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:
DER
SEINE MITGLIEDER.
NACH AUTHENTISCHEN QUELLEN BEARBEITET
VON
Du j. iiirtenfeld.
bbuoihe DES
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ZUR ERSTEN SÄCULARFEIER 1857.
WIEN.
AUS DER KAISERLICH-KÖNIGLICHEN HOF- UND STAATS DRUCKEREI.
1857.
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Kritin«rui»gft(J*i>ktnAl Per glorreichsten Kraue,
Di« jo »m» sti Throne;
Du Anfang und Kode Soldatischen Streben*,
Allerheiligatcfl Zeichen Heroischer Geltung —
Maria Thouuicnkreus !
Still lidlt der Krieger,
Sieht er dich strahlen,
Hochklopfenden Honen»,
Dnrchgci«tigt, sehnend,
Die Seele voll Khrfurcht :
Als *Sge der Printer Deu Heiland weUeud,
Mit gold'ner Moustranse Pud OlockengeUut*,
Segnend vorüber! ■ —
Ich aber breite In tiefem Sinnen Weitaus die Arme Zum leuchtende!) Himmel, lTnd preiae die Helden,
Die zweifach beglückten.
So dich errungen:
Denn ihnen waren Oerecht die Menschen l?lid gnädig die Gdtter!
I)r. H. Hirsch’* SoIdatCnsplegol.
5Pßel)r^rci V II
lliünc^cn
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SEINER K AI SE REICH -KÖNIGLICH EN APOSTOLISCHEN MAJESTÄT
FRANZ JOSEP H I.
GROSSMEISTER DES ORDENS
AIAER UNTERTHÄXIGKEIT
GEWIDMET.
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ALLERGN ÄDIGSTER KAISER UND HERR!
Hundert Jahre sind seit der Stiftung des militärischen Maria-Theresicn- Ordens verflossen.
Wie segensreich diese Institution gewirkt hat, ist durch die Tliat erwiesen.
Eine Geschichte des Ordens, die notlnvcndiger Weise sich in die Aufzählung der hcldenmiithigen Handlungen der einzelnen Ordens- mitglieder auflösen muss, — eine solche Geschichte ist noch nicht erschienen.
L)ic erste Säcularfcier des Ordens hietet die Veranlassung, diese Lücke auszufüllen, und ich hielt cs für meine Pflicht das ruhmreiche Werk zu fordern.
Unterwössen Auspicien konnte cs aber anders die höchste Weihe erhalten, als unter jenen Euerer Majestät, des Urenkels der glorreichen Gründerinn des Ordens, des Erben Ihres Thrones, des Kriegsherrn eines Heeres, dessen Ruhm und unerschütterliche Treue durch die Zeit
geheiligt, auch für kommende Geschlechter ein Gegenstand der Bewunderung und ein Muster der Nachahmung sein wird!
Genehmigen Euere Majestät den Ausdruck meines tiefgefühlten Dankes für die Huld und Gnade , mit welcher Allerhöchst Dieselben geruht haben, die Widmung des Werkes, welches ich hiemit Euerer Majestät zu Füssen lege, anzunehmen.
Am Tage der ersten Säcularfeier, 18. Juni 1857.
Der Ordens-Kanzler:
Fürst von Metternich-Winneburg.
Der 18. Juni 1857 ist ein denkwürdiger Tag in den Annalen der österreichischen Kriegsgeschichte. Der militärische Orden, welchen Seiner Majestät des Kaisers glorreiche Ältermutter Maria Theresia unsterblichen Andenkens gestiftet, feiert ar» diesem Tage das Fest seiner Errichtung, mit ihm beginnt eine neue Ära nach Verlauf einer hundertjährigen Dauer.
Gerechter Stolz durchglüht bei dieser Feier die Brust auch des jüngsten Kriegers im österreichischen Heere, denn im Zauberspiegcl der Erinnerung tauchen hunderte von Grossthaten aus Vergangenheit und Gegenwart auf, wie sie die Ge- schichte mit ehernem Griffel nio scliö'ner und glänzender auf ihren Marmortafeln verzeichnet. Wer da mitgestritten in den heissen Schlachten, die seit der Errich- tung dieses Ordens geschlagen wurden, wer da mitgefochten in den Kämpfen, welche die Namen der Maria Thercsien-Ritter verewigen halfen, hat Antheil an dem Ruhme, den sich die Bravsten aller Braven errungen, ruht oder lebt unter dem Lorber , welcher das Wappen dieses Ordens überschattet.
Die Archive dieser neuen Tafclrundo der Tapferkeit und Opferfreudigkeit geben Zeugniss, dass die Nachwelt keine besseren Namen als jene der Thercsien- Ritter zu nennen wissen wird, wenn es sich um Beweise von Heldenmuth handelt, wenn sic von ritterlichen Thaten erzählt.
Auch steht es fest, dass der Maria Thoresien- Orden, Dank seinem inneren Werthe, selbst im Auslande als der erste Militär-Orden bezeichnet zu werden pflegt; denn wo in anderen Heeren Ähnliches besteht, da dienten die Statuten dieses Ordens als Muster und Regel.
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Eine feste Bürgschaft für den bleibenden hohen Werth dieses Ehrenzeichens liegt in dem Umstande, dass seine mit hoher Klugheit entworfenen Statuten auch mit eiserner Strenge aufrecht erhalten wurden. Das Thercsienkreuz zählte von jeher zu den seltensten Zierden der Tapferkeit; kaum Einer unter Tausenden vermochte es zu erringen, und dies in einem Heere, wo unerschütterliche Stand- haftigkeit, Bravour und kühnes Wagen zu den traditionellen Eigenschaften gerechnet werden.
Die Blume aller Ritterschaft hiess der streitbare Bruder Eriedrich’s des Schönen. Wer das Thercsienkreuz verdienen will, muss zu diesen Blumen zählen. Monarchen
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grösserer Reiche w'aren daher seit einem Jahrhunderte stolz darauf, denselben Orden an ihrer Brust prangen zu sehen, welchen der jüngste Officicr im kaiserlichen Heere, falls er wirklich in die Reihe der Tapfersten gehört, über seinem Herzen trägt.
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Der Grundsatz der Gleichstellung, der unter Österreichs Fahnen keinen Unterschied der Geburt und des Ranges, nein, einzig nur den Anspruch des Ver- dienstes anerkennt, ist zudem bei der Stiftung dieses Ordens zur vollen Geltung gebracht worden. Das Thercsienkreuz ward zum gemeinsamen Ziele für alle Offi- cicre im kaiserlichen Heere. Wer es in blutigem Kampfe erwirbt, bedarf keines Stammbaumes , er wird und ist, um mit dem Marschall Ney zu sprechen, sein eigener Ahnherr. Der Wahlspruch bei seiner Verleihung lautet: gleiches Mass für Alle! Begünstigung ist hier nicht möglich. Die eigenen Waffengefährten sind die Richter der vollbrachten That.
So wurde dieser Orden zu einem gemeinsamen Bande in einem Heere, das mehr als jedes andere jene brüderliche Eintracht aus der alten Ritterzeit zu be- wahren wusste, welche man kameradschaftliche Treue und Hingebung zu benennen pflegt. Dieser brüderliche Geist ist bekanntermassen das originellste Merkmal bei der Charakteristik des österreichischen Kricgsvolkes. Dank diesem Geiste, wurde das gesammte Heer zu einer Familie, und jeder Soldat findet unter dem kaiser- lichen Banner viele Tausende liebe Angehörige , kurz, denselben häuslichen Herd, den er vor dem Fahnenschwure in Wehmuth verlassen.
Trotz der hohen Glorie, welche diesen Orden seit hundert Jahren und bei allen Armeen verherrlichte, ist über sein eigentümliches Wesen noch wenig in die Öffentlichkeit gelangt, und so scheint es nach seinem hundertjährigen Bestehen endlich an der Zeit seine Geschichte aufzuzeichnen und dieselbe Freunden kriege- rischer Thaten mitzutheilen. Eine jüngere Generation wird unter die Waffen treten und sich an den Bildern der Vorgänger als an eben so vielen Mustern des eigenen
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kriegerischen Strebens erwärmen und begeistern. Das künftige Soldatengcschlccht, gross gezogen an diesen Beispielen, mag dann jene alten unvergesslichen histori- rischen Worte wiederholen, die da lauten: „Der Ruhm der Väter lasse die Söhne nicht schlafen!“
Seine Majestät der Kaiser wird daraus die Gewähr schöpfen, dass, was die Zukunft auch bringen mag an Stürmen und Kämpfen, keine Aufgabe zu hoch gestellt sein kann, welche die Armee zu Seiner Herrlichkeit wie zum eigenen Ruhme nicht zu lösen vermöchte. Franz Joseph wird nie das Schwert ziehen, wenn nicht Pflicht und Ehre gebieterisch zum Kampfe rufen; dann aber werden die Soldaten Österreich’s ihren Kriegsfürsten auf ihren Schultern über die blutigen Siegesfelder gerechter Heerfahrt tragen, und überall wird Er die alten Helden wiederlinden, die, wie die Annalen des Maria Theresien-Ordens Blatt für Blatt verzeichnen, seit einem Jahrhundert wie die Recken in Wallhalla immer auf’s Neue erstehen, um den alten Wahlspruch A. E. I. 0. U. — „Aller Ehren ist Öster- reich voll“ — zur ewigen, glänzenden Wahrheit zu stämpcln.
Die alten Adelsgeschlechter, welche des Kaisers Thron umstehen, wie die Bewohner so mancher bescheidenen Hütte im Lande werden sich schliesslich an dem Ruhme erfreuen , welchen ihre Väter, Brüder, Söhne geerntet, und stolzes Selbstbewusstsein wird den Busen jedes Österreichers heben , wenn abermals ein Kind des grossen Vaterlandes mit dem Theresienkrcuze geschmückt, berufen wird in dieses Mausoleum kriegerischer Herrlichkeit!
Als bestellter Kanzler dieses hohen Ordens hat Fürst von Metternich es für seine Pflicht erachtet, die betreffenden Berichte vor dem Throne Seiner Majestät niederzulegen und der Öffentlichkeit zu übergeben.
Durch diese Sammlung wird einer unübertroffenen Hcldcngcnosscnschaft ein Denkmal errichtet, das die Erinnerung an ihre Thaten auffrischt und die Nach- welt veranlasst, ihre Namen in ehrfurchtsvollem Andenken zu bewahren. Zu die- sem Behufc wurde auf Veranlassung Seiner Durchlaucht eine umfassende Darstel- lung ausgearbeitet. Dieselbe enthält die Namen aller jener tapfern Krieger, welche seit der Errichtung dieses hohen Ordens mit demselben geschmückt wurden. Diese Darstellung enthält ferner auf Grund genau erhobener und amtlich beglaubigter Zeugnisse, auf Grund der in den Ordens-Capiteln stattgefundenen actenmässigen Verhandlungen, ferner auf Grund von Belegen, welche aus den Archiven des Armec-Ober-Commando’s und des Ministeriums des Innern gesammelt worden, eine kurzgefasste Schilderung der vollbrachten Waffenthatcn, wie dem Zwecke entspre- chende Biographien jedes einzelnen Theresien-Rittcrs in bündigen Umrissen.
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Auch wurde jeder Periode, nach welcher Ordensverleihungen stattfanden, eine geschichtliche Skizze der bezüglichen Feldzüge vorausgeschickt; ihr folgen die Daten der Ordensverleihungen; ferner ward, wenn besondere Feierlichkeiten dabei vor sich gingen, auch eine nähere Schilderung dieser Feste beigefügt.
So möge denn dieses Gedenkbuch österreichischer Tapferkeit, ausgegeben am hundertjährigen Gedächtnisstage der Stiftung des Maria Thcrc- sien-Ordens, gleichzeitig ein Dankeszeichen des gesammten Vaterlandes für die Lebenden und ein Todtcnopfcr für die Dahingcschiedcnen sein!
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ERSTE ABTHEILUNG.
1757 — 1802.
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Stiftung des Ordens.
Mu grossen Opfern hatte Kaiser Karl VI. die pragmatische Sanction erkauft. Sic wurde ihm bestätigt von allen Reichen und Ständen, über welche er regierte, und mit den heiligsten Ver- sicherungen von den europäischen Mächten zu halten gelobt. Kaum hatte er aber die Augen geschlosssen und seine Tochter Maria Theresia das angestammte Erbe am 20. October 1740 in Besitz genommen, als, trotz aller Verzichte und jeder Verbürgung des Erbfolgegcsetzes, die Nach- / barstaaten I*reussen, Bayern. Sachsen, Sardinien sich mit Frankreich und Spanien in der Absicht verbanden, das ihnen zu mächtig scheinende Erzhaus seiner Lande zu berauben und aus der Reihe der Staaten. Europa’s zu vertilgen. Die Gelegenheit dazu war eben so lockend als der Erfolg unfehlbar schien; der kaum beendete Türkenkrieg hatte durch Seuchen und das Schwert das österreichische Heer aufgerieben, die Cassen erschöpft und den Staat zerrüttet; den wankenden Thron hatte ein junge Fürstinn bestiegen, und von ihr glaubte man um so willigere Ergebung in die beabsichtigte Theilung zu erwarten, als unter den obwaltenden misslichen Umständen und gegen die vereinte Macht so vieler Feinde jeder Widerstand undenkbar schien. Allein Maria Theresia, begabt mit echt männlichem Muthe, verschmähte es im Bewusstsein ihres Rechtes, ihr Erbe nur theilweise zu besitzen und nicht im Kampfe zu vertheidigen was nur durch Waffengewalt entrissen werden konnte; sie wies entrüstet die Zumuthung Friedrich'« II. von sich, der, auf sein ererbtes schlagfertiges Heer, auf seinen gefüllten Schatz bauend, ihr für die Abtretung von Schlesien vollen Beistand gegen alle Feinde versprach; sie wollte eher unter den Trümmern sterben, als in den Trümmern jenes herrlichen Gebäudes wohnen, das ihre erhabenen Almen in fünf Jahrhunderten durch Kraft und Klugheit errichtet hatten.
Rächst Gott vertraute Maria Theresia auf die Treue ihrer Völker und auf die Tapferkeit ihres Heeres und nahm so den ungleichen Kampf auf. Durch acht Jahre wurde dieser mit abwechselndem Glücke geführt, bis endlich der Friede zu Aachen, unterzeichnet von Österreich am 23. October 17487 der Kaiserinn da.« väterliche Erbe erneuert sicherte.
In dieser prüfungsreichen Periode hatte die Kaiserinn, welche ihre Armee in den Lagern zu besuchen pflegte und den Namen „Mutter der Heere“ J) erhielt, häufige Gelegenheit gehabt, sich von der Liebe und Anhänglichkeit ihrer Krieger zu überzeugen.
*n ^er de« Krbfnlfrkrifff» ward« durch Adam Werner in Nürnberg auf die erhabene llerrarhrrinn
rjfen ibr#r beaondtren Huld und (inadenbeaeugung (egen den MililinUnd" ein« Medaille geprägt, urlrhe «ine geuafi- nete Min^rr», im Schilde dar kaiserliche Wappen und die t'mftchrift „.Wafer (\ttlro> hm" fuhrt. Die llesrhrriliang und Abbildung dieser f>«ukn)un/s findet »ich in der hochtt interessanten Handschrift: Sammlung der unter d«r glorreichen
Uejgierung der Kaiaerinn Maria Theresia bisher (1^) geprägten I) rnkmunirn welche da* k. k. Münr* und bewahrt. Ki lat die# «in Werk der im Jahre 17?0 «erstorbenen Krau Errherioginn Maria Anna, Tochter
d«r groa»^B Kaiaerinn,
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Die hohe Frau verstand aber auch diese Begeisterung zu nähren und zu würdigen, und obgleich sie bei jedem Anlass die Thatkraft des Heeres durch wiederholte Beweise ihrer Zufrie- denheit anerkannte, so sann sie doch auf Mittel, welche nebst der Belohnung einen Sporn zu neuen Tliaten bieten konnten.
Als nun der siebenjährige Krieg zum Ausbruch kam, wurde der Gedanke reif: einen militärischen Verdienst-Orden zu stiften, der jenen Officiercn verliehen werden sollte, welche vor allen Andern durch Tapferkeit und kluges Benehmen sich auszeichnen würden.
Dieser Gedanke fand in dem erlauchten Gemahl der Kaiscrinn, in Franz I., die wärmste Unterstützung und es wurden sofort sämmtlichc Conferenz-Minister angewiesen, gutachtliche Vor- schläge über die Weise auszuarbeiten, wie dieser Orden ins Leben zu rufen sei.
In den Ansichten hatte man sich sehr bald geeinigt und es konnto schon im Frühjahre 1757 der Entwurf fcstgcstellt werden. Die Kaiscrinn beabsichtigte die Errichtung dieses Militär-Ordens durch den Oberbefehlshaber der kaiserlichen Heere, Herzog Karl von Lothringen, am 13. Mai bei der Armee verlautbaren zu lassen; als aber sechs Wochen später der Feldmarschall Dann den ruhmvollen Sieg bei Kollin — einen der denkwürdigsten in der Kriegsgeschichte Öster- reichs — erfochten, wurde dieser Tag — der 18. Juni 1757 — als der Stiftungstag des Ordens bezeichnet.
Ein Cabinctsschreibcn der Kaiscrinn ddo. Wien 22. Juni 1757 an den Feldmarschall Grafen Daun gerichtet, spricht sich über die Errichtung des Ordens in folgender Weise aus:
„Lieber Graf von Daun! Die Zuneigung und das Wohlwollen, so Ich Für Mein Militare trage, bat Mich schon seit einigen Jahren auf den Vorschlag geführt , einen neuen Militär - Orden zu errichten, und demselben einen sicheren Fundum zur Bestreitung der dafür gewidmeten Pensionen zu verschaffen, damit die vorzüglichen Verdienste Meiner Officicrs sowohl durch ein öffentliches Ehrenzeichen distinguiret., als auch ihnen ein besseres Auskommen und ein Zufluss zu ihren Gagen verschafft werde.“
„Die wirkliche Ausführung dieser Absicht hat seithero an dom Abgang einer dem Vor- haben gemässen Veranlassung gehaftet. Nachdem aber solche nunmehr durch den von euch und euerer unterhabenden Armee erfochtenen herrlichen Sieg verschaffet worden, und Ich euch die Ehre bei der späten Nachkommenschaft mit Freuden gönne, dass der neue Orden seinen Anfang dem erwähnten Siego zu verdanken habe ; so will loh nicht länger verziehen Mein Vorhaben in das Werk zu stellen, und amlurch dein Militari eine neue Probe Meiner Gnade und dank- nehmigen Wohlwollens zu geben.“
„Da jedoch die Entwerfung der Statuten und alle übrige Einrichtung noch einige Zeit erfordert, so habe Ich für diensam ermessen, euch vorläufig dasjenige an Hand zu geben, was Meiner ganzen Armee auf die gut befindende Art bekannt zu machen und in wirklichen Vollzug zu bringen ist.“
Nun wird in dem Cabinetsschrciben bestimmt, dass der Orden nach dem Namen der Stif- terinn Militärischer Maria Tliercsien-Ordcn genannt werden soll, dessen Grossmeisterthum Kaiser Franz I. übernommen; dass der jeweilige llof- und Staatskanzler der auswärtigen Ange- legenheiten die Stelle eines Ordenskanzlers zu führen, alle Befehle bezüglich dieses Ordens unmittelbar vom Grossmeister entgegen zu nehmen, so wie auch alle Vorträge und Gesuche an denselben zu erstatten habe. Nachdem weiters einige Hauptrcgeln als Anhaltspuncte für die später folgenden Statuten festgestellt werden, heisst es:
„Eure Aufmerksamkeit und Neigung den Lustrc Meines Militari» immer mehr emporzu- schwingen , und die vorzüglichen Verdienste nicht unbclohnt zu lassen, simrnt mit Meiner Haupt-
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Absicht und mit der Eigenschaft des neuen Ordens so vollkommen überein, dass Ich Mir zum ^ oraus die genaueste Befolgung Meiner vorerwähnten Verordnung ganz sicher versprechen kann.“
Am Schlüsse des Cabinetsschreibens finden sich folgende eigenhändige Zeilen der Kaiserinnt „Ihr habt eure Ordensproben vor den Augen der ganzen Armee schon abgelegt, Ihr seit also als der erste Grosskreuz aufgenommen.“
Gleichzeitig mit dem Fchlmarschall Grafen Daun wurde auch der Herzog von Lothringen zum Grosskreuz ernannt.
I>em Ordenscapitel waren vorläufig und bis zur Veröffentlichung der Statuten, mit deren Abfassung der Staatskanzler Purst von Kaunitz als erster Ordenskanzler beauftragt worden, zwei llauptgrrundsätzc bei Untersuchung und Prüfung der Tapferkeits-Zeugnisse zur Richtschnur vorgeschrieben worden, und zwar:
1. dass eine jede kühn ausgeführte That, weiche ohne Gefahr der Verantwortung hätte unter- lassen -werden können, Anspruch auf das Ritterkreuz begründe; wogegen
2. auf das Grosskreuz nur angetragen werden solle, falls bei der mit Tapferkeit ausgefuhrten
That auch ausserordentlich kluges Benehmen an den Tag gelegt worden sei.
Nach diesen Weisungen wurde bis zum Erscheinen der Statuten, im December 1758, bei den ersten Promotionen vorgegangen, und bestand der Orden zu jener Zeit schon aus dem Gross- meister Kaiser Franz I., 9 Gross- und 47 Kleinkreuzen oder Rittern. Die eben erwähnten Statuten vom Jahre 1758, so wie die im December 1810 gefolgten Nachtrags - Statuten sind im zweiten Abschnitte dieses Werkes wörtlich aufgenommen.
Um das Andenken an die Stiftung des Ordens bleibend zu erhalten, hatte der Kammer- Medailleur Matthias Donner über höheren Auftrag eine Medaille angefertigt, welche in Gold und Silber 2Va I-*oth »m Gewichte ausgegeben wurde. Die Vorderseite dieser Medaille zeigt die Brustbilder des Kaisers Franz I. und der Kaiserinn Maria Theresia mit der gebräuchlichen Umschrift, während die Kehrseite einen mit kriegerischen Rüstungen umgebenen Genius verstellt, welcher in der rechten Iland das Ordensband mit dem daran hängenden Kreuze, in der linken aber einen Palmenzweig hält. Die Umschrift lautet: „Praemio virtuti bellica constituto“ uud im Abschnitte ist das Datum der Stiftung zu lesen: MDCCLVII. D. XVIII. IVN.
Ursprünglich gab es nur zwei Classen von Ordensmitgüedem: Grosskreuze und Ritter. Im Jahre 1765 jedoch ehrte Kaiser Joseph II. den Orden dadurch, dass erden Grosskreuzen zu dem bisherigen Ordenszeichen einen auf der linken Brust zu tragenden Stern beigab und nach cLem Beispiele anderer Orden die Zwischenclasse der Crnnraandeure einfiihrte, worüber ein ■Näheres in der zehnten Promotion vom 15. October 1765 nachzulesen ist.
I>ie erste mit grosser Feierlichkeit vollzogene Promotion hatte, wie wir später sehen werden, am "7. März 1758 am Hoflager zu Wien Statt. Hierbei wurde das in den Statuten vorgeschrie- bene CJeremoniel beobachtet. Im Verlaufe dieser Geschichte werden wir aber auch sehen, dass die feierliche Ertheilung des Ordens nicht nur am Hofiager und bei der Armee im llaupt- quartier, sondern zeitweilig auch öffentlich in der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien vor sich ging, wobei die Solennitäten nach den Umständen angeordnet wurden. Wir verweisen diesfalls auf die bezüglichen Promotionen, welchen nähere Beschreibungen über die Feier selbst
belgcfügt sind.
Obgleich von dem ursprünglichen Ceremoniel in der Folge theilweiso abgegangen wurde, so sind die Statuten selbst unverändert geblieben, und dieser Umstand ist es, der den Maria Theresien-Orden, dem inneren Wesen nach, zum ersten militärischen Orden erhebt. \N enn also bei der Verleihung eines Ordens das Verdienst massgebend genannt werden kann, so ist dies
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hier der Fall; denn die Grundsätze, welche bei den Capiteln beobachtet werden müssen, die Vor- sicht bei Untersuchung der Proben und die hierüber zu erstattenden Stimmen beweisen genügend die Unparteilichkeit dieses Ordensrathes und verleiben der von der hohen Stifterinn aufgestellten Absicht: nur dem wahren Verdienste gerecht werden, volle Gewähr.
Übrigens steht es Seiner Majestät dem jeweiligen Grossmeister als Chef und Souverain des Ordens frei, aus höchst eigener Veranlassung den Orden an würdige Officicre zu verleihen ohne dass ihre Verdienste von dem Capitel festgestellt werden.
Bei der Stiftung des Ordens wurde der Grundsatz aufrecht gehalten , dass neben demselben keine andere Dccoration getragen werden solle, dooh ist man später davon abgegangen; eben so wurde das Princip, den Orden nur an k. k. Oflicicre zu verleihen, seit dem Jahre 1799 (man vergleiche die 56. Promotion) aufgegeben, und können auch Officiere der mit Österreich verbündeten Mächte den Orden erhalten, doch haben diese weder Anspruch auf eine Pension, noch auf die sonstigen, den inländischen Mitgliedern des Ordens statutenmiissig zustehenden Prärogativen.
Die init dem Besitze des Ordens verknüpften Pensionen (Zulagen), welche aus dem eigenen von der Ordenskanzlei verwalteten Fonde bezogen werden, deren Zahl jedoch für jede Classo beschränkt ist, wurden durch Verhältnisse, welche auf Herabsetzung des Geldwertes Einfluss nahmen, empfindlich erschüttert, wodurch die Mitglieder längere Zeit Abbruch erleiden mussten, ein Ubelstand, dem endlich durch die Verwendung des gegenwärtigen Ordcnskanzlers Fürsten von Metternich abgeholfen wurde, indem seit dem Jahre 1843, bei Gelegenheit des fünf- zigjährigen Ordena- Jubiläums des Erzherzogs Karl, die Pensionen den Mitgliedern im vollen Geldwerthe flüssig gemacht werden1).
Der Orden zählte seit der Gründung nur drei Kanzler: den Fürsten Kaunitz, von 1757 bis 1794; den Fcldmarschal! Graf Lacy bis 1801. — Von dieser Zeit bis zum Jahre 1813 blieb die Stelle unbesetzt Es erhielt sie dann der gegenwärtige Kanzler Fürst v. Metternich. Die Beamten des Ordens, welche jeweilig aus dem k. k. Ministerium des kaiserlichen Hauses und des .Vussem gewählt werden, und vorerst aus dem Schatzmeister, dem GrefTier und dem Kanzlisten bestanden, wurden mit dem Jahre 1853 durch einen Zahlmeister vermehrt.
1) Wir können nicht umhin tu bemerken, du» «II» Primen de« kaiserlichen Itatwr«, welch» tu den Mitgliedern de« Orden« zählten und noch zählen, auf die mit denselben verbundenen I’cnsioncnen bereitwilligst verliebtet haben.
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Statuten des Ordens.
^ IR FRANZ VON GOTTES GNADEN ERWÄHLTER RÖMISCHER KAISER ZU ALLEN Zeiten. Mehrer des Reichs, in Germanien und zu Jerusalem König, Herzog zu Lothringen und Baar,
Gro»«herzog tu To«ran*, Kumt so Charlrvillc , Marggrxf tu ISomany, Graf xu Falkrnalrin etc. ete. etc.
Thun hiermit zu wissen etc. etc. Nachdem Unsere herzlich geliebte Gcmahlinn der Kaiserinn Königinn Apostol. Majestät und Liebden, gleichwie Wir, aus besonderer Zuneigung für den Militär-Stand, und um dessen so vielfältig bezeigte Treue, Tapferkeit und Klugheit vorzüglich zu belohnen, für gut befunden haben, zu Beförderung des Kriegswesens einen neuen Militär-Ritter- Orden zu stiften, und denselben mit allen denjenigen Vorzügen auszuzieren, welche zu Errei- chung Unseres Vorgesetzten Endzwecks etwas beytragen können. So haben Wir in Rücksicht auf einen so wichtigen Gegenstand das Grossmeisterthum dieses militärischen Maria Thercsien-Ordens über Uns genommen; wie Vir Uns dann hiermit nochmahls und öffentlich zu dessen Chef, Ober- haupt und Grossmeister erklären, und von jedermann dafür gehalten wissen wollen.
In dieser Eigenschaft haben Wir durch die solenne Aufnahme Unseres vielgeliebten Bruders des Herzogs Carl zu Lothringen Liebden, und des Feldmarschalls Grafen von Daun zum ersten und zweyten Grosskreuz, nicht nur einen erwünschten Anfang dieses Ordens gemacht, sondern auch durch die nachher erfolgten Promotionen dessen ferneres Wachsthum zu befördern l ns angelegen scyn lassen. Es will Uns aber aL Grossmeistcr nunmehr weiter obliegen, die innerliche und äusserliekc ^ erfassung dieses Militär-Ordens, fördersamst durch gewisse Grund- regeln fest zu setzen, dessen wesentliche Beschaffenheit und Unterschied von allen anderen Ritterorden dieser Art zu bestimmen, und durch Unsere Vorsicht alles dasjenige möglichst zu erschöpfen, was zur Aufnahme, Beförderung und Dauer sowohl, als zum Ansehen und Glanz desselben gereichen mag.
A ermöge obberiihrter Absichten haben Wir durch Unsern Ordcnskanzler nachfolgende Statuten und Satzungen entwerfen lassen, solche auf das reiflichste erwogen, und aus Gross- meisterlicher Macht und Vollkommenheit gnädigst begnehmet, dergestalt, dass dieselben in allen Ordens-Anliegenheiten zur unveränderlichen Reiehtschnur genommen, und in ewige Zeiten bey unserm Ordens-Archiv aufbehalten werden sollen. Unsere gnädigste Willensmeinung ist dem- nach, dass
l1*“' Dieser neue Ritterorden von dem 181'" Junii des 17ö7'u* Jahres an, für gestiftet und eröffnet angesehen, auch militärischer Maria Tlieresien- Orden genennct werden sotlo, um andurch über die vielfältigen Verdienste Unseres Militärs Unsere gnädigste Zufriedenheit öffentlich an den Tag zu legen, und hiemäehst das ruhmvolle Andenken seines Wohlvcrhaltens bis auf die spätesto Nachkommenschaft zu bringen.
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Zu desto grösserer Zierde dieses Orden soll
Das Grossmeisterthum desselben, nach Unserem Ableben, hinführo jederzeit dem Regierer des Erzhauses Oesterreich und Beherrscher dessen siimmtlichen Erbkönigreichen und Länder eigen seyn und verbleiben, auch weder durch Uns noch Unsere Nachfolger aus irgend einer Ursache jemahls von dem Besitz derselben getrennet, oder abgerissen werden.
3'*"’' Setzen Wir zur unverbrüchlichen Grundregel, dass niemand, wer der auch sey, wegen seiner hohen Geburt, langwierigen Dienste, vor dem Feind überkommenen Blessuren, oder wegen vorhergehender Verdienste, noch viel weniger aber aus blosser Gnade, und auf das Vorwort anderer, sondern einzig und allein diejenigen in den Orden aufgenommen werden sollen, welche nicht nur nach Ehre und Pflichten ihrer Schuldigkeit ein völliges Genüge geleistet, sondern sich noch über das durch eine besondere herzhafte That hervorgethan, oder kluge, und für Unseren Militärdienst erspriessliche Raths chlägo nicht nur an Iland gegeben, sondern auch solche mit vorzüglicher Tapferkeit ausführen geholfen haben.
Von dieser Regel soll nicmahls abgewichen, noch in Ansehung derselben eine Ausnahme gestattet werden, so, dass Wir selbst Uns hierinnen die Hände zu binden gnädigst entschlossen sind.
4"*.. Verstehen Wir unter denjenigen, die den Orden überkommen können, alle Unsere Oberofficiers von der Infanterie und Cavallerie, der Hussaren, Gränizer, der Artillerie. Minirer und Ingenieurs von dem höchsten bis zum niedrigsten, mithin inclusive der Fähndriche und Cornets, ohne auf ihre Religion, Rang, und andere Umstände im mindesten zurückzusehen.
r,o«.. g0u Sieger militärische Ritterorden sich an keine gewisse Zahl binden, sondern jeder- zeit aus so vielen Grosskreuzen und Rittern bestehen, als sich dazu würdig machen werden, sintemahl je höher ihre Anzahl steiget, desto mehr die dabey vor Augen habende nützliche Absicht erreichet wird.
Sollen die Ordensglicder aus zwey Classen, nähmlich aus Grosskreuzen und Rittern bestehen, und zu Rittern alle diejenigen aufgenommen werden, welche sich durch eine ausneh- mend tapfere That vor andern verdienstlich machen, da hingen die Grosskreuze nur jenen zugedacht sind, welche ihre Tapferkeit mit einem klugen und solchen Betragen vereinigen, der in den glücklichen Ausschlag einer oder anderen Kriegsuntemchmung von erspriesslichem Einfluss gewesen ist.
7U*'’ Sollen die Grosskreuze ein goldenes weiss geschmelztes achteckiges Kreuz, dessen Mittelschild auf der einen Seite Unseren und Unserer herzlich geliebten Gemahlinn der Kaiserinn Königinn Apost. Majestät und Licbden Nahmen in Chiffre mit einem Lorberkranz eingefasset, auf der andern Seite aber das Erzherzoglich-Oesterreichischo Wapen mit der Umschrift: FoRTiTrmsr, vorstellt, an einem ponceau-rothen in der Mitte mit einem weissen Streif versehenen handbreiten Band von der rechten zur linken en Echarpe; die Kitter hingegen eben ein solches, jedoch kleineres Kreuz, an einem zwey Finger breiten Bande von der nähmlichcn Farbe in einem Knopfloch des Rocks oder der Weste auf der Brust tragen. Damit aber
gi.i». j)jc vorzüglichen Verdienste Unserer Generals und übrigen Officiers nicht nur durch dieses öffentliche und in die Augen fallende Ehrenzeichen kennbar gemacht, sondern auch ihnen zugleich ein Zufluss zu ihrem Gehalt, und mithin ein besseres Auskommen verschaffet werde, so haben Wir einer Anzahl von zwanzig Grosskreuzen eine jährliche Pension von fünfzehnhundert Gulden, sodann einer Anzahl von einhundert Rittern, eine jährliche Pension von sechshundert Gulden, und noch einer andern Anzahl von einhundert Kittern, eine jährliche Pension von vier- hundert Gulden dergestalt bestimmt, das sie dieselbe von dem Tage ihrer Aufnahme an gemessen, die übrigen Ordcnsgliedcr aber, im Fall schon alle Pensionen verliehen wären, bev der sich erge-
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benden Eröffnung alsdann, zu Folge ihres bey dem Orden habenden Ranges, in solche nachrücken, und so viel die Ritter insonderheit betrifft, diejenigen, welche bisher eine Pension von 400 fl. gezogen, in die Pension von 600 fl., die andern hingegen, welche noch gar keine Pension genossen, in die Pension von 400 fl. der Ordnung nach eintreten sollen. In Verfolg dessen haben Wir nebst Unserer herzlich geliebten Gemahlinn, der Kaiserinn Königinn Apostolischen Majestät und Licbdcn
9UM- Diesem militärischen Maria Theresien-Orden cinruahlhundert und fünfzig tausend Gulden jährlicher Einkünfte angewiesen, welche einstweilen zur Errichtung der Ordcnscasse, und zur Bestreitung der Pensionen, wie auch alles übrigen bey dem Orden nothwondigen Aufwandes hinlänglich seyn können. Ob nun zwar
10*««. Solchergestalt die Anzahl derjenigen Ordensgliedcr, welche Pensionen gemessen, von nun an fest gestellt wird, so bezieht sich doch dieses nur auf die von Uns bestimmte Pen- sionen, keineswegs aber auf die Verleihung des Ordens; Massen in demselben so viele Gross- kreuze und Ritter aufgenommen werden sollen, als sich nur immer hierzu würdig machen werden.
Um in den Orden aufgenommen zu werden, sind
11*.«. yoriäufig drey wesentliche Stücke erforderlich, dass nämlich: erstens die tapfere That, so das Recht zum Orden gibt, zureichend beschrieben; zweytens, die Beschreibung mit hinlänglichen Beweisthüinern bestärket; und dann endlich drittens von dem Ordenscapitul die unparteyische Untersuchung angestellet werde, ob nicht nur an dem Bcweiss nichts ermangele, sondern auch ob die beschriebene That von der Beschaffenheit soy, dass sie entweder das grosse oder kleine Kreuz verdiene. So viel nun
12'««. j)ie Beschreibung und Bescheinigung der That betrifft, haben bereits Unsere herzlich geliebte Gemahlinn der Kaiserinn Königinn Apostolischo Majestät und Liebden, den gemessenen Befehl an Dero Armeen ergehen, und bekannt machen lassen, dass keinem Oberofllcier von dem höchsten bis zum niedrigsten, welcher sich durch eine besondere That zu dem neuen Orden würdig gemacht zu haben glaubet, verwehret, oder die geringste Hinderniss in den Weg geleget, sondern vielmehr aller Vorschub gegeben werden solle, desfalls den gehörigen Bcweiss beyzubrin- gen, welche gemessene Vorschrift Wir auch hiermit noclimahls erneuern und bestätigen. Weil aber
13u«- jjje Kriegsthaten meistenthcils unter vieler Augen geschehen, und bey deren Zeugen- schaft ein gewisses Mass zu halten ist; so muss sich auch hierbey nach Unterschied der Fälle gerichtet, und insonderheit darauf gesehen werden, ob der probführende General oder Obcr- officier zur Zeit, als er sich durch seine Tapferkeit und kluge Veranstaltung hervor zu thun die Gelegenheit erhalten, unter eines andern Commando gestanden sey, oder selbst das Commando geführet habe.
In dem ersten Falle ist fördersamst von dem commandirenden Officier die Zeugenschaft abzufordern, und der Aufsatz des Facti sowohl von ihm, commandirenden Officier, als von fiinl andern Oberoflicieren , mit ihrer Handunterschrift und Pettschaft zu bestätigen, so, dass in Ermanglung derselben vor jeden als Zeugen abgehenden Officier, zwey Unterofficiers oder Gemeine gerechnet werden müssen. Sollte aber
Der commandircnde Officier sich mit der Unwissenheit des Vorgangs entschuldigen, oder abwesend und verhindert seyn, oder auch der Ordenscandidat selbst das Commando geführet haben, so erfordern Wir in solchen Fall die Zeugenschaft und Unterschrift von sechs Obcr- officiers, oder von einen jeden, der an dieser Zahl abgehet, von zwey Unterofficiers oder Gemeinen, die der Action mit beygewohnet haben. Wäre hingegen
15"**- Der Fall so beschaffen, dass nicht so viele Zeugen, als breits erwähnter Massen vorgcschricben sind, aufgeführet werden könnten, so sollen in der Beschreibung des Factum
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die Umstände desto genauer bemerket , und diejenigen , welche die That mit Augen gesehen haben, zur Unterschrift ihrer Aussage gezogen werden.
16u“' Dio auf obbesehriebenc Art ausgefertigte Attestaten und Ritterproben sind sodann nebst der Species Facti dem vdh Uns bevollmächtigten Qrosskreuz verschlossener zuzusenden, damit dieselben in dem Ordenscapitel gehörig geprüfet werden können.
171'"*' I)a sich auch zuweilen der Fall ereignet, dass einige Unserer Generale und Officiers sich bey den Armeen Unserer Bundesgenossen befinden, und den dortigen Feldzügen beywohnen, so wäre cs unbillig, wenn denselben die Gelegenheit zu diesem Orden zu gelangen dadurch entzogen würde. Wofern sieh demnach selbige bey einer der alliirtcn Armeen durch eine tapfere und kluge That hervorzutliun Gelegenheit bekommen, und deren Beschreibung nach den ober- wähnten Requisiten einschicken; so soll hierüber auf die nämliche Art, als wäre die That bey Unserer Armee vorgefalten, Ordenscapitel gehalten, das Factum untersuchet, und beurtheilet, auch der Ordenscandidat, wenn er würdig befunden wird, in den Orden unweigerlich aufgenom- men werden. Was nun ferner
Igt»... jjje in8truction un(j Anweisung belanget, nach wolcher das Capitel Unseres militäri- schen Maria Theresicn-Ordens gehalten werden soll, so ist hierbey Unsere gnädigste Willens- meinung, dass so oft oin Capitel angestellet wird, jederzeit alle bey der Armee anwesende Grosskreuze und Ordensritter dazu berufen werden sollen; derjenige aber, welcher von Uns dio Commission bey dem Capitel zu prüsidiren überbekommt, hat vorzüglich darauf zu sehen, dass dasselbe, ausser ihm, dannoch wenigstens aus sechs Grosskreuzen oder Rittern, im Falle nähmlich nicht mehrere bey der Armee zugegen sind, zusammengesetzt werde. Wann so fort
19,r4’* Der zu dem Capitel anberauinte Tag und die Stunde erscheinen, und die berufenen Ordcnsgliedcr alle versammelt sind, so soll der präsidirendc Grosskreuz die Memorialicn und Attestaten, wofern sie nicht zu Gewinnung der Zeit unter den Ordensgliedcm bereits circuliret haben, durch eine Person von der Kriegskanzley ablesen, und die unterschriebene Zeugen nach der Ordnung ihres verschiedenen Militärranges zusammen zählen lassen, damit ein jeder von den Anwesenden dio Verdienste des Candidatcn alsobahl übersehen und bemerken könne, ob dessen erwiesene That sich zu diesem Orden qualifteire, und ob bey den Zeugnissen insbesondere alle erforderliche Kennzeichen der Autenticität vorhanden seyn. Ungeachtet Wir nun
20u”' Keineswegs zweifeln, dass diejenigen Grosskreuze und Ritter, aus welchen das Capitel besteht, nachdem sic selbst durch ihre Th&ten sich des Ordens würdig gemacht haben , am bessten im Stande seyn werden, anderer Verdienste zu bcurthcilcn, so haben Wir dennoch nicht für undienlich erachtet, Unserem Ordenscapitel die wesentliche und ganz besondere Eigenschaft dieses militärischen Ordens noclmiahls begreiflich zu machen ; und weil cs nicht wohl möglich ist, in eine ausführliche Beschreibung der so vielfältigen Kriogsthaten, die bey verschiedenen Gele- genheiten, und auf manchcrley Art Vorkommen können, einzugehen, so wollen Wir hier nur überhaupt gewisse Grundregeln festsetzen, damit das Capitel eine Richtschnur haben möge, nach welcher es seinen Betrag abmessen könne. Es ist zwar an dem, dass alle Unternehmungen der Generalität sowohl als der Officiers zur Beförderung Unseres Dienstes eine natürliche Folge ihrer Obliegenheit sind; es hat aber auch die Schuldigkeit und Tapferkeit in dein Militär so zu sagen ihre Stuften, welche eine That mehr oder weniger verdienstlich machen, nachdem sic der Vollkom- menheit näher, oder von derselben entfernter ist, gleichwie dann auch die eigentliche Absicht dieses Ordens dahin abzielet, die Pflicht und den Diensteifer des Militärs in der Ausübung selbst auf einen höheren Grad zu bringen, und diejenigen zu ausserordentlichen Thaten anfzumuntem, welche sich sonst begnüget haben würden, ihrer Schuldigkeit nur dem allgemeinen Begriff nach
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ein Genüge zu lebten. Daher kommt es bey diesem Orden nicht schlechterdings auf ein solches Verhältniss zwischen dem Facto und der Belohnung an, die sich auf eine geometrische Art ausmessen lässt. Denn wollte man die Schuldigkeit eines Kriegsmannes in so genauem Verstände nehmen, so würden entweder gar keine militärische Facta, oder doch sehr wenige, zu diesem Orden tüchtig machen , der Diensteifer aber dadurch erkalten, und folglich der grosse Endzweck, den man sich bey Errichtung dieses Ordens vorgesetzot hat, hinweg fallen. Weil cs jedoch
211**' In der That schwer fällt, derley Facta nach allen Umständen gründlich zu prüfen, und ihren Werth richtig abzuwiegen, indessen aber hinlänglich scyn kann, wenn man in solchen Fällen alle mögliche und vernünftige Vorsicht anwendet, so halten Wir für unumgänglich nöthig, Unserem Ordcnscapitel als eine unwandelbare Richtschnur vor Augen zu legen, dass alle dieje- nigen Thaten, welche ohne Verantwortung hätten unterlassen werden können, aber dennoch unternommen worden, des Ordens würdig sind, zum BcyspicI: wenn ein Officier ohne besondern Befehl einen Angriff waget, und nicht nur mit gesetztem tiemüthe alle Veranstaltungen machet, sondern auch dabey eine persönliche Herzhaftigkeit bezeiget; wenn er durch seinen Vorgang die unterhabende Mannschaft aneifert, eine Schanze, Batterie oder sonst einen besetzten Ort über- steiget; wenn er eine Ocffnung zwischen den feindlichen Truppen wahrnimmt, und sich dieses Vortheils ohne Erwartung der Ordre zum Besten Unseres Dienstes bedienet; wenn er sich zu einer gefährlichen Unternehmung ffey willig anbiethet, und selbige ihm gelinget; wenn er in dem Treffen auf seinem Flügel , mit seiner Brigade, Compagnie, oder Commando von sich selbst eine Bewegung machet, woraus einem Corps oder vielleicht der ganzen Armee ein besonderer Vor- theil erwüchset ; wenn er ein thunlichcs Militärproject, oder sonsten eine neue Entdeckung macht, und durch deren Ausführung einen wirklichen Nutzen zu Wege bringt, u. s. w. Massen einem
jeden Militärofficier boy der Armee und bey allen Corps derselben erlaubet seyn soll, seinem
commandirenden Generale oder Stabsofficier dasjenigo vorzutragen, was ihm die Gelegenheit verschaffen kann , wider den Feind etwas vortheilhaftes zu unternehmen , und dadurch dieses Ehrenzeichen zu erwerben. In allen dergleichen Fällen, welche nicht leicht vorausgeschen, noch alle nach der Reihe angeführt werden können, ist demnach
22'«*- xur auf kleine Krouz anzutragon, mit dem grossen Kreuz hingegen überaus sparsam zu verfahren, und nur alsdann damit vorzugehen, wenn nebst der Herzhaftigkeit ein ausserordentliches kluges Betragen in der nämlichen That sich vereinbaret befindet Solcher- gestalt können nach diesen beyden Grundregeln, welche die Natur des Ordens selbst mit sich
bringet, alle tapfere Thaten untersuchet, und die Zierde des Ordens in ihrem Werth und Glanz
erhalten werden. Es ereignen sich aber auch ferner >
In Betracht der Ritterproben verschiedene Bedenklichkeiten , Massen thcils ihre Authcnticität und thcils die Zeugenschaft derselben zweifelhaft scyn kann. Um demnach der \ er- wirrung auszuweichen, hat das Ordcnscapitel ein fiir alle Mahl bey der Kegel zu verbleiben, und die Untersuchung der Ritterproben nach Ordnung der Zeit, in welcher das Factum geschehen ist, auf die vorgeschriebene Weise vorzunehmen, damit man wegen ihrer Regalität vollkommen gesichert seyn, und keiner, der fiir diessmahl ausgeschlossen wird, mit Bestand der Wahrheit sich über Partey- lichkcit oder Ungerechtigkeit beklagen möge.
Denn da Unsere gnädigste Willensmeinung dahin gehet, dass ohne Ansehung der Person, ohne Gunst oder Missgunst, mit dein einen wie mit dem andern verfahren, und jedem der Weg offen gelassen werde, sich durch neue Unternehmungen des Ordens würdig zu machen, so ist es keine Schande, mit diesem Ehrenzeichen noch nicht ausgezieret zu seyn, vielmehr sind Wir der gnädigsten Zuversicht, dass ein rechtschaffener Officier seinen Eifer verdoppeln werde, um endlich
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einen Preis zu erhalten, der nur dem vorzüglichen Verdienst allein gewidmet ist. Und hierin liegt eben die wesentliche Eigenschaft dieses Ordens verborgen, welche, wenn sie genau, und Unserer Absicht gemäss, vor Augen behalten wird, für Unseren Dienst die grössten Vortheile verspricht. Wir können also diese Betrachtung nicht oft genug wiederholen, und versehen Uns anbey
24,r“' Zu Unserm Ordenscapitcl gnädigst, dass dasselbe in Untersuchung der Militürthaten mit allem möglichen Bedacht und mit einer vernünftigen Schärfe zu Werke gehe, alles, was boy der Capitular- Versammlung vorfällt, in engster Verschwiegenheit halten, auch von den oban- gezeigten Massregeln im geringsten nicht abwcichen, insonderheit aber die Attestaten, ob sie vollständig, authentisch und gültig sind, auf das vorsichtigste prüfen, und für niemanden weder einige Rücksicht noch besondere Freundschaft hegen, sondern einzig und allein die Ehre dieses Ordens, und die Beförderung Unseres Dienstes, als die wahre und einzige Hauptabsicht, zur Richtschnur nehmen werde; gestalten Wir dessen vorzügliche Reinigkeit, nicht in der Menge der Ritter, sondern in der Belohnung der wahren Kriegstapferkeit suchen, so dass jedermann bey Erblickung dieses Ehrenzeichens aisobald den untrüglichen Schluss machen könne, es müsse dessen Besitzer solches durch eine ausserordentliche tapfere militärische Tliat erworben haben, ein Vorzug, dessen Werth durch die daraus fliessendc allgemeine Hochachtung noch mehr erhoben wird, und woran mithin allen Militärpersonen von dem grössten bis zu dem kleinsten unendlich viel gelegen sein muss, Massen einem jeden, der mit dem Ordenskreuz gezieret wird, zum ausnehmenden Vorzug gereichet, dass solches niemanden anders, als nach vorgängiger genauer Untersuchung, folglich einzig und allein den wahren und geprüften Verdiensten, ver- liehen werde.
Wenn Wir nun alles obige voraussetzen, so wird
25''"- Unser Ordenscapitel sich hoffentlich im Stande befinden . von allen und jeden vor- kommenden militärischen Factis ein gründliches Urtheil zu fällen, und mithin einzusehen, ob wegen angezeigter Verdiensten der Orden mit Recht kann begehret, Uns als Grossmeistern zur Aufnahme des Candidatcn angerathen , und sofort auf das grosse oder kleine Kreuz angetragen werden, oder ob das Factum gar keiner Rücksicht würdig sev. Demnach soll
26*""- Ein jeder der anwesenden Grosskrouzcn und Ritter, und zwar so, dass man von den jiingem anfangc, und bis zu den ältesten hinauf steige, über die in den Momoriaiien angeführten Verdienste sowohl als über die Giltigkeit der Attestaten seine Meinung ad Protocollum eröffnen, sodann aber
27'*"' Der Präses Capituli dio Stimmen sammeln, secundum Majora das Conclusum machen, und Uns dieses Capitular-Gutachten nebst den Memorialien, den Attestaten, und dem geführten Protokoll, worin eines jeden Votum bemerket ist, zusammen in Original einschicken, damit Wir Unsern Grossmeisterlichen Entschluss darüber fassen , und des Capitels Vorschlag entweder bestätigen oder abändem , oder sonst dio weiteren Befehle geben können, da Wir Uns als Gross- meister den endlichen Ausspruch allein Vorbehalten, das Capitcl hingegen nur zu dessen Vorbe- reitung dienet, und nichts zu entscheiden hat. Da Wir aber
28,'*K Die Commission bey dem Capitcl zu präsidiren einem der Grosskreuzen, welcher boy der Armee gegenwärtig ist* nacli Gutbefinden allezeit auftragen werden; erachten Wir zugleich nöthig, damit erwähntes Ordenscapitel nie ausser Activität kommen möge, denselben im Falle einer Unpässlichkeit oder Hinderniss, mit der Substitutions - Vollmacht zu versehen, welche Substituirung jedoch alle Mahl schriftlich, und auf keinen andern als einen Grosskreuz, auch allezeit auf den ältesten, wenn er nicht abwesend oder verhindert ist, zu verfügen scyn wird. Im Falle nun
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29w~- Von Uns als Grossmeistern die Bestätigung des Capitularschlusscs. und die Promotion der Ordenscandidaten durch eine von Uns eigenhändig unterschriebene Liste einlaufet , so ist Unser gnädigster Wille , dass dieselben Candidaten Unserer Grossmeistcrlichen Gnade auf die feyerlichste Art versichert werden. Demnach hat derjenige, so von Uns die Vollmacht bey dem Capitel zu präsidircn erhält, oder welchen dieser hierzu substituiren und bevollmächtigen wird, den Candidaten ihre bevorstehende Ritter-Promotion durch besondere Zuschriften wissen zu machen, und anbey sowohl den Tag als die Stunde zu bemerken, wann diese feyerliche Handlung vor sich gehen solle. Sodann ist
30u"*- Tages vorher bey der Parole öffentlich kund zu machen, dass Wir die mit Nahmen zu nennenden Generals und Officiers, wegen ihres klugen und tapferen Betragens würdig befunden, in den Orden theils als Grosskreuze, theils aber als Ritter auf- und angenommen zu werden, und dass zu Folge Unseres gnädigstcu Befehls die Promotion folgenden Tages in dem Hauptquartier um die bestimmte Zeit vollzogen werden solle, zu welchem Ende sowohl die übrige Generalität als Stabs- und Oberofliciers sich daselbst cinzufinden, und der fcyerlichen Aufnahme in den Orden beyzuwohnen hätten. Hierauf soll
31u**' Folgenden Tages der bevollmächtigte Grosskreuz der Versammlung durch eine kurze Rede Unsere Grossmeisterliche EntschliesSung , in Ansehung der besondern Verdienste der Candi- daten, bekannt machen, und bey dem Schluss das Ordenszcichen den Grosskreuzen cn 6charpe. den übrigen Rittern aber an ein Knopfloch des Rockes oder der Weste unter Trompeten- und Paukenschall, und Ablesung folgender Formel anhüngen:
Auf Allerhöchst Kaiscrl. Grossmeistcrlichen Befehl empfangen Dieselben aus meinen Händen das Zeichen des militärischen Maria Thcresien-Ordens. Dieses dienet zum Beweis ihrer Thatcn und Aufnahme in diesen Orden, der allein der Tapfer- keit und Klugheit gewidmet ist. Gebrauchen Sie sich dessen zur Ehre Gottes, zum Dienst des Durchlauchtigsten Erzhauses, und zur Verteidigung des Vaterlandes.
Sodann die Candidaten allerseits unter einem anständigen Glückwunsch umarmen, welches hierauf alle Grosskreuzc und Ritter ebenfalls gegen einander zu befolgen haben. Was aber
32,c“' Diejenigen Ordenscandidaten belanget, welche sieh bey der Armee nicht gegenwärtig, sondern auf Commando, oder aus andern erheblichen Ursachen von dem Hauptquartier abwesend befinden, und folglich ihr Ordenszeichen aus den Händen des präsidirenden Grosskreuzes nicht per- sönlich empfangen können, so befehlen Wir hiermit gnädigst , dass noch vor dem Rcceptionsact in der Anrede an die Versammlung ihrer naluncntiich gedacht, das Ordenszeichen hingegen ihnen entweder durch die in der Nähe befindlichen Grosskreuze angehänget, oder im Fall wegen weiter Entfernung auch dieses unthunlich wäre, von dem präsidirenden Grosskreuz mittelst eines beson- deren Schreibens zugefertiget werde. Hiernächst ist
331'”' Nach vollendetem Rcceptionsact einem jeden Grosskreuz und Ritter sein Promotions- patent von der Ordcnskanzley taxfrey auszufertigen , den abwesenden aber durch ihre Agenten oder Bestellte zuzusenden.
341'“- Um nun nuch den Rang der Ordensgliedcr unter sich ein für alle Mahl fcstzu- setzen, so ist zuforderst Unsere gnädigste Willensmcinung, dass ungeachtet die bey der ersten Promotion vorn 7U* März 1758 creirto Grands-Croix und Chevaliers, aus Rücksicht, dass sic die ersten waren , den Rang in den Orden nach ihrem Militärcharakter bekommen haben , dennoch inskünftige dieses zu keiner Folge angezogen werden möge, sondern dass gleichwie überhaupt die Grands-Croix den Chevaliers vorgehen , also beyde wiederum unter sicli und bey dem
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Orden den Rang schlechterdings nach der Zeit ihrer Rittertliat zu nehmen haben, folglich die- selben gleichsam so viele besondere Promotionen ausmachen, als nach chronologischer Ordnung Epochen ihrer Ritterthaten vorhanden sind.
Hingegen sollen diejenigen Ordcnsglieder, so voh der nähmlichcn Epoche sind, nach ihrem Militärcharakter und im Pall mehrere von gleichem Militärcharakter zusammen treffen, nach ihrer AnciennehS und derselben anklebcnden Rang den Vorzug haben. Woraus sich dann von selbst ergibt, dass diejenigen neuen Grosskreuze, welche bereits vorher Ritter gewesen sind, den übrigen Gross- kreuzen von der nühmlicken Promotion auch im Raugo Vorgehen, Massen diese Ordnung in der Natur des Ordens selbst gegründet ist, und mithin nicht nur zu dessen Dauer und Zierde gereichet, sondern auch die genaue Beobachtung der von Uns gleich bey Anfang desselben fest gesetzten Grundregel bestätiget, dass bey Verleihung dieses Ritterordens einzig und allein auf die Militär- Verdienste, und zwar nach Ordnung der Zeit, so wie die Facta der Candidaten sich ereignen würden, zurück gesehen werden sollte. Da nun
35'*“- Unter den Grands-Croix und Chevaliers bey allen Gelegenheiten, wo sie als Ordens- gliedcr erscheinen, der Rang nach Unserer jetzt erklärten Vorschrift seine Richtigkeit hat, also wollen Wir ferner aus vorzüglicher Achtung für die Mitglieder Unseres Ordens, dass sowohl die Ordensritter als Grosskreuzc an Unserem Iloflager, im Fall sie entweder bey Uns oder bey Unserer herzlich geliebten Gemahlinn der Kaiserinn Königinn Apostolischen Majestät und Liebdon Audienz suchen, solche ohne sich vorher bey dem Oberstkämmerer diesfalls anzumelden, und zwar in der Burg in der Rctirade, zu Schönbrunn hingegen in dem Spiegelzimmer zu erhalten, die Ehre gemessen. Auf gleiche Weise soll den Grosskreuzen je und allezeit, den Rittern aber nur allein an dem Tage des jährlichen Ordenfestes, wie auch alsdann, wann sic bey ihrer Ankunft oder Abreise zum Handkuss gelassen werden , der freye Eintritt in die geheime Rathsstube gestattet seyn.
Hiernächst sollen alle und jede Grosskreuze und Ritter dieses Militärordens den Vorzug haben, nicht nur bey den Hoffesten und ordinären Apartements, sondern auch bey den soge- nannten Spiel- oder kleinern Apartements gleich den Generals -Personen eingelassen zu werden. Und gleichwie
361'“'- Das Ordenskreuz allen Grosskreuzen und Rittern, eo ipso, dass sie in den Orden aufgenommen werden, den Ritterstand, wenn sic sich darin noch nicht befinden, beyleget, also haben auch Unsere herzlich geliebte Gemahlinn, der Kaiserinn Königinn Apostolische Majestät und Eicbden, an Dero erbländischen Stellen den gemessenen Befehl ergehen lassen , dass dieser Ritterstand von jedermann anerkannt, und den Ordcnsgliedern durchgehends solcher Qualität gemäss begegnet werde. Nebst dem aber soll nicht minder
37'***’ Denjenigen Grosskreuzen und Rittern, welche es begehren, der Ilcrrenstand, nähmlich das Baronnt ertheilct, und das gewöhnliche Diplom uncntgeldlich ausgefertiget werden. Aus welcher Betrachtung auch
3gi.n.. Unsere herzlich geliebte Gemahlinn der Kaiserinn Königinn Apostolische Majestät und Liebdcn Dero erbländischen Stellen ferner anbcfohlen haben, dass dieselben bey allen vor- fallenden Expeditionen und andern Gelegenheiten, den Grosskreuzen und Rittern die ihnen gebüh- rende Ordenstitulatur bcyzulegen nicht ermangeln sollen. Gleichwie dann auch
391’"- Die Grosskreuze und Ritter selbst sich von ihrer Ordenswürde zu schreiben, und das Ordenskreuz in ihren Wapen oder auf ihren Sigillcn und Petschaften zu führen, berechtiget sind.
40i«u. p)a nun einem solchen Orden, der allein durch ausnehmende Tapferkeit und Kriegs- verdienste erworben werden kann, kein anderer in der Hochschätzung vorzuziehen ist, so haben
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Wir auch für gut befunden, bey der Regel des goldenen Vlicssordcns, dass nähmlich neben dem- selben kein anderes Ordenszeichen getragen werden könne, einzig und allein in Ansehung des militärischen Maria Theresien-Ordens eine Ausnahme zu machen, und verordnen demnach hiermit gnädigst, dass dessen Ehrenzeichen zugleich mit und neben dem goldenen Ylicss getragen werden, hingegen kein Ritterorden einer auswärtigen Puissance eben so, wie bey dem goldenen Vliess, nebst dein militärischen Maria Theresion-Orden Platz finden könne und solle. Uebrigcns wird
41"“' Einem jeden Grosskreuz und Ritter vergönnet, auf seine eigene Kosten sich mehrere Ordenskreuze anzuschaffen , jedoch dass davon jedes Mahl dem Ordenskanzler vorläufige Nachricht gegeben werde.
42‘*M' Wenn von Unsern Grosskreuzen und Ordensrittern katholischer Religion einer oder mehrere in Fcldsclilachten und Scharmützeln umkommen, oder sonst mit Tod abgehen; so soll für dieselben ein eigenes Seelenamt in der Augustiner- llofkirchc gehalten, deren hinterlassenes Ordenszeichen aber von den Erben, oder wer es sonsten zu Händen bekommt, dem Ordens- kanzler behändiget oder zugeschicket werden. Hiernächt aber haben Wir
43u*v Ferner mildest verordnet, dass nach erfolgtem Absterben der Grosskreuzen und Rittern die Hälfte der genossenen Pension von ihren hinterlassenen Witwen lebenslang beybe- halten, und aus der Ordenscasse gezogen werden solle. Nachdem Wir auch
44‘'**' Für nöthig erachtet haben, diesen Ritterorden mit einem Kanzler zu versehen, so ist Unsere gnädigste Willensmeinung, dass das Ordcnskanzellariat alle Mahl von dem Hof- und Staatskanzler zugleich bekleidet und geführct werde. So oft Wir nun binfuhro in eigener Person Grosskreuzo oder Ritter creiren , soll
45‘”’- Der Ordenskanzler die Anrede an die Versammlung halten, und zu Folge des bey dem ersten solennen Rcceptionsact beobachteten, und hier Sub Nr. 1. angebogenen Ceremo- niels das Ordenszcichen fiir jeden Candidatcn bchändigen, auch sonst überhaupt Uns von allen, was in Ordens-Anliegenheiten vorfällt, mündlichen oder schriftlichen Vortrag thun, aus welcher Ursache Wir hiermit
46Ur"- Befehlen, dass alle an Uns gestellte Momorialien und Schreiben in Ordenssachen sowohl, aJs die Capitular-Bcrichto und Gutachten, Unserem Ordenskanzler sub volanti bevge- schlossen und zugesendet werden sollen.
47u“' Unter dem Ordenskanzler sollen die Ordensbeamte, nähmlich der Tresorier und Greffier stehen, welche Wir und Unsere Nachfolger als Grossmeister auf des Ordenskanzlers Vor- schlag jederzeit ernennen wollen. Ihre beyderseitige Verrichtungen aber bestehen in Folgenden:
48u“*- Der Ordens-Tresorier hat nicht nur für die Zurichtung der Ordenszeichen zu sorgen, und selbige bey solennen Receptionen, die Wir in eigener Person verrichten, dem Ordenskanzler zu überreichen, sondern auch die jährlich dem Orden ausgesetzte einmahlhundert und fünfzig tausend Gulden zu erheben, hiervon die Pensionen der Ritter und Besoldungen der Ordensbeamten auszuzahlen , und sowohl über diese als andere Ordenskosten jährliche Rechnung abzulegen.
49""' Der Ordens-Grcffier soll ein documentirtes Protokoll führen, und in dasselbe alles dasjenige, was in Ordensgeschäften merkwürdiges vörkommet, nach Ordnung der Zeit an gehörigen Ort eintragen, Unsere Rcscripte und Befehle an das Ordenscapitcl sowohl als die Patenten der von Uns ernannten Grosskreuze und Ritter ausfertigen , sodann bey jeder Promotion die Listen der Ordenscandidaten nach ihrem bey dem Orden habenden Rang verfassen, nicht minder auch die Memorialien der Ordenscandidaten und übrige den Orden betreffende Schriften registriren, und in besonderen Fascikcln bey dem Ordens-Archiv aufbchalten, auch überhaupt alle Expe- ditionen durch den eigends hierzu bestellten Kanzellisten abschrciben, und mundiren lassen.
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50u'’- Um scblüselich das Andenken von der Stiftung dieses Ordens zu verewigen, haben Wir gnädigst verordnet, dass das Ordensfest alljährlich den 15'** October, als am Feste der heiligen Theresia, und zwar zu Friedenszeiten bey Unserem Hoflager nach dem hier sub Nro. 2. anschlüssigen Cercmoniel, zu Kriegszeiten aber in dem Hauptquartier der Armee feyerliehst begangen werden soll.
öl1***' Gleichwie Wir Uns nun sowohl zu Unseren Grosskreuzen, als zu allen übrigen Ordensrittern zum voraus mildest versehen, dass die von Uns hier festgesetzte Ordensregeln und Statuten stets und unverbrüchlich von ihnen werden beobachtet, und andurch derjenige grosse Endzweck welchen Wir Uns bey Errichtung dieses Ordens vorgesetzet, niihmlich die Aufnahme des Militärcs, in vollem Maas erreichet werden; nlso befehlen Wir allen Unseren Ordensgrosskreuzen und Rittern die genaue Befolgung obstehender Statuten hiermit ernstlich und gnädigst, tragen auch zugleich Unserem Ordenskanzler auf, seine unablässige aufmerk- samste Sorgfalt dahin zu richten, dass diesen Ordenssatzungen in allen ihren Artikeln nicht nur von den Ordensglicdcm durchgebcnds nachgelebet, sondern auch von allen zu dem Orden gehörigen Personen pflichtschuldigste Folge geleistet werde.
Urkund dessen haben Wir gegenwärtige Statuten eigenhändig unterschrieben, und Unser grösseres Ordensinsiegel daran hängen lassen. Geschehen in Unserer Kaiserlichen Residenzstadt Wien, den 12'** December im 17581'0 Jahre.
FRANZ.
Gr. Kaunitz-Rittberg.
Ad Mandatum Sacr. Caes.
proprium.
Christ. Aug. Beck.
Nro. 1.
CEREMONIEL
WELCHES BEY SOLENNER INSTALLIRUNG SR. KÖNIGE. HOHEIT DES Durchlauchtigsten Herzogs Carls zu Lothringen, Generalgouverneurs der Oesterreic bi- schen Niederlanden, und des commandircnden Fcldniarsrhalla Grafen Leopold von Daun , In den militärischen Maria Theresien-Orden am Kaisurl. König). Iloflager zu Wien dun 7. März 1753 beobachtet worden.
Nachdem Ihre Röm. Kaiserl. Majest. als Grossmeister des neu gestifteten militärischen Maria Theresien- Ordens allergnädigst entschlossen hatten, den beyden ersten Grosskreuzen, nähmlicb des Durchlauchtigsten Herzogs Carl zu Lothringen, Künigl. Hoheit, und des Fcldmar- schalls Grafen von Daun, Excell., selbst in Allerhöchster Person diesen Orden zu ertheilen: So ward
l1***' Durch den Ordenskanzler, auf Allerhöchsten Befehl den beyden Ordenscandidaten Ihre Ernennung mittelst einer besonderen Zuschrift kund und Ihnen zugleich der Tag und die Stunde wissend gemacht, an welchem Ihre solenne Installirung vollzogen werden solle. Sodann ward
2'"”' Allen hier anwesenden Generalspersonen und Stabsofficiers durch die Behörde angedcutct, dass dieselben am bestimmten Tag, und zu bemerkter Stunde sich bey Hof in charaktermÜ8sigen Uniform cinfindcn, und gedachter solennen Ritterfunction mit bey wohnen möchten. Den Kammerthürhüthern ward anbey anbcfohlen, dass Sie auch alle Militäroberofficiers,
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und sonst alle diejenigen, welche den Zutritt turn Apartemcnt haben, in die zweyte Anticamera, als wo selbst diese Solennität vor sich gehen würde, einlassen sollten. Nachdem nun
3*'“' Diese Zeit erschienen, haben Se. Majestät der Kaiser als Grossroeister in Dero Uni- form unter Yortrctung der Ordensbeamten , Kammerherren , geheimen Räthe , und obersten Hofämter (welchen zu dem Ende die gehörige Ansage in Campagne - Kleidern um die anbe- raurote Stunde zu erscheinen, geschehen war) dann unter immediater Vorgehung des Obersten Hofmarschalls mit dem entblössten aufrecht tragenden Staatsschwert , und in gewöhnlicher Begleitung der Capitaine der Garden, wie auch des Obersten Kämmerers, nach der zwevten Anticamera, aliwo die Generalität, Stabs- und andere Militäroberofficiers versammelt waren, folgsam dieser feyerliche Act begangen werden sollte, sich verfüget, und daselbst in Dero unter dem Baldachin auf der Estrade oder dem breiten Staffel noch mit drey Staffel erhabenen, und wie bey den kaiserl. und Reichsbelchnungen zuhereiteten Thron mit bedecktem Haupt nieder- gelassen ; da übrigens der Hofstaat , der Ordenskanzler , die Generalität und Staabsofficiers, ingleichen die Ordensbeamte Ihren Platz, nach Ausweis des hierneben anliegenden Scheinatis, genommen haben.
Alsdann hat der kaiserl. Oberstkämmerer die Candidaten, welche in der Erzherzogi. Jose- phinischen Anticamera indessen sich aufgchalten und gewartet hatten, abgchohlet und bis in die zweyte Anticamera an die Estrade oder den breiten Staffel des Throns geführet, auf welcher Estrade Ihre Königliche Hoheit der Durchlauchtigste Herzog Carl von Lothringen sich so fort hinauf begaben, ihren Platz wie in dem Schcmate Nr. 2. angezciget, nahmen und daselbst stehend die Rede des Ordenskanzlers anhörten , auch während der Ordensreception des Feld- marschalls Grafen Leopold von Daun daselbst stehen verblieben. Dahingegen der erstgedachte Feldmarschall Graf von Daun allezeit unter der Estrade, gegen Ihrer Majestät den Kaiser über, seinen Platz stehend beybehalten, bis denselben der Ordenskanzler zur Umhängung des Ordens- zeichens berufte.
d1***- War auf der rechten Seite des Kaiserl. Throns unter der Estrade an die Wand ein mit rothem Sammet bedecktes Tischcl gesetzet, auf welchem vier rothsammctc mit Gold brodirte Polster, und auf demselben die zwey Patente und Ordenszeichen lagen, und wobey der Trcsorier und Greffier des Ordens stunden, wie aus dem Schematc ad Nr. 9. 10. und 11. wahrzunehmen.
Sobald die Candidaten an Ihrer obangeflihrtcn Stelle sich befanden , und der Oberst- kämmerer an seinen Platz getreten war , näherte sich der Ordenskanzlcr dem Kaiserl. Thron, und knieete auf dem obersten Staffel nieder, um die allerhöchste Kaiserl. Befehle zu vernehmen, und da er selbige empfangen hatte, ging er zurück, blieb auf der Estrade an dem im Schematc sub Nr. 8. angezeigten Ort stehen , und hielt sodann eine kleine Anrede an dio Versammlung, und insonderheit an die beyden Ordcns-Candidaten , worin sowohl die Stillung und der End- zweck des Ordens überhaupt, als die Verdienste der Ordens -Candidaten nebst Ihrer Benennung kürzlich angeführet wurden.
6""* Hierauf ward durch ein gegebenes Zeichen des Ordenskanzlers der erste Ordens- Candidat , nähmlich des Durchlauchtigsten Herzogs Carl von Lothringen Künigl. Hoheit vor den Thron berufen, und kniceten auf den obersten Staffel des Thrones zu den Füssen Sr. Römisch- Kaiserl. Majestät auf einem rothsammetenen mit Gold bordirten Polster, den der Oberkammerfourier vorläufig dahin geleget, auf beyde Knie nieder.
71'“’ Der Ordenskanzler nahm sodann aus den Händen des Trcsorier das Ordenszeichen, und überbrachte es gleichfalb* Sr. Majestät dem Grossmeister, welche solches dem höchsterwähnt Durch- lauchtigsten Candidaten mit folgenden Worten umhingen :
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„Euer Liebden empfangen aus Unseren Händen das Zeichen des militärischen Maria „Thercsien- Ordens. Dieses dienet zum Beweise Ihrer Thatcn, und Aufnahme in diesen Orden, der „allein der Tapferkeit und Klugheit gewidmet ist.
„Gebrauchen Sie sich dessen zur Ehre Gottes, zum Dienst Unseres Hauses, und zur Yer- „theidigung des Vaterlandes.“
Se. Majestät haben sodann den annoch knieenden Durchlauchtigsten Herzogen embrassiret, welcher sich zurück an Dero vorigen Ort auf der Estrade verfügte, der Polster aber, darauf Se. Königl. Hoheit geknieet, wurde von dem Obcrkammer- Fourier hinweggenommen. Nachdem nun auch
gi«.. j)*0 ingtaüirung des zwoyten Grosskreuzes auf gleiche Weise vollzogen worden , haben sich Se. Köm. Kaiserl. Majestät
Nach also geendigter Solennitüt von Dero Thron erhoben, und in voriger Ordnung wieder nach Dero Kctirade begeben.
SCHEMA
dor Zubereitung und PUtznchmung in der zwoyten Antlcamcr* bey der Militärrittcrordcnz-InstallirungK-
Solennitüt.
EXPLICATIO NUMERORUM.
l1***' Ihro Römisch- Kaisorl. Majestät über die Estrade oder den broiten Staffel, noch drey Staffel hoch erhabener, und wie bey den Reichs-Belehnungen unter dem Raldachin zubereiteten Thron.
gn»». piatz , wo Ihre Königl. Hoheit der Durchlauchtigste Herzog Carl von Lothringen während der Rede des Ordenskanzlers und während der Ordens - Reception des Feldmarschalls Grafen Leopold von Daun gestanden.
3'"“' Platz des Obersten Hofmarschalls, wo derselbe mit dem blossen Staatsschwert stund.
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4''“' Platz tios Obersten Hofmeisters.
5to*” Platz des Oberstenkämmerers.
6,r** Platz des Hartschioren-Lcibgarde-Hauptmanns.
7W**' Platz des Trabanten-Leibgardo-Hauptmanns und Schweizcrgardc-Obersten.
gu«. p|atz ,je8 Ordenskanzlers.
9*"*' Ein mit rothem Sammet bedecktes Tischei unter der Estrade, worauf vier rothsammeto mit Gold bordirte Polster, und auf selbigen die zwoy Ordenszeichen und zwey Patente lagen.
10*~- und 1 11'**' Platz, wo die zwey Ordensbeamte,
12"™*' Platz, wo der zwoyte Candidat, niihmlich der Feldmarseliall Graf Leopold von Daun unter der Estrade oder dem breiten Staffel stund, bis er zur Ordenszeichens - Umhiingung Ihrer Kaiscrl. Majestät sich zu nähern, von dem Ordenskanzler berufen wurde.
131'“' Die Generalität und Stabsofficiers.
14*'“’ Die geheimen Käthe.
Die Kammerherren.
16““’ Die Hartschieren-Leibgarde in einer Reihe postirt.
17**“ Die übrigen Cavaiiers, Militärofficiers, und die zum Apartement sonst den Zutritt haben, vermischter.
18*'“- Eine erhabene Loge für Ihre Kaiser!. König!. Majestät, die Durchlauchtigste junge Herrschaften, und die Damen, um diesem Act zu-, und jedo um den Kaiscrl. Thron stehenden, übersehen zu können.
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Nro. 2.
DIRECT OBI UM,
MIT WAS FÜR CEREMONIELEN DAS TITULAR-FEST DES MILITÄRISCHEN Maria Thcresicn - Ordens an dem bestimmten Tage alle Jahr feyerlich begangen werden soll.
l'*“- Sind die allhier anwesenden Grosskrcuzo und Ritter zu diesem Ordensfest durch die Behörde förmlich vorzuladen.
2W**‘ Sollen an diesem Tag nebst den Grosskreuzen dieses Ordens auch dio sämmtlichcn Ritter des Maria Theresien - Ordens in die Kathsstuben dio Entroo haben, von dannen Sie Sc. Kaiserl. Majestät den Allerdurchlnuchtigston Grossmeistcr nach der Hofkapelle oder llofkirche zu begleiten die Gnade gemessen werden.
Soll die erst erwähnte Begleitung in die llofkapclle, oder Hofkircho in folgender Ordnung vor sich gehen :
Erstens. Die Edelknaben.
Zwcytens. Die Kammerherren und geheimen Käthe in Campagnekleidern.
Drittens. Dio Ritter und Grosskreuzo nach ihrer Ancienneh* mit ihren Ordengzeichen, und respective grossen Ordensband, auch mit ihrer Regiments- oder Genernlsuniformc angeklcidct.
Viertens. Der Allerdurchlauchtigste Grossmeistcr dieses Ordens, ebenfalls in reicher Uniform, und nebst dem am rothen Band abhängenden goldenen Vliess, mit dem grossen Ordens- band umgeben, so das beyde anwesende ältere Grosskreuze dieses Ordens ihren Allergnä- digsten Grossmeistcr Se. Kaiscrl. Majestät zu begleiton, hiernächst auch der Oberstkämmerer und
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die Hartschicrcn- und Trabanton-Garde-Hauptleuto Sc. Kaiscrl. Majestät zu diesem Kirchgang, so wie sonst zu bedienen haben.
Fünftens. Folgen die Bothscliaftcr immediatc nach Ihrer Kaiserl. Majestät, und werden sich Allerhöchstdiesclbcn mit dioscr Begleitung hinunter in die Hofkapclle oder nach der Hof- kirchc erheben.
41'**' Soll der Hofkapcllen oder Hofkirchen vorderer Chor mit rothem Damast, wie an» \Veyhnacht8- und H. drey Königstag ausspallieret, und für Se. Majestät den Kaiser der Camon zubereitet werden.
5‘**fc Ist die übrige Zubereitung in der Hofkapclle und Hofkirchc, wie sonsten gewöhnlich zu veranstalten, nur mit der alleinigen Ausnahme, dass für die Grand-Croix eine lange Bank, für die Ritter aber mehrere Bänke über quer gestehet werden , wie an den Dankfesten und Tc Deum laudamus für das Militär bey St. Stephan zu geschehen pfleget.
6Um’- Nach der Predigt und dem hohen Amt soll sodann der Zurückgang ebenfalls auf obbe- schriebene Art vollzogen werden.
Wir FRANZ DER ERSTE, VON GOTTES GNADEN KAISER VON ÖSTERREICH; König zu Hungarn, Böhcim, Galizien und Lodomerien etc.; Erzherzog zu Österreich etc. etc.;
thun kund Jedermann.
Bey Errichtung des Maria Thcrcsien - Ordens im Jahre 175S hat zwar die höchstselige Stifterinn nach Inhalt des 91'* §. der Ordensstatuten 150,000 Gulden jährlicher Einkünfte bestimmt, aber im Jahre 1703 statt dieser Summe, in der Wiener-Bank ein Kapital von 2,255,000 Gulden zu 5 pro Cento anlcgen lassen, welche Zinsen bey der im Jahre 1766 bewirkten allgemeinen Interessen- Reduction von 5 auf 4 von hundert Gulden herabgesetzt worden sind. Die daraus entstandene beträchtliche Verminderung der anfänglichen Ordens - Einkünfte zog die Folge nach sich , dass mehrere Ordcnsmitglieder ihre statutenmässige Pension entweder ganz, oder den classenwciso erhöhten Betrag derselben entbehren mussten.
Dieses Entbehren länger bestehen zu lassen, erlaubt Uns nicht die Liebe, die Achtung, die Erkenntlichkeit, mit welcher Wir Unserer braven Armee, und insonderheit den Generalen Stabs- und Oberofficieren herzlich zugethan sind, die des Maria Thcrcsien- Ordens sich würdig machten. Wir haben daher durch eine feyerliche Stiftungsurkunde der Ordens -Casse eine neue jährliche Zulage angewiesen , welche sammt den Interessen von den alten Stamm-Capi- talicn hinlänglich scyn und bleiben wird , nebst den Witwen-Pensioncn und den übrigen noth- wendigen Ordens - Ausgaben , die Verthcilung folgender Pensionen zu bedecken und sicher zu stellen.
Für die Classo der Grosskreuze, acht Pensionen, jede von 1500 Gulden.
Für die Classo der Commandeurs, sechzehn Pensionen, jode von 800 Gulden.
Für die erste Abtheilung der Ritter-Classe, hundert Pensionen, jedo zu 600 Gulden.
Für die zweite Abtheilung der Ritter-Classe, hundert Pensionen, jede zu 400 Gulden.
Diese festgesetzte Anzahl von Pensionen hat aber, wie es bereits in den Ordonsstatutcn angeordnet ist, keine Beziehung auf die Zahl der Ordcnsmitglieder selbst, weil in den Orden so viele Grosskreuzo, Commandeurs, und Ritter aufgenommen werden können, und sollen ; als sich nur immer hierzu walirhaft würdig zeigen werden.
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Nur bähen die Ordensgliedcr aller Classcn , so bald die bestimmten Pensionen sämmtlich verthcilt sind, den Zcitpunct abzuwarten, in welchom sic bey sich ergebenden Erledigungen in ihre classenmässige Pensionen ein- oder vorrücken können: wobey Wir die in dem 43'** §. der Ordensstatuten enthaltene milde Verordnung wogen der Witwen - Pensionen zu Gunsten der Witwen noch dahin erweitern, dass, wenn ein Ordensglied vor wirklicher Erlangung eines Pon- sionsgenusses dieses Zeitliche segnet, und eine Witwe hinterlässt, diese Witwe in eben dem Zcitpuncte die Hälfte jener Pension erhalten soll, in welche ilir Gemahl eingerücket wäre, wenn er diesen Zcitpunct erlebt hätte.
Auf den Fall, dass die von Uns für die Orosskrcuze und Commandeurs bestimmten Pensionen sämmtlich vertlieilt sind, und dass ein mit Pension versehener Commandeur in die Classe der Grosskreuze, oder ein mit Pension versehener Ritter in die nühmliche, oder in die Commandeurs -Classc befördert wRd, verordnen Wir: dass boyde die Pensionen ihrer vorigen Classe so lange bey zubehalten haben, bis ihnen durch eine Pensions-Erledigung in der höheren Classc die höhere Pension zu Theil werden kann.
Die Ordensstatuten sind bisher nur unter die von Zeit zu Zeit aufgenommenen Ordonsmit- glicder vertheilt worden, von welchen sie vielleicht nur wenige andere Stabs- und Oberofficiere gelegenhcitlich zur Einsicht erhalten haben dürften.
Da aber sämmtliche Oberofficiere vom höchsten bis zum letzten Range des Ordens tbeilhaftig werden können, so bat nicht nur jeder das Recht, sondern auch seines selbsteigenen Vorthcils wegen die Pflicht, sich in eben jene genaue Kenntniss der Ordensstatuten zu setzen, die er von dem Dienst-Reglement besitzen muss.
Zu diesem Ende haben Wir befohlen, dass eine neue Auflage der Ordensstatuten veran- staltet, und mit dem Nachtrag Unserer gegenwärtigen Verordnungen an alle Regimenter und Corps vertheilet werden soll. Wobey Unscro Absicht einzig und allein dahin gerichtet ist , nicht bloss die Kenntniss -des wörtlichen Inhalts der Statuten, sondern zugleich echte reine Begriffe von ihrem wahren Endzwecke und Geiste, insonderheit über folgende wesentliche Gegenstände, allge- mein zu verbreiten.
A) Ueber die eigentliche Beschaffenheit solcher Thatcn, die des Ordens würdig seyn können.
B) Ueber die Art, wie diese Thatcn von den Ordens-Canditatcn beschrieben werden müssen.
Cj Ueber die Art, wie sie bewiesen und ausser allem Zweifel gesetzt werden sollen.
Was die eigentliche Beschaffenheit der ordenswürdigon Thatcn betrifft, so ist in den Ordens- statuten §. 3. zur unabweichtichen Grundregel bestimmt, dass Geburt, vierjährige Dienste, vor dem Feinde überkommene Wunden, sonstige Verdienste keinen Anspruch auf den Orden geben; so wie überhaupt alle Oberofficiere, welche beständig nach Ehre und Pflichten ihre Schuldigkeit beobachtet, welche nie auch nur das Geringste unterlassen haben, was kein Officier von Ehre ohne Vorwurf, ohne Gefahr irgend einer Verantwortlichkeit unterlassen darf, zwar allerdings schätzbare, aller Achtung, der Beförderung und sonstiger Belohnung würdige Männer sind, abor gleichwohl keinen Anspruch auf den Orden machen können.
Anspruch auf den Orden gründen nur jene herzhafte Thatcn , die jeder Officier von Ehre ohne dem geringsten Vorwurf hätte unterlassen können, die aber dennoch mit ausgezeichneter Klugheit, Tapferkeit und aus sclbstcigenem frcywilligen inneren Antriebe unternommen worden sind. Gleichen Anspruch gründen kluge für den Kriegsdienst crspricsslichc Ratbschliige , welche Oberofficiere nicht nur an Hand gegeben, sondern auch mit vorzüglicher Tapferkeit ausfiihrcn geholfen haben, welches alles in dem 21u“ §. der Ordensstatuton mit mehreren Beyspiclcn hinlänglich erläutert ist.
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Ucbrigcns müssen auch diese Rathschlägc und Thaten für den Glanz der Waffen und für das Beste unseres Dienstes von erheblicher Wirkung seyn, welches aber selbst bey unglücklichen Gefechten Statt haben kann , weil gerade in diesen Fällen der Obcrofficier mit ruhiger Besinnung, ungestörter Klugheit, unerschütterlichem Muthe, ausserordentlicher Anstrengung, wo nicht das Verlorne wieder zu ersetzen, doch desselben weitem nachtheiligen Folgen Einhalt zu thun sehr oft vermögend ist.
Ganz vorzügliche Herzhaftigkeit und Tapferkeit, vereinbaret mit einem hohen oder höheren Grade einer ausserordentlichen Fähigkeit in Erfindung, und einer ausserordentlichen Klugheit in Ausführung wichtiger oder sehr wichtiger Kricgsuntcmehmungen von mehr oder minder grossen Erfolge, gründen Anspruch auf die Commandeurs oder Grosskrcuz-Würde.
Hieraus ergibt sich der Schluss von selbst, dass, wenn ein Ordensritter oder Commandeur mit einer neuen, jener ganz glcichkommenden That sich auszeichnet, mit welcher der eine das Ritter- und der andere das Commandeur -Kreuz erworben hat, beydo zwar ihre Verdienste sehr vermehren, und sich zu einer schnelleren Beförderung, sowie zu andern Belohnungen becigenschaften, dass aber gleichwohl dadurch der Ritter das Commandeur- oder der Commandeur das Grosskreuz anzusprechen nicht befugt sind, weil diese höheren Ehrenstuffon die vorhin erwähnten höheren Grade der Verdienstlichkeit unumgänglich erfordern.
Die Beschreibung der ordenswürdigen That muss von dem Ordens - Canditaten klar und deutlich bewerkstelliget, alle wesentlichen Umstände der Zeit, des Orts, der Veranlassung, der wirklichen Ausführung, der hierzu gebrauchten Mittel und des endlichen Erfolges müssen sehr genau, sehr bestimmt und vollkommen richtig dargestellt; alles dunklo, zweydeutige, alles nur im geringsten übertriebene, muss umso sorgfältiger vermieden werden , weil jede entdeckte Spur davon, weit entfernt, die Erlangung des Ordens zu erleichtern, solche vielmehr erschweren oder ganz vereiteln würde.
Die so beschaffene Beschreibung muss rechtsbeständig erwiesen und ausser allem Zweifel gesetzt werden. Weil sic Thathandlungcn enthält, so können für deren Wahrheit«- und Richtig- keits-Bestätigung keine andere Beweise, als jene, durch Augenzeugen geführt werden.
Wie derley Beweise bewirkt werden sollen, hierüber sind in dem 13'”, 14***, 15u*, 161'", und 17'" §§. der Ordensstatuten bereits so klare ausführliche Befehle und Belehrungen enthalten, dass denselben nur einige neue Erläuterung«- Verordnungen beyzufügen übrig bleiben.
Diese bestehen in folgenden:
Erstens, da nach dem 121'“ §. der Ordensstatuten keinem Obcrofficier vom höchsten bis zum letzten Rang , welcher sich durch eine besondere That des Ordens würdig gemacht zu haben glaubt, verwehret, oder das geringste Hindernis« in Weg gelegt, sondern vielmehr aller Vorschub gegeben werden soll, desshalb den gehörigen Beweis heyzubringen, so beladet sich derjenige mit schwerer Verantwortlichkeit, welcher aus Leidenschaft, Missgunst oder andern Nebenabsichten als Augenzeuge einer tapfern und rühmlich ausgeführten That, seine Bestätigungs- Unterschrift dem Ordens - Candidatcn verweigert, und dadurch die Belohnung seines wirklich geleisteten Dienstes zu hindern sucht. Iu einem solchen Falle berechtigen Wir jeden Ordens- Candidatcn von dem Augenzeugen eine schriftliche Erklärung über die Ursache seiner Unter- schriftsverweigerung durch den Weg der dem Letztem vorstehenden Behörde abzufordern, welche Erklärung sammt dem Gutachten dieser Behörde dem damalils cröffneten Ordens - Capitel übersendet werden soll.
Zweytens, Wer hingegon aus leichtsinniger oder wohl gar eigennütziger Gefälligkeit, oder aus was immer für andern unreinen Beweggründen , als Augenzeuge, der er wirklich nicht
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war, ein Zeugnis» abgibt; wer eine des Ordens würdig seyn sollende That als wahr bestätiget, deren Unwahrheit im Ganzen, oder in wesentlichen Theilen, ihm als wirklichen Augenzeuge nicht unbekannt seyn konnte, der macht sich des Verbrechens eines Betruges schuldig, und hat bey dessen Entdeckung, die schwerlich ausbleiben kann, die hierauf gesetzlich verhängte Strafe unausweichlich zu erwarten.
Drittens, aus eben dieser Ursache befehlen "Wir, dass in allen jenen Fällen, wo die Ordensstatuten in Ermanglung eines oder einiger Oberofficiere an der vorgeschriebenen Zeugen- Anzahl, Unterofliciere oder Gemeine als Augenzeugen gestatten, diese Unterofficiere oder Gemeine, in Abwesenheit des Ordens-Candidaten, vorgerufen, bey deutlicher Vorlesung der tpecie t facti, über alle darin vorkommenden wesentlichen Umstände aufmerksam gemacht, und ernstlich befragt werden sollen, ob sie nach ihrem Gewissen, nach ihren Pflichten gegen Gott und Uns die Richtigkeit der That und der angeführten Umstände als Männer von Ehre und als wirkliche Augenzeugen bestätigen können oder nicht?
Ueberhaupt verordnen Wir, das» die Zeugenschaft von Untcrofficieren und Gemeinen nur dann Statt haben und für gültig angesehen werden soll, wenn die Ordens-Candidaten hinlänglich erweisen, dass bey der Ausführung ihrer That, die in den Statuten zur Zeugenschaft bestimmte Zahl von Oberofficieren, oder vielleicht gar keiner gegenwärtig war, folglich ihnen kein anderer Beweis ihrer That ganz oder zum Theil möglich ist, als jener durch Augenzeugen von der Classe der Unterofficiere oder Gemeinen.
Viertens, wenn die Ordens-Candidaten zur Bestätigung ihrer That keine andern Augen- zeugen, als jene von ihrem Regimente oder Corps anführen, so müssen sie, wenn diese Zcugenschaften als gültig angesehen werden sollen, sattsam erweisen, dass einzig und allein Individuen ihres Regiments oder Corps bey der von ihnen vollbrachten That gegenwärtig und Augenzeugen waren. Ist aber auch ein anderer Trupp mit zugegen gewesen, so müssen zugleich von demselben Zcugenschaften beygebracht werden.
Fünftens, wenn die von den Ordens-Candidaten angeführte That die Bcfreyung oder die vortheilhafte Unterstützung irgend eines in Gefahr gestandenen Truppes betrifft, so muss diese That vorzüglich durch das Zcugniss des Commandanten des gedachten Truppes und von andern Augenzeugen desselben bestätiget werden.
Sechstens, in dem 13ten und 14*®“ §. der Ordensstatuten ist bereits verordnet, dass, wenn die Ordens-Candidaten bey Ausführung ihrer That unter eines andern Conunando gestanden sind, hierüber zuvörderst sein Zcugniss, nebst jenen von fünf andern Oberofficieren beygebracht werden soll.
Ist der Commandant kein Augenzeuge gewesen, und kann er folglich als solcher sein Zeugnis» nicht ausstellcn, so hat er schriftlich anznzeigen, ob die That mit den cinge- laufenen Berichten oder eingcholten Erkundigungen übereinstimmet oder nicht, welches zu bewähren s'eltcn unthunlich seyn wird, wenn die That bedeutend ist Sollte derselbe aber wider Vermuthcn diese bestätigende Anzeige nicht abgeben können, so hat er solches und die Ursache davon ebenfalls schriftlich zu erklären. Diese Bestätigung oder die so eben erwähnte Erklärung müssen die Ordens -Candidaten ihren übrigen Zeugnissen beylegen, und in dem letzteren Falle ihre That vorzüglich durch das Zeugnis» desjenigen Oberofficiers bestätigen, welcher dem Commandanten im Conunando zunächst nachfolget, und Augenzeuge der That gewesen ist
Siebentens, die Stabs- und Oberofficiere haben ihre Bittschriften um den Orden, nebst der species facti und den erforderlichen Zeugnissen durch das Commando ihres Regiments oder
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Corps, ihres Bataillons oder ihrer Compagnie, falls sie bey der Armee solchergestalt vertheilt sind, einzubefördern.
Die Ordensgesuche der Regiments- und Corps-Commandanten, so wie der übrigen Gene- ralen , müssen durch den Weg des Armee-Commando , und bey eingetretenen Frieden, durch das Landes-Gencral-Commando an ihre Bestimmung befördert werden.
Sind nach vorausgegangener allgemeiner Kundmaoliung eines abzuhaltcnden Ordens- Capitels sämmtliche Ordensgesuche cingelangt, bo wird das Capitel am festgesetzten Tage wirklich eröffnet.
Die Obliegenheiten desselben sind in den Statuten so deutlich und ausführlich bestimmt, dass Wir nur einige wenige Anordnungen nachzutragen haben.
Der Endzweck des versammelten Ordens-Capitcls ist genaue Untersuchung und richtige Beurtheilung: ob die von den Ordens-Candidaten angeführten Thaten den bestehenden Vor- schriften vollkommen gemäss erwiesen, und ob sie des Ordens, und welcher Classe desselben würdig sind?
Diese Untersuchung und Beurtheilung muss nach dem Buchstaben der Ordensstatuten und Unserer gegenwärtigen neuen Verordnungen, keineswegs aber nach irgend einer eigenmächtigen willkührlichcn Auslegung derselben geschehen. Kommen Fälle vor, auf welche die buchstäbliche Anwendung der bestehenden Vorschriften gegründeten Zweifeln unterliegt, so sind Uns solche zur Entscheidung vorzulegen.
„Nach dem 19l«n §. der Ordensstatuten soll der dem Capitel präsidirende Grosskreuz „die Memorialien und Attestaten, wofern sie nicht zu Gewinnung der Zeit unter den Capitels- „gliedern bereits circulirct haben, durch eine Person von der Kriegskanzley ablesen, und „die unterschriebenen Zeugen nach der Ordnung ihres verschiedenen Militär-Ranges zusammen „zählen lassen, damit ein jeder von den Anwesenden dio Verdienste des Candidaten aDobald „übersehen und bemerken könne, ob dessen erwiesene That sich zu den Orden qualiticircn, „und ob bey den Zeugnissen insbesondere alle erforderlichen Kennzeichen der Authenticität „vorhanden sind.“
Da aber von einer blossen Anhörung des Abgelescnen eine genaue gründliche Untersuchung der Thaten, eine genaue gründliche Prüfung der Vollständigkeit der Zeugnisse nicht wohl zu erwarten ist, so befehlen Wir, dass die sämmtlichen Ordensgesuche mit ihren spccics facti und den Attestaten belegt, allcmahl und ohno alle Ausnahme unter den Ordensgliedern, aus welchen das Ordens-Capitel zusammengesetzt ist, circuliron sollen. Jedem dieser Ordcnsglicdcr muss es strenge Dienst- und Gewissenspflicht scyn, dio Ordensgcsucho, ihre species facti, ihre Zeugnisse genau durchzulesen, reiflich zu untersuchen, über Vorgefundene Zeifel und Anstände seine Bemerkungen zu Papier zu bringen, und dann erst, solchergestalt vorbereitet, zum votiren in dein Ordens-Capitel zu erscheinen.
Nach Vorschrift der Statuten haben die bey jeder Promotion in den Orden aufgenommenen Ritter, Commandeurs und Grosskreuze von dom Dato der That, die sie des Ordens würdig gemacht hat, unter einander den Rang zu nehmen. Von diesem Range hängt zugleich die gegenwärtige oder künftige Ein- und Vorrückung in die classenmässige Pensionen ab.
Wir verordnen demnach , dass die Kapitels - Bevsitzer in ihrer Abstimmung das Datum derjenigen That jederzeit genau bemerken sollen, wegen welcher sie den Candidaten der Aufnahme in den Orden würdig gefunden haben. Nach diesen gesammelten Datis ist vor dem endlichen Schlusso des Capitels eine ordentliche Rangsliste zu verfassen, und Uns vorzulegen.
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Nebst vorerwähnter Bestimmung des Datum muss jeder Votant die Hauptbcwcggriinde
schriftlich angeben, aus welchen er den Ordens - Candidaten seine bejahende oder verneinende Stimme ertheilt.
Damit aber jedem Capitels - Beysitzer alle Besorgniss für Einfluss, Ansehen, Stand der rdens Candidaten für alle Gehässigkeiten und sonstige unangenehme Folgen benommen, und ihm vollkommene Freyheit gesichert werde, seine Stimme lediglich nach besten Wissen und Gewissen abzugeben, ist bereits in dem 24u* §. der Statuten verordnet, dass alles, was bey der Capitular-\ ersammlung vorlallt, in engster Verschwiegenheit gehalten werden soll.
Diese heilsame und nothwendige Verordnung erneuern Wir ausdrücklich mit dem Beysatze: dass die geringste Verletzung der Verschwiegenheit sowohl die Capitcls-Boysitzer, als die Ordens- Officianten, welche die Votirungsbogcn, so wie alle übrige den Orden betreffenden Schriften und
Acten in dem Ordensarchive aufzubewahren haben, schwerer Verantwortung unnachsichtlich aussetzen wird.
In den Capiteln kömmt übrigens alles darauf an, dass kein wahrhaft würdiger Candidat durch Parteylichkcit ausgeschlossen, noch irgend einer aus Freundschaft oder andern Neben- rücksichten begünstiget werde. Die Ehre des Ordens bestehet keineswegs in der Menge, sondern einzig und allein in der wahren vollkommen erwiesenen vorzüglichen Würdigkeit seiner Mitglieder. Diese "Würdigkeit der Ordens - Candidaten nach ihren angeführten Thatcn, nach den bcyge- brachten Beweisen dieser Thatcn, ohne Ansehung der Person, ohne Gunst oder Missgunst, mit allem möglichen Bedacht, mit der genauesten Vorsichtigkeit, mit gerechter Schärfe zu unter- suchen, zu prüfen, zu beurthcilen, ist die eigentliche Bestimmung und die wesentliche Pflicht der im GapiteJ versammelten Ordens- Mitglieder. Eine Pflicht, die ohne schwere Verletzung der Ehre, des Gewissen und alles dessen, was sie der Wahrheit, was sio Gott, Uns und dem Vatcr- lande, was sie der Erhaltung des unbefleckten Ordens-Glanzes, was sie endlich sich selbst schuldig sind, nicht ausser Acht gelassen werden kann, und wie Wir es von so ausgezeichneten Ehren- männern zuversichtlich erwarten, nie ausser Acht gelassen werden wird.
Allen diesen Unseren \ erordnungen erübriget nur noch die weitere beyzusetzen, dass der erworbene Orden mit der damit verbundenen Pension bey jeder gerichtlichen Cassation verloren
gehet, durch welche ein Ordensglied mit oder ohne Beybehaltung der Ehre seiner Charge entsetzt wird.
"W enn hingegen ein Ordensmitglicd seine Dienstentlassung , es sey mit oder ohne Beybe- haltung seines Militär-Charakters, angesucht und erhalten hat, so verbleibt ihm der Orden nebst seiner Pension und dem Rechte, nach seinem Range in die seiner Ordens - Classo bestimmte höhere Pension vorzurücken. Nur tritt derjenige, welcher ohne Beybehaltung seines Militär- Charakters seine Dienstentlassung erhalten hat, von der Militär -Jurisdiction gänzlich aus, muss aber als Ordensmitglied den Gesetzen des Ordens fortan unterstehen.
Wir versprechen Uns und erwarten zuversichtlich, dass siimmtliche Generalen, Stabs- und Oberofficiere Unserer Armee, die den Orden bisher nicht erhalten haben, sich ernstlich worden angelegen scyn lassen, die Ordensstatuten, und Unsere sich hierauf beziehende neuen Verord- nungen mit der grössten Aufmerksamkeit wiederkohlt durchzulescn, ihren Inhalt sich vollkommen bekannt, und ihren Geist sich iunigst eigen zu machen. Hierdurch wird und muss in jedem edlen nach wahrer Ehre und nach Ruhm strebenden Gemütho sehnlicher Wunsch angefacht, und testcr Entschluss gegründet werden, nichts unversucht zu lassen, was nach Zeit und Umständen den Weg bahnen kann, sich mit einem Ehrenzeichen zu zieren, bey dessen Anblick Jedermann überzeugt seyu kann, dass der Besitzer solches durch eine ausserordentliche tapfero That
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erworben hat. Ein Ehrenzeichen, welches die allgemeine Hochachtung, eine lebenslängliche, mit der Häli'to der hinterlasscnen Witwen vorbehaltenc Tension zur Folge hat, dessen Ansehen durch die den Ordensmitgliedcrn an Unserem Hoflager ertheiltcn Vorzüge noch mehr erhöhet wird, mit welchen zugleich der Uitterstand für jene, die ihn nicht besitzen, und der Freyherrn- stand für jene, die ihn ansuchen , verbunden ist, wodurch die Belohnung väterlicher Verdienste auf die Kinder erblich übertragen , und solcher Gestalt für die ganze Nachkommenschaft in fortwährendem dankbaren gesegneten Andenken erhalten werden kann.
Urkund dessen haben Wir gegenwärtigen Ordensstatuten - Nachtrag eigenhändig unter- schrieben, und mit Unserm grösseren Ordcnssiegcl versehen lassen. So geschehen in Unserer kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien den 12. December im eintausend achthundert und zehnten Jahr.
FRANZ.
Anton Freyherr von Spielmann.
Ad Mandatum Sac“. C'acs. lieg“.
N«jr«Utii proprivm.
Joseph von Hudelist.
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Erste Periode. Der siebenjährige Krieg (1756 — 1763).
I)er Aachner Friede hatte Europa wenige Jahre der Ruhe gebracht, und selbst diese Zeit wurde von den meisten Mächten benutzt, die Rüstungen thütig fortzusetzen und die Heere in 6tüter Bereitschaft zu erhalten. Her Kampf in Amerika zwischen England und Frankreich brach im Jahre 1755 aus. — Ain 11. Mai 1756 schloss der König Ludwig XV. zu Versailles das Bündniss mit der Kaiserinn Maria Theresia. Mit diesen Mächten verbanden sich das deutsche Reich, als Gcsammtkörper , die Kaiserinn von Russland, der König von Schweden und der Kurfürst von Sachsen. Die Gegenpartei wurde von den Königen von Preussen und England, von dem Kur- fürsten von Hannover und dem Landgrafen von Hessen -Homburg gebildet.
Im Frühjahre 1756 wurde ein österreichisches Heer in Böhmen aufgestellt. Den weiteren Ereignissen folgen wir nach „Schcls Kriegsgeschichte.“ Der Kurfürst von Sachsen unterhandelte mit Maria Theresia über ein Offensiv -Bündniss gegen Preussen und betrieb die Rüstungen mit grösster Thütigkcit. Frankreich zog Truppen an seine Nordgrenze zusammen. Russland Hess ein Heer gegen die preussischen Grenzen vorrücken.
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Der König von Preussen, Friedrich II., der seine Truppen bereit hielt, war dem mächtigen Bunde, der sich so eben gegen ihn bildete, allerdings nicht gewachsen. Er durfte also nicht abwarten, dass die Kräfte seiner Gegner die volle Stärke erreicht und jeno Stellungen eingenommen hätten, aus welchen sie plötzlich und von mehreren Seiten über die preussischen Grenzen cinbrcchcn konnten. Er beschloss den Alliirten im Angriffe zuvorzukommen und richtete diesen gegen das schwächste Bundesglicd. Ende August 1756 rückte er mit seiner Hauptmacht nach Sachsen ein, besetzte Leipzig, "Wittenberg und Torgau.
Der Kurfürst August, zugleich König von Polen, hatte mit seinen Truppen bei Pirna ein festes Lager bezogen. Die Preussen besetzten am 10. November Dresden, blockirten das Pirnaer I-ager und stellten ein Corps an der böhmischen Grenze auf, um dem von dorther zu erwartenden Entsatz die "Wege zu sperren.
Als die Besetzung Sachsens schon vollendet war, brachen im September Feldmarschall Schwerin aus Oberschlesien und Glatz, der König selbst aus Sachsen, mit starken Colonnen, nach Böhmen ein. Hier stand zur Vertheidigung des Landes der Feldmarschall Browne bei Budin, und ging am 30. September dem Könige nach Lobositz entgegen.
Feldzeugmeister Piccolomini war mit einem Corps, aus Mähren, in Böhmen bei Königgrätz hinter dem Adler eingetroffen, und hielt den Feldmarschall Schwerin auf. Am 1. Octobcr siegte der König bei Lobositz und Browne zog sich nach Budin zurück. Nun versuchte Browne mit einem Corps den Entsatz der Sachsen zu bewirken , und kan» an das rechte Ufer der Elbe bei Lichtenhain. Die Sachsen sollten am 11. — 12. Octobcr Nachts bei Lilienstein über den Fluss setzen. Dieser Übergang erfolgte zu spät. Browne musste, ohne die Vereinigung erwarten zu
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können, nach Böhmen zurückkehren. Die Sachsen capitulirtcn am 15. October. Friedrich steckte diese Truppe unter seine Regimenter und gab dem Kurfürsten einen Pass nach Polen. Qegen Ende October räumten die Prcusscn Böhmen, Schwerin ging nach Schlesien, der König nach Sachsen.
Neue Verträge und Bündnisse wurden in dieser Zeit ins Leben gerufen. Ihre Wirkung zeigte sich im zweiten Feldzüge des Jahres 1757. Russland sendete sein Heer durch Polen gegen Preussen, Frankreich und Schweden erklärten, dass sie, als Bürgen des westphäliseben Friedens , den von Preussen bedrohten deutschen Rcichsstünden zu Hülfe ziehen müssten. Der Marschall d’Estrees Führte aus den Niederlanden ein französisch-österreichisches Heer über den Rhein gegen Preussisch-Wcstphalcn und Hannover. Eine Rcichsexecutions-Armec wurde errichtet. Auf der andern Seite zog der Herzog von Cumberland gegen die das nordwestliche Deutschland bedrohenden Franzosen ein Heer von Hannoveranern, Braunschweigcm und Hessen- Casselern zusammen.
Prinz Karl von Lothringen und Feldmarschall Browne deckten im Frühjahre 1757 die böhmische Grenze von Eger bis Troppau. General der Cavallerie Graf Serbelloni stand mit einem Corps bei Königgrätz, General der Cavallerie Graf NAdasdy mit einem andern in Mähren und Schlesien. Der König von Preussen drang im April mit vier Colonnen zugleich aus Sachsen und der Lausitz nach Böhmen ein und rückte gegen Prag. Hier hatte Prinz Karl sein Heer zusammengezogen. Er verlor am 6. Mai die Schlacht und warf sich mit der Mehrzahl seiner Truppen in die Stadt.
Friedrich begann die Belagerung. Während derselben zog der Feldmarschall Graf Daun den nach Beneschau entkommenen Theil des geschlagenen Heeres, das früher von Serbelloni befehligte Corps und die aus Mähren berufenen Truppen an sich, und stand am 1 7. Juni bei Planian unweit Kollin.
Der König liess die Belagerung von Prag durch den Fcldmarschall Keith fortsetzen. Mit seiner Hauptmacht griff er den Feldmarschall Grafen Daun am 18. Juni au, wurde aber aufs Haupt geschlagen. Der Sieg, den Daun erfochten, war so vollständig, dass der König die Belagerung von Prag sogleich aufheben liess, Böhmen rüumto und mit einem Theilo des Heeres nach Sachsen ging. Daun verfolgte den anderen nach der Lausitz ziehenden Theil der Preussen, und der kaiserliche General Macquirc eroberte G abel (15. Juli) und zerstörte Zittau (19. Juli), während der kaiserliche Oberst Jahnus in Schlesien eindrang, ein kleines preussisches Corps, unter dem General Kreuz, schlug, und sich in dem Gebirge bei Landshut fostsetzte.
Der Marschall d’Estrees war in Hannover cingedrungcn und besiegte am 26. Juli den Herzog von Cumberland bei Hastenbeck. Der Herzog zog sich gegen Stade zurück, wurde von dein neuen Befehlshaber dieser französischen Armee, dem Herzog von Richelieu, cingcschlossen und Unterzeichnete am 8. September die Capitulation von Kloster Sevcn, welcher zu Folge dieses alliirte Heer aufgelöst wurde.
Richelieu wendete sich nun gegen die prcussischen Länder, besetzte das Fürstenthum Halbe r- stadt und bedrohte die Stadt Magdeburg.
Im Juli eroberten die Russen Memel, Tilsit, Gumbinnen u. s. w. Ein schwedisches Corps
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drang im September , von Stralsund aus , nach Preussisch-Pommcrn ein, und nahm mehrere Städte und Inseln. Die Reichsarmee hatte sich im Juli bei Nürnberg gesammelt, wurde im August durch österreichische Truppen verstärkt, und vereinigte sich Anfangs September bei Erfurt mit dem fran- zösischen Corps des Prinzen Soubisc.
Indess hatten die Preussen gegen die von so vielen Seiten ihr Land bedrohenden Gegner grosse Tkätigkeit bewiesen. General Leliw&ld grill’ am 30. August bei Gross-Jäger ml orf die
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Russen an; er wurde zwar geschlagen, doch zogen sich diese nach Polen zurück. Dann ver- drängte Lehwald die Schweden aus Prcussisch - Pommern nach Stralsund und der Insel Rügen. Am 16. September wurde der sich vor dem Könige zurückzichcnde Prinz Soubisc von diesem bei Gotha überfallen, und floh nach Eisenach.
"Während der König sich aus der Lausitz gegen die Reichsarmee und Souhise nach Sachsen gewendet, hatte er den Prinzen von Bevern bei Landskron unweit Görlitz zurückgelassen. Am 7. September wurde auf dem benachbarten M oysberge das Corps des Generals Winterfeld durch die Generale Graf Nädasdy und Herzog von Arenberg geschlagen, worauf sich Bevern über Liegnitz nach Breslau zurückzog. Die kaiserlichen Feldherrn folgten und standen am 1. October dem Prinzen gegenüber bei Lissa.
Daun sendete den General Grafen Hadik mit einem Streifcorps nach Berlin, welcher am 16. October dort cinrückte, und die preussisohe Hauptstadt brandschatzte.
Der König liess den Feldmarschall Keith mit einem Corps bei Leipzig, und eilte nach der Lausitz, um Hadik abzuschneiden; doch dieser kam ungehindert zu Daun zurück.
Der Prinz von Hildburgshausen mit der Iteichsannee und Prinz Soubisc mit seinem franzö- sischen Corps waren indess gegen Leipzig vorgedrungen. Als aber König Friedrich Ende October wieder nach Sachsen zurückkehrte , zogen sie sich hinter die Saale , wurden vom Könige eingeholt und am 5. November bei Rossbach geschlagen.
Marschall Richelieu zog sich nun von Halberstadt in das liannovcr'sche zurück. Der König von England hatte den Vertrag von Kloster Scven für ungültig erklärt. Prinz Ferdinand von Braunschweig bildete die aufgelöste norddeutsche Armee wieder, und eroberte Ende Dccember Hamburg.
In Schlesien hatte General der CavaUcrio Graf NAdasdy am 12. November Schweidnitz erobert ; Prinz Karl von Lothringen am 22. den Prinzen von Bevern bei Breslau geschlagen, und am 24. diese Stadt durch Vertrag genommen. Doch der König eilte aus Sachsen herbei und besiegte am 5. Dccember den österreichischen Feidherrn bei Leuth an. Die Prcusscn nahmen Breslau (19. December) , wo der Feldmarschall-Lieutenant Sprecher, ungeachtet der Einwürl'e der Generale Beck und Jacquomin, capitulirte , dann das von dein Obersten Bülow ehrenvoll verthei- digte Licgnitz (28. December), und blockirten Schweidnitz, welches der Feldmarschall-Lieutenant Graf Thürheim sehr tapfer hielt, und erst nach Erstürmung des Hauptforts am 16. April 1758 mH Ehren übergab.
Im dritten Feldzuge 1758 fiel der König über Troppau nach Mähren ein und belagerte Olmütz. Aber am 30. Juni liess Daun den grossen preussischcn Convoi bei Domstädtl wegneh- men; dadurch wurde der König gezwungen die Belagerung aulzuheben und sich nach Schlesien zurückzuziehen.
Die jetzt von dem Grafen Clermont befehligte französische Armee wurde im Februar und März von Prinz Ferdinand aus Norddeutschland bis Wesel getrieben. Im Juni ging Ferdinand bei Emmerich über den Rhein, schlug ain 23. Clermont bei Crefeld und eroberte am 7. Juli Düsseldorf. Clermont wurde durch den Marschalt Contades abgelöst.
Der Erbprinz von Braunschweig nahm Rüreraonde, und seine leichten Truppen streiften bis vor Brüssel. SoubiBe war im Juli von Hanau nach Hessen vorgerückt. Der Herzog von Broglie schlug am 23. Juli die Hessen bei Sangershausen. Die Franzosen breiteten sich nun in Wcstphalen und Hannover aus, bedrohten den Rücken des Herzogs von Braun- schweig und dieser zog sich daher im August über den Rhein zurück, durch Münster an die Lippe.
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Die Russen unter Fermor hatten im Jänner dio Provinz Preussen, nebst ihrer Hauptstadt Königbergs, erobert. Fermor zog nun nach Pommern. Die Preussen hoben die Belagerung von Stralsund auf. Die Schweden drangen dann aus dieser Stadt hervor, durch Pommern bis in die Nähe von Berlin. Im August belagerten die Russen Küstrin. Der König liess den Feld- marschall lveith in Schlesien bei Landshut, und eilte mit der Hauptmacht über Frankfurt an der Oder gegen die Russen. Diese hoben die Belagerung von Küstrin auf, und wurden von Friedrich am 25. August bei Zorndorf geschlagen. Die Russen zogen sich über Landsberg gegen Polen, und die Schweden nach Stralsund zurück. Die letzteren erfochten jedoch, in mehreren kleinen Gefechten, über die sie beobachtenden Preussen Vortheile.
Der Prinz Friedrich von Zweybrück war mit der Reichsarmee in Sachsen eingerückt, und umringte den Prinzen Heinrich in seiner Dresden deckenden Stellung bei Gamig.
Als der König im August aus Schlesien nach Frankfurt eilte, schickte ihm der Feldmar- schall Daun den General Loudon mit einem Beobachtungs-Corps nach, liess die Generale Harsch und de Ville in Ober-Schlesien stehen, und marschirte mit der Hauptmacht durch die Lausitz nach Sachsen, in die Stellung bei Stolpcn.
Die Feste Sonnenstein ergab sich. Daun wollte mit dem Prinzen von Zweybrück zugleich den Prinzen Heinrich angreifen, aber der König eilte bereits wieder von der Oder herbei, und vereinigte sich am II. September bei Dresden mit demselben. Er bewog durch Manoeuvrcs den Feldmarschall Daun Anfangs Octobcr zur Verlassung der unangreifbaren Stellung bei Stolpen. wurde aber in seinem Lager bei llochkirch in der Nacht vom 13. — 14. Octobcr von Daun überfallen und geschlagen.
In Schlesien begannen die Österreicher gegen Ende Octobers Neisse zu beschiessen, und hatten Kosel blockirt.
Der König entsetzte Anfangs November beide Plätze. Indcss belagerte Daun Dresden, der Prinz von Zweybrück Leipzig, und ein Corps unter Hadik griff Torgau an, wurde jedoch zuriiek- geschlagen. Als der König in der zweiten Hälfte des Novembers nahte, wurden jene beiden Belagerungen aufgehoben. Daun führte seine Armee nach Böhmen, der Prinz von Zweybrück die seinige nach Franken in dio "Winterquartiere.
Im September waren die Russen wieder in Pommern eingedrungen, und belagerten im Octobcr Kolberg. Als Ende Octobcr der Entsatz nahte, zogen Bio nach Polen und Preussen zurück. Auch dio Schweden waren wieder in Preussen vorgerückt, hatten Berlin bedroht, waren aber vom General Wedel zurückgewiesen, und bis Stralsund verfolgt worden.
In Wcstphalcn schlug Soubise den Prinzen Ysenburg und General Oberg am 10. Octo- ber bei Luttenberg. Dio französischen Generale zogen sich im November in ihre Winter- quartiere, Contades nach Wesel, Prinz Soubise nach Frankfurt am Main.
Die Truppen des Königs von Preusson und seiner Alliirtcn unternahmen im Winter mehrere grosso Streifzüge nach Pommern, Mecklenburg und Polen.
Der vierte Feldzug 1759 begann mit dem Versuche dos Prinzen Ferdinand von Braunschweig, der um die Mitte Aprils den Herzog von Broglic in Frankfurt am Main überfallen wollte, aber der Erbprinz wurde bei Bergen (13. April) zurückgcschlagen. Zur selben Zeit fiel Prinz Heinrich , nachdem seine Streifcorps Sachsen gebrandschatzt, nach Böhmen ein, und ging bis Leitmeritz, Saatz, Aussig, Budin, Komotau u. s. w., während General-Lieutenant Fouquet in Östcrreichisch-Schlcsien bis an die Mora vorrückte. Nach acht Tagen waren dio Colonnen des Prinzen bereits wieder in ihre vorigen Stellungen zurückgekehrt. Ende Aprils drückte Prinz Heinrich in Franken einige Abtheilungen der Reichsarmee bis Nürnberg zurück, dann brand- schatzte er Bamberg und Würzburg und ging Ende Mai wieder nach Sachsen.
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Die Franzosen unter Contadcs und Broglio überschwemmten im Mai 1759 Hessen-Cassel und Westphalen, und wollte nach Hannover Vordringen. Sic eroberten am 25. Juli Münster wurden jedoch von den beiden braunschweigischen Prinzen am 1. August bei Minden und bei Gohfeld geschlagen. Minden wurde den Franzosen am 2. August, Münster am 20. November, und am 30. Fulda entrissen.
Im Dccember zog sich Contades nach Friedberg zurück und verlegte seine Truppen in Cantonirungen. Marschall Broglie übernahm den Oberbefehl.
Die russische Armee hatte sich im Mai in Polen gesammelt. Anfangs Juli rückte Soltikoff vor, 6chlug den General Wedel am 23. Juli bei Züllichau und besetzte am 30. Frankfurt an der Oder. Der König, Prinz Heinrich und Fcldmarschall Daun hatten in Sachsen, Schlesien und in der Lausitz eine Reihe von Bewegungen ausgeführt, bei welchen Daun die Vereinigung eines öster- reichischen Corps mit den Russen vorzubereiten, der König und Heinrich selbe zu hindern suchten.
Am 26. Juli erhielt Daun im Lager bei Marklissa die Nachricht von der Ankunft der Russen in Frankfurt, und am 28. befahl er den mit 20,000 Mann bei Rothenburg stehenden General Loudon, sich über Muskau und Guben mit Soltikoff zu vereinigen. Loudon traf am 3. August zu Frankfurt ein. Der König eilte der Oder zu, und wurde am 12. bei Kunnersdorf von den vereinigten Russen und Österreichern geschlagen. Die Russen rückten gegen Schlesien vor, aber der König stellte sich zur Deckung vor Glogau auf.
Dio Reächsarmee war Ende Mai dem Prinzen Heinrich nach Schlesien gefolgt. Sie nahm im August Halle, Leipzig, Torgau, und am 4. September Dresden. Die von Daun entsendeten Streifcorps bedrohten damals wieder Berlin. Der König schickto aus Schlesien den General Wunsch nach Sachsen, welcher die Reichstruppen aus Wittenberg, Torgau und Leipzig verdrängte. Nun stiess General Fink zu ihm, beide wurden aber zwischen Döbeln und Meissen am 21. September besiegt. Auch Prinz Heinrich und Daun rückten im October in Sachsen gegen einander, ohne mehr etwas Entscheidendes auszuführen.
Ende October zog sich Soltikoff aus Schlesien nach Polen. Nun ging auch der König nach Sachsen und bezog mit Prinz Heinrich das Lager bei Wildsdruf, Daun jenes bei Plauen, der preussische General Fink bei Maxen, General Dierecke bei Meissen. Am 20. und 21. November wurde Fink bei Maxen, am 4. Dccember Dierecke bei Meissen von den Österreichern aufgerieben.
Der König und Fcldmarschall Daun nahmen dio Cantonirungen in Sachsen, dio Reichs- armee in Franken und die Schweden in Pommern.
Die erste Hälfte des fünften Feldzuges 1760 standen in Sachsen der König im Lager bei Nossen und Meissen, Feldmarschall Daun in jenem bei Planen, und hielten Einer den Andern in Schach. Die Russen sollten in Schlesien cinriieken, und Loudon zog im Mai eben dahin , um sie zu erwarten. In der Zwischenzeit rieb Loudon am 23. Juni das preussische Corps des Generals Fomjuet bei Landshut auf, erstürmte am 26. Juli Glatz und begann am 1. August die Bela- gerung von Breslau, wo die Vereinigung mit Soltikoff geschehen sollte. Prinz Heinrich war an der Oder bei Frankfurt und Krossen zur Beobachtung der Russen aufgcstcllt gewesen. Als er zum Entsatz nahte, zog sich Loudon am 6. August nach Schweidnitz zurück und Soltikoff blieb hinter der Oder stehen. Der König hatte am 13. Juli die Belagerung von Dresden begonnen, welche Stadt Daun Ende des Monats entsetzte.
Broglio eroberte Ende Juni Marburg, im Juli Dillenburg und schlug den Erbprinzen von Braunschweig bei Korbach; dagegen siegten dio Alliirtcn bei Emsdorf und Warburg. Doch nahmen die Franzosen Cassel, und die Sachsen am 20. September auch Güttingen.
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Zu Endo des Monats eiite der Erbprinz von Braunschweig über den Rhein, liess WcbcI belagern, nahm selbst Cleve, dann wurde er aber von dem Marquis Castries am 16. Ootober bei Kloster Kämpen geschlagen, und kehrte über den Rhein nach Hessen zurück.
Die Schweden hatten ihre Operationen in Pommern begonnen. Dort bedrohte auch ein russisches Corps Kolberg. Das Iiaupthecr sollte Soltikoff zu Loudon nach Schlesien führen. Im August marschirto dor König dahin und Daun folgte ihm zur Seite durch die Lausitz, Lacy im Rücken; CzernitschefT war über die Oder nach Neumarkt gelangt. Der König stand seit 13. Au- gust im Lager bei Liegnitz. Hier sollte er von den drei österreichischen und dem russischen Corps des Generals CzernitschefT angegriffen werden. Aber eine Reihe von Zufällen machte, dass Loudon allein am 15. August in den Kampf mit der preussischen Hauptmacht gerieth, sich aber dennoch den Rückzug ruhmvoll erkürapfto. — CzernitschefT ging hinter die Oder, Daun gegen Landshut zurück, und Loudon liess Koscl blockircn.
Die Roichsarmee war im Sommer in Sachsen geblieben. Das österreichische Corps des Generals der Cavallerie Grafen Hadik hatte sich im August mit ihr vereinigt. Dort wurde der preussische General Hülsen am 20. August bei Strehla, am 2. Ootober bei Wittenberg besiegt. Torgau am 26. September, Wittenberg am 14. October erobert.
In Pommern wurde das von Russen zu Lande, von den Schweden zur See belagerte Kolberg am 19. September durch General Werner entsetzt, der auch bald darauf die Schweden bei Passowalk schlug. Am 3. October griff der russische General Tottleben Berlin ohne Erfolg an. Aber am 9. rückten die Österreicher und Russen in die preussische Hauptstadt ein, räumten dieselbe jedoch, als der König aus Schlesien heranzog, am 13. October wieder. Nun wendete sich der König nochmals nach Sachsen, wohin auch Daun von Landshut eilte. Am 3. November schlug Friedrich den Feldmarschall Daun bei Torgau. Hiermit war der fünfte Feldzug dieses Krieges beendiget. Loudon hob die Blockade von Kosel auf, und ging nach Glatz und Troppau zurück. Die Russen zogen nach Polen , die Schweden nach Stralsund. Der König nahm in Leipzig, Feldmar- schall Daun in Dresden Hauptquartier. Prinz Ferdinand verlegte seine Truppen in Wcstphalcn, Braunschweig, Hannover; Broglic die Franzosen in Hessen und Thüringen.
Bei Eröffnung des sechsten Feldzuges überfiel Prinz Ferdinand im Februar 1761 die Winterquartiere der Franzosen, gewann einige Vortheile, zerstörte viele Magazine, griff aber Cassel, Marburg, Ziegenhain ohne Erfolg an. Erst im Juni begannen Broglio und Soubiso wieder die Operationen, deren Hauptobject Hannover war. Broglic wurde am 15. und 16. Juli bei Willingshausen unweit Hannover geschlagen. Nach vielen kleinen Gefechten, nachdem die Franzosen Münster und Braunschweig fruchtlos angegriffen, aber Wolfenbüttel, Osnabrück und Embden erobert hatten, marschirten Anfangs Winter Soubisc gegen den Niederrhein, Broglie nach Hessen zurück.
Mit der Reichsarmee eroberte Feldmarschall Graf Scrbelloni im Sommer das Voigtland. Feldmarschall Daun hielt Sachsen mit Dresden besetzt. Prinz Heinrich stand zwischen Meissen und Nossen, während der König im Mai nach Schlesien zog.
Das russische Corps unter Romanzoff griff in Pommern Kolberg im August an. Butturlin mit der Hauptmacht ging bei Kloster Lcubus über die Oder und vereinigte sich am 17. August zwischen Jauer und Striegau mit dem von Feldzcugmeister Loudon befehligten österreichischen Corps. Nachdem der König vergeblich gesucht, die Vereinigung dieser beiden Generale zu hindern, hatte er das Lager bei Bunzelwitz bezogen. Buttuclin marschirte nun nach Pommern. Nur ein Corps unter Czcmitscheff blieb in Schlesien bei Loudon zurück. Dieser eroberte in der Nacht vom 1. October Schweidnitz durch Überfall und Sturm.
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Der König so wie Feldmarschall Loudon und Czernitschcff bezogen Winterquartiere in Schlesien — Feldmarschall Daun, die Reicbsarmee und Prinz Heinrich in Sachsen. Die Russen bezwangen Kolberg erst am 16. Dccember, und nahmen sodann Quartier in Pommern. Die Schweden waren durch General Belting gehindert worden den Russen Hülfe zu leisten.
Der Anfangs 1762 (siebenter Feldzug) auf den russischen Thron gelangte Kaiser Peter III. und der König von Schweden schlossen im Mai mit Preussen Friede. König Friedrich und b eidmarschall -Daun standen sich in Schlesien, der Erste bei Kratzau, der Zweite bei Breslau bis Jnni unthätig gegenüber. Serbelloni mit der Reichsarmee und Prinz Heinrich lagerten in Sachsen. Dort fielen im Sommer kleine Gefechte vor. Es wurden auch einige böhmische und mährische Grenzbezirke von den Preussen heimgesucht, und Contributionen erhoben. Im Herbste wurden die Reiohstruppen aus Sachsen nach Franken zurückgedrückt.
Anfangs Juli bedrohte der König Schweidnitz, und Daun zog sich nach Kunzcndorf zurück. Am 21. Juli liess der König die Pässe bei Burkersdorf und Leutmannsdorf, unweit Reichenbach, erstürmen, worauf Daun sich tiefer in das böhmische Gebirge zog.
Der König belagerte seit 8. August Schweidnitz, zu dessen Entsatz Daun einige Bewegungen machte, die wirkungslos blieben. Der Platz fiel am 9. October.
General der Cavalleric Graf Hadik mit den in Sachsen stehenden Österreichern, Prinz Stollberg mit der Reichsarmee, hatten sich im September bei Dresden vereinigt. Sie zwangen den Prinzen Heinrich zum Weichen, und schlugen ihn bei Frei borg am 15. October, erlitten aber durch den Prinzen in eben dieser Gegend am 29. bedeutende Nachtheilo.
Die Franzosen bestanden in Hessen und Westphalen mehrere kleine Gefechte mit den Alliirten. Marschall d’Estrees und Prinz Soubise verloren am 24. Juni das Treffen bei Greben- stein und Wilh cl msth al, am 23. Juli jenes bei Lutterberg. Aber am 30. August bei 1- riedberg siegte Prinz Condd über den Erbprinzen von Braunschweig. Die Franzosen eroberten am 22. September Amöneburg, die Alliirten am 1. November Cassel und begannen die Belagerung von Ziegenhain.
Indess wurden am 3. November die Friedens-Präliminarien zu Fontainebleau zwischen 1 rankreich, Spanien und England unterzeichnet, die einen Waffenstillstand mit sich brachten, welchem am 20. Februar 1763 zu Paris der definitive Friede folgte. Auch war am -4. November 1762 der Stillstand zwischen Österreich und Preussen geschlossen worden, jedoch nur für Schlesien und Sachsen. Gegen das deutsche Reich setzten die Preussen die leindseligkeiten fort General Kleist rückte im November in Franken vor, und besetzte Bamberg und Nürnberg. Im Dccember schlossen sich österreichische, aus Böhmen gekommene Truppen der Reichsarmee in Franken an, und der Prinz Stollberg drängte sodann die Preussen nach Sachsen zurück.
Am 15. Februar 1763 wurde endlich zu Hubertsburg in Sachsen der Friede zwischen Österreich und Preussen unterzeichnet. Der beiderseitige Länderbesitz blieb unverändert so, wie er vor Ausbruch des Krieges im Jahre 1756 gewesen.
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Erste Promotion (vom 7. März L758).
Sic erfolgte au» Aula»» der Schlacht bei Kollin, nnd wurde am kahorlichen Hoflager nach dem in dun Statuten beschriebenen Ceremoniet vollzogen. Hei dieser Gelegenheit fand auch dio wirkliche Aufnahme der bereits früher ernannten Grosskreuze Prinz Karl von Lothringen und Koldmarsdiall Graf Daun Statt, und wurde überdies dio Pro- motion der weiteren zwei Grosskreuze und 1 1 Kitter bekannt gemacht. Ais der Feldmarschnll Graf Daun nach dieser feierlichen Aufnahme» zur Armee sich begehen hatte, wurde ihm mit Hcscript vom 6. April 1758 vom Grossmeister die feiurliche Aufnahme dieser Ordouscaudidaten, und die Eröffnung künftig nothweudig werdender Ordunscapitel übertragen.
GROSSKREUZE.
LOTHRINGEN und Bar, Karl Herzog zu, General -Lieutenant, Hoch- und Deutschmeister, Gouverneur undGcncral-Capitän der österreichischen Niederlande, Ritter des goldenen Vlicsscs, Inhaber des 4. Infanterie-Regiments, Bruder weiland Sr. Majestät des Kaisers Franz I., Gemahls der Kaiserinn Maria Theresia, war zu Lunevillc am 12. December 1712 geboren. Im 24. Lebensjahre erhielt der Prinz eine Oberstenstelle bei der Infanterie, bald darauf dio eines General -Majors, und legte schon im Türkenkriege grossen Muth an den Tag. Bei dem Rückzüge der Armee von Schupanek gegen Kornia (1738) führte der Herzog die Arriörcgardc. Er wurde in dem Defile bei Mehadia von einem mehrfach überlegenen feindlichen Corps zum Stehen gezwungen, schlug jedoch nach einem langen blutigen Gefechte die Türken, welche durch eine schnelle Flucht Schrecken und Verwirrung unter ihre bei Orsowa gestandene Hauptarmec brachten. Auch in der Schlacht bei Krotzka, wie überhaupt bei allen Vorfällen, bezeigte der Prinz so grossen Diensteifer und so viele Einsicht, dass ihn der Fcldmarschall Graf Wallis, der bekanntlich kein Schmeichler war, bei allen Gelegenheiten mit vielen Lobeserhebungen anrühmte. Als Lothringen im österreichischen Erbfolgekriege die Anführung der Truppen gegen dio Franzosen und Bayern übertragen war, führte er in zwei Feldzügen so grosse Unternehmungen aus, dass ihn selbst die Feinde bewunderten. Er schlug die Bayern aus ihrem verschanzten Lager hei Braunau, und die Franzosen aus ihren Vcrschanzungen bei Deckendorf, setzte oberhalb dicscsOrtes, im Angesichte des bei Blatlinggcstandcncn Feindes, über die Donau und trieb ihn, ohne eine Schlacht zu schlagen, vom Lech an bis über den Rhein zurück. Da nun die Franzosen besorgten, den Kriegsschau- platz in ihr eigenes Land versetzt zu sehen, besetzten sie das Ilheinufer in kleinen Entfernungen mit einer grossen Menge Verschanzungen und Posten, hinter welchen die Armee auf den ersten Wink wartete, um dahin zu eilen, wo die Österreicher den Übergang versuchen würden. Prinz Karl wusste sie jedoch durch Schein- anstaltcn und Bewegungen irre zu machen und seine Dispositionen so geheim und zweckmässig zu treffen, dass die ganze Armee in zwei Abtheilungen fast ohne Verlust über den Strom setzte. Gleich hierauf trieb der Prinz die Franzosen so in
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die Enge, dass sie sich bis unter die Kanonen von Strassburg zurückzogen, und die österreichische Armee bis auf eine Stunde vor diese Stadt rücken konnte. Als jedoch der König von Preussen ganz unerwartet in Böhmen eindrang, und Prag mit dem grössten Theile des Landes von Truppen entblüsst war, sah sich der Prinz genöthigt, seine errungenen Vortheile im Eisass aufzugeben, und im August 1744 nach Böhmen zu eilen. Dieser unter den Augen des starken französischen Heeres, über einen so bedeutenden Fluss, mit vieler Ordnung und wenig Verlust ausgeführte Rückzug bleibt ein Denkmal der Kriegskunst dieses Feldherrn.
Im siebenjährigen Kriege verlor der Prinz die Schlacht bei Prag, gewann aber am 22. November 1757 jene bei Breslau gegen den Herzog von Bevern, welcher Sieg der grossen Kaiscrinn die lang gewünschte Gelegenheit verschaffte, dem Herzoge für die vielen Ihr geleisteten Dienste, durch die Ernennung zum ersten Grosskreuze des neu errichteten Militär-Ordens, Ihre Dankbarkeit öffentlich zu bezeugen.
Nach der unglücklichen Schlacht bei Lcuthen legte Lothringen dasArmee- Commando, und bei der Übernahme des Grossmeisterthums des deutschen Ordens, am 4. Mai 1761 , auch das Theresienkreuz ab.
Obwohl der Prinz in den Kriegen mit Preussen mehrere Schlachten verlor, so bleibt ihm doch der anerkannte Ruhm, dass seine Dispositionen nnd Entwürfe, und seine Anstalten, selbst bei verlorenen Schlachten, wohl überdacht und eingeleitet waren. Die Hauptursachen dieser widrigen Zufälle waren thcils in der damaligen wirklich besseren Einrichtung der preussischen Truppen, theils in der ausserordent- lichen Güte dieses Prinzen, welche die Nachlässigkeiten und Fehler der Unter- geordneten nur zu sehr schonte, theils aber auch in unvermutheten zufälligen Ereignissen, dem sogenannten Kriegsglücke, zu suchen.
Der Herzog starb auf dem Schlosse zu Temen am 4. Juli 1780 als Gouverneur der Niederlande, deren Achtung und Liebe er sich durch seine vortrefflichen Eigenschaften in hohem Grade erworben hatte, und deren Stände ihn durch ein Gedächtnissbild ehrten, auf welches sie die Worte: Optimi Principi (dem besten Fürsten) setzen Hessen.
DAUN, Leopold Joseph Maria Graf, Fürst von Thiano, Feldmarschall, Hofkriegsraths- Präsident, General- Director der Militär- Akademie, Comman- dirender in Österreich und Wien, geheimer Rath, Ritter des goldenen Vliesses, Inhaber des 59. Infanterie-Regiments, war geboren zu Wien den 24. September 1705. Sein Vater, der Feldmarschall Wirich Philipp, der sich durch die Verteidigung vonTurin 1706 einen Namen gemacht hatte, war der Bildner der militärischen Talente Leopolds, und der Krieg in Sicilien (1718 — 1720) die erste Gelegenheit zur Thä- tigkeit für ihn. Die Unternehmungen in Italien und am Rhein (1734 bis 1735), wo er schon als Oberst in dem Infanterie-Rcgimente seines Vaters Nr. 56 stand,
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machten ihn zum vollendeten Kriegsmanne, und in dem folgenden Kriege gegen die Türkcn(1737 — 1738) kommtDaun als ein Mann von Bedeutung vor. In der Schlacht von Krotzka war er unter den Verwundeten, aber auch unter den ausgezeichneten Generalen, und erhielt als Belohnung das 59. Infanterie-Regiment (November 1740), nachdem er schon am 22. April 1737 General-Major und im März 1739 Feldmar- schall-Lieutenant geworden war. Nach der Schlacht bei Molwitz 1741 behauptete sich Daun in seiner Stellung in Schlesien. Hierauf folgte er dem berühmten Zuge, wodurch Prinz Karl von Lothringen den Marschall Broglic über Pisek und Tein unter die Kanonen von Prag trieb; auch wohnte er der Belagerung dieser Haupt- stadt bei, und war 1742 und 1743 bei den Unternehmungen thätig, durch welche Mail leb ois’ Vereinigung mit den Eingeschlossenen verhindert wurde, und Bayern wieder in die Gewalt der Österreicher kam. Hierbei erhielt er den Auftrag, die Franzosen aus dem stark befestigten Dingclfingen zu vertreiben, welche kräftigen Widerstand leisteten, sich aber doch am 16. Mai mit einem Verluste von 1000 Mann über die Isar zurückziehen mussten. Eben so eroberte er auch Landau. Daun folgte nun dem Feldmarschall Khcvenhüller an den Rhein, der ihn im Leben durch Aufträge und Empfehlungen auszeichnete, und ihm im Tode noch ein Zeichen der Achtung in dem Vermächtnisse seiner Handschriften gab. Auch der Nachfolger dieses Feldhcrrn verkannte ein so seltenes Talent nicht. Traun verwendete ihn bei den bedeutendsten Unternehmungen des Feldzuges von 1744, und die Grenadiere erbaten sich Daun von dem Prinzen Karl, als sic die Rheininsel bei Stoekstadt besetzten, und von dieser aus durch ihr Feuer den Feind vom jenseitigen Ufer vertrieben.
Noch verdienstlicher wurde die Vorsicht des Fcldmarschall-Lieutenants Daun bei dem Rückzuge, den er deckte, und bei dem versuchten Angriffe des Feindes bei Ludwigsburg, den er kräftig zurückwies und ohne Verlust seiner Arriercgardo sich dem Heer anschloss, das nach Böhmen eilte.
Im zweiten schlesischen Kriege befand er sich in den Schlachten von Ilohcn- friedberg und bei Soor, wo er den linken Flügel befehligte.
In diesen Kriegen mitPrcussen und gleich darauf wieder gegen die Franzosen in den Niederlanden, bis zum Aachener Frieden, legte er bei allen Gelegenheiten so vortreffliche Eigenschaften an den Tag, dass er zum Fcldzeugmeistcr befördert wurde, und sich nebst der allgemeinen Achtung der Truppen, auch das vollkommenste Zutrauen seiner Monarchinn erwarb.
In den vielen Feldzügen gegen Preusscn hatte Graf Daun die richtige Bemer- kung gemacht, dass der König seine über uns erhaltenen Vortheile blos allein der besseren Verfassung seiner Truppen, ihrer Geschwindigkeit im Chargiren, ihrer Geschicklichkeit in schnellen Bewegungen, ihren ordentlichen Waffcnübungcn und der überlegenen Artillerie zu danken habe; denn dass es dcnUnsrigen an kriegeri- schem Geiste und unerschütterlicher Tapferkeit nicht fehle, hatten die vieljährigen Siege über die Türken, Franzosen, Spanier, Italiener und Bayern, und selbst das
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Ausharren gegen die Preusscn bewiesen. Der patriotische Feldherr benützte also mit rastloser Thätigkeit den allgemeinen Frieden und das Vertrauen der Kaiserinn zur Verbesserung unseres ganzen Kriegswesens. Die Artillerie wurde verhältniss- mässig vermehrt, und unter der Leitung des unvergesslichen Fürsten We nzel Liechtenstein auf jenen Grad der Vollkommenheit gebracht, welche bald darauf die Preussen selbst zur Bewunderung zwang. Die Gewehre der Infanterie wurden verbessert und mit Ladstöcken von F.isen versehen, da sie vorher nur hölzerne hatten; es wurden periodische Dienstlager angeordnet, um die Truppen in den Waffen und Evolutionen zu üben. Man gab der Armee, welche sich bisher zwar grösstentheils der Khevenhüller’schcn, in vielem aber auch der eigenen, folglich nach Verschiedenheit der Regimcnts-Commandanten, ganz ungleichen Verhaltungs- vorschriften bedient hatte, ein allgemeines durchaus gleichförmiges Dienstreglemcnt. Dieses sogenannte „Dan n’sche Reglement“, 1749 erschienen, machte eine der merkwürdigsten Epochen der Armee. „Das sind nicht mehr die alten Österreicher“, sagten die preussischen Veteranen bei Lobositz, welche so manche Narbe an die Tapferkeit derselben erinnern konnte; aber sie waren überrascht, sich in den gerühmten Künsten ihres Exercierplatzes so früh eingeholt zu sehen. Daun glaubte jedoch, dass mit dieser körperlichen Gewandtheit nur wenig gethan sei. Gehorsam, Ordnung, Sittlichkeit zum Gemeinsinn des Heeres zu machen, die vor- handenen schon entwickelten Talente in ihren Wirkunskrcis zu bringen, und denen der künftigen Generation den Weg zur w issenschaftlichen Bildung zu eröffnen — dieses war das Ziel, auf welches der grosse Kriegsmann seinen tief eindringenden Blick heftete. In diesem Geiste hatte er der wohlthätigen, für jede gute Absicht empfänglichen Maria Theresia auch die Errichtung des Cadettcnhauses in Wiener-Neustadt — nunmehr Militär- Akademie genannt — vorgeschlagen und 1752 die erste Aufsicht darüber geführt.
Die vielen Zeichen der Achtung, die Daun vom Hofe mit der Ernennung zum Stadt-Commandantcn in Wien, Docember 1751, mit der Würde eines geheimen Ilaths, mit der Verleihung des goldenen Vliesscs, im November 1753, und mit der Beförderung zum Feldmarschall im Juni 1754 empfing, waren dem edlen Manne eben so viele Antriebe, seinen Eifer für das Beste des Dienstes noch mehr zu entflammen. Die Folgen zeigten sich während des dritten preussischen, des sogenannten siebenjährigen Krieges im glänzendsten Lichte, und wir müssten diesen wiederholen, um Daun’s Verdiensten gerecht zu werden.
Die Schlacht bei Kollin, 18. Juni 1757, verewigt seinen Namen; vergebens suchte der König von Preussen ihn aus dem Felde zu schlagen, um nach dem bekannten Tagsbefehl „Friede unter den Wällen von Wien zu machen“. Er selbst war durch Daun’s glänzenden Sieg bemüssigt, in aller Eile Böhmen zu verlassen. Rühmlicher konnte Daun, der in dieser entscheidenden Schlacht zwei Pferde unter dem Leibe verloren, einen Prellschuss am Arme und eine Contusion im Rückgrat
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erhalten hatte, sich das Grosskreuz des hohen Ordens, der den Tag von K o 1 1 i n für alle Zeiten verewigt, nicht erwerben. Dankbar erwies sich die grosse Kaiserinn '), und die Stände Österreichs, die ihm nebst vielen kostbaren Geschenken (darunter eine vergoldete silberne Tasse , in welcher die Schlacht gravirt erscheint) auch schmeichelhafte Zuschriften voll des verdienten Lobes übersandten.
Nach der Schlacht von Leuthen erhielt Daun das Ober-Commando der
Armee, das er bis zu dem im Jahre 1763 erfolgten Frieden behielt. Die Geschichte
dieses Krieges beweiset, wie sehr der Feldmarschall das in ihm gesetzte Vertrauen
verdient hatte. Es fehlte zwar nicht, wie es allen grossen Männern geht, an
Menschen, die viele seiner Unternehmungen kritisirten und ihm besonders den
Vorwurf machten, dass er öfters manche gute Gelegenheit, seinem Feinde zu
schaden verabsäumt und seine Siege nicht, wie er gekonnt hätte, zu benutzen
gewusst habe. Allein, wenn man die Schwierigkeiten bedenkt, mit denen er
immerwährend zu kämpfen hatte, so bewundert man den Helden, dass er so Vieles
gethan hat. Er musste alle seine Unternehmungen nach jenen dreier verbündeten
Heere, der Küssen, Franzosen und der Reichsarmee einrichten; er durfte nichts
Hauptsächliches ohne vorläufiger Genehmigung durchführen; er musste von jedem
seiner Schritte strenge Rechenschaft geben, während sein königlicher Gegner nach
eigenem Gutdünken augenblicklich handeln konnte. Diese Umstände, nebst
mehreren oft zufälligen Schwierigkeiten, mussten natürlicherweise einen Feldherrn
äusserst behutsam machen, der die üblen Folgen tief einsah, in -welche ein
einziger übereilter Schritt scineMonarchinn stürzen konnte. Noch andere rühmliche
Ursachen seiner grossen Vorsichtigkeit erklärte Daun selbst durch die öfters • • •
wiederholte Äusserung zweier Hauptabsichten, die er durchaus erreichen wollte.
Die erste bestand darin , dass er durch keinen seiner Schritte die Ivaiserinn je in
die traurige Nothwendigkeit versetzen wollte, einen schnellen, wohl gar nach-
theiligcn, Frieden sehliesscn zu müssen. Die zweite Hauptabsicht dieses Feldherrn
war, am Lnde des Krieges ein eben so gutes und schönes Heer zurückzugeben, als
1) I)as schönste Denkmal von der Herzlichkeit der hochsinnigen Kaiserinn Ist der nachstehende mehrere Jahre nach der Schlacht ganz eigenhändig geschriebene Brief, dessen Original das k. k. Kriegsarchiv aufbewahrt. Kr lautet wörtlich:
„Dom 18., Ccburtslag der Monarchie.“
„Lieber Graff Daun, umbmöglich könto ich dem hountfgen grossen Tag Yorbey gehen lassen ohno Ihme „meinen gewisson hortzlichsten und crkonllichen gliickwuntsch zu machen. Die monarchie ist ihmo sein erhaltung „schuldig und ich meine existence meine schöne und liebe armee und mein eintzigen liebsten Schwägern, di» „wird mir gewis so lang als ich lebe niemahlcns aus meinen Hertzen und gednehtnus kommen au contraire mir „scheinet das es jährlich mir frischer und sensibler ist, und das niemahlens selbes genug an ihme und denen „seinigen werde erkennen können dis ist der Tag auch wo mein nahmen auch vor das militairo solle verewigt „werden auch »einer Hand werke*) und Ist er wohl bilig leider mit seinen blutt mein erster Chevalier worden. „Gott erhalte ihme mir noch lange Jahr zum nutzen des staatts des militairo und meiner person als meinen „besten watirestcn gutten Kreund ich bin gewis so lang als ich lebe seine gnädigste Frau Maria Theresia.“
*) Bäum halte, noch che er zur Armee ging, die Statuten de» Maria There.ien-Ordens entworfen.
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er übernommen hatte, denn das Haus Österreich war bisher nur aus dem Grunde meistens gezwungen, Frieden zu machen, weil es am Ende gemeiniglich an Truppen fehlte. Und auch hierin hat er nicht nur seinen Zweck erreicht, sondern sogar auch alle Hoffnungen übertroffen.
Hier verdient folgende Anekdote einer Erwähnung. Während der König von Preussen Dresden belagerte, und Daun jenseits der Elbe im Lager stand, drang ein französischer General mit vielem Eifer darauf, dass man überden Fluss setzen und die Preussen angreifen sollte. Der Feldmarschall , der die unendlichen Schwierig- keiten dicsesUnternehmcns, und dicäusserst üblen Folgen eines widrigen Ereignisses schon voraus bedacht hatte, fragte nach langem Zuhören ganz gelassen : „ \\ ie aber, wenn wir geschlagen werden? Was hernach?“ „ Hernach?“ versetzte der Franzose hurtig, „ja, hernach müssen Sie geschwinde Frieden machen.“ — »Oh!“ antwor- tete Daun, „da wird nichts aus dein Angriffe, denn ich werde mich wohl in Acht nehmen, Etwas zu thun, was meine Kaiserinn zum Friedenmachen zwingen könnte.“ Die Folge bewies, dass er sein Wort rühmlich gehalten habe.
So vorsichtig und bedachtsam aber Daun in seinem gewöhnlichen Benehmen war, eben so entschlossen, thätig und rastlos war er in üblen dringenden Umständen. Die Sammlung des Heeres nach der Schlacht bei Prag, und die Anstalten, welche er nach jener bei Leuthen in den vier Wintermonaten zur Ergänzung der Armee traf, zeigen sein Meistertalent in diesem wichtigen Theilc der Kriegskunst eben so sehr, als seine Thätigkoit.
Noch währenddes letzten Feldzuges hatte Daun das Präsidium des Hofkriegs- rathes angetreten. In diesem Wirkungskreise war er nun bemüht, alle Erfahrungen und Beobachtungen aus den sieben Feldzügen auf seine früheren Verbesserungs- Anstalten anzuwenden, worin er sich auch durch Joseph’s II. Beifall belohnt, und hinter sich einen Nachfolger (Lucy) sah, der ihm verbürgte, dass die Arbeiten, zu denen er die Bahn gebrochen hatte, nicht unvollendet bleiben würden.
Daun starb am 5. Februar 1766, und hinterliess den Ruhm einer der ausgezeich- netsten Feldherrn seines Jahrhunderts gewesen zu sein. König Friedrich gab ihm das Zcugniss, dass kein österreichischer General so grosse technische Kenntnisse besessen, und jede Kriegsunternehmung mit so vieler Klugheit und Behutsamkeit entworfen habe.
Maria Theresia liess Daun ein prächtiges Denkmal, mit einer ehren- vollen Inschrift, in der Augustinerkirchc in Wien errichten.
NXdäSDY auf Fogaras, Franz Graf, Feldmarschall, geheimer Rath, Ban von Croatien, Slavonien und Dalmatien, Inhaber des 9. Husaren-Regiments, war 1708 geboren. Von seiner frühesten Jugend an halto er sich dem Kriegerstande gewidmet, und schwang sich, blos durch seine vielen Verdienste, von den untersten subalternen Chargen bis zu den höchsten Würden empor.
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In den Feldzügen auf Corsica, in Italien und am Rhein, glänzte er durch Tapferkeit. 1734 Oberst beim IIusaren-Regiinent Czungenberg Nr. 8, kam er im Jahre 1739 in gleicher Eigenschaft in das 9. JIusaren-Regiment Graf Csäky, wo er 1727 zu dienen begonnen hatte, und wurde bei der Beförderung zum General- Major, im Jahre 1742, dessen Inhaber.
In dem Türkenkriege vom Jahre 1737, und in den hierauf gefolgten blutigen Erbfolgekriegen, hatte Nädasdy bei allen Gelegenheiten so vielen Mutli und Kriegs- kenntniss gezeigt, und ein so allgemeines Vertrauen bei den Truppen erworben, dass sie ihn nur ihren Vater nannten, und unter seiner Anführung auch den grössten Gefahren freudig entgegen eilten. Im November 1741 nahm er den Franzosen das befestigte Neuhaus in Böhmen, und leistete 1743 in Bayern vortreffliche Dienste, indem er Wasserburg und Friedberg wegnahm, und dieFranzosen bis an den Neckar verfolgte, wobei seine Leute ausserordentliche Beute an Magazinen und Officiers- bagagen machten. Nädasdv eroberte 1744 die französischen Linien vor Lauter- burg, siegte bei llagenau und Eisass -Zabcrn, zeichnete sich bei Trautcnau (30. September 1745) aus, schlug am 17. März 1746 die Spanier an der Adda und nahm Piacenza, welches von 7000 Mann vertheidigt war. Nach der Schlacht bei Roddofrcddo, an der er ehrenvollen Antheil hatte, verfolgte er den geschlagenen DonPhilipp und besetzte Genua, liier trug N ädasdy sich freiwillig zum Angriffe des starken Passes auf der Bocchetta an , und führte die Unternehmung mit dem glücklichsten Erfolge und vieler Ehre aus, denn bei dem früheren Marsche nach Corsica (1731) hatte Nädasdy aus rühmlichen Eifer, sich in Terrainkenntnissen zu bilden und aus kluger Vermuthung, dass es ihm einst nützen könnte, die ganze Gegend mit einem wahren Soldatcnauge öfters durchschritten und genau kennen gelernt.
DicKaiserinn ernannte Nädasdy für die vielen Vordienste zum General der Cavallerie und Commandantcn zu Ofen (1754), zwei Jahre später zum Ban von Croatien. Im Jahre 1757 führte er die wohlausgorüsteten Truppen seines Gcnera- lates dem Feldmarschall Daun nach Böhmen zu.
In der Schlacht bei K oll in deckte Nädasdy mit der leichten Reiterei die rechte Flanke unserer Armee, auf welche der König von Preussen seinen Angriff richtete, und mit wiederholter äussersten Gewalt durchsetzen wollte. Aller Bemühun- gen ungeachtet, wurde einTheil der kaiserlichen Reiterei nach mehreren Angriffen geworfen, zum Weichen gebracht, und von der preussischen Cavallerie eine ziemliche Strecke verfolgt. Da aber diese durch das heftige Feuer unserer, in dem kleinen Wahle hinter dem Dorfe Krzoczow postirten Infanterie von weiterem Vorrücken abgehalten wurdo, gelang es Nädasdy bald, seine Leute wieder in Ordnung zu bringen, und einen siebenten Angriff in die Flanke der Preussen zu führen, der auf dem rechten Flügel den Ausschlag zum Siege gab; ihm selbst aber das Gross- kreuz des neu gestifteten Ordens verschaffte.
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Später schlug er mit dem Herzoge von Arenberg (s. d.) den General Winter feld bei Moys am Ilolzberge, bezwang Sehweidnitz, und half den Sieg bei Breslau erkämpfen.
In der unglücklichen Schlacht bei Leuthcn erkannte er sogleich des Königs zweideutige Manoeuvres, blieb aber ohne Unterstützung, und obwohl der beklagens- werthe Erfolg seinen richtigen militärischen Blick bestätigt hatte, wurde er dennoch von der Armee abberufen; doch ernannte ihn die Kaiserinn zum Ban der Neben- reiche und zum Feldmarschall. — Nädasdy entwickelte jetzt, wo möglich, noch einen grösseren Eifer dadurch, dass er die Lücken des Heeres, während der folgenden Feldzüge, zu ergänzen suchte, die Regimenter vorteilhafter organisirte, und der eigentliche Schöpfer der späteren wohltätigen Institutionen dieser ausgezeichneten Truppe wurde.
Als es im Jahre 1778 mit dem Könige von Prcussen zu einem abermaligen Kriege zu kommen schien, rief Kaiser Joseph, der Kädasdy’a Verdienste kannte und belohnen wollte, den Fcldherrn zu sich und übergab ihm das Armce-Commando in Galizien, welches er aber bald wieder niedcrlogte, indem der Friede zu Stande kam.
Nädasdy starb hochgeehrt und geachtet, seines Geschlechtes zweiter Stifter, seiner Nation stets eine Zierde, am 13. Mai 1783 zu Warasdin.
HADIK von Futak, Andreas Reichsgral', Feldmarschall, geheimer Rath, Hofkriegsraths-Präsident und Obergespan des Bäcser Oomitats, war am IG. Octobcr 1710 auf der Insel Schütt geboren. Frühzeitig den Wissenschaften huldigend, wollte er in den Jesuiten-Orden treten; doch vermochte ihn sein Vater, Rittmeister in der Armee, für den Militärstand zu bestimmen. Er trat im Jahre 1732 als Cornct in das alte D esse wffschellusaren-Regiment; diente unter Prinz Eugen am Rhein, und zeigte bei Phillipsburg 1734 viele Geschicklichkeit in Anführung kleinerer, oft mehrere Meilen, detachirtcr Streif-Parteien.
Im Kriege gegen die Pforte stiess er, in der Schlacht vonKrotzka, der Erste auf den Feind und hielt sich sehr tapfer. In den späteren Kämpfen gegen Frank- reich, am Rhein, in den Niederlanden und gegen Prcussen, stieg er schnell von Stufe zu Stufe; war 1744 Oberst bei Beleznay- Husaren (derzeit Nr. 10) und that sich im October desselben Jahres bei Worms, noch mehr aber am 15. März 1748, um diese Zeit bereits zum General-Major vorgerückt, bei Bergen op Zoom hervor, wo er ein grosses feindliches Convoi aufhob und zerstreute. Im Jahre 1753 erhielt er ein im Jahre 17G7 reducirtes IIusarcn-Rcgiment.
Im zweiten Feldzuge des siebenjährigen Krieges, bereits Feldmarschall-Lieutc- nant, focht Hadik am Holzbcrgo und führte im Octobcr 1757 den berühmten Zug nach Berlin aus. — Während Friedrich II. bciNaunburg die Bewegungen der Franzosen und der Reichsarmee beobachtete, und sieh vom Herzoge von Bevern trennte, stand die Strasse in der Mark Brandenburg und nach Berlin ollen. Iladik
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rückte mit 3160 Mann, 1160 Pferden und 6 Geschützen, über Lübken und Königs- Wüsterbausen geradezu vor des Königs Residenz, wo er am 16. October durch die Alleen des k. Waldes, unbemerkt am Ausgange desselben, vor das schlesische Thor gelangte. Sofort liess er eine Brandschatzung fordern, und als diese verweigert wurde, ohne Zögern das schlesische Thor und die Spree-Brücke angreifen. Was sich zur Wehre setzte, wurde niedergemacht. Nachdem Hadik eine mässigeBrand- sehatzung von 235,000 Thalcrn genommen, bat er sich, zum Zeugniss bei seiner Kaiscrinn über die Anwesenheit in der preussischen Hauptstadt, zwei Dutzend mit dem Stadtwappen gestempelte Damen handschuhe aus, und verlicss Berlin nach einem vierundzwanzigstündigenBesitze, mit dem Ruhme, einebewunderungswürdige Mannszucht gehalten zu haben. Da sich die königliche Familie auf die erste Nach- richt nach Spandau begeben hatte, so hielt ihn keine Ehrerbietung zurück, und die der Stadt bewiesene Schonung war nur desto verdienstlicher. IT adik hatte aber Eile, denn der Fürst Moritz von Dessau war nur einen Tagmarsch entfernt. So klug er seine Zeit zum Überfall gewählt hatte, so geschickt nahm er sie jetzt zum Abzug, ohne dass er der anzuhoffenden Hülfe, oder wohl gar dem aus Sachsen anrückenden König, zu begegnen Gefahr lief. Am 23. hatte er sich bereits wieder mit der kaiserlichen Armee in Verbindung gesetzt.
In Folge dieser ausgezeichneten That erhielt Hadik das Grosskreuz, und da er bei Vcrtheilung der Brandschatzung nichts für sich genommen hatte, wies ihm die Kaiscrinn, der diese Uncigennützigkeit sehr gefallen, 3000 Stück Ducaten an.
Am 5. März 1758 ward er zum General der Cavallerie ernannt, und machte 1759 den Feldzug bei dem Reichsheere mit, dem er Verstärkungen zuführte. Bei Guben war er nicht glücklich. Nach Abberufung des untbätigen Feldmarschalls Serbelloni wurde ihm das Commando der Reichsarmee übergeben, welchem Vertrauen Hadik, gegenüber dem berühmten feindlichen Gegner — des Prinzen Heinrich vonPreussen — vollkommen entsprach, wovon die Schlacht bei Freiberg am 15. October 1762 Zeugenschaft gibt.
Nach dem Frieden 1763 wurde der tapfere Krieger Gouverneur der Festung Ofen, im Jahre 1764 aber als königlicher Commissär zur Leitung des Militär- und Civil-Gouvernemcnts nach Siebenbürgen, und bald darauf als Präsident des Ivarlowitzer Congresses bestimmt, welche Mission er zur Zufriedenheit beendete, und zur Belohnung die Donation und das Prädicat auf Futak erhielt. Im Jahre 1776 zum Obergespan des Bäcser Comitats ernannt, und unmittelbar darauf von Kaiser Joseph 11. sammt seinen ehelichen Leibeserben in den Rcichsgrafenstand, mit Sitz und Stimme auf der schwäbischen Ritterbank, erhoben, — ward ihm schon im Jahre 1772, nach der Theilung Polens, der ehrenvolle Auftrag zu Theil, die neu erworbene Länderstrecke in Besitz zu nehmen, und diese alsMilitär- undCivil- Gouvcrneur zu verwalten, wobei es ihm gelang, die Zufriedenheit seines Monarchen wie jene des Landes zu erwerben.
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ImMail774zum Feldmarschall befördert undzumllofkriegsraths-Präsidenten ernannt, bekleidete Iladik die Stelle viele Jahre mit patriotischen Eifer. Beim Ausbruch des Krieges mit Prcussen 1778, erhielt er nach dem Abgehen Kaiser J oseph’s II. das Commando der Ilauptarmec, und trat nach dem Teschner Frieden wieder in sein früheres Verhältnis» als Hofkriegsraths-Präsident zurück.
In dem zweiten Feldzuge gegen die Türken (1789) übertrug ihm der Kaiser das Commando der Hauptarmee, deren Hauptobject die Belagerung und Einnahme von Belgrad war, doch während den Vorbereitungen dazu ward Iladik von einer Krankheit befallen, deren Folgen bei der vorgerückten Jahreszeit Besorgnisse erregten. Dies vermochte den Kaiser, den würdigen Greis, unter den schmeichel- haftesten Ausdrücken und aus Sorgfalt für seine Gesundheit, von der Armee ab, und wieder an die Spitze des Ilofkricgsrathes zu berufen. Noch erlebte der Feldmarschall den Fall von Belgrad, dessen Einnahme er vorbereitet hatte; aber der Tod des Kaisers, an dessen Sterbebette er gestanden war, und seinen rührenden Abschied von der Armee1) erhielt, griff die Gesundheit Iladik’s noch mehr an. Er starb nach einem kurzen Krankenlager am 12. März 1790 mit dem Ruhme, im Felde und im Frieden sich gleich grosses Verdienst in einem Grade erworben zu haben, wie es Wenige zu erringen in denFall kommen; weil auch mit allen dazu nöthigen Talenten, nur Wenigen die Natur das Ziel ihrer thatenvollen Laufbahn so weit hinausrückt.
Iladik hatte in 21 Feldzügen dem Vaterlande grosse Dienste geleistet, und von der Rittmeisters-Charge an ein Journal aller seiner Unternehmungen geführt, das wichtige und vortreffliche Lehren und Grundsätze der Kriegskunst enthält.
KLEINKREUZE.
SlNCERE, Claudius Freiherr, F eldmarschall-Lieutenant, für die Auszeichnung in der Schlacht bei Ko 11 in, ward in der dritten Promotion Gross kreuz (s. d.).
ESZTERHAZY de Galant ha, Nikolaus Graf, Feldmarschall-Lieutenant, aus gleichem Anlasse, ward in der zehnten Promotion Com m and cur (s. d.).
MIED, Friedrich Graf, Fcldmarschall-Lieutcnant, bei der nämlichen Gele- genheit, ward in der sechsten Promotion Grosskreuz (s. d.).
STARHEMBERG, Johann Ludwig Adam Graf, Fcldmarschall-Lieutcnant, geboren am 1. November 1717, trat jung in das Militär, focht in dem Erbfolgc- kriegeund überbrachte, als Dragoner-Hauptmann des reducirten Regiments IIollv,
’) I)cr grosse Kaiser beurlaubte »Ich untorin 14. Kebruar 1790 von seiner braven Annoo, und hlntorllcss Ihr ein öffentliches Denkmnl seiner Neigung, seiner Achtung und Dankbarkeit für ihre Treue, Anhänglichkeit und geleistoten Dienste. Der Abschied ist in diesen» Werke In derSkUr.e der Kriege gegen die Türken (VI. Abschnitt, III. Periode) nachzulesen.
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die Nachricht von der Einnahme Münchens durehKhcvenh ü 11er an die Kaiserinn. Er rückte 1742 zum Oberst-Lieutenant und im Decembcr 1745 zum Obersten im Regimcnte vor. Bei Piacenza hielt sich der Graf tapfer und wurde verwundet. Ln Jahre 1752 war er General-Major.
Bei Beginn des siebenjährigen Krieges zum Feldmarschall-Lieutenant beför- dert, erhielt er für Kollin das Kleinkreuz. Hier hatte der Graf mit 1000 Mann Cavallerio sowohl die Infanterie als auch die Husaren und Croaten lebhaft unter- stützt, auch dreimal in die Feinde mit solchem Erfolge eingehauen, dass denselben sechs Geschütze und einige hundert Gefangene abgenommen wurden. Eben so hatte Starhemberg durch seine öfters veränderte und immer vortheilhaft genom- mene Position, da der Feind den Unsrigen einige Male schon in Flanke und Ilücken gekommen, selben am weiteren Vordringen gehindert, und zu dessen Vor- bereitung sehr Vieles beigetragen.
Seine durch langwierige Fatigucn geschwächte Gesundheit nöthigto ihn, bald nach beendigtem Kriege, den Ruhestand zu suchen.
Starhcmbcrg starb zu Ödenburg am 29. August 1778.
L0UD0N, Gideon Ernst Freiherr, Oberst im Likkancr Grcnz-Rcgimcnte, für die Schlacht bei Prag, ward in der dritten Promotion Grosskreuz (s. d.).
JAHNUS von Eberstädt, Franz Maximilian Freiherr, Feldmarschall- Lieutenant, gehörte einer adeligen Familie aus Thüringen an, und war 1711 geboren. Sein Vater Adolph Wilhelm, gestorben 1731 als Feldmarschall-Lieute- nant und Gouverneur von Tortano, liess ihn die Studien auf der Universität in Jena vollenden, und verschaffte ihm im 21. Lebensjahre eine Fähnrichs- Stelle. Rasch stieg Jahnus von Stufe zu Stufe, und war schon 1742 Oberst-Lieutenant im 45. Infanterie-Kegimente Leopold Daun, mit welchem er den Feldzügen jener Zeit inltalien beiwohnte. BciPiacenza(1746) verwundet, commandirte er im August des- selben Jahres ein Detachement am Po, zwischen der Trebbin und dem Tidonc, und wusste liier den Feind in Athem zu erhalten. Als die Armee in die Provence vor- rückte, führte Jahnus die Freiwilligen und 12 Compagnien Grenadiere zuerst über den Var, und bemächtigte sich mit den Karlstädter Grenzern des Postens St. Laurence.
Kurze Zeit nach dem Aachncr Frieden wurde die slnvonischc Militärgrenzc organisirt. Jahnus, welcher schon früher mit dieser Truppe manche verdienstliche Unternehmung ausgeführt hatte, wurde am 5. Februar 1750 Oberst im Brooder Regimcnte, und vier Jahre später zu den Pcterwardciner versetzt. BcibcidenTruppcn- tlieilen erwarb er sich um die kurz vorher ins Leben getretene Errichtung wesent- liche Verdienste, die seinen Bemühungen in der Folge reichlichen Lohn brachten.
Im siebenjährigen Kriege deckte J ahn us, Anfangs August 1757, bei Landshut, Schmiedeberg und Hirschberg mit dem Regimcnte und einigen Compagnien Waras-
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diner Böhmen, als der preussische General von Kreuz den Plan entwarf, ihn am 14. desselben Monats unversehens zu überfallen, von Landshut abzuschneiden, und aus der Gegend zu verdrängen. Allein J ahn u s hiervon unterrichtet, hatte so kluge Veranstaltungen getroffen, dass er bei dem schnellen Anrücken des Feindes schon in guter Ordnung dastand, und ihn in einer vortheilhaften Stellung erwartete. Die Preussen, 8000 Mann mit 16 Geschützen stark, rückten mit gcpHanztcm Bajonet rauthig gegen das Feuer der Petcrwardciner an. In diesem Augenblicke erötfncten zwei Geschütze, welche Oberst Jahnus auf eine schwartige Anhöhe hatte bringen lassen, mit sehr gutem Erfolge ihr Feuer in des Feindes Flanke, und da zu gleicher Zeit die Peterwardeiner ihre Gewehre überschwenkten, und mit dem Säbel in der Faust auf diePrcussen cindrangen, so wurden diese gar bald miteinem beträchtlichen Verluste zum Weichen gebracht, und, ihrer Überlegenheit ungeachtet, der Platz behauptet. Jahnus selbst verlor das Pferd unter dem Leibe. Er erhielt für diese Tbat das Kleinkreuz und wurde zum General-Major befördert.
Bald darauf zeichnete sich Jahnus bei Domstädtl aus, wo er den preussi- schen Convoi aufheben und zerstören half, und erwarb sich im weiteren Verlauf jenes Krieges, durch zweckmässige und umsichtige Führung eines selbstständigen Corps, nicht geringe Verdienste.
Schon im Juni 1760 zum Fcldinarschall-Lieutenant befördert, wurde Jahnus nach dem Hubertsburger Frieden von der freien Stadt Hamburg zum Stadt- Commandanten gewählt, welcher Stelle er bis zu seinem am 26. Jänner 1772 daselbst erfolgten Tode Vorstand. Obwohl aus der k. k. Armee geschieden, beliess ihm doch die Kaiscrinn, wegen seiner vorzüglichen Dienste, den Fcldmarschall- Lieutenants-Charakter und die Ordens- Pension. Einen ihm von der Republik Venedig im Jahre 1770 gemachten Antrag, als Feldmarschall in ihre Dienste zu treten, hatte Jahnus entschieden abgelehnt.
LOS RlOS, Franz Marquis, Fcldmarschall-Lieutenant , Sohn des im Jahre 1775 verstorbenen Feldmarschalls gleichen Namens, war zu Brüssel 1725 geboren. Er erhielt im 9., des Vaters Infanterie-Regimcntc im 23. Lebensjahre eine Haupt- mannsstellc. Im Jänner 1751 bereits zum Obersten und Rcgimcnts-Comniandantcn und zu Anfang des Jahres 1757 zum General-Major vorgerückt, errang sich Los Ri os in der Schlacht bei Ko Hin das Klein kreuz. An allen Bewegungen des Reserve-Corps unter dem Generalen Wied hatte er an diesem entscheidenden Tage thätigen Anthcil genommen, und das Infanterie-Regiment Los Rios per- sönlich ins Feuer geführt. Fcldmarschall Graf Dau n konnte nicht umhin, ihm wegen seiner Bravour, Entschlossenheit und bei allen Gelegenheiten bewiesenen Klugheit und Einsicht besonders anzuempfchlcn. Noch im Laufe dieses Krieges zum FeJdmarschall-Licutenant (1760) befördert, starb Los Rios zu Wien am 18. Juni 1772.
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KlNSKY zu Chinitz und Tcttau, Fr anz U 1 r ich Fürst, General-Major, bei Kollin, ward in der zehnten Promotion Commandcur (s. d.).
ELMENDORF, Friedrich Kaspar Freiherr , G eneral - Major , entstammte einem alten Geschlcchte aus Westphalen , und war zu Münster 1705 geboren. Im 19. Lebensjahre nahm er Militärdienste, wohnte den Krbfolgekricgen bei, und rückte im Verlaufe derselben bis zum Major im 12. Infantcric-Regimente Botta vor. Bei Beginn des siebenjährigen Krieges war er bereits Oberst, und erhielt für Kollin das Kleinkreuz.
Als ein feindliches Bataillon im Rücken seines Regiments erschien, Hess er mit dem rechten Flügel eine neue Front formiren, und griff den Feind in der Flanke an, wodurch dieser in Unordnung gcrieth, und durch die anrückende Cavallerie gänzlich über den Haufen geworfen wurde. Der Feind erschien jetzt mit einer neuen Colonne, worauf Elmendorf sein Regiment eine Bewegung halbrechts machen liess und denselben wieder zurück drängte; nun kam die beiderseitige Cavallerie ins Handgemenge; Elmendorf formirto zum dritten Male eine neue Flanke und liess, inzwischen mit Munition versehen, ein so heftiges Feuer gegen die feindliche Cavallerie richten, dass sie ganz zerstreut wurde. Im März 1700 wurde Elmendorf General-Major. Erstarb zu Olmütz am 13. August 1767.
D’AYASASA, Joseph Karl Graf, Oberst bei Darmstadt- Dragoner, Für Kollin, ward in der zehnten Promotion Commandeur (s. d.).
B0JAN0WSKY, Sil vius Alexander Freiherr, General-Major, zu Schweinern in Schlesien 1724 geboren, trat im 19. Lebensjahre bei Scrbclloni-Kürassier (derzeit Nr. 4) als Freiwilliger ein, und war 1752 Major im Regimente. Seine glänzende Waffenthat bei Kollin verschaffte ihm das Klein kreuz. Als der Kampf am heftigsten entbrannt war, standen die Kürassiere hinter dem Infanteric- Regimente Erzherzog Karl Nr. 2 in Reserve, mit der Fühlung an die Brigade des Generals Krottendorf (Ncippcrg und Gaisruck Infanterie). Die Brigade wurde mit Überlegenheit angegriffen, gleichzeitig aber ihre Flanke durch andere feindliche Truppen bedroht, die ihr in den Rücken zu fallen suchten. Der General, mit der Verteidigung der Front vollauf beschäftigt, sollte noch zur Deckung der Flanke Truppen detachiren. Major Bojan owsky, der mit einer Division seines Regiments zunächst gegen die bedrohte Flanke stand, gewahrte die grosse Gefahr, welche für die ganze Linie entstehen würde, wenn es dem Feinde gelänge, die Brigade Krottendorf zum Weichen zu bringen. Ohne einen Befehl abzuwarten, liess er seine zwei Schwadronen abschwenken, und eilte auf den bedrohten Punct Hier fand er zwei preussischc Bataillone des Regiments Bevern wirklich schon in unsere Flanke vorgedrungen, griff schnell an, hieb sie grösstentheils nieder, und machte
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den Rest mit Fahnen und Kanonen gefangen. Links von dem Regimente Bevern war auch schon ein Bataillon preussischer Grenadiere angekommen, welche sich, Zeugen des Schicksals ihrer Waffenbrüder, seitwärts in Carrd zu retiriren suchten, und die Kürassiere beschossen. Doch Bojanowsky zögerte nicht lange; an der Spitze seiner Braven stürzte er sich voran in das Viereck, sprengte und vernichtete dasselbe gänzlich, nahm den General Bane w itz gefangen, und brachte die Kanonen und Fahnen aller drei Bataillone als Siegeszeichen zurück. Feldmarschall Daun nannte ihn den Tapfersten unter den Tapferen. — Bei Schweidnitz und Breslau pflückte er neue Lorbern und rückte im Februar 1758 zum Oberst -Lieutenant vor. In demselben Jahre zeichnete er sich bei ITochkirch rühmlich aus, und wurde auf D aun’s Anempfehlung zweiter Oberst im Regimente (12. November). Nachdem er im Jänner 1771 zum General-Major vorgerückt war, beschloss er die irdische Laufbahn zu Kcresztur in Ungarn am 11. Februar 1799.
AMADEI, Karl Freiherr, Feldmarschall-Lieutenant, geboren 1723 zu Brüssel, trat im 12. Jahre seines Alters in das Infanterie- Regiment Markgraf Ludwig Georg v. Baden (Nr. 23), kam zur Armee in Italien, wohnte noch in demselben Jahre der Schlacht bei Guastalla gegen die Franzosen und Sardinier, so wie im Türkenkriege 1737 — 1739 den Schlachten und Treffen bei Kornia, Mehadia und Pancsova bei. Im österreichischen Erblblgekricgc führte er in der Schlacht bei Mollwitz als Fähnrich 2 Compagnien an, wo er einige verlorene Kanonen zurück- eroberte, und focht hierauf in den Schlachten und Treffen von Czaslau, Deggen- dorf, Braunau, Pfaffenhofen, Rocour und Laffeld, bei der Belagerung von Prag und der Erstürmung von Vilshofen , welche er als Ilauptmann selbst führte. 1752 wurde Am ad ei vom Regimonte Erzherzog Karl Nr. 2, wo er damals als Grena- dier-Hauptmann gestanden, im Regimente Baron Andrässy Nr. 33 zum Major und 1755 zum Oberst-Lieutenant befördert.
und Prag. Als nach der Schlacht bei Kollin der Prinz Karl v. Lothringen am 20. Juni 1757 die auf dem weissen Berge bei Prag stehenden Preussen in ihrer festen Stellung angriff, erbat sich A ma d ei von dem Fcldmarschall-Lieutcnant M a c q u i r e die Erlaubniss, die feindliche Linie zu stürmen, und rückte gegen diese vor, indessen er einen Ilauptmann mit einigen Zügen durch ein kleines Thal in die linke Flanke der Feinde schickte. Von den Preussen mit einem furchtbaren Geschützfeuer empfangen, drang A in a d e i, trotz des erlittenen grossen Verlustes, überdiespanischen Reiter und Wolfsgruben, erstieg die Brustwehrc und durchbrach die feindliche Stel- lung, worauf die bestürzten Preussen ihre Waffen wegwarfen , die Kanonen stehen Hessen und flohen. In Folge dieses glänzenden Beispieles stürzte die ganze Linie der Österreicher sich auf die preussischen Schanzen und eroberte dieselben, während der Feind eiligst die Stellung räumte. Amadei wurde für diese Heldenthat am
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5. Juli 1757 zum Obersten befördert, und erhielt das Klein kreuz. Bei dem auf die Aussenwerke von Schweidnitz unternommenen Sturme erhielt A m a d e i den Ober- befehl über die den Hauptangriff ausführenden 3 Colonnen, und eroberte durch einen zweiten Sturm das wichtige Werk, dessen Fall auch das Schicksal der Festung entschied. Auch in der Schlacht bei Leuthen that Amadei sich hervor, und trug bei Ilochkirch durch Eroberung der grössten feindlichen Rcdoute, mit 69 schweren Kanonen, so wie durch die Wegnahme des dortigen Friedhofes, viel zu jenem gliin- zcndenSicge bei. Im März 1760 wurde Amadei in den österreichischen Freiherrn- stand erhoben, befand sich im Sommer dieses Jahres mit seinem Ilegimente bei dem Corps des Feldmarsehall-Lieutcnants Guaseo, welches am 12. Juli zur Verstär- kung der Besatzung Dresdens in diese Stadt rückte, ging bei dem Ausfälle am 19. Juli auf die preussische Batterie im grossen Garten mit 5 Compagnien Grenadiere und 500 Freiwilligen los , zeichnete sich ungemein aus, und wurde verwundet. Bereits am 27. Juni 1760 war Amadei zum General-Major befördert worden. Bei der Erstürmung von S eh weidnitz, am l.October 1761, erhielt Amadei vomFeld- zeugmeister Loudon die Leitung der vier Angriffs-Colonnen übertragen, vollzog, nach dem Zcugniss des Oberfcldherrn, nicht nur die Disposition genau , sondern focht auch überall, wo der Kampf am heftigsten wüthete, in Person mit, und trug eben so durch seine treffliche Anführung, wie durch seine persönliche Tapferkeit, zu dem günstigen Erfolge das Meiste bei. Am 19. Juni 1765 wurdeAmadci zum Feldmarschall-Lieutcnant befördert, und starb am 27. Jänner 1796 als Commandant des Castells von Mailand, nachdem er vier österreichischen Monarchen durch 62 Jahre mit Auszeichnung gedient hatte.
SAINT IGNON, Joseph Graf, Feldmarschall-Lieutenant , Inhaber eines (des heutigen 7.) Dragoner - Regiments, stammte aus dem Luxemburgischen und war zu Boux im Jahre 1716 geboren. Mit 17 Jahren trat er in die Armee und war zu Anfang des Erbfolgekricges Rittmeister bei Scrbelloni -Kürassier, kurze Zeit vor Beendigung desselben Oberst - Lieutenant und General- Adju- tant, und im Jänner 1757 Oberst des Dragoner -Regiments Württemberg (jetzt Nr. 3).
In der Schlacht bei K oll in hatte St. Ignon mit dem Regimcnte, nachdem dasselbe durch sieben Viertelstunden auf nur 400 Schritte vom Feinde, unter dem heftigstcnGcschützfcuer, gestanden und stark gelitten, eine andere so vorteilhafte Stellung nehmen können , dass cs in die Lago gesetzt wurde, nicht nur unsere Infanterie im Rücken zu unterstützen, sondern auch den Gegner selbst in seiner Flanke zu bedrohen. Als hierauf die zwei Grenadier- Compagnien des Regiments den Feind angegriffen hatten, unterstützte sie St. Ignon aufdasBcste, rückte gegen den rechten Flügel der Prcussen , und hieb mit dem Säbel in der Faust in zwei Bataillone derart ein, dass sie zusammengehauen wurden. St. Ignon, hierbei
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verwundet, erhielt für diese That das Klcinkreuz, und rückte im April des folgenden Jahres zum General-Major vor.
Seine eifrigen fortgesetzten Dienste, die er sowohl im Verlaufe der weiteren Feldzüge dieses Krieges, als auch in der Friedensepoche an Tag legte, hoben ihn zum Feldmarsehall-Lieuteuant.
Er starb in seinem Geburtsorte am 9. Mai 1779.
PONIATOWSKY, Andreas Graf, Oberst-Lieutenant von Michael Wallis-Infan- terie, für mehrfiiltige tapfere Thaten im Jahre 1757, ward Co mm andcur in der 10. Promotion (s. d.).
Zweite Promotion (vom 1. August 1758).
Dies« Promotion war die ernte Czpitelverszimnluug, und unter dem Vorsitze de» Keldmarsebatl» Grafen D au n am 15. Juni im Hauptquartier zu Kochow-Tciniz in Itöhmen eröffnet. Oer um den Orden bittlirh gewordene General-Major Joseph Er e iherr S l»k o vilz wurdo am 1. August für die That bei K o II i n eiustimmig zur Aufnahme würdig befunden.
Er erUielt in der 10. Promotion das Commaudeurkreuz, auf welche wir hinwcUen.
Dritte Promotion (vom 4. December 1758).
I)ie glücklichen Kriegsereignisse in diesem Jahre bestimmten den Gretameister, noch vor Koendigung des Keld- t'jge* und vor Beziehung der Winterquartiere ein Orden». Capitel eiuzuberufen. Dieses versammelte eich am 19. und rö. September im Hauptquartier zu Giesliübel unter dem Vorsitze des Keldmarschalls Daun. Das Gutachten des Capitol» wurde am -7. September vom Kaiser bestätigt , und die Ernennung von 5 Gros»- und 33 Kleinkreuzen bei der Armee bekannt gemacht. Die feierliche Aufnahme fand im Hauptquartier zu Prag am I. December Statt.
U ROSS KREUZE.
SlXCERE, Claudius Freiherr, Feldzcugmcistcr, Inhaber des 54. Infanterie- Regiments, stammte aus Lothringen; er begann seine Laufbahn im Jahre 1710 hei der Infanterie, und stieg nach 28 Dienstjahren zum Obersten und Commandanten im 3. Infanterie-Regimcnte vor. An der Spitze desselben kämpfte Si ncerc im Türken- kriegein den Schlachten bei Korniaund Krotzka, wurde 1740 in das 17. Infanterie- Regiment übersetzt, und hielt sich bei I lohenfriedberg 1745 ausgezeichnet tapfer. 1 753 zum General-Major befördert, ward S i n c c r e nach Wien berufen und beauftragt, das neue Exercier-Rcglcment den versammelten Oificieren vorzutragen, und sie in den Geist desselben einzuführen. Im Jahre 1750, Feldmarsehall-Lieuteuant, erhielt er Für seine ausgezeichneten sicbenundvicrzigjährigcn Dienste den Freiherrnstand, für den Tag bei K o 1 1 i n aber das Kleinkrcuz.
In dieser Schlacht hatte Si ncere mit seiner Brigade nicht nur verschiedene vor- theilh.ifte Evolutionen ausgeführt, welche auf den Gang des entscheidenden Tages von
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Wichtigkeit waren , sondern auch die Aufschwenkung des Infanterie - Regiments Erzherzog Karl veranlasst, wodurch der gliicklicho Ausschlag befördert wurde; ingleichen hatte er aus dem Dorfe Krzcczow, wo die Schlacht begonnen, mit 12 Grenadier- Compagnien die feindlichen Husaren in die Flucht getrieben und 5 Kanonen erobert; dann auf dem Schlachtfeldc den Retraiteschuss abfeuern lassen.
Im Jänner 1758 wurde Sincero Fcldzeugmeister , am Schlüsse des Jahres aber Grosskreu z, in Folge der nach der Schlacht bei Kollin vollführten rastlosen Verfolgung des Feindes, und namentlich wegen umsichtiger Leitung der Infanterie bei Hochkirch, wo er, nach dem Zeugnisse des Feldmarschalls Da un, durch die musterhafte Ordnung und selbst gegebenes Beispiel eines unerschrockenen Gemüthes sehr viel zu dem Siege beigetragen hatte.
Dem ganzen siebenjährigen Krieg wohnte übrigens S inccre mit grosser Aus- zeichnung bei, trat dann in Pension, und starb zu Znaim am 4. Juni 1769 im 73. Lebensjahre. Er war ein strenger Vorgesetzter; Ordnung und Diseiplin gingen ihm über Alles, und der bezeichnende Name „der Zuchtmeister der Officiere und Soldaten“ überlebte ihn viele Jahre.
LOUDON, Gideon Ernst Freiherr von, Feldmarschall, geheimer Rath, Inhaber des 29.1nfunterie- Regiments, aus citier inLiefl and ansässigen, ursprünglich schottischen Familie enfsprosen, war am 1U. October 1716 auf dem seinem Vater gehörigen Gute Trolzcn in Liefland geboren. Dieser (schwedischer Oberst- Lieutenant) hatte bei gerin- gem Vermögen Air mehrereKinder zu sorgen, und konnte seinem Sohne keine wissen- schaftliche Bildung geben ; der wissbegierige Gi deon verlegte sich, mit Hülfe einiger Bücher, welche ihm der Zufall in die Hand führte, aufGcometric und Geographie, lernte von seinen Altern Selbstüberwindung und Bezähmung des Jähzorns, und von seinem Vater die praktische Dienstkcnntniss. In seinem sechzehnten Jahre ( 1732) trat er, da Liefland mittlerweile unter Russlands Sccpter gekommen war, als Cadct, doch in der Eigenschaft eines Gemeinen, in das Pleskow’scho Infanterie-Iiegiment; die geringe Zulage, welche ihm sein Vater geben konnte, nöthigte ihn mit den übrigen Gemeinen zu leben. Seinen ersten Feldzug machte er 1733 unter dem Feldmarschall Graf von Münnich in Polen, wo er sich bei der Erstürmung des Stolzenberges vor Danzig auszeichnete, denn als bei seiner Abtheilung alle Officiere gefallen waren, stellte er sich an die Spitze derselben , und setzte den Sturm fort. Sein von Natur zarter Körper unterlag jedoch den ungewohnten Beschwerden des Krieges ; L o u d o n erkrankte schwer, und wurde nur mit Mühe wieder hcrgestellt. 1735 kam L o u d o n mit den russischen Ilülfstruppen an den Rhein; da jedoch kurz darnach der Friede zwischen Österreich und Frankreich geschlossen wurde, zwischen Russland und der Pforte aber der Krieg ausbrach, so marschirte Loudon mit seinem Regimente vom Rhein an den Dnieper zurück, und dies mit dem Tornister auf dem Rücken, denn er hatte es noch nicht weiter als bis zum Unterofficicr gebracht. Auf dem Marsche
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durch die Ukraine erhielt Loudon, als in der Geometrie bewandert, den seltsamen Auftrag, den von den Truppen zurückgclegtcn Weg klafterweise abzumessen, bei welcher Beschäftigung er, von dem Staube und von der Asche der durch dieTartaren unlängst abgebrannten Felder, grosse Beschwerden zu leiden hatte. Er wohnte nun dem ganzen Kriege gegen die Türken bei, war bei der Erstürmung von Oczakow, in der Schlacht bei Stawuischane, so wie bei der Einnahme von Chotim und Jassy; 1736 avancirto er zum Fähnrich, 1738 zum Lieutenant, und war 1739 beim Ende des Krieges Oberlieulenant. Da nun Russland sein Heer verminderte, und keine Aussicht auf Beförderung vorhanden war, so nahm Loudon seinen Abschied, reiste von Astrakan, wo sein Regiment stand, nach Liefland, und von da nach Stockholm, um einen Bruder seiner Mutter zu besuchen, welcher ihn vergebens für schwedische Dienste zu gewinnen suchte; erwünschte unter die Truppen einer Seemacht zu treten, doch die Seekrankheit, welche ihn sowohl auf der Reise nach Stockholm, als bei der Rückkehr nach Liefland befiel, überzeugte ihn, dass er sich für die See nicht eigne, und so entschloss er sich erneuert einen Dienst zu Lande zu nehmen. Loudon ging nun nach Berlin, und hielt bei Friedrich II. um eine Schwadron an; der König, welchem sein Äusseres missfiel, verweigerte sic ihm. Nun wandte sich Loudon an den österreichischen Gesandten in Berlin, Philipp Grafen von Rosen- berg, welcher so viel Geist und Biederkeit an ihm entdeckte, dass er ihm nicht nur ein Empfehlungsschreiben an die Ivaiserinn M a r i a T h e r e s i a gab, sondeni ihm auch Gesandtschafts-Depeschen anvertraute. Anfangs April 1744 in Wien angelangt, wurde er von der Kaiserinn huldvoll aufgenommen, und erhielt das Versprechen einer möglichst schnellen Anstellung; bevor selbe erfolgte, traf er mit dem Oberst Baron Trenk, den er aus dem russischen Dienste kannte, zusammen, welcher ihm eine Hauptmannsstellc in seinem Panduren-Frcicorps antrug. Loudon nahm sie an, reiste sogleich zu der Armee nach Bayern, und wurde einer der kühnsten und gefiirchtetsten Parteigänger. Besonders zeichnete er sich bei dem Rhciniibergangc aus, welchen Herzog Karl von Lothringen 1744 unternahm; erging mit seiner Compagnie auf dem ersten Schiffe über den Fluss, und deckte den Brückenschlag. In dem Gefechte bei Eisass Zaborn wurde er durch den hohlen Leib geschossen (die einzige Wunde in seiner langen Laufbahn), fiel in französische Gefangenschaft, wurde aber von seinen Leuten bei Gelegenheit eines Überfalles wieder befreit. Als Herzog Karl wegen des Einfalles der Preussen vom Rheine nach Oberschlesien eilen musste, kam auch Loudon dahin, und erstieg 1745 bei dem Überfalle der Festung Kosel der erste den Wall. Das Trenk’sche Freicorps war zwar in eine reguläre ungarische Infanterie umgestalten worden, doch der von dem Führer aus- gehende Geist blieb der nämliche; die vielen Grausamkeiten, welche Trenk, wenn auch nicht verübte, doch geschehen liess, bewogen Loudon, sich jenen anzu- schliessen, welche als dessen Ankläger auftraten. Trenk, hierüber erbittert, suchte ihn in seinen Process zu verwickeln; Loudon, der schon nach der Schlacht bei
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Trautcnau seine Stelle niedergelegt hatte, rechtfertigte sich zwar durch Vorweisung der ihm crtheilten Befehle, aber vergebens suchte er in Wien eine neue Anstellung zu erhalten. Schon wollte er, an seinem Glücke in Österreich verzweifelnd, ander- wärts Dienste nehmen, als er 1746 zum Major bei dem Likkancr Grenzregimcntc ernannt wurde. Hier brach 1749 in Folge der neuen Einrichtungen unter den Grenz- truppen in zwei grossen Dörfern ein Aufruhr aus, welcher die meisten Befehlshaber zur Flucht bewog. Loudon blieb, versammelte die Unterofficicrc seines Bezirks, da er sich auf selbe verlassen konnte, überfiel mit ihnen die Aufrührer, und stellte die Ruhe und Ordnung wieder her. Die Müsse, welche ihm der Dienst liess, ver- wendete er in seiner Station Bunie zum Studium der Kriegskunst, und insbesondere der Landkarten, was bis zu seinem Tode seine Lieblingsbeschäftigung blieb. 1753 erfolgte seineBefb'rderung zum Oberst-Lieutenant; auch trat er im selben Jahre zur katholischen Kirche übci*, nachdem er schon früher die Tochter eines Officicrs, Clara von Ilagcn, gechligt und zwei Söhne gezeugt hatte, die jedoch in früher Jugend starben, und in der von Loudon gegründeten Kirche zu Bunie begraben wurden. Bei dem Ausbruche des siebenjährigen Krieges wurde Loudon nicht zum Ausmarsche ins Feld bestimmt; hiedurch gekränkt, eilte er nach Wien, wo er einen alten Bekannten (Hochstetten, der ihm in Petersburg die ersten Empfehlungen für Wien verschafft hatte) fand, und durch selben bei dem Staatskanzler eingeführt wurde. Letzterer, der Loudon’s Werth erkannte, wurde sein Beschützer und später sein warmer Freund, und erwirkte, dass er ins Feld beordert wurde. Anfänglich sollte Loudon mit einem Bataillon Likkancr zu der Rcichsarmeo stossen; da aber dieselbe sich noch nicht in Bewegung gesetzt hatte, so ging er zu der Armee in Böhmen unter dem Fcldmarschall Graf Browne. Nach der Schlacht beiLobositz daselbst eingetroffen, war er bei dem Versuche, die Sachsen aus dem Lager bei Pirna zu befreien, zerstreute auf dem Rückzuge zwei preussisehc Schwadronen bei Tetschen, und kam dann zum Winter-Cordon in der Lausitz. Unausgesetzt beunruhigte er seine Gegner, überfiel am 1. Jänner 1757 die prcussischo Besatzung der Stadt Ostritz, trug am 20. Februar vorzüglich zum Gelingen des Überfalles von Hirschfeld bei, und wurde zur Belohnung am 17. März zum Obersten befördert. Nach der Schlacht bei Prag, in welcher er tapfer focht, hielt er noch durch drei Tage den Ziskaberg ausserhalb dcrStadt besetzt, theilte sodann die Beschwerden der Belagerung sowie die Gefahren der Ausfälle, verfolgte die endlich abziehenden Preussen lebhaft, und nahm ihnen 600 Gefangene, einen Pontonstrain und bedeutende Vorrätho ab. Am 24. Juni griff’ er das Dorf Welmina an, wo sich preussisehc Magazine befanden, zersprengte deren Bedeckung und machte über 157 Gefangene; gleich darauf, 3. Juli, rieb er in derselben Gegend das Grenadier-Bataillon Kleist auf, und eroberte bei Linay undNollcndorf, 28. und 29., eine zwölfpfilndigeKanone mit 40 Bagagewagen. Maria Theresia verlieh ihm nun eine jährliche Zulage von 1500Gulden. Loudon vergalt diese Begünstigung durch Wegnahme der prcussischen Magazine in Freiberg
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am 4., durch ein siegreiches Gefocht bei Gottleuba am 8., durch die Eroberung grosser V orräthe in Ross wein am 11., durch Aufhebung einer preussischen Truppe in Gorbitz an\17., und durch Behauptung seiner Stellung beiKotta gegen die weit überlegenen Preussen am 24. August. Unaufhörlich in Bewegung, beunruhigte er die Armee unter Fricdrich’s eigener Führung, erbeutete abermals sieben grosse Magazine, machte Gefangene, und fing sechs Mal Depeschen auf, welche sehr nützliche Aufschlüsse gaben. Das Kl ein kreuz wurde ihm jetzt ohne Probeführung zu Theil. Loudon stiess sodann mit 4000 Mann zu der Reichsarmee; als die Preussen Gotha, woselbst sich das Hauptquartier der Reichsarmee befand, überfielen, war Loudon, bei der Tafel aus den Reden der Ilerzoginn Verdacht schöpfend, auf seinen Posten geeilt, und fügte den Preussen einen Verlust von 200 Todten und 137 Gefangenen bei. Maria Theresia hatte ihn zum General -Major ernannt, doch der Courier, welcher ihm das Gencralspatent überbringen sollte, war während des Überfalles auf Gotha in die Hände der Preussen gerathen; König Friedrich schickte es nun, begleitet von einem Glückwünsche, dem früher von ihm nicht genug gewürdigten Loudon. Bei Erfurt nahm er den Preussen abermals Gefangene und einen ansehnlichen Geldtransport ab. Während der Schlacht bei Rossbach hielt er die Gehölze an der Saale besetzt ; nahm, durch die Befehle des Prinzen Sou bis e gebunden, an derselben keinen Antheil, und zog sich dann nach Böhmen, um die Preussen zu beobachten, welche unter dem Feldmarschall Kei th Sachsen besetzt hielten. Nach der Schlacht bei Leuthen wurde Loudon beauftragt, die Winterquartiere der sehr geschwächten Hauptanuec in Böhmen zu decken. Bis zur Belagerung von Olmütz 1758 führte er den kleinen Krieg meistens mit VorthciL Als Feldmarschall Graf Daun zum Entsätze dieser Festung keine Schlacht zu wagen, sondern den König von Preussen durch Abschnci- den der Zufuhren zur Aufhebung der Belagerung zu nöthigen beschloss, erhielten Loudon und Siskovitz diese Aufgabe, welche sie durch Wegnahme des grossen preussischen Transports bei Doms tädtl vollkommen lösten. Zur Belohnung wurde Loudon zum Feldmarschall-Licutenant befördert und mit dem Grosskreuze aus- gezeichnet. Bei dem Rückzuge Friedrich’s von Olmütz durch Böhmen nach Schlesien, beunruhigte Loudon unausgesetzt dessen Nachtrab, nahm den Preussen in wiederholten Gefechten, im Vereine mit den Generalen Siskovitz und St. Ignon, einige Tausend Gefangene, mehrere Fahnen und Kanonen ab, eroberte die kleine Festung Pcitz in der Lausitz, von wo seine Husaren bis an die Thorc von Frankfurt a. d. O. streiften, wendete sich aber vor dem mit Übermacht anrückenden Könige von Preussen wieder nach Sachsen. Nach fortwährenden klei- neren Gefechten erfolgte endlich in der Nacht vom 13. zum 14. October der Überfall auf das preussischo Lager bei Hochkirch, an dessen Ausführung er den thütig- sten Antheil nahm, der Erste in das preussischo Lager cindrang, und durch einen im Rücken unternommenen Angriff den Sieg entschied. Als sodann König Friedrich
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zum Entsatz von Neissc nach Schlesien ging, beunruhigte ihnLoudon ohncUntcr- lass, brachte bei Goldberg seinen Nachtrab in die grösste Verwirrung, und nahm ihm 200 Wagen ab; doch entging er einmal kaum der Gefahr gefangen zu werden. Friedrich wendete sich plötzlich nach Sachsen zurück; Loudon zog vor ihm her, indess Daun mit der Hauptarmee nachfolgte. Auf diesem Zuge erkrankte Loudon, schon seit dem Überfalle von Hochkirch unpässlich, so bedenklich, dass er die Armee verlassen und seine Genesung in Töplitz abwarten musste. Maria Theresia berief ihn nach seiner Herstellung nach Wien, um den ausgezeichneten Feldherrn persönlich zu sehen, und erhob ihn und sein ganzes Geschlecht in den österreichischen, ihr Gemahl aber in den deutschen Reichsfreiherrnstand. Im Feld- zuge 1759stand Loudon anderSpitzc eines selbstständigen Corps von 20,000 Mann, mit welchem er sich mit den Russen in der Mark Brandenburg vereinigen sollte; trotz aller Gegenmanoeuvres der Prcussen gelang im August die Vereinigung, und die verbündeten Österreicher und Russen bezogen die stark verschanzte Stellung bei Kunn c rsd or f. KönigFri edri c h griff sic am 12. August an, und schonschien der Sieg Tür ihn entschieden; da brach Loudon mit der österreichischen Cavallerie gegen den rechten Flügel der Prcussen vor, schlug denselben gänzlich in dicFlucht, ermunterte dadurch die weichenden Russen zu erneuertem Widerstande, und ver- wandelte Friedrich’s, bereits durch Eilboten nach Berlin und Breslau gemeldeten Sieg in eine vollkommene Niederlage. Dieser glänzende Sieg hatte keine Folgen, denn der russische Feldmarschall Graf Soltikow blieb unthätig bis Ende October in Brandenburg stehen, um sich nicht dieUngnade des Kronprinzen Peter zuzuzichcn, der Friedrich’s warmer Freund war; hierdurch ward auch Loudon in seinen Unternehmungen gelähmt. Als endlich die Russen durch Polen in ihr Reich zurückkehrten, trennte sich Loudon von ihnen, und zog in beschwerlichen
Märschen über Krakau nach Österreich isch-Schlcsien und Mähren. Noch während des Zuges durch Polen ernannte ihn Maria Theresia zum Feldzcugmcistcr und Inhaber des 29. Infanterie-Regiments, die Kaiscrinn von Russland aber beschenkte ihn mit einem reich mit Brillanten besetzten Degen. Zu Anfang des Jahres 1760 führte er sein Corps nach Böhmen, vereitelte durch vortreffliche Anstalten einen Einfall, welchen die Prcussen über Komotau in diese Provinz beabsichtigt hatten, und begab sich dann, mit einem selbst entworfenen Plane für den nächsten Feldzug, nach Wien, und von hiernach Dresden zu dem Feldmarschall Grafen Daun. Als der über den Winter geschlossene Waffenstillstand abgelaufen war, übernahm Loudon dasCommando über ein bei Jägcrndorf stehendes Corps von 34,000 Mann. Er täuschte den bei Landshut postirteu preussischen General Fouquet, dass er sich unter die Kanonen von Schweidnitz zurückzog, besetzte die Pässe um Gl atz, und schloss diese Festung am 15. Juni ein. Fouquet erkannte nun Loudon’s wahre Absicht, und da er mittlerweile von König Friedrich den Befehl erhalten hatte, die Stellung bei Landshut wieder einzunchmcn, so verdrängte er die daselbst
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befindlichen 4000 Österreicher, und bezog sein früheres Lager, welches wegen der starken Vcrschanzungen uneinnehmbar schien. Loudon liess durch einen Thcil seines Corps die Belagerung von Glatz fortsetzen, und griff mit dem andern am 23. Juni um 1 Uhr Nachts Fouquet’s Stellung an. Ungeachtet der tapfersten Gegenwehr wurden die Preusscn von den wichtigsten verschanzten Bergen vertrieben; zwei Mal sammelte Bouquet die Fliehenden, doch konnte er dem ungestümen Andrangc der Österreicher nicht widerstehen. Er ging nun über den Boberfluss um sich nach Kupferberg zu ziehen; da er aber bereits alle Auswege abgeschnitten fand, liess er seine Truppen ein grosses Viereck bilden , in welches jedoch die österreichische Cavallerie bald cinbrach. Fouquct stürzte verwundet vom Pferde, und nun streckten die Preusscn, von denen nur 300 Reiter entkamen, die Waffen. Um 8 Uhr früh war der Sieg entschieden; 8000 Gefangene (darunter F ouquet), 58 Kanonen und alles Ilecrgcräthc waren die Trophäen dieses Tages, welcher uns 2700 Mann kostete. Nun betrieb Loudon ernstlich die Belagerung von G 1 a t z; am 26. Juli früh wurde die Festung von allen Seiten beschossen, und bevor noch Bresche gelegt war, liess Loudon die alte Festung mit Sturm nehmen. Da von dieser die neue Festung bestrichen werden konnte, so capitulirte noch am selben Tage der preussische Commandant, und ergab sich mit 2875 Mann als kriegs- gefangen. Jetzt wandte sich Loudon gegen Breslau, dessen Commandant, General Taucnzion, die Aufforderung zur Übergabe zurückwics; da eine Bcschicssung der Stadt dessen Entschluss nicht änderte, überdies König Fried rieh sich näherte, so ging Loudon der Hauptarmee unter Feldmarschall Daun entgegen, welche sich ebenfalls aus Sachsen nach Schlesien zog. Friedrich lagerte bei Liegnitz, und Daun, welcher ihn hier am 15. August 1760 angreifen wollte, bestimmte Loudon’s Corps gegen den linken Flügel der Preusscn. Indcss hatte König Friedrich in der Nacht seine Stellung verändert, und die österreichische Hauptmacht unter Daun konnte das Sch warzwasscr nicht übersetzen; Loudon stiess daher, statt auf ein einzelnes Corps, auf die ganze preussische Armee, und obwohl er den ungleichen Kampf rühmlich bestand, so sah er sich doch zum Rückzüge genöthigt, welchen er in bester Ordnung ausführtc. Dio grosse Kaiscrinn tröstete den ITeldcn über das Missgeschick bei Licgnitz in einem Schreiben vom 25. August mit folgenden Worten: „Der widrige Ausschlag des 15. vermindert nicht im Mindesten die grossen Ver- dienste, dio Ihr erworben habt; vielmehr lasse Ich Euerer genauen Befolgung des erhaltenen Auftrages, wie auch Euerer Geistesgegenwart, Herzhaftigkeit und Vor- sicht alle Gerechtigkeit widerfahren. Ihr könnt auf Mein Wort sicher glauben, dass Ich solches im gnädigsten Andenken behalten werde.“ Der Rest des Feldzuges verstrich ohne bedeutende Ereignisse. Daun und König Friedrich zogen endlich nach Sachsen, die Russen nach Polen; Loudon aber, welcher einen Anschlag wegen der eingetretenen ungünstigen Witterung aufgeben musste, sicherte die Winterquartiere seiner Truppen in der Grafschaft Glatz durch einen Vertrag, und
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begab sich zu den Conferenzen über den nächsten Feldzugsplan nach Wien. Im Feldzuge 1761 trat Loudon zum ersten Male als unabhängiger Feldherr auf. Er stand mit 60,000 Mann in Schlesien, und sollte sich mit dem russischen General Butturlin, der mit 70,000 Mann durch Polen hcranzog, um jeden Preis, selbst um das Wagniss einer Schlacht, vereinigen. König Friedrich eilte aus Sachsen herbei, und suchte diese Vereinigung durch gut gewählte Stellungen und andere Demonstrationen zu verhindern. Die Russen rückten so langsam vor, dass sie erst um die Mitte August die Oder überschritten ; doch gelang cs Loudon, den König zu überlisten und sich mit ihnen am 19. August zu vereinigen. Friedrich bezog nun das feste Lager bei Bunzelwitz unweit Schweidnitz. Da Butturlin, welcher die Gunst des Thronfolgers Peter nicht verscherzen wollte, zu keiner Unternehmung zu bewegen war, so verstrich dieZcit unbenutzt unter gegenseitiger Beobachtung. Endlich zog Butturlin, im September, wegen angeblichen Mangel an Lebensmitteln, nach Polen zurück, und liess den General Czernitschcw mit 20,000 Mann bei L oudon zurück. Vierzehn Tage darnach verliess auch Friedrich das Lager bei Bunzelwitz, bedrohte Böhmen mit einem Einfalle und bezog endlich eine Stellung bei Noisse. Loudon, welcher sich hierdurch nicht täuschen liess, benützte die Entfernung dcsKönigs, und nahm die wichtige Festung Schweidni tz in der Nacht des 1. October mit Sturm. Der Commandant und 3000 Mann fielen in die Gefangenschaft; 240 Kanonen und grosse Vorräthc aller Art wurden erbeutet. Obwohl die Kaiserinn Maria Theresia anfänglich darüber ungehalten war, dassLou don diese wichtige Unternehmung eigenmächtig, ohne Vonvissendes Hofkriegsrathes (um die günstige Gelegenheit nicht zu versäumen) unternommen hatte, so bezeigte sie ihm doch in einem eigcnhändigenllandschreibcn ihren Beifall, und beschenkte ihn mit ihrem Bildnisse und der Herrschaft Kleinpetschwar in Böhmen. Loudon setzte Schweidnitz in Vertheidigungsstand, und verschaffte den österreichischen Trappen durch den Besitz dieser Festung zum ersten Male Winterquartiere im eigentlichen Schlesien. Um diese Zeit wurden ihm verschiedene vortheilhafte Anträge von fremden Fürsten , insbesondere von der Kaiserinn Elisabeth, gemacht, in ihre Diensto zu treten; er lehnte sie jedoch sämmtlichab. Diezweil762 in Russland vorgefallenen Thronveränderungen nöthigten Österreich, während dieses Feldzuges in Schlesien nur vertheidigungsweise zu verfahren. Im Angesichte der österreichischen Armee fiel Schweidnitz nach einer dreiundsechzig- tägigen Belagerung wieder in die Hände der Preussen, da Loudon’s Vorschläge zur Rettung der Festung an Daun’s Bedächtigkeit scheiterten. Bei Abschliessung des Friedens 1763 war von Loudon’s Eroberungen nur noch Glatz in der Gewalt der Österreicher. Wegen seiner geschwächten Gesundheit zog sich Loudon nun auf sein Gut zurück, bis er 1766 zum Ilofkriegsrathe, 1769 aber zum geheimen Iiatho und conunandirenden General in Mähren ernannt wurde. In letzterem Jahre begleitete er Joseph, alsdieserMonarchFriodrichn. in Neisse besuchte, sowie er
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auch bei dein G egcnbesuche war, welchen letzterer 1 770 dem Kaiser in dem Lustlager bei Neustadt in Mähron machte; beide Male wurde Loudon von seinem grossen Gegner mit besonderer Auszeichnung behandelt, und hier entfielen dem gekrönten Feldherrn, der Loudon immer Feldmarschall nannte, was er damals noch nicht war, die bekannten W orte : „Ersehe ihn lieber neben sich als gegenüber“, mit welchen er ihn bei der Tafel an seine Seite zog. Abermalige Anträge von Prcussen, Frankreich und Spanien, in ihre Dienste zu treten, wies er auch diesmal ab. 1774 legte er die Stelle als commandirender General in Mähren nieder, begleitete nach der crstcnThcilung Polens den Kaiser bei der Bereisung der neu erworbenen Provinz, verkaufte 1777 sein Gut in Böhmen, und erwarb dafür das Gut Iladersdorf bei Wien, woselbst er möglichst zurückgezogen lebte. 1778 ernannte ihn Maria Theresia zum Feldmarschall, und übertrug ihm in dem bayerischen Erbfolgckricge (März 1778) den Befehl über 50,000 Mann, um Böhmen gegen die Angriffe aus Sachsen und der Lausitz zu decken. Der ihm gegenüberstehende Prinz II ein rieh von Prcussen drang zwar aus der Lausitz in Böhmen ein, wurde aber durch Loudon’s festo Stellung bei München- grätz sowohl an der weiteren Vorrückung, als auch an der Vereinigung mit dem Könige gehindert; eben so wenig gelang es ihm, durch Demonstrationen gegen Prag Loudon zum Verlassen seiner Stellung zu verleiten. Durch geschicktcBowegungcn drängte nun Loudon seinen Gegner gegeu Dux und Lobositz, und nöthigte ihn, sich aus Böhmen gänzlich nach Saelisen zurückzuziehen, wohin Loudon’s leichte Truppen den Preussen folgten. Nach dem Teschner Frieden zog sich Loudon wieder auf seine Besitzung Iladersdorf zurück , wo er sich ungestört den W issen- schaften widmete, um das nachzuholen, was bei seiner Erziehung verstäumt worden war. Auf einer Bereisung der türkischen Grenze begleitete er den Kaiser J oseph; als sie aus der Ferne die Festung Belgrad betrachteten, erwiederte er auf die Frage des Kaisers, wie viel Zeit er wohl zu deren Eroberung brauchen würde: »Vier Vochen, wenn alles dazu Erforderliche bei der Iland ist.“ Nach wenig Jahren bestätigte er die Richtigkeit seiner Behauptung durch die That. Bei Beginn des Krieges mit der Pforte 1788 wurde Lo u don’s Anstellung beim Heere durch mannig- faltige Ränke vereitelt, denn ungeachtet seiner grossen Verdienste und seiner eben so grossen Bescheidenheit hatte er viele Gegner, da er die Kunst zu schmeicheln nichtvorstand. Erstais der Krieg eine für Österreich ungünstige Wendung genommen hatte, erhielt Loudon statt des erkrankten Feldmarschalls Fürst Karl Joseph Liechtenstein das Commando über die in Croaticn stehende Armee. Am 18. August langte er im Lager vor Du bi tza an, schlug am 2U. ein türkisches Entsatz- heer mit bedeutendem Verlust zurück, und zwang die Festung am 26. zur Über- gäbe. Als er hierauf auch den Befehl über die Truppen in Slavonien erhalten hatte, cröffnete er am 11. September die Belagerung von Novi, schlug am 20. auch hier einen Entsatz zurück, und eroberte dio Festung am 4. October nach einem miss- lungenen Sturme, der ihm die bezeichnenden Worte entschlüpfen lioss: „Noch ist wir
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kein Sturm abgeschlagen worden, als dieser siebenzehnte.“ Eine Unternehmung auf Berbir musste wegen des Austrctens der Gewässer aufgegeben werden. Loudon verlegte nun seine Truppon in Winterquartiere, und ging nach Wien. Am 8. Mai 1789 traf er wieder bei der Armee in Croation ein, und schritt zur Belagerungvon B e rbir. Am 23. Juni begann die Beschiessung des Platzes, und wurde mit solchem Nachdrucke fortgesetzt, dass die türkische Besatzung am 9. Juli die in einen Schutt- haufen verwandelte Festung vcrlicss. Um diese Zeit stiftete Kaiser J oseph II. auf Lo ud on’s Vorschlag die goldene und silberne Tapferkeits-Medaille. Schon in der Schlacht bei Kunnersdorf hatte L o u d o n wahrgenommen, wie auf Befehl der Kaisorinn Elisabeth unter die russischen Soldaten Denkmünzen als Ehrenpreis vertheilt wurden; er machte den Kaiser auf die Nützlichkeit derselben aufmerksam. Joseph licss am 25. Juli 1789 die Statuten der Tapferkeits-Medaille publiciren; Franz I. erweiterte sie, und Se. Majestät Kaiser Ferdinandl. setzte im Juli 1848 ein zweite Classe der silbernen Medaille ein, wonach sie nunmehr verliehen werden : in G o 1 d mit der vollen Löhnung als Zulage, in Silber erster Classe mit der halben Löhnung als Zulage, und in Silber zweiter Classe, mit welcher ein Genuss als Zulage nicht verknüpft ist. Am 1. August erhielt Loudon wegen Erkrankung des Feldmarschalls Graf II a d i k den Befehl über die im Banate stehende Ilaupt- armee und die Oberleitung aller von der galizischen Grenze bis Dalmatien aufge- stelltcn Corps. Unter allgemeinem Jubel der Truppen traf er am 17. August im Lager bei Weisskirchen ein, liess am 28. ein türkisches Corps von 15,000 Mann bei Schupanck zurückwerfen, setzte am 10. September über die Save, und stand am 12. mit dem ganzen Ileerc vor Belgrad. In der Nacht vom 19. zum 20. wurden die Laufgräben eröffnet, und am 30. die Vorstädte mit Sturm genommen. Da der tür- kische Befehlshaber Osman Pascha den am 1. October ihm gestellten Antrag der Übergabo nicht annahm, so liess Loudon die Bcschiossung der Festung fortsetzen. Am 6. October um 8 Uhr Morgens wurde das Feuer auf einen solchen Grad ver- stärkt, dass sich die ältesten Soldaten nicht eines ähnlichen erinnerten. Die Hart- näckigkeit der türkischen Besatzung wurde durch selbes derart gebrochen, dass sie schon um Mittag um einen fünfzehntägigen Waffenstillstand anhielt ; dieser wurde abgeschlagen, und das Feuer mit gleicher Heftigkeit fortgesetzt. Nun übergab Osman Pascha am 7. gegen freien Abzug nach Orsowa die Festung, welche am 9. von den kaiserlichen Truppen besetzt wurde. Reiche Vorräthe an Kriegsmateriale und Lebensmitteln aller Art, nebst 65 Donauschiffen, fielen in die Hände der Sieger, welche diese wichtige Eroberung mit dem geringen Verluste von 1000 Mann erkauft hatten. Kaiser Joseph II. übcrschickto dem greisen Helfen das Grosskreuz des reich mit Brillanten gezierten Thercsicn-Ordcns, welches nur er als Gross- meister zu tragen pflegte; — die Residenzstadt wurde durch drei Nächte freiwillig beleuchtet, und allenthalben erscholl der lauteste Jubel über diese Eroberung, welche leider schon nach zwei Jahren wieder aufgegeben wurde. Nach Belgrads
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Einnahme ergab sich auch Semendria; der Scraskior wurde bis hinter Nissa geworfen, Orsowa eingcschlossen, Gladowa am 9. November genommen, und die österreichischen Truppen breiteten sich bis an den Timok und über die Aluta aus. Da Orsowa ungeachtet einer zwanzigtägigen Beschiessung nicht capitulirtc, so begnügte sich London, diese Festung enge einschliesscn zu lassen, und kehrte nach Wien zurück, um den Berathungen über den künftigen Feldzugsplan beizu- wohnen. Kaiser Joseph II., welcher schon 1787 Lou d o n’s Verdienste durch die Aufstellung seiner Büste im Rathssaalc des Kriegsgebäudes, der des Feldmarschalls Lacy gegenüber, ehrte, starb am 20. Februar 1790; sein Nachfolger, Kaiser Leopold II., schenkte dem Feldraarschall sein unbeschränktes Zutrauen, und über- trug ihm den Oberbefehl über alle seine Heere. Die um diese Zeit eingetretenen gespannten Verhältnisse gegen Preussen machten die Aufstellung einer Armee an der preussischen Grenze nothwendig; es wurde daher beschlossen, gegen die Türken nur defensiv zu verfahren — obwohl seit Leopold’s Thronbesteigung Orsowa und Czettin erobert, und ein türkisches Heer bei Kalcfat geschlagen worden war — dagegen eine Truppenkette an der böhmischen, mährischen und galizischcn Grenze aufzustellen. Loudon bereiste diese im Mai 1790, kehrte dann nach Wien zu wichtigen Berathungen zurück, und begab sich am 18. Juni zum letzten Male zu der Armee in Mähren. Er hatte einen vortrefflichen Plan entworfen, mit den an der Grenze verthcilten Truppen gleichzeitig und unvermuthet in Schlesien einzudringen; doch vor dessen Ausführung erkrankte er so gefährlich, dass alle Kunst der Arzte ihn nicht retten konnte. Zu Neutitschein in Mähren fand er am 14. Juli 1790 das Ziel seines Lebens, aber nicht seines Ruhmes, der ewig in der Geschichte lebt, und von dem Niemand bescheidener als er selbst dachte. „Wir haben,“ sagte er auf seinem Sterbebette, „einen gütigen und edcldenkenden Monarchen: wir werden Friede haben, und so wird man meine Person um so weniger vermissen.“ Loudon’s Leiche wurde über Wien nach Iladersdorf geführt, und daselbst im Schlossgarten am 17. Juli ohno alles militärische Gepränge zur Erde bestattet. Seine Gcmahlinn, vielleicht aus Empfindlichkeit hierüber, licss auf sein Grabmal die Inschrift setzen: „Nec Catsar, nec palria, sed uxor. “ Wenn auch Loudon in Folge der erhaltenen Erzie- hung in wissenschaftlicher Bildung Manchem nachstand, so war er doch bis in sein hohes Alter eifrig bemüht, das ihm ohne sein Verschulden Mangclndo nachzuholen. Überreich ersetzt wurde aber das Fehlende durch das angeborne Fcidherrntalent und seine lange Erfahrung. Tapfer, unermüdlich, unerschöpflich an Entwürfen, welche beinahe immer gelangen, angebetet von seinen Truppen, für welche er väterlich sorgte, der Schrecken seiner Feinde, anspruchslos und bescheiden, im höchsten Grade uneigennützig, war er eben so ausgezeichnet als Feldherr wie als Mensch; seine Verdienste uni den Staat werden eben so wenig der Vergessenheit anheimfallen, als die glänzenden Siege, welche die österreichischen Ilecre unter seiner Anführung erfochten.
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AllENBERG, Karl Leopold Herzog von, k. k. Feldmarschall, Reichs-Fel <1- zeugmcister, geheimer Rath, Ritter des goldenen Vliesscs, Inhaber des 21. Infanterie- Regiments, Grosbailli, General -Capitän der Grafschaft Hennegau etc., war am 4. August 1721 geboren und folgte seinem Vater, dem k. General und Sieger von Dettingen, in der Regierung.
In der frühesten Jugend wurde der Prinz von seinem vortrefflichen Vater zun» Soldaten gebildet, und musste, um den Dienst aus dem Grunde zu erlernen, alle militärischen Stufen durchgehen, ja sogar als Führer im Spital und als Regiments- Adjutant dienen.
Im 24. Lebensjahre erhielt er eine Obersten- Stelle bei dem Infanterie- Regimont Botta Nr. 12 und rückte bald darnach zum General-Major vor; 1754 wurde er Gouverneur von Mons und Inhaber, im Jänner 1755 Feldmarschall- Lieutenant.
Der Herzog zeichnete sich schon bei der Verteidigung von Mastricht vorteilhaft aus. Seine Ruhmbegierde war so gross, dass e»', als die Franzosen zur Belagerung dieser Festung heranrückten, sich in eine Postcalcsche warf, und gerade am Tage vor der wirklichen Belagerung in den Platz eilte, um seinen Muth zu üben und seine Kenntnisse zu erweitern. Mit so vielen rühmlichen Eigenschaften begabt und von dem eifrigsten Wunsche beseelt, seiner Monarchinn nach ganzen Kräften zu dienen, war ihm der siebenjährige Krieg eine will- kommene Gelegenheit.
Schon bei der Erstürmung von Gabel, 13. Juli 1757, unterstützte der Herzog den Genci’al Macquirc auf das beste, und erhielt dann vom Feldmarschall Daun den Befehl, das Corps des preussischcn Generals Wintcrfeld bei Görlitz anzu- greifen und den verschanzten Moysberg einzunehmen. Er vollzog in» Vereine mit General Nädasdy diesen Auftrag mit grosser Umsicht, und führte die gesammte Infanterie mit so viel Klugheit und Tapferkeit an, dass der glückliche Erfolg zumeist auf des Herzogs Rechnung kan». Auch bei der Belagerung von Schweidnitz führte der Herzog das Commando über die Infanterie, und verstand durch seine Tapferkeit den Muth der Truppen so sehr zu entflammen, dass alle seine Unternehmungen glücklich ausgeführt wurden. Iliefür erhielt er das Grosskreuz und rückte am 22. Jänner 1758 zum Feldzeugmeister vor.
Im October 1759 wusste er bei Strehlen dem Feinde dicZufuhi-en zu erschweren, sowie er denn auch bei allen grossen Unternehmungen Daun’s entweder oinen Flügel der Armee oder ein besonderes Corps befehligte. Namentlich muss der blutigen Schlacht bei Torgau erwähnt wci*den, wo der Herzog unsern rechten Flügel com- »nandirte, die Angriffe des prcussischen linken zurückschlug, und sich unerschrocken allen Gefahren aussetzte, bis er verwundet wurde.
Nach dem Friedensschlüsse zum G ou vernour von Mons, 1 7 70 zum F eldmarscha 1 1 ernannt, starb er zu Anguicn in der Grafschaft Hennegau am 17. August 1778.
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MAKSCHALLvon Bibers toi n, Ernst Di etrichGraf,Feldmarschall,gehcimer Rath, Gouverneur der Provinz und Festung Luxemburg, Inhaber des 18. Infanterie- Regiments, geboren zu Burgholdshausen in Thüringen am 31. October 1692, trat mit 18 Jahren als Fähnrich in die Dienste seines Landesherrn, des Kurfürsten von Sachsen, und machtcden Feldzug unter Marlborough in den Niederlanden, später als Adjutant jenen in Polen und Ungarn mit. 1717 nahm ihn der Foldmarschall Seckendorf als Adjutant in kaiserliche Dienste. Bei Messina erhielt er die erste Wunde und rückte zum Hauptmann, 1732 zum Oberst-Lieutenant vor. Im Treffen bei Colomo (1734) nochmals verwundet, erhielt Marschall 1736 als Oberst das Commando des Regiments Fürstenbusch (jetzt Nr. 35) und wurde vor Belgrad General-Major.
Im Erbfolgekricge kämpfte Marsch all bei Czaslau und trug eine dritte schwere Wunde davon, eroberte Tabor (1744) und überkam bei Trautenau (1745) eine weitere Wunde am Kopfe, in deren Folge er einen Theil der Hirnschale verlor, den er durch eine silberne Platte ersetzen musste.
Bald darnach zum Feldmarsehall -Lieutenant befördert, erbaten sich die Holländer den tapferen Marsch all um ihm ihr letztes Bollwerk, Mastricht, welches noch nicht in die Hände der Franzosen gefallen war, anzuvertrauen. Marsch all führte die Verthcidigung vom 16. April 1748 bis zum Aachner Frieden so aus- gezeichnet, dass sein Gegner, der Graf von Sachsen, sagte: „ La paix est dans Mastricht“. Die Kaiserinn ernannte Marschall zum Feldzeugmcister.
Im siebenjährigen Kriege deckte er 1757 Mähren mit einem Corps, und befehligte bei Kollin die Infanterie des rechten Flügels. Im folgenden Jahre verewigte er sich durch die heldenmüthigc Verthcidigung der Festung Olmütz, wofür er das Grosskreuz und die Fcldmarschalls- Würde und 1760 den Grafenstand erhielt. Als Mann von Entschlossenheit, Einsicht und Erfahrung zeigte er sich ganz in seinen Anstalten bei dieser Verthcidigung. Die Werke ausbessern, die Vorstädte wegräumen, Lebensmittel beischaffen, und die unnützen Verzehrer entfernen, war Marschall’s erste Sorge. Die Batterien wurden so zweckmässig aufgeführt, dass sio dem Feinde in Verbindung mit häufigen Ausfällen mehr Schaden zufügten, als er den Belagerten erwiedern konnte. Eine Festung, vor welcher der Feind — und zumal ein Feind wie Friedrich II. — abziehen musste, ist hinreichend, den Namen des Vcrtheidigers auf die Nachwelt zu bringen. Darum konnten auch die Officiere der Garnison ihrem Commandanten lebhaft bezeugen : „dass sic nicht nur von den klugen und tapfern Veranstaltungen tägliche Proben und ein Muster höchst rühmlichor Verthcidigung wahrgenommen, sondern auch dass der Feldzeugmcister sich bei Tag und Nacht jeder Gefahr, wo es dem Dienste nützlich und der Garnison zum Beispiel und Nach- eiferung hat dienen können, nusgesetzt habe“.
Friedrich II. äusserte sich in der Folge gegen den ihm vorgcstelltcn Sohn des heldenmiithigcn Festungs-Commandantcn : „ Je u ai ijue trop b ie n connu Votre
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pöre ä Olmiitzu. Diese schöne Verteidigung hat auch Marsch all die Ehre verschafft, dass man ihn vor der Affaire hei Maxen, da die Belagerung Dresdens zu befürchten war, zur Verteidigung dieser Hauptstadt berief, obschon diese Gefahr bald hernach durch die Gefangennohmung des F i n k’schen Corps abgewendet wurde.
Nach dem siebenjährigen Kriege kehrte Marschall in sein Gouvernement Luxemburg zurück, wo er am 31. August 1771 starb.
LACY, Fr an z M or i tz Graf, Feldmarschall, Ordcnskanzler, Ritter des goldenen Vliesses, geheimer Rath, Staats- und Conferenz-Minister, Hofkr iegsraths-Präsiden t, Inhaber des 22. Infanterie- und 2. Inhaber des 1. Kürassier-Regiments, wurde am 21. Octobcr 1725 zu St. Petersburg geboren. Seine Erziehung erhielt er in Liegnitz und Wien, und trat im 18. Lebensjahre als Fähnrich in die Armee.
Bei Velletri (1744) wurde er durch einen Bajonetstich verwundet; war als Hauptmann in den Schlachten bei Hohenfriedberg und Trautenau und erhielt in der letzten eine zweite Blcssur. Zum Major bei dem Infantcrie-Regimentc Bärnklau (Nr. 49) ernannt, focht Lacy in Italien und in den Niederlanden, und machte die Belagerung von Mastricht mit. Nach dem Aachncr Frieden rückte er zum Oberst- Lieutenant und 1750 zum Obersten bei Anton Colloredo-Infanterie (derzeit Nr. 20) vor.
Bei Lobositz wieder verwundet, war Lacy bereits General-Major und com- mandirte eine Infanterie-Brigade mit so grosser Auszeichnung, dass Fcldmarschall Browne in dem Berichte an die Kaiserinn sagte: „Ohne Lacy wäre an diesem Tage Alles verloren, ohne seine Verwundung Alles gewonnen gewesen“.
Bei Prag deckte fast seine ganze Brigade die Wahlstatt und auch hier wurde er verwundet Bei Breslau trug er einen grossen Thcil zum Siege bei, und bei Lcuthcn, wo Lacy eine fünfte Wunde erhielt, rettete er die Reste der geschlagenen Armee.
Maria Theresia ernannte Lacy bei Eröffnung des dritten Feldzuges zum Gcncral-Quartiermcistcr und Fcldmarschall-Licutenant, und in kurzer Zeit hatte er die neuen ungeübten Soldaten tüchtig einzuschulen verstanden. Die Tage von Ilochkirch und Maxen lieferten die Beweise davon. Lacy hatte für beide Unternehmungen nicht nur die Pläne entworfen, sondern sieh auch an der Ausführung ruhmvoll bctheiligt. Das Grossk re uz und dio Ernennung zum Fcld- zeugmeister wurden ihm als Anerkennung zu Thcil.
Im Jahre 17G0 commandirte Lacy ein selbstständiges Corps und führte unter anderen glücklichen Gefechten, im Vereine mitden Russen, die kühne Unternehmung auf Berlin aus.
Nach der Schlacht bei Torgau schickte ihm die Kaiserinn das Feldmar- schalls-Patont; er lehnte cs jedoch ab, weil er einen älteren General, der sein Freund war, nicht übergangen sehen wollte. Bescheidenheit war überhaupt ein Grundzug seines Charakters.
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Im letzten Feldzüge dieses Krieges befehligte er einen Flügel der Armee und deckte bis zum Frieden von Ilubertsburg die Grafschaft Glatz.
Im Jahre 1765 wurde Lacy Gcncrnl-Inspector der Armee, im folgenden Jahre Feldmarschall und Präsident des Ilofkriegsrathes, 1770 Kitter des goldenenVliesscs und 1774 Staats- und Conferenz-Ministcr. Als Hofkriegsraths-Präsident wendete er alle Sorge der Vervollkommnung des Heeres zu. Neue Reglements für die taktischen Übungen der Truppen, neue Kriegsgesetze und ein neues Verpflegssystem wurden durch ihn geschaffen. Er führte die Excrcierlagcr ein, und alle diese Einrichtungen bewährten sich im bayerischen Erbfolgckriege — Lacy’s glänzendste Epoche — auf das Vollkommenste. In dieser Epoche hatte Lacy die ganze Grösse seiner Kriegskunst gezeigt. Er nahm mit der Ilauptarmce eino so unan- greifbare Stellung, und vertheilte die übrigen Corps auf die gefährlichen Puncte so entsprechend und vorthoilhaft, dass der König von Preussen aller seiner Anstrengung, und der an verschiedenen Orten unternommenen Versuche ungeachtet, nirgends durchdringen, und es nicht einmal nur mit der geringsten Wahrscheinlichkeit eines guten Erfolges zu einer Schlacht bringen konnte. Kaiser Joseph II. schenkte ihm von dieser Periode an das unbedingteste Vertrauen sowohl in Staats- wie in per- sönlichen Angelegenheiten, und der rührende Abschied des Monarchen vor seinem Tode gibt das unzweifelhafte Zeugniss dafür1).
Nach dem Toschner Frieden suchte Lacy seine Einrichtungen im Heere immer mehr zu befestigen, und als der Türkenkrieg zum Ausbruche kam, und der Kaiser mit La cy zur Armee abging, knüpfte man die grössten Erwartungen an diesen. Allein, das eingeführte sogenannto Cordons-System, wonach alle Puncto der aus- gedehnten Grenze gedeckt sein sollten, bewährte sich weder in diesem noch in den folgenden Kriegen; die Kräfte waren zu sehr zersplittert und die Armee nirgends stark genug, um einen entscheidenden Schlag auszuführen; dadurch fiel der erste Feldzug 1788 gegen die Türken unglücklich aus. Am Schlüsse desselben kehrte Lacy nach Wien zurück, um nie wieder im Felde zu erscheinen.
') I)or Brief lautete: „Vienne le 19. Ficrier 1790.
„Mon eher Harichal Lacy ! L' impoi«i6ilitl »eule gui m' emptehe <le Iracer ce * peu de ligne» de ma main „tremblante, m' engage ä me tervir </’ une itranglre, puiigue je voit approcher ä graiuls pat le momenl gut doit „noue »iparer.
^Je te.rai» bien ingrat, »i je »ortai« de ee monde »an» Volt» riitfrer iei, raoit eher nmi , tont lei Sentiment „de reeonnaietanee gue je Vous doi* ü taut de tilret et gue }' ai etc plaitir i> faire voloir vit-ä-ci» de toute la „terre. Oui, ti je »ui» deetnu guclgue ehate , je Vou» le doi», ear Von» m’ are: formt, Vou» m’ ave 3 iclairi, „ Vou» m’aees fait connoitre le* hommes, et oulre eela, toute l'armfe Vou» doit »a formation, ton crldit et *a con- „tidfration. La »ureti de Vo» eotueilt dam toute* le* occasion * , cet attachement pertonnel pour moi , gui ne e»t jamait dimenti dam aucune occation, petite ou gründe, laut eela fait, mon eher Harichal, gue je ne „ pui * altes Vou« reitirer me» remereimen«.
„J’ai v u eouler Vo« lärme» pour moi ; eelle» d’ un grand homme et (Tun sage tont une belle apotogie.
„ Ileceve: , en Vou» embrattant tendremeiit , inet adieux. La «eule cho»e gut je regelte au monde, c' ett „de guilter le petit nombre d' amit dont certainement Vou» Ite* le premier.
„Souvenes Vou» de moi, de Votre p/ut »inclre et ajfcc.tionni
J o * e p k,*
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Nach (1cm Tode des ersten Kanzlers des Ordens, Fürsten von Kaunitz, erhielt er diese Stelle, und bekleidete sie bis zu seinem in Wien am 24. November 1801 erfolgten Ableben.
Bescheidenheit, Mässigung, Selbstbeherrschung und Beharrlichkeit in Durch- führung der Pläne waren Lacy’s Tugenden; von seinem Muthe zeigen die viel- fältigen Blessuren. Ein ausgezeichneter Theoretiker, warLacy in der Praxis weniger glücklich, doch bleiben seine Verdienste um die Armee und den Staat unsterblich. Kaiser Joseph II. erkannte beides und ehrte Lacy dadurch, dass er im Rathssaalc des Ilofkricgsrathes 1783 seine Büste aus Marmor aufstcllcn licss, deren Aufschrift ihn des Kaisers Lehrer in der Kriegskunst und seinen Freund nennt.
KLEINKREUZE.
PLUNKETT, Thomas Freiherr, Feldzougmcistcr und Inhaber des 41. Infan- terie-Regiments. Ein Irländer, im Jahre 1716 geboren.
Frühzeitig in kaiserliche Dienste getreten, wohnte er den Türken- und Erb- folgekriegen bei, und war im Jahre 1746 bereits Oberst und General-Adjutant bei der Armee in Italien, wo er sich durch Umsicht hervorthat. Im April 1747 erschien Plunkett in Genua, um der Stadt die kaiserliche Gnade anzubieten.
In der Schlacht bei Kollin commandirtc er als General-Major die aus den Infanterie-Regimentern B otta(Nr. 12), Deutschmeister (Nr. 4) und Baden (Nr. 23) zusammengesetzte Brigade. Kaum als er diese Regimenter in ihrcEinthcilung rangirt hatte, bemerkte er beim Dorfe Krzeczow eine feindliche Batterie; da er nun hieraus urthcilto, dass dieses Dorf mit Truppen besetzt sein müsse, die seiner Brigade grossen Schaden zufügen könnten, so machte er dem oben vorbereitenden Feld- marschall Daun die Vorstellung, wie es nützlich und nöthig sein würde, die Feinde aus diesem Posten zu vertreiben. Nach der vom Feldmarschall erhaltenen Erlaubnis zum Angriffe, suchte er das Dorf an der Spitze von 3 G renadier- und 3 Füsilier-Com- pagnien zu forciren, musste zwar davon abstehen, nahm aber mit der Brigade eine so vorteilhafte Stellung ein, dass er trotz der doppelten Überlegenheit des Feindes sich darin behauptete. Die Regimenter Baden und Deutschmeister mussten endlich weichen, da stellte sich das Regiment Botta, welches seine Munition bereits ver- schossen hatte, mit gefälltem Bajonet, von Plunkett angeführt, dem Feinde ent- gegen, und harrte so lange aus, bis die anderen zwei Regimenter wieder in Schlacht- linie kamen, und nun vereint mit der eben eingetroffenen Cavallerie den Feind aus dem Felde schlugen. Iliefür erhielt Plunkett das Klein kreuz.
Auch im Verlaufe der weiteren Feldzüge hatte Plunkett eifrige Dienste geleistet und mehrere Male detachirto Corps angeführt, wobei er besonders im Juli 1762, damals bereits Feldmarschall- Lieutenant, viele Ehre erntete, da er durch seine gute Position, auf den Anhöhen bei Humdorf in Böhmen, den
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preussischcn General Kleist, der mit einer grossen Überlegenheit über Einsiedl und Dux eingedrungen war, von aller weitern Vorrückung abhielt, und eine weite Landcsstrcckc vor feindlichen Erpressungen und Plünderungen schützte.
Nach dem Hubertsburger Frieden wurde PI u n k c tt Feldzeugmeister, und im Mai 177U Commandant von Antwerpen, wo er am 20. Jänner 1779 verschied.
REIIBACH, Maximilian Freiherr, Fcldmarschall-Lieutenant, einem adeligen Gcschleehte aus Krain entsprossen, war zu Weissenfels in jenem Hcrzogthumc im Jahre 1706 geboren. Er begann seine kriegerische Laufbahn im 15. Lebensjahre. Nachdem Rehbach den Türkcnkriog 1738 und 1739 mitgemacht hatte, stieg er 1744 zum Major im reducirten Kürassier-Rcgimcnte Kl ein hold auf, focht bei Trautenau und wurde im Jahre 1752 Oberst und Commandant des gleichfalls aufgelösten Kürassier-Regiments Jacquemin.
In der Schlacht bei Kol 1 in stand er mit dem Regimente bei der Reserve des rechten Flügels. Hier bemerkte er, dass das in Gefahr befindliche Dragoner-Regi- ment Württemberg (derzeit Nr. 3) beträchtliche Lücken habe, die dem Feinde es möglich machen könnten , dasselbe zu vernichten und dann mit Vortheil den rechten Flügel anzugreifen. Ohne Befehl warf er sich mit seinen Kürassieren in jene Öffnung, und attaquirte den Feind mit solchem Ungestüm, dass derselbe gänzlich geworfen und der preussischc General Drcskow gefangen wurde. Die Gefahr war kaum vorüber, als frische feindliche Truppen vorrückten. Reh b ach attaquirte mm den Feind zum zweiten Male und schlug ihn wieder zurück. Bei dieser Attaque erhielt er drei Schusswunden, wovon eine durch den Schenkel ihm das Sitzen zu Pferde äusserst schmerzhaft machte. Doch ungeachtet dieser Wunden commandirtc er sein Regiment, bis spät in der Nacht die Schlacht endete, hieb noch fünf Mal in den Feind und blieb jedesmal Sieger. Er erhielt das Kleinkreuz.
Im Jahre 1758 wurde Reh b ach General-Major, 1763 Fcldmarschall-Licutc- nant. Er starb zu Taohau in Böhmen am 30. Juli 1764.
SAINT IGNON, J o h ann Graf, General-Major, zu Pondreey im Luxemburgischen 1721 geboren, trat im Jahre 1736 in das Kürassier - Regiment seines als General der Cavallcrie im Jahre 1750 verstorbenen Vaters, war 1746 Major und im Jänner 1757 Oberst.
Während der Schlacht bciKollin stand er mit dem Regimente (damals Kalk- reuth und 1775 reducirt) hinter dem Infanteric-Regimcnte Erzherzog Karl Nr. 2.
Da forderte Fcldmarschall-Lieutenant Si nc er eden Obersten auf, mit den Kürassieren zu Hülfe zu eilen. Ein tiefer, weit fortlaufender Hohlweg lag vor der Fronte des Regiments. Der Oberst commandirtc ihm zu folgen, und springt voran über den Hohlweg. Doch nur wenigen seiner Leute gelingt es so, und nahe am Feinde
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gerückt, gewahrt er sich von nur 40 seiner Reiter umgeben, während die übrigen durch dcnGrabon abgeschnitten bleiben. Zwei Escadronen des Dragoner-Regiments Portugal (dcrzeitNr. 1), die den Feind so eben fruchtlos angegriffen hatten, kamen zerstreut zurück. Sic kannten den Obersten als einen der bravsten der Armee, und sammelten sich auf sein Zureden um ihn, laut erklärend, dass sie unter seinen Befehlen gern noch einmal angreifen würden. Saint lg non ordnete sic schnell, hieb in den Feind und warf ihn gänzlich, machte ein halbes Bataillon gefangen, erbeutete zwei Fahnen, wovon er eine mit eigener lland nahm, zwei Kanonen und einen Munitionskarren. Aber jetzt wurde Saint Ignon mit seinen Braven von der feindlichen Cavallcrio attaquirt; sie mussten weichen, der Oberst erhielt sieben Säbelhiebe, worunter zwei über den Kopf tödlich waren , und wurde trotz seiner Weigerung, beinaho mit Gewalt, zwischen die beiden Treffen gebracht um verbunden zu werden. Kaum war der Verband vollendet, so licss er sich wieder aufs Pferd heben, und eilte zu seinem Regimcntc, welches er in grosser Unordnung fand. Er bat, ermahnte, drohte; das Beispiel des blutenden Helden wirkte. Noch einmal sammelten sich die Kürassiere und hieben in den Feind. Sie siegten und nach wenigen Minuten war das Schicksal des Tages entschieden. Saint Ignon erhielt das Klein kreuz. Auch bei Leuthen bedeckte er sich mit Ruhm, indem er zwei Stunden unter dem heftigsten Artilleriefcuer Stand hielt. Hier verlor er das linke Auge und liess sich zur Heilung nach Breslau bringen. Bei der Einnahme dieser Stadt gerieth er in Gefangenschaft.
Im Jahre 1 758 wurde S ai n 1 1 g n o n General-Major. Als der König von Preusscn zur Belagerung von Olmütz schritt, musste der Feldmarschall-Lieutcnant dcYillc von Predlitz gegen Raudnitz sich zurückziehen. Da bei Drillitz ein Detile zu passiren war, so wurde der Marsch hiedurch so sehr verzögert, dass beim Ausgangedessclben die preussischen Husaren das Dragoner -Regiment Württemberg erreichten. Als General Saint Ignon merkte, dass es zum Schlagen kommen müsse, griff er die Feinde, bevor sie noch alle aus dem Defild heraus und aufmarschirt waren, so schnell und lebhaft an, dass ein Thcil derselben mit grossem Verluste zurückge- schlagen, und der andere in einen Morast gesprengt wurde. Während eben dieser Belagerung unternahm Saint Ignon, der bei Prerau mit seinem Corps detachirt stand, um die Prcussen jenseits der Morava zu beobachten, auf die zwei feindlichen Posten zu Holitz und Wisternitz am 18. Juni einen Überfall, der dem Feinde einen beträchtlichen Schaden verursachte. Schon am 16. setzte der tapfere General das Regiment Württemberg und das neu errichtete Löwenstein-Dragoner-Regiment, Descwffy-Husaren, ein Regiment der sächsischen Chevauxlcgcrs, oinenPulkUhlanen und dieLikkaner in zwei Colonnen in Marsch, der aber so gut eingelcitct war, dass die Preusscn keine sichere Nachricht davon hatten. Der Feldmarschall Kcith erfuhr zwar etwas davon und liess den General Mayer, der auf diesen beiden Posten com- mandirte, warnen. Auch musste die Truppe in der Nacht vom 17. auf den 18.
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unterm Gewehr bleiben, und cs wurden mehrere Patrouillen ausgeschickt, um Kundschaft einzuholen. Gegen Tag liess Mayer seine Leute zum Ausruhen die Quartiere beziehen, indem weit und breit eine vollkommene Stille herrschte, nirgends ein Schuss fiel und der General glaubte, seine Patrouillen wären so weit, ohne einen Feind anzutreffen, vorgegangen , dass sie noch nicht zurück sein könnten. Allein diese waren durch die vortrefflichen Anstalten so unvermuthet abgeschnitten, umrungen und überfallen worden, dass sic sich ohne die geringste Gegenwehr ergeben mussten. Als daher unsere Truppen mit Anbruch des Tages sich schnell dem prcussischen Lager bei Wisternitz näherten, kam bald Alles in Unordnung: viele wurden niedergemacht , über 20U gefangen, 500 Pferde und der [grösste Theil des Lagers erbeutet. Einen eben so glücklichen Erfolg hatte der Angriff auf den Posten zu Holitz. Die Likkaner kamen der feindlichen Infanterie zu unvermuthet auf den Hals, als dass sich selbe ihrer Kanonen hätte bedienen können, und der Oberst Stainville hieb in die preussische Reiterei mit so guter Wirkung ein, dass gegen 200 niedergemacht , über 100 gefangen und ein Paar silberne Pauken erbeutet wurden.
Auch bei Torgau hatte sich Saint Ignon durch Entschlossenheit hervor- gethan, das Ende des Krieges aber, der ihm so viel Ehre eingebracht hatte, nicht erlebt, da er am 5. Jänner 1763 starb.
SALM-SALM, Max imil ia nF ranz Er nst Prinz zu, Fcldmarscball-Lieutcnant, auch General-Feldwachtmeister des ober-rheinischen Kreises, geboren 28. Novem- ber 1732, vorerst Malteser-Ritter, dann Domicellar des Erzstiftes Köln, verliess den geistlichen Stand, und trat als Ilauptmann in seines (1770 als Feldmarschall- Lieutenant gestorbenen) Vaters Infanterie- Regiment Nr. 14 ein, wo er 1755 zum Major vorrückte.
Bei Ko Hin waren der Oberst und der Oberst- Lieutenant des Regiments commandirt. Salm befehligte daher die zwei Füsilier- Bataillone und zwei Grenadier- Compagnien. Der erste Angriff auf die Preussen gelang; sie verstärkten sich jedoch und brachten den Prinzen mit dem Rcgimonto zum W eichen. Da stürzt er sich in die Mitte desselben, ruft den Soldaten Muth zu, ordnet die Linie und rückt zum neuen Angriff vor. In diesem Augenblicke erhält er drei Blcssuren, die ihn jedoch nicht hindern, wiederholt das Regiment, und diesmal zum Siege zu führen, und drei Geschütze zu erobern. Nun wird er zum vierten Male verwundet und verliert sein Pferd unter dem Leibe. Dessenungeachtet harrt er noch eine halbe Stunde aus, bis er ohnmächtig vom Kampfplätze gebracht werden muss.
Von seinen Wunden noch nicht völlig hergestellt, beeilt sich der Prinz an dem Gefechte bei Görlitz und an den weiteren Vorfallenheitcn dieses Feld- zuges Theil zu nehmen. Er erhielt das KI ein kreuz und wurde zweiter Oberst im Regimente.
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Im Jahre 1758 besetzte SalmTeschen und deckte mit zwei Grenadier-Com- pagnien die Brücke bei Ober -Baden; im September iibcrbrachtc er die in Sonnenstein ei’oberten zehn Fahnen nach Wien, und commandirte 1759 die Arrieregarde bei Aisch, wo er vom Pferde stürzte und gefangen wurde. Noch vor Beendigung dieses Krieges avancirte Salm zum General-Major und ward 1772 Fcldmarschall-Licutenant.
Kurze Zeit vor dem, am 14. September 1773 zu Antwerpen erfolgten, Ableben hatte er das Gouvernement von Luxemburg erhalten.
BOTTA d’Adorno, Jakob Marquis, Feldmarschall, Inhaber des 1. Infanterie- Regiments, einer genuesischen Patricier-Familie angehörig, war 1729 zu Crcmona geboren und im 16. Jahre Fähnrich bei dem Regimente seines Vaters, des Feldmar- schalls und Siegers bei Roddofreddo. Er hatte 1748 der Belagerung von Mastricht beigewohnt, bei Ko llin als Major den unvergänglichen Ruhm des Regiments getheilt, und in dieser Schlacht eine Wunde davongetragen.
In jener bei B rcsla u wurde Botta ausnahmsweise zum Grenadier -Corps commandirt, welches bei dem Dorfe Gross-Mochboer im Angesichto der Preussen und unter ihren Kanonen über den Lohefluss Brücken schlagen und diese , um die feindlichen Verschanzungen anzugreifen, passiren sollte. Botta wurde am ersten gewahr, dass sich jenseits ein preussisches Corps Fussvolk und Reiterei nähere, um unser Unternehmen zu vereiteln. Er meldete dies sogleich dem die Brigadier- dienste verrichtenden Obersten Pellegrini mit dom Beisätze, dass er ungesäumt mit den bei sich habenden Kanonen feuern lassen würde. In der That wurde das anrückcndc preussischc Corps dadurch bald bewogen sich zurückzuzieheu, und der Brückenschlag wurde nun ungehindert vollendet. Indess unsere Truppen den Fluss passirten , rückte jenes Corps neuerdings an , um das Ausbreiten und Formiren der Unsrigcn zu hindern; allein die Standhaftigkeit und das Feuer unse- rer Grenadiere brachten selbes wieder zum Weichen, und wir gewannen eine guto Strecke Terrain. Während nun angehaltcn wurde um die übrigen Colon- nen zu erwarten, bemerkte Botta, dass die Feinde das Dorf Klein-Mochbecr verlassen hatten. Da dieser Posten von grosser Wichtigkeit war , so besetzte er selben nach erhaltener Genehmigung sogleich mit 2 Grenadier-Compagnien, und behauptete ihn mit grosser Entschlossenheit, ungeachtet sich die Feinde gleich darauf alle Mühe gaben , durch wiederholte lebhafte Attaquen den Ort wieder zu gewinnen. Das Kleinkreuz und die im August 1758 erfolgte Beförderung zum Obersten beim 29. Infantcrie-Regimente waren der Lohn für Botta’s aus- gezeichnetes Benehmen.
Später mit dem Regimente bei Maxen thätig, überbrachte er die Nach- richt von diesem Siege nach Wien, kämpfte im Jahre 1760 unter dem Com- mando des Inhabers (Loudon) und pflückte sich bei Landshut (23. Juni) neue
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Lorbern; er unterstützte mit dem Ilegimento die Erstürmung des Buchberges, und griff den Kirehbcrg an, wo die Preusseu alle ihre Kräfte concontrirt hatten; nach der tapfersten Gegenwehr schlug Botta sie endlich in die Flucht und wurde am Schlachtfelde General-Major. Nach dem Feldzuge von 1761 vertraute ihm Loudon das Commando des ganzen Vorposten-Cordons in Schlesien an.
Im Jänner 1771 avancirte Botta zum Fcldmarschall - Lieutenant, und führte beim Ausbruche des letzten preussiachon Krieges (1778 — 1779) ein Commando in Mähren und Oberschlcsien. Im Jahre 1786 zum Feldzeugmeister und eommandiren- den Generalen in Mähren und Schlesien ernannt, blieb er 1790 auf Verlangen Loudon’s bei der gegen die Preussen aufgestelltcn Armee in Verwendung. Nachdem er im Jahre 1798 die Stelle eines Commandirenden niedcrgclcgt hatte, verlebte Botta die Kuhetage zu Brünn, wo er am 17. Jänner 1803 als Feld- marschall starb.
SORO, Johann Graf, Feldzeugmeister, zu Ofen im Jahre 1730 geboren. Sein Vater war der im Jahre 1760 verstorbene Feldmarschall -Lieutenant Johann Sebastian, der im Erbfolgekriegc ein italienisches Frci-Corps errichtet hatte. Der Sohn trat sehr jung in das Militär , und erwarb sich im Erbfolgekriegc unter den Augen des Vaters bei diesem Frci-Corps die erste Anerkennung. Nach Reducirung desselben in das Infanterie-Regiment Deutschmeister übersetzt, rückte Soro im Octobcr 1756 zum Major vor, und erkämpfte sich bei Ko 11 in das Klein kreuz.
Soro hatte mit 1 G renadier-Conipagnien die Flanken seines, dann der Infanterie- Regimenter Ilal ler und Ga isru ck zu decken. Diesen Auftrag vollzog er mit grosser Tapferkeit und dom besten Erfolge, denn so oft der Feind diese Regimenter in der Fronte angriff, warf er sich in seine Flanke und trieb ihn jedesmal mit Verlust zürück. Obschon er nun anfänglich durch den Schenkel geschossen und im nämlichen Fussc blessirt wurde, hielt er doch noch zwei Stunden bei der Truppe aus, bis er endlich ohnmächtig aus dem Gefechte getragen werden musste. Kaum verbunden, hörteer, dass sein Regiment, welches nebst dem Obersten von Mohr eine grosse Anzahl Officierc verloren hatte , zum Weichen gebracht worden sei. Sofort eilte Soro dahin, stellte die Ordnung her und führte dasselbe wieder ins Gefecht, bei welcher Gelegenheit er durch eine Kanonenkugel den rechten Fuss cin- büsstc. Soro wurde auf dem Schlachtfeldc Oberst-Lieutenant. Zu Kriegsdiensten untauglich, erhielt er das Commando in Temeswar und leistete, vorerst bei der Verbesserung der Landeseinrichtung im Banate, dann int Türkenkriege wichtige Dienste, so dass er nach und nach immer weiter befördert, 1788 bereits Fcld- raarschall-Licutenant undCommandircnder im Banate wurde. 1805 zum Fcldzeug- meister ernannt, starb Soro zu Lugos im Banate am 15. Februar 1809, nachdem er 66 Jahre dem Staate mit ganzer Aufopferung gedient hatte.
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BASTEEL, Johann Joseph, Oberst, Niederländer von Geburt, war 1702 geboren. Nach dreissig Dienstjahren hatte es Bastccl bei dem neunten Infan- terie-Regimente Los Bios zum Ilauptmanne (1750) gebracht, und war in der Schlacht bei Prag mit seiner Grenadier-Compagnie unter jener tapferen Truppe, welche den feindlichen linken Flügel schlug. Daselbst schwer verwundet, eilte er, noch nicht hergestcllt, zur Armco des Feldmarschalls Daun und commandirtc bei Ko Hin eine Grenadier-Compagnie zu Pferde. Sein tapferes Betragen brachte ihm mit Übergehung der Majors-Charge die Beförderung zum Oberst-Lieutenant. Bei Görlitz führte er 4 Grenadier-Compagnien zum Angriffe auf den Moysberg, drang einer der ersten in die Verschanzungen und behauptete seine Stellung. Er erhielt dafür das Klei nkreu z, trat dann als Oberst in den Ruhestand, und starb zu Brüssel am 31. Decembcr 1766.
BlETTAGH, Franz Thomas Freiherr, Oberst, aus Lothringen stammend, war zu Plompicr im Jahre 1718 geboren. Seine Laufbahn betrat er im 17. Lebens- jahre als Gemeiner bei dem aufgelösten Kürassier-Regiment Klein hold, focht in der Schlacht bei Krotzka, war 1741 bei der Armee in Böhmen, bei der Vinter- Expedition nach Bayern, und 1745 in den Schlachten bei Striegau und Trautenau, die er als Lieutenant mitkämpfte. Im Jahre 1750 zum aggregirten Hauptmanne bei Savoyen - Dragoner ernannt, erhielt er später die Grenadier- Compagnie des Regiments. Bei dem Ausbruche des siebenjährigen Krieges fand Biettagh in der Schlacht bei Kolli n Gelegenheit zur besonderen Auszeichnung, welche mit dem Klcinkreuzo belohnt wurde. Er hatte in dieser Schlacht bei unserer Infanterie eine Öffnung wahrgenommen, und war sofort über einen Graben und unter dem feindlichen Feuer in dieselbe gerückt. Als hierauf der Feind durch Cavallcrie verstärkt wurde, attaquirtc Biettagh diese, und warf sic über 2000 Schritt zurück ; sodann griff er ein feindliches Bataillon an und zwang dasselbe die Waffen zu strecken. Dadurch gewann unsere Infanterie Zeit, sich völlig in Ordnung zu stellen. Bei der Belagerung von Ncisse 1759 wurde er Oberst-Lieutenant und im Jänner 1760 Oberst. Bei Torgau stand Biettagh in dem Gehölze zwischen Elsnig und Wahlcnhain auf Vorposten , wurde von einigen feindlichen Grenadier-Bataillonen eingcschlossen und von den Z i cthen’schen Husaren angegriffen; muthig wehrte er sich im Rückzuge, sticss jedoch auf das Vortreffen, dann auf die zweite und dritte Linie des Feindes, und musste, nachdem der grösste Theil des Regiments nieder- gemacht war, mit dem Reste desselben sich gefangen ergeben. Später ranzionirt, fand er noch im Jahre 1762 Gelegenheit zur letzten Bravour. Er eilte nämlich am 3. August einem bedrängten Posten unweit Molda mit eigener Mannschaft zur Unterstützung herbei, schlug den feindlichen Major Jemey zurück und machte 30 Gefangene.
Biettagh starb als Oberst in seinem Geburtsorte am 18. October 1768.
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FRANQUET, Em an ucl Alexander Freiherr, Oberst, zu Mons geboren, erhielt nach dem Aachener Frieden eine Fähnrichsstelle bei Savoyen-Dragoner. Am Tage der Schlacht bei Lobositz avancirtc Franquet zum Lieutenant und war der Erste, der sich in dieser Charge das Kleinkrcuz in der Schlacht bei Kollin durch seine heldenmüthige Thnt verdiente.
Das Regiment musste am rechten Flügel der Armee meiner passiven Stellung das verheerende Feuer einer preussischen Batterie aushälten. Es harrte mit Ungeduld des Augenblickes, wo ihm der Befehl zum Angriffe zugehen sollte, zumal bei der zähen Ausdauer seine Reihen sich immer mehr lichteten. Auch die Schwadron des Lieutenants F ranquet hatte bereits seine Officicro verloren, und er das Com- mando derselben übernommen. Unmuthig über den Verlust, den jene Batterie unter unseren Kriegern anrichtete, setzte er sich, ohne weitere Befehle abzuwarten, an dieSpitze seiner Braven, und drang mitten durch das feindliche Geschützfeuer gegen den vom Feinde vertheidigten liavin. Alle Hindernisse bewältigend, gelang es Franquet in kürzester Zeit, diese Verschanzungen zu ersteigen, den Feind zu vertreiben, und zwei daselbst aufgeführte Geschütze und eine aufgepflanzte Fahne als Siegeszeichen heim zu führen.
Im August desselben Jahres zum Capitän-Lieutenant bei O’Donnell- Kürassier (dem heutigen 5. Regiment) befördert, zog sein weiteres ausgezeichnetes Benehmen in der Schlacht bei Leuthen und im Treffen bei Ilochkirch dicAufmcrk- samkeit des Fcldmarschalls Daun auf seine Person, der ihn im November 1758 zum Flügel-Adjutanten, mit der Ernennung zum Major, wählte.
Nachdem Franquet den ganzen Krieg mitgemacht hatte und zum Oberst- Lieutenant befördert worden, trat er im September 1785 mit Obersten - Charakter in Ruhestand, und verschied am 12. April 1788 im 58. Lebensjahre.
NORMANN, Er ns t Freiherr, General-Major, aus Pommern stammend, war 171 7 geboren. Er trat 1732 in Kriegsdienste, kämpfte im Erbfolgckriego und war bei Beginn des siebenjährigen Krieges Major im 47. Infantcric-llegimcntc Harra eh.
Normann commandirte bei der Expedition auf Gabel, 18. Juli 1757, -1 Grenadier-Compagnien, licss das Stadtthor beschlossen und nufhaucn, überstieg das feindliche Bollwerk, drang der Erste in den Platz ein, behauptete sich darin und schloss den folgenden Tag die Bedingungen zur Übergabe ab. Für diese That wurde ihm das Kleinkrcuz zu Thcil.
Bei Breslau blessirt und gefangen, wurde Norm a n n 17 59 aggregirter Oberst, befehligte bei Kunnersdorf 2 Grenadier-Bataillone und eroberte fünf Fahnen; ver- theidigte dann ArnsdorfF mit 3 Bataillonen. 3. September 1700, und benahm sich bei Torgau so wohl, das er in der Relation des Fcldmarschalls Daun angerühmt wurde.
Im Jahre 1763 rückte Normann zum wirklichen Oberst, 1768 zum General- Major vor. Er starb am 2. April 1770.
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BAUER, Elias, Oberst-Lieutenant, zu Mainz 1609 geboren, war im December 1756 Major im Kreuzer Grcnz-Regimcnte.
Im Jahre 1757 vertheidigtc er mit 500 Mann des Regiments Stricgau von 4 Uhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags gegen 3000 Prcusscn, 4 Schwadronen und 18 Geschütze so standhaft, dass er vom preussischen General Kreuz freien Abzug mit Waffen und Gepäck erhielt. Innerhalb dieser Zeit mehrmal aufgefordert sich als Kriegsgefangenen zu ergeben, wollte der brave Major von dieser Bedingung nichts hören; die Prcusscn unternahmen nun dreimal mit heftigem Feuer den Angriff, aber ungeachtet der schwachen Mauern, traf Bauer mit den wenigen Leuten auf allen Seiten eine so standhafte Gegenwehr, dass ihm endlich eine vorteilhafte Capitulation zugestanden werden musste. Nach dieser verpflichtete er sich gegen die Prcusscn, nur 48 Stunden lang nichts zu untornehmen.
In demselben Jahre 17571iattc Bauer imGefechte bei Landshut (14. August) unter General Jahnus ein feindliches Bataillon mit dem Säbel in der Faust ange- griffen und geworfen und für diese Thaten das K leinkreuz erhalten.
Im folgenden Jahre zum Oberst-Lieutenant befördert, kehrte Bauer im April 1759 mit der dritten Colonne von der Armee in die Ileimath zurück, wurde im November pensionirt, im October 1767 aber wieder in das Regiment eingetlieilt, wo er zu Kreuz in Croatien am 6. April 1769 starb.
DOMBASLE, Karl Franz Graf, Feldmarschall -Lieutenant, zu Nancy in Lothringen geboren, trat jung in das 3. Infanterie-Regiment, focht im Türkenkriege, wurde bei Banialuka verwundet und gefangen, und war im 30. Lebensjahre Haupt- mann. Dombaslo kämpte in Italien und Ungarn, avancirto 1742 zum Major und wohnte der Schlacht von Czaslau bei. Schon im folgenden Jahre zum Oberst- Lieutenant und am 5. Juni 1745 zum Obersten und Commandanten des Regiments ernannt, erntete Dombasle an der Spitze desselben bei Striegau, Rocour und Laffeld neue Ehre mit seiner braven Truppe, die er nach dem Aachncr Frieden verfloss, um das Commando in Mons zu übex*nehmen. liier traf ihn im Jänner 1752 die Beförderung zum General-Major.
Der siebenjährige Krieg gab den Grafen Gelegenheit, sich noch verdienst- licher zu machen. Commandant jener Brigade, welche zur französischen Armee unter Marschall d’Etrdc gestossen war, besetzte er mit derselben im März 1757 die Städte Cleve, Mcurs, Ilamm u. a. m. Die Schlacht bei Hastenbeck (26. Juli 1757) brachte ihm das Kleinkreuz. In derselben commandirtc Dombasle das Infanterie-Regiment Sachsen-Gotha Nr. 30 und war an den Wald postirt, welcher von den Hannoveranern zuerst angegriffen wurde. Er schlug nicht nur diesen, sondern auch einen zweiten Angriff zurück, der von zwei feindlichen Brigaden erneuert ward; dadurch gewannen die Verbündeten Zeit, den französischen Flügel zu ordnen und ihr Vorrücken zu beschleunigen. Am 21. October 1758 wurde
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Dombasle von der Reichs- zur Daun’schcn Armee einberufen und zum Feld- marschall-Lieutenant befördert; ervereinigte sich zu Würzburg mit den aus Bamberg entlassenen Reichstruppen unter dem General Rosenfeld, und stellte sich den in Franken eingerückten Preussen entgegen; sodann zog er über Bamberg ins Baireuthisehe, liess einen gelungenen Streifzug aus Sachsen nach Halle (August) unternehmen, kam 1759 zur Hauptarmce, befehligte bei Maxen die zweite Colonne der Infanterie, wurde bei Torgau verwundet, und bewies sich hei allen Gelegen- heiten als ein unternehmender und tapferer General. Er starb zu Mons am 30. December 1775.
KRAMMER von Obercck, Adam FerdinandFrciherr, General-Major, war zu Obereck in Schlesien 1698 geboren. Im 16. Lebensjahre begann Krammcr in der untersten Stufe seine militärische Laufbahn, und war zu Beginn des öster- reichischen Successionskrieges Major bei dem 14. Infanterie-Regimentc Salm. Er leistete während den Feldzügen in den Niederlanden, in Böhmen und Bayern gute Dienste, rückte am 8. December 1745 zum Oberst-Lieutenant und im Juli 1752 zum Obersten vor.
Im siebenjährigen Kriege focht Krammcr mit dem Rcgimente bei Ko Hin, und erwarb sich am Holzberge bei Moys (7. September 1757) das Klein kreuz. Hier griff er mit 5 Grenadier-Compagnien eine verschanzte Batterie an, vertrieb die Bedeckung und erbeutete die Kanonen. Im Jänner des darauf folgenden Jahres wurde Krammer General-Major; er starb am 10. Jänner 1779.
^VaLTHER von Waldenau, Ignaz, General-Major, zu Wien 17 13 geboren, zählte zu den besten .Artilleric-OfTicicron seiner Zeit. Schon im 17. Lebensjahre nahm er Dienste in dieser Waffe, die er später bei vielen Gelegenheiten mit grossem Ruhme zu vertreten berufen war. 1745 bereits Major, kam er nach dem Aachner Frieden als Director in das wichtige Luxemburg, wo er zum Oberst- Lieutenant, und beim Ausbruche des siebenjährigen Krieges zum Obersten vorrückte.
Bei der Belagerung von Schweidnitz im Jahre 1757 commnndirtcW alt her die Artillerie mit ausgezeichnetem Erfolge, so zwar, dass es seiner Energie und Umsicht zuzuschreiben war, dass diese Festung vor der bestimmten Zeit in unseren Besitz kam. Nach erfolgtem Sturme und Eroberung der Aussenwerko, war es Walther, der die feindlichen Geschütze umkehren liess und dieselben gegen die Stadt gewendet hatte. Für diese That mit dem Klcink rcuzc ausgezeichnet, leitete er auch bei Hochkirch (14. Octobcr 1758) die Artillerie und wurde für die erneuert an den Tag gelegten Verdienste zum General-Major befördert.
In der Schlacht hei Torgau (3. November 1760) empfing erden feindlichen linken Flügel mit 200 Geschützen, hatte jedoch das Unglück gleich bei Beginn der Schlacht von einer Kugel getrotfbn zu werden und auf dem Kampfplätze zu bleiben.
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ZORN von Blovslieim, Maximilian August, Feldrnarschall-Lieutenant, zu Strassburg geboren, trat 1735 als Volontär in (las 59. Infanterie - Regiment Leopold Daun, schwang sich während des Erbfolgekrieges zum Major und nach 20 Dienstjahren zum Oberst-Lieutenant empor.
In dieser Charge erwarb er sich das Kleinkreuz am 11. November 1757 bei dem Ilauptsturmo auf das belagerte Schweidnitz. Ohne Aufenthalt drang Zorn mit seinem Bataillon im schnellen Lauf nicht nur in den gedeckten Weg, sondern auch durch einen geöffneton Ausfall bis an die Bögendorfer Rcdoute. Hier eiferte er seine Leute an, diese Schanze zu ersteigen, welches aber, da sie während des Anlaufes die mitgeführten Leitern weggeworfen hatten und dies nur mittelst ihrer in die Mauer gestossenen Bajonete geschehen konnte, sehr beschwerlich und langwierig war, und dem Feinde Zeit verschaffen musste, sich zu erholen und zu verstärken. — Angespornt von einer edlen Ruhmbegierde, nimmt jetzt Zorn einige Freiwillige, läuft unter dem heftigsten Feuer gegen 200 Schritte im Graben zurück und bringt seinen Leuten die Leitern, mit denen sie dann in kurzer Zeit das Fort ersteigen und sich in den Besitz desselben setzen.
Im Jahre 1758 kam Zorn als Oberst in das Artillerie-Fuss-Regiment, nach dem Hubcrtsburger Friedenschlusse aber wieder zur Infanterie, und zwar in das 14. Regiment zurück. 1771 wurde er General-Major, drei Jahre darnach Fcldmar- schall-Lieutenant.
Er starb zu Przemysl am 3. Juli 1774 im 55. Lebensjahre.
RUMMEL von Waldau, Joseph Freiherr, Oberst, aus ei nem alten Geschleckte, war zu Waldau in Bayern 1714 geboren.
Als Hauptmann im 59. Infanterie-Regimente Leopold Daun erwarb ersieh in Folge des Ilauptsturmes auf Schweidnitz (ll.Nov. 1757) das Kl einkreuz. Er war vom General Nädasd y ausser seiner Tour mit 3 Grenadier-Compagnien bestimmt, gleichzeitig mit dem Grenadier-IIauptmanne De V i ns (s. diesen) den zwischen zwei Sternschanzen liegenden Ravelin einzunehmen. Er rückte zu diesem Ende in der Nacht gegen die Pallisaden an das Castell vor. Durch diesen Angriff lenkte Rummel die Aufmerksamkeit und das Feuer der Feinde zwar grüsstentheils auf seine Leute, wodurch er auch gleich anfangs einen Officier und mehrere Mann verlor; allein er verschaffte oben dadurch dem Ilauptmanne Do Yins die Gelegenheit, den Ravelin auf der anderen Seite stürmen zu können. Kaum merkte Rummol, durch das gctheilte prcussische Feuer, dass die Bestürmung auf der anderen Seite angegangen sein müsse, so rückte er mit seiner Mannschaft eilig vor und erstieg ebenfalls den Ravelin, dessen 8 Kanonen sogleich gegen die innere Festung gewendet wurden, nachdem sich die Besatzung als Kriegsgefangene ergeben hatte. N ä d a s d y sagte in seiner Relation von dem braven Ilauptmanne, dass er nach
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kaum erstiegenem Parapet voll Freuden ausgerufen habe: „Ew. Exccllenz! der Rumpiel ist schon hier.“
Noch in demselben Jahre zum Major und 1 760 zum Oberst-Lieutenant befördert, sollte er sich wiederholt bei Erstürmung von Schweidnitz hervorthun, indem er hier mit Oberst - Lieutenant Cal d well (s. diesen) den Angriff auf das Galgenfort couimandirte.
Er trat nach vierunddreissigjähriger Dienstzeit im August 1767 aus der Activität, und starb zu \\ icn am 14. Juni 1789 als Oberst in der Armee.
DE ^INS, Joseph Freiherr, Hauptmann bei Leopold Fälffy-Infanteric, vor Schweidnitz; ward in der 23. Promotion Grosskreuz (s. d.).
IfAllBERG, Graf von Valenzin, Karl, Feldzeugmeister, Inhaber eines Infanterie-Regiments, stammte aus den Niederlanden, wo seine Familie das Erbmarschallamt in Limburg bekleidete, und war zu Delmont im Jahre 1705 geboren. Beim Regierungsantritt der grossen Kaiserinn errichtete er im Jahre 1742 in den Niederlanden das 55. Infanterie- Regiment, 22 Compagnien und 3000 Mann stark, und wurde Oberst, Commandant und Inhaber desselben. 1743 focht d’Arberg bei Dettingen, kam dann zur Belagerung von Nieuport und rückte im October 1745 zum General-Major vor. Nach dem Aachener Frieden wurde sein Regiment den andern in der Armee an Stärke gleichgestellt.
Im siebenjährigen Kriege commandirte d’Arb erg eine Brigade, avancirte im Jänner 1757 zum Fehlmarschall-Lieutenant, und erhielt für Breslau das Klein- kreuz. Er hatte den Befehl, das Centrum des Feindes, welches in der Fronte durch grosse Yerschanzungcn und auf beiden Flanken mit Rcdouten geschützt war, anzugreifen, was ihm so vollständig gelang, dass er den Gegner aus denselben hinauswarf, 3 Fahnen, 23 Kanonen und Mörser eroberte, und dadurch den gleich- zeitig unternommenen Angriff der Armee auf den rechten und linken Flügel des Feindes wesentlich erleichterte. D’Arberg hatte bei der Ausführung dieses Angriffes so viele Geistesgegenwart und Tapferkeit gezeigt, dass ihm nach geendigter Schlacht derllcrzog von Lothringen und der Feldmarschall Daun in Gegenwart der ganzen Generalität viele Lobeserhebungen und dasZeugniss crthciltcn, dass er an dem glorreichen Siege sehr vielen Anthcil gehabt habe.
Von den anderweitig wichtigen Diensten, welche d’Arberg im Verlaufe dieses Krieges geleistet hatte, ist namentlich der Epoche des Frühjahrs 1759 zu erwähnen, wo er ein Corps kaiserlicher Truppen im Reiche commandirte, und mit gutem Erfolge die besten Anstalten traf, um die in den fränkischen Kreis eingedrungenen Hessen und Hannoveraner aus den alliirtcn Provinzen wieder zu verdrängen.
Graf d’Arberg, noch im Jahre 1760 zum Fcldzcugmcistcr befördert, starb zu Brüssel am 5. Februar 1768.
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PELLEGRDfl, Karl Clemens Graf, Oberst bei Leopold Daun-Infanterie, in der Schlacht bei Breslau. Ward in der 10. Promotion Commandeur, in der 18. Promotion Gross kreuz (s. d.).
SOUHAY, Phillipp Freiherr von, Oberst-Lieutenant, in Lüttich 1713 geboren, begann seine Dienste im 18. Lebensjahre und war 1755 Major bei dem Infanterie- Regimento Niklas Eszterhäzy (Nr. 33).
Bei Breslau erhielt er das Klcinkrcuz. Hier commandirte Souhay das Regiment und rückte dem Infanterie -Regiment© Joseph Eszterhäzy (Nr. 37), welches sich der grössten feindlichen Redoute bei Schmicdcfeld vergebens zu bemäch- tigen suchte und in Unordnung gerieth, zur Unterstützung vor. Dadurch gab er diesem Regimente Luft und Zeit sich zu ordnen, den Officicrcn aber Gelegenheit von den Gebliebenen die Patronen zu sammeln und unter ihre Leute zu vertheilen, denn das Regiment Eszterhdzy hatte sich bei dem Angriffe beinahe ganz ver- schossen. Der zweite Angriff wurde jetzt vereint mit solchem Erfolge unternommen, dass man in der eroberten und behaupteten Vcrschanzung 10 Kanonen und eine Haubitze als Trophäen erbeutete.
Im Jahre 1758 avancirtc Souhay zum Oberst-Lieutenant und wurde 1760 in den Freiherrnstand erhoben. In diesem letzteren Jahre hatte er in dem belagerten Dresden die gefährlichen Posten gut unterstützt, auch im Treffen bei Strehlen sich neuerdings ausgezeichnet. Er starb als Oberst-Lieutenant im Regimente zu Peter- wardein am 29. März 1770.
BÜLOW, Ferdinand Friedrich Freiherr, Feldzeugmeistcr, Inhaber des 45. Infanterie-Regiments, aus Curland stammend, war 1712 geboren. Im 20. Lebens- jahre erhielt er eine Officicrsstcllc bei Hildburghauscn-Infanteric Nr. 8 und focht bei Krotzka, wo er die ersten Proben seiner Bravour ablegtc. 1743 war Bülow Hauptmann und stand mit dem Regimente in Bayern, wo er bei Pfaffenhofen (1745) sich in seltenem Grade hervorthat, so dass er noch am 1. November dessel- ben Jahres mit Übergehung der Majors-Charge zum Oberst -Lieutenant vorrückte. Nun kam er mit dem Regimente zur Armee nach Italien und wohnte der Unter- nehmung in der Provence bei, wo er unter andern im Deeembcr 1746 dem sardinischen General Guilleau bei der Besitznahme der Inseln d’IIouvrd und Margarcth gute Dienste leistete, und im folgenden Jahre bei der Belagerung von Genua thätig war. Nach dem Aachener Frieden ging er nach Curland auf längere Zeit mit Urlaub, und nachdem er am 13. Mai 1751 seine Beförderung zum Obersten im Regimente erhalten, kehrte er am 1. August des darauf folgenden Jahres zur Truppe zurück und übernahm das Regimen ts-Commando.
Der siebenjährige Krieg brachte ihm grossen Ruhm, namentlich bei Lobo sitz (1. October 1756), wo das Regiment sehr bedeutend leiden musste, dann bei Prag
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uml Breslau. Bülow erwarb sieh durch diese vortrefflichen Dienste so vieles V er- traucn, dass er, als sich unsere Armee in Schlesien ausbreitete, zumComraandanten der Stadt Li egnitz ernannt wurde. Bald darauf musste in Folge der Schlacht bei Leuthen der Rückzug nach Böhmen angetreten werden; Breslau überging an die Preussen, und Bülow in Liegnitz wurde von dem Könige selbst aufgefordert, sich mit seiner Besatzung kriegsgefangen zu ergeben: da er doch gegen eine so grosse Übermacht weder sieh würde vertheidigen können, noch irgend her ein Entsatz zu hoffen wäre. Standhaft antwortete Bülow: Wenn nicht der Garnison der vollkommen freie Abzug mit Artillerie, Munition und Bagage zugestanden werde, so sei er fest entschlossen, sich bis auf den letzten Mann zu wehren. Der König bewunderteeine unter solchen Umständen so seltene Standhaftigkeit, und da er aus den bereits getroffenen Yerthcidigungsanstalten wohl sah, dass er im äussersten Falle gezwungen sein würde, nicht nur viele Leute aufzuopfern, sondern auch die Stadt zu zerstören, so gestand er alle verlangten Punctc in einer eigenhändig gefertigten C'apitulation zu. Dies geschah am 28. Decembcr 1757.
Bül o w wurde im Jänner 1758 zum General-Major ernannt und mit dem Ritterkreuze ausgezeichnet.
Bei der Belagerung vonOlmütz brachte er in diese Festung eine Verstärkung von 2000 Mann mit ausnehmender Klugheit, ohne geringsten Verlust, und bewährte sich im Verlaufe der anderweiten Feldzüge bei der Hauptarmee als umsichtiger Führer, was ihm noch im Laufe des Krieges den Fcldmarschall-Licutcnants-Grad eintrug. Im Jahre 1773 wurde Bülow zum Fcldzcugmcistcr ernannt. Er starb zu Brüssel am 19. Juni 1776 als commandircnder General.
DE \ ILLE de Canon, Karl Marquis, General der Cavallerie, stammte aus Lothringen und war zu Nancy 1705 geboren. Schon im 17. Lebensjahre trat er in kaiserliche Dienste bei dem damals bestandenen Kürassier-Rcgimcntc Locatelli, und wohnte dem Feldzüge gegen die Türken 1738 und 1739, dann dem Erbfolge- kriege 1742 bis 1745 bei, nachdem er schon im 39. Jahre Oberst im Rcgimcntc geworden. In den Schlachten beiStriegau und Trautenau zeichnete sich De Villc besonders aus. ImAugust 1751 zum General-Major befördert, erhielt er 1757 eine Brigade bei der Ilauptarmce, und würde in der Schlacht bei Prag wesentlich zum glücklichen Erfolge beigetragen haben, wenn er damals selbstständiger zu handeln verstanden hätte. Als nämlich die Stabs-Officicre des in der Brigade eingcthciltcn Erzherzog