Staszow wurden am Jaum Kippur elf Juden inTallis und Kittel in der Synagoge auf- gehängt.

In Klodowa wurden zwei der angesehensten Juden an einem Freitag Abend, als die Juden aus der Synagoge kamen, am Balkon des eigenen Hauses aufgeknüpft, nachdem die Frau des einen selber die Stricke hatte herbeiholen müssen. Vierundzwanzig Stunden mußten die Leichen hängen bleiben und die Juden der Nachbarschaft duiften die Fensterläden nicht schließen, damit sie sich dem entsetzlichen Anblick nicht entzögen. Auf die Brust hatte man den Getöteten einen Zettel mit der Aufschrift geheftet: »Gehängt, weil sie ein Dreirubelstück nicht wechseln wollten.«

In Lenczyca war eine Bürgerwehr eingerichtet, in der 7o"/o Juden organisiert waren. Als das russische Militär nach Lenczyca kam, wurden sämtliciie Juden sofort aus der Miliz entfernt, und in derselben Nacht haben Kosaken geplündert und mißhandelt ^ nur in jüdi» sehen Häusern.

In Schidlowice haben sich jüdische Mädchen in den Pilizer Teicii geworfen, weil sie ge« schändet worden waren und diese Schmach nidit durchs Leben tragen wollten.

In Ostrowice forderten die Kosaken die Auslieferung des Rabbiners Zaddig Kalischer, der gehängt werden sollte, weil er angeblich die Österreicher begünstigt hatte. In Wirklichkeit war er zusammen mit dem polnischen Geistlichen den österreichischen und den dcutsdben

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Trappen so wie früher den russischen entgegengegangen und hatte um sdioncnde Behandlung der Einwohner gebeten. Da der Rabbiner sidi verstedit hielt, warteten die Kosaken den heran- nahenden Jaum Kippur ab und umzingelten die Synagoge, um dort den Rabbiner gefangen zu nehmen. Als sie im Begriff waren, in das Bethaus einzudringen, zogen die DeutsÄen in Ostrowice ein und die Kosaken flüchteten, nadidem sie vorher Haus und Hof des Rabbiners zerstört hatten.

Am 4. Dezember, während des Freitag- Abend-Gottesdienstes, kam in Petrikau der Gou- verneur mit Polizisten in die Synagoge, ließ sämtlidie Torarollen aus der heiligen Lade ent- fernen und diese nadi einem geheimen Telephon durdisudien, das die Juden dort untcrge- gebradit hätten.

In Klescew wurden 150 Juden als Spione verhaftet und nadi Warsdiau gesdileppt.

Aus Zyrardow, Pruschkow, Bialobrzeg, Iwangorod, Grodzisk, Skier- newice und vielen anderen Orten wurden sämtlidie Juden fortgejagt. In Skiern ewice traf sie der Ausweisungsbefehl am Freitag Abend, als sie gerade die Sabbatliditer angezündet hatten. Und so gingen die 10.000 Skiernewicer Juden aus ihren Häusern, ließen Lidit und Challoh zurüde und zogen, der Rabbiner an ihrer Spitze, hinaus ins Dunkel der Nadit, Die Grodzisker Juden wollten sidi nadi Warsdiau wenden und baten durdi eine Deputation um Erlaubnis. Der General hieß sie nadi dem linken Weidiselufer gehen, und, da sie ihm ant- worteten, das wäre dasselbe, wie in die Weidisel gehen, meinte er zynisdi: das wäre das allerbeste.

In Lowicz wurden zwei junge Juden, Sandburg und Fränkel aus Zgierz, wegen an- geblidier Spionage, nadi vorheriger Verstümmelung des einen, aufgehängt. Dasselbe Los wurde dem angesehenen Getreidehändler Moses Lipsdiitz zuteil, weil er vor dem Kriege ! nadi Deutsdiland Gesdiäfte gemadit hatte.

In Bechawa <Lubliner Gouv.) wurden im Oktober achtundsiebzig Juden an einem Tage wegen »Spionage« aufgehängt.

In Kramostaw <Lubliner Gouv.) wurden viele Häuser eingcäsdiert, die Juden (zoo Familien), zum großen Teil mit Frauen und Kindern, vertrieben.

In Lodz sind 15,000 Kleinhändler ihrer Habe beraubt und zu Bettlern gemadit worden. Lodzer Frauen wollten ihre verwundeten Männer in den Lazaretten in Petersburg und Moskau besudien. Es wurde ihnen verboten, weil diese Städte nidit im Ansiedlungsrayon liegen.

In Zdunska Wola wurden sämtlidie Frauen und Mäddien gesdiändet, selbst eine Wödinerin am dritten Tage ihrer Niederkunft und Kinder von 6 und 5 Jahren blieben nidit versdiont.

Eine Frau, deren Mann im Kriege war, starb an den Folgen einer Ver- gewaltigung. Bald darauf kehrte der Mann verwundet heim. Er fand sein Kind ohne Mutter und seine Frau von einem »Kameraden« zu Tode ge- schändet.

Dies ein kurzer Aussdinitt aus dem Bild der unerhörten Judenverfolgungen hier zu Lande, das idi in seinen markantesten Zügen Ihnen wiederzugeben für meine Pflidit halte, für meine Pflidit gegenüber der Wahrheit, der Kultur und dem Judentum,- denn »Du sollst nidit stehen bleiben bei dem Blut deines Nädisten«.

Lodz, den 24. Dezember 1914.

Rabb. Dr, Arthur Levy, z. Z. im Felde.

Die Untat von Staszow <Russiscli*PoIen>.

<Originalberidit des Jüdisdien Ardiivs.)

In dem oben abgedruckten »Offenen Brief« des Feldrabbiners Dr. Levy wird erzählt, daß in Staszow am Versöhnungstage 11 Juden in Tallis und Kittel aufgehängt wurden. Die näheren Umstände dieser Untat seien hier nadi dem im Archiv vorliegenden Tagebuche eines angesehenen Staszower Bürgers wiedergegeben:

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Jörn Kippur früh, den 30. September 1914, hörten wir, daß auf Befehl des Kosakenhauptmannes Sokolowsky, eines Kisdienewer Pogrommadiers, neben dem jüdisdien Friedhofe eine große Grube gegraben worden sei. Wir konnten uns nidit erklären, was das zu bedeuten habe, aber ahnten nidits Gutes, Wir waren gerade mit dem Morgengebete fertig geworden, als fünf Kosaken ins Bethaus kamen und im Auftrage ihres Hauptmannes unserem Rabbi befahlen, bis Mittag 100 Sädce Hafer zu stellen, widrigen^ falls alle Juden getötet werden würden. Der Rabbi erlaubte trotz des Ver^ söhnungstages vier Juden in die Dörfer der Umgebung zu fahren, um ein- zukaufen.

Eine halbe Stunde später kam wieder ein anderer Befehl : Binnen 3 Stunden müßen 250 Pelzmützen abgeliefert sein. Da kein unverarbeitetes Pelzwerk vorrätig war, nahm man alle Pelze in der Stadt zusammen und alle Mützenmadier setzten sidi an die Arbeit, Die Mützen wurden geliefert, der Hafer beigestellt und wir begannen das Mussaph^Gebet, Gott dankend, daß das Unglück von uns abgewendet worden war,

Inzwisdien kam ein Christ aus Szczegim angefahren, dem bei dem Brande seines Hauses die Hände verletzt worden waren, um im Spital Aufnahme zu finden, Sokolowsky ließ ihn rufen und fragte ihn, ob es in seinem Dorfe Juden gebe. Als er bejahte, sdiidite Sokolowsky sofort zehn Kosaken mit dem Auftrage, die Juden aus dem Dorfe zu holen. Die Kosaken braditen bald 11 Juden, in Tallis <Gebetmäntel> gehüllt, und stellten sie vor der Synagoge auf. Einen der Unglücklidien, Wolf Katz, ließ Sokolowsky sofort auf der Laterne an der Mauer des gegen- überliegenden Hauses aufknüpfen. Der Leidie wurde auf die Brust ein Zettel geheftet, worauf gesdirieben war: »Das ist die Strafe für den Spion«,

Dann kamen die anderen 10 an die Reihe, Man führte sie zum Fried* hofe und die Staszower Juden mußten mitgehen, um mitanzusehen, »was mit denen gesdiieht, die dem Zaren nidit treu sind«. So drüdtte sidi Sokolowsky aus.

Als auf dem Wege eine Brücke passiert wurde, stürzte sidi einer der Juden, Chaim Blank, ins Wasser. Er wollte lieber auf diese Weise sterben, als unter Kosakenhänden. Ein Kosak sprang ihm nadi und zog ihn heraus, Dodi war er sdion tot und Sokolowsky ließ die Leidie wieder ins Wasser werfen.

Unter den unglüd^lidien Juden aus Szczegim befand sidi ein gewisser Israel Jakob Stitzki, ein reidier Mann. Seine Frau gab dem Hauptmanne eine große Geldsumme, damit er ihrem Gatten und ihrem Sohne das Leben sdienke. Der Hauptmann nahm mit der Linken das Geld und sdioß mit der Rediten den alten Stitzki nieder. Den Sohn erstadi er. Die Frau wurde von den Kosaken weggesdileppt. Man weiß bis heute nidit, wo sie ist.

Alle anderen wurden vor dem Friedhofe ersdiossen. Wenn sidi einer nodi regte, wurde ihm der Baudi mit dem Säbel aufgesdilitzt, Den= jenigen Ermordeten, die gute Stiefel hatten, wurden sie von den Kosaken von den Füßen gezogen. Alle Opfer wurden in die vorbereitete Grube geworfen.

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Als der Mörder Sokolowsky in die Stadt zurüd^kam, ging er zur Syna* goge, ließ den Rabbiner herausrufen und befahl ihm, den auf der Laterne aufgeknüpften Wolf K atz wegzusdiaffen. Der Rabbiner und die Synagogen* diener führten den Befehl aus. Die Leidie wurde in einen Nebenraum des Bethauses gebradit. Die Nadit bradi herein, kein Beter war mehr im Gotteshause. Alles war in Leid und Sdiredcen geflüditet.

An den Tefillin <Gebetriemen> aufgehängt.

Wie dem New Yorker »Vorwärts« von einem Augenzeugen beriditct wird, haben die Russen in Eikow den 72jährigen Mendel Sdiiffmann, dessen 48jährigen Sohn Hersdiel, den 50jährigen Leser Perlmutter, dessen Eidam und den 70jährigen Josef End wegen Bewirtung österreidiisdi » ungarisdier Soldaten an den Tefillin aufgehängt.

In und um Warsdiau.

<Aus einem Briefe aus Warsdiau an Herrn Louis L. in 136 Ellen St., New York. New Yorker »Vorwärts«.)

Wenn's nur der Krieg wäre ! Krieg ist Krieg. Aber wir haben leider audi so viel von den Polen auszustehen. Ihre Zeitungen verleumden die Juden und kein Jude ist seines Lebens sicher. Als zu Anfang des Krieges in der Stadt Geldmangel und Handelsstodcung eintraten, verbreiteten die polnisdi-^antisemitisdien Zeitungen die Mär, daß die Juden das ganze Geld nadi Deutsdiland ausgeführt hätten, damit die Deutsdien Polen er* obern. Sie braditen »Tatsadien« bei. Als in Warsdiau das Leidienbegängnis eines reidien Juden stattfand, sagten die Antisemiten, daß bei den Juden niemand gestorben, sondern daß in den Sarg Geld gelegt worden sei. Man habe das Geld so vor die Stadt hinausgeführt und dort hätten es die Deutsdien in Empfang genommen. Ihr könnt Eudi vorstellen, was es da für Aufregung gab! Juden konnten damals nidit ruhig über die Straße gehen. Im Sädisisdien Garten fanden Judenhetzen statt, bis der Gouverneur den Garten sdiließen ließ.

Warsdiau ist jetzt voll von Militär. Die polnisdien Bursdien gehen unter den Soldaten herum und erzählen ihnen, die Juden wollen, daß die Deutsdien Polen kriegen. Natürlidi fallen dann die Soldaten die Juden an, sdilagen, berauben und quälen sie. Den Vater zerrten, als er über die Marsdialkowskagasse ging, polnisdie Jungen am Barte. Mit Mühe gelang es ihm, sidi ihren Händen zu entwinden. In den kleinen Städten um Warsdiau herum ist die Situation für die Juden ganz unerträglidi. Dort mordet man die Juden und es ist niemand da, der sidi ihrer annimmt.

Nadi Przysecha kamen die Deutsdien. Sic blieben kurze Zeit, zogen dann ab und Kosaken kamen. Da erzählten einige Polen den Kosaken, daß die Juden die Deutsdien freundlidi aufgenommen hätten. Darauf riditeten die Kosaken ein Blutbad in der Stadt an. Den Rabbi sdileppten sie aus seinem Hause auf die Straße hinaus und prügelten ihn. Die Rabbinerin bekam einen Stich in den Kopf und starb. Der Rabbi lag zwei Wochen krank darnieder und starb dann auch.

In Radom gab jemand auf zwei Kosaken Sdiüsse ab. Sofort hieß es, daß die Juden CS waren, und man hängte drei jüdisdie Bürger der Stadt auf. Kein Weinen und Bitten half. Man wollte sie auA mit Geld loskriegen. Aber nidits half. Man hängte sie . , .

Äußerungen von Mitgliedern des österreichisdien Kaiser- hauses über jüdisdie Soldaten.

I. Erzherzog Josef.

Brief des Korpskommandanten Erzherzog Josef an den Redakteur des Blattes *EggenIöseg«, der ihn um seine Meinung über die jüdisdien Soldaten angegangen hat :

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»Idi hatte häufig Gelegenheit, meine Soldaten jüdisdier Konfession zu beob« achten und fand keinen Untersdiied zwischen ihnen und meinen anderen Sol« daten, Ihr Heldenmut ist bewundernswert, ihre Entsci>lossenheit über alles Lob erhaben, Sie kämpften unter den ungarisciien Jungen als wahre Ungarn Schulter an Schulter gegen die blutrünstigen Serben und die mächtigen Russen, S i e haben an unseren Erfolgen denselben Anteil wie ihre Kameraden, Unter den hervorragendsten Helden gibt es nidit wenige ungarische Juden. Oft sah idx diese mit meinen Augen inmitten der verzweifelten Phasen der entsetzlichen Kämpfe und bewunderte gehobenen Herzens ihren Heldenmut, Auch der Jude hat gezeigt, daß er ein ebenso guter als tapferer Soldat ist wie die anderen,«

IL Erzherzog Pctcr Ferdinand.

Die Wiener Blätter bericiiten über folgenden Vorfall :

Eine Gruppe von Bericfiterstattern war der Tafel des Divisionärs Erzherzog Peter Ferdinand zugezogen. Bei dieser Gelegenheit gab der Erzherzog einem jüdischen Unteroffizier einen Auftrag, Als der Unteroffizier sich entfernt hatte, meinte der Erzherzog : »Das ist ein treuer, verläßlicfier Mensch, dieser Unteroffizier : er ist ein galizischer Jude, und, wie man an seinem Barte erkennen kann, ist er orthodox,« Als der Unteroffizier mit seiner Meldung zurückkam, sagt der Erzherzog lobend : »Ihr seid ein braver BaUMilchome,« Auf Grund dieser Episode entspann sich eine längere Unterhaltung über die Juden als Soldaten, Ein Hauptmann lobte die vielen jüdischen Landstürmer in ihrer traditionellen Barttracht, die ihren schweren Dienst mit der größten Gewissenhaftigkeit ausüben. Der Erzherzog hörte aufmerksam zu und sagte dann: »Meine Herren, es freut mich, daß sich die Gelegenheit bietet, darüber zu reden. Seien Sie so gut und nehmen Sie zur Kenntnis, was ich für Erfahrungen mit meinen jüdischen Soldaten gemacht habe, Sie sind alle sehr gut zu verwenden und sehr tapfer. Die Juden haben sicii in meiner Divi= sion als Helden gesciilagen und idi bin mit ihnen sehr zufrieden.«

Zurückweisung anonymer antisemitisdier Verleumdungen durch eine deutsdie Militärbehörde.

Die stellvertretende 6, Infanterie-Brigade in Landau erließ nadistehende Be^ kanntmachung ;

»In der letzten Zeit wurden wiederholt durch anonyme Zuschriften schwere Anklagen gegen versdiiedene Heeresangehörige erhoben. Wenn nun auch die stellvertretende sechste Infanterie^Brigade solchen Ans diuldigungen sonst grundsätzlich keine Beachtung schenkt, so sieht sie sich doch veranlaßt, einer Anklage in der Öffentlichkeit entgegen« zutreten, die die Ehre eines nicht unbedeutenden Teiles unseres Heeres antastet. Es wurde nämlich durch anonyme Zuschriften unter anderem auch an der Tüchtigkeit und Verläßlichkeit von Heeresangehörigen jüdischer Konfession gezweifelt und der schwere Vorwurf erhoben, daß viele von ihnen Mittel und Wege wußten, sich dem Dienst in der Front zu entziehen. Diese Anschuldigungen sind durchaus unbegründet. Derstellvertretenden sechsten Infanterie-Brigade ist kein solcherFall bekannt geworden. Sie ist vielmehr überzeugt, daß unsere jüdischen Soldaten sich bemühen, hinter ihren christlichen Kameraden an Vaterlandsliebe, Opferwilligkeit und Tapferkeit keineswegs zurückzustehen. Wer aus konfessioneller Unduldsamkeit andere verdächtigt, hält schlecht zu seinem Kaiser, dessen Wort heute allen voranleuchten muß: »Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche,«

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Behördlidie Gewaltmaßregeln gegen die Juden in den von den Russen besetzten Gebieten.

<Ortginalberidit des JüdisAen Ardiivs.)

Während es sidi die Russen in vielen Teilen des von ihnen besetzten öster* reidiisdien Gebietes angelegen sein ließen, mit der polnisdien und ruthenisdien Bevölkerung in freundsdiaftlidie Beziehungen zu treten und sie durdi wohl- wollende Erlässe, Maßnahmen und verlod^ende Versprediungen an sich zu fesseln, verziditeten sie den Juden gegenüber völlig auf diese Versudie. Sie haben das zähe Festhalten der Juden an ihrem österreidiisdien Vaterlande sofort als unersdiütterlidi erkannt und gingen demgemäß vor, Nidit nur, daß die plündernden und mordenden russisdien Soldaten direkt auf die Juden gehetzt wurden, bemühte man sidi audi in offiziellen Erlässen und in den Zeitungen, die Juden als den einzigen Feind der russischen Herr* schaff hinzustellen und sie für alles verantwortlicb zu macben. Eine für diese Bestrebungen cbarakteristische Verfügung der russischen Behörde, die in Kolomea plakatiert war, erliegt im Jüdisdien Kriegsarchiv, Nacbstehend der Originalabdruck :

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ZAWIADAMIA/n CALA

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missta Kotomyi,

*e i»irli tMnitmm» tmtunif. «honiaiby ir DKJiliwbuiejnyeh

«(•ciMh Uni« kolcjowa, telcgruflcina lub talelonicius w rejoaie

BicjivowütH'i Uelatva. Kototijjs. ^siatyn. b^iip ca oel|

ludai««- Uraelick^ m. Kotomvi, ualaton^

imm EIIHTBIBÜCII:

i jrali takow» m> toMaai« laptacon«) « renBioi« trzeob doi.

b«<lxie caia ludnouM izni-Iicka miasta «vduloDfs trcb miajtc,

ktot« wojikami a^ laj^te.

NACZKI.NIK POWIATU K0».OmYJSKIE(M>

Ksiaze tobanow Rostowskl

Übersetzung: Bekanntmachung. Ich tue der gesamten israeliti- schen Bevölkerung der Stadt Kolomea kund, daß, wenn die Eisen- bahn, die Telegraphen* oder Telephonleitung im Rayon der Ortschaften Delatyn, Kolomea, Sniatyn auch nur im geringsten beschädigt werden

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sollte, der gesamten jüdischen Bevölkerung der Stadt Kolomea eine be- deutende Kontribution auferlegt werden wird und, wenn diese nidit binnen dreier Tage bezahlt wird, die ganzejüdische Bevölkerung der Stadt aus den vom Heere besetzten Teilen vertrieben wird. Der Vor^ Steher des Kolomeaer Bezirkes: Fürst Lobanow Rostowski.

Im gleidien Sinne sind nodi unzählige Erlässe der russisdien Militär* und Zivilbehörden gehalten:

Erlaß des Großfürsten Nikolay Nikolajewitsch an die Militär- gouvernements:

»Unsere Erfahrung in diesem Kriege hat uns die feindlidie Haltung der jüdi* sehen Bevölkerung, vollends Galiziens und der Bukowina, klargelegt. Sobald eine wesentlidie Aenderung in den Stellungen und Versdiiebungen unserer Heere stattfindet und jedesmal, wenn wir einen oder den anderen Distrikt temporär räumen, werden infolge der Einmisdiung von Juden vom Feinde grausame Maßregeln gegen die loyale niditjüdisdie Bevölkerung ergriffen. Um diese uns treu ergebene Bevölkerung gegen die Bedrückungen des Feindes und unsere Heere vor dem Verrat, den die Juden die ganze Front entlang üben, zu sdiützen, er^ aditet es der Hödistkommandierende der russisdien Streitkräfte für nötig, daß die Juden verbannt werden, sobald nur der Feind sidi zurüdtzieht, und daß Geiseln genommen werden, und zwar sollen die reichen oder vermögenden und die eine bevorzugte Stellung einnehmenden Juden zuerst und dann nament» lieh die einen großen Einfluß besitzenden Rabbiner der betreffenden Gemeinden ergriffen und als Gefangene nach dem Innern des Landes verschickt werden. (Vorderhand nadi der Provinz Kiew, wo sie in Konzen* trationslagern gehalten werden müssen.)

Die jüdisdie Bevölkerung sowohl wie die abgeführten Geiseln sind zu warnen und es mag ihnen klar gemadit werden, daß sie für jede strenge Maßregel, die vom Feinde der uns ergebenen loyalen Bevölkerung gegenüber ergriffen wird, verant* wortlidi gemadit werden. Gleidizeitig ist aber audi der uns ergebenen nichts jüdischen Bevölkerung klar zu machen, daß unsere Maßnahmen gegen die Juden zum Schutze der treu ergebenen Bevölkerung er^ griffen werden, nadidem die scdismonatige Kriegführung uns überzeugt hat, daß die jüdisdie Bevölkerung uns gegenüber illoyal und verräterisdi aufgetreten ist und für die Mitbevölkerung keinerlei Sympathien hat.

Die Regierungsbehörden der versdiiedenen Provinzen sind aufgefordert, die Juden nadi den links vom Dnjepr liegenden Provinzen einstweilig zu verbannen, und dem Minister des Innern bleibt es vorbehalten, über die weitere Versdiidcung der Ge* fangenen die nötigen Vorkehrungen zu treffen.«

Erlaß des russischen Generalgouverneurs in Lemberg Grafen Bobrinsky vom 13. (26.) Februar 1915.

»Infolge der Befehle des Oberkommandierenden der Armeen an der Südwestfront bestimmt der Militärgouverneur von Galizien angesidits der in letzter Zeit erhöhten Spionage durdi Juden auf Grund der Punkte 1, 2 und 3 des Gesetzes, betreffend die Ortsdiaften, die als im Kriegszustande befindlidi erklärt sind, folgendes:

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1. Personen jüdischer Nationalität ist der Eintritt in die Grenzen Galiziens untersagt,

2. Personen jüdisdier Nationalität ist untersagt, von einem Kreise Galiziens in einen anderen zu reisen.

3. Die Sd)uldigen werden im Administratiwerfahren mit Geldstrafen bis 3000 Rubel oder Arrest bis zu drei Monaten bestraft.

Die Durchführung dieser Verkündigung erfolgt durdi den Stadthauptmann von Lemberg, den Gouverneur von Galizien und die Chefs derjenigen Kreise, weldie nidit zum Bestand des Gouvernements gehören.«

* s

Erlaß des Festungskommandanten von Nowo-Georgiewsk an die ihm unterstellten Truppen des Festungsrayons.

27, November a. St. Nr, 89 : In deutsdien Blättern sind Artikel ersdiienen, worin davon gesprodien wird, daß die Deutsdien in den russisdien Juden hoffnungsvollen Verbündeten begegnen, die, abgesehen davon, daß sie für die Verproviantierung sorgen, als die besten, teilweise uneigennützigsten Spione ersdieinen, bereit zu allen Diensten, wenn nur zum Sdiaden der russisdien Interessen, In einem Siege der Deutsdien erblidten die Juden ihre Errettung vom Zarenjodie und von der Unter- drüdcung durdi die Polen, Analoge Mitteilungen treffen fortgesetzt audi von den Truppen ein. Zum Zwedce der Sidierung der Truppen gegen die sdiädlidie Tätig» keit der jüdisdien Bevölkerung hat der Oberbefehlshaber angeordnet, bei der Be- setzung von bewohnten Punkten von der jüdischen Bevölkerung Geiseln zu nehmen und die Bewohner darauf hinzuweisen, daß im Falle verräterisdier Tätig» keit irgendeines Ortsbewohners die Geiseln hingeriditet würden, und zwar nidit nur während der Periode der Besetzung des betreffenden bewohnten Punktes durdi unsere Truppen, sondern audi nadi dessen Räumung, falls dies erforderlidi werden würde. Bei Besetzung von bewohnten Punkten hat man sidi daher durdi eingehende Unter» sudiung zu überzeugen, ob Zubehör für drahtlose Telegraphie vorhanden sei und ob sidi eine Signalstation, Brieftaubenstationen, unterirdisÄe Telegraphenanlagen usw. vorfinden. Mit den dabei betroffenen Personen ist nadi der ganzen Strenge des Gesetzes zu verfahren. Auf Grund des Telegramms des Generals Oranowski Nr. 3432, der Kommandant des Festungsrayons: G. d. K. Bobyr.

Der Befehl wurde am 2, Dezemberi 914, abends 6 Uhr, von der Drudcerei aus» gegeben.

Der deutsdie Botsdiafter in Washington über die Juden,

<New=york, im Jänner 1914.)

Der deutsdie Botsdiafter in Washington Graf von Bernstorff hat Herrn Dr. S. M e 1 a m e d, einen Mitarbeiter der »New»yorker Staats» Zeitung«, empfangen und eine Reihe von Fragen über die Lage der Juden in Polen beantwortet. Aus den Darlegungen des Diplomaten geht hervor, daß die Juden unter Deutschlands Sdiutz gut aufgehoben sind, und daß die deutsdie Regierung nadi Kräften bemüht ist, deren trauriges Los zu erleiditern. In weldier Weise die Deutsdien die Juden in Polen behandeln, ersieht man aus folgender Erklärung des Botschafters:

»Idi höre oft von Berlin über die Lage der Juden in Polen und will Ihnen alles mitteilen, was mir darüber bekannt ist. Idi kann zunädist ver* sidiern, daß die deutsdie Verwaltung in Polen die prekäre Lage der dortigen Juden nidit ignoriert und daß sie alles tut, was in ihrer Madit ist, um

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die Not 2u lindern, Idi betone ausdrüdtlidi, was in ihrer Madit ist, weil Sie bedenken müssen, daß die Lage der Juden in Polen eine tausendmal traurigere ist, als die Lage der Belgier, ob* gleidi in Amerika von der Not in Belgien so viel dieRede ist, während von derNot inPolen garnidit gesprodien wird,

Idi bitte nidit zu übersehen, daß die Belgier nur den Deutsdien gegen* überstehen. Der Krieg fladtert nidit mehr in Belgien selbst, und der überaus größte Teil des Landes weiß nidits mehr von dem unmittelbaren Sdiredten des Krieges, Die Lage der Belgier ist bei weitem nidit eine so verzweifelte, wie die der polnischen Juden, Nadi und nadi kehrt jetzt Belgien zu nor* malen Verhältnissen zurüd^,- zudem werden die Belgier von vielen Seiten unterstützt, während für die polnisdien Juden viel weniger getan wird, Audi ist die belgisdie Bevölkerung im allgemeinen eine wohlhabende, während die jüdisdie Bevölkerung in Polen audi in Friedenszeiten eine überaus arme ist.

Man kann also Polen mit Belgien gar nidit vergleidien. Die dortige Bevölkerungwar sdion vordemKriegepauperisiert und ist jetzt ruiniert. Daß wir keine Feinde der polnisdien Juden sind, wissen diese selbst sehr wohl. Wir haben es durdi Taten bewiesen. Unsere Soldaten teilen oft das Brot mit den armen Juden in Polen, und unsere Verwaltung tut ihr Bestes, um die Not zu lindern, Idi will Ihnen nur ein paar Tatsadien mitteilen, die Ihnen bis jetzt sidierlidi unbekannt waren : Tausende von polnisdien Juden des Grenzgebietes sind nadi Westpreußen geflüditet, wo sie freundlidie Aufnahme gefunden haben und wo deutsdier* seits alles getan wird, um sie nidit hungern zu lassen. Die meisten haben bei uns Unterkunft gefunden und sind jedenfalls viel besser dran, als ihre Glaubensgenossen, die in Polen geblieben sind. Soviel über die Lage der Juden in Polen und was wir für sie tun,«

Was denkt man in Deutsdiland über die Leistungen der jüdisdien Soldaten in diesem Kriege? war die nädiste Frage des Herrn Dr, Melamed,

»Idi kann Ihnen nur sagen,« antwortete Graf Bernstorff, »daß unsere jüdisdien Soldaten sidi glänzend sdi lagen, Sie sind tapfer, mutig und in telligent u nd unsere Regier ung weiß das zu schätzen. Bisher sind ungefähr 800 jüdisdie Soldaten mit dem Eisernen Kreuz auzgezeidinet worden und 200 jüdisdie Soldaten sind auf dem Sdiladitfelde zu Offizieren ernannt worden, Sie wissen wohl, daß man bei uns nidit umsonst das Eiserne Kreuz erhält. Von den 800 jüdisdien Soldaten, die diese Auszeidinung erhielten, können Sie sidi wohl denken, daß sie tapfer und heldenmütig ^kämpft und sowohl die deutsdie Regierung als das deutsdie Volk wissen die Tapferkeit der jüdisdien Soldaten riditig einzusdiätzen.«

Glauben Exzellenz, daß der Eindrudc, den diese kriegerisdien Leistungen der Juden gemadit hat, irgendweldie politisdien Folgen nadi sidi ziehen werde?

»Die Folgen sind sdion jetzt siditbar,« antwortete Graf Bernstorff. »Vor dem Kriege genossen die deutsdien Juden alle politisdien und bürgerlidien Redite und Freiheiten, nur Offiziere konnten sie nidit werden, N i di t deshalb, weil die Regierung dagegen war, sondern weil sie von dem Offizierskorps niÄt gewählt worden sind.

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Die Regierung konnte beim besten Willen nichts dagegen tun, weil unsere Offizierskorps in dieser Frage vollständig autonom sind. Jetzt sind aber im deutschen Heere etwa 200 Offiziere jüdisdien Glaubens, mit anderen Worten, die Madit der Ereignisse hat sidi stärker erwiesen als die Vor* urteile der deutsdien Offizierskorps. Da nun dieses bis jetzt existierende Vorurteil in nidit weniger als 200 Fällen gebrodien wurde, so darf man ruhig behaupten, daß das Vorurteil als soldies überhaupt nidit mehr existiert. Sobald ein Regiment einen oder mehrere Juden zu seinen Offizieren zählt, wird in der Zukunft ein jüdisdier Offiziersaspirant wegen seines Judentums nidit mehr abgewiesen werden können. Diejüdisdie Offiziersfrage in Deutsdiland kann als gelöst betraditet werden.«

Im Laufe der Unterhaltung ließ sidi Graf Bernstorff über die soziale und politisdie Stellung der Juden in Deutsdiland aus : »Kein englisdier oder amerikanisdier Jude nimmt eine soldie Stelle in seinem Lande ein, wie etwa Herr B a 1 1 i n in Deutsdiland, Der deutsdie Kaiser nennt viele jüdisdie Herren seine Freunde. Bis jetzt ist es den Juden in Deutsdiland nidit sdiledit gegangen. Sie hatten die Möglidikeit, ihre wirtsdiaftlidien und inteU lektuellen Kräfte zu entwid^eln und zu einem großen Faktor im Leben Deutsdilands zu werden. Sie haben dank ihrer Energie und Begabung auf allen Gebieten des wirtsdiaftlidien und geistigen Lebens Großes geleistet und die starke Position gesdiaffen.

Es ist wahr, der Antisemitismus war weit verbreitet, aber nadi dem Kriegewird der Judenhaß vollständigversdiwinden, denn erstens wird das Volk nadi dem Kriege viel demokratisdier werden und zweitens ist das deutsdie Volk von derTreue der deutsdien Juden zum Reidi und von ihrer ehrlidien Anteilnahme am jetzigen Kriege überzeugt.

Sie müssen audi nidit übersehen, daß der Antisemitismus in Deutsdi* land zum größten Teil unter dem Adel verbreitet war, Durdi eine Kette von Umständen und Sdiidisalen haben sidi die Juden in einen Zweig des Lebens in den wirtsdiaftlidien sozusagen hineingekapselt. Mittlerweile ist der Handel zur Großmadit geworden und hat fast alle anderen Faktoren überflügelt. Der Adel ist sozusagen zurüd^geblieben. Bei dieser Lage der Dinge ist eine gewisse Erbitterung des Adels gegen die Juden, die so viel zum wirtsdiaftlidien Aufsdiwunge Deutsdilands beigetragen haben, aufge- kommen. Es kommt nodi hinzu, daß der deutsdie Adel auf diesem Gebiete nidit historisdi denkt. Bei vielen Adeligen aber war der Antisemitismus ein töriditer, politisdier Sport, Aber jetzt kommen andere Zeiten, Der Krieg wird das Volk demokratisiert haben, wodurdi sdion an sich die Madit des Adels bedeutend geringer wird, und für töriditen Sport wird die Zeit zu ernst. Daß idi selbst kein Antisemit bin, werden Sie wohl wissen. Sdion einer meiner Ahnen hat auf dem Wiener Kongreß für die Juden plädiert, Idi zähle viele Juden zu meinen besten Freunden, Idi bin fest überzeugt, daß, soweit Deutsdiland in Betradit kommt, der Antisemitismus als abgetane Sadie betraditet werden kann, Nadi dem Kriege wird die iüdisdie Emanzipation ganz und voll durdi- geführt,«

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Stellung der amerikanisdfien Juden zum Kriege.

(BeriAt aus New*york, 20. Jänner 1915.)

Die Sympathien der jüdiscfien Volksmasse Nordamerikas in dem Ringen sind, das unterliegt keinem Zweifel, auf Seiten Deutsdilands und österreidi^Ungarns, Dies erhellt unzweideutig aus der Haltung der sehr verbreiteten yiddischen Presse New*yorks und der Provinz.

In den Vereinigten Staaten besteht eine viel gelesene Presse in jüdischer Spradie im deutsdi^jüdischen Idiom der Juden Europas. Die fünf yiddisdien Tageblätter in New-York allein <es waren bisher nur vier, das fünfte wurde während des Krieges gegründet) ersdieinen in einer Gesamtauflage von etwa 600.000 Exemplaren täglidi, wovon fast ein Drittel, 180.000 Exemplare auf den sozialistisdien »Vorwärts« entfällt. Diese Presse wird in einem der Zentralmädite durdiaus freundlidien Geiste redigiert. An Versudien, sie in das Fahrwasser der Ententemächte hinüberzuleiten, hat es aller* dings nicht gefehlt, indes ohne Erfolg. So wurde der Chefredakteur und Gründer der Tageszeitung »Wahrheit«, Luis Miller, der auch einen großen Teil der Aktien des Blattes besitzt, infolge der Proteste der Leser zum Rücktritte gezwungen, als er den Versucii unternommen, Stimmung für die Ententemädite zu machen.

Die Juden Nordamerikas sind natürlich weit davon entfernt, Haßgefühle gegen Frankreich und England zu hegen. Im Gegenteil. Indessen eraditen sie es als ein großes Verbrechen an der Zivilisation, daß diese beiden sonst so fortgesciirittenen Länder gemeinsame Sache mit der reaktionärsten Macht der Welt gcmadit haben, mit dem Zarismus, der das jüdisdie Volk in Rußland auf die unmensdilidiste Weise knebelt und martert. Die Juden Nordamerikas können keineswegs die geradezu kindiscfi an- mutenden Illusionen fortgescfirittener und sogar sozialistischer Kreise Frankreidis und Englands teilen, die im Fieber des Kriegsenthusiasmus vom Einfluß der Bundes-^ genossensdiaft der Westmächte auf den Zarismus eine Bekehrung des letzteren zur Gesittung, zur Menschlichkeit und zur Gereditigkeit gewärtigen, Sie, die ja größtenteils vor den Verfolgungen der russischen Regierung Zuflucht jenseits des Ozeans haben suchen müssen, wissen nur zu gut, was von den Versprechungen der Zarenknechte zu halten ist. Die grausamsten Peinigungen und Massenhinrichtungen von Juden im polnisdien Operationsgebiet haben die bösesten Ahnungen der amerikanischen Juden zu Beginn des Krieges weit übertroffen, so daß, wer heute von einer Kurs^ ändcrung in Rußland zugunsten der Juden spräche, nicht ernst genommen werden würde.

L. Ch.

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Dekorierte jüdische Soldaten.

Erste Serie.

Die Zahl der in dem gegenwärtigen Kriege ausgezeidineten jüdisdien Offiziere und Soldaten ist sehr groß. Wir bringen hier eine Reihe Namen soldier, die mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille, der Silbernen Tapferlieits* medaille erster Klasse und dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeidinet wurden. Beispielsweise skizzieren wir bei einigen audi die Taten, für die sie Auszeidinung erhielten.

Goldene Tapferkeitsmedaille.

Adler Alexander, Med., Einjährig-Frei- williger Zugsführer in der polnischen Legion,

meldete sich, als der Oberst an sein Regiment die Frage richtete, wer es wagen würde, in den ersten Morgen- stunden die jenseits des Flusses gut verschanzten Batterien des Feindes zu erkunden. Um drei Uhr Morgens schwamm er, als polnischer Jude verkleidet, über den Fluß. Nachdem er vorsichtig die Positionen der russischen Artillerie ausgekundschaf- tet und genaue topographische Auf- zeichnungen gemacht hatte, schwamm er nach anderthalb Stunden wieder zu- rück. Die nachgesandten Kugeln die Russen hatten ihn zu spät bemerkt trafen ihn zum Glücke nicht. Der Er- folg blieb nicht aus, denn an dem- selben Tage gerieten sieben feind- liche Geschütze in unsere Hände. Der Oberst küßte den Helden, der auch zum Kadett - Feldwebel befördert wurde.

Alexander Bela, Einjährig-Freiwilliger Titular - Feldwebel, Infanterie - Regi- ment Nr. 12,

führte, da kein Offizier da war, eine Kompagnie des 12. Infanterie-Regi- mentes ohne höheren Befehl zum Sturme. Der Sturmangriff war erfolg- reich, den Unsrigen fielen ein Oberst, zwei Leutnants und 170 Mann als Gefangene, sowie ein geheimer feind- licher Kriegsplan in die Hand, mit dessen Hilfe am darauffolgenden Tage mehrere tausend Russen in un- sere Hände fielen. Alexander wurde auch vom Divisionär persönlich be- lobt und erhielt auch vom deutschen Kaiser das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.

Bauer Samuel, Reserve - Korporal, Infanterie- Regiment Nr. 76. Beer Oskar, Zugsftihrer, Honved- Infanterie-Regiment Nr. 1, übernahm, als bei Grodovice der Ba- taillonskommandant verwundet wur- de und die übrigen Offiziere gefallen waren, das Kommando und hielt auf den Felstiner Höhen den Feind elf Tage lang auf, bis er Verstärkungen erhielt. Wurde auch auf dem Schau- platze seiner heldenmütigen Waffen- tat zum Stabsfeldwebel befördert. Eisler Otto, Dr., Einjährig-Freiwilli- ger Korporal.

Fuhrmann David, Infanterist des Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 22, war bei einer Patrouille eingeteilt, die einen Wald aufzuklären hatte, aus dem der Feind abgezogen sein sollte. Als der Patrouillenkommandant fiel, übernahm er das Kommando und war eifrigst tätig, feindliche Infanterie, welche sich auf Bäumen versteckt hielt und auf unsere Infanterie ein leb- haftes Flankenfeuer abgab, mit Erfolg herunterzuschießen, ebenso die auf einem Baume befindliche Bedienungs- mannschaft eines Maschinengewehres und erbeutete dieses. Fuß Mendel, Feldwebel des Land- wehr-Infanterie-Regimentes Nr. 18. Gottlieb Armin, Sanitätsunteroffizier. Grün Leopold, Ersatzreservist, Infan- terie-Regimnet Nr. 54. Grünfeld Richard, Fähnrich, wegen unerschrockener Verteidigung von Fahrküchen. Mit fünf Mann nahm er sechzig Russen gefangen. Er wurde auch zum Leutnant befördert. Heller Hermann, Zugsführer, Infan- terie-Regiment Nr. 93.

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Jellinek Josef, Dr., Fähnrich, Husaren- Regiment Nr. 1,

hat die Aerzte seines Regiments miter eigener Lebensgefahr aus den Händen der Russen gerettet. Klein Adam, Titular-Wachtmeister, führte trotz des heftigsten feindHchen Feuers dreimal Kähne und im ganzen 47 Soldaten über die Drina. Klopper Hermann, A. H. d. »jüdischen Lese- und Redehalle" in Wien, wurde auch zum Leutnant befördert und erhielt das „Signum laudis". Klß Samuel, Korporal, Infanterie-Re- giment Nr. 55.

Kraus Julius, Dr., auch Besitzer der Silbernen Tapferkeitsmedaille L Kl., A. H. der„Makkabäa" (Budapest). Löwy Ludwig, Fähnrich, Infanterie- Regiment Nr. 102. Munk Ignaz, Landsturmmann, zum Feldwebel befördert, Mitglied des Vivo es Atletikai-Club. Polifka Friedrich, Ingenieur, Fähnrich der Reserve, zum Leutnant befördert. PoUak Alexander, Fähnrich der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 86. Reif Julius, Landwehr-Infanterie-Re- giment Nr. 31.

Reif JuHus hat sich durch eine Reihe von Heldentaten hervorgetan: Am 24. Ai^gust 1914 eilte er im Ge- fecht bei Suchodol allein der dritten Kompagnie voraus, entfernte die feindlichen Distanzpflöcke und nahm an der Spitze seiner Kameraden im Sturm die feindlichen Stellungen. Hlefür wurde er sofort zum Korporal ernannt. Am 27. August hielt er allein mit 12 Mann im heftigsten Feindes- feuer aus. Am nächsten Tage führte er, mit einem Zugskommando be- traut, den Zug taktisch richtig gegen die feindliche Stellung und trug wesentlich zur Zurückdrängung des Feindes bei. Mit 70 Mann griff er 100 Russen an, stach erst den feind- lichen Kommandanten nieder und jagte die Hälfte des Feindes in die Flucht, nachdem er die übrigen getötet hatte. Später ging er auf eine Anhöhe vor, wo vier feindliche Maschinengewehr- Abteilungen aufgestellt waren, nahm deren Bedeckung gefangen und er- beutete die Maschinengewehre. Hie- rauf erfolgte die sofortige Beförde- rung zum Feldwebel. Gleichzeitig mit der goldenen Tapferkeitsmedaille er-

hielt er eine Ehrengabe von K 200. . In einem Brief, den der Adjutant des Bataillons des 31. Landwehr-Infan- tcrie-Regimentes an die Mutter des fälschlich todgeglaubten Helden rich- tete, wird dieser „für ewige Zeiten ein Glanzpunkt in der ereignisreichen Geschichte des tapferen Regimentes" genannt.

Roth Jakob, Zugsführer, Jäger-Ba- taillon Nr. 9.

Sachs Georg aus Oderberg, Infan- terie-Regiment Nr. 56. Schapira Aron, Zugsführer, Ulanen- Regiment Nr. 7,

auch Besitzer der Silbernen Tapfer- keitsmedaille erster Klasse, zog trotz Warnung mit einer aus sechs Mann bestehenden Erkundungspatrouille in das von Russen besetzte Bochnia ein. Auf dem Hauptplatz der Stadt er- öffnete er gegen dort postierte 150 Russen das Feuer, die sich in der Meinung, daß eine ganze Eskadron folge, ergaben. Unter den Gefangenen befand sich auch ein Major, den Schapira im Anreiten kampfunfähig machte.

Weiner Siegfried, Leutnant des Land- wehr-Infanterie-Regimentes Nr. 13, leistete in achtzehn Gefechten und drei Schlachten ganz Hervorragendes und wurde im zweiundzwanzigsten Ge- fecht, eben als er seinen Zug zum Sturmangriff anfeuerte, von einer Feindeskugel tödlich getroffen. Seine Auszeichnung erfolgte nach dem Tode. Weinstein Paul, Fähnrich, Mitglied der jüdisch-akademischen Verbindung „Unitas",

erhielt vom Brigadier den Auftrag, zwecks Haltung eines Ortes ein Ge- schütz mit Munitionswagen bis in die Schwarmlinie vorzubringen. Wein- stein kam infolge Schnell- und Ma- schinengewehrfeuers der Feinde nur mehr mit dem Zugsführer, dem Vor- meister und dem Kanonier in der Schwarmlinie an. Er griff aber trotz- dem sofort in das Gefecht ein und richtete selbst das Geschütz, während der Zugsführer tempierte. Die Feinde schickten sich an, das Geschütz zu stürmen. Weinstein fuhr darauf an den Abzugshebel, die vorbereitete Kartätsche richtete Verheerungen an. Morgens wiederholte sich der Sturm und die Verteidigung beinahe genau

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in derselben Weise. Und so ging es fünf lange Nächte, dreimal in jeder Nacht ohne daß die Verteidiger auch nur eine Stunde Zeit zum Schla- fen gehabt hätten. Weinstein hörte nicht auf, die Seinigen zum Ausharren anzufeuern. Am Nachmittag des fünf- ten Tages wurden die Feinde von einer Brigade der Unseren im Rücken gefaßt und vernichtet.

Werner Siegfried, Korporal, dann Feuerwerker.

Widrich Kurt, Dr., Reit. Artillerie- Division Nr. 2, auch Eisernes Kreuz II. Kl. Winterstein Sigmund, Gefreiter, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 14. Wittmann Josef, Zugsführer, Feldka- nonen-Regiment Nr. 11.

Wolfsliaut Naftali, Infanterist, Infan- terie-Regiment Nr. 37. Woroczek David, Rechnungsunter- offizier, Landwehr - Infanterie - Re- giment Nr. 36.

Wunderlicli Willielm, (Stationsleiter Rawaruska), Fähnrich im Telegr.-Re- giment,

hat als Stationsleiter während der Be- schießung von Rawaruska den Betrieb der Station aufrechterhalten und sie erst am nächsten Tage auf Befehl ab- getragen. Auch hat er die von ihm gebaute Leitung Krakowice Racha- zow unter feindlicher Einwirkung durch seinen persönlichen Einfluß so abtragen lassen, daß Mann und Ma- terial geborgen werden konnten. Zauderer Maximilian, Rechnungsun- teroffizier, Infanterie-Regiment Nr. 37.

Silberne Tapferkeitsmedaille erster Klasse.

Adler Josef, Titular - Zugsführer, In- fanterie-Regiment Nr. 68. Altmann Simon, Oberjäger, Jäger-Ba- taillon Nr. 27.

Adler Richard, Freiwilliger Automo- bilist,

hat gelegentlich des Angriffes des Gegners von Zamocs gegen Tomas- cow, sich freiwillig dem Befehle des dort kommandierenden Offiziers mit seinem Automobil unterstellt und tiotz feindlichen Artilleriefeuers die ihm übertragenen Aufgaben mit be- stem Erfolg gelöst. Asciiermann Oskar aus Prag, auch zum Leutnant befördert und zum Bataillonsadjutanten ernannt. Bardacli Micliaei, Reserve-Kadett, In- fanterie-Regiment Nr. 60. Beck Otto, Zugsführer, Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 1. Beermann Robert, Oberingenieur, Fähnrich der Reserve, Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 9. Berger Hermann, Feldwebel, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 2. Berger Karl, Fähnrich der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 71. Berger Max, Einjährig - Freiwilliger Korporal, ungarisches Landwehr-In- fanterie-Regiment Nr. 1. Bergmann Chaim, Zugsführer, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 35. Bergmann Josef, Leutnant der Reser- ve, Feldkanonen-Regiment Nr. 15.

Bermann Paul, Kadett in der Reserve, Landwehr - Ulanen - Regiment Nr. 4. Bernfeld Leib, Gefreiter, Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 36. Biel Josef, Feldwebel, Infanterie-Re- giment Nr. 71.

Billig Josef, Korporal, Landwehr-In- fanterie-Regiment Nr. 36. Blau Adolf, Zugsführer, Infanterie- Regiment Nr. 72.

Blau Otto, Fähnrich, Feldjäger-Ba- taillon Nr. 21.

Blech Julius, Oberjäger, Jäger-Ba- taillon Nr. 30.

Bleiberg Leopold, Fähnrich der Re- serve, Landwehr - Infanterie - Regi- ment Nr. 20.

Bloch Hans, Wachtmeister, II. Train- Division.

Bloch Kurt, Kadett in der Reserve, Sappeur-Bataillon Nr. 4. Bloch Leo, Korporal, Infanterie-Re- giment Nr. 71.

Boros Stefan, Fähnrich, Infanterie- Regiment Nr. 39,

für eine Waffentat, durch die eine feindliche Abteilung, darunter ein Generalstabshauptmann, gefangenge- nommen wurde.

Boszar Aron, Zugsführer, Husaren- Regiment Nr. 10.

Brammer Rudolf, Zugsführer, süd- licher Kriegsschauplatz, auch daselbst gefallen.

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Breit Adolf, Reservist, Infanterie-Re- giment Nr. 75,

rettete viele Kameraden im heftigsten Artilleriefeuer vor dem Ertrinken im Sumpfgraben.

Buxbauni, Zugsführer, Landsturm- Regiment Nr. 38.

Deutsch Alexander, Oberjäger, Lan- desschützen-Regiment Nr. 3. Deutsch Anton, Feldwebel, Infanterie- Regiment Nr. 60.

Deutsch Israel, Zugsführer, Infanterie- Regiment Nr. 85.

Deutsch Josef, Wachtmeister, Dra- goner-Regiment Nr. 3. Deutsch Korneil, Kadett in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 69. Diamandstein Friedrich, Kadett, Infan- terie-Regiment Nr. 16. Dinczer Bela, Kadett in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 87. Diener Jakob, Gefreiter, Infanterie- Regiment Nr. 6.

Ehrenstein Adolf, Kadett in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 52. Eisler Eugen, Fähnrich, Sektionsleiter des jüdischen Sportclubs „Hakoah", auch zum Leutnant befördert. Eisler Hugo, Fähnrich, I. Feldkompa- gnie, Infanterie-Regiment Nr. 81. Engländer Sam., Infanterie - Reg! - ment Nr. 34.

Ercsi Moses, Zugsführer, Jäger-Ba- taillon Nr. 23.

Erwinger Philipp, Rechnungsunter- offizier, Infanterie-Regiment Nr. 6. Fantl Andor, Infanterist im Infanterie- Regiment Nr. 32.

Andor Fantl hat mehr als 100 Ver- wundeteinmitten des heftigsten Feuers aus der Feuerlinie gerettet und auf der Schabatzer Brücke heldenmütige Beweise seiner Kaltblütigkeit und seiner kameradschaftlichen Liebe ge- liefert. Er wurde noch auf dem Kampf- platze vom Infanteristen zum Zugs- führer befördert und der Divisionär Erzherzog Josef heftete ihm die Aus- zeichnung persönlich an die Brust. Interessant ist, daß der Vater des Andor Fantl, Moritz Fantl, auch als Soldat bei der bosnischen Okkupa- tion mitgefochten hat und daß jetzt seine beiden Söhne und sein Schwie- gersohn, das heißt sämtliche männ- lichen Mitglieder seiner Familie, für das Vaterland kämpfen.

Fessler Franz, Reserve-Zugsführer, Infanterie-Regiment Nr. 14, rettete seinen Major und Oberleutnant vor dem sicheren Tode, schlug einen feindlichen Kosakenüberfall mit seiner Abteilung zurück und entriß dabei sehr viel Pferdematerial der Ma- schinengewehrabteilung seines Re- gimentes dem Feinde. Fessler Osias, Rechnungsunteroffizier, Infanterie-Regiment Nr, 56. Fischer Heinrich, Fähnrich in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 25. Fischer Leo, Vormeister, Haubitzen- Regiment Nr. 2.

Fischer Samuel, Infanterie - Regi- ment Nr. 37.

Fieischmann Heinrich, Oberjäger, Feldjäger-Bataillon Nr. 6. Frank! Alois, Fähnrich in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 72. Freimann Abraham, Korporal, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 18. Friedl Eduard, Leutnant der Reserve, Feldjäger-Bataillon Nr. 9. Friedmann Aladar, Korporal, Husa- ren-Regiment Nr. 12. Friedmann Ignatz, Zugsführer, Infan- terie-Regiment Nr. 34.

Friedmann Josef, Vormeister, Feld- haubitzen-Regiment Nr. 11.

Friedmann Oskar, Fähnrich in der Re- serve, Feldjäger-Bataillon Nr. 21, erhielt die Auszeichnung nach dem Tode in der Schlacht; zugleich auch die Ernennung zum Leutnant. Geller Chaskiel, Zugsführer, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 17. GerstI Julius, Einjährig-Freiwilliger Korporal, (Blau Weiß-Führer Wien), lag mit seinem Schwärm in der Schützenlinie, kaum 300 Meter vom Feinde entfernt, und war untröstlich darüber, daß tags zuvor ein drei- maliger Sturm auf die feindliche Po- sition, der seiner Abteilung 40 Mann kostete, erfolglos geblieben war. Es kam ihm der Gedanke, sich mit seinen Leuten unter dem Schutze der Nacht an den Feind heranzuschleichen und ihn zu überrumpeln. Gedacht getan. Er teilte die ihm unterstellte Mann- schaft in zwei Gruppen und befahl ihr, sich von zwei Seiten lautlos an die feindliche Stellung heranzuschlei- chen. Das Stückchen gelang. Ehe sich's die Russen versahen, erhob sich

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eine Menge schwarzer Gestalten, wie aus dem Boden gestampft, unmittel- bar vor ihrem Graben, schoß in sie eine Salve hinein und rief eine der- artige Verblüffung hervor, daß sich die ganze russische Abteilung von über 100 Mann ergab und zwei Ge- schütze samt Bespannung erbeutet wurden.

Für seine glänzende Waffentat be- kam er auch das goldene Verdienst- kreuz, die Beförderung zum Fähnrich und vom deutschen Kaiser das Eiserne Kreuz.

Glanzer Adolf, Stabsfeldwebel, Feld- jäger-Bataillon Nr. 8. Glattstein Ignaz, Infanterist, Infan- terie-Regiment Nr. 34. Goldstein Arnold, Patrouillen-Führer, Jäger-Bataillon Nr. 17, hat als Bauer verkleidet, unter höch- ster Lebensgefahr eine Erkundigung im Feindesland durchgeführt und seine Kompagnie aus einer verhäng- nisvollen Situation gerettet. Gottlieb Armin, Unterjäger, Jäger- Bataillon Nr. 24.

Brief des Reserveoberleutnants des 24. Feldjäger - Bataillons Dr. Josef Holion an den „Egyenlösseg" vom 4. Jänner 1915: „Ich liege im Schützen- graben und die moskowitischen Ka- nonen sekkieren mich sehr. Ich schreibe Ihnen daher nur kurz über den Fall des Sanitätsunteroffiziers Armin Gottlieb. In Zivil ist er jüdi- scher Marktfahrer, hat zu Hause in Budapest in der Szabolcsgasse Nr. 11 eine Frau und vier Kinder. Er ist vom ersten Kriegstage an auf dem Kriegs- schauplatze, holt Tag und Nacht unter dem heftigsten Kugelregen an der Front die Verwundeten herbei und versorgt sie. Er ist ein wahrer Held. Er wurde außertourlich zum Unterjäger befördert und erhielt dann die große Tapferkeitsme- daille. Er wurde wohl auch von zwei russischen Kugeln getroffen, blieb jedoch dort und versieht mit Selbst- aufopferung seine Pflicht für unser Bataillon. Selbst wenn er nicht geru- fen wird, bewegt er sich immer hurtig bei der Schwarmlinie hin und her und fragt immer, ob es keine Verwundete zu versorgen gebe." Graubart Siegfried, Kadett in der Re- serve, Tiroler Jäger-Regiment Nr. 4.

Grcza Samuel, Unterjäger, Jäger-Ba- taillon Nr. 23.

Groß Eugen, Fähnrich, Infanterie-Re- giment Nr. 39.

Grössing Samuel, Feldwebel der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 76. Grün Leopold, Infanterist, Infanterie- Regiment Nr. 54.

Grünfeld Viktor, Leutnant, Infanterie- Regiment Nr. 69.

Grünwald Ignaz, Titular-Zugsführer, Infanterie-Regiment Nr. 68. Grünwald Siegfried, Pionier, Fluß- minenabteilung Nr. 2. Grünspan Berthold, Reservepionier. Gubbi Jakob, Fleischhauer, Infanterist, auch Eisernes Kreuz II. Klasse. Guttmann Emanuel, Infanterist, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 31. Gutwein Jakob, Zugsführer, Pionier- Bataillon Nr. 4.

Hartmann Georg, Dr., Vizefeldwebel der Landwehr, aus Breslau, auch Be- sitzer des Eisernen Kreuzes. Hartstein Jakob, Zugsführer, Infan- terie-Regiment Nr. 5. Hausknecht Juda, Infanterist, Infan- terie-Regiment Nr. 24. Hechter Eugen, Feuerwerker, Feld- kanonen-Regiment Nr. 2, wurde auch durch folgende Ansprache des Thronfolgers Erzherzog Karl Franz Josef ausgezeichnet: „Lieber Feuerwerker, es freut mich, Sie kennen gelernt zu haben. Bleiben Sie weiter so brav und lassen Sie sich durch nichts abhalten, wenn es gilt, dem Vaterlande nützliche Dienste zu leisten.

Heller Karl, Titular-Feldwebel, Infan- terie-Regiment Nr. 39. Heller Karl, Korporal, Infanterie-Re- giment Nr. 81.

Heller Max, Wachtmeister, Dragoner- Regiment Nr. 1.

Hersch Jakob, Stabsfeldwebel, Infan- terie-Regiment Nr. 63. Herz Ernst, Titular-Feldwebel, aus Budweis.

Hesz Lazar, Fähnrich in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 69. Hilserat Gedalje, Feldwebel, Infan- terie-Regiment Nr. 24, während eines Angriffes lief er zu allen Teilen der Kompagnie und feuerte die Mannschaft an, stürmte im feind-

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liehen Feuer voraus, um den Feind zu erkunden und wurde am Halse schwer verwundet. Hirschl Ernst, Portier der Firma Ignaz Spiro &. Söhne. Hoimann Moritz, Stabsfeldwebel, In- fanterie-Regiment Nr. 92, hat auf einem Patrouillengang die Lage des Feindes erkundet, einen feindlichen Reiterangriff abgewiesen und dabei auch zwei Reiter gefangen genommen.

Horowitz, Offiziersdiener, Infanterie- Regiment Nr. 67.

Hüttner Isak, Zugsführer, Landwehr- Regiment Nr. 19.

Ipolyl Ernst, Architekt, Zugsführer. Jesler Nute, Gefreiter, Infanterie-Re- giment Nr. 4L

Kabal Samuel, Kadett - Feldwebel, Landsturm-Regiment Nr. 7. Kalmann Josef, Feldwebel, Telegr.- Regiment.

Kalmar Simon, Kadett der Reserve, Tiroler Jäger-Regiment Nr. 2. Kalniusz Jakob, Korporal, Infanterie- Regiment Nr. 6.

Kapik David, Korporal, Pionier-Ba- taillon Nr. 7.

Kasler Sandor, Offiziersdiener, zeichnete sich durch hervorragende Beteiligung an der Eroberung feind- licher Gescbütze aus, verband mehrere Soldaten im größten Kugelregen und einen Obersten im Artilleriefeuer. Kassner Heinrich, Dr., Reserve-Fähn- rich, Landwehr - Infanterie - Regi- ment Nr. 25.

Kaufmann Hans, Fähnrich in der Re- serve, Landwehr - Infanterie - Regi- ment Nr. 2L

Kaufmann Moritz, Fähnrich in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 8.

Am 8. Oktober erhielt das Bataillon, dem Fähnrich Kaufmann angehört, den Befehl, einen von feindlichen Kräften besetzten Wald zu säubern. Der dichte Wald hinderte die Vor- wärtsbewegung der Truppe, so daß eine Lockerung der Verbände not- wendigerweise eintrat. Fähnrich Kaufm.ann sah sich bald mit seinem Zuge ganz allein, als plötzlich ein Mann unter Aufschrei zusammen- stürzte. Jetzt gab's keine Zeit zu ver- lieren. Er lief allein nach vorwärts, um das Vorterrain zu erspähen. Bald erreichte er die Waldlisiere, orien-

tierte sich und stürmte mit seinem Zuge plötzlich aus dem Walde her- vor, machte in einer Entfernung von 200 Schritten vom Gegner eine Front- veränderung und gelangte so direkt in die Flanke der befestigten Stellung der Russen, dabei die eigene Flanke deckend. Nach Aufnahme des Feuers seines Zuges lief Fähnrich Kaufmann in den Wald zurück, sammelte Ver- irrte des Regimentes und setzte diese in der Verlängerung seines Flügels ein. Sein Vorgehen bedingte ein star- kes Exponieren seiner Person, wo- durch er zur Zielscheibe der Russen wurde. Dessenungeachtet beobachtete er die Wirkung des eigenen Feuers und kam weiter seinen Verpflichtun- gen als Zugskommandant nach, bis er, von einer feindlichen Kugel getroffen, schwerverletzt aus der Schwarm- linie getragen wurde. Kaufmann Moritz, Fähnrich in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 8. Kiß Sigmund, Fähnrich in der Reser- ve, Infanterie-Regiment Nr. 39. Klein Bela, Kadett, Infanterie-Regi- ment Nr. 6.

Klein Georg, Einjährig-Freiwiliger, Korporal, Jägerbataillon Nr. 19, nahm an der Spitze von 70 Mann mehr als 600 Mann mit mehreren höheren Offizieren gefangen. Wurde rasch nach einander bis zum Fähn- rich befördert.

Kleinmann Gustav, Korporal, Infan- terie-Regiment Nr. 56. Knoll Jakob, Oberfeuerwerker, Feld- kanonen-Regiment Nr. 30. Kolben Leopold, Fähnrich in der Re- serve,

auch Besitzer der Silbernen Tapfer- keitsmedaille I. Kl. und zum Leut- nant befördert.

Körösi Moritz, Fähnrich, Infanterie- Regiment Nr. 63.

Kohn Ernst, Reserve-Waffenquartier- meister.

Kohn Johann, Titular-Feldwebel, In- fanterie-Regiment Nr. 17. Kornfeld Eugen, Fähnrich, Dragoner- Regiment Nr. 1.

Kosztolanyi Samuel, Feldwebel, In- fanterie-Regiment Nr. 6. Kovacs Samuel, Unter jäger, Feldjäger- Bataillon Nr. 29.

Kramer Max, Zugsführer, Landwehr- Haubitzen-Division Nr. 22.

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Kraus Julius, Dr., Arzt, brachte 150 Verwundete unter den größten Müh- salen und Gefahren, auf siebenstün- digem Marsche vom Kampfplatz in die eigenen Stellungen, und zog dann noch Nachts aus,' um einen verwundeten Offizier, der vor den feindlichen Stellungen lag, zu retten. Kraus Leo, Zugsführer, Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 10. Kremenetzki Alexander, Kadett in der Reserve.

Kretz Josef, Leutnant in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 6. Kriegsmann Elias, Feuerwerker, Feld- kanonen-Division Nr. 43. Kuffner Hugo, Kadett der Reserve, Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 1. Kuk Jakob, Offiziersdiener, Infanterie- Regiment Nr. 17.

Kulig Emil, Zugsführer, Infanterie-Re- giment Nr. 56.

Laszio Andor, Techniker, Sappeur. Lang Isidor, Fähnrich, Infanterie-Re- giment Nr. 41.

Laschkowitz, Architekt, Einjährig- Freiwilliger Korporal, Festungs-Ar- tillerie-Regiment Nr. 1, Lederer Karl, Fähnrich in der Reser- ve, Infanterie-Regiment Nr. 75. Lehrer Hersch Baruch, Gefreiter, In- fanterie-Regiment Nr. 77. Llfscliitz Max, Rechnungsunteroffi- zier, Husaren-Regiment Nr. 6, hielt sich mit drei Kameraden zwei- einhalb Tage im heftigsten Artillerie- und Infanteriefeuer als Artillerie-Ziel- aufklärer und leistete der Batterie große Dienste.

Labancz Moses, Feldwebel, Infanterie- Regiment Nr. 64.

Low Andor, Dr., Fähnrich der Re- serve, Feldkanonen-Regiment Nr. 18.

Low Rudolf, Fähnrich, Feldjäger-Ba- taillon Nr. 13.

Lustig Leo, Feldwebel, Infanterie-Re- giment Nr. 75, Maschinengewehr-Ab- teilung, überbrachte der Maschinen- gewehr - Abteilung einen wichtigen Befehl, der sie vor Vernichtung rettete.

Mandl Friedrich, Patrouillen-Führer, Feldjäger-Bataillon Nr. 9.

Mann Salomon, Kadett in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 95.

Markus Aladar, Leutnant in der Re- serve, Infanterie-Regiment 69.

Markowlts Isidor, Korporal, Infan- terie-Regiment Nr. 67. Mayer Hanns, Leutnant. Meinhardt Jakob, Fähnrich in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 51. Meisl Leopold, Leutnant in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 16. Molnar Samuel, Gefreiter, Infanterie- Regiment Nr. 2.

Muncz Jakob, Feuerwerker, Feldka- nonen-Regiment Nr. 21. Nagy Moses, Wachtmeister. Nemeti Rudolf.

Neubauer Karl, Fähnrich in der Re- serve.

Neubauer Richard, Leutnant, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 6, wurde in Serbien ausgezeichnet, fiel in den Karpathen. Sein Vater wurde von dem Tode seines Sohnes mit dem Bemerken verständigt: Das Offiziers- korps verliert mit dem Braven einen vorzüglichen Kameraden und zugleich den Tapfersten vom ganzen Regiment. Auch war er unter den „Eisernen 6" schon veröffentlicht. Oberländer Josef, Infanterist, Infan- terie-Regiment Nr. 32. Obstgarten Julius, Fähnrich, Tiroler Jäger-Regiment Nr. 3. Orenstein Wilhelm, Fähnrich der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 78. Oser Walter, Fähnrich in der Reser- ve, Infanterie-Regiment Nr. 90, auch zum Leutnant befördert. Osträger Israel, Zugsführer, Infan- terie-Regiment Nr. 95. Oszwaldt Josef, Maschinenheizer der ungarischen Staatsbahnen, brachte am 24. August in den Morgen- stunden einen Zug mit Munition im Feuer des Feindes nach seinem Be- stimmungsort, nachdem der Ma- schinenführer durch ein Schrapnell getötet worden.

Pfeiffer Ignaz, Gefreiter, Honved-In- fanterie-Regiment Nr. 20.

„Kriegsschauplatz, 21. Jänner 1915. Hochwohlgeboren Frau Ignaz Pfeiffer!

Ich kann Ihnen mit Freude mitteilen, daß Ihr lieber Gatte, der in meiner Kom- pagnie als Gefreiter dient, am 14. De- zember derselben hervorragende Dienste geleistet hat, und auch am 25. Dezember durch sein tapferes, hel- denmütiges Verhalten inmitten des

größten die feindlichen

Geschützstellungen festgestellt hat.

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Bei Patrouillenmeldungen ist er der erste, der sich zur Durchführung schwerer Aufgaben freiwillig meldet. Für dieses sein tapferes und helden- mütiges Verhalten habe ich ihn für die Beförderung zum Zugsführer und zur Auszeichnung mit der Tapfer- keitsmedaille erster Klasse in Vor- schlag gebracht. Sein helden- mütiges Verhalten hat die Aner- kennung gefunden, und so wurde Ihr geehrter Gatte am 21. Jänner 1915 mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille I. Kl. ausgezeichnet, wozu ich Ihnen unbekannterweise vom Herzen gra- tuliere, indem ich wünsche, daß Ihr lieber Gatte bei meiner Kompagnie sich durch sein heldenmütiges Ver- halten auch fernerhin auszeichne und ich ihm zur neuerlichen Auszeichnung in Vorschlag bringen könne,

Kogutovitz, Oberleutnant, m. p," Pbilippson Julius, preußischer Frei- williger.

Pollak Andreas, Reserve-Infanterist. Infanterie-Regiment Nr. 76, Pollak Franz, Kadett-Aspirant, Infan- terie-Regiment Nr. 81. Pollak Gabor, Titular-Zugsiührer, In- fanterie-Regiment Nr. 71. Raab Isaak, Korporal, Landwehr- Feldkanonen-Division Nr. 45. Raab Isidory Leutnant, erzählte im Honvedkrankenhause in Budapest: Am 8. September 1914 ging

es durch einen großen Wald Vor

uns tobte der Kampf Um 2 Uhr

kamen wir als Brigadereserve in die Feuerlinie. Ich stürmte in der Schwarmlinie immer vorwärts ... Es war ein fürchterliches Feuer . . Der Tod kommt auf Millionen Flügeln heran- gesaust. Ich hatte das Gefühl, daß wir allesamt verbluten müssen. Wir schießen auf dem Bauche liegend, knieend, stehend; es half nichts. Ich kommandierte: „Sturm!" Wir stürzten wie Tiger auf die feindlichen Lauf- gräben. Das Bajonett gepflanzt, schießen wir noch einmal und sind endlich glücklich bei den Feinden. Dort werden weiße Tücher ge- schwenkt, die Waffen weggeworfen . . Ich lasse die Gefangenen abtranspor- tieren und eile ins Dorf. Im Kirch- turm arbeitete ein feindliches Ma- schinengewehr. Wir stürmen und nehmen die ganze Bande mit zwei solchen Mordmaschinen gefangen

Raab Julius, Führer der Reserve, Sappeur-Bataillon Nr. 2. Rappaport Josef, Dr., Fähnrich in der Reserve, Landwehr-Infanterie-Regi- ment Nr. 19.

Reich Alois, Ersatz-Reservist, Infan- terie-Regiment Nr. 87, Reich Emil, Kadett in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 62. Reich Gero, Einjährig - Freiwilliger Korporal, Infanterie-Regiment Nr. 37, Reich Jakob, Infanterie-Regiment 40, hat im heftigsten Feuer vom ersten Zug die verlorengegangene Verbin- dung mit der Kompagnie wieder her- gestellt und als Schwarmkomman- dant seine Leute vorwärts gerissen, wurde hierbei am Fuße verwundet und führte seinen Schwärm immer weiter, bis er zusammenbrach. Reich Leopold, Fähnrich in der Re- serve, Landwehr - Infanterie - Regi- ment Nr. 31, „Emunah", (Bielitz). Reichstein Otto, Titular-Zugsführer, Feldkanonen-Regiment Nr. 25. Reischer Julius, Führer der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 48. Reissler Samuel, Kadett-Aspirant, Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 22. Reißmann Selig, Feuerwerker, Ka- nonier-Regiment Nr. 32, hat wiederholt nach Anreiten auf nahe Distanzen an den Gegner zutreffende Meldungen gebracht, wel- che wertvolle Anhaltspunkte für die Feuerleitung lieferten. Rosenfeld Bela, Korporal, vom Vivo es Atletikai-Club.

Rosenhain Leo, Korporal, Infanterie- Regiment Nr. 67.

Rosenthal Hermann, Zugsführer, In- fanterie-Regiment Nr. 34. Rosenzweig Hugo, Oberfeuerwerker, Kanonen-Division Nr. 9. Rosner Moses, Korporal, Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 22. Rottenstein Julius, Fähnrich in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 79. Rudner Leiser, Zugsführer, Infanterie- Regiment Nr, 57.

Schanzer Julius, Kadett, Feldjäger- Bataillon Nr. 13.

Schapira Aron, Zugsführer, Ulanen- Regiment Nr. 7,

Schermer Moses, Landwehr - Infan - terie-Regiment Nr. 32. Schick, Korporal, Landsturm - Infan- terie-Regiment Nr. 38.

38

Schieder Isak, Zugsführer, Infanterie- Regiment Nr. 59.

Schleicher Josef, Infanterist, Infan- terie-Regiment Nr. 59. Schönhof Albert, Jur. Dr., Fähnrich in der Reserve,

vom Armeekommando auch zum Leut- nant in der Reserve ernannt. Schöplces Otto, Ersatz - Reservist, Landsturm-Bataillon Nr. 8. Schreiber Walter, Fähnrich, Jäger- Bataillon.

Schreier Juda Leib, Korporal, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 22. Schuler Isak, Zugsführer, Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 22. Schutz Julius, Zugsführer, Feldkano- nen-Regiment Nr. 18. Schwager Jakob, Titular-Zugsführer, Infanterie-Regiment Nr. 6L Schwarz Bernhard, Zugsführer (Jä- ger-Bataillon Nr. 24?) Schwarz Ludwig, Fähnrich, hat als Kompagniekommandant mit seiner Kompagnie bei einem Bajonett- angriff etwa vier Kompagnien Russen, darunter einige Offiziere, gefangen genommen und einige Maschinenge- wehre erbeutet.

Schwarz Max, Fähnrich in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 79, zum Leutnant befördert. Selldorf Paul, Reit. Artillerie-Divi- sion Nr. 10.

Siiberbusch Leo, Feuerwerker, Fe- stungs-Artillerie-Regiment Nr. 3. Singer Anton, Kadett-Aspirant, Infan- terie-Regiment Nr. 4. Singer Markus, Landwehr-Feldkano- nen-Division Nr. 45. Sofer Julius, Einjährig-Freiwilliger, (Göding).

Som Max, Infanterist, Infanterie-Re- giment Nr. 69.

Sonnenblick Adolf, Fähnrich der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 56. Spanier Rudolf, Zugsführer, Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 17. Spitzer Josef, Feldwebel, Infanterie- Regiment Nr. 90,

eroberte an der Spitze der Kompa- gnie — die Offiziere waren verwundet oder gefallen eine feindliche Stellung, wobei 90 Gefangene ge- macht und ein Maschinengewehr er- beutet wurde.

Stadler Leo, Fähnrich in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 58.

Stein Karl, Zugsführer, Infanterie-Re- giment Nr. 24.

Steiner Hermann, Kadett, Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 21. Stengl Menasse, Zugsführer, Land- wehr-Infanterie-Regiment Nr. 20. Stern Arpad, Infanterist, Infanterie- Regiment Nr. 72.

Stern Egon, Kadett, Infanterie-Regi- ment Nr. 66,

nach dem Tode ausgezeichnet, hatte freiwillig die schwierigsten und ge- fährlichsten Patrouillengänge über- nommen. Die Todeswunde erhielt er beim vierten Sturm auf einen hohen und steilen Berg bei Valjevo, wobei er das Kompagnie-Kommando über- nommen hatte, vier Schritte vor den feindlichen Stellungen. Sternberg Benjamin, Feuerwerker, Schwere Haubitzen-Division Nr. 10. Steuermann Alexius, Fähnrich in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 69. Straßberger Leopold, Führer im Tele- graphen- und Telephon-Infanterie-Re- giment,

für besondere Bravour beim Telephon- dienste während des größten feind- lichen Kugelregens. Stricker Desiderius, Feldwebel, In- fanterie-Regiment Nr. 32. Storzer Leo, Korporal, Infanterie-Re- giment Nr. 22.

Sußmann Joachim, Kadett, Infanterie- Regiment Nr. 58.

Svistak Simon, Reserve-Sappeur der 6./n. Sappeur-Kompagnie. Szücs, Samuel, Zugsführer, Infanterie- Regiment Nr. 34.

Tauber Oskar, Leutnant in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 68. Thron Jakob, Ersatz-Reservist, Infan- terie-Regiment Nr. 30. Török Heinrich, Fähnrich in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 12. Török Julius, Fähnrich in der Re- serve, Infanterie-Regiment Nr. 12.

Die beiden Török, Zwillingsbrüder, haben bei Lublin eine vierzigfach stärkere russische Abteilung zurück- geschlagen.

Tyrmann Ernst, Führer, Artillerie-Re- giment Nr. 20.

Unger Maximilian, Zugsführer, Infan- terie-Regiment Nr. 47. Vitt Moritz, (Konzipient in Budapest).

39

Wasserberger Chalm, Dr., Assistenz- Arzt-Stellvertreter, Infanterie-Regi- ment Nr. 13.

Weiß Heinrich, Pionier, Pionier-Ba- taillon Nr. 7.

Weiß Josef, Vormeister, Feldkanonen- Regiment Nr. 20.

Weiß Sigismund, Gefreiter, Infanterie- Regiment Nr. 34.

Wieselberg Isaalt, Einjährig-Freiwilli- ger Zugsführer, Landwehr-Infanterie- Regiment Nr. 20.

Wildermann Benjamin, Titular-Zugs- führer, Infanterie-Regiment Nr. 30, verblieb, als die Truppen gezwungen waren, ihre Stellungen zu verlassen, mit seiner Sanitätspatrouille in der nächsten Nähe des Feindes, bis er die meisten Verwundeten verbunden und alle schwer Verletzten abtrans- portiert hatte. Hatte sich auch schon früher durch Tapferkeit hervor- getan. Wurde auch zum Feldwebel befördert.

Eisernes Kreuz erster Klasse.

Brieger Oskar, Unteroffizier in der Reserve, Infanterie-Regiment Nr. 48, erzählt über den Anlaß seiner Aus- zeichnung nach dem Hamburger „Ihr Familienblatt": Vom 9. bis 13. Sep- tember lagen wir in E fortge- setzt im Gefechte. Da wir andauernd von schwerer Artillerie beschossen wurden, wurde der Verbandplatz in dem Keller eines zweistöckigen Hau- ses angelegt, auf der anderen Seite der Straße gegenüber dem Schützen- graben. Trotzdem auf dem Hause das Rote Kreuz angebracht war, war es das Ziel der feindlichen Granaten. Ich brachte sechs schwer verwundete Kameraden dorthin, die von dem Stabsarzt, Herrn Dr. Laserstein aus Berlin, verbunden wurden. Nach der zweiten Granate, welche einschlug, stürzte das Haus in sich zusammen und fing an zu brennen. Die sechs ver- wundeten Krieger, der Stabsarzt und sein Assistent, mehrere Musiker und Hausbewohner, insgesamt 32 Perso- nen, wurden buchstäblich begraben. Es gelang mir, mich herauszuarbeiten und zu einer bisher nicht gesehenen Tür zu gelangen. Mit einem Stein zer- schlug ich die Füllung und gelangte auf diese Weise in einen Nebenkeller, welcher ein stark vergittertes Fenster nach der Straße zu aufwies. Mit aller Kraft wollte ich die Eisenstäbe ent- fernen, jedoch gelang es mir nur, den mittelsten umzubiegen. Ich entfernte meine Kleider und zwängte mich durch das Gitter auf die Straße, um aus unserem Schützengraben Hilfe zu holen. Kaum betrat ich die Chaussee, als eine Granate angesaust kam und mich zu unserem Schützengraben hinüberwarf, wo ich besinnungslos

liegen blieb. Als ich wieder zu mir kam, bat ich einige Kameraden um Unterstützung; das feindliche Feuer war jedoch so furchtbar, daß sich keiner aus dem Schützengraben herauswagte. Kurz entschlossen nahm ich eine Axt und lief so schnell als möglich zu dem Hause zurück, um noch zu retten, was zu retten war. Auf dem Wege krepierte wieder ein Meter von mir entfernt eine Granate; doch wurde mir von den Splittern nicht ein Haar gekrümmt. Mit Aufbie- tung aller Kräfte durchschlug ich die Wand zum Nebenkeller, und so gelang es mir allein, die verwundeten Kame- raden, den schwerverletzten Arzt und sämtliche Insassen zu befreien und an einen sicheren Ort zu geleiten.

Die Verleihung des Eisernen Kreu- zes I. Kl. wurde Brieger durch folgen- den Brief bekanntgegeben:

„Geschrieben den 19. November 1914. Mein lieber Brieger! Aus Ihrem Brief

an Herrn Hauptmann M habe ich

nun endlich Ihre Adresse erfahren und beeile mich, Ihnen die wohlverdiente Auszeichnung des Eisernen Kreuzes L Kl. zu übersenden. Ich spreche Ihnen gleichzeitig meine allerherzlich- sten Glüchwünsche aus und gebe der Hoffnung Ausdruck, daß sie bald wie- der hergestellt sein mögen Im

übrigen heißt es aber beim 48. Regi- ment noch immer: Vorwärts auf den Feind! Und solange es noch Männer gibt, wie sie einer waren, mein lieber Brieger, bleibt auch der Erfolg nicht aus. Mit herzlichen Grüßen von allen Kameraden Ihr Hauhs, Major und Ba- taillonskommandeur."

Brieger hatte sich schon früher das Eiserne Kreuz II. Kl. erworben.

40

Caro Leo, Dr., Gerichtsassessor.

Meyer Fritz,

laut Regimentsbefelil „für vorbild- liches Verhalten und hervorragende Tapferkeit bei den Kämpfen um Wj't- schäte.

Ruf Andre, Offizier-Stellvertreter, bereits mit dem Eisernen Kreuz IL Kl. ausgezeichnet.

Sender Gottfried,

auch Besitzer des Eisernen Kreuzes II. Kl., und zum Offizier ernannt.

Lehrer an dem Berliner jüdi- schen Lehrerseminar. Aus einem von ihm geschriebenen Feldbriefe: „Der Major gibt mir den Auftrag, festzu- stellen, woher die Schüsse kommen, die unser Bataillon im Rücken treffen. Ich mache mitten im Schrapnell- und Granatfeuer einen Streifzug, habe das Glück, vier Belgier, darunter einen Offizier gefangen zu nehmen . . . Wie war ich froh, dem Feuer Einhalt ge- bieten zu können! Die Meldung kommt

zurück. Nun bin ich beim Major ein „Allerweltskerl", ein „Teufelskerl".. Nun darf ich ja aus meiner Beschei- denheit heraustreten, wenn ich Ihnen sage, was andere sagen: Die Kom- pagnie schätzte mich als ihren „besten" Soldaten. Warum ich das verdiente, weiß ich nicht; ich tat nur meine Pflicht, drückte mich nicht, machte die gefährlichsten Patrouillen mit. Nicht, daß ich den Tod suchte; aber ich fürchte ihn nicht. Ich sehne das Ende dieses schrecklichen Krieges herbei; aber ich möchte bis zum Ende in der Front stehen. Nach Ehren

sehne ich mich nicht Mitten im

Gefecht brachte ich den Leuten Post und nahm Postsachen mit, aus der Empfindung heraus, wie das die Leute anspornen muß, die nun, wie ich selbst, schon eineinhalb Tage ge- hungert und gefroren haben Das

Eiserne Kreuz trage ich mit Stolz, wie ich auch die Rettungsmedaille mit Stolz getragen habe.

Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse

erhielten bisher weit über zweieinhalbtausend jüdische Soldaten.

Einige Anerkennungssdireiben an jüdische Soldaten.

Vom General Dank!

hat der Korporal Philipp Spitz, im bürgerlidien Leben Tapezierer in Budapest, der im 71. Trencsiner Infanterie-Regiment dient, folgendes Sdireiben erhalten: »Für Ihre im Gefedite bei Stryzowice besonders beim Sturme bezeigte Tapferkeit spredic id) Ihnen meine Anerkennung und Belobung im Namen des Allerhödisten Dienstes aus. Dankl.c

* *

Vom General Dankl

hat der Zugsführer Nathan Vajda <i3. Honvcd-Infanterieregiment) das folgende

Handsdireiben erhalten: »K. u. k. I. operierendes Armeekommando E. Nr. 1258. An den k, ungarisdien Hugs* führer des k. ungarisdien Honved^Infanterie-Regimentes Nr. 13, Standort des 1. operierenden Armeekommandos am 4. Jänner 1915. Sie haben zu wiederholten Malen im heftigen feind« iidien Feuer den Munitionsersatz mit großer Tapferkeit und Umsidit durdigeführt. Idi belobe Sie hiefür im Namen des Allerhödisten Dienstes.«

Vom General Dankl

hat der k. u. k. Leutnant Proviantoffizier Samuel Brodi, des k. u. k. Ulanen- Regimentes Nr. 3, dem später (unter dem 27. November 1914) die Aller hödistc belobende Anerkennung ausgesprodien wurde, folgende Zusdirift erhalten: »Brzesko am 25. September 1914. Euer Hodiwohlgeboren haben im Gefedite des Regi- ments bei Ilza, respektive Novo Sidliec, am 23. August aus eigenem Antrieb der Mannsdiaft unersdirodien Munition in die Sdiwarmlinie zugetragen. Für dieses lobenswerte Verhalten spredie idi Ihnen meine Anerkennung aus.«

Drn<k der österreiAisdien Zcitungs- und Druckerei » Aktien » Gcsellsdiaft, Wien, III. Bezirk, ROdengasse 11

JÜDISCHES ARCHIV

MITTEILUNGEN DES KOMITEES »JÜDISCHES KRIEGSARCHIV«

LIEFERUNG 2-3 /VERLAG: R. LÖWIT, WIEN / AUGUST 1915

Die Mitteilungen erscheinen in Lieferungen und zwangloser Folge. / Abdruck der Original- beridbte mit Öiellenangabe gestattet. / Den Verlag und Vertrieb betreffende Zuschriften und Geldsendungen sind an die Buchhandlung R. Löwit, Wien, I., Rotenturmstraße 22, zu richten/ redaktionelle Mitteilungen und Beitrittserklärungen an das »Jüdische Kriegs* archiv«, Wien, IL, Zirkusgasse 33/ Spenden und Mitgliedsbeiträge an das Bankhaus J. 'S) A. Brecher, Wien, IX., Peregringasse 1. / Postsparkasscn^Konto Nr. 16.601.

An die Leser!

I |as Komitee »Jüdisches Kriegsarchiv« ersucht um rege Mitarbeit.

I / Anleitungen zu dieser Arbeit finden sich im ersten Hefte der

Mitteilungen. Nähere Auskünfte werden über Verlangen auch schriftlich oder mündlich erteilt. Richtigstellungen, Ergänzungen, Bestätigungen etc., welche die veröffentlichten Berichte betreffen, sind von besonderer Be* deutung und werden dringend erbeten.

Die »Mitteilungen« werden in ihrer Gesamtheit eine erschöpfende Geschichte des Anteils der Juden am Kriege bieten. Derzeit können sie sich naturgemäß nur auf solche Themen beziehen, deren Behandlung im Rahmen der preßpolizeilichen Bestimmungen möglich ist.

Die wichtige Arbeit des Archivs wird auch durch Beitritt zum Komitee gefördert. Förderer wird derjenige, der sich zur Zahlung eines monatlichen Beitrages in beliebiger Höhe für die Dauer des Archiv- bestandes verpflichtet. Stifter leisten eine einmalige Spende. Förderer und Stifter erhalten die »Mitteilungen« gratis.

Der Vorsitzende des Komitees ; Ingenieur Robert S t r i ck e r.

Zur Lage der Juden in Österreich.

Das Kriegselend der Juden in Galizien und der Bukowina.

<Originalberi<ht des »Jüdisdien Ardiivs«.)

Der Krieg hat die Juden Galiziens und der Bukowina in einen Zustand des Elends versetzt, dem nichts zu vergleichen ist. Man hat schon bei Kriegsbeginn damit gerechnet, daß die Juden dieser Landesteile unter den

Kriegsereignissen viel schwerer zu leiden haben werden, als irgend ein anderes Volk. Nunmehr kann auf Grund des bereits vorliegenden Materials festgestellt werden, daß man es hier mit der sdirecklidisten Katastrophe des Weltkrieges und der jüdisdien Gesdiidite zu tun hat. Sdion während der Besetzung des östlidien Österreichs durch die Russen drangen Berichte durch, die Schreckliches ahnen ließen, insbesondere Mitteilungen seitens der Vertreter russisch^jüdischer Hilfsgesellschaften, welche das okkupierte Land be- reisten. Alle lauteten dahin aus: Was hier vorgeht, ist selbst in Ruß- land unmöglich. Jetzt sind die Russen verdrängt und die unmittelbare Betrachtung bestätigt die Richtigkeit dieser Behauptung. Die unmittelbare Betrachtung lehrt aber auch, daß das Walten der Kriegsfurie allein nicht ausgereicht hätte, um die vorgefundenen Zustände zu schaffen, sondern daß hier Momente im Spiele waren, die nicht als allgemeine Erscheinungen des Krieges betrachtet werden können. Nachfolgend seien die haupt* sächlichen hervorgehoben.

Die Russen sind mit dem Vorsatze ins Land gekommen, die Juden auszurotten. Sie waren über die Stimmung der Juden gründlich unterrichtet, darüber, daß diese mit heißer Inbrunst Österreich lieben, und daß weder Versprechungen noch Drohungen an dieser Stimmung etwas ändern können. Sie unterließen auch jeden bezüglichen Versuch. Von Anbeginn wurden das Heer und die übrige Bevölkerung in den besetzten Gebieten mit Proklamationen überschüttet, in denen es immer und immer wieder hieß: Die Juden sind österreichische Spione, sie bilden das einzige Hindernis bei der Verständigung und Verbrüderung zwischen den Russen und der einheimisdien Bevölkerung. Sie locken den russischen Soldaten in den Hinterhalt und liefern ihn ans österreichische Messer, ebenso jeden Einheimischen, der sich zu den Russen gut stellt etc. Im ersten Heft des »J ü d i s ch e n A r ch i v ist eine größere Anzahl dieser Erlässe wieder^ gegeben. So kam es, daß sich zur anerzogenen Mordlust und den anti* semitischen Instinkten der russischen Soldateska noch die Angst vor jüdischen Umtrieben gesellte und systematische Maßregeln gegen die Juden zeitigte, welche durch die erstgenannten Momente allein nicht begründet erscheinen würden. Geplündert, eingesperrt, gepeitscht, gemordet, geschändet wurde von Anbeginn nach Herzenslust und verursachte den Ausübenden gewiß wenig Mühe. Aber die Wegschleppung einer Unsumme von Geiseln, der oft sehr umständliche Wegtransport ganzer jüdischer Städte und Dörfer und die Aufrechterhaltung eines weitverzweigten Überwachungsapparates sind gewiß auf Rechnung der Furcht vor jüdisdien Umtrieben zu setzen.

Weit entsetzlicher als Mordtaten und Räubereien wirkten die »unblutigen«, auf Vernichtung der Juden hinzielenden Maßnahmen, die keinem Soldaten« hirn entsprungen sind. Die Verschickung zehntausender Weiber, Kinder und Kranker in Nacht und Eis. Die Zahl der Opfer und die Größe ihrer Leiden sind noch nicht zu überblicken. Man hat von den Verschickten bis jetzt keine Nachricht. Doch ist es gewiß, daß die Mehrzahl den Transport nicht überstanden hat. Dann die administrativ und überall gleichmäßig betriebene Aushungerung. Die Russen waren genötigt, in den ganz ausgeraubten Ortschaften Volksküdien zu errichten und Lebensmittel zu

verteilen. Als »Retter des Landes« taten sie dies oft ausgiebig. Die Juden wurden ausgesdilossen, es war bei sdiwerer Strafe verboten, ihnen etwas zu verabreidien. Ja, es wurde den Juden meistens verwehrt, aus eigenen Mitteln Küdien und Magazine einzuriditen. Als charakteristisdi sei das Vorgehen des russisdien Kommandanten von Czernowitz, des berüditigten Ewrenoff, Vizegouverneurs von Kisdiinew zur Zeit des großen Pogroms, erwähnt. Er ließ während der zweiten Besetzung zehn Volksküdien erriditen, weldie von Juden nidit betreten werden durften. Als der Gesandte eines russisdi=jüdisdien Hilfskomitees mit einer größeren Geld* summe nadi Czernowitz kam, um die notleidenden Juden zu beteilen, wurde er vor den Kommandanten geladen. Dieser empfing ihn mit den gröblidisten Besdiimpfungen, befahl ihm, sofort Czernowitz zu verlassen und drohte, er werde jeden, der den österreichischen Juden die ge* ringste Hilfe zuteil werden läßt, nadi Sibirien versdiidcen.

Die völlige Hilflosigkeit der in Galizien und der Bukowina zurückgebliebenen jüdischen Bevölkerung. Zu Kriegsbeginn hat die Mobilisierung viele Familien des Ernährers und natürlidien Besdiützers beraubt, sie hat den Prozentsatz der Hilflosen gesteigert. Dann hat die Massenflucht die widerstandsfähigsten Elemente entführt. Vorwiegend die Angehörigen der vermögenden und intelligenten Sdiiditen, die gut unterriditet waren und denen genügende Verkehrsmittel zur Verfügung standen, konnten sidi reditzeitig flüditen. Fast jeder Fluditmöglidikeit waren die Bewohner der kleinen, von den Hauptverkehrswegen entfernt gelegenen Gemeinden beraubt. Diese Elemente, die an sidi viel unbe* holfener und wehrloser sind, als die Städter, sind geblieben. So fanden die Russen eine jüdisdie Bevölkerung vor, die der Mehrzahl nadi aus Frauen, Kindern, Greisen, Kranken und unbeholfenen Dörflern bestand und dementsprediend zu jeder Selbsthilfe unfähig war.

Die teilnahmslose, vielfadi feindselige Haltung der nidit* jüdischen Bevölkerung. Zur Furdit vor den Russen gesellte sidi das Gefühl der Unsidierheit gegenüber dem Nachbarn, Sah man dodi unter den Plünderern und Denunzianten Leute, mit denen man jahrzehntelang in Freundsdiaft gelebt hatte. Ganz abgesehen von den Sdiäden, weldie die Ortsangehörigen den Juden direkt zufügten, waren die moralisdien Wirkungen der Angst vor nadibarlidier TüÄe und des Gefühls totaler Vereinsamung entsetzlidie. Sie raubten den Sdiwadien den letzten Rest von Energie und erstiditen den Willen zur Selbsthilfe.

Das Zusammenwirken der angeführten Momente hat die furditerlidisten Folgen hervorgerufen. Ihm ist es zuzusdireiben, daß das jüdisdie Elend in Galizien und der Bukowina einen niegeahnten Grad erreidite. Die österreidiisdie Regierung und die jüdisdie Gesellsdiaft, denen die Be« kämpfung dieser unsäglidien Not obliegt, sind vor die sdiwerste Aufgabe gestellt.

Die letzten Russentage in Komarno <GaIizien>.

<OriginaIberidit des «Jüdisdien ArAivs».)

Am 12. Juli 1915 erstattet der 16jährige Pinkas Leberwert aus Komarno im Büro des Archivs folgenden Beridit:

Am 8. Juni 1915 sind viele Juden von Komarno, welches im Frieden zirka 2400 jüdisdie Seelen zählt, in der Richtung gegen Sambor geflüchtet. Auf dem Wege, in Rudki, habe idi meine Eltern verloren und bin mit vielen anderen nach Sambor gegangen. Dort konnten wir nidit bleiben und mußten am nächsten Tage zurück. Wir kamen zu einer von Russen bewachten Brücke. Die Russen zwangen uns neben der Brücke den kalten, reißenden Fluß zu durchwaten. Es waren alte Männer und Frauen bei uns, die mit ihren schweren Bündeln durchs Wasser mußten. In Komarno fand icfi unser Wohnhaus ganz ausgebrannt. Ich wohnte nun bei einem Onkel.

Den Juden ging es sehr schledit. Der von den Russen eingesetzte Bürgermeister, Dr, Thomas Petscierski, Advokat in Komarno, cjuälte uns. Er ließ die schwersten Straßenarbeiten nur von Juden verrichten. Alte fromme Leute mußten am Sabbath scbwer arbeiten. Er legte hohe Steuern auf. Jeden Tag wurden Juden ausgepeitsdSit und zu Geldstrafen verurteilt. Die Kauf leute Juda Ismann und Moritz Kessler, beide zirka 45 Jahre alt, wurden ausgepeitscht, Salomon Fuchs war sechs Wociien eingesperrt. Er hat angeblich einem Bauern den Rubel zu niedrig gerechnet. Ein 55Jähriger Jude, in Komarno unter dem Spitznamen Moische von Peritsch be* kannt, wurde zu drei Monaten verurteilt. Er hat, so wurde angezeigt, gesagt, daß die russischen Popen wieRabbiner aussehen. Im Gefängnis verlangte man von ihm Geld, Er konnte nichts geben und wurde deshalb nacii Rußland verschleppt. Der Kaufmann Rubin A 1 1 s cf\ ü 1 e r hat dem Bürgermeister für ein Kilo Mehl 15 Kopeken aufgerechnet. Er wurde dafür zu z^ Nagaikahieben verurteilt. Nach dem zehnten Hieb wurde er ohnmächtig weggetragen.

Ungefähr zwei Wochen vor ihrem Abzüge führten die Russen Geiseln weg, u. a. die Kauf leute Juda I s m a n n, Baruch Metzger, Pinkas Müller und Elie Biegeleisen.

Einen Tag vor dem Abzüge, am 16. Juni, begannen die russischen Soldaten zu plündern, zu schlagen und zu schießen. Sie changen in die Wohnungen ein, schleppten die Männer hervor, banden sie an die Pferde und führten sie weg.

Der 80jährige Moisdie Leib, Hefehändlcr, wurde durchs Fenster erschossen.

Berl S ch a f f e r, 35 Jahre alt, hat sich in Frauenkleidern in seiner Wohnung ver* steckt. Die Russen zerrten ihn auf die Straße. Als seine Frau schreiend herbeilief, erstachen ihn die Russen mit den Bajonetten und schlugen dann die Frau, bis sie blutend zusammenbrach.

Dann zogen die Russen ab und führten etwa 50 Juden gefesselt mit. Am 17. Juni, um 2 Uhr früh, kamen die ersten Österreicher, der Fähnrich Nistor und 18 Infante- risten. Um 3 Uhr früh gab's einen Straßenkampf, Einige Kosaken, welche gewiß von der Ankunft der Österreicher nichts wußten, kamen in die Stadt zurück, um zu plündern. Sie stiegen vor dem Hause der Frau Feige S p i e 1 m a n n von den Pferden und drangen ein. Die Frau lief schreiend auf die Straße, Die Österreicher eilten herbei. Zwischen ihnen und den Kosaken kam es zu einem Feuergefecht. Im Verlaufe desselben wurdenFrauFeigeSpielmann, 50 Jahre alt, Mutter von9Kindern, eines ihrerKinder und ein kleinerKnabe, ihr Neffe, durch Schüsse getötet.

Die österreichischen Truppen rückten über Komarno den Russen nach. Die Bauern wurden kommandiert, mit den Truppen zu ziehen, um die Straßen auszubessern und beim Brückenbau zu helfen. Wir Juden aus Komarno hatten den Auftrag mitzugehen und auf die Bauern achtzugeben. Kaum waren wir draußen, als wir die Leichen der

von den Russen mitgesAleppten Juden fanden. Die Russen hatten sie auf dem Wege ermordert. Nur einige waren ersdhossen, die meistenwaren zer- stodienundzerhackt. Wir fanden die verstümmelten Leidien folgender Personen :

Usdier H a I b e r g, 45 Jahre alt, Kaufmann,

Markus H a 1 b e r g, 20 Jahre alt, Sohn des Vorigen, Budihalter aus Stanislau. War zu Besuch bei seinem Vater. Als dieser weggeführt wurde, wollte er ihn nidit allein lassen und ging freiwillig mit.

Mose Freiwillig, 50 Jahre alt, Kaufmann.

Abraham Freiwillig, 25 Jahre alt, Sohn des Vorigen, Der zweite Sohn E f r o i m ist au A mitgesdileppt worden. Er hat die Ermordung von Vater und Bruder mitangesehen und konnte entfliehen,

Josef Weiser, 40 Jahre alt, Kaufmann.

Radimiel Weiser, 16 Jahre alt, Sohn des Vorigen.

Markus Biegeleisen, 30 Jahre alt, Kaufmann,

Moses Putzer, 45 Jahre alt, Kaufmann,

David B a 1 a b a n, 50 Jahre alt, Kaufmann,

Moses B r i 1 1, 40 Jahre alt, Kaufmann.

Meir J o 1 1 e s, 28 Jahre alt, Kaufmann.

David Klein, 25 Jahre alt, Kaufmann,

Hermann F i s di e r, 23 Jahre alt, Kaufmann,

Hermann Klinghoffe r, 30 Jahre alt, Wasserträger,

Samuel S di p o r t i k, 30 Jahre alt, Fleisdier.

Josef M e n a k e r, 40 Jahre alt, Sdiäditer,

Ire S o m m e r m a n n, 40 Jahre alt, Kaufmann,

Idi habe Bauemwagen geholt. Wir haben die Leidien nadi Komarno geführt und dort begraben. Außer den Aufgefundenen sind, so viel mir bekannt, nodi folgende Personen versdileppt worden ; Josef Kessler, Moses Damm, Wolf S d\ r e i b e r, Jakob Friedmann, Nudiem Edelstein, Simdie Putzer, Sohn des ermordeten Putzer, David F i s ch m a n n, Hersdi Sdiiffmann. Den Russen entlaufen und nadi Komarno zurüd^gekommen sind; Ansdiel Sdiönfeld und Sohn, Israel Rubinstein, Moses Astermann, Markus Hahn und Efroim Freiwillig.

Russengreuel in Nadworna <GaIizien>.

<OriginaIberidit des »Jüdisdien Ardiivs«.)

Herr Abraham Turteltaub, Gemeinderat der Stadt Nadworna, erstattet am 20, Juni 1915 im Bureau des Archivs nadistehenden Beridit :

Nacb der Befreiung Nadwornas von den Russen wurde auf Grund amt- lidier Recherdien folgender Vorfall festgestellt. Am 2. Juni 1915 bezogen die Russen Artilleriestellungen bei Nadworna, die Österreicher bei Lojowa. Die letzteren erzielten einen VolItreflFer, worauf die Russen ihre Stellung wechselten. Kaum hatten sie die neue Seilung bezogen, als neuerlidi ein Volltreffer einsdilug. Die Russen glaubten nun ihre Stellungen von den Juden in Nadworna verraten und sdiickten eine Abteilung in den Ort, um nadh telephonisdien Leitungen, optischen Signalgebern etc. zu fahnden. Die Russen fanden nidits vor, beschlossen aber trotzdem, die nocb in Nad* worna befmdlicben Juden alle anderen waren bereits geflücbtet zu* nächst nach Stanislau und von dort nach Rußland zu führen. Die Juden wurden, ohne Rüdksicht auf Alter und Gesundheitszustand, an die Pferde gebunden, die bärtigen mit den Barten, die anderen am Halse, und

so nach Stanislau gesdileppt. Die Leute, welche nicht Schritt halten konnten, schleppten sich auf den Knien nach. Vierzehn, die infolge Wundwerdens der Knie absolut nicht weiter konnten, wurden kurzerHandgetötet, Ihre Körper blieben auf der Straße liegen. Die Namen dieser Todesopfer lauten :

1. Jossei Feuer, 80 Jahre alt,

2. Hersch Grau, 78 Jahre alt,

3. J. Artmann, 78 Jahre alt,

4. David Isaak Leitner, 75 Jahre alt,

5. Israel Z im ring, 75 Jahre alt,

6. Aron Glück, 75 Jahre alt,

7. Mossel Wiener, 53 Jahre alt,

8. Ch. J. Gold, 51 Jahre alt,

9. Jossei Menschenfreund, 45 Jahre alt, 10. Salomon Berg er, 4.2 Jahre alt,

11. Mendel Weingarten, 40 Jahre alt,

12. Ch. J. K wart 1er, 35 Jahre alt,

13. Moses Glos er, 26 Jahre alt, 14. Baruch Drimmer, 25 Jahre alt.

Über das Schicksal der Verschleppten ist bis heute nidits bekannt. Nad- worna hat durdi Mordbrennerei sehr gelitten. Christliche Gemeinderäte er* zählten mir, die russisdien Offiziere hätten ihnen eines Tages beriditet, es sei von Petersburg ein Befehl gekommen, daß Häuser nicht mehr angezündet werden dürfen, TatsächHch hörten von da ab die Brandlegungen auf, aber die Juden wurden auch weiterhin gemordet und ausgeplündert.

Mord und Plünderung in Bohorodczany <GaIizien>,

< Originalbertdit des »Jüdisdien Ardiivs«.)

Am 18, Juni 1915 ersdieinen im Bureau des Ardiivs Frau Berta Ringelblum geb. Karliner und ihre Nichte Fräulein Berta Karliner aus Bohorodczany bei Stanislau und beriditen :

Die Russen haben sidi in Bohorodczany verhältnismäßig ruhig benommen, Sie und audi die einheimisdien Niditjuden zeigten sich den Juden gegenüber nidit unfreundlich. Es entwidcelte sich ein reger gesdiäftlidier Verkehr, Am 28, November 1914 zog die russische Besatzung unvermittelt ab und wenige Stunden später rückte eine Gruppe österreichisdi* polnischer Legionäre in den Ort ein. Die Juden empfingen sie mit Jubel und bewirteten sie überreichlich. Ein Leutnant äußerte sidi zum Manne der Frau Ringelblum: »Warum gebt Ihr denn alles her? Laßt Eudi dodi von den Sadien, Ihr werdet sie nodi brauchen.« Am 29, frühmorgens zogen sich die Legionäre aus der Stadt zurück und wenige Stunden später rückte wieder die alte russisdie Besatzung ein und sofort begann die Plünderung, Kleinere Gruppen von Kosaken, denen sich einhcimisdie NichtJuden anschlössen, drangen in die jüdisdien Häuser und Wohnungen, raubten und zerstörten. Die Kosaken nahmen Schmuckstücke, Wert* gegenstände, Silberzeug, Pelze u,dgl.m„ die Einheimischen trugen Waren, Einriditungs* gegenstände, WäsAe etc. fort. Aus Aeußerungen der Plünderer war zu entnehmen, daß die Juden bestraft werden sollten, weil sie die österreichischen Legionäre so herzlidi begrüßt hatten. Verkleidet in der Stadt gebliebene Kosaken und Ortseinwohner hatten dem Kommandanten Bericht erstattet. Die Kosaken begannen jüdisdie Weiber und Mäddien zu sdiänden. Die Familien Ringelblum und Karliner flüditeten aus ihren

ausgeraubten Häusern in die entlegene Wohnung der Witwe Frau Feige Rubin, wo sie sich sicherer glaubten. Dort fanden sidi auch der Kaufmann Rosenberg samt Familie und eine Frau Gronidi ein.

Um lo Uhr abends drangen die Kosaken auch hier ein, Sie schlugen gewaltigen Lärm, Ihr Anführer hielt eine förmliche Anspradie an die Juden, er nannte sie Verräter, Blut- sauger, welche die russischen Brüder in Galizien bedrücicen und daher nidit verdienen, zu leben. Er stürzte sich auf Berta Karliner, die ihren kleinen Bruder auf dem Arme hielt, und wollte ihr das Kind im Arme erwürgen. Ein anderer Kosak riß ihn zurück. Wütend griff er nun zum Gewehr und begann zu feuern. Es fielen folgende Opfer : Niffen Karliner, 4 Jahre alt, wurde auf dem Arme seiner Schwester Berta erschossen. Seine Schwester, die ujährige Jettel Karliner, wurde von mehreren Schüssen getroffen und starb nach wenigen Minuten. Tot auf dem Platze blieben weiters die 21jährige Frau Gronich und der zirka 40jährige Kaufmann Abraham Rosenberg. Schwer verwundet wurde die Mutter der getöteten Kinder Frau Karliner.

Nach dem Abzüge der Kosaken hielten sich die Ueberlebenden noch einige Tage versteckt, die Frauen und Mädchen, aus Furcht vor Vergewaltigung, in Kasten ver* borgen. Dann gelang es ihnen, nach Stanislau und von dort nach dem bereits von Oesterreichern besetzten Kolomea zu entfliehen. Dort wurden Karliner, der Vater der getöteten Kinder, und sein Schwager Ringelblum assentiert und mit den Truppen nach Steiermark befördert. Berta Ringelblum und Berta Karliner kamen nach wochenlanger Reise mit einigen Kindern nach Wien. Die kranke Frau Karliner mußten sie zurück» lassen. Bis heute haben sie weder von ihr noch von ihren anderen Angehörigen irgend eine Nachricht, * » *

Am 11. März 1915 erstattete Herr Isaak Bernstein, Kaufmann und Hausierer aus Bohorodczany, im Bureau des Archivs folgenden Bericht:

Ich verbrachte ungefähr einen Monat unter der Herrschaft der Russen in Boho* rodczany, Ende November 1914 zogen die Russen ab, kamen aber am nächsten Tage wieder und plünderten und mordeten. Um Mitternacht drangen die russischen Soldaten <Kosaken Und Infanteristen) in die Hauptsynagoge ein, wohin sich der größte Teil der jüdischen Bevölkerung aus Angst geflüchtet hatte. Auch ich war mit meiner Familie dort. Man durchsuchte uns alle nach Geld und Waff^en, Dann zogen die Soldaten ab und wir blieben. Um 3 Uhr nachts kamen wieder die Soldaten und jagten die Männer hinaus, die Frauen und Mädchen mußten bleiben. Mir und wenigen anderen gelang es, Frau und Kinder mitzunehmen. Die meisten aber blieben nicht. Nun wurde im Vorraum der Synagoge Notzucht verübt. Ich hörte vom nahen Schwitzbade aus, wohin ich mich geflüchtet hatte, das Schreien der vergewaltigten Frauen. Schon früher hatten wir in der Synagoge das Schreien der Mädchen und Frauen aus der Umgebung gehört.

Mir sind selbst viele Mädchen und Frauen, die geschändet wurden, mit Namen bekannt. Ich will sie nicht nennen. Es sind alte Frauen, sechzigjährige, darunter. Bei einem Schächter wurden die Frau und die Töchter gleichzeitig im selben Zimmer ge» schändet. Ein Mann, namens Rosenberg, der sich mit seinen Kindern, darunter einem erwachsenen Mädchen, bei einer Witwe Rubin versteckt hielt, wurde von einem ein* gedrungenen Soldaten erschossen. Mit ihm einige Kinder. Das erwachsene Mädchen wollte der Mörder vergewaltigen. Ein junger Mann, namens Thaler, der mitversteckt war, warf sich, obzwar schon an der Hand durch einen Stich verwundet, dem Soldaten entgegen und rettete das Mädchen.

Ich flüchtete dann nach Stanislau und blieb durch vier Monate unter der russischen Herrschaft dort. Nach der Befreiung durch unsere Armee reiste ich nach Wien, In Stanislau ging es ruhig zu. Bauern aus Bohorodczany kamen hin und boten geraubte Sachen der Juden zum Kaufe an.

Die Russenherrsdiaft in Sedziszow <GaIizien).

< Originalberidit des »Jüdisdien Kriegsardbivs«.)

Herr Tobias Bloch, Kultusvorsteher in Sedziszow, beriditet am lö. Juni 1915 : Idi bin unmittelbar nadi der Befreiung Sedziszows dort eingetroffen und habe an Ort und Stelle Erhebungen gepflogen, Sdion während der ersten Invasion haben die Russen in Sedziszow großen Schaden angerichtet und sicjh den Juden gegenüber Grausamkeiten zu Sciiulden kommen lassen, Russische Soldaten haben an zwei Töditern des dortigen Bürgers L. . , T. . , . Notzucht verübt. Die ausgezeiclinet erzogenen Mädcben standen im Alter von 19 und 21 Jahren, Eines der Mädchen ist während des Aktes gestorben.

In Anbetradit der von den Russen verübten Greueltaten ist vor der zweiten Invasion fast die ganze jüdische Bevölkerung des Städtchens, mehrere Tausend, geflüchtet. Es blieben bloß zwölf Männer, welcbe die zweite Russenherrschaft <November 1914 bis Mai 1915) mitmaditen. Von diesen zwölf sind nacii dem Rüdkzug der Russen nur zwei lebend vorgefunden worden, und zwar die Kauf» leute Eleazar Herbst und Salomon Tenzcr, Diese beiden berichten, daß die Zurückgebliebenen der unmensciiliciisten Grausamkeit ausgesetzt waren. Sie wurden zu schwerer Arbeit, weldie ihre Kräfte weit überstieg, mit Nagaikahieben angetrieben,

1 , Sindel L i c h t m a n n, 50 J. alt, ist während der Arbeit unter den Schlägen gestorben,

2, Eleazar Lichtmann, 52 Jahre alt, Bruder des Sindel, ist von den Russen kurz vor ihrem Rückzüge ermordet worden. Wahrend er beim Brunnen Wasser scliöpfte, verwundeten sie ihn durch Schläge auf den Kopf tödlidi. Dann schleppten sie ihn zur städtischen Mikwah (jüdisch ^rituelles Bad>, banden ihn mit den Füßen an den Rand des Bassins, so daß sein Kopf unter Wasser war. Er war in wenigen Minuten tot,

3, Jakob <Jukel> Safern, ^^ Jahre alt, wurde das Opfer eines Raubmordes. Er genoß den Ruf eines überaus ehrlichen und soliden Kaufmannes, Die geflüchteten Juden hatten ihm ihr Hab und Gut anvertraut. Er verwaltete dasselbe. Man fand bei ihm die genauesten Aufsdireibungen über den Gang der Geschäfte und über die Vermögen, die seiner Verwaltung anvertraut waren. Auch er wurde zur schwersten Arbeit gezwungen und oft gesdilagen. Als die Russen erfuhren, daß er durchi den Verkauf von Waren, eigener und der seiner Freunde, mehrere Tausend Rubel gelöst hatte, erschlugen sie ihn und raubten das Geld,

4, Meier Ochs, zirka 20 Jahre alt, aus Zazarzysz bei Sedziszow, wurde von einem russischen Soldaten angehalten, als er mit einem halben Sack Weizen zur Mühle reiten wollte. Der Soldat forderte ihn auf, ihm das Pferd zu überlassen. Als er sich weigerte, wurde er auf der Stelle erschossen.

5, Herschi Kutscher, 6^ Jahre alt, erlag den Verwundungen, welcfie ihm bei der Arbeit von den Russen mit den Nagaikas zugefügt worden waren,

6, Moiscbe Melamed <vulgo Scfimiel Loibs>, ein jüd. Lehrer, starb auf gleiche Weise,

7, Samuel Bier, Lottokollektant, 70 Jahre alt, wurde von den Russen erwürgt,

8, Cheskiel Wachtel, Kaufmann, starb während der Zwangsarbeit unter den Peitschenhieben,

9, Mendel Aron, 24 Jahre alt, kränklich, hat sich unter dem Eindruck der oben beschriebenen Greuel in seine Wohnung eingeschlossen. Er wagte sicii aus Furcht vor den Russen nicht auf die Straße. Er ist buchstäblich verhungert.

Was mit dem zehnten Juden geschehen ist, konnte bis zur Zeit nicht ermittelt werden. Er wird vermißt.

Die Häuser der Juden in Sedziszow sind gänzlich ausgeplündert. Soweit die Gebäude nicht niedergebrannt sind, stehen sie ohne Fenster und Türen da. Viele sind halb eingestürzt. Der Hauptplatz und die Ropczycer Straße sind vollständig ausgebrannt.

Die Kosaken in Lopudiow <GaIizien>.

<Originalberidit des »Jüdisdien Ardiivs«.)

In Lopucfiow bei Ropczyce wurde die Frau des Sdiabse Zank, Mutter von drei Kindern, von Kosaken solange genotzüditigt, bis sie starb. Sie war, da sie die kranken Kinder nidit fortbringen konnte, nadi der Fludit aller Juden allein zurückgeblieben. Der Mann steht seit Kriegsbeginn als Landsturmmann im Felde,

Die Juden von Lutowiska <GaIizien>.

<Originalberidit des »Jüdisdien Ardiivs«.)

Herr B . , . ., Großindustrieller aus Lemberg, beriditet: Idi war unmittelbar nach dem Einzüge der Österreicher in Sambor und ging dort in ein Wäschegeschäft, gegenüber dem Magistrate, um Hemden zu kaufen. Der Verkäufer sagte mir, er habe nur ein Hemd auf Lager, und zwar aus folgendem Grunde: Eines Tages brachten die Russen aus Lutowiska, einer kleinen Gemeinde bei Sambor, 45 Juden nach Sambor, Die Juden waren beschuldigt, mit den Österreichern tele* phonisdbe Verbindung unterhalten zu haben. Dabei ist zu bemerken, daß die meisten dieser Juden wohl noch nie in ihrem Leben ein Telephon gesehen haben. Sie waren in dem jämmerlichsten Zustande aneinander gebunden, halbnackt, verhungert und mit gräßlichen Wunden, von Schlägen herrührend, bedeckt. Viele ihrer Leidens* genossen waren bereits auf dem Transport nach Sambor gestorben. Der Arzt Dr. Biegelmayer aus Sambor <Christ>, welcher von den Russen als Amtsarzt eingesetzt worden war, besuchte die gefangenen Juden, Als er von den Russen kein Verbandzeug erhalten konnte, wandte er sich an die Samborer Juden um Leinen* zeug, Hemden etc. Die schichten ihm all ihre Vorräte, daher der Mangel. Die Russen fuhren fort, die schwer kranken Juden zu mißhandeln. Da intervenierte Dr. Biegelmayer beim Kommandanten und sagte ihm, er möge die Juden doch lieber erschießen, als so weiter zu quälen. Der Kommandant antwortete mit Schimpf* Worten. Da riß Dr. Biegelmayer seine Amtsbinde vom Arme und erklärte, keinen Dienst mehr machen zu wollen. Am nächsten Tage wurde er nach Rußland verschickt. Wenige Tage später auch die gefangenen Juden. Man hat bis heute keine Nachricht von ihnen.

Rin Ruthene über die jüdisdie Kriegsnot.

Im Anschlüsse an die vorstehenden Berichte sei das Urteil eines Nicht* Juden über die Vorgänge in Galizien und der Bukowina gebracht, Mikola Hankewitsch, Vizepräsident des Ruthenischen Bundes in Österreich, schreibt in den »Urkrainischen Nachrichten« vom 17, Juli 1915 :

Aus dem ostgalizischen Städtchen Sniatyn kam die kurze, lakonische Nachricht: »Der 12, Juni bleibt für immer im Gedächtnis derjenigen haften, die in Sniatyn ver* bleibend, die ganze Zeit der Herrschaft der Knute und der Nagajka hindurch bis zum Ende ausharrten. An diesem Tage verließen die Russen Sniatyn, Vor dem Verlassen der Stadt versammelten sie auf dem Ringplatz 4352 Juden, von denen sie 19, wie man in der Stadt erzählt, unterwegs aufgehängt haben sollen. Die ganze jüdische Bevöl* kerung wurde hierauf aus der Stadt hinausgeführt und über die Grenze in der Richtung nach Bessarabien getrieben. Die Szenen, die sich damals auf dem Ringplatz abspielten, spotten jeder Beschreibung, es wäre schwer, das Weinen der Greise, das Jammern der Frauen und das Geschrei der Kinder in entsprechender Form zu schildern. Die jüdische Bevölkerung wurde gänzlich ausgeplündert, die christliche ein wenig geschont«.

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Solche Nachriditen kommen aber von allen Seiten. Dies ist kein vereinzelter Aus« nahmsfall in dieser Barbarei ist eine Methode zu merken.

Die moskowitischen Barbaren bedienten sich bei ihrem Raubzuge gegen unser Land verschiedener Methoden, verschiedener Wege.

Aber am schwersten, am empfindlichsten wurde von der russischen Invasion die jüdische Bevölkerung unseres Landes getroffen. Die russisdien Eroberer beschlossen einfach, die Juden als Menschen zu vernichten, sie gänzlich aus der Welt zu schaffen. Den Juden gegenüber benahmen sich die mosko* witischen ^Befreier« wie die Kriegerscharen des antiken Assyrien die massenweise ganze Ansiedlungen in ferne Länder übersiedelten, ganze Dörfer mit Feuer und Schwert rücksichtslos zerstörten. Aber nicht nurauf diese Weise trachteten die russischen Barbaren die jüdische Bevölkerung zu erdrücicen. In Befolgung ihrer traditionellen, teuflischen, demagogischen Methode nützten sie alle zwischen der jüdischen und der ursprünglichen Ortsbevölkerung bestehenden Gegensätze sozialen Charakters, Sitten* und Religionsvorurteile, die infolge der patriarchalisch^mittelalterlichen Rücicständigkeit bis jetzt im Osten Europas vorherrschen, zu ihren Zwecken aus.

Und wie die zarische Regierung künstlich und gewaltsam, rücksichtslos und in der Gänze das alte mittelalterliche Ghetto erhält, so trachtete sie auch diese mittelalterliche Barbarei überall in unser Land zu verpflanzen, ebenso in West* wie auch in Ostgalizien, Die moskowitischen »Befreier«, die als Verbündete der westeuropäischen Demokratie in den »Befreiungskrieg« ziehen, waren in unserem Lande Vorkämpfer der osteuro* päischen, mittelalterlichen Barbarei.

Und eben hier wird das jüdische Problem zu einem Problem unseres Landes, unseres ukrainischen Volkes/ und das Elend des vom barbarischen Zarismus unter* drückten, gewürgten, mißhandelten Judentums wird zu unserem Elend, dem Elend der vom Zarismus unterjochten Völker.

Dies ist keineswegs eine Phrase, sondern eine schrecilidie Wirklichkeit ! Dies ist eine tragische Frage, die vom Weltkrieg von neuem aufgerollt wurde. Denn schauen wir uns weiter das unglückliche, von der moskowitischen Invasion heimgesuchte Sniatyn an :

»Der vorstädtische Mob, der sicherlich mit Kenntnis der russischen Behörden die Wohnungen der abwesenden Besitzer plünderte, bringt nun unter dem Drucke unserer Behörden die gestohlenen Kleider, Geräte und Wertgegenstände zurück. Im Feuer, das von der unseligen Hand eines russischen Soldaten gelegt wurde, brannte ein Teil der zum Ringplatz führenden Gasse, die Apotheke und das Haus des Bürgermeisters nieder. Ein Teil der Armenischen Gasse ist ebenfalls abgebrannt.«

Die moskowitischen Barbaren —' manche sentimentalen Leser mögen mir den unzarten Namen verzeihen ! luden stets einfache Leute und vor allem die Bauern ein, die jüdischen Geschäfte, jüdisches Vermögen und jüdische Häuser zu plündern, Sie beschränkten sich nicht auf die Einladungen. Sie zwangen manchmal die Bauern mit Terror, die jüdische Habe zu plündern.

Und dieser teuflischen, demagogischen Taktik bedienten sidi die moskowitischen Eroberer sehr ausgiebig. Daß dies eine planmäßige, großangelegte Aktion war, be* weisen die Proklamationen, die im Lande verbreitet wurden. Sehr bezeichnend ist in dieser Beziehung die Proklamation der berüchtigten Brüder Gerowskyj aus Tschernowitz/ sie atmet einen »echtrussischen« Geist, wie ihn das »Schwarze Hundert« aufweist und pocht an die niedrigsten, gröbsten Instinkte der unwissenden Menge, um sie gegen die Juden zu hetzen. Die reaktionären Instinkte der Massen wurden zu den räuberischen Zwecken der zarischen Politik ausgenützt.

Und diese Politik ist nicht heutigen Datums. Dieser »Schwarzen Hundert«* Politik der jüdischen Pogroms bediente sich die russische Regierung auch früher öfters.

Und nun wandeln in den Fußstapfen derselben »echtrussische* Staatsmänner, die moskowitischen Eroberer. Sie verfolgen dabei ein zweifaches Ziel. Vom wilden Haß

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der urwüchsigen Barbaren geleitet, fallen sie über die arme jüdisdie Bevölkerung her, die vom Sdiidksal unter die ihr in bezug auf den Glauben, die Sprache und die Sitten fremden Völker geworfen wurde. Und gleichzeitig wollen sie den Zorn und den Haß der unterjochten Völker gegen dieses unglückliche Volk richten. Und den moskowitischen Eroberern gelang es hie und da, manche Kreise der vom Zarismus unterjochten Völker irrezuführen.

Hat sich doch der berüchtigte Führer der allpolnischen Partei in der Reichsduma, Dmowski, nicht geschämt, zynisch zu erklären, daß anstatt eines Aufstandes gegen den Zarismus in Warschau ein Aufstand gegen die Juden, der »Judenboykott« ausgebrochen sei , , , Dasselbe Argument erhoben auch die galizischen Russophilen der strengeren und der laxeren Observanz, indem sie die Judenpogroms als eine würdige Introduktion der »Befreiungsaktion« des Zarismus predigten.

Aber das ukrainische Volk folgte nicht dem Rufe dieses barbarischen Kannibalen* tums. Die russische Presse selbst hebt es mit Enttäuschung hervor, wie falsch Rußland über die Stimmung unseres Volkes von allerlei Renegaten, ä la Bendasjuk und Gerowski, informiert wurde. Die Pogromseuche konnte in unserem Lande keinen Nährboden finden.

Der gegenwärtige Krieg hat uns anschaulich gezeigt, was für ein ungeheures Unglück in jeder Hinsicht für unser Land der Sieg des Zarismus wäre und wie sehr für die Lösung der Juden frage und des Problems des friedlichen Zusammenlebens der Völker unseres Landes die Zerschmetterung Rußlands notwendig ist.

Nur die Zerschmetterung des Zarismus, die Befreiung der Ukraina und der anderen von Rußland unterjochten Völker kann der jüdischen Bevölkerung die Gelegenheit bieten, sich der moskowitischen Barbarei zu entledigen. Das mittelalterliche Ghetto wird dann verschwinden und die Juden werden als freie Mitbürger der freien Völker auf dem Boden, der ihnen vom Schicksal beschieden, endlich frei aufatmen können.

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Zur Lage der Juden in Rußland, insbesondere in Russisch-Polen.

Ein russisdies Manifest gegen die Judenverfolgungen in Rußland.

Eine Reihe führender Geister in Rußland hat es unternommen, in würdiger Form gegen die Judenverfolgungen während des Krieges Ver- wahrung einzulegen und an die Einsidit des russisdien Volkes zu appeU lieren. Diese Tat ist umso höher einzusdiätzen, als heute in Rußland alles unter dem Banne der reaktionären, diauvinistisdien Hetze steht und jeder Versudi, ihr zu begegnen, tollkühnes Unterfangen ist. Der Ruf der edlen Männer ist ungehört verhallt, die Juden Rußlands werden weiterhin und immer grausamer verfolgt.

An das Manifest knüpft sidi ein bemerkenswertes Vorkommnis. In

Rußland wurde es selbstverständlidi unterdrüdit. Aber auch im freien

England durfte es nicht der großen Öffentlichkeit zur Kenntnis

ebradit werden. Vergebens bemühten sidi einflußreidie Juden in England,

ei den großen Blättern den Abdruck zu erwirken. Die Furdit vor Rußland

ist zu groß. Nur zwei Blätter wagten es, kleine Auszüge zu bringen.

Das Manifest lautet:

»Rußland kämpft im gegenwärtigen großen Kriege unter Aufbietung all seiner physisdien und intellektuellen Kräfte. Alle Völker Rußlands nehmen an diesem Kampfe in gleidier Weise teil. Wir glauben, daß das Blut der Krieger nidit vergebens vergossen wird. Wir glauben, daß sidi das Volk nadi den Sdiredcen des Krieges mit verdoppelter Energie bemühen wird, eine bessere und glänzendere Zukunft zu sdiaffen. Dies glauben wir und wir hoffen, daß die Beziehungen zwisdien den versdiiedenen Völkern, welAe in Rußland wohnen, in Zukunft auf den unersdiütterlidien Grundlagen der Weisheit und Gereditigkeit aufgebaut sein werden.

Aber in dieser historisdi so bedeutsamen Zeit stellen wir mit großer Sorge und Bestürzung fest, daß zu den Leiden eines der Stämme, die in Rußland leben, neues Elend und neue Bedrängnisse hinzugefügt werden. Die Einschränkung des Erziehungs* rechtes ist augenblicklich für die jüdische Jugend besonders drückend. Die westlidien Grenzen sind versdilosscn, die üblidie Auswanderung nadi ausländischen Hodischulen gesperrt und in Rußland selbst wird die Prozentnorm an den Sdiulen gegen die Juden aufrediterhalten. Die Juden der zerstörten Städte haben kein Recht, den Ansiedlungsrayon zu verlassen. Die Maßregel führt zur Trennung und Auflösung der Familien, Den Frauen und Kindern der verwundeten Soldaten wird es nidit gestattet, ihre Gatten und Väter zu besudien, und sie sind gleidizeitig allen möglidien Chikanen sdiutzlos preisgegeben. Das sdiwer duldende jüdisdie Volk, weldies der Welt so viele wertvolle Gaben auf dem Gebiete der Religion, Philosophie und Dichtkunst entrichtet hat, welches beständig an der Entwicklung des allgemeinen russischen Lebens mitgearbeitet hat, welches trotz der ungerechten und demütigenden Behandlung mehr als einmal seine Liebe zu Rußland und seine Ergebenheit für Rußlands Sache bewiesen hat, wird wieder neuen Prüfungen ausgesetzt und ungerechter Weise schwer bedrückt und beleidigt.

Die russisdien Juden haben auf allen Arbeitsgebieten, die ihnen nur zugänglich sind, redlich geschaffen. Sie haben viele überzeugende Beweise ihres aufrichtigen Wunsches erbradht, für staatliche Interessen die größten Opfer zu bringen. Daher ist die Beschränkung ihrer bürgerlichen Rechte nicht nur als eine schreiende Ungerechtigkeit, sondern auch als eine Schädigung der Staatsintercssen anzusehen. Das russische Reich kann und muß seine Kräfte nur aus der Vereinigung all seiner Nationalitäten ziehen. Nur wenn Rußland allen seinen Bürgern die gleichen Rechte gewährt, wird seine Macht unzerstörbar sein.

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Russen! Erinnert Euch daran, daß der russische Jude kein anderes Vaterland hat als Rußland, daß einem Menschen nichts so teuer ist, wie der Boden, der ihn geboren hat, Ihr müßt begreifen, daß die Wohlfahrt und die Macht Rußlands unzertrennlich sind von dem Wohlbefinden und der Freiheit aller Nationalitäten, aus denen sich das Reich zusammensetzt. Laßt uns diese Wahrheit beherzigen, laßt uns nach den Gesetzen unserer Vernunft und unseres Gewissens handeln! Wir können sicher sein, daß das Aufhören der Judenverfolgungen in all ihren Formen die vollkommene Befreiung der Juden und die Anerkennung ihrer bürgerlichen Rechte, die Grundbedingung einer wahrhaft gedeihlichen monarchischen Politik bilden.«

Das Dokument trägt folgende Unterschriften:

Leonid Andrejew, K. Arsenjew, Graf von Bart, Prof. W. Bauman, Prof. F. Batiuschkow, Prof. M. Biernatzki, Ehrenmitglied der kais. Akademie, T. Bunin, S. Waudrich, Prof. P. Winogradow, Rcichsratsmitglied, A. W. Wasiljew, Cambarow, Gorky, Prof. N. Gredeskul, Dumamitglied, W. Dubrinski, S. Zelpatiewski, Dr. D. N. Zbankow, Prof. A. Schischilenki, Dumamitglied, E. Zubasdiew, Senator S. W. Twanow, Prof. A. Kodjan, Prof. N. Karijew, Dumamitglied, Alexander Kerensky, Prof. A. Kiesewetter, Reichsrats- mitglied, M. Kowalewski, Prof. W. D. Kuzmin-Karawajew, L. Lutugin, Prof. I. Lutschitzki,

D. Mereschkowski, W, Muromewa, Was. I. Nemirowitsch-Dantschenko, Prof. W. Nikitin, Prof. D. Olvsianiko-Kulikowski, Prof I. Ch. Ozierow, S. Prohopowitsch, Prof. L, I. Petraschitzki, A Rutrawin, A. Pieschechonow, Prof A. de Roberti, A. Rimski^Korsakoff, Prof. M. Rostowcew, Prinz Sidomon-Eristow, S. Skirmunt, Prof. W. Speranski, Theodor Sologul, Reichsratsmitglied, Mich. Stachowitsch, P. Struwe, Tefft, Graf I. I. Tolstoy, Graf Alekski Tolstoy, Prof Tugan-Baranowky, D. Filososofow, Prof. M. M. Fedorow,

E. Tschirikoff, T. M. Tsdiuproff, N. A Schachowff, Prinz Dm. I. Schachowski, W. J. Jarotski,

Blätterstimmen aus Rußland.

Der Petersburger »R a s w j e 1 (inzwischen von der Regierung eingestellt) schreibt am 11. (24'> Jänner 1915 unter dem Titel »Russische Logik« : Im offiziellen Blatte »Russki Invalid« lesen wir : »Erst jüngst ließen wir uns durch die jüdischen Manifestationen begeistern. Es regte sich in uns Sympathie für die Juden. Das ist ein Volk, das mit seiner Religion keinen Spott treibt. Die heilige Thora flößt uns Achtung vor den Juden ein, die jetzt dem Vaterlande zur Hilfe eilen. Dann die herrlidie Haltung der Juden bei der Pflege der Verwundeten, die Heldentaten einzelner Juden im Kampfe ! Dieses Verhalten kann eine Annäherung zwischen den Juden und dem russischen Stammvolke bewirken. Doch ist jetzt keine Zeit, von Gleich- berechtigung zu sprechen. Das ist keine einfache Sache. In solchen Fragen kommt es stets auf die Meinung des Landes an, die in der Duma verkörpert wird. Die Sympathie für die Juden, welche sich zu Anfang des Krieges im Herzen des russischen Volkes ge* regt hat, wird jetzt durch die begehrlichen Aeußerungen der jüdischen Presse beein* trächtigt. Erzwingen kann man Gleidiberechtigung nicht, man muß sie sich verdienen, durch Treue zum Vaterlande und durch sittlichen Hochstand.« Das ist russische Freundschaft.

»Morgenjournal« <New Jork> vom 9. April 1915: Die offiziellen Blätter »Nowoje W r e m j und »Russki Invalid« schlagen vor, wie sich die russische Regierung zu den polnischen Juden verhalten soll. Beide Blätter behaupten, Deutsch- land habe ostpreussischen Juden die Mittel gegeben, um in Massen nach Rußland einzuwandern und dort zu Gunsten Deutschlands Spionage zu treiben. <!> Deshalb wird beantragt, nach dem Kriege die Juden aus allen Grenzgebieten zu vertreiben.

Das Warschauer Tagblatt »Hajnt« {inzwischen von der russischen Regierung eingestellt) berichtet am 25. April ; Wir haben bereits berichtet, daß die Polen den Gouverneur von Warsdiau gebeten haben, die jüdischen Flüchtlinge aus Warschau auszu- weisen. Begründet haben sie dieses Gesuch mit der erlogenen Behauptung, daß diese Juden den Gesundheitszustand der Stadt gefährden. Die jüdische Gemeinde hat daraufhin eine Aborchiung von jüdischen Ärzten zum Gouverneur entsendet. Die Arzte haben dar- gelegt, wie unbegründet die von den Polen vorgebrachten Befürchtungen sind. Die Aus- führungen der Ärzte haben jedoch nichts genützt und Donnerstag am 22. April ist mit der Evakuierung Warschaus begonnen worden.

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Der russische Generalstab als Informationsquelle für den Antisemitismus,

Die jüdisdie »Arbeiterkorr.« <ImHaag, Holland) beriditet: Die Hauptverwaltung des russisdien Generalstabs hat in einem Befehl vom 27, April <a. St.) 1915, Nr. 1193 an die Chefs der versdiiedenen Heeresabteilungen den Befehl erlassen, eingehendste Informa- tionen über, das Betragen der jüdisdien Soldaten zu sammeln und zu grup- pieren. Die »Enquete« enthält soldie Fragestellungen, daß deren Beantwortung ein tendenziöses, antisemitisdies Bild geben muß. So soll festgestellt werden, wie gern die Juden sidi gefangen nehmen lassen, wie sie sich sdilagen, welchen Einfluß sie auf ihre nidhtjüdischen Kameraden ausüben usw. Die Fragen sind so gefaßt, daß aus ihrer ver- dächtigenden Form die gegen die Juden gerichteten Antworten sich von selbst ergeben. Am Schlüsse dieses Zirkularbefehls heißt es:

»Da die Opposition in späterer Zeit sidierlidi bemüht sein wird, dieses Material durch Hinweise auf seine Einseitigkeit und seine Parteilidikeit zu entwerten, so sollen auch einige Fälle würdigen Betragenes jüdisdier Soldaten registriert werden.«

Zweiter offener Brief an »The American Hebrew« in New york*.

Von Rabbiner Dr. Arthur Levy, z. Z. Feldprediger bei der deutschen Ostarmee.

Ich sende Ihnen heute nadi meinem ersten, einen zweiten offenen Brief ein und will Ihnen abermals Zeugnisse über die Greueltaten vorlegen, die hierzulande gescliehen und die so himmelschreiend sind, daß man sie nicht glauben mödite, wenn man sie nicht aus dem Munde derer hören würde, die sie miterlebt und mitangesehen haben.

Idi spradi in diesen Tagen einen alten Mann,- er war zu mir gekommen, sidi mit mir auszuspredien und bei mir Rat und Trost zu holen/ ich konnte ihn nicht trösten, sein Unglüdc ist zu groß, aber ich hoffe, ihm helfen zu können. Seine Gesdiidite ist folgende:

Mendel Janowski war Gutsbesitzer in Russis(fi=Polen, wo er im Dorfe Chozew, bei Widawa, sein Besitztum hatte. Im Anfang des Krieges kamen die Deutsdien ins Dorf, und acht Offiziere bezogen auf seinem Gut Quartier,- als acht Tage später die Russen zurückkamen, denunzierten die Bauern den Juden bei den Kosaken, die ihn als »Spion« einsperrten, bis er nach 14 Tagen von den wieder einrücitenden Deutschen freigelassen wurde. In sein Dorf zurückgekehrt, drohten ihm die Polen, wenn die Kosaken wieder- kämen, würde er aufgehängt werden und sein Gut an die Bauern aufgeteilt werden. Janowski hatte unter diesen Umständen nicht den Mut, im Dorfe zu bleiben und zog fort von dort, seinen zjjährigen Sohn auf dem Dorf zurücklassend. Als am Z4. November die Russen wiederkamen, nahmen die Kosaken diesen Sohn gefangen und erschossen ihn, nachdem die Bauern ihn als »deutschen Spion« denunziert hatten. Das Haus wurde ausgeraubt und ausgeplündert, dann in Brand gesteckt, Nidit einmal die Leiche des Er- schossenen gaben die Russen heraus, sondern ließen es zu, daß sie von den Bauern auf- gespießt und ins Feuer des brennenden Hauses geworfen wurde. Der Tote hinterläßt eine Frau und vier kleine Kinder, denen nichts geblieben ist als die Kleider, die sie auf dem Leibe tragen.

In Slupci ersdiienen eines Tages die Russen auf dem Gute des Besitzers Hoffmann und nahmen dort alles fort, was sie vorfanden, Pferde, Wagen, Getreide, Hab und Gut, Als sie mit dem Plündern fertig waren, fragten sie den Besitzer, was sie sonst noch haben könnten. Dieser, für sein Leben fürditend, bot ihnen Speise und Trank an und führte sie in sein Haus. Dort gewahrten sie sein Weib, eine sdiöne Frau, und machten sich daran, sie »für die Offiziere« mitzuschleppen. Hoffmann stellte sidi ihnen wehrend in den Weg, und kalten Blutes schlugen sie ihn nieder und warfen seine Leiche in ein LoA am Rande des Weges, von wo sie dann später mit Erlaubnis der inzwisdien einge- rückten Deutschen naA dem Friedhof in Wloclawek überführt worden ist.

In Subota wurden eines Tages der Rabbiner und fünf Gemeindevorsteher verhaftet. Man wußte nicht was mit ihnen geschah und wohin sie gebradit wurden. Sedis Wochen später fand man im Subotaer Wald alle sechs aufgehängt, zum Teil sdion verwest und angefressen.

In Brzeziny wurde in einer Dezembernacht eine russische Abteilung von deutscher Kavallerie überfallen und gefangen genommen. Am anderen Nachmittag kam von Lodz aus Verstärkung nach B. Ihre erste Tat war die, daß sie 26 Juden gefangen nahmen und

Der erste Brief ist in Nr. 1 des »Jfidisdiien Ardiivs« wiedergegeben.

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13 von ihnen, darunter sehr angesehene Männer, als die verräterischen Urheber des deutschen Überfalles umbrachten. Bei zweien nur wurde gestattet, daß sie auf dem jüdischen Friedhof beerdigt wurden.

In Plawna wurden zwei Juden ohne Grund aufgehängt und alle jüdischen Geschäfte geplündert. Bei einer Frau, Golde Seh er sack, wurden die Betten aus dem Hause ge* schleppt und auf der Straße verbrannt.

In Klomnitz wurde der Schneider Chaim Kalis Aer aufgehängt, weil die Deutschen bei ihm gewohnt hatten. Der Jude Meier Chatke aus Klomnitz wurde in Nowora- domsk aufgeknüpft.

In Wloszczowe wurde die ganze Stadt pogromiert und acht Juden erschossen, weil sie Proviant für die österreichische Armee geÜefert hatten.

In Janow wurden an einem Tage vier Juden, Abr. Grünbaum, J. und M. Tennen* bäum und Rüben Tschennotz, aufgehängt, ihre Frauen geschändet.

In Sieradz wurden alle jüdischen Häuser geplündert, der Schächter Samuel festge- nommen und grausam mißhandelt, so daß er bis heute krank darniederliegt, eine Frau einige Tage nadi ihrer Niederkunft vergewaltigt.

In Zloti Patok wurde das Haus der Familie Blumke von allen Seiten angezündet. Eine Frau und ihr neunjähriges Kind verbrannten.

In Koniecpol wurden sämtliche Häuser vollständig ausgeplündert, neun Juden fest- genommen und mit der Nagajka mißhandelt. Einem kleinen Jungen, Leibel Kutscher, wurde auf dem Wege zum Cheder die Hand abgeschnitten. Eine Frau wurde geschändet.

Nadi Wielun brachten die Russen drei Juden, die sie bei Sieradz gefangen genommen hatten. Zehn Tage saßen sie im Gefängnis, und die Juden durften ihnen kein Essen bringen. Am elften Tage wurden sie aufgehängt. Die Stadt wurde pogromiert und zwei Frauen, davon eine unmittelbar nadi ihrer Niederkunft, geschändet.

In Noworadomsk gingen Mannschaften und Offiziere jede Nacht von Haus zu Haus und vergewaltigten die Frauen und Mädchen. In das Haus eines sehr angesehenen reichen Mannes kamen zwei Offiziere und verlangten, mit dem Tode drohend, daß er ihnen seine Tochter ausliefere. Mit großer Mühe gelang es ihm, sein Kind mit zooo Rubeln loszu- kaufen und die Schande von seinem Hause fernzuhalten.

In Dczurek haben die Russen Juden mißhandelt und Frauen gcsdiändet und alles ausgeplündert. Was sie nicht wegschleppen konnten, wurde verbrannt. In das Haus cles frommen und hochangesehenen Juden Ehrlich drangen zwei Offiziere und forderten, daß dessen Tochtet sich ihnen preisgebe. Da der Vater dies ihnen verweigerte, zog der eine Offizier seinen Säbel, legte dessen Schneide Ehrlich drohend an die Kehle, während der andere sich daran machte, die schlafende Tochter aus dem Bette zu zerren. Als der Vater, seinem Kinde helfend beispringen wollte, schnitt ihm der eine Offizier mit seinem Schwert die Kehle durch. Angesichts der Leidie wurde das Mädchen mißbraucfit und liegt heute nocii schwer krank darnieder.

Ein Bräutigam Israel aus Konin fuhr per Rad nach Slupci, um dort seine Braut zu besuchen. Zufällig stammte das Rad aus einer deutsdien Fabrik und trug eine deutsclie Marke. Für die Russen, die ihm begegneten, Grund genug, ihn zu verdäditigen. Sie rissen ihm vom Rad herunter, steckten ihn in einen Sack und begruben ihn lebendig, ja hatten sogar kaltes Blut genug, zu diesem teuflischen Gesdiäft jüdische Soldaten heran- zuziehen und so Brüder zum Henker des eigenen Bruders zu macfien.

Wenn ich Ihnen die angeführten Begebenheiten erzählt habe, so ist es nicht meine Absicht, auf die Nerven Ihrer Leser zu wirken. Die Zeiten sind zu ernst und die Dinge zu ungeheuerlich, als daß sie zu journalistischen Effekten ausgenützt werden dürften. Ich habe die Tatsachen ihre erschütternde Sprache reden lassen, damit die flammende Entrüstung, die jeden empfindenden Mensdien erfüllen muß, und die mich in diesem unglücklichen Lande seit Monaten in Aufregung hält, siA audi Ihren Kreisen und all denen in Ihrem Lande mitteile, denen Kultur, Gerechtigkeit und Menschlichkeit heilige BegriflFe sind, Idi habe Fakten an Fakten gereiht, die sich zu einer schreienden Anklage verdichten müssen gegen eine brutale Barberei, die Entsetzlichkeiten verübt, von denen man sidi nidht vorstellen kann, wie Menschenhirne sie ausdenken und Menschenhände sie vollfuhren können. Dinge, ob deren um ein biblisdies Wort zu gebrauchen jedem, der sie hört, die Ohren gellen müssen.

Lodz, den 25, Januar 1915. Feldrabbiner Dr. Arthur Levy.

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Die Judenfrage in England.

<Originalbericht des »Jüdischen Ardiivs«.)

Die enge Verbindung Rußlands mit den Westmäditen hat viele in sie gesetzte Hoffnungen enttäusdit. So ist vor allem die erwartete, günstige Beeinflussung des reaktionären Rußland durdi die traditionellen Vertreter moderner und freiheitlidier Grundsätze ausgeblieben, Rußland ist im Kriege nidit englisdi oder französisdi, sondern russisdier geworden. Es hat weder seine Art, die Völker zu regieren, nodi audi seine Kampfesweise den Ansdiauungen der zivilisierten Verbündeten angepaßt.

Hingegen hat die weitgehendste Rüd^siditnahme auf die Innerpolitik Rußlands in England und Frankreidi soldie Ersdieinungen gezeitigt, daß man füglidi von einer Beeinflussung in russisdiem Sinne spredien kann. Am deutlidisten erkennbar wird dieser Umstand in der Behandlung der Juden frage. Mehr nodi in England als in Frankreidi, Die festge* wurzelte englisdie Tradition sdieint auf den Kopf gestellt. Nidit der sdiüditernste Versudi wurde bisher unternommen, den russisdien Juden* Verfolgungen Einhalt zu tun. Dafür werden die Juden in der Presse und im Parlamente nadi einer Methode bekämpft, die der rüdständigsten russisdien Hetzpresse entlehnt ersdieint, nadi der Methode der sinnlosen Verdäditigung.

Vorbildlidi wirkte das Verhalten der »Times«. Jede Nummer enthält einen Ausfall gegen ausländisdie und einheimisdie Juden. Der Meldung vom Falle L i b a u s fügte das Blatt die Bemerkung hinzu : »N a di w e i s* lidi durdi jüdisdienVerrat.«Es beriditet weiter, daß »vier Fünftel der Libauer Gesdiäftsleute deutsdiejuden sind, weldie dem Einrüdcen der Deutsdien hofl^nungsvoll entgegensehen!« Die »Lusitania^Affäre« wurde gleidifalls benützt, um die Wut auf die Juden zu lenken. Die »Times« sdireibt : »Die bedeutsamste Ersdieinung ist die zügellose Freude Hamburgs und der jüdisdien Finanzpresse im allgemeinen über die Zer* Störung eines so widitigen SdiifFes und eines so verhaßten Nebenbuhlers.«

Diese Art der Darstellung hat sofort traurige Resultate erzielt. Mit den antideutsdien Exzessen, weldie nadi dem Untergange der »Lusitania« stattfanden, wurde eine Judenhetze verbunden. In London, insbesondere im jüdisdien Ostend, wurden neben wenigen deutsdien sehr viele jüdisdie Läden zerstört und ausgeplündert. Besonders stark haben die russisdien Juden gelitten. Ebenso wurde in Johannesburg <Südafrika> vorgegangen. Im Londoner »Jewisdi Chronicle« sind ausführlidie Sdiilderungen enthalten.

Audi im englisdien Parlamente sind ungewohnte Klänge zu hören. Am 24. Juni widtelte sidi folgende Debatte ab:

Sir Alfred M a r k h a m <Zedienbesit2cr und linksliberal) : »Ist es die Absidit des Kriegsministeriums, ein neues Lazarett in Surrey auf Kronland zu erriditen? Sind die Freiherren Bruno von Sdiröder und von Laurentz, sowie die Herren Günther, Donner, Nelke und Baumann die Förderer dieser Anstalt? Wenn ja, warum hat nidit Freiherr

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von Sdiröder sein Haus zu diesem Zwedic hergegeben Mr. T e n n a n t <LInter* Staatssekretär des Kriegs) : »Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Christian ist die Organi« satorin dieser Anstalt.« Sir A. Markham : »Wäre es nidit für den Staat vorteil* hafter gewesen, wenn das große Haus dieses nidit naturalisierten Ausländers zu diesem Zwedce benutzt worden wäre ? Können wir nidit das Geld dieses deutsdien Juden benützen, anstatt dem Staate neue Lasten aufzuerlegen?«

Ungemein bezeidinend ist die Aktion der englisdien Regierung gegen das bisher in England oft gespielte Drama Zangwills »Der Sdimelz- tigel«. Der Held des Stüd<:es ist ein jüdisdier Künstler, der zufolge eines Pogroms aus Rußland flüditen mußte. Aus Furdit vor Rußland fand es die Regierung des zensurfreien England für notwendig, die Aufführung des Stüd^es zu verhindern. Auf eine diesbezüglidie Interpellation des Sozialisten Anderson im Parlamente antwortete Lord Robert C e c i 1, daß die Aufführung auf Betreiben des auswärtigen Amtes unter* blieben sei.

Eines der meistgelesenen Büdier in England ist heute Stefan Grahams »Russia and the world«. Das Werk enthält die ungeheuerlidisten Besdiuldigungen gegen die Juden. Aber die liberale Presse Englands preist dieses im und für den Augenblidi hergestellte tendenziöse Madi* werk als die gediegenste wissensdiaftlidie Arbeit an.

Seitens einflußreidier englisdier Juden wurde Grey bestürmt, dodi endlidi den russisdien Bundesbruder zu bewegen, die Judensdiläditereien in Rußland und Galizien einzustellen. Grey gab die verbindlidie Zu« sidierung, daß der englisdie Botsdiafter in Petersburg intervenieren werde. Heute sind Monate vergangen, aber von einem Eingreifen des englisdien Botsdiafters verlautet nidits.

Wohl haben die englisdien Sozialisten Versudie unternommen, dem antisemitisdien Treiben Einhalt zu tun. Die Tagesordnung des am 6. September 1915 stattfindenden Trade^Union^Kongresses enthält eine Resolution, weldie »politisdie und bürgerlidie Gleidibereditigung für die Juden aller Länder« und von der englisdien Regierung ein Eingreifen zugunsten der Juden »bei jeder sidi bietenden Gelegenheit« fordert. Aber derartige Meinungsäußerunge« sind vereinzelt. Die englisdie Öffentlidikeit im allgemeinen ist heute dem jüdisdien Volke nidit freundlidi gesinnt und wird in absehbarer Zeit keinen ernsten Versudi zugunsten der jüdisdien Opfer der russisdien Mordwut unternehmen.

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Die Lage der Juden in Frankreich.-

Zur Gesdiidite der russisdi^^jüdiscfien Legion.

Seit Beginn des Krieges hat der Antisemitismus in Frankreidi immer weiter um sidi gegriffen. Besonders die in Paris lebenden russisdien Juden sind das Opfer einer Hetze. Sie werden nidit nur von der anti- semitisdien, sondern audi von den großen führenden Organen in der gehässigsten Weise angegriffen. So sdireibt »Petit Parisien« am ii. Juni 1915 :

Diese Leute die jüdischen Verkäufer auf dem carreau du Temple sind eine wahre Plage ,• sie haben sidi erst bei uns sdiüchtem eingesdilichen und nun wimmelt CS von ihnen, Weldies ist ihre Nationalität? Sie behaupten, sie seien alle Russen. Sind sie polnische Juden ? Das ist möglidi. Oestcrreidier, Türken ? Das ist wahr* sdieinlich. Keine Papiere können ihre Identität beweisen.

Diejenigen von ihnen, die jung sind und voll von Kraft und Gesundheit, sind nicht mobilisiert worden und werden es auch nidit. Also, unsere Leute müssen sidi töten lassen, damit Ausländer, wie diese, es sich bei uns behaglich machen und Geld verdienen. <»Petit Parisien« vom 11, Juni,)

Unter dem Titel »Zur Schande des Antisemitismus« zitiert der be* kannte Sozialist Gustave Herve in seiner »Guerre sociale« vom 20, Juni 1915 diese Scfimähung und schreibt:

Bei der ersten Schlacht bei Arras, die die glänzendste Waffentat in den letzten drei Kriegsmonaten darstellt, hat die Unerschrockenheit der Fremdenlegion den Offi» zieren, die diese Tapferen befehligen durften. Rufe der Bewunderung entlockt. Diese Legion, die man mit Unrcdfit die slavische nennt, war zu ihrem größten Teil aus russisch^jüdischen Kriegsfreiwilligen zusammengesetzt. Es ist unbedingt erforderlich, daß die öffentliche Meinung in Frankreich über diese Dinge informiert wird, und zwar aus vielen Gründen, die alle bald genau verstehen werden. Ich gebe im folgenden die Uebersetzung der bemerkenswertesten Stellen aus Briefen, die von der Front her an Freunde nach Paris geschickt worden sind. Einer stammt von einem jungen Manne namens Litwak, der in der Schlacht getötet wurde und den Brief einige Stunden vor dem Kampf sdirieb,

. . . ., den 16, Mai, Guten Tag, liebe Freunde !

Ich habe Eudhi traurige Nachrichten zu geben. Wir waren 4000 Mann, die in den Kampf zogen ,• es sind kaum 900 wiedergekommen. Wir bildeten einen Teil der marok« kanischen Division, im ganzen 28,000 Mann <Zuaven, Sdhützen und wir), es war schrecklich / von 6 Hauptleutcn unserer Legion sind drei tot, auch der Brigadegeneral ist tot/ alle unsere Freunde sind tot oder schwer verletzt, Litwak ist tot, Dossik ist schwer verwundet und so nocii viele andere. Unsere Leute sind tapfer gefallen, die Brust noch vorn <ein russischer Ausdruck), Wir haben drei Reihen von Schützen- gräben erobert, einen Hügel, ein Dorf. Ihr könnt die Einzelheiten in den Zeitungen nachlesen. Ihr fragt nach dem Grunde von so viel Tapferkeit ? Nun denn, das Leben ist uns eine Last geworden. Sechs Monate schwerer körperlicher Entbehrungen in den Schützengräben und dann als Dank dafür von den französischen Kameraden zu hören : »Ihr seid nur wegen des gefüllten Kocfitopfes gekommen,« Und nun haben wir den Kochtopf bezahlt und den Preis dafür geben müssen !

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Die Sdiladit war entsetzlich ! Wenn idi jetzt nocfi daran denke, so scheint es mir, als ob ich wahnsinnig werde. Wir haben 2000 Gefangene gemadit. Viele töteten sie, aber idi kann Euch sdiwören, daß idi keinen einzigen von ihnen berührt habe und daß ich die anderen daran hinerte, ihnen etwas zuleide zu tun. Man kann nicht alles er* zählen. Der kleine Midiel wurde von drei Kugeln getroffen, als er dabei war, den Verwundeten zu helfen, der brave Kerl ! Idi fürdite nidit den Tod ,• was mich in diesem Augenblidk am meisten cjuält, das ist die Frage, wie ich den Tod von Litwak seiner armen Frau mitteilen soll. Er bat mich, im Falle seines Todes diese traurige Sache zu erledigen, aber ich bringe es nidit übers Herz, Schreibt mir recht viel, ich fühle mich hier so einsam. Ich umarme Euch, Euer . . .

Liebe Freunde I

Ich sdireibe nach der Schlacht. Ich und Braser sind unverwundet geblieben, Dosik ist schwer verletzt, Litwak ist tot. Wir haben eine große Anzahl von Gefangenen gemacht, haben Masdiinengewehre und Kanonen erobert. Die Deutschen sind 8 Kilo* meter zurückgeworfen worden. Ich sah Fisdimann mitten im Kampf, wie er den Ver* wundeten zu Hilfe kam. Alle unsere Freunde, die russisdien Juden, sind tot oder sdiwer verwundet. Von den 4000 Juden unserer Brigade leben noch 190. Gott schütze uns !

Heute werden wir zum zweitenmal in den Kampf gehen . . .

Aus dem Brief des gefallenen Litwak, an einen Landsmann, den er nicht persönlich gekannt, aber durch Briefe kennen gelernt hat, welche an Kameraden an der Front gerichtet waren.

Guten Tag, unbekannte Freunde !

Am Vorabend einer Sdilacht, wo midi Gefühle erfüllen, die idi kaum erklären kann, fühle ich das Bedürfnis, Eudi einige Worte zu sciireiben. Ich empfinde instinktiv, daß idi auf dem Felde bleiben werde und daß ich niemals die schöne Erde, die Sonne und den blauen Himmel wiedersehen werde ,• meine Seele ist voll Angst. Nein, ich werde weder meine Frau, noch mein Kind, nodi meine Freunde wiedersehen und wenn es mir in diesem Augenblick unmöglich ist, den fernen Lieben zu schreiben, so genügt die Feder dodi für Worte an Freunde, die ich zwar nicht kenne, aber die mir dodi lieb sind. Ich werde Euch alles sagen, was die Seele erfüllt, wenn man weiß, daß man seine letzten Stunden lebt, während die Kanonen dröhnen, inmitten aller Sdirecfeen des Krieges. Und je ängstlicher die Seele ist um so stärker ist der Wille, daß alle Welt sehen soll, wie Juden für die Freiheit, für ihr Ideal zu sterben verstehen.

Wenn wir, die jüdischen Kriegsfreiwilligen, herbeieilten in jenen Tagen, da die Re- publik von Gefahren umdroht war, Seite an Seite mit den anderen Bürgern, da hofften wir, bei den militärischen Behörden dieses Landes eine Aufnahme zu finden, die den Gefühlen entsprach, die uns geführt hatten. Wie bitter war unsere Enttäuschung ! Während des ganzen Winters, während des langen und cpialvoUen Aufenthaltes in den Schützengräben, waren die Qualen der Seele in jedem Augenblick unsere Begleitung, Bei jedem Schritt überlegte man argwöhnisch den Beweggrund unseres Handelns und unser brennender Wunschi, unser Blut für Frankreich hinzugeben, wurde mit unserem Wunsche erklärt, die Soldatenkost zu essen.

Oh, dieser verfluchte Kochtopf ! Wie oft hat er uns sdion angewidert und wie teuer müssen wir ihn jetzt bezahlen. Was konnten wir in der ganzen Zeit antworten ? Hört man denn hier auf Worte ? Gab es denn hier einen einzigen Menschen, der sich die Mühe gab, unsere Seele zu erforsdien, um uns zu verstehen ? Nein, man betraditete uns argwöhnisdi, man mißtraut uns vielleicht. Und wir stehen nun vor Arras : In

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einigen Stunden werden wir in den Kampf gehen, zu dem wir den Befehl erhalten haben ! Sterben, aber nicht zurüdigehen ! leb weiß, daß wir uns gut sdilagen werden, daß wir mit freier Brust sterben werden <russisdier Ausdruck) und daß wir aller Welt zeigen werden, daß die Juden stolz zu sterben verstehen. Aber icb habe an diesem scfiönen, vielleicht letzten Abend einen Wunsdi : Euch meinen Seelenzustand zu sdiildern, den eines Juden, den man hier nidit versteht und den man nidit liebt. Wenn ihr wüßtet, Ihr lieben unbekannten Freunde, wie oft ich Eudi im Geiste für Eure Freundlidikeit gedankt habe, mir russische Zeitungen zu schicken. Und dodi muß ich Euch gestehen, daß meine Dankbarkeit mit etwas Bitterkeit gegen Euch gemischt war, gerade wegen dieser russischen Zeitungen,- denn teilen sie uns nicbt die Schrecknisse mit, deren Opfer unsere Brüder sind, die dort in dem fernen Vaterland zurückgeblieben sind ? Alles, was Ihr in diesen Zeitungen freundlicherweise angestrichen habt, ließ uns geradezu das Herz erzittern und rief in uns den Wunsdfi nach Radie wacii gegen icb weiß nicfit gegen wen , jedenfalls gegen den, der diese furchtbare Ungerechtigkeit erfunden hat.

Oh, wie wären wir glücklicii, wenn wir in einer französischen Zeitung ein Wort der Mißbilligung gegen so viel Ungerechtigkeit finden würden ! Niemand, mit einer Ausnahme, wenn diese Stimme des einsamen, mutigen Mannes überhaupt gehört wird. Haben wir nicht alle unsere Pflicht getan, unsere ganze Pflicht? Und während der jüdische Soldat sein Blut auf den Schlachtfeldern dahingibt, werden seine Frau, seine Schwester, seine kleinen Kinder, bedeckt mit Schmach und Schande, von Haus und Hof vertrieben und füllen alle Straßen an mit ihrem Elend und ihrer Not. Diese Stellen, die Ihr mit dem Rotstift unterstrichen habt, scheinen mir, als seien sie mit dem Blute des jüdisAen Soldaten unterstrichen ....

Der Tod flößt uns keine Furcht ein, wenn wir daran denken, daß er nicht unbemerkt vorübergehen wird, daß für die verfolgte jüdische Rasse irgend etwas Gutes daraus folgen wird. Wir werden Frankreich zeigen, daß die Juden für ein Vaterland zu sterben verstehen, das keinen Unterschied zwischen seinen Söhnen macht. Entschuldigt diese Gemeinplätze, aber ich sdireibe meine Gedanken aufs Papier, so wie sie kommen. Was mögen in diesem Augenblick meine Frau und mein Kind machen ? Wissen Sie, daß ich in diesem Augenblick noch lebe und doch glücklich bin, für das edle, republikanische Frankreich sterben zu dürfen, das aller Opfer würdig ist,- denn es wird meine Frau und mein Kind nicht im Stich lassen, mein Kind, das ich selbst nicht mehr kenne. Mein teueres Kind, Dein Vater geht in den Tod für eine große Idee und er hoffet, daß dieselbe Flamme auch in Deinem Herzen lodern wird.

Ihr werdet meine Kinder küssen und meine Frau trösten und ihr sagen, daß ihnen bei meinem Tode mein letzter Gedanke galt.

Wie erscheint mir mein früheres Leben so fern ! Wie viel Sentimentalitäten ! Ich fühle mich nur noch als Jude und als Soldat. In einer Stunde werden wir marschieren und werden sterben für Frankreich, für die Juden, für die Befreiung aller Juden. Es lebe die Freiheit, es lebe die Republick, es lebe das freie, edle und demo* kratische Frankreich. , Ich umarme Euch Euer Litwak ....

Zu diesen Briefen schreibt Gustav Herve.

Ah ! Man hat es ihnen schön gedankt ! Eine Administration ohne Herz und ohne Hirn deren einzige Entschuldigung war im August , daß sie den Kopf ver- loren hatte , hat sie nicht die Ungeheuerlichkeit begangen, für diese Geschöpfe voll Gefühl und Empfindsamkeit, die sich zusammengetan hatten, ohne je Soldaten ge- wesen zu sein, um eine Dankesschuld an das republikanische Frankreich zu zahlen, als Instrukteure und als Caders, wen zu bestimmen ? Korporale und Unteroffiziere

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der Fremdenlegion, von Algerien und Marokko her, an die Art der Behandlung ge* vp-öhnt, wie man sie den Bataillonen von Afrika, den Disziplinarsoldaten, den irgend- wie Bemadkelten und Entwurzelten aus all den Völkern zuteil werden läßt, die sidi in Friedenszeiten als Söldlinge in unsere Legion einreihen lassen.

Heldenmütiger L i t w a k, dessen letzter Brief, gesdirieben am Vorabend seines ruhmvollen Todes in der Sdiladit von Carency an der Sdiladit von zweitausend anderen Juden wie du, idi hier veröffentlicht habe, verzeiht diesen armen Unteroffi- zieren, die eudhi seit Monaten als »j ü d i s dl e Sdiweinehunde« und »Suppen- fresser« behandelten, euch, die ihr, ohne dazu verpfliditet zu sein, gekommen seid, in einer Stunde eines edlen Enthusiasmus, um euer adeliges Blut FrankreiA zu sdienken, das in euren Augen das Symbol aller Freiheiten und aller moralisdien Größe war ! Verzeiht ihnen sie wußten nidit, was sie tun.

Und man wollte nun wünsdien, daß die russischen Juden, die wissen, wie man die ersten Freiwilligen ihrer Rasse behandelt hat, und die das sAredclidKe Drama kennen, das eben, vorgestern, die jüdische Legion so blutig heimgesudit hat, nicht weit von Carency ein Drama, von dem ich aus patriotischer Scham nicht sprechen will, aber das bereits die ganze jüdisdie Kolonie kennt man kann wünsd\en, daß diese russischen Juden sich in die Fremdenlegion einreihen lassen ?

Wir suchen überall Sympathie : wahrhaftig, diese infame Drohung, die man gegen die jüdisdien Flüchtlinge aus Rußland losläßt, wird uns viel Sympathien verschaffen unter den zweieinhalb Millionen amerikanischer Juden, die in New York so einfluß- reich sind ....

Das Drama von Carency.

Über die Vorfälle bei Carency, weldie Herve aus patriotischer Scham nicht näher bezeichnen will, liegt naciistehender zuverlässiger Bericht vor:

Die Hetze der Antisemiten Gaue, Gali und Konsorten hat bittere Früdite ge- tragen. Eine Verordnung der französiscfien Administration ruft russisch^jüdische Staatsangehörige unter die Fahnen, die Polizei unterläßt ihnen nur die Wahl, ent- weder sich nach Rußland zu begeben, oder in die Fremdenlegion einzutreten, oder dann Paris zu verlassen. Die Bedingungen in der Fremdenlegion sind schreck- liche. In den letzten Kämpfen bei Arras- Carency sind tausende von Freiwilligen gefallen oder verwundet. Offener Antisemitismus, unmensciiliciie Behandlung ! Am 22. Juni hat das Kriesgericht neun Todesstrafen vollzogen, achtzehn andere sind zu Zwangsarbeit verurteilt worden wegen ihrer Proteste gegen die Behandlung und ihrer Forderung, in die reguläre Armee über- geführt zu werden.

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DeutschfreundliAe Haltung der amerikanisdien Juden.

Ober die Haltung der amerikanisdien Judcnsdiaft sdireibt der New Yorker Korrespondent der »Frankfurter Zeitung«, Karl Eugen Schmidt, in seinen »Amerikanischen Kriegs« bildern« :

»Während es Itah'ener, Deutsche und Iren in soldien Mengen hierzulande gibt, daß sie gewissermaßen Staaten im Staate bilden, merkt man von russischen Amerikanern nidits. Und dodi ist neben Italien gerade Rußland in den letzten zwanzig Jahren das« jenige Land gewesen, welches die meisten Einwanderer nach Amerika gesandt hat. Trotzdem sieht man weder russische Zeitungen noch sonst etwas Russisches in den Ver« einigten Staaten. Wie mag das kommen ? Nun, die Lösung ist sehr einfach. Diese russische Auswanderung hat den Muschik nicht im geringsten berührt/ die' Leute, die aus Rußland nach Amerika gekommen sind, waren gar keine Russen, sondern in Rußland wohnende Juden. Davon lebt heute eine starke Million in der Stadt New York allein, und eine einzige ihrer täglichen Zeitungen erscheint in einer Auflage von mehr als hunderttausend Exemplaren.

Die allermeisten von ihnen sind Sozialdemokraten, und alle ohne Ausnahme stehen in diesem Kriege auf der deutschen Seite. Dabei hat sich dann die sehr merkwürdige Anomalie ergeben, daß das in deutscher Sprache ersdieinende New Yor'^s'" Parteiblatt sich so streng neutral verhält, daß man es beinahe deutschfeindlich nennen könnte, wohin- gegen das in Judendeutsch mit hebräischen Buchstaben gedruckte, von mehr als hunderttausend russischen Juden gelesene, sozialdemokratische Blatt New Yor^^s ent- schieden gegen Rußland und für Deutschland einsteht.

Leider sind diese russischen Juden noch nicht lange genug in Amerika, um großen Einfluß haben zu können. Sonst würden sie ohne Zweifel sehr stark auf die öffentliche Meinung und die Haltung der Regierung einwirken. In wenigen Jahren wird man den jüdischen Einfluß in den Vereinigten Staaten verspüren, denn fast alle diese, den jämmer- lichsten Verhältnissen entgangenen und auch hierzulande noch mit Not und Elend kämpfenden Leute schicken ihre Kinder in die besten Schulen des Landes und suchen sie in die Höhe zu bringen. Schon jetzt sind die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen, Arzte, Advokaten usw. in den Vereinigten Staaten außerordentlich zahlreich, und die ein- gebürgerten und wahlberechtigten russischen Juden von New York haben bereits einen Vertreter im Kongreß zu Washington.

Während die amerikanischen Iren großenteils vergessen haben, was ihren Vätern und Großvätern von England zugefügt worden ist, sind die aus Rußland gekommenen Juden der drüben erduldeten Leiden lebhaft eingedenk,- und während daher die Iren eigentlich nur platonisch und nebenbei gegen England und für Deutschland Partei ergreifen, sind die in Amerika ansässigen Juden mindestens ebenso eifrig gegen Rußland wie die Deutsch- Amerikaner für Deutschland. Nach den Deutsch-Amerikanern sind sie gegenwärtig die besten Freunde, die Deutschland in Amerika hat,- die Irländer kommen erst in dritter Reihe.

Brief des öst.^ung, Botsdiafters in Washington in Angelegenheit der galizisdi^sjüdischen Flüchtlinge insbesondere der Advokaten.

Das Schicksal der aus Galizien nadi Innerösterrcidi geflüchteten Juden wurde in Amerika mit wärmstem Interesse verfolgt. Es bildete den Gegenstand einer überaus lebhaften Diskusion in der Presse und öfi^entlichkcit. Der österr.-ungar, Botschafter C. Dumba in Washington sah sicii veranlaßt in diese Diskussion einzugreifen und nahm in einem Briefe an den Herausgeber eines der größten jüdischen Blätter in New York Stellung zur Flüditlings- und Advokaten-Frage. Nachstehend das Schreiben im Originalabdrucfc :

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irtPCRiAL » ROVA«.

AU£T0O-HUNCARlAN C"BASOL

^ASHiNCTQN O C

New Tork. April 19. 1915.

To the Editor of the "The Wahrheit"

153 East Broadway. New York City.

Dear Sir:-

IB reply to your letter of April 17tb, I beg to polnt out to you

J., The poor jewish refugess from Galicia arrired in Moravia, Bohemia. and the adjoining provinces, absolutely destitute, ill. often infected witb contagictis diseases, They overcrowded some townships and hanlets to such an ezteat that there was no possibility to find decent shelter for them and the authorities could hardly cope with the difficnlt Prob- lem of feeding them. It is no matter of surprise that especial- ly in the villages the ignorant peasants, afraid of the heavy bürden thrown upon them should have protested against the inra- sion by the unfortunate refugees. I don't believe that they

stood.up against the Jew as such. It was the shelterless destitnte wtioiD tbey wanted to get rid of. without dissimi. nating betneen the polish Christian or jewish refuges.

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Ad. II The deoree Limitjno the exersize of the legal profession by jewish lawyers from Galicia and Bukowina has been issued od the demand of aiany advocates established in Vienna of wbom the majori ty is - 1 believe - of jewish re- ligion A rainoritj oi tbe Vienna lawyers - it is true - proteoted against chis measure and I hopa Chat it will be Soon recaiieQ

I stiail by all mecins report to my Government on your Protest ano use «natever influenae I have at home to obtam tbe repeai of tbe deoroe iB question. ßeiieve me.

dear Sir.

yours very truly.

Übersetzung: »K, u, k, öst,=ung. Botsdiaft, Washington. An den Herausgeber der »Die Wahrheit«, New York City 153 East Broadway. New York, am 19. April.

Sehr geehrter Herr! In Beantwortung Ihres Sdireibens vom 17. April erlaube idi mir Ihnen zu bemerken : I. Die armen Flüditlinge aus Galizien kamen in Böhmen und Mähren und den anstoßenden Provinzen völlig hilflos, krank und mit Krank* heitskeimen behaftet an, Sie überfluteten mandie Städte und Dörfer in solchen Mengen, daß es unmöglich war, ihnen Unterkunft zu sdiaffen und die Behörden kaum die sdiwierige Ernährungsfrage lösen konnten. Es kam durchaus nidit uner* wartet, daß besonders in Dörfern die unwissenden Bauern, erschrocken über den erdrückenden Zuwachs, gegen die Invasion der unglücklichen Flüchtlinge prote* stierten. Ich glaube nidit, daß sie sich gegen die Juden als solche gewendet haben. Es war der obdachlose Arme, den sie loswerden wollten und haben hiebei keinen Unterschied zwischen dem christlichen Polen und dem jüdischen Flüchtling gemacht,

II. Der Erlaß, weldier die Advokaten aus Galizien und der Bukowina in der Ausübung ihres Berufes einschränkt, wurde auf Verlangen vieler, in Wien an- sässiger Advokaten meines Wissens der Mehrzahl nach Juden herausgegeben. Ein kleiner Teil der Wiener Advokaten dies muß zugegeben werden hat gegen diese Maßregel protestiert und ich hoffe, daß sie bald widerrufen wird. Ich werde jedenfalls meiner Regierung Ihren Protest unterbreiten und den ganzen Einfluß, den ich zu Hause habe, aufbieten, um den Widerruf des fraglichen Erlasses zu erwirken.

Wollen Sie dessen versichert sein, sehr geehrter Herr, von Ihrem ganz ergebenen

C. Du m b a.«

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Die k. k. Regierungsverordnung betr. die Advokaten aus Galizien u. Bukowina,

Am 13. Februar 1915 wurde seitens der k. k. Regierung amtlidi verlautbart: Der Kriegszustand hat die Gefahr einer plötzlidien sprunghaften Vermehrung der Anwälte des Wiener Oberlandesgeriditssprengels durdi Übersiedlung auswärtiger Advokaten nahegerückt. Viele Advokaten, die wegen der kriegerisdien Ereig- nisse ihren Wohnsitz verließen, haben ihre Absidit angezeigt, nadi Wien oder in einen anderen Geriditsort dieses Oberlandesgeriditssprengels zu übersiedeln. Eine soldie plötz- lidie Vermehrung der Zahl der Advokaten in einem begrenzten Gebiete wäre sdion unter normalen Verhältnissen äußerst bedenklidi, weil ihr nidit auch eine annähernd gleidie Zunahme von Gesdiäften und Erwerbsgelegenheit gegenüberstünde, sie würde aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen geradezu gefährlidi, weil der Kriegszustand audi die Erwerbsmöglidikeit der Anwaltsdiaft sehr erheblidi verringert hat. Die Regierung sah sidi daher veranlaßt, Mittel zur Abwehr zu ergreifen. Eine morgen zur Verlautbarung ge- langende kaiserlidie Verordnung ermäditigt den Justizminister einen Oberlandesg e- riditssprengelzeitweisefürdenZuzugvon Advokaten aus anderen Sprengein zu sperren. Eine gleidizeitig verlautbarte Verordnung des Justizministers ordnet die an- geführte Sperre vorläufig für den Sprengel des Oberlandesgeridites Wien an und fordert, daß Advokaturskandidaten wenigstens durÄ zwei Jahre in die Liste der Advokaturskandidaten der Advokatenkammern in Wien, Linz oder Salzburg eingetragen sein müssen, wenn sie in die Advokatenliste einer dieser Kammern eingetragen werden wollen.

Zu dieser Verfügung, weldie fortdauernd in Kraft ist, sdirieb die »Neue Freie Presse« am 13. Februar 1915: »Unter den aus Galizien und der Bukowina vor dem russisdien Einbrudi geflüditeten Personen befinden sidi auch zahlreidie Advokaten, die nach Er- sdiöpfung der aus der Heimat mitgebrachten Geldmittel in eine peinlidie Situation ge- raten sind. Es bleibt diesen Mitgliedern eines hochgeachteten Berufes niclits übrig, als die Unterstützung durch den Staat und die private Wohltätigkeit anzurufen. Da arbeitsfähige und arbeitswillige Männer eine solche Notwendigkeit begreiflicherweise sdieuen, entstand unter den Advokaten aus Galizien und der Bukowina eine Bewegung, die darauf ab- zielte, die Eintragung in die Liste der Anwälte des Wiener Kammersprengeis zu er- wirken, um hier durdh Ausübung der Advokatur sich bis zu jener Zeit den Lebensunter- halt zu verdienen, da alle Flüchtlinge wieder in ihre Heimat würden zurückkehren können. Diese Absicht eines Teiles der galizisdien Advokaten hat, wie erinnerlidi, zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Wiener Anwaltschaft geführt. Zwei Auffassungen standen einander gegenüber: Ein Teil der Wiener Advokaten war der Auffassung, daß den unglücklichen Kollegen aus den vom Feinde heimgesuchten Gegenden die Möglidikeit, in Wien Arbeit und Verdienst zu sudien, niclit gesperrt werden solle, zumal die An- waltschaft an dem Grundsatze der Freizügigkeit der Advokatur als einer Grundlage der Standesfreiheit stets festgehalten hat,- ein anderer Teil befürchtete eine Beeinträchtigung des Erwerbes der ansässigen Anwaltsdiaft. Beide Auffassungen waren im Ausschusse der Ad- vokatenkammer und in der Kammer selbst vertreten. Die Mehrheit neigte der Meinung zu, daß der Grundzatz der Freizügigkeit und RücksiditenderMenschlidikeit und Gereditigkeites fordern, den galiz'sdien Advokaten die vorübergehende Ausübung des Berufes in Wien zu ermög- lichen. In diesem Sinne entschied auch die GeneralversammlungderWiener Ad- vokatenkammer, die Freitag, den 5. Februar, über diese Frage beraten hat. Man dürfe nicht aus materiellen Gründen die Beschränkung der Rechte des Anwaltstandes verlangen.

Die Regierung teilt nun heute mit, daß sie eine § 14- Verordnung erwirkt habe, welciie den Justizminister ermächtigt, einen Oberlandesgerichtssprengel zeitweise für den Zuzug von Ad- vokaten aus anderen Sprengein zu sperren. Gleichzeitig wird die Erlassung dieser Verordnung des Justizministers mitgeteilt, weldie die Sperre vorläufig für den Wiener Sprengel verfugt.

Die verordnete Beschränkung der Eintragung von Kandidaten in die Advokatenliste geht weit über den Zweck hinaus, den die Regierung im Auge hat. Denn hiedurch wird nicht bloß den Flüchtlingen aus Galizien, sondern allen Kandidaten, auch denen aus anderen Kronländern, die Eintragung erschwert. Aber hieven abgesehen, erhebt sich dann die Frage, ob es angezeigt ist, über die Wünsdie der berufenen Standesvertretung hinaus Bresche in die Freizügigkeit der Advokaten zu legen, und ob es nicht am allerwenigsten angezeigt war, materielle Rücksichten zu Worte kommen zu lassen gegenüber armen Flüchtlingen, die der Krieg von ihrem Heimatboden vertrieben hat und die für die Dauer ihres Exils ihr Brot verdienen wollen, um nicht öffentliche Mildtätigkeit in Anspruch nehmen zu müssen.«

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Gefallene jüdisdie Offiziere der österreichisch- ungarischen Armee.

1. Liste. Redigiert von Moritz Frühling, (Herausgeber der »Jüdisdien Kriegsgedenk- blättcr«, Verfasser des Werkes »Die Juden in der Wehrmadit Österreidi-Ungarns.«)

Anton Oskar, Dr., Reserve-Oberarzt im Jägerbataillon Nr. jo, geboren 1883 zu Tetin in Böhmen, gestorben 11. Oktober 1914 im Reservespitale Kafwarya, Galizien

Baderle Alfred, Leutnant des Landsturm-Infanterie-Regiments Nr. Z5, geboren 1883 zu Olmütz, gefallen 12. September 1914 auf dem nördlidien Kriegssdiauplatzc, begraben in Zaleszany bei Rzeszow, Galizien.

Berenyi Armand, Leutnant im k. u, Landsturm-Infanterie-^Regimente Nr. 17' geboren« 1877 zu Bicske in Ungarn, gefallen 17, September 1914 bei Krupanje im Kampfe gegen die Serben.

Berger Oskar, Reserveleutnant der Traintruppe, geboren 1889 in Wien, gestorben 17. Jänner 1915 am südlidien Kriegssdiauplatzc, beerdigt in Ujvidek.

Bermann Hugo, Rcserveoberleutnant im Landsturm-Infanterie-Regiment Nr. 36, geboren 1876 zu Nimburg in Böhmen, gefallen 26. Oktober 1914 bei Sadkowice in Russisdi-Polen.

Bernaucr Marcel, Reserveleutnant des Feldartillerie^Regimcnts Nr. 11, geboren 1890 zu Kirtetiwy in Ungarn, gefallen 19. Mai 1915 in der Sdiladit bei Lisowice.

Braun Hubert, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 48, geboren 1887 in Cilli, Steiermark, gefallen 10. Oktober 1914 auf dem nördlidien Kriegssdiauplatze, beerdigt in Pogon, Galizien.

Brügl Ridiard, Reservelcutnant des Infanterie-Regiments Nr. 8. geboren 1887 zu Neustadtl in Mähren, gestorben am 19. November 1914 während des Kranken- transportes in Kattowitz.

Buxbaum Emil, Reserveleutnant des Infanterie-Regiments Nr. 86, geboren 1887 zu Luk in Böhmen, gefallen 24. Mai 1915 auf dem galizisdien Kriegssdiauplatzc^

Deutsdi Albredit, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 94, geboren 1887 in Rcidienberg, gefallen 26, September 1914 auf demserbisdien Kriegssdiauplatzc.

Deutsdi Samuel Siegfried, Leutnant des 30. Landsturm-Infanterie-Regiments, geboren 1874 i" Brunn, gefallen 8. September 1914 auf russisdiem Boden bei Zakrzow.

Dukatenzahler Jakob, Reservelcutnant des Infanterie-Regiments Nr. 77, geboren 1887 zu Sambor in Galizien, gefallen, Datum und Ort nodi nidit genau eruiert.

Eiß Hermann, Ritter von, Hauptmann des Sappeurbataillons Nr. 14, geboren 1881 zu Olmütz, gefallen 16. Oktober 1914 auf dem nördlidien Kriegssdiauplatzc.

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Epstein Ernst, Reserveicutnant im 3. Regiment der Tiroler Kaiserjäger, geboren

1884 in Prag, gefallen 16, November 1914 bei einem Sturmangriff in Russisdi-Polen, begraben südöstlidi von Glewiec, Kote 266.

Erdelyi Paul, Reserveleutnant des 4. FeIdhaubitzen«Regiments, geboren 1883 in Budapest, gestorben 23. August 1914 im Spitale zu Ujvidek an den Folgen der in den Kämpfen um Sdiabatz am 19, August erlittenen sdiweren Verwundungen.

Parkashäzy Alexander von Farkashäza, Hauptmann des Feldjäger-' Bataillons Nr. 19, geboren 1879 zu Klausenburg, gefallen am i8. November 1914 als Kommandant der Maschinengewehr^Abteilung bei dem Dorfe Sulosowa im Gouvernement Kielce.

Feiner Wilhelm, Einjährig-Freiwilliger^Zugsführer <OfR2iersaspirant>, geboren

1886 in Tesdien, erlegen den im Sturme der Höhen von Btecz, 4. Mai, erlittenen Verwundungen im dortigen Feldspital am 7. Mai 1915.

Fenyo Josef, Reserveleutnant des Infanterie^Regiments Nr. 38, geboren 1886 zu Besztercebanya in Ungarn, gefallen <Datum nodi nidit eruiert) auf dem süd« lidien Kriegssdiauplatze im Treffen von Tabanovics.

Fisdier Franz, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 60, geboren 1883 in Budapest, gefallen 20. Oktober 1914 in der Sdiladit bei Rudnik am San.

Fisdihof Emil, Reserveleutnant des Infanterie»Regiments Nr. 43, geboren 1881 zu Nagy^Szent^Miklos, gefallen bei Sztropko, von einer feindlidien Dum-Dum» Kugel getroffen,

Fischl Leo, Reserveleutnant im Feldjägerbataillon Nr. 6, geboren 1886 in Prag, gestorben am 25. November 1914 in russisdier Kriegsgefangensdiaft an den Folgen der im Gefedite bei Bobin erlittenen sdiweren Verwundung.

Fisdil Paul, Einjährig-Freiwilliger-Korporal (Offiziersaspirant) im Infanterie- Regimente Nr. 91, geboren 1886 in Karolinenthal bei Prag, gefallen am 8. Sep» tember 1914 auf dem serbisdien Kriegssdiauplatze.

Flasdiner Ludwig, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 47, geboren

1883 in Wien, gefallen, Datum und Ort nodi nidit genau eruiert,

Flecfcer Adolf, Oberstleutnant des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 20, geboren 1858 in Lemberg, gefallen am 10. September 1914 auf dem nördlidien Kriegssdiauplatze.

Fleischer Adolf, Oberstleutnant, Kommandant des Landsturmbataillons Nr. 52, geboren 1857 zu Görkau in Böhmen, gefallen am 9, November 1914 auf dem südöstlidien Kriegssdiauplatze.

Forgäcs Eugen, Reserveleutnant des Infanterie-Regiments Nr. 68, geboren

1887 in Budapest, gefallen am 26. Mai 1915 in den GefeÄten bei Stryj-Drohobycz. Forgäcs Loränd, Bruder des vorigen, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente

Nr. 38, geboren 1882 in Budapest, gefallen am 7. November 1914 bei Valjevo (Serbien).

Frankenbusdi Rudolf, Reserveleutnant des Infanterie-Regimentes Nr. 28, geboren 1883 zu Lipnitz in Böhmen, gefallen am 20. November 1914 bei den Kämpfen vor Krakau, an der Brüdte von Przeslawice.

Frisdiauer Ernst, Dr., Reserveleutnant des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 28, geboren 1883 in Wien, gefallen am 22. November 1914 bei Gieblo.

Glaser Otto, Rcserveleutnant im Landwehr-Infanterie-Regimente Nr. 7, geboren

1885 in Pilsen, gefallen am 17, September 1914.

Goldsdimidt Egon, Landsturm-Ordonnanzoffizier, geboren 1877 in Wien, ver- unglüdite Anfang August während einer dienstlidien Automobilfahrt.

Goldstein Karl, Dr., Reserveleutnant des Feldjägerbataillons Nr. 13, geboren

1884 in Wien, gefallen im September 1914 auf dem nördlidien Kriegssdiauplatze. Goldstein Otto, Dr., Reserveleutnant im Honved-Infanterie-Regimente Nr. 27,

geboren 1886 in Pozega, Slavonien, erlegen am 1, März 1915 den Wunden, erlitten während der Stürme um Stanislau am 24. Februar,- beerdigt durdi die Chewrah- Kadisdiah im Marmarossziget.

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Grünbergcr Ernst, Reserveleutnant im Infanterie=Regiment Nr. 38, geboren 1886 in Trebitsdi, gefallen am 18. September 1914 im Gefechte bei Prcevice.

Gfünfcld Leo Ridiard, Dr., Reserveregimentsarzt im Landwehr-Infanterie^ Regiment Nr. 16, gestorben am 20. September 1914 an der Ruhr im Eisenbahn» wagen und überführt nach Wien.

Haas Emil, Rcserveleutnant des Infanterie-Regiments Nr. 1, geboren 1883 in Troppau, erlegen den am nördlidien Kriegssdiauplatze empfangenen Verletzungen, beerdigt am 6. November 1914 in Wien.

Häutler Rudolf, Reserveleutnant der Traindivision Nr. iz, geboren 1881 in Budapest, erlegen am 19. September 1914 im k. u. k. Garnisonsspital in Kasdiau einer sdiweren, am Kriegssdiauplatze erworbenen Krankheit.

Heissfeld Jakob, Dr., k. u. k. Stabsarzt und Chefarzt des Infanterie=Regimentes Nr. 16, geboren 1871 in Brunn, versdiieden am 16. Juni 1915 in Kolomea an den Folgen der am Sdiladitfelde erlittenen Verwundung, beerdigt am Z4. Juni 1915 in Wien.

Hescficlcs Dawid, Dr., Leutnant im Landsturm-Regimente Nr. 36, geboren 1880 in Lemberg, gefallen in den einleitenden Kämpfen dieses Krieges im August 1914, beerdigt in Czernowitz.

Hirsdi Rudolf, Reservcleutnant des Infanterie-Regiments Nr. 89, gestorben am 31. August 1914 im Festungsspital zu Sieniawa.

Hirsdiler Bela, Oberingenieur der Staatsbahn, geboren 1870 zu Csäszär in Ungarn, gefallen, von 17 Kosakenkugeln getroffen, während der mit einer Loko» motive durdigeführten Rekognoszierungsfahrt in der Gegend von Marmarossziget im Herbste 1914.

Ho£Fmann Jacques, Reserveleutnant des Infanterie-Regiments Nr. 81, geboren 1886 in Lundenburg, gefallen am 17. November 1914 auf dem nördlidien Kriegs» sdiauplatze.

HofFmann Kurt, Reservekadett im bosnisdi=herzegowinisdien Infantcrie-Regimente Nr. 2, geboren 1893 in Wien, gefallen am 25. August 1914 an der bosnisdi- serbischen Grenze in den Schluditen am Osmanje brdo.

Kafka Karl, Reserveleutnant des Landwehr=Infanterie=Regiments Nr. 11, geboren 1883 in Pribram, gefallen am 9. Mai 1915 beim Sturm auf Wola Sekowa.

Klauber Izso, k, u. Landsturmleutnant, geboren 1879 in Temesvär, gefallen am 27. September 1914 in der Gemarkung von Fenyesvölgy.

Klein Ludwig, Dr., k. u. k. Oberstabsarzt, Kommandant des Reservespitales Nr. 3 in Prag, geboren 1854 zu Krasnohora in Böhmen, gestorben am 11. Februar 1915 an Fledttyphus.

Koch Alexander, Reserveleutnant des Infanterie-Regiments Nr. 3, geboren 1886 zu Osoove, Komitat Bäcs»Bodrog, gestorben am 21. August 1914 im mobilen Reservespitale zu Ruma.

Kohn Oskar, Reservefähnrici im Infantcrie-Regtmente Nr. 12, geboren 1889 in Pilsen, gefallen am 10. November 1914 auf dem südlichen Kriegssdiauplatze.

Kohn Otto, Dr., Reserveleutnant im z. Regiment der Tiroler Kaiserjäger, gefallen am 10. Dezember 1914 in der Schlacht von Limanowa.

Koranyi Robert, Reserveleutnant des Infanterie-Regiments Nr. 2, geboren 1889 in Wien, gefallen am 26. August 1914.

Kramer Geza, Reserveleutnant im k. u. Landsturm-Infanterie-Regimente Nr. 14, geboren 1879 in Nyitra, gefallen am 7. September 1914.

Krausz Emanuel, Major im Infanterie-Regimente Nr. 52, geboren 1864 zu Bonyhäd in Ungarn, gefallen am 10. September beim Sturm auf das Dorf Ljobovija.

Kulka Emil, Reserveleutnant im Infanterie-Rcgimente Nr. 95, geboren 1884 zu Buchlowitz in Mähren, gestorben am 30. November 1914 im Garnisonsspitale zu Brunn.

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Lagus Emil, Kadett im Infanterie''Regimente Nr. 91, geboren 1894 in Prag, gefallen am 20. März 1915 in den Karpathen.

Lang Moritz, Leutnant in der Reserve im Infanteric=Regimente Nr. 81, geboren 1882 in Wien, gefallen am 15, September 1914 bei Krupanj in Serbien.

Langfcldcr Arthur, Dr., k, u. k. Stabsarzt, geboren 1870 zu Kfausenburg, gefallen auf dem russisrfien Kriegssdiauplatze, getroffen von einem Sdirapnellsplitter. Datum nodi nidit genau eruiert.

Langraf Fritz, Fähnridi im Feldhaubitzen=Regimente Nr. 7, geboren 189z in Wien, gestorben am 26. Jänner 1915 im Roten Kreuzspital zu Nagy^Mihaly.

Laufer Edmund, Reserveleutnant im Infanterie^Regimente Nr. 38, geboren 1884 in Budapest, gefallen am 7. September 1914 gelegentlidi des Einbrudies der serbisdien Timokdivision bei Szurcin.

Lcmbergcr Felix, Dr., Reserveleutnant im Infanterie=Regimente Nr. 42, geboren 1880 in Wien, gefallen am 7. November 1914 bei einem Sturmangriff gegen die serbisdien Truppen.

Leszlenyi Alfred, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 6, geboren 1889 in Györ, gefallen am 9. September 1914 in der Sdiladit bei Rumno in Galizien.

Lindner Karl, Reserveleutnant im Infanterie^Regimente Nr. 26, geboren 1884 in Troppau, gestorben am 19. August 1914 im Feldspital zu Staribrod an den Folgen der beim Sturmangriff auf den Panos erlittenen Wunden.

Löwenherz Bernhard, Offiziersaspirant im Marsdibataillon Nr. zz, geboren

1880 in Lemberg, erlegen am 16. November 1914 den in den Oktoberkämpfen um die Magiera davongetragenen sdiweren Verletzungen.

Löwenstein Stephan, Reserveleutnant der Reitenden Artillerie^Division Nr, 4/ geboren 1888 zu Poganyszentpeter in Ungarn, gestorben am 13. September 1914 in Przemysl.

Moor Eridi, Dr., Kadettaspirant, geboren 1890 in Wien, gefallen am 15. Sep» tember 1914 auf dem nördlidien Kriegssdiauplatze.

Müller ^rnst, Reserveleutnant der Traindivision Nr. 4, geboren 1883, gestorben am 21. Dezember 1914 im Reservespitale in Marienberg bei Mährisdi^Ostrau.

Müller Paul, Reserveleutnant im Feldjägerbataillon Nr. 21, geboren 1892 in Wien, gefallen am 26. Mai 1915 bei einem Sturmangriffe in der Nähe von Drohobycz.

Mund Bernhard, Dr., Reserveregimentsarzt im Landwehr=Infanterie-Regimente Nr. 16, geboren 1897 in Lemberg, gefallen als erstes Opfer unter den Militär»^ ärzten am Tage der Sdiladit von Krasne-^Busk, im August 1914.

Nassau Kurt, Fähnridi im Jägerbataillon Nr. 10, geboren 1891 in Ungarisdi» Brod, gefallen am 6. November 1914 auf dem südlidien Kriegssdiauplatze.

Noväk Paul, Reserveleutnant im bosnisdi-'herzegowinisdien Infanterie-Regimente Nr, 4, geboren 1883 zu Cisovic in Böhmen, gefallen am 15. September 1914 auf dem südlidien Kriegssdiauplatze.

Nussbaum Fritz, Reserveleutnant im Landwehr^Infanterie^Regimente Nr, 31, geboren 1886 in Wien, gefallen am Z7, August 1914 bei Krasnik.

Opier Hugo, Landsturmoberleutnant im Honved»ArtiIlerie=^Regimente Nr, 3, geboren 1880 in Budapest, gefallen am 16. Mai 1915 auf dem nördlidien Kriegs» sdia upiatze.

Pidk Alfred, Reservefähnridi im Festungsartillerie-Regimen te Nr. 1, geboren 1891 in Wien, gefallen am 30. August 1914 auf dem nördlidien Kriegssdiauplatze.

Popper Berthold, Reserveleutnant im Festungsartillerie-Bataillon Nr, 4, geboren

1881 in Wien, gefallen 8. September 1914.

Priester Friedridi, Dr., Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 73, geboren 1878 in Böhmisdi-Leipa, gefallen am z6. September 1914 auf dem südlidien Kriegs- sdiauplatze,

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Rado Aladär, Leutnant in der Reserve des Infanterie-Regiments Nr. 68, geboren 1882 in Budapest, gefallen am 8. September 1914 im Kampfe gegen die serbisdie Timokdivision.

Raubitsdiek Friedridi, Reserveleutnant im Sappeurbataillon Nr, 7, geboren 1887 zu Kuttenberg in Böhmen, umgekommen am 7. August bei einer Explosion am serbisdien Kriegssdiauplatz.

Raubitsdiek Rudolf, Einjahrig-Freiwilliger-Korporal <Offiziersaspirant> im Infanterie^Regimente Nr. 1, geboren 1887 in Jägerndorf, erlegen am 25. Oktober 1914 einer tagsvorher bei Iwangorod erlittenen sdiweren Verwundung.

Raudi Heinridi, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 89, geboren 1884 in Warsdiau, gefallen am 24. August 1914.

Redien Jakob, Reserve»Medikamenten=Akzessist, geboren 1869 in Lemberg, gestorben am 23. Februar 1915 in Ausübung seines militärisdien Dienstes.

Reizes Ernst, Leutnant in der Reserve im Infanterie-Regimente Nr. 4, geboren 1887 in Wien, gefallen am 12. Juni 1915 am italienisdien Kriegssdiauplatze.

Renner Jakob, Reserveicutnant im Infanterie-Regimente Nr. 4, geboren 1884 in Wien, gefallen am 8. September 1914.

Rohrlidi Jakob, Leutnant in der Reserve im Infanterie- Regimente Nr. 61, geboren 1883 in Suczawa, gefallen am 31. August 1914 bei Rohatyn in Galizien.

Rothsdiild Fritz, Reservcleutnant des Infanterie-'Regiments Nr. 18, geboren 1884 in Teplitz, gefallen in der Sdiladit bei Komarow.

Salven dy Arthur, Leutnant im k. u. 14. Landsturm-Regimente, geboren 1880 in Nyitra, gefallen am 8. September 1914 am nördlidicn Kriegssdiauplatze.

Samuely Stanislaus, Einjährig-Freiwilliger, Kadett des Feldjägerbataillons Nr. 27, geboren 1893 in Lemberg, gefallen am 9. Mai 1915 bei einem Sturm- angriff am nördlidien Kriegssdiauplatze.

Sdiidt Maximilian, Leutnant in der Reserve des Infanterie^Regiments Nr. ^j, geboren 1880 in Agram, gefallen am 7. November 1914 bei Krupanj.

Sdiillinger Midiael, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 46, geboren 1882 zu Kisjenö in Ungarn, erlegen am 8. Mai 1915 in Laborcsfö den in den Karpathenkämpfen erlittenen Verwundungen.

Sdineer Tosef, Oberleutnant in der Reserve im Infanterie-Regimente Nr. 31, geboren 1881 in Wien, gestorben in Brunn am 30. April 1915.

Sdiwarz Martin, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 38, geboren 1889 in Balassa-Gyarmat, gefallen im Oktober 1914 auf dem südlidien Kriegssdiauplatze.

Sdiweitzcr Josef, Leutnant in der Reserve im Infanterie-Regimente Nr. -j^r geboren 1882 in Szegcd, gefallen am 23. August 1914 bei Polidina.

Spitz Moritz, Leutnant in der Reserve im Infanterie-Regimente Nr. 97, geboren 1887 in Vitis, gefallen am 26. August 1914 bei Krasne-Busk.

Steiner Max, Leutnant des Landsturm-Regiments Nr. 30, geboren 1879 in Iglau, gefallen am 8. September 1914 auf dem nördlidien Kriegssdiauplatze.

Stern Lazar, Dr., Reserveregimentsarzt des Landwehr-Infanterie-Regiments Nr. 16, geboren 1880 in Lemberg, gefallen im September 1914 auf der Höhe von Janow in Galizien.

Stakhart Julius, Fähnridi im Infanterie-Regimente Nr. 93, geboren 1891 in Znaim, gefallen am 23. August 1914 am nördlidien Kriegssdiauplatz.

Stummer Hugo, Dr., Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 90, geboren 1887 in Hohcnmauth, erlegen am u. März 1915 einer am Kriegssdiauplatze er- worbenen Krankheit.

Subak Ridiard, Dr., Leutnant im Landsturm-Regimente Nr. 35, geboren 1875 in Trebitsdi, gefallen am 29. August 1914 am nördlidien Kriegssdiauplatze.

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Sulc Hugo, Leutnant in der Reserve im Infanterie^Regimente Nr. ii, geboren

1882 in Auwal bei Prag, gefallen am 12. August 1914 beim Übergänge über die Drina.

Szasz Alexander, Leutnant in der Reserve im Infanterie^'Regimente Nr. 70, geboren 1887 zu Bekescsaba in Ungarn, gefallen im August 1914 auf dem süd- lidien Kriegssdiauplatze.

Szemere Bertalan, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 25, geboren

1884 in Klenocz, Ungarn, gefallen am 25. September 1914 am serbisdien Kriegs^ sdhauplatze.

Taussig E rwi n, Dr., Reserveassistenzarzt der Sdiweren Haubitzendivision Nr. 11, geboren 1887 in Sdilan, Böhmen, versdiieden am 28. August im Spitale zu Nisko in Galizien.

Treulich Paul, Leutnant im Landsturm-Regimente Nr. 36, geboren 1877 zu Neuhaus in Böhmen, gefallen am 23. August am nördlidien Kriegssdiauplatze.

Väzsonyi Josef, Reservefähnridi im Infanterie^Regimcnte Nr. 62, geboren 1891 zu Tapolcsa in Ungarn, gefallen am 17, August 1914 am serbisdien Kriegssdiauplatze.

Völgyesi Sigmund, Rescrveleutnant im Infanterie=Regimcnte Nr. 23, geboren

1885 zu Vägujhely in Ungarn, gefallen am 9. September 1914 in der Sdiladit bei Magierow.

Wedisberg Gustav, Dr., Einjahrig-Freiwilliger, Kadettaspirant im Infanterie» Regimente Nr. 100, geboren 1890 in Mährisdi^Ostrau, gefallen am 4. Mai 1915 bei Gorlice.

Weißenstein Oskar, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 28, geboren

1883 in Iglau, gefallen, Datum nodi nidit eruiert, am nördlidien Kriegssdiauplatze. Weltlinger Otto, Dr., Leutnant im Landsturm»Infanterie»Regimente Nr. 36,

geboren 1879 ^u Picsling in Mähren, erlegen den Wunden am 10. September 1914 in Nadworna, Galizien.

Weltsdi Georg, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 75, geboren 1886 in Prag, gefallen in der Sdiladit bei Tomaszow im August 1914.

Zilz Lothar, Reserveleutnant im Infanterie-Regimente Nr. 87, geboren 1884 in Wien, gefallen am 26. August 1914 im Gefedit bei Zloczow.

Zuckermann Hugo, Dr., Leutnant in der Reserve im Landwehr-Infanterie- Regimente Nr. 11, geboren 1881 in Eger, gestorben am 23. Dezember 1914 an den Folgen der in den Kämpfen um den Duklapaß davongetragenen Verletzungen in seiner Geburtsstadt.

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Osterreidi-Ungarns jüdische Offiziere.

Von Moritz Frühling, Wien.

Während die früheren Chroniken des jüdischen Volkes immer nur von freud* oder leidvollen Epodien beriditen, hat nun die seit Jahresfrist wütende Kriegsfurie den Anteil unseres Volkes zu einer Epopäe gestaltet, aus deren Zeilen die Freude über jüdisdiesSoldatenheldentum hodiauf klingt, aber audi unendlidie Trauer über jüdisdies Martyrium hervorsdiludizt. Das jüdisdie Martyrium aus dem Kriege 1914/15 wird seinen eigenen, hiezu berufenen Chronisten finden, wie auch unsere Heroengeschichte dieser eisernen Zeit späteren Geschleditern überliefert werden wird. Aus letzterer wollen wir in diesen Blättern fortlaufend bekanntgewordene Episoden anführen.

Der Rittersdblag mit dem russisdien Säbel.

Die alten Landstürmer haben oft und oft in diesem Kriege Dinge geleistet, welche frisdie, junge und straff organisierte Mannschaften kaum zuwege bringen. Besonders dann, wenn es der Führer verstand, das Blut der alternden Männer in Wallung zu bringen. Beim Landsturm^Infanterieregiment Nr, 21 war ein solcher Führer. Das Bataillon des Hauptmannes Moritz Seinfeld stürmte in kurzer Zeit dreimal/ einmal eine befestigte, feindliche Stellung und zweimal ging es im Generalsturm regulärer, feindlicher Infanterie mit der blanken Waffe an den Leib und warf sie zurück. So hartnäckig verbiß sich diese Truppe in den flüchtenden Gegner, daß eine lange Zeit hindurch Russen und Landstürmer vermischt dahin rasten, bis Hauptmann Seinfeld, um den flüditenden Gegner wirksam unter Feuer zu nehmen, seinen Leuten Halt gebot. Er selbst hatte sieb durdi den Anblick eines flüchtenden russischen Offiziers hinreißen lassen und in den Knäuel geworfen. Er holte den Flüchtling ein. Der wand sich los und Hauptmann Seinfeld konnte nur mehr den Säbel des Feindes an sich reißen. In langausgeholtem Hiebe sauste der erbeutete Stahl über einen gewissen Teil der Kehrseite des Flüchtenden, Dann sammelte der Offizier ladiend seine Truppe und leitete die Feuerverfolgung ein. Für die an der Spitze seines Bataillons vollbraditen wackeren Taten erhielt Hauptmann Seinfeld d as Militärverdienstkreuz III. Klasse mit, der Kriegsdekoration,

Moritz Seinfeld, geboren 1868 zu Bistritz in Siebenbürgen, wurde am 18. August 1888 aus der Kadettensdiule zu Hermannstadt zum Infanterieregimet Nr. 1 als Kadett ausgemustert, avancierte Februar 1889 zum Kadett=OffiziersstelIvertreter, Mai 1891 zum Leutnant, vier Jahre später zum Oberleutnant und Mai 1904 zum Hauptmann im In= fanterieregimente Nr. 43. Mit diesem Regimente madite er die, aus Anlaß der Ausdeh« nung der kaiserlidi=österreidiisdien Souveränitätsrechte auf Bosnien und die Herzegowina nötig gewordenen, vom 1. Oktober 1908 bis 30. April 1909 dauernden, besonderen mili- tärischen Maßnahmen an der Südostgrenze der Monardiie mit. August 1913 wurde ihm «in Anerkennung vorzüglidier Dienstleistung während der besonderen militärischen Maß- nahmen 1912/13» die belobende Anerkennung des VII. Korpskommandos ausgesprochen. Während des Krieges avancierte Seinfeld zum Major und wurde nach oben gesdiiU derter Affäre für eine spätere bravouröse Waifentat mit dem Eisernen Kronen- Orden III, Klasse ausgezeichnet.

Ein Held des Hilfsplatzes.

Die weithin siditbare Fahne des Roten Kreuzes ist dazu bestimmt, inmitten der Vernicbtung den Wehrlosen und Leidenden Sdiutz zu bieten. Den Russen aber ist, wie der gegenwärtige Krieg in Hunderten von Fällen gezeigt hat, diese heilige Flagge nur eine willkommene Zielscheibe, gegen welche sie ihr Feuer ricfiten.

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offenbar mit der Absicht, das begreifliche Entsetzen der Sciiutzlosen audi auf die Kämpfer zu übertragen. Die Geschehnisse aber lehren, daß angesiAts des Helden« mutes der Ärzte soldie frevelhafte Verstöße gegen das Völkerredit wirkungslos werden. Ein Beispiel hiefür bietet das Verhaken des Regimentsarztes Dr. Heinrich Glaser, Chefarzt beim Infanterieregimente «Kaiser» Nr. i. Als die Russen am 23, August 1914 den Hilfsplatz von Goskieradow rücksichtslos besdbossen und man deshalb die Kranken nachDynow zurücktransportieren mußte, als aus gleidiem Grunde die Sanitätsstation von Osny am 7. September in Mar^ynow SAutz suchen mußte, legte Dr, Glaser eine derartige Kaltblütigkeit an den Tag, daß die Verwundeten in* mitten des höllischen Feuers vollkommene Ruhe bewahrten. Er verband, labte und pflegte ohne Rücicsicht auf die einschlagenden Gesdiosse und nahm durch seine heroische Sicherheit den Blessierten gänzlich das Bewußtsein der Gefahr, Der Abschub wurde klaglos durchgeführt, mehr als 730 Verwundete, darunter Fiebernde, wurden ohne jeden Zwischenfall nach den umsichtigen Anordnungen dieses auch militärisch hervorragenden Arztes abtransportiert. Während der Verschiebung ließ Regiments* arzt Glaser nicht ab, jedem einzelnen ärztliche Pflege angedeihen zu lassen. Auch auf die unverwundete Mannschaft und die Offiziere übte das Bewußtsein, sich so behütet zu sehen, die beste Wirkung aus. Die Auszeichnung des pflichtfrohen Arztes mit dem Ritterkreuz des Franz Josef*Ordens wurde mit kameradschaftlicher Freude begrüßt,

Dr. Heinrich Glaser wurde 1872 in Krakau geboren, 1898 in den Aktivstand des Heeres als Oberar2t aufgenommen und ist seit November 1900 Regimentsar2t.

Die Kriegskassa gerettet.

Das sechste Korpskommando hatte den Reserveleutnant Arje J e n ö des In* fanterieregimentes Nr. 34 mit der Zurückführung der Operationskasse und anderer Teile des Kommandotrains aus der Stauung betraut, die bei der Loslösung von den Russen bei Jaworow entstanden war. Kosaken waren bis in die Trains ge* drungen,- dazu gerieten die Wagen auf einer weiten, offenen Stelle ins gut vor* bereitete Artilleriefeuer des Feindes, das eine fürchterliche Wirkung ausübte. Ein fürchterlicher Wirrwar, in den die platzenden Granaten und Schrapnells erbar* mungslos einschlugen, bildete sich. Die vor Schmerz rasenden, getroffenen Pferde traten auf ihren eigenen Eingeweiden herum,- Wagen stieß an Wagen, stürzte oder verkeilte sich scheinbar unlösbar mit dem anderen, und, je dichter der Knäuel wurde, umso eifriger schössen die Russen hinein. Schlagende Pferde um sich, arbeiten die einen,- die anderen eilten dem Feinde entgegen, um ihn durch wohlgezieltes Feuer abzuhalten. Ein Wille von Eisen, ein Geist von übermächtiger Klarheit gehörte dazu, in diese fürchterliche Situation Ruhe und Ordnung zu bringen, Leutnant Arje hielt seinen Trainzug von der Panik mit wunderbarer Ruhe frei, löste seine Wagen los und fuhr, immer die Karabiner nach dem Feinde gerichtet, weiter, in den grauen, trostlosen Regenschleier hinein, zwischen Kosaken hindurch. Den ganzen Tag, die ganze Nacht zogen die Pferde, zum Abfüttern und Rasten war kaum Zeit und als der Morgen gekommen war, ging der Zug weiter. Volle dreiund* dreißig Stunden! Zum Sterben erschöpft, aber in vollster Ordnung, erreichen der Leutnant und die Seinen das Korpskommando, dem er, außer wertvollen Akten und sonstiger Bagage, die ganze Kriegskasse gerettet hatte. Das Militär* verdienstkreuz III, Klasse mit der Kriegsdekoration war der Lohn für diese bravouröse Tat,

Jenö Arje, Buchhalter von Beruf, ist im Jahre 1882 in Szepesväralja, Ungarn, ge* boren, absolvierte das Einjährig^Freiwilligenjahr beim Jägerbataillon Nr. 32, kam gelegent* lieh seiner Ernennung 2um Reservefähnrich, Jänner 1909, zum Infanterieregiment Nr. 34, in welchem er ein Jahr später zum Leutnant in der Reserve avancierte.

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Der Verpflegsakzessist als Arzt.

Mannigfacfi vertauscht der Krieg die Rollen : Kavalleristen im Sdiützengraben, Artilleristen, die Attadcen reiten, Sappeure, die stürmen, Ärzte, die Erdhöhlen graben, Priester, die zum Sturme rufen. Jede Waffe, jede Stelle dient im Notfalle der anderen. Und die wahre Tüchtigkeit des Offiziers zeigt sich darin, daß er nicht nur in seiner Sphäre erfolgreich zu wirken versteht, sondern überall, wo es nottut, Helfer und Führer zu sein vermag. Diese universelle Tüchtigkeit hat der Land* sturmverpflegsakzessist Ernst Brandeis beim ersten Korps im hervorragenden Maß erwiesen, als sich in der Krankenhaltstation besonders schwierige Umstände ergaben. Es war nur seine Aufgabe, für die Verpflegung der Station Sorge zu tragen, Vorräte zu recpiirieren und die Magazine zu überwachen. Aber als die Verwundeten unablässig zuströmten, war es auch nötig geworden, für ihre Unter* bringung zu sorgen. Immer neue Verwundete fluteten von den schweren Kämpfen zurück, es fehlte der wichtigste Helfer, der Arzt, Der Verpflegsakzessist Brandeis zögerte nicht, obwohl bis zur Erschöpfung von seinen eigenen Obliegenheiten be- ansprucht, auch diesen Dienst zu übernehmen. Im Samariterkurse geschult, besaß er genug Kenntnisse, um mit Hilfe einiger Sanitätssoldaten den Verwundeten Ver* bände anzulegen. Mancher wackere Soldat ist durch sein energisches Eingreifen vor dem Verbluten geschützt worden und die musterhafte Obsorge in allen seinen Anordnungen erzielte in dem Anstrom der Hilfsbedürftigen Ruhe und Ordnung. Als dann der Kampf immer näher an das Dorf sich heranzog, dadite der wackere Akzessist nur an das Schicksal der ihm Anvertrauten und des ihm unterstellten Gutes. Während schon die Geschosse gegen die Häuser sausten, organisierte er mustergültig den Abtransport und die Räumung der Magazine, Verpflegsbeamter, Arzt und Kommandant in einer Person. Kein Verwundeter blieb in der gefährlichen Zone zurück, nicht das geringste Material ging dank seiner Umsicht verloren und erst als der Abbruch der Krankenhaltstation klaglos vollzogen war, verließ er als letzter das schon vom Feinde umstürmte Dorf. Dieser ganz ungewöhnlichen Ver- wendbarkeit dankt Verpflegsakzessist Ernst Brandeis auch seine sofortige außer* tourliche Beförderung zum Verpflegsoffizial und seiner Unerschrockenheit das goldene Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapfer* keitsmedaille.

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Dekorierte jüdische Soldaten und Offiziere.

Zweite Serie.

Die Listen erscfieinen fortlaufend. Bei der großen Zahl dekorierter jüdi« sdier Soldaten und Offiziere der österreidiisdi*ungarisdien Armee und der Sdiwierigkeit der Erhebungen ist es selbstverständlidi, daß erst alle Serien zusammengefaßt, ein vollständiges Verzeidinis ergeben können. Riditig* Stellungen und Ergänzungen sind erbeten und werden in dem nädistfolgenden Hefte vermerkt.

Eiserner Kronenorden dritter Klasse.

Arnstein, Dr. Gottlieb, Oberstabsarzt I. Klasse, Sanitätschef des 15. Korps. EIB, Ritter von, Hermann, Haupt- mann, Sappeur-Bataillon 14, gefallen.

KrauB Ludwig, Oberst, Traininspi- zierender des 11. Korps. Fieciter Adolf, Oberstleutnant, Kom- mandant des Landwehr-Infanterie- Regimentes Nr. 20, gefallen. Fleischer Adolf, Oberstleutnant, Kom- mandant des Landsturm-Territorial- Bataillons Nr. 52,

nach seinem auf dem Schlachtfelde erfolgten Tode ausgezeichnet, ge- frllen.

Mestitz Johann, Oberst des Kaschauer Honved-Infanterie-Regimentes. Moldauer Heinrich, Hauptmann, In- fanterie-Regiment Nr. 39, gefallen. Schönbaum, Dr. Adolf, Oberstabs- arzt I. Klasse, Festungschefarzt in Przemysl.

Schwarz Karl, Generalmajor, Kom- mandant der 3. k. k. Landsturm- Marschbrigade.

Seinfeid Moriz, Major, Infanterie- Regiment Nr. 43.

Weil, Dr. Gustav, Oberstabsarzt I. Klasse, Sanitätschef des 16. Korps. Krausz Emanuel, Major des Infan- terie-Regimentes Nr. 52.

Leopoldsorden <Ritterkreuz). Kornhaber Adolf, Ritter von Pills, Feldmarschalleutnant.

Franz Josefsorden <Offiziersfcreuz).

Tritsch, Dr. Isaak, Oberstabsarzt IL Klasse, Sanitätschef kommandos in Agram.

des Militär-

Franz Josefsorden (Ritterkreuz).

Arzt, Dr., Jakob, Sanitätschef der 24. Infanterie-Truppendivision. Arzt, Dr. Leopold, Oberarzt der Re- serve, Kommandant des Epidemie- Spitals Nr. 1.

Bardacb, Dr. Bernhard, Stabsarzt, bosnisch-herzegowinisches Infanterie-