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BEITRÄGE

ZUR

GESCHICHTE DER KREUZZÜGE

VON

REINHOLD RÖHRICHT.

ERSTER BAND.

BERLIN

WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG,

1874.

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h2Qm.mil]

SEINEM LIEBEN, TREUEN FREUNDE,

DEM HERRN

ETIENNE DOUSSIN,

FABRIKBESITZER ZU BUNZLAU

ALS

ZEICHEN UNWANDELBARER FREUNDSCHAFT

ZUGEEIGNET VOM

VERFASSER.

Vorwort.

Der Verfasser tibergiebt hiermit dem gelehrten Publicum den ersten Band seiner „Beiträge zur Geschichte der Kreuz- züge", welche theils durch Ditailforschung , theils' durch Mit- theilung seltener oder noch unbekannter Quellen die historische Erkenntniss jener grossen völkergeschichtlichen Bewegungen fordern sollen.

Das Thema der ersten Abhandlung : „Die Kreuzfahrt des Kaisers Friedrich II.", war schon von Wilken, Schirrmacher nnd Winkelmann im Zusammenhange theils mit den übrigen Kreuzzügen, theils mit der Geschichte Friedrichs in treflfiicher Weise behandelt worden, allein trotzdem schien es geboten, den überaus interessanten Gegenstand einer nach allen Seiten hin sich verbreitenden neuen Durchforschung zu unterwerfen. Der Verfasser suchte diese Aufgabe in einer Programmabhand- lung der hiesigen Luisenstädtischen Realschule (1872) zu lösen ; allein schon im nächsten Jahre erschien von Kestner eine Arbeit über dasselbe Thema, welche in Bezug auf die Quellenkritik manche interessante Beobachtungen enthält , so dass eine aber- malige Durcharbeitung nöthig wurde, zumal auch manches neue Material inzwischen zugeflossen war. Die arabischen Quellen- beiträge, welche Herr Dr. Bernhard Stade, Privatdocent in Leipzig (Beilage A) , und Herr Baron Dr. Victor v. ßosen in Petersburg (Beilage B) , letzterer durch gütigste Vermittlung Sr. Excellenz des Herrn k. k. russischen TWrkl. fStaatsrathes

VI

Dr. A. Schiefner in Petersburg, dem Verfasser mit bereitwillig- ster Güte zur Verftlgang stellten, konnten leider nicht weiter vermehrt werden, zumal die Hoffnung, in der hiesigen königl. Bibliothek ein Tagebuch aus der Zeit Al-Kämils zu finden^ als eine eitle sich erwies und Versprechungen , welche neue Bei- träge in Aussicht stellten, nicht erftlUt wurden. Eben so wenig war es möglich, die Arbeiten Balan's und Galatti's über Fried- rich n. zu beschaffen , und auch die Versuche , durch gelehrte Freunde in Paris aus bezüglichen Handschriften Mittheilungen zu beziehen, schlugen fehl; nur einige Auszüge (Beilage G) aus zwei cypriscfaen Chroniken waren durch die entgegenkom- mende Freundlichkeit des Herrn Dr. Wätzoldt zu erlangen.

Das Thema der zweiten Abhandlung ist seit Wilken (1819) nicht mehr behandelt worden, obwohl im Laufe der Zeit manche neue Quelle und kritische Ausgabe erschienen ist , vor allem aber die Geographie des Kriegsschauplatzes durch die Forschungen von Bobinson , Tobler und Anderen an Sicherheit und Klarheit viel gewonnen bat. Ohne Zweifel hält der Mangel arabischer Sprachkenntniss, die Weitschichtigkeit des Materials und die Schwierigkeit , selbst aus grossen und reich ausge- statteten Bibliotheken die nöthigen, aber oft äusserst seltenen Bücher zu erlangen , viele Historiker von der Bearbeitung ein- zelner Momente oder Epochen aus der Geschichte der Kreuz- züge ab, und dies ist um so mehr zu bedauern, da grade doch in dieser Beziehung noch so unendlich viel zu leisten übrig ist. Allein noch viel mehr ist zu bedauern, dass die wenigsten PublicatioBen der Orientalisten wirklich der Geschichte jener grossen Kämpfe des Orients und Occidents zu gute kommen, dass Schätze wie die Berthere aussehen Papiere in Paris 100 Jahre lang liegen können, ehe man langsam an ihre wissen- schaftliche Verwerthung und Bearbeitung geht , und dass man endlich bei der Ausgabe arabischer Autoren nicht mit unedirten Quellen anfängt , «sondern mit Autoren wie Abulfeda und Ibn

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al-Attr, von denen der eine ganz (von Adler) , der andere theil- weise (von Tomberg) bereits übersetzt vorliegt. Bei allen diesen Schwierigkeiten und Hindernissen ergreift oft das Geftthl einer gewissen Verzweiflung den Forscher, der absolute Vollständig* keit und allseitige Beherrschung des Quellenmaterials erstrebt. Der Verfasser wollte ursprünglich eine Geschichte des ganzen dritten Ereuzzuges schreiben, allein noch fehlt die Ausgabe von den Depeschen Abu'l Fädl's, die Geschichte des Imäd ad- d!n, des Abu ^ma, des Ibn Furät, die vollständige lieber- Setzung der Reisen des Ibn (rubair, die längst erwartete neue Ausgabe des ßadulfus von Coggeshale, kurz noch so viel, dass nur der Theil des vorhandenen Materials, für den Peter- manns Auszüge aus Tmäd ad-dtn verwerthbar waren, zur Herausgabe reif schien. Gleichwohl gereichte es dem Verfasser zur Freude^ dass es ihm durch die Liberalität des Herrn Prof. Dr. Krehl vergönnt war, einen bezüglichen unedirten Brief, welchen freilich Riant (De Haymaro monacho Paris 1865 p. 33 Note 5) schon gekannt, aber nicht weiter beachtet hat, an's Lieht zu ziehen. Das Original desselben, welches ich nach Rianf 8 Angabe in Kopenhagen suchte (dort ist nur eine Ab- schrift) , steht auf den letzten Seiten eines prächtigen Perga- mentcodex (p. 187B 188B), welcher dem 13. Jahrhundert an- gehörig einen Tractat des Atnbrosius enthält und auf der Leip- ziger Paulina (Feller p. 107 No. 16) sich befindet. Ohne Zwei- fel gehört der Brief nach allen äusseren und inneren Merkmalen in die Zeit, die er schildert, allein die Person, ein Chorepisco- pus und Chorherr des heiligen Grabes Namens Wilhelm, ist trotz aller Mühe nicht weiter nachzuweisen gewesen. Ebenso war es unmöglich , alle jene geographischen Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen, welche der Brief enthält. Dass sich manche faetische Unrichtigkeiten, auch chronologische Irrthtt- mßT darin vorfinden, dass endlich so wichtige Thatsaehen, wie die Belagerung von Tyrus, die Freilassung des Königs Guido

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darin ganz übergangen sind, ist wohl schwerlich Beweis flir eine ttbrigens zwecklose Fälschung , vielmehr nur dafür , dass der Verfasser über die Ereignisse manchmal trübe Quellen hatte.

Den dritten Theil dieser Beiträge bilden Auszüge aus Kamäl ad-dln , welche dem Verfasser durch einen Zufall be- kannt wurden. Als er nämlich im Fiühjahr 1 873 in Bezug auf den Nachlass des trefflichen Historikers der Kreuzzüge Wilken iErmittlungen anstellte, erfuhr er durch dessen Sohn, den Ge- heimen Justizrath am Oberkirchenrath Herrn Dr. Wilken, dass zwar die wichtigsten arabischen Excerpte verloren seien, aber von Silvestre de Sacy, dem grössten Orientalisten Frankreichs und seiner Zeit überhaupt, reichhaltige Auszüge aus Kamäl ad-d!n vorhanden gewesen , aber der hiesigen königl. Biblio- thek geschenkt worden seien (Manuscr. gall. quart. 78) . Sofort erkannte der Verfasser, dass jene Mittheilungen aus der Feder des grossen Arabisten um jeden Preis publicirt werden müssten, da die der üebersetzung zu Grunde liegende Pariser Hand- schrift (Bibl. nat. anc. fonds No. 728) bisher weder herausge- geben noch vollständig übersetzt , sondern nur theilweise von ßeinaud für seiüe Extraits und neuerdings von Defrömery (M6- moires I. 25 65) benutzt worden ist, ferner eine vollständige Publication nach dem Plane der Commission für den ßecueil des Historiens in nächster Zeit nicht zu erwarten steht, vor allem aber die grosse geschichtliche Treue und Reichhaltigkeit des betreffenden Werkes bereits von competentester Seite ausser Frage gestellt ist. (Reinaud; Extr. pr6face XX ; Wilken H. Einleit. VH f. ; Freytag, Selecta XXXIV; de Slane im Rec. arabe, pröface LVI f.) Am meisten ist natürlich unser Auszug von Wilken selbst und daraus erst wieder von Sybel und Kugler benutzt worden ; allein der Forscher auf diesem Gebiete wird immer das Bedürfniss fühlen , die Quelle selbst vor sich zu haben.

IX

Was die Person des Autors betrifft, so ist das Nöthige be- reits von de Sacy in der Biographie universelle s. v. Khemal, darnach von Freytag, Selecta, Intr. XXXV XLIV, und von de Slane im Eecueil arabe, pr6face pag. LVI f. gesagt worden, hingegen fehlen die Mittel, alle jene geographischen Schwie- rigkeiten zu lösen, welche sein Werk bietet. Die besten Kar- ten wie die von Rousseau, Bäepert-Moltke, Chesney, Wetzstein, die trefflichsten fieisewerke wie die von Jaküt, von Kremer, Wetzstein, Ainsworth und Ritters Asien, wurden gewissenhaft benutzt, und auch zwei Autoritäten ersten Ranges wie Herr Prof. Dr. Kiepert und Herr Consul Dr. Wetzstein zu Rathe ge- zogen ; allein trotz alledem blieben noch mehrere Unklarheiten übrig, die zum Theil wohl in der Handschrift begründet sein mögen, so dass ich glaubte manchmal durch Conjecturen nach- helfen zu dürfen, zum Theil aber bei unseren immerhin noch mangelhaften Quellen für das nördliche Syrien und Mesopota- mien wohl erst in späteren Jahren ihre richtige Lösung erwarten kann. Absichtlich hat der Verfasser alle historischen Noten zu unserem Autor unterdrückt , weil er sie für eine andere Pu- blication im zweiten Bande dieser Beiträge bestimmt hat, hin- gegen die von Defrömery (in seinen Mömoires I. 35 65) ge- gebene Uebersetzung des Passus aus Kamäl ad-d!n , welcher den ersten Kreuzzug betriflft, mit de Sacy's Uebersetzung genau verglichen und sorgfältig jede Abweichung, auch jede Note unter dem Text unter Beifügung eines D. nachgetragen, weil das be- treffende Werk ganz vergriffen ist und selbst auf grossen Biblio- theken fehlt. Die ursprünglichen Seiten der Handschrift und die französischen Noten von de Sacy sind beibehalten ; letztere geben häufig beachtenswerthe Winke. Während der Verfasser durchgängig das Fleischer'sche Umschreibungssystem trotz der grossen Mühe, welche Setzer und Corrector dadurch hatten, fast vollständig bis auf wenige uns in anderer Schreibung be- quemere Worte angenommen hat , schien es ihm unnütz , die-

ses System in die Uebersetzung selbst hineinzutragen ; hinge- gen ist darin die ältere französische Schreibung wie tems etc. beseitigt worden.

Zum Schluss muss der Verfasser ausser den oben bereits genannten Herren besonders auch dem Herrn Prof. Dr. Flei- scher in Leipzig seinen Dank aussprechen, welcher wie Herr Consul Dr. Wetzstein mit liebenswürdigster Freundlichkeit in einzelnen schwierigen Punkten Hülfe gewährte ; vor allem aber gebührt dem Dirigenten der hiesigen königl. Bibliothek, dem Herrn Geh. Regierungsrath Prof. Dr. Lepsius der wärmste Dank, weil er durch seine ausserordentliche Liberalität die Benutzung jenes grossartigen Instituts in jeder Weise er- leichterte.

Der Verfasser ist bestrebt gewesen, durch strenge und ge- wissenhafte Forschung einzelne Lücken in unserer Kennt- niss der Kreuzzüge auszufüllen, da zusammenfassende Dar- stellungen ganzer Epochen bei dem augenblicklichen Stande der Kritik und der ünzugänglichkeit der arabischen Quellen noch nicht rathsam sind. Die Noten sind zahlreich und ausführ- lich, weil sie eine strenge Controle auf Schritt und Tritt ge- währen, vor allem aber auch den Orientalisten, Germanisten und Romanisten Fingerzeige für einzelne Erörterungen in ihrem Fache geben sollen. An redlichem Fleisse und Opfern aller Art hat es der Verfasser bei dieser seiner Erstlingsarbeit nicht fehlen lassen ; möge sie der Wissenschaft einen Dienst leisten, möge sie auch eine gerechte und billige Kritik erfahren !

Berlin, 15. März 1874.

Röhricht.

Inhalt.

1. Die Kreuzfahrt des Kaisers Friedrich II. (1228—1229) . pag. 1—112

2. Die Kämpfe Saladins mit den Christen in den Jahren 1187

und 1188 112-208

3. Auszüge aus dem Werke Kamäl ad-dins: ,;Die Sahne der

Geschichte Halebs." 208—338

I.

Die

Kreuzfahrt Kaiser Friedrichs des Zweiten.

(1228—29.)

In pancis diebus istis roiraculosd potiuB quam virtuose negotium illnd feliciter (est) peractum, quod a longis retroactis temporibns multi potentes et diversi principes orbU in mnltitudine gentium nee per metum aut quodlibet aliud facere potuerunt.

Brief Friedrichs aus Jerusalem Tom IS. M&rz 1229 bei Pertz Legg. II. 161.

B«b riebt, Beitr&ge.

W' ohl selten hat ein junger Fürst eine glänzende Krone unter glänzenderen Auspieien erlangt, als Friedrich der Zweite von Hohenstaufen. Er, der Sprössling eines Kaiserhauses^ das mit der Curie in stetem Streit gelegen, hatte an ihr und noch dazu ao einem Papste wie Innocenz IQ, dem „pater urbis et orbis",^ einen Freund und Beschützer, der mit der ganzen Wucht seines Armes für das verlassene 2 „Kind Apuliens"^ eintrat und die Völker in Gehorsam gegen seinen Schützling bannte. Eün ohnmächtiger Pilgrim, fast wie ein Abenteurer, zog Friedrich über die Alpen, um das Reich seiner Väter zu erobern, aber die Furcht vor den Flüchen der Kirche, die Hoffnung auf reichere Belohnungen, als sie der karge Otto IV zu spenden gewohnt war, und die Sehnsucht nach den gol- denen Zeiten staufischen Glanzes führten ihm die Herzen des Klerus, der Fürsten und des Volkes zu. Wohl stand noch der Weifenkaiser trotz des Bannes auf festen Füssen, aber die Waffen Frankreichs warfen ihn bei Bouvines mit vernich- tendem Schlage zu Boden, ^ und Friedrich durfte die Früchte eines Sieges ernten, der ihm allein damals nicht gelungen wäre. Ganz ohne Zweifel konnte und musste Friedrich er hat dies selbst später oft ausgesprochen * in allen diesen glücklichen Ereignissen die Hand der Vorsehung erblicken, die in stiller Weisheit ihn aus Noth und Ohnmacht auf den herrlichsten Thron der Erde geführt.^ Wie aber hätte der einundzwanzigjährige

1*

Jüngling die Geflihle seines Dankes gegen Gott und die Kirche in damaliger Zeit anders und besser ausdrücken können , als' dadurch, dass er das Werk der Kirche, die Befreiung des hei- ligen Grabes, wie seine Väter sich zur Pflicht machte ! Als er daher zu Aachen in der Marienkirche am St. Jacobstage (25. Juli) 1215 durch die Hand des Erzbischofs Siegfried von Mainz die deutsche Krone empfangen ' und seinen Platz auf dem Stuhle Karls des Grossen eingenommen hatte, legte er nach der Messe zur Verwunderung Aller ^ das Kreuzgelübde ab und ermahnte die Grossen, seinem Beispiel und den Worten der Kreuzprediger ^ zu folgen. Allerdings hatten schon am 1. Mai auf dem CoUoquium zu Andernach, das er, ehe noch Aachen ihm die Thore geöffnet, mit rheinischen Edlen gehal- ten, mehrere Fürsten, wie Herzog Ludwig von Bayern, femer viele Grafen und Ritter das Kreuz genommen, ^^ aber der mit der unmittelbaren Frische jugendlicher Begeisterung ausge- sprochene Vorsatz des Königs gab dem Kreuzgelübde e^st eine gewisse tiefere Weihe und wirkte hinreissend wie das Beispiel des ersten Friedrich auf der „curia Christi" zu Mainz. Sofort folgten seinem Beispiel der Erzbischof Siegfried von Mainz, ^^ die Bischöfe Hugo von Ltittich, Egbert von Bamberg, *2 Ulrich von Passau, 13 die Herzöge Otto von Meran, Heinrich von Lim- burg, ^* Heinrich von Brabant, *^ Theobald von Lothringen, ^^ der Pfalzgraf Rudolf von Tübingen, ^^ der Märkgraf Hermann von Baden, IS die Grafen Ludwig von Los,*'-* Wilhelm von Jü- lich, Heinrich von Sayn,2o Adolf von Berg^» und sehr viele andre Edle mehr. Die folgenden Tage sass Friedrich von früh bis spät in der Marienkirche, wo die Kreuzprediger mit feuri- gen Zungen zur Kreuzfahrt aufforderten, um deren Eifer zu beleben und den Eindruck ihrer Predigt bei der Menge zu er- höhen, und viele Tausende legten in Folge dessen das Kreuz- gelübde ab. Ausserdem aber veranstaltete er noch die Fest- lichkeit der Umbettung der Leiche Karls in den von den Aa- chenern dazu geschenkten, reich verzierten Sarkophag. Er selbst nahm, nachdem er sich des Königsmantels entledigt, den Hammer und schlug die Nägel eigenhändig ein (27 . Juli) . Zu

gleicher Zeit wurde auch an anderen Orten Deutschlands, 22 besonders aber mit grossem Erfolge in Frankreich 23 und Eng- land 2* das Kreuz gepredigt, und es schien, als ob beim näch- sten Kreuzzug das Abendland über noch imposantere Massen gebieten werde, als jemals zuvor. Damit jedoch diese neue Unternehmung nicht durch Unordnung ins Stocken gerathe, gab das grosse, glänzende Lateranconcil, das Innocenz III am 11. November 1215 eröffnete und nach drei Sitzungen schloss, höchst umfassende und klare Bestimmungen, die später fast bei jeder von der Curie angeregten Kreuzfahrt massgebend ge- blieben sind. 25 Aus dem Oriente selbst kamen von den Tem- plern die rosigsten Berichte, fast, als ob sie dadurch die Kreuz- fahrten hätten zurückdrängen wollen, 26 in Spanien waren die Saracenen den Christen unterlegen, 2' dazu stand an der Spitze der Christenheit ein Papst wie Innocenz III und ein frischer, jugendkräftiger König, den bald die Kaiserkrone schmücken sollte; kurz Alles schien Ende 1215 günstig und glücklich sich dazu zu vereinigen, dass die am 1. Juni 1217 von Brindisi und Messina aus projectirte Kreuzfahrt endlich die gänzliche Be- freiung des heiligen Landes aus den Händen der Muslimen be- wirken werde. Unermüdlich war Innocenz für den Kreuzzug thätig, gab selbst aus seiner eignen Kasse reichliche Mittel zum Opfer, und wie schön und erhaben mochte ihm der Augenblick dünken , den er so sehr ersehnte , wo er das absegelnde Heer derKreuzfahrer von der Meeresküste aus mit dem apostolischen Segen weihen könnte, um das Land zu befreien, „wo Seine Füsse gestanden"! Doch schon am 16. Juli 12162» unterlag der gewaltige Mann einem Fieber zu Peragia, als er gerade durch Ober-Italien eine Reise machen wollte, um den Kreuz- zugseifer der Lombarden zu erwecken. Ihm folgte der bishe- rige Cardinalpresbyter Cencius Savelli, der unter dem Namen Honorius in die Tiara nahm. Er war kein Nepotist, wie sein Vorgänger, kein Freund energischer, schneidiger Massregeln, aber ein Mann von reicher, praktischer Erfahrung und voll milden, versöhnlichen Geistes, der gern vermittelte und Frie- den stiftete, wie sein Wahlspruch : „Ich will lieber mit Milde

als mit Strenge vorgehen" und seine ganze spätere Wirksam- keit erkennen liess. War er somit in seinem Charakter und Auftreten das Gegentheii von seinem straffen Vorgänger, so theilte er doch mit ihm ganz die aufopferungsvolle Hingabe an die Sache des Kreuzes, ja, wenn man die erdrückende Summe seiner auf die Kreuzfahrten bezüglichen Decrete erwägt , so darf man kühn behaupten, dass wohl keiner seiner Vorgänger oder Nachfolger ihm an redlichem oder wohlgemeintem Eifer hierin gleich gekommen ist. Bald nach seiner Inthronisation (24. Juli) stellte -er in einem umfassenden Rundschreiben die Noth und das Elend der Christen im heiligen Lande dar, for- derte zu einmüthiger Hülfe auf und gab in Bezug auf die Ein- sammlung und Vertheilung der Kreuzsteuem die bestimmtesten Anordnungen und Befehle, ^o Indessen geschahen nur sehr ge- ringe Zurüstungen, und Friedrich, auf den vor allen Dingen Honorius seine Augen richten musste, war beim besten Willen nicht im Stande, den Weifenkaiser im Rücken, ohne Vollbesitz der königlichen Macht, am 1. Juli 1217 seine Kreuzfahrt an- zutreten, abgesehen davon, dass ihn auch nicht das Verspre- chen eines bestimmten Termins band. Honorius seinerseits sprach auch keine Aufforderung an Friedrich aus, das zu Aa- chen abgelegte Gelübde zu erfüllen, bis dieser selbst im Beginn des Jahres 1217 die Initiative ergriff, indem er bei Gelegenheit seiner Beileidsbezeugung über den Tod Innocenz III durch den Abt Ulrich von St. Gallen, den Markgrafen Wilhelm von Mont- ferrat, einen Speyerschen Dekan und den Castellan. von St. Miniato mit Honorius über die Kreuzangelegenheit conferiren liess. 31 Als nun im Frühjahr 1217 Andreas, König von Un- garn, sowie die kölnisch-friesischen Pilger ihre Kreuzfahrt an- getreten, als hierauf das Kreuzheer vorDamiette sich festlegte, schrieb Honorius an ihn und drang auf baldigen Antritt seiner Kreuzfahrt. Friedrich schrieb hierauf am 12. Januar 1219 von Hagenau,^^ dass er auf dem am 14. März zu Magdeburg ange- setzten Reichstage die Kreuzzugsangelegenheit energisch be- treiben wolle, zumal er besonders durch den Tod Otto's IV in den unzweifelhaften Besitz der königlichen Macht gekommen

sei, und bat den Papst, alle Prälaten und Fürsten, welche da» Kreuz genommen, in den Bann zu erklären, wenn sie nicht bis zum Johannisfeste 12t 9 ihr Kreuzgelübde erfllllen würden. Honorius kam diesem Wunsche Friedrichs durch Bullen am 8. und 11. Februar 1219 nach und setzte den 24. Juni als Ter- min fest,^' ermahnte aber auch in Briefen vom 13. Februar und 18. Mai Friedrich, die Hoffnung, welche die ganze Chri- stenheit auf ihn setze, nicht zu Schanden zu machen. Jedoch schon nach wenigen Wochen erklärte Friedrich dem Papste, er sei nicht im Stande den Termin inne zu halten, und bat um Aufschub. Honorius kam dieser Bitte bereitwilligst nach und setzte als Termin den 1. October fest.^^ Sollte aber Friedrich die Kreuzfahrt antreten, so schien es ihm geboten, in Deutsch- land zur Erhaltung der Ordnung seinen Sohn als König zu hin- terlassen. Er betrieb daher die Anstalten zu dessen Krönung energisch und erklärte auch seine Absichten dem Papste unum- wunden (am 10. Mai 1219) von Ulm aus. Dieser antwortete zustimmend am 14. Juni, worauf Friedrich zwei Tage später erfreut zurückantwortete und erklärte, dass nun die säumigen Fürsten und Prälaten keinen Grund mehr hätten, den Antritt ihrer Kreuzfahrt zu verschieben. 3* Am 6. September erklärte Friedrich von Neuem ^^ dem Papste seine Wünsche in Bezug auf die Krönung seines Sohnes, bat ihn aber gleichzeitig um die Verlängerung des Termins bis zum 21. März 1220. Hono- rius antwortete freundlich, gewährte ihm die erbetene Hinaus- schiebung, machte ihn aber zugleich darauf aufmerksam, dass er nun nicht mehr säumig sein dürfe, um nicht selbst in den Bann ^u fallen, den er von ihm gegen jeden Säumigen verlangt habe. 37 Auf dem Hoftage zu Nürnberg October 1219 bewog Friedrich sehr viele Grosse zur Ablegung des Kreuzgelübdes und zum Antritt der Kreuzfahrt, ebenso war er Anfang 1220 sehr beschäftigt, das Werk des Kreuzzuges zu betreiben ; die Seestädte Unteritaliens empfingen Befehle, die nöthige Zahl von Galeren bereit zu stellen , und die Kreuzprediger halfen durch ihre eindringlichen Predigten des Volkes Eifer für die Kreuzfahrt schüren.^^ Allein schon am 19. Februar 1220 er-

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öffnete Friedrich dem Papste, dass die Fürsten Deutschlands ganz ohne Begeisterung für den Kreuzzug seien, und er in Folge dessen abermals nicht im Stande sei, den Termin innezuhalten. Honorius verlängerte nun den Termin wieder und zwar bis zum f. Mai, erinnerte aber den König streng an seine Pflicht. ^^ Honorius sandte nach Deutschland zur Betreibung des Kreuz- zuges den Scholasticus Konrad von Mainz (16. Februar 1220) mit der Instruction, milde gegen die säumigen Pilger vorzu- gehen, da ja Damiette bereits am 4. November 1219 in die Hände der Christen gefallen, und Hoffnung auf glückliche Be- endigung der Kreuzfahrt- vorhanden war.^^ Der hierauf im April 1220 zu Frankfurt abgehaltene glänzende Reichstag** traf eine Reihe von Anordnungen, wodurch endlich die Kreuz- fahrt in das Reich der Möglichkeit einzutreten schien. Der Termin des Römerzuges, an den sofort die Kreuzfahrt sich an- schliessen sollte, ward festgestellt, viele Tausende wurden durch Friedrich zur Ablegung des Kreuzgelübdes, zu baldigem Antritt ihrer Kreuzfahrt 'angetrieben, und Heinrich zum König erwählt. Honorius zeigte sich mit allen Anordnungen und Be- schlüssen Friedrichs einverstanden, nahm ihn als Führer der neuen Expedition nach dem heiligen Lande in seinen speciellen apostolischen Schutz und lud ihn ein, die Kaiserkrone zu emp- fangen. ^^ Die Kreuzfahrt wurde gleichwohl zu dem von Ho- norius bestimmten Termin unmöglich (wir ersehen aus den Quellen nicht, warum), weshalb dieser dem Kanzler Bischof Konrad von Metz bekannt machte, dass Friedrich nun eigent- lich dem Banne verfallen sei. Trotzdem aber sprach der Papst gegen Friedrich, der eben auf dem Römerzuge sich befand, den Bann nicht aus, sondern legte ihm nur eine Kirchenbusse auf, die Friedrich hinnahm, obgleich er auch gegen die damit verbundenen Drohungen der Curie protestirte. Honorius hatte also wieder umsonst auf Hülfe für das bedrängte Kr«uzheer bei Damiette gehofft und dem Pelagius ^^ vergebliche Verheis- sungen gemacht, aber andrerseits sah er doch auch ein, dass zu einer wirksamen Betreibung des Kreuzzuges die Erhebung Friedrichs zum Kaiser unumgänglich nöthig sei. Mitte Novem-

ber Hess daher Honorius mit ihm durch den Bisbhof NicoUius vou Tasculum und seinen Capellan Alatrin kurz vor Rom unter- handeln,^* worauf Friedrich am Cäcilientage (22. November) feierlich ^ie Kaiserkrone empfing, ^^ aus den Händen des Car- dinais ügolino von Ostia von Neuem das Kreuz nahm'*'^ und sich verpflichtete, August 1221 seinen Kreuzzug anzutreten, ja schon mit dem Märzpassagium Kreuzfahrer nach Damiette dem Christenheere zu Hülfe zu senden. ^^ Diesem von Neuem feierlich wiederholten Versprechen schlössen sich die meisten Grossen (Über 400) an, welche schon früher dasselbe abgelegt hatten, und versprachen, im März 1221 sich einzuschiffen, allein sie segelten meist schon am Ende des Jahres 1220 ab. *^ Fried- rich entwickelte nun eine rastlose Thätigkeit, endlich sein Wort einzulösen. Die Seestädte des Königreichs Sicilien mussten Schiffe bereit stellen, und im Anfang 1221 wurde Ugolino von Ostia nach dem Norden Italiens abgesandt, um Geld und Truppen zu sammeln. ^^ Friedrich selbst erliess ein hoch- klingendes Manifest am 10. Februar von Salerno aus, worin er alle Gläubigen ermahnte > sich um ihn zu schaaren und den Anordnungen des Cardinais Ugolino von Ostia zu gehorchen. ^o Kaum aber hatten die deutschen Edlen ihre Fahrt nach Damiette bewerkstelligt und dort verkündigt, man solle sich vor des Kaisers Ankunft in keine grössere Unternehmung einlassen, ^^ als auch Friedrich immer wieder von allen Seiten neue Fahr- zeuge herbeischaffte, durch Honorius in seinem löblichen Eifer bestärkf und gelobt. ^2

Die Kxeuzzugssteuer , welche bei den Geistlichen den zwanzigsten, bei den Nichtgeistlichen den zehnten Theil aller Einkünfte betrug, floss überall reichlich ein, und Friedrich tibersandte alla diese Summen nach Damiette mit dem Ge- schwader von 40 Galeen, das er unter Admiral Heinrich von Malta, Kanzler Walter von Palearia, dem Bischof von Catania und Marschall Anselm von Justingen nach der ägyptischen Küste schickte , ^^ um auf ihrer Fahrt die Corsaren, welche sich 37 Segel stark gezeigt hatten, aus einander zu treiben und dann vor Damiette zu landen.^* Sie landeten aber erst, als

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die Katastrophe über die unglttcklichen Pilger bereits herein- gebrochen, und Hülfe tu spät war. Das Christenheer hatte nämlich Damiette auf Antreiben des päpstlichen Legaten Pelagius von Albano siegestrunken am 17. Juli verlassen, um direct auf Kairo zu marschiren, aber die Saracenen hatten die Deiche der Kanäle und Flussarme durchstochen und hielten in dem von allen Seiten überschwemmten Terrain das Christen- heer gefangen, wie einen „Fisch im Netze'*. Das Mitleid mit dem armen, dem Hunger- und Wassertode preisgegebenen Volke siegte im Kriegsrathe der Muslimen durch Al-Kämil, der den Christen einen für ihre Lage fast unerklärlich günstigen Frieden gewährte. Dieser ward auf acht Jahre abgeschlossen, also bis 1229, und sollte nur durch einen gekrönten christlichen König aufgekündigt werden dürfen, wogegen die Rückgabe Damiette's und zugleich die gegenseitige Auslieferung der Ge- fangenen erfolgen sollte. ^*

Die Grossmeister der Templer und deutschen Ritter ka- men mit der Nachricht vom Abschlüsse dieses Friedens nach Damiette und verursachten durch die Meldung, dass Damiette sofort geräumt und den Muslimen übergeben werden müsse, unter den Pilgern nicht nur Trauer und Niedergeschlagenheit, sondern sogar Zwietracht , die in offnen Kampf auszubrechen drohte. Admiral Heinrich und Marschall Anselm empfingen die Boten dieser Nachricht mit den bittersten Vorwürfen , dass man im Hauptquartier Friedrichs Geheiss, vor dem Eintreffen seiner Truppen nicht die Offensive zu ergreifen, unljpachtet gelassen, und zu den Deutschen traten sämmtliche Pilger der italienischen Städte, deren Handelsinteresse durch die Räumung Damiette's auf das empfindlichste geschädigt werden musste. Dagegen bestanden die Templer, die Hospitaliter, die Fran- zosen, Griechen, Syrer und Armenier darauf, dass die Rück- gabe Damiette's sofort erfolgen müsse. Mit Mühe ward Blut- vergiessen zwischen den Parteien verhütet , und Damiette am 7. September geräumt. Natürlich war in den Augen der Curie nicht der blinde, unbesonnene Eifer des päpstlichen Legaten, sondern Friedrichs Nachlässigkeit Schuld an dem unermess-

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liehen Unglück, und Honorius sowohl ^^^ wie sein Nachfolger Gregor IX klagten den Kaiser direct deshalb ^^ an, obwohl Friedrich durch seine Gesandten seine Unschuld aufs klarste darthat.^^ Von Neuem und heftiger wie zuvor drang nun Honorius in den Kaiser, sein Gelübde zu erfüllen. Er sandte den Bischof Nicolaus von Tusculum^^ im December 1221 nach Catania, von wo beide 1222 nach Italien zurückkehrten, um in Veroli wegen des Kreuzzuges zu unterhandeln (12.— 27. April) . Friedrich verhiess die Abhaltung eines Congresses zu Verona und schwor, an dem vom Papste ihm zu bestimmenden Termin abzusegeln. Diese Unterhandlungen wurden fortgesetzt zu Ferentino, wo Friedrich mit Honorius Anfang März 1222 zu- sammentraf. ^ Er beschwor hier von neuem sein Kreuz- gelübde und empfing einen neuen Aufschub fUr dessen Aus- führung bis zum 24. Juni 1225.6a Zugleich wurden Vor- bereitungen für eine zweite Vermählung Friedrichs getroffen ; er sollte nämlich Isabella, die Erbtochter des Titularkönigs von Jerusalem, Johannes von Brienne,^^ heirathen. Dieser Vor- schlag war nach jeder Seite hin acceptabel; denn Friedrich wurde dadurch Erbe der Krone Jerusalems, und die Curie hatte darin eine neue Garantie für die Erfüllung des Kreuzgelübdes. Honorius berichtete nach allen Seiten hin von der bevorste- henden Kreuzfahrt, und zugleich zogen wieder Kreuzprediger durch die Länder und verkündigten, trotzdem nur traurige Ue- berreste der fiüher stolz ausgezogenen Heere zurückgekom- men, von neuem eine Kreuzfahrt, die aber diesmal der Kaiser selbst führen würde. ^^ Diq Frist, die Friedrich bis zum An- tritt seiner Kreuzfahrt bewilligt worden, kam diesem inzwi- schen sehr zu Statten. Auf Sicilien nämlich tobte seit 1222 ein furchtbarer Saracenenauf stand. Eine Flotte Friedrichs be- setzte den Schlupfwinkel der Saracenen, die Insel (jarba,^^ er selbst brach in Sicilien Burg auf Burg ^^ und verpflanzte die Empörer nach Luceria.^^ Trotzdem nahmen die Rüstungen zum Kjreuzzttge ihren ungehinderten Fortgang. Im Frühjahr 1 224 standen 1 00 Galeen und 50 grosse Lastschiffe bereit zur Auftiahme von 10,000 Streitern und 2000 Rittern, und Fried-

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rieh bot den Kreuzfahrern alle möglichen Vortheile , wie freie Ueberfahrt und Darreichung von Lebensmitteln, jedenfalls um Kreuzfahrer zu locken. ^'^

Dass dies allein der Zweck seiner Anerbietungen war, ergiebt sich aus den Klagen, die Friedrich über die allgemeine Gleichgültigkeit beim Volke.gegen die zur Kreuzpredigt los- gelassenen Kreuzprediger und deren Worte hören lässt. ^^ Wie das Volk, so waren auch die Höfe gleichgültig gegen die ewigen Nothschreie der Kirche, denen Tausende erst vor» Kurzem ge- folgt waren, um hingeschlachtet zu werden.

Johann von Brienne ging werbend nach Frankreich, fand aber dort bei Philipp wenig Gehör, da dieser England fürchtete, und der Krieg gegen die Ketzer in Albigeois näher liegenden Nutzen versprach, als alle. Züge nach dem Osten, von denen jeder immer kläglicher als der andere verlaufen war. ^^ Eben- so erfolglos war sein Besuch in England , wo man ihn wieder mit Misstrauen auf die Gefahren von Seiten Frankreichs hin- wies ^^^ und sich auf Bullen des Honorius berief, wonach alle englischen Kreuzfahrer ihres Gelübdes wegen der Gefahr gegen Frankreich entbunden seien. '^ Friedrich stand somit auf sich allein angewiesen da , ohne die Begeisterung früherer Zeiten hinter sich zu haben, im Gegentheil noch in der Zeit frischer Erinnerung an den nutzlosen Untergang von vielen Tausen- den. Der Deutschmeister Hermann von Salza ward im Früh- jahr (Ende März?) 1224 zu Honorius gesandt, um ihm die Schwierigkeit, unter den vorliegenden Verhältnissen einen Kreuzzug zu Stande zu bringen, klar zu legen und demgemäss ihn zu Massregeln zu veranlassen. '^ Hermann ging von hier aus nach Deutschland , unterhandelte mit König Heinrich auf dem Reichstage zu Frankfurt (Mai),'^ und der päpstliche Legat, Cardinalbischof Konrad von Porto, predigte, wenn auch ohne sonderlichen Erfolg, das Kreuz. '*

Friedrich war durch alle diese Erfahrungen, besonders aber durch die niederschlagenden Berichte des Königs Johannes von Jerusalem höchst muthlos gemacht und er hielt es für das Beste, einfach wieder, ehe der Termin verstrich , dem Papste

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ZU erklären, es sei ihm unmöglich sein Wort zu halten. Um jedoch einen gewissen Druck auf Honorius auszuüben , berief er alle Prälaten des Reiches in Apulien zu sich und hielt sie so lange bei sich fest, bis Honorius aufsein^ Nachricht von der Unmöglichkeit , die Kreuzfahrt anzutreten^ gütig geantwortet und die Eröffnung neuer Verhandlungen in Aussicht gestellt hatte. ''^ Der Papst, welcher gerade damals in Folge eines' Aufstandes der Römer im Exil war, gab nach. Am 25. Juli 1225, dem zehnten Jahrestage seiner Krönung zu Aachen, wo Friedrich das drückende Kreuzgelübde abgelegt hatte, kam zwischen dem Kaiser, in dessen Umgebung sich König Johann, Herzog Leopold von Oestreioh, Herzog Bernhard von Kämthen, Herzog Raynald von Spoleto , der Patriarch Gerold von Jeru- salem, sowie die Bischöfe Egbert von Bamberg , Eckhard von Merseburg, Wilbrand von Paderborn , Konrad von Regensburg befanden, mit den päpstlichen Legaten, denCardinälenPelagius von Albano und Gualo von St. Martin, zu San Germano nach- folgender Vertrag zu Stande'^: Der Kaiser empfängt einen neuen Aufschub bis August 1227, aber scliwört imd lässt den Herzog Raynald von Spoleto „in seine Seele'' schwören , dass er diesen Termin einhalten und 2 Jahre lang für das heilige Land 1000 Ritter und für jeden 3 Pferde, ausserdem aber 100 grosse Lastschiffe und 50 Galeen halten und jeden fehlenden Mann in seinem Heere mit 50 Mark bttssen wolle. Sodann hat er für das heilige Land in 5 Raten 100,000 Unzen Gold an den König Johann, den Patriarchen Gerold und den Deutschmeister zu zahlen, und zwar sofort 20,000 und im März und August 1226 und 1227 jedesmal wieder 20,000. Diese Summen wer- den ihm zurückerstattet , wenn er wirklich abfährt, verfallen aber zum Nutzen des heiligen Landes, wenn er vor dem Termin der Kreuzfahrt stirbt ; im letzten Falle ist dessen Nachfolger zur Erfüllung des Kreuzgelübdes Friedrichs verpflichtet. Er- füllt Friedrich sein Gelübde nicht, so ist er ohne Erbarmen dem Banne verfallen.'* Nach diesem Schwüre Raynalds ward Friedrich feierlich von dem Eide von Veroli entbunden , reiste schnell nach Apulien und erliess an die Klöster des König-

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reichs durch seine Justitiarien Peter Ebuli und Nicolaus von Cicula Befehle , ihm die Kreuzzugsteuer einzuzahlen ; dem Kloster vom Monte Cassino wurden allein 1200 Unzen abge- fördert.

Bald nach diesem Vertrage sandte Friedrich den Admiral Heinrich von Malta sowie den Bischof Jacob von Patti (im ^August) mit 14 Galeen nach ' Akkä, um seine Gemahlin Isabella ihm zuzuführen. Die syrischen Barone .empfingen die Cre- sandten vollzählig; der Mandatar des Königs Johannes von Brienne, Guy Lenfant, Johann von Beirut, der Regent von Cypem, und der Connetable Odo von Montbeillard leiteten die Empfangsfeierlichkeiten. In der heiligen Grabeskirche zu 'Akkä überreichte Jacob von Patti an Isabella den Verlobungs- ;, ring im Namen seines Souverains, worauf sie auf Befehl ihres Vaters zu Tyrus durch den Patriarchen von Jerusalem zur Königin des Reiches gekrönt wurde. Der Adel und Klerus huldigten ihr und veranstalteten 15 Tage lang grosse Festlich- keiten, bei denen Turniere, Gelage und Revuen abwechsel- ten. 'S Begleitet von Balian III von Sidon, Erzbischof Simon von Tynis und vielen Würdenträgern , verliess sie Syrien und landete im October zu Brindisi , wo am 9. November 1225 die feierliche Vermählung erfolgte. Allein das Hochzeitsfest ward durch einen Zwischenfall gestört, welcher die Veran- lassung zu der erbittertsten Feindschaft zwischen Johann und Friedrich wurde. Friedrich verlangte nämlich sofort von seinem Schwiegervater die Abtretung des Reiches und seiner Rechte, da durch die Hand der Erbin er jetzt Besitzer der Krone Jeru- salems sei. Johann war bestürzt über diese Forderung, da, wie erzählt wird, ihm von dem Deutschmeister die beruhigend- sten Versicherungen in Bezug auf den Fortbesitz seiner Krone gemacht worden waren; aber da er nichts dagegen zu thun wagen konnte^ „gehorchte er".*^ Ausserdem erhob Friedrich als König von Jerusalem Ansprüche auf die von Philipp dem „Könige von Jerusalem" hinterlassenen Summen. Aufs höchste erbittert schieden beide Theile; Friedrich ging, ohne Johann davon in Kenntniss gesetzt zu haben, nach Foggia. Johann zog

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ihm nach; und es kam hier zu höchst erregten Debatten; allein Friedrich blieb bei seinen Forderungen stellen und Hess sich, damit kein Zweifel über sein Recht entstehe , während Johann nach Eom ging, um Himmel und Hölle gegen ihn in Bewegung zu setzen, ®^ Ende 1225 zum König von Jerusalem krönen. ^2 Er empfing hier den Eid der Treue aus den Händen der syri- schen Magnaten, welche mit Isabella herübergekommen waren, und sandte, um ihn den in Syrien zurückgebliebenen Baronen und Prälaten abzunehmen , den Bischof Eicher von Melfi mit 300 Rittern ab. S3 Allein der Adel und Klerus des König- reichs Jerusalem war mit Friedrich nicht zufrieden ; denn nach den Assisen des Reiches sollte der König im Reiche selbst residiren ; dazu war es ihnen ausserdem klar, dass Friedrich Isabella nur, weil sie E r b i n war, geheirathet habe . ^* Ebenso war Hottoriuß nicht mit Friedrichs Auftreten zufrieden ; er hat ihn nie „König von Jerusalem" genannt , und sein Nachfolger Gregor erst nach vielen Jahren. ^^ Indessen wandte Friedrich seine ganze Thätigkeit auf die Zurüstungen zum Kreuzzuge. Am 1. Februar 1226 forderte er die Friesen dringend auf, dem Kreuzzuge sich anzuschliessen,^^ und schrieb auf den 6. März einen Reichstag nach seiner treuen Stadt ^^ Cremona aus, wie es hiess, um den Kreuzzug zu berathen und die bereits am Tage der Kaiserkrönung promulgirten scharfen Ketzergesetze zur Durchführung zu bringen.

Die lombardischen Städte wussten, dass unter dem Titel einer Ausführung der Ketzergesetze Friedrich nicht als der weltliche Arm der Kirche gegen ihre antikirchlichen Richtungen zu Felde ziehen wollte, sondern dass er sich dadurch nur zu decken und ihren politischen Freund, den Papst, als Hüter der alleinseligmachenden Lehre gegen sie als Ketzer mit sich fort- zureissen beabsichtigte , um ihren Stolz und Trotz endlich in Gehorsam gegen das kaiserliche Regiment zu beugen. Allein trotzdem blieben die Städte und der Papst in bester Freund- schaft. Auf Betreiben des Letzteren schlössen die Lombarden sich fester denn je zu einem Schutz- und Trutzbündniss zu- sammen und. knüpften, da sie gegen die Schwäche der kaiser-^

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liehen Heere sich ihrer Macht und Stärke wohl bewusst waren, ihre Unterwerfung an die schmählichsten Bedingungen. Bei den im Sommer 1226 zu Parma, Borgo San Donino undCremona gepflogenen Berathungen standen sämmtliche Prälaten des Reiches einmüthig und treu zum Kaiser gegen den Ungehorsam der trotzigen Lombarden, besonders da durch sie die Ketzerei begünstigt und eine energische Betreibung des Kreuzzuges un- möglich werde.

In letzter Stunde endlich schlug Konrad von Urach , Car- dinal von Porto, einen Einigungsversuch vor, und Friedrich acceptirte bei seiner militärischen Schwäche im wesentlichen die durch Konrad mit den Lombarden verabredeten Paragra- phen ; allein als der Tag der Ratification herangekommen war, hatte kein einziger der lombardischen Deputirten sich einge- stellt, und die kaiserlichen Commissare mussten unverrichteter Sache zurückkehren.^^

Am 11. Juli 1226 verlas in Folge dessen der Bischof Kon- rad von Hildesheim in der Cathedrale von San Donino zunächst die Bulle des Papstes vom 16. Februar 1220, wonach er mit der Kreuzpredigt beauftragt und ihm das Recht, alle die, welche den Kreuzzug hindern würden, zu excommuniciren, verliehen war, und sprach hierauf gegen den Markgrafen von Montferrat, den Grafen Gottfried von Blandrata , sowie gegen die Städte Mailand, Piacenza, Vercelli, Bologna, Faenza, Alessandria, Turin, Lodi, Bergamo, Brescia, Mantua, Verona, Padua, Vicenza, Treviso als Störer des Kreuzzuges den Bann und das Interdikt aus.^^

Hierauf fWgte Friedrich die Acht hinzu und widerrief alle seit dem Constanzer Frieden gemachten Concessionen. Trotz- dem blieb Alles beim Alten, und die Curie war nicht zu ener- gischen Massregeln gegen die Lombarden zu bewegen. Erst nach langen Unterhandlungen gelang es Friedrich , den Papst zu veranlassen ins Mittel zu treten, aber nur, um einen kümmer- liehen Vergleich zwischen den Städten und dem Kaiser zu ver- suchen. Honorius befahl in seinem Richterspruch vom 5. Januar 1227, dass die Lombarden sich mit dem Kaiser vertragen, die

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kaiserlichen Ketzergesetze achten und zum Kreuzzuge auf 2 Jahre 400 Ritter stellen sollten, ^i Hierauf widerrief Konrad von Hildesheim den Bannfluch gegen die Lombarden, Friedrich die Acht , und der Papst nahm den Kaiser in seinen aposto- lischen Schutz. ^^ Honorius erlebte jedoch die Ratifikation^^ des Vertrages nicht, er starb am 18. März 1227/^* Indessen hatte Friedrich den Deutschmeister Herrmann nach Deutsch- land abgesandt und zur regen Betheiligung am Kreuzzuge auf- gefordert, zumal die Einigung mit den Lombarden nahe sei. Ebenso sandte er Schreiben gleichen Inhalts an den Land- grafen von Thüringen und den König von Ungarn und bat sie, im August 1227 sich zur Abfahrt einzufinden. Q* Am 19. März ^^ ward Ugolino von Ostia und Velletri gewählt und be- stieg am 21. den päpstlichen Stuhl. ^' Er war den Jahren nach ein Greis, denn er hatte bereits das achtzigste Jahr tiber- schritten ; aber er war von imponirender Würde und Schönheit, voll jugendlicher Kraft und Energie , und vor allem ein Mann von tadellosem, sittenreinem Wandel und rhetorisch begabt wie Wenige. Er nahm den Namen Gregor (IX) an, und es lässt sich wohl nicht bezweifeln, dass er nach seinem schmiegsamen, freundlich nachgebenden Vorgänger damit der Welt und vor allem dem Kaiser das Bild jenes grossen, gewaltigen Papstes vor die Seele rücken wollte, der Fürsten und Völker in beben- dem Gehorsam gehalten. Schon am 23. März theilte Gregor seine Erwählung dem Kaiser mit und ermahnte ihn in ernsten Worten,, jetzt sein Gelübde zu erfüllen, widrigenfalls er ohne Gnade dem Banne verfallen werde. Zugleich war die vom 26. März datirte Friedensurkunde der lombardischen Städte am päpstlichen Hofe eingetroflfen ; allein da die Siegel des Markgrafen von Montferrat und einiger lombardischer Städte daran fehlten, wagte Gregor es nicht, sie dem Kaiser, um sich nicht in den allerdings nicht unbegründeten Verdacht heim- lichen Einverständnisses zu bringen , zugehen zu lassen , son- dern übersandte ihm nur eine Abschrift. Zugleich drang er von neuem in den Kaiser, an dem festgesetzten Termine sein Versprechen zu erfüllen; er wenigstens lasse es nicht an Unter-

Böhriclit, Beiträge. 2

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Btützang der Kreuzfahrt fehlen, da bereits an die Prälaten und Kreuzfahrer Deutsehlands die darauf bezttgliehen Weisungen in bestimmtester Form ergangen seien. ^^ Friedrieh seinerseits bedurfte des Stachels nicht ; denn er war in der umsichtigsten und nachdrticklfchsten Weise für die Vorbereitungen zur Kreuz- fahrt besorgt. In den Hafenstädten wurden Schiffe gebaut, ausgerüstet und segelfertig gemacht, von den reichen Klöstern ^^ und der Geistlichkeit wurden die Kreuzzugssteuem erhoben, und nach Deutschland ging der unermüdliche Hermann von Salza, um zu den bereits gestellten 250 Rittern neue zu werben, um die Zahl 1000, wie sie durch den Vertrag von San Germano bestimmt war, voll zu machen. Es gelang ihm auch durch grosse Versprechungen und zumTheil sehr bedeutende Summen Fürsten, Prälaten und Ritter ^^^ für den Kreuzzug zu gewinnen, und die Kreuzprediger halfen durch ihre Drohungen, jeden Pilger, der nicht die Kreuzfahrt mit dem Kaiser antrete, in den Bann zu thun , tüchtig nach ; vor allem aber musste das von Friedrich gemachte Versprechen freier Verpflegung in Apulien und freier üeberfahrt nach dem heiligen Lande besonders die armen Kreuzfahrer locken. So verliessen denn wiederum viele Tausende Weib und Kind, Haus und Hof. Aus Frankreich kamen, weil ja der Kampf gegen die Albigenser dieselben In- dulgenzen gewährte , wie eine Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande, wenig Kreuzfahrer ; aus Marseille soll nicht ein einziges Pilgerschiff abgesegelt sein , ^^^ doch ist die Abreise eines Prä- laten, des Erzbischofs Peter von Narbonne, sicher. Aus Ita- lien betheiligte sich fast nur der kaiserlich-gesinnte Klerus mit seinen Ministerialen ; so werden in des Kaisers Umgebung die Erzbischöfe und Bischöfe von Palermo, Capua, Reggiö und Bari genannt. Hingegen muss die Zahl der englischen Kreuzfahrer sehr bedeutend gewesen sein; denn ausser den Bischöfen v. Winchester und Exeter sollen über 40,000 kräftige Männer ^^^ von dort ihre Pilgerfalui angetreten haben , freilich meist nur Arme, auf denen jedoch „vorzugsweise der Wille des Herrn zu ruhen pflegt" . Hingegen zogen aus Deutschland vorwiegend reiche und angesehene Pilger aus. ^^^ Darunter

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sind zu nennen : der Herzog Heinrieh von Limburg, der Land- graf Ludwig von Thüringen, 1^4 ^ie Bischöfe Gebhard von Passau, Siegfried von Regensburg und Siegfried von Augsburg, femer die adligen Herren : Werner von Bolanden, Heinrich von Neifen, Heinrich von Weida,^^^ Gobert d'AspremontJ^^ß Aus Schwaben kamen : Heinrich und Albert von Reifen , Eberhardt von niereichen , Heinrich von Schwendi , Rüdiger von Stein, Leutfried Hoselin, Eberhard von Beuren, Dietrich von Ingers- heim, Konrad von Würtembei^, Konrad von Haslach, Kuno von Sameran, ferner der Abt Hugo von Murbach , *<>' und aus Thü- ringen im Gefolge des Landgrafen : Graf Ludwig von Wart- burg, Graf Borchard von Brandenberg, Graf Meinhard von Molbefg, GrafHeinrich von Stolberg, Hartmann von Heldrungen, Ludolf von Berlstete, Rudolf von Burgsleben , Rudolf „pincera de Vargila", Heinrich Marschall von Ebersberg, Hermann Truchsess von Schlottheim, Friedrich von T/eflfurt, Heinrich Kämmerer „de Vaure*', Gerhard von Ellende, Dietrich von See- bach, Siegfried Rufas von Spatenberg, Ludwig und Rudolf von Hansen, Heinrich „de Meydeburg'', Reinhard Varch, Bertholdt ^de Mula'*, Bertholdt von Heylingen, Capellan Gerhard „de Nowenburg", der Priester Bertholdt, Verfasser der Reinhards- bnmner Annalen, und Werner, Burgkapellan der Wartburg. it>8 Aus den deutschen Städten brachen ebenfalls starke Schaaren auf; aus Worms kamen 400 Bürger, ^^^ während zu gleicher Zeit die Flotte der Friesen , welche Friedrich noch besonders zum Kreuzzuge aufgefordert hatte, von Borkum absegelte. ^^^ Alle diese Pilgerzüge trafen im Juli in Apulien ein und lagerten in und um Brindisi, um die Abfahrt abzuwarten. Allein die furchtbare Sonnenhitze , die unregelmässige Lebensweise und der Hunger ^^^ ei-zeugten unter der grossen Menge der Pilger, die auf engen Raum zusammengedrängt sich gelagert hatten, eine Seuche, der viele Tausende erlagen, ^^^ darunter auch am 23. August der Bischof von Augsburg. Die Zurttstungen zur Kreuzfahrt, auf eine so hohe Zahl von Pilgern nicht berechnet, erwiesen sich als unzulänglich ; auch kostete das Heranschaffen von Mundvorrath sowie das Einladen des Heergeräths und die

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völlige Ausrüstung der Schiffe immerhin einige Zeit, so dass der ganze August verstrich, ohne dass an eine Abfahrt gedacht werden konnte. Als endlich nun Anfang September wirklich Alles zur Abfahrt bereit war, stellte sich heraus, dass jetzt Schiffe übrig seien ; denn viele Tausende von Pilgern hatten sich aus Mangel, Furcht vor der Seuche und Ungeduld auf die Heimreise gemachte ^-^ Endlich segelte ein Theil der Flotte ab, während der Kaiser noch zurückbleiben musste, da die für ihn und die sicilischen Ritter bestimmten fünfzig Schiffe noch nicht ausgerüstet waren. Am 8. September segelte der Kaiser selbst ab, jedoch schon am 11. musste er. da seine Krank- heit, die er bereits in Brindisi geflihlt hatte, schlimmer wurde, bei Otranto ans Land gehen, um seine Genesung abzuwarten.^** Hier starb am dritten Tage darauf der Landgraf Ludwig von Thüringen. **^ Friedrich tiberliess den Befehl über die Flotte dem Heraoge Heinrich von Limburg und gab dem Patriarchen Gerold von Jenisalem 20 Galeen.*^^ Die Flotte segelte hierauf nach Cypem, landete in Limissol, wo Balian HI von Sidon, Odo von Montbeillard , Connetable des Königreichs Jerusalem, sowie Bohemund IV, der Sohn des Fürsten von Antiochien, mit seiner Gemahlin Alice den Kaiser erwarteten. Alle diese schlössen sich , da sie von der Krankheit des Kaisers gehört, der Kreuzflotte an und segelten nach Syrien zurück. Sofort sandte Friedrich zwei sicilianische Würdenträger , später den Erzbischof von Reggio und Bari , sowie den Herzog Raynald von Spoleto und Graf Heinrich von Malta an den päpstlichen Hof, um den Grund der Unterbrechung der Kreuzfahrt zu er- örtern; aber die Gesandten wurden gar nicht vorgelassen.»" Am 29. September erfolgte der Bannspruch, und am 10. October die Verkündigung desselben in öffentlicher Urkunde.

Es gehört weder Sentimentalität noch Sympathie für den Kaiser, sondern nur eine gewissenhafte Erwägung der Quellen und Verhältnisse dazu, um die Ueberzeugung zu gewinnen, dass mit dem Bann des Papstes eins jener tragischen Geschicke über das Haupt des Kaisers hereinbrach, an denen seine Regie- rung und die seines ganzen Geschlechtes so reich ist. Kein

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rechtschaflfener Forscher wird es bestreiten, dass der Papst in Folge der mehrere Male von Friedrieh feierlich geleisteten Eide und Gelübde formell im Rechte war, zumal in der Urkunde von San Germano für den Krankheitsfall, den Honorius im Vertrage von Dannenberg 1224 bei König Waldemar von Däne- mark vorhergesehen, nichts bestimmt war. Ebenso musste die Langmuth der Curie nach sechsmaliger Hinausschiebung des Termines einmal doch ein Ende finden , da man sich nicht verhehlen durfte, dass der Eifer für den Kreuzzug allmähUg bei Friedrich erkaltet war. Allein die Gerechtigkeit verlangt auch, die politischen Schwierigkeiten zu ermessen , in welche der Kaiser jedesmal gerieth , wenn er zur Ausführung seines voreilig abgelegten Gelübdes sich rüstete , und anzuerkennen, dass die vom überwallenden Gefühl dem königlichen Jüngling eingegebenen Entschlüsse allmählig vor den grossen substan- tiellen Aufgaben des Mannes und Kaisers zurücktreten mussten. Femer ist nicht im mindesten daran zu zweifeln , dass Fried- rich, auch ohne die Geissei des Bannes fühlen zu müssen, sein Wort eYfüllt haben würde, da, abgesehen von der moralischen Niederlage , die ihn im entgegengesetzten Falle schwerer als die damaligen wortbrüchigen , aber von der Curie unbehelligt gebliebenen Könige von England und Dänemark vor der Welt getroffen hätte, ja auch ein Kreuzzug, wie die Curie stets er- kannt hatte , eine Menge politischer Vortheile bot. Ausserdem aber ist der .moralische Hintergrund der päpstlichen Anklage und Verurtheilung kein so reiner , als man aus deren Worten herauslesen könnte. Es ist historisch stark beglaubigt , dass die Krankheit des Kaisers eine schwere war , und Jeder mag bei sich erwägen , ob er , wenn auch gegen den Buchstaben sündigend, ein Unrecht gethan, dass er nicht als Leiche nach dem heiligen .Lande sich hinüberfähren lassen wollte , wobei dieses sowohl, als noch mehr das ganze Reich unrettbar dem sichersten Ruin verfallen wäre. Gleichwohl stand es bei Gregor von vorn herein fest, dass die Krankheit Friedrichs eine fingirte sei, und Gründe für diese Behauptung anzuführen hat er nicht fttr nöthig befunden. Endlich ist nicht zu vergessen, dass der

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Bann des Papstes nicht etwa im vorliegenden Falle der Aus- druck eines heiligen Zornes gegen Treulosigkeit und Eidbruch ist, zu deren Bacher der heilige Gott ihn berufen , sondern als ein im wesentlichen' politischer Act , im Gefühl eines Innern Triumphes vollzogen, aufzufassen ist, weil dadurch die Aus- sicht auf neuen Zuwachs an politischer Macht, auf die Verwirk- lichung der unter Innocenz III der Vollendung nahen Omni- potenz stieg. Pies lässt sich deutlich erkennen aus der Ant- wort Gregors auf die kaiserlichen Versöhnungsvorschläge, worin er die Erfüllung des Kreuzgelübdes wenig berührt, aber als Hauptbedingung für die Wiedererlangung der päpstlichen Huld die Machtstellung der Curie in Sicilien betont und nach dieser Richtung hin Genugthuung verlangt. So liegen die Ver- hältnisse, und es kann dem Urtheile des denkenden Lesers ge- trost überlassen bleiben zu entscheiden, auf welcher von beiden Seiten mehr Schatten ist, und ob Gregor das Recht hatte , auf den Kaiser den Stein zu werfen.

Der Kaiser, sagt Gregor in der Bulle, ist einer der gefahr- lichsten Feinde der Kirche geworden, trotzdem er von ihr die grössten Wohlthaten empfangen. Als er nach Deutschland ging, um die Krone zu gewinnen , erschien er als dankbarer Sohn der Kirche ; denn er nahm zu Aachen das Kreuz, ^^^ eben- so bei der Kaiserkrönung ; allein alle diese und später zu Veroli, Ferentino**^ und San Germano geschworenen Eide sind von ihm nicht gehalten worden. Er hat die Pilger nach. Brindisi be- stellt *2o und dort festgehalten, so dass sie meist hinstarben. ^^i Die Pilger, welche dem Tode entgangen sind, mussten zu einer für die ScWflffahrt höchst ungünstigen Jahreszeit ihre Fahrt antreten ; denn der Kaiser war mit der Bereitstellung einer hin- reichenden Zahl von Schiflfen eben so säumig, wie mit seiner Hülfleistung vor Damiette, das durch seine Schuld, ja sogar auf seinen Befehl an die Ungläubigen wieder verloren ging. ^^2 Ausserdem, und diese Gründe entscheiden allein, hat er i) nicht zu dem bestimmten Termin seine Kreuzfahrt angetreten, 2) nicht die bedungenen Zahlungen für das heilige Land geleistet^^^ und 3) auch nicht die Zahl von 1000 Ritteni gestellt. '24 Somit ist er

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dem Banne verfallen. *2* Trotzdem eröffnete Gregor dem Kaiser, dass die Kirche nach der reuigen Rückkehr des abtrünnigen Sohnes verlange nnd bereit sei, ihm die Arme zu öffnen. ^'-^^ Wie aufrichtig diese Gesinnung des Papstes war, zeigte er bald; denn am 18. November erfolgte der Ausspruch des Bannes über Friedrich von neuem. *27 Inzwischen war Fried- rich nach Puteoli gegangen, um seine Gesundheit wieder her- zustellen, und von da über Suessa und Gaeta nach Capua. Von hier aus richtete er nun am 6. December an alle Könige und Fürsten, besonders aber die Deutschen sein ßecht- fertigungsschreiben und beleuchtete in ausführlicher Weise, auf einfach objective Daten gestützt, sein tragisches Miss- geschick und das auf offenbarer Unwahrheit *28 oder Rechtsver- drehung beruhende Vorgehen des Papstes. Ganz ohne Zweifel muss der Eindruck, den dieses Schreiben auf Fürsten und Prä- laten, die ohne parteiisch zu sein, der Rechtfertigung Friedrichs Gehör schenkten, ein gewaltiger gewesen sein; es ist kein Werk theologischer, diplomatischer Sophistik, sondern voll überzeugender und schlagender Argumentation.

Friedrich hatte am Schlüsse seines Manifestes erklärt, dass der Kreuzzug zwar durch seine Krankheit unterbrochen worden , allein dies sei jedenfalls zum Heile der Christen- heit ; denn alle verständigen Männer, welche in militärischen Dingen ein Urtheil hätten, wären der Meinung, dass mit so geringen, durch Seuchen decimirten, sowie durch die Stra- pazen ihrer Pilgerfahrt bereits abgematteten und zum Theil im Kriegshandwerk ganz ungeübten Pilgerhanfen der Waffen- stillstand nicht gebrochen werden könnte, ohne das heilige Land in noch schwerere Gefahfen zu stürzen, ^^o Um go glücklicheren Erfolg, erklärte der Kaiser, werde seine Mai- fahrt im kommenden Jahre haben, zumal es ihm auf dem im Frühjahr 1228 angesetzten Reichstage zu Ravenna ge- lingen werde, umfassende Massregeln für diesen Zweck zu treffen. Gegen alle diese Erörterungen blieb man am päpst- lichen Hofe taub ; es waren ja bereits Massregeln getroffen, dass äe ohne Eindrück auf das CardinalcoUegium bleiben

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mussten. Friedrich hingegen betrieb indessen die Vorbferei- tungen zum Maipassagium. Auf dem Reichstage zu Capua (December 1227) erhob er von jedem Lehen 8 Goldunzen und bestimmte, dass 8 Lehen zusammen je einen Ritter zu stellen hätten. i3<^ Ausserdem schickte er, da die Curie seine Recht-

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fertigung nicht hören konnte und wollte, Roffrid von Benevento nach Rom und Hess ihn mit Bewilligung des Senates und des römischen Volkes vom Capitol herab ein Rechtfertigungs- schreiben öffentlich verlesen. Ganz ohne Zweifel wirkte diese Massregel beim römischen Volke, das in Zeiten der Noth durch den Kaiser Getreidesendungen empfangen, ^^^ sowie beim römi- schen Adel, unter dem er eine starke Partei, z. B. die Frangi- pani hatte, ganz bedeutend. Die Gesinnung der Römer gegen den Papst erhellt auch sehr deutlich daraus, dass, während Gregor in Anagni seine Blitze gegen Friedrich schmiedete, sie 6 Wochen lang ruhig einen Betrüger gewähren Hessen, der gegen den billigen Preis von nur 4 Mark als neu etablirter Papst Pilger von ihrem Kreuzgelübde entband. ^^'^ Alles dies mag nun wohl Gregor bewogen haben, selbst die Initiative zu ergreifen und mit Friedrich eine Aussöhnung zu versuchen. Er sandte daher die Cardinäle Thomas von St. Sabina und Otto von St. Nicolaus an ihn ab, allein Friedrich liess sie nicht vor; er vergalt Gleiches mit Gleichem. ^^^ Die Curie nahm Rache dafür. Der Reichstag von Ravenna ward unmöglich, da die Veronesen und Mailänder, vom Papste aufgehetzt , den Durchzug durch die Alpen den Deutschen verlegten, ^3* und am Grünen Donnerstage (23. März 1228) sprach Gregor im St. Peter von neuem den Bann über Friedrich aus und belegte den Ort, wo er weilte, mit dem Interükt.^^^ Allein das römische Volk, von der kaiserlichen Partei aufgestachelt, vor allem durch Gregors vermeintliches Project, seine Residenz nach Viterbo zu verlegen, erbittert, stürmte am 2. Osterfeiertage (27. März), als er eben die Messe las, auf ihri ein und hätte ihn vielleicht massacrirt, wenn es ihm nicht möglich gewesen wäre, sich recht- zeitig in seinen Palast zu retten. ^^^ Nur mit Mühe gelang es ihm, von den Römern sicheres Geleit aus^der Stadt zu erhalten.

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Friedrich suchte indessen, so gut es ging, die Folgen des Bannes abzuwehren. Der apulische Klerus erhielt die strengsten Befehle, ohne nach dem Interdicte zu fragen , seine geistlichen Functionen weiter auszuüben. ^37 Zugleich be- gannen wieder die Sammlungen der Kreuzzugssteuer; im März musste das Kloster vom Monte Cassino 1 200 Unzen für 100 Servienten aufbringen, und an die Prälaten des König- reichs erliess Friedrich zu gleicher Zeit energische Weisungen, sich zur Abfahrt nach Syrien bereit zu halten. Er feierte das .Osterfest in Barletta und erhielt hier durch einen Brief des Grafen Thomas die Nachricht , dass der Hauptfeind der Christen in Syrien, der Sultan Al-Muazzam von Damaskus am 12. November 1227 gestorben sei. ^^^ Auf diese Kunde, die seiner bevorstehenden Kreuzfahrt einen günstigen Erfolg verhiess, sandte er seinen Marschall Richard Filangieri mit 300 Rittern Anfang April ab^^^ und versprach ihm binnen 4 Wochen zu folgen ;*^ö denn es galt die Wirren unter den Herrschern des Islams nach dem Tode des Damasceners ordent- lich auszunutzen. Am 26.' April gebar die Kaiserin Isabelle ihm einen Sohn , den er Konrad nannte , und so schien sich Alles günstig für ihn zu gestalten. Einige Tage nachher berief Friedrich die Grossen seines Reiches nach Barletta. Kein Gebäude wäre im Stande gewesen, die unermessliche Menge des Volkes und die glänzende Versammlung zu fassen ; daher liess er unter freiem Himmel seinen Thron aufschlagen, um hier seinen letzten Willen verlesen zu lassen. Ihm zufolge soll Herzog, Raynald von Spoleto während des Aufenthaltes des Kaisers im heiligen Lande die Statthalterschaft führen. Im Falle, dass der Kaiser dort stirbt, folgt ihm König Heinrich in Sicilien, und wenn auch dieser stirbt , ohne Erben zu hinter- lassen, so ist der neugebome Konrad Thronerbe ; sollte endlich auch dieser sterben, so folgt die älteste Tochter des Kaisers. Alle diese Bestimmungen beschworen Herzog Raynald und die Magnaten sogleich und empfingen den Befehl, ebenso den Unterthanen den Eid auf das Testament des Kaisers abzu- nehmen. ^^^

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Kurze Zeit darauf (Mai) war bei Gregor im Namen der .deutschen Fürsten eine Gesandtschaft unter Führung des Erzbischofs Albert von Magdeburg erschienen , um Gregor mit dem nun doch ins heilige Land ziehenden Kaiser zu ver- söhnen ;^42 allein ihre Versöhnungsversuche fanden kein Ge- hör. Hingegen sandte Gregor . der bereits 4 Wochen vorher bei Strafe des Bannes allen ünterthanen des Kaisers verboten hatte, ^^^ diesem Steuern zu zahlen, an Friedrich 2 Francis- kaner , welche ihm im Namen des Papstes, so lange er sich nicht gedemüthigt, den Kreuzzug verboten, aber das verstockte .Sünderherz des Kaisers vergeblich zu erweichen suchten. ^^* Diesen traf jedoch wieder ein schwerer Schlag ; seine Gemahlin Isabelle starb am 8. Mai am Kindbettfieber, ^^^ ausserdem ward es in Sicilien wieder unruhig, und das Gerücht von Werbungen Seitens der Curie tauchte auf. Inmitten dieser inneren und äusseren Bedrängniss machte er sich Luft durch eine Mass- regel, zu der er schwerlich früher gegriffen hätte. Am 21 . Juni stellte er in Brindisi die Urkunde aus^ wonach er dem Herzog Raynald von Spoletö befahl, dem Papste alle diejenigen Güter, welehe dessen Vorgänger dem Reiche durch List oder Gewalt abgerungen (die Mark Ancona und die Mathildischen Güter) abzunehmen, da diese Besitzungen nur Lehen des Reiches, mit- hin in Folge der Feindschaft des Papstes als des Lehns- mannes gegen den Kaiser als den Lehnsherrn als erloschen zu betrachten seien. ^^® Um dieselbe Zeit machte er dem Papste die Mittheilung, dass er nun absegeln werde, i*^ Am 28. Juni 1 228 lichtete die Flotte, 40 Segel stark, von Brindisi die Anker, «-»s

Wir sind wenig unterrichtet über die Stärke seines Heeres. Jedenfalls war das Kreuzheer, das ihn begleitete, nicht stark ; denn die Mailänder und Veronesen hatten ja seit dem Frühjahr die Alpenpässe verlegt, so dass Zuzug fast unmöglich wurde, und die meisten Pilger , die nach Italien gekommen waren, wurden auf Betreiben des Papstes von den Italienern schimpf- lich behandelt, ^^^ so dass sie alsbald wieder heimkehrten, oder waren direct von ihm des Gelübdes entbunden worden, ^^^ weil Gregor überhaupt keinen Kreuzzug wollte, da Friedrich vor

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ihm ßich nicht gedemüthigt hatte J^,i Nach alledem ist wohl an- zunehmen, dass kaum 10^000 Mann den Kaiser begleiteten. Die Flotte, welche Otranto, Fano, Corfu, Cephalonia, Modon, Porto Caglie, Cerigo, Suda, Candia, Prasgoniso> Rhodus, Pa- tera, Myra, Phinicha, Cap Epiphanios *^2 berührte, erreichte am 21. Juli Limissol auf Cypem, wo die meisten syrischen Magna- ten sowie Graf Thomas von Acerra und Marschall Richard Fi- langieri den Kaiser erwarteten und ehrenvoll empfingen. ^^^ So- fort griff er, obwohl seiner militärischen Schwäche sich bewusst, energisch in die politischen Verhältnisse der Insel ein,

' Seit dem Jahre 1196 war nämlich das Königreich Cypern Lehen des Reiches geworden;*^* allein nach dem Tode des Königs Hugo (1218) hatte auf Veranlassung der Wittwe Alice für den unmündigen Thronerben Heinrich von Lusignan dessen Oheim Philipp von Ibelin, Hen* von Beirut, die vormundschaft- liche Regierung übernommen.. Nach dessen Tode (Mitte 1226) folgte ihm in der Führung derselben sein Bruder Johann von Ibelin, der mit Balian von Sidon nach dem Tode Isabellens zu- gleich auch zum Reichsverweser Cyperns bis zur Ankunft des Kaisers Friedrich erwählt worden war. Dieser ward nun von Friedrich zu einem Mahle eingeladen und erschien auch, ob- gleich man ihn gewarnt, nicht in diese Falle zu gehen. Fried- rich nahm seinen Platz zwischen Johann von Ibelin und dem Conn6table von Cypem, Gautier von Caesarea. Der Markgraf Bonifacius HI von Montferrat, der ebenfalls zu Friedrich ge- kommen, um die Bestätigung der Krone von Salonichi zu er- langen, sass neben dem König von Cypem, und Anseau le Brie sovnp der junge Herr von Caesarea bedienten den Tisch als Tafelcavaliere. Während man tafelte, füllte sich der Saal allmählig mit Bewaffneten, und Friedrich stellte auf einmal die Fordemng an Johann, seine Herrschaft Beirut aufisugeben, über seine vormundschaftliche Regiemng in Cypern Rechenschaft abzulegen, und die kaiserliche Oberlehnshoheit anzuerkennen. Auf die Versuche Johanns, der diese Forderungen nicht emst nahm, antwortete der Kaiser voll Zom mit dem Schwüre, dass er seine Rechte als Lehnsherr zu wahren wissen werde. Ibelin

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vertheidigte sich ruhig und geschickt, und der Kaiser, dem dies imponirte, wandte das Gespräch auf andere Dinge ; aber bald drang der kaum verhaltene Aerger wieder durch, und er erneuerte seine Forderung. Die Anwesenden, besonders die Prälaten, suchten zu vermitteln, und ihrem Bemühen gelang es auch wirklich, den Kaiser und seinen Gegner zu besänftigen. So kam denn ein Vergleich zu Stande, wonach Johann vor den Assisen der Königreiche Cypern und Jerusalem sich zu ver- antworten , und zwei seiner Söhne , Balian und Hugo , sowie 20 Ritter als Geiseln zu stellen habe. Allein trotz dieses Ver- gleiches fühlte sich Johann von Beirut nicht sicher und floh in der Nacht in das Innere des Landes, wo er sich in der Burg Dieu d'amour verschanzte. ^^^ Friedrich brach a;uf diese Nach- richt am 17. August von Limissol auf, begleitet von Guido von 6abala, Balian von Sidön, Marschall Richard Filangieri und einigen cyprischen.Edelleuten, .welche allgemein als Gegner Johanns von Beirut galten, ^^^ und zog, nachdem in Piroghi kurz vor Idalia der junge Fürst Bohemund von Antiochien, der Gemahl der Alice, mit 60 Rittern und vielen Knappen zu ihm gestossen war, nach Nicosia. Friedrich unterhandelte durch Bohemund mii Johann , und es kam endlich zum Vergleich, wonach Johann die Vormundschaft über den 1 1jährigen Hein- rich an den Kaiser übergab,» den Lehnseid leistete und den Assisen des Königreichs Jerusalems sich zu stellen versprach, während der Kaiser bis zum löten Jahre Heinrichs für seine .vormundschaftliche Regierung alle Renten und Einkünfte des Königreichs Cypern empfangen sollte. Nachdem Friedrich in allen Burgen seine Bailifs zurückgelassen, segelte er ß,m 2. Sep- tember mit seinem Mündel Heinrich, Johann von Beirut und vielen cyprischen Baronen von Famagusta ab, fuhr über Be- thoron, Beirut, ^don, Sarepta und Tyrus nach 'Akkä, wo er am 7. September landete. Er wurde mit grosser Auszeichnung aufgenommen, die Templer und Johanniter kttssten ihm die Kniee, und der Klerus empfing ihn mit Lobgesängen ; aber er- stere weigerten sich, ihm den Friedenskuss zu geben und mit ihm an Einer Tafel zu essen, weil er gebannt war.^^' Man rieth

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ihm von 'Akkä aus Versöhnungsversuche mit dem Papste zu machen, i^s und Friedrich that dieses auch; er sandte durch Heinrich von Malta und den Erzbischof von Bari an den Papst die Nachricht von seiner Ankunft und verhiess ihm die ener- gische Führung des Kreuzzuges i^».

Wie war nun die Lage der Verhältnisse im Orient?

Nach Saladin's Tode theilten sich seine Söhne und sein Bruder Al-'Ädil ^^ in die unermessliche Erbschaft. Al-'Ädil, dessen zweiter Sohn Al-Kämil ^^* Saladins einzige Tochter hei- rathete, erhielt nach dem Testamente seines Bruders nur die Burgen Earak und Öaubak, wusste aber durch geschickte Be- nutzung der unter Saladins Söhnen ausbrechenden Streitigkei- ten und Kriege sich in den Besitz aller von diesem ehemals be- herrschten Länder zu setzen, so dass er von 'Aden bis nach Georgien gebot. AI- Adil beendigte die mit den Kreuzfahrern ausgebrochenen Kriege [1204 und 1209) durch nachgiebige Verträge ; denn die steten Meutereien im Heere und die Revo- lutionen seiner Emire ^^^ sowie der Ungehorsam unte^-worfener Fürsten nöthigten ihn zu fortwährenden Kriegen. Er weilte im fernsten Osten seines Reiches, als Al-Kämil; den er als Statt- halter in Aegypten zurückgelassen, die Landung der Kreuz- fahrer vor Damiette meldete. Es war ihm nicht vergönnt, sei- nem bedrängten Sohn selbst zu Hülfe zu kommen ; die Nach- richt von dem Falle des für unbezwinglich gehaltenen Ket- tenthurmes im Hafen von Damiette führte seinen frühen Tod herbei (31 . August 1218) . Zu dieser Zeit^«» übernahm Al-Kä- mil die Zügel der Regierung, und wir wissen, dass er nur durch die Verblendung und den sinnlosen Kriegseifer des Pe- lagius, welcher die Pilger nach der Einnahme von Damiette zu dem unheilvollen Vormarsch nach Cairo und damit in das Ver- derben trieb, vor dem sicheren Sturze gerettet wurde. Kaum war jedoch durch vereinte Kraft der Brüder Al-Kämils der Frieden von Damiette erzwungen, als zwischen diesen selbst Streit und Krieg ausbrach. Der ältere Bruder Al-Mu azzani, Sultan von Damaskus, hatte dem Herrscher von Hamät Al-Nä- Rir, da er die von Al-Mu azzam ihm vorgeschossenen Subsidien

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nicht zurückzahlte, zwei Städte weggenommen. Auf die Kunde hiervon verbanden sich Al-Kämil und dessen jüngerer Bruder Al-Asraf, Sultan von Halät (Chelat) in Armenien, und zwangen Al-Muazzam seine Eroberungen wieder herauszugeben.^^* Al-Mu azzam ^^5 reizte aus Rache dafür den Statthalter AI-As- rafs, dessen jüngeren Bruder Sihäb ad-dln, zur Empörung, und der Herrscher von Arbela belagerte Mosul, wo ein Alliirter von Al-Asraf Bidr ad-din Lülü herrschte. Zugleich rüstete sich Al- Mu azzam von Damaskus zum Einfall in Mesopotamien ; allein ein Gesandter Al-Kämils zwang ihn durch die Drohung, sofort in Syrien einzubrechen, im Falle er gegen Al-Asraf zu Felde ziehen würde, zur Aufgebung aller seiner Pläne (1224) . Als nun (raläl ad-din Mankbami, der Sah der Chowaresmier, von sei- nem Eroberungszuge nach Indien heimgekehrt war, schloss im Anfang des Jahres 1226 Al-Mu azzam, um nicht eine Beute des gewaltigen Eroberers zu werden, vor Allem aber, um Al- Asraf zu züchtigen, mit diesem ein Bündniss. Gegen eine solche Macht war Al-Aäraf nicht stark genug und begab sich, als Al-Mu azzam von der Belagerung von Hims eben nach Da- maskus zurückgekehrt , zu diesem , um ihn zum Frieden zu stimmen. Al-Mu azzam empfing ihn sehr freundlich, hielt ihn jedoch bei sich fest und suchte ihn zu einer Allianz gegen Al- Kämil zu überreden. Endlich gab er nach und schwor, ihn ge- gen Al-Kämil zu unterstützen. Erst jetzt, nach achtmonatlicher Haft, entliess Al-Mu azzam seinen Bruder, der sofort seinen Eid als erzwungen zurücknahm. ^^^ Inzwischen sandte Al-Mu- 'azzam Spione nach Italien, um über die Zurüstungen Fried- richs zu seiner Kreuzfahrt Erkundigungen einzuziehen, und diese erzählten ihm von den staunenswerthen Massen von Pil- gern, welche dort zusammenströmten. Er zerstörte daher die Festungen Saubak, Safad und Tibnin sowie die Teiche von Je- rusalem und stellte ein Beobachtungscorps gegen die in näch-- öter Zeit erwarteten Kreuzfahrer in Nablus auf.^<*^ Al-Kämil hatte indessen die Schwierigkeit seiner Lage wohl ermessen. Er wusste, dass 6aläl ad-dtn der AUiirte seines feindlichen und nach Rache dürstenden Bruders Al-Mu azzam geworden, und

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mnsste sich sagen, dass er, zumal das Land seines Bruders Al-Aämf durch (raläl ad-dln besetzt war, und dieser auch beim besten Willen ihm keine Hülfe bringen konnte , dem gewal- tigen Stosse der gegen ihn zu Felde ziehenden AUiirten nicht würde widerstehen können. Dazu war sein Land durch die furchtbaren, fast vierjährigen Kämpfe um Damiette ausgesogen und erschöpft, die Zahl seiner Veteranen stark zusammenge- schmolzen, das junge aus der Wüste zusammengeholte Kriegs- volk ungeübt, das Heer der ewigen Kriege müde, die Emire meuterisch, ißs kurz, er konnte sich nicht verhehlen, dass in dieser verzweifelten Lage nur ein verzweifeltes Mittel helfen könnte, er sandte in aller Stille den Emir Fahr ad-din zu Fried- rieh (Mitte 1226?) . Wir wissen weder die Zeit genau, in welche diese Sendung fällt, noch die dem Kaiser gemachten Proposi- tionen. Indessen ist es in Bezug auf letztere höchst wahr- scheinlich, dass Al-Kämil die Blickgabe der von Saladin in Sy- rien gemachten Eroberungen und den Status des Reiches vor der Schlacht bei Hattin wiederherzustellen versprochen haben wird, iß^ Friedrich war natürlich sehr erfreut über dieses An- erbieten, schickte den Grafen Thomas v. Aquino nach. Syrien sowie den Erzbischof Berardo von Palermo an den Hof Al-Kä- mils und gab ihm an diesen als Geschenke Pferde, Kleider- stoffe, Gusswaaren und Falken mit. *7o Al-Kämil empfing den kaiserlichen Gesandten mit grosser Auszeichnung und Hess ihm als Geschenke für seinen Souverain einen Elephanten sowie allerhand Kostbarkeiten aus Indien, Arabien, Syrien und ' Irak tiberweisen. *^^ Berardo verliess Al-Kämil und ging (wahr- scheinlich October 1227) an den Hof des Sultans Al-Mu azzam von Damaskus, um auch hier Unterhandlungen anzuknüpfen, allein dieser entgegnete einfach : „Sage deinem Herrn, dass ich für ihn nichts Anderes habe, als das Schwert. "^^2 Jedoch wurde Al-Mu azzam durch die Unterhandlungen Al-Kämils mit dem Kaiser nicht wenig erschreckt und suchte nun mit Al-Asraf zu pactiren. Indessen war auch Al-Kämil durch die Nachricht von der Ankunft des Erzbischofs am Hofe seines Bruders nicht minder beunruhigt, da ihm der Bescheid desselben an den Ge-

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sandten des Kaisers nicht bekannt sein konnte. Er sandte da- her, wahrscheinlich im October, noch einmal seinen Emir Fahr ad-din zu t^riedrich, um ihn zur Ueberfahrt zu drängen. ^'^ Ja- nuar 1228 traf Berardo bei Fi-iedrich ein.*^* Jedoch, wie uns bereits bekannt, starb am 12. November 1227 der geftirehtete Al-Mu azzam, und somit war für Al-Kämil der Grund für seine mit Friedrich erstrebte Allianz hinfällig geworden, ja sie musste ihm abgesehen von theologischen Gründen auch aus politischen jetzt in hohem Grade lästig werden. Friedrich erfuhr den Tod des Damasceners Ostern 1228, und freute sich, den Haupt- gegner der Christen beseitigt zu sehen; allein er durfte sich auch nicht verhehlen, dass es schwer sei, jetzt Al-Kämil bei seinem Worte festzuhalten. Er sandte im April 1228 den Mar- schall Richard mit 500 Rittern nach Syrien und liess durch ihn, mochten sich die Pilger darüber ärgern oder nicht, ganz offen mit dem Sultan weiter unterhandeln. Ohne Zweifel hatte der schon 1226 nach Syrien abgesandte Graf Thomas v.: Acerra die Unterhandlungen mit dem Sultan bis zu dieser Zeit weiter geführt, allein jetzt traf eine Reihe von Umständen zusam- men, welche eine Verstärkung der kaiserlichen Macht als Un- terstützung für die zu pflegenden Unterhandlungen nöthig machten. Thomas hatte den Instructionen seines Herrn ge- mäss, den bis 1229 noch vertragsmässig bestehenden Frieden um jeden Preis zu respectiren und den etwaigen leichtsinnigen Bruch desselben mit Energie zu verhindern, gehandelt. Er hatte den Templern, als diese Raubzüge in das muslimische Gebiet unternommen, die Beute wieder abgejagt und den Be- raubten zurückstellen lassen , ebenso einige ihrer Besitzungen im heiligen Lande,* wie Friedrich in Sicilien, cassirt, über- haupt durch sein strammes Regiment Ordnung und Ruhe zu erhalten gewusst. Indessen wuchs die Menge der kriegslusti- gen Pilger in den Litoralstädten, besonders in 'Akkä, durch die 1227 najßh Syrien abgesegelten Schaaren. Zwar waren auf die Nachricht, dass der Kaiser ihnen nicht auf dem Fusse folge, gegen 40,000 in denselben Schiffen, auf denen sie ihre Fahrt angetreten, sofort wieder heimgekehrt,*'^ und nur &00 Ritter

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sowie lO^OOOMannFusBvolk von allen ursprünglich abgesegel- ten Pilgern waren unter dem Gommando des Herzogs von Lim- burg zurückgeblieben, allein unter ihnen herrschte wenig Zucht und Ordnung. Der bei weitem grösste Theil^ sei es von Lust nach Abenteuern oder nach Beute, welche für die zahlreichen Opfer an Geld und Gut den Einzelnen zu entschädigen im Stande wäre, getrieben, besonders aber durch die Templer aufgestachelt, erklärte, man müsse durchaus den Frieden bre- chen. Sie wurden dabei noch durch eine Bulle des Papstes un- terstützt, welcher, obgleich Cardinal Pelagius, der Bevoll- mächtigte seines Yor^ngers, den Frieden ausdrücklich bis 1 229 abgeschlossen und bestätigt hatte, dennoch den Befehl gab^ den Frieden zu brechen, und schrieen daher : „Entweder wollen wir den Frieden brechen, oder heimkehren ! " Herzog Heinrich von Limburg und alle ruhig denkenden Männer erblickten in dem Bruche des Friedens eine heillose Gefahr für die kümmer- lichen Reste des früheren Königreichs Jerusalem und riethen auf das eindringlichste von diesem thörichten und frevelhaften Beginnen ab. Allein Heinrich ebensowenig wie Thomas hatten moralische und militärische Macht genug, dieses Project zu verhindern; der Herzog von Limburg gab dem Drängen der Pilger am 28. October 1227 nach, und unter seiner Führung zog der grössere Theil des* Pilgerheeres nach Caesarea und Jäfa, um diese Städte bis August nächsten Jahres, wo man den Kaiser erwartete, wieder in vertheidigungsfähigen Zustand zu setzen. So ward der Friede denn factisch gebrochen, und es war nicht abzusehen, welches Unglück über die Christen ge- kommen wäre, hätte nicht zum Glück für sie der Tod den Sul- tan von Damaskus abgerufen. Kaum hatte sich die Nachricht davon verbreitet, als die in 'Akkä zurückgebliebenen Franzo- sen zum offenen Angriff auf die vertragsmässig halb den Chri- sten und halb den Muslimen gehörige Stadt Sidon übergingen und die muslimischen Einwohner verjiagten. ^'^ Kurz vorher (10. Nov.) gingen die deutschen Pilger an die Befestigung der 3 lieues von 'Akkä, nordöstlich von ^aifä, gelegenen Burg Mont- fort (auch Frankenschloss genannt), blieben bis Januar 1228

Bohr i cht, Beiträge. 3

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dort, und kehrten dann theils nach 'Akkä, theils nach Qaifä zurück. 177 Die in Haifö gebliebenen Klger trafen Ende April 1228 ebenfalls in 'Akka ein und gingen mit dem Gros an die Befestigung von Caesarea, das im Winter yon 121 7^ zu 1218 von Leopold Herzog von Oesterreich befestigt, aber 1219 auf Al-Muazzams Befehl zerstört worden war.^'^ Während aller dieser Kreuz- und Querzttge der Christen, welche ohne Stö- rung Seitens der Muslimen sich vollzogen, war Al-Eämil in der Zeit vom 15. August bis 14. Sept. 1227 aus Aegypten ge- gen Al-Muazzam zu Felde gezogen; allein die meuterischen und verrätherischen Agitationen seiner Emire . nöthigten ihn zur Aufgabe seiner Eriegspläne und zur schleunigsten Rttck- kehr. Der Tod seines Bruders befreite ihn jedoch von weiterer Gefahr^' und als dessen Sohn, der zwölflährige Al-Näsir Da- wüd ihn um Frieden bat, ^'^ fühlte Al-Kämil sich wieder sicher und stark. Er schenkte Al-Näair als Antwort auf seine Bitte

ein kostbares Gewand und das Sultansbanner, forderte aber auch gleichzeitig die Abtretung der wichtigen Festung ^ubak, was einer Kriegserklärung gleich kam. Al-Näsir schlug diese Forderung ab , worauf Al-Kämil , nachdem er seinen Sohn Nagm ad-dln als Yicekönig in Cairo zurückgelassen, in Syrien einfiel und ohne Widerstand zu finden, Jerusalem und andere wichtige Plätze Syriens eroberte. -

Al-Näsir wandte sich in dieser Noth an Al-Kamils Bruder, Al-Asraf ; allein Al-Kämil wusste seine Erobertingen so dar- zustellen, als ob er nicht Al-Näsir berauben, sondern nur Sy- rien gegen die jetzt wieder zum Krieg ausziehenden Franken schützen wolle. ^^^^ Al-A§raf, obgleich die Chowaresmier sein Land sengend und brennend durchzogen, ^^^ kam seinem Neffen auch wirklich zur Hülfe, aber mit unbedeutenden Streitkräf- ten. Doch was sollte er thun? Einen Krieg gegen Al-Kämil zu führen, war auf alle Fälle höchst bedenklich, und einen Kri^ gegen die sieh immer mächtiger erhebenden Christen zu unter- nehmen, war besonders darum nicht rathsam, weil dann AK Kämil 4em kriegführenden Al-A6raf und Al-Näsir im Rücken gestanden hätte. Al-Ai§raf rieth, mit Al-Kämil den Frieden um

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jeden Preis zu suchen, und ao machten er und Al-Näslr sich auf; um Al-Kämil zum Frieden zu bewegen ; allein als letzterer in Nablus von ihrer Absicht hörte, brach er sofort nach Aegyp- ten auf. Doch ehe er noch in Cairo eintraf, waren bereits Al- AÄraf und Al-N&sir dort angelangt. Al-Näsir blieb hier zurück, während Al-A6raf zu dem in Teil al- agül ^82 (,,dem Kälberhtt- gel") bei Gaza lagernden Al-Kämil sich begab, um den Frie- den zu vermitteln. Allein Al-Kämil wusste Al-A6raf ganz auf seine Seite zu ziehen und ftir das Project einer Theilung des Sultanats Damaskus zu gewinnen. Nach der getroffenen Con- vention sollte Al-Kämil alles Land zwischen Cairo und Afl^, also ganz Syrien, Al-A6raf hingegen alle übrigen Länder des Sultanats empfangen, ^^^ während Al-Näsir nur die Städte Har- ran, Edessa und Ral^a behalten sollte. Da Al-Ai^raf kinderlos war, so wurde jedenfalls für den Fall seines Ablebens auch noch der Heimfall seines ganzen Erbes an Al-Kämil stipulirt, und dann war Al-Kämil wieder im Besitze des ganzen unge- heuren Ländercomplexes, den einst Saladin und Adil beses- sen. Alle diese Arrangements wurden am 10. November 1228 verabredet. ^^* Al-Näsir wartete indess vergeblich auf die Rück- kehr seines Oheims Al-AÄraf und brach, da er bei dem langen Ausbleiben desselben nichts Gutes ahnte, endlich von Cairo* auf und lagerte bei Nablus. Indessen erfuhr durch die Ankunft des Kaisers die Lage der muslimischen Herrscher eine ganz eigenthümliche Wendung. Alle arabischen Quellen bezeugen, dass Al-Kämil aufs «chwerste durch jenes Ereigniss betroffen wurde; ^^5 denn er fühlte sich augenblicklich nicht in der Lage, den Kreuzfahrern mit Kraft undHoffhung auf Sieg entgegentre- ten zu können, zumal da für den Fall eines Versuches, die Con- vention von Gaza auszuföhren, doch der sofortige UebertrittAl- Näsirs auf die Seite des Kaisers zu erwarten stand. Andrerseits

befand sich jedoch auch wieder Friedrich dem Sultan gegen- über in einer höchst peinlichen Lage. Dieser hatte Friedrich zwar gerufen und ihm bestimmte Concessionen verheissen ; al- lein nach Al-Mu azzams Tode war ja der Grund zu dieser ex- traordinären, den ganzen Islam aufs tiefste beleidigenden

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Allianz hinfällig geworden. Ausserdem war der Kaiser nicht im Stande mit Gewalt zu erzwingen, was Al-Kämil ihm ver- sprochen ; denn die Lage seines Reiches erheischte baldige Heimkehr, zumal er bereits bei seiner Abfahrt von Brindisi er- fahren, dass Gregor Truppen gegen ihn anwerbe. Femer hatte Gregor dem Kaiser auf dem Fusse zwei Franziskaner nach- gesandt, welche dem Legaten den Befehl überbrachten, dass Keiner dem gebannten Kaiser gehorchen, vielmehr Hermann von Salza die Deutschen und Italiener, Marschall Richard und der Connötable Odo von Montbeillard die Cyprier und die Trup- pen des Königreichs Jerusalem befehligen sollten. ^^^ Dazu kam aber auch noch, dass die Streitkräfte Friedrichs selbst unbedeutend waren; denn die 1226 unter dem Grafen Thomas von Acerra nach Syrien gesandten Schaaren waren nicht sehr zahlreich, die des Herzogs von Limburg beliefen sich nur auf 800 Ritter und 10,000 Mann Fussvolk,!»? die cyprische Ritter- schaft war nichts weniger als zuverlässig, und von den nörd- italischen Seemächten waren nur die Genuesen und Ksaner auf seiner Seite. ^^^ Endlich waren von den 1227 abgesegelten Pilgern viele Tausende auf die Kunde von der Krankheit des Kaisers in denselben Schiflfen, die sie nach Syrien gebracht, sofort wieder heimgekehrt, und der zurückgebliebene Theil^ und zwar die reichsten und angesehensten Klger, zogen jetzt, als der Kaiser nun wirklich gekommen, ohne auf seine Bitten zu hören, ebenfalls heim, da sie ihr Kreuzgelübde durch ihre Theilnahme an der Befestigung von Sidon,, Caesarea und Jäfö erfüllt zu haben meinten. ^^^ Somit konnte Friedrich nicht durch militärische Operationen, für die einzig auf die deutsche Ritter- schaft zu rechnen war, ^^^ während die Ritter des Tempels und Hospitals den Gehorsam verweigerten, sondern allein durch diplomatische Unterhandlungen zu erreichen suchen, was Al- Kämil ihm einst versprochen, aber keine Lust verspürte, jetzt auch zu halten. Er sandte daher sofort nach seiner Lan- dung von 'Akkä aus^^^ eine Gesandtschaft an den Sultan^ zeigte ihm seine Ankunft an und bat ihn, indem er an sein Ehrgefühl und sein Manneswort appellirte, um Ausführung der

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vertragsmässig bestimmten Cession Jerusalems. *'^2 Al-Käinil empfing die Gesandten Balian von Sidon und den Grafen Tho- mas von Acerra mit dem Pomp eines Sultans in Mitten einer glänzenden Armee, welche von den kaiserlichen Gesandten anf 7000 Mann Reiterei und unzähliges Fussvolk geschätzt ward. Er entliess die Gesandten ohne bestimmte Antwort, nahm aber die Seiden- und Leinenstoffe, sowie die goldenen und silbernen Geräthe, welche sie ihm als Zeichen der kaiser- lichen Freundschaft überbrachten, dankend an. Friedrich, um bei seinen Unterhandlungen mit dem Sultan nicht beobachtet zu werden, verlegte bald nach der Bückkehr seiner Agenten sein Lager nach Ricordane, einem Dorfe südlich von 'Akkä.^^^ Hier trafen bei ihm die Gesandten Al-Kämils ein, die Emire Fahr-ad- din ^^ und Saladin Al-Arbilt.^^^ Sie brachten ihm als Gegen- geschenke des Sultans einen Elephanten, zehn Kameele und zehn arabische Stuten, sowie Affen, Edelsteine, goldene Gefässe und farbige Stoffe, ^^^ allein keine bestimmte Antwort auf die Bitte des Kaisers, sondern versicherten nur, dass ihr Souverain auf die freundschaftlichen Beziehungen mit dem Kaiser einen sehr hohen Werth lege. Zugleich aber benutzten sie die Gele- genheit, mit dem Kaiser gelehrte Disputationen über logische und metaphysische Probleme zu eröflftien, i^' wobei ihnen Friedrich nicht minder durch seine Freisinnigkeit, *^^ als durch seine Ge- lehrsamkeit imponirte.*^^ Friedrich entliess sie höchst ehren- voll und sandte, da Al-Kämil seinem Drängen auszuweichen schien, bald nach ihrem Weggange von neuem Gesandte an den Sultan ; allein diese wurden nicht vorgelassen. Darauf be- schloss der Kaiser mit einer militärischen Demonstration zu antworten; er schickte sich an, die im Sommer 1228 von den Pilgern begonnene Befestigung Jäfä*s fortzusetzen. ^^^ Zu die- sem Zwecke berief er die angesehensten Pilger, die syrischen Barone und die Meister der drei geistlichen Orden zu sich und theilte ihnen mit, dass er Jäßt zu befestigen gedenke. Allein die Grossmeister des Templer- und Hospitaliterordens erklär- ten, dass sie, dem Dienste der Kirche gewidmet, nur von der Kirche Befehle annähmen und ihr gehorchten: ausserdem habe

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der Patriarch Gerold als Legat des Papstes ihnen jede Theil- nahme an einer Unternehmung des gebannten Kaisers unter- sagt, mithin könnten sie ihm nicht nach Jäfä folgen. Voll In- grimm trat nun der Kaiser mit seinen treuen Deutschen und einigen Pilgeiii, meist englischer Nation, den Weg dahin an, während die Templer und Hospitaliter eine Tagereise hinter ihm marschirten. Indessen tiberlegte Friedrich, welche Gefahr aus dieser Theilung der christlichen Streitkräfte für seine Stel- lung zu Al-Kämil entstehen könnte, und gab kurz vor Arsüf ^^^ dem Drängen vieler angesehenen Pilger nach, dass alle Befehle im Kreuzheere „im Namen Gottes und der Christenheit" er- folgen sollten. Durch diese Massregel wurden die Templer und Hospitaliter zum Anschluss an Friedrichs Heer bewogen, und man begann gemeinschaftlich am 15. November das Werk der Befestigung voll guten Muths. Al-Kämil, der während dessen von Teil al-'agül nach Nablus gegen den dort lagernden Al-Nasir vorgedrungen und tiberall seine Kadis und Diwane eingesetzt hatte, zog sich auf die Nachricht von dem Vordringen Friedrichs sofort wieder nach Teil al-'agül zurück. 202 Die Pilger arbeiteten indessen rüstig weiter an dem Aufbau der Mauern Jäia's; allein ihr Eifer erlahmte, als die Proviantschiffe, durch furchtbare Stürme gehindert, nicht landen konnten, und sie deshalb acht Tage lang furchtbar durch Hunger litten. Viele Tausende zerstreuten sich in die umliegenden Ortschaften und requirirten, allein gegen 500 Pilger wurden von den Muslimen dabei erschlagen. End- lich, da die Verzweiflung am grössten w^,r, und schon allge- mein der Entschluss gefasst war, nach 'Akkä zurückzukehren, legten die Proviantschiffe bei günstigem Wind und Wetter an und versorgten die schmachtenden Pilger aufs reichlichste mit Lebensmitteln. 203 Zu gleicher Zeit (Anfangs Januar 1229) kam die Hiobspost zu Friedrich, dass die Schlüsselsoldaten unter der Führung Johanns v. Brienne, dem noch Honorius (27. Jan. 1227^ das Protectorat über das Patrimonium Petri ertheilt hatte, San Germano bereits erobert hätten und Capua hart bedrluig- ten. Wie Gerold erzählt, Hess Friedrich auf diese Nachricht die Flotte, die ihn begleitete, segelfertig machen, schickte an

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Heinrich von Malta, seinen Admiral, den Befehl , zn Ostern 1229 zwanzig Galeen nach Syrien zn senden und richtete an die schwer geprüften Städte und Getreuen seines Königreichs Send- schreiben, worin er sie ermahnte, noch auszuharren, bis er selbst komme. 20* Nun aber galt es endlich die Unterhandlun- gen mit Al-Eämil zum Abschluss zu bringen, und heftiger drän- gend denn je mag Friedrich mit Al-Kämil verhandelt haben. Wie ausdrücklich bezeugt ist,205 hatte Friedrich früher das ganze Königreich Jerusalem für seinen Sohn Konrad vom Sul- tan verlangt ; jetzt aber Hess er wahrscheinlich von seinen frü- heren Forderungen manches fallen, und dadurch gelang es, be- sonders, seitdem in Folge eines Winkes der Diplomaten Al- Eämils die einige 2eit ihrer Stellung als Gesandte enthobenen Unterhändler Thomas von Acerra und Balian von Sidon wieder die Leitung der diplomatischen Geschäftie in die Hand beka- men und ins ägyptische Hauptquartier abgesandt wurden, am Sonntag Septuagesimae (11. Februar) endlich den Vertrag ab- zuschliessen.^*^^ An demselben Tage berief Friedrich vier syri- sche Barone zu sich und erklärte ihnen, dass er in Folge der Geringfügigkeit seiner militärischen und financiellen Kräfte 207 nicht länger im heiligen Lande' bleiben könne ; er habe daher mit dem Sultan einen Vertrag abgeschlossen und bitte um ihr Gutachten, ob sie mit dem, was er durch diesen Vertrag vom Sultan erwirkt habe, zufrieden seien. Sie fanden die Bedin- gungen des Vertrages annehmbar, baten aber Friedrich , vor seiner Bückkehr noch Jerusalem befestigen zu lassen. Der Kaiser rief hierauf die Grossmeister der Templer und Johan- niter sowie die englischen Bischi)fe zu sich und bat sie um Genehmigung des von ihm mit Al-Kämil abgeschlossenen Ver- trages; allein sie erklärten, dass ihre Einwilligung von der des Patriarchen abhängig sei, worauf der Kaiser erklärte, dass er dessen Kath nicht brauche. Am 18. Februar, 208 an dem die Befestigung JMk's vollendet war, beschwor nun der Kaiser in Gegenwart der Gesandten des Sultans Fahr ad-d!n und Sala- din, der Bischöfe Peter von Winchester und Wilhelm von Exeter, des Deutschmeisters, des Hospitalitermarschalls und

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vieler angesehenen Pilger die Urkunde. 200 . Wenige Tage dar- auf leistete auch Al-Kämil vor Hermann von Salza, dem Gra- fen Thomas von Acerra und Balian von Sidon den Eid.^to Kei- ner der Anwesenden erhielt Einsicht in die Paragraphen des Vertrages, und leider ist bis jetzt weder das arabische noch das lateinische Original aufgefunden worden ; indessen sind wir im Stande^ aus den von Gerold willkttrlich aus dem Instrumente herausgegriffenen 9 Paragraphen, sowie aus den Briefen Her- manns und Friedrichs und den Notizen arabischer Autoren, im wesentlichen den Inhalt der Urkunde zu reconstruiren.

Demnach tritt der Sultan Al-Kämil an den Kaiser Friedrich und. seine Präfecten (nicht an die Kirche oder die Christen- heitj die Stadt Jerusalem ab mit dem ausdrücklichen Kechte, darüber in jeder beliebigen Weise zu verfligen.211 Jedoch ver- bleiben die Al^ä und die Sahra-Moschee, also das ganze ^aram al-äarlf,2i2. jjiiiglijjiig(j}ier Besitz unter der Obhut dreier mus- limischen Beamten, und jeder Muslim hat das Recht, wenn er keine Waffen bei sich trägt, 213 ohne Abgabe und irgend welche Steuer 21^ die beiden Moscheen und Bethlehem besuchen zu dürfen, um dort seine Andacht zu verrichten, während es jedem Christen streng untersagt ist, das Haram zu betreten. 215 Ausser Jerusalem empfängt der.Kaiser noch Bethlehem, 21« die an dem Wege von da nach Jerusalem liegenden Ortschaften, 217 Uazareth und 'Akkä und die an der Strasse liegenden Orte, 21^ ferner Sidon mit zwei in der Nähe liegenden Ortschaften, die Burg Tibnin (Turon),2io ^q Stadt Eamla und Lydda mit den rechts und links von der Strasse gelegenen Territorien, 220 so dass also von 'Akkä aus die alte Pilgerstrasse nach Jerusalem wie zur Zeit Richards wieder völlig frei war. 221 Alle diese Burgen und Städte mit Ausnahme von Tibnin 222 dürfen befestigt werden, ebenso die Burg Montfort bei 'Akka,223 welche Eigenthum der Deutschherren war. Hingegen verpflichtet sich der Sultan, so lange der Frieden währt, keine Befestigungen anzulegen 224 und alle Gefangenen herauszugeben. 220 Dafür behalten die um Jerusalem wohnenden Muslimen ihre eigene Gerichtsbarkeit unter dem in Jerusalem wohnenden Kadi. 22« Ausserdem ver-

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pflichtet sich der Kaiser zum Schatze des Sultans wider alle seine Feinde, selbst die Christen, 227 und zwar ist Ersterer gpeciell verpflichtet, Tripolis, das Kurdenschloss^ Castelblanc, Tortosa, Margatum und Antiochien in dem augenblicklichen Zustande zu belassen und auch zu yerhindem , dass den Be* sitzem dieser Städte und Territorien von irgend welcher Seite Hülfe gebracht werde. 22« An alle diese Paragraphen schlössen sich, wie mit Sicherheit anzunehmen ist, handelspolitische und mercantile Bestimmungen. 229 xis der Termin, von dem der Friede zu rechnen sei, ward der 24. Februar 1229, und die Dauer desselben auf 1 0 Jahre 5 Monate und 40 Tage festge- setzt, ^^o -^ Ganz ohne Zweifel waren diese Bedingungen, trotz- dem dass Al-Kämil im Besitz von Hebron , Nablus , Tiberias und anderen wichtigen Punkten blieb, ganz unverhältnissmässig günstige ; sie waren ohne Blut erkauft , schnell errungen und gaben vor allem Jerusalem wieder in die Hände der Christen- heit, ein Erfolg, den der dritte Kreuzzug trotz kolossalen Kraft- aufv^andes nicht gewonnen hatte. Doch konnte und wollte Friedrich nicht ohne die Mitwirkung Gerolds, der doch immer- hin der Repräsentant der Kirche war, die Krönung des Werkes, den Einzug in die heilige Stadt, feiern. Er hatte nur flir sich gewonnen ; sein Zug war überhaupt kein eigentlicher Kreuz- zng im Sinne seiner Zeit,^»^ da gegen die Muslimen die Waffen nicht gebraucht worden waren , sondern nur eine durch mili- tärische Demonstrationen unterstützte diplomatische Unter- handlung , deren Resultate nicht die Kirche , welche für den Sultan nicht den Werth einer politischen Grösse hatte, sondern allein der Kaiser eingeämtet hatte. Es galt also, durch eine geschickte Wendung die Kirche, resp. deren Vertreter auch für die Theilnahme an seinen Eroberungen zu gewinnen. Doch wie sollte dies möglich sein? Die Kirche, deren Fluch noch auf dem Haupte des Kaisers lastete, sollte aus seiner Hand, der Hand des gebannten , verlorenen Sohnes ein Geschenk nehmen, sie sollte von ihm Jerusalem empfangen , das heiss- ersehnte Ziel unermesslicher Drangsale und Opfer, das schon über 40 Jahre lang in den Händen der „gottlosen Heiden'^ ge-

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{Schmachtet ! Gerold und seine Schildknappen muesten sich ins Herz hinein schämen, wenn sie überlegten, dass der Kaiser trotz aller ihrer Ränke und Missgunst »o Grosses ¥ollbi*acht hatte. Ohne jedoch den Patriarchen den sittlichen Triumph, welchen er über ihn feierte, durch kühne selbstbewusste Haltung fllhlen %n lassen, suchte Friedrich mit jenem grossartigen Edelmuth, der seine Schritte auf dem ganzen Kreuzzuge leitete, den hoch- müthigen Prälaten zu besänftigen und betraute den trefflichen Hermann, der wie kein Zweiter geschickt war, Frieden und Versöhnung zu stiften, mit der Ausführung dieser schwierigen Mission. Dieser bat den Patriarchen auf das eindringlichste, sich nicht von der Feier des grossen Tages der Besitzergreifung Jerusalems auszuschliessen; allein Gerold wich aus. Er wandte sich auf den Rath seiner Freunde schriftlich an Gerold ; jedoch dieser erklärte , dass , ehe über die Sache weiter verhandelt werden könne, er vor allen Dingen Einsicht in das Friedens- instrument gewinnen müsse. Der Deutschmeister übersandte ihm hierauf durch dessen Pönitentiar, den Dominikaner Walter, 232 den Vertrag. Der Patriarch war mit den Artikeln desselben höchst unzufrieden. Zunächst erschien es ihm als ein arger Betrug, dass der Kaiser mit Al-Kämil über Jerusalem, das nicht ihm, sondern dessen Neffen gehöre, unterhandelt und abgeschlossen; ausserdem aber habe der Kaiser nur fElr sich, nicht flir die Kirche erobert und das bettelhaft Wenige, was er gewonnen, durch elende Demüthigung erkauft. ^33 Ausser- halb Jerusalems sei kein Territorium den früheren geistlichen Besitzern restituirt worden, weder dem Patriarchen, noch den Kanonikern des heil. Grabes, noch den Johannitern , noch den Achten der Latina , des Thaies Josaphat , des Tempels , des öelberges und Zions, nur die Templer hätten einige Dörfer an der Strasse nach Jäfa wiedererhalten. ^34 Hingegen sei es Pflicht des Kaisers als eines Kreuzfahrers gewesen^ die Heiden zu bekämpfen und nicht, wie es vertragsmässig geschehen, ihnen freie Wallfahrt nach Bethlehem , eigene Gerichtsbarkeit, den Besitz zweier Moscheen einzuräumen und gar noch ein Schutz- und Trutzbündniss mit ihnen zu schlie8sen.23* Auf

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Grand dieser Bedenken wies daher Gerold Hermanns Gesuch kalt ab und untersagte sogar allen Pilgern den Besuch der heiligen Orte. Indessen traf am 7. Mäi*z der deutsche Ordens- bruder Leonhard ^a« mit schlimmen Nachrichten von den Ver- wüstungen der Schlüsselsoldaten ein , und es war nicht abzu- sehen, welches Unheil Friedrich noch weiter zu erwarten hatte, wenn er länger zögerte und unterhandelte. Er brach so- fort schleunigst von Jäfa auf, wo er die Cyprier zurückliess, und stand am 17. März, am Sonnabend vor dem Sonntage Oculi , vor Jerusalem , wo bereits der Commissar Al-Kämils, der Kadi Sams ad-dtn von Nablus , seiner harrte , um ihm im Auftragje seines Souverains die Stadt zu übergeben. Mit einer unbeschreiblichen Freude ^^^ zogen die Pilger in die alte heilige Stadt , und die christliche Bevölkerung kam ihren Glaubens- brüdem jubelnd entgegen. Vor allem aber konnten sich die Deutschen kaum vor Freude lassen ; sie sangen ihre Schlachten- lieder und illuminirten Abends die Häuser. 238 Der Zug ging nach der heiligen Grabeskirche, wo Friedrich, um den grossen, unvergesslichen Tag würdig zu begehen, ein Hochamt zu feiern gedachte ; allein der vorsichtige Hermann wies ihn darauf hin, dass er als Gebannter die Kirche betrete, und Friedrich diesem Winke folgend unterliess es. Am folgenden Tage, am 18. März, zog er ganz früh mit den Pilgern , denen sich auch die Erzbischöfe von Palermo und Capua angeschlossen, wieder in die Grabeskirche* Mit festem Schritte betrat der Kaiser den Hochaltar, nahm von ihm die Krone und setzte sie sich selbst, da keiner von den durch die Assisen des Reiches zur Krönung befiigten Prälaten gegenwärtig war, „zu Ehren des ewigen Königs^^ aufs Haupt. Hierauf verlas Hermann ein Memoran- dum erst deutseh, dann französi^h, worin Friedrich ausführte, wie er zu Aachen das Kreuz genommen, aber durch die mannig- fachsten Schwierigkeiten an der baldigen Ausführung seines Vorsatzes verhindert worden sei ; die harten Massnahmen des Papstes gegen ihn entschuldigte er^^o damit, dass der Papst „nicht anders als so den üblen Reden der Leute hätte aus dem Wege gehen können", und durch das falsche Gerücht, dass er

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gegen die Kirche Feindseligkeiten im Sinne geflihrt habe. Nach Beendigung dieser einfachen aber jedenfalls fllr alle Pilger tief ergreifenden Feier zog Friedrich mit der Krone auf dem Haupte nach dem Palast der Hospitaliter, wo eine Con- ferenz abgehalten wurde. 2*0 Er unterhandelte hierauf ausser- halb der Stadt mit den englischen Bischöfen und den Vertretern der drei geistlichen Orden von den Templern war nur der Praeceptor zur Stelle über die Neubefestigung Jerusalems. Sie baten um Bedenkzeit, unterhandelten jedoch an demselben Sonntage noch weiter und empfingen von Friedrich den Be- scheid, dass er ihnen am folgenden T^e antworten werde. Im Vollgefühl der Freude fertigte Friedrich noch an demselben Tage ein Rundschreiben und einen Boten an den Papst ab, wodurch er das grosse, für alle Christen, besonders aber für die Pilger so freudenreiche Ereigniss der Besetzung Jerusalems mit- theilte und so den wahrscheinlich schon aus Jäfä durch Erz- bischof Lando v. Reggio an den Papst gesandten Bericht über den Friedensabschluss vervollständigte. Allein seine Hoffnung durch seine Erfolge den Papst zur Milde zu stimmen war eben- so eitel, wie die auf Gerolds Versöhnlichkeit. Dieser nämlich, ob aus Beschränktheit oder Heimtücke, lässt sich schwer ent- scheiden, beschloss eine Gesandtschaft an Al-Näsir nach Damaskus zu senden, um seine Zustimmung zu dem von Fried- rich mit Al-Kämil abgeschlossenen Frieden zu erwirken. Natürlich ward sie von Al-Näsir schnöde abgewiesen, und nun hatte Gerold einen Grund mehr, den Frieden als einen falschen darzustellen.241

Am folgenden Tage, Montag den 19. März, erschien der Erzbischof von Caesarea im Auftrage Gerolds und belegte die heiligen Stätten mit dem Interdict.242 Ohne Zweifel hatte Gerold diesen Streich schon für den vorhergehenden Tag dem Kaiser, als er in Jerusalem mit Glanz und unter dem Jubel der Christen einzog, zugedacht; allein Friedrich war ihm zu unverhofft schnell gekommen, und so hinkte denn das Interdict dem Freu- denfeste nach. Als die Pilger von dieser Massregel Gerolds Kenntniss genommen, ergriff sie eine unbeschreibliche Wuth.

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Sie, die auf den finf der Kirche Gut und Blut für die heiligen Stätten zu opfern bereit gewesen, sollten diese jetzt nicht sehen: sie sollten die Geissei des Bannfluches ftihlen, da diese den Kaiser nicht sehmerzte. Hermann hörte, derGrund des Inter- dictes sei die Nichtbestätigung des Friedens durch Al-Näsir und die Ueberlassung zweier Moscheen in Jerusalem an die Muslimen ; aber er sowohl wie alle mit den Verhältnissen in Syrien ver- trauten Männer sagten es sich, dass der eine Grund ein Sophisma, der andere eine Unbilligkeit in sich schliesse, da die Muslimen in ihren eigenen Territorien z. B. in Damaskus den Christen die Ausübung ihres Cultus ja auch niemals verkümmert hätten. ^^' Friedrich beklagte sich gegen die Seinen bitter über diese Jerusalem von der Kirche selbst angethane Schmach und ver- langte vom Patriarchen Aufklärung, wobei er sich zu jeder Genugthuung bereit erklärte. An demselben Tage kamen in- dessen auch die englischen Bischöfe und viele angesehene Klger zum Kaiser , um die Sonntagsconferenz über die neue Befestigung Jerusalems fortzusetzen, und erklärten sich ein- stimmig jetzt bereit, den Kaiser bei diesem Werke zu unter- stützen. Friedrich gab auch darauf bezügliche Befehle ;24* allein der Boden brannte ihm unter den Füssen, und mit einer ausweichenden Wendung liess er die geistlichen Herren stehen, bestieg sein Boss und sprengte, „von Niemandem gegrüsst", so schnell , dass ihm die Seinen kaum folgen konnten , durch das Jäfäthor hinaus. ^45 Der Patriarch, welcher bis dahin ausserhalb der Stadt gewohnt und auch nur in den Kirchen vor der Stadt durch den Dominicaner Walter den Gottesdienst hatte abhalten lassen, zog nach Friedrichs Abreise, trotzdem der Besitz Jerusalems nur ein arglistiger Betrug sein sollte, mit seinen Suffraganen ein. Zu gleicher Zeit aber strömten die Pilger auf die Nachricht von Friedrichs eiligem Zuge nach Jäfa massenweise aus Jerusalem, um dem Kaiser zu folgen, während andrerseits die Muslimen in' hellen Haufen unter Weinen und Wehklagen über den Verrath des Sultans Jerusalem verliessen und sich in das Lager Al-Kämils begaben. Allein dieser empfing sie sehr hart und befahl ihnen , sich nach Hause zu

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packen. 246 Indessen machte die Uebergabe Jerasalems an die Franken in Damaskus noch einen viel tieferen Eindruck. Der Imam der grossen Moschee bestieg, von Al-Näsir aufgefor- dert , den Predigtstuhl und verkündigte unter Wehklagfen das grosse Unglück , das der Islam erlitten , und Alles brach in Weinen aus über den Verlust der heiligen Stadt. ^47 Ein wilder Fanatismus durchdrang die Herzen aller Muslimen gegen den Verräther Al-Kämil, im ganzen Sultanat wurde eifrig gerüstet; allein die Alliirten waren schon von Teil al- agül aus im Anmärsche und schlössen Damaskus mit einem starken Heere ein.^^^

Am 22. März 249 kam Friedrich über Jäfä nach 'Akkä, wo er höchst kühl empfangen wurde. Einige Tage später erschien auch Gerold und gab sich alle erdenkliche Mühe, die fran- zösischen Pilger von ihrer beabsichtigten Heimkehr abzuhalten, weil der Friede des Kaisers doch nur „ein falscher Friede" sei, und ohne ihre Hülfe das heilige Land rettungslos den gott- losen Heiden wieder verfallen werde. Der Kaiser erklärte alle diese Anklagen für ungerecht, da der Friede in richtiger Form mit dem Besitzer des Landes , das ihm kraft; des Rechtes der Eroberung gehöre, abgeschlossen sei. Am folgenden Tage liess Friedrich vor den Thoren die Prälaten, Pilger und Einwohner der Stadt zu einer Versammlung laden, erhob hier gegen den Patriarchen und die Templer die Anklage , dass sie Frie- densstörer seien , und liess , da der Patriarch hatte Truppen werben lassen, durch Herolde allen Pilgern befehlen, sofort mit ihm die BückkehT in die Heimath anzutreten. Dass diese Massregel durchaus nothwendig war , ist aus der Geschichte der Kreuzzüge klar zu erkennen. Denn die Christen haben die mit den Muslimen abgeschlossenen Friedensverträge fast nur respectirt, wenn sie zu schwach waren ; sonst haben sie diese fast regelmässig gebrochen, und Friedrich musste voraussetzen, dass Gerold den durch diplomatische Gewandtheit gewonnenen resultatreichen Frieden wieder brechen wollte. Friedrich gab daher dieser Äuflforderung Nachdruck. Er liess die Thore der Stadt schliessen , die Wälle und Thürme mit Bogenschützen

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besetzen und das Templerhaus seharf bewachen , so dass Nie- mand weder heraus noch hinein durfte. Gerold griff gegen diese Massregeln des Kaisers zu der abgenutzten Waffe des Bannes ^ worauf dieser nun den Patriarchen selbst in seiAem Palast dureh Bogenschützen fünf Tage lang belagern Hess, um ihn erentnell durch Aushungerung zu milderer Gesinnung zu stimmen. Allein der Kaiser nahm seine Wachen wieder zurück, da Gerold nur unterhandeln wollte , wenn die Bogenschützen von seinem Palast entfernt würden. Kaum frei, sprach er „gegen alle Feinde der Templer, der Kirche und Pilger sowie über 'Akkä^' das Interdict aus ^^^ und liess es Ton den Kanzeln sämmtlicher Kirchen verküiidigen. Als in Folge dessen am Palmsonntage (8. April) die Minoriten in den Kirchen mit feurigen Zungen gegen den entarteten Sohn der Kirche donner- ten und unter schrecklichen Verwünschungen ihn dem Höllen- pfuhle übergaben , liess Friedrich mehrere derselben von den Kanzeln herabreissen und von seinen schadenfrohen Soldaten erbarmungslos durch die Strassen peitschen.

Indessen kamen neue Hiobsposten aus Italien ^^^ und mahnten zur schleunigsten Bückkehr. Sämmtliches Heei^eräth nnd alle Waffenrorräthe liess Friedrich auf die Schiffe bringen, die überzähligen Galeen aber verbrennen, ^^^ und machte sich zur Abfahrt bereit. Zwei treue Anhänger Friedrichs, Johann v. Ibelin und Werner wurden als Baillifs eingesetzt, ^^s Balian V. Sidon empfing das Schloss von Tyrus zur Bewachung, und in die Gitadelle von 'Akkä wurde eine starke Garnison gelegt. Die Einkünfte der Deutschritter wurden vermehrt, der District, welcher um die ihnen gehörige Burg Montfort lag, wurde ihnen tiberwiesen, ebenso das zwischen der Stadtmauer und der Stadt liegende Gebiet, um den Einfluss und die Macht der franzö- sischen Orden einzuschränken und etwaige Schilderhebungen gegen den Kaiser in 'Akka sofort durch energische Massregeln unm^lioh zu machen. 2** Am 1. Mai verliess er 'Akkä. Als er mit zahlreichem Gefolge nach dem Hafen sich zur Abfahrt be- geben wollte und das Schlächterviertel passirte, warfen die Schlächter, wie erzählt wird, unter gemeinen Schimpfreden

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ihm die Eingeweide von Thieren nach, so dass Johann v. Ibelin und der Conn6table Odo erst gewaltsam Ordnung schaffen mussten. Als er das Boot bestieg, das ihn zu seinem Schiffe führen sollte, rief ihm Johann freundliche Abschiedsworte zu, worauf Friedrich halblaut mit „zweifelhaften Worten" geant- wortet haben soll. Hierauf erhob er seine Stimme , grüsste freundlich die am Ufer stehende Menge und empfahl das Beich Jerusalem der Obhut seiner Baillifs. 2^^ Die Flotte, 7 Galeen stark, lichtete die Anker, und Friedrich erreichte mit dem Markgrafen Bonifaz v. Montferrat und dem jungen Könige von Cypem nach glücklicher Fahrt Limissol , wo er der Hochzeit der Schwester des Markgrafen mit König Heinrich beiwohnte. ^^^ Am 10. Juni landete er heimlich zu Ostuni ^^^ an der apulischen Küste, den Päpstlichen zum nicht geringen Schrecken, da man das Glerücht ausgesprengt hatte, der Kaiser sei nicht mehr am Leben.^ös Bald nach seiner Landung trafen auch viele heim- kehrende deutsche Pilger ein, allein sie wollten nicht bei ihm bleiben, sondern segelten nach Venedig ab. Jedoch der Sturm trieb sie wieder in den Hafen von Brindisi zurück , und nun schlössen sie sich dem kaiserlichen Heere an.^s» Friedrich hatte kaum den Boden seines Königreichs betreten, als er auch sofort zwei Deutschherren an den Papst absandte, um Ver- söhnungsversuche zu machen ; bald darauf sandte er auch den Erzbischof von Beggio und Bari an die Curie in gleicher Mission, aber beide Male ohne Erfolg. Der Papst antwortete damit, dass er am 23. Juli dem Erzbischof von Caesarea die Ex- communication Friedrichs in Syrien von neuem befahl, ^^o im August selbst wieder den Bannstrahl gegen Friedrich schleu- derte ^ßi und im September Frankreichs Hülfe gegen den Kaiser anrief. 2^2 Xm 5. October richtete Friedrich von San Germano aus an die Lombarden ein Manifest, worin er seine glückliche Heimkehr und seine Waffenerfolge gegen die Feinde meldete, und wenige Tage später auch an die Fürsten der Erde , worin er sich gegen die päpstlichen Anschuldigungen zu vertheidigen suchte. 2ö3 Die raschen und wuchtigen Schläge, mit denen Friedrich die Schlüsselsoldaten zu Paaren trieb, noch mehr

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aber die finaneielle Ohnmacht, welche trotz der abgefeimtesten and unverschämtesten Gelderpressungen die Curie drückte, ^ö* stimmten endlich Gregor zu milderen Gesinnungen. Seit dem November 1229 gewannen die Unterhandlungen Aussicht auf Erfolg, besonders unter Vermittlung der Herzöge Leopold von Oesterreich,^^ Bernhard von Kärnthen und Otto von Meran, des Patriarchen Berthold von Aquileja, der Bischöfe Siegfried von Salzburg, Siegfried von Regensburg und Peter von Win- chester. ^»^ Im Mai 1230 ward die Friedensurkunde ausge- fertigt, 2^7 am 2S. August der Bann widerrufen ,2<*® und am 1. September öffnete der Papst dem reuigen Sohne der Kirche zu Anägni seine Arme.^e» Mehrere Tage verbrachten beide Gewaltigen im traulichen Gespräche mit einander; nur der anvergleicfaliche Hermann, der so treu und unverdrossen seinem Heinn und Kaiser in Syrien zur Seite gestanden, durfte als dritter zugegen sein, und er mag in Jenen wichtigen Stunden wohl das Meiste dazu beigetragen haben, um die beMen Herren der Welt mit einander zu versöhnen und ihre Hände zu Ein- tracht und Friede^i in einander zu legen.

Wenige Momente waren dem Kaiser in seinem Leben voll 8tarm und Drang gegönnt, wo er so das Bewusstsein eines überwältigenden Sieges in sich tragen durfte, wie nach diesem imblutigen, raschen und resultatreichen Kreuzzuge, dem keiner weder vorher noch nachher in einer dieser Beziehungen gleich gekommen ist. Ein diplomatischer Feldzug hatte in kurzem zu wege gebracht, was durch die gewaltigsten Opfer an Gut und Blut von den vereinigten Heeren der Deutschen, Engländer und Franzosen nicht hatte erreiöht werden können ; Jerusalem, das historische Gentrum des Ghristenthums, war ge- wonnen , und ungehindert durften die Gläubigen wieder nach dem heiligen Grabe wallen. Dazu hatte Friedrich über das Papstthum einen moralischen Triumph errungen und es in einer Weise beschämt, dass die Welt keinen Augenblick in Zweifel sein konnte, dass die Curie trotz allen formellen Rechtes am Kaiser schweres Unrecht begangen und nur der grandiose Erfolg des Letztem sowie die kläglichen Niederlagen ihrer

Röhricht, Beiträge. 4

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Waffen sie zu der Versrohnung gezwnDgen, die dier Kaiser hoeh- hi&rsig und edelmttthig als Sieger von dem Beisiegten erbeten. Oregor mag »eiiie moralische Niedertage wohl gefttblt haben ; aber das Unreebt, welches er gegen den Kaiser begangen , hat er niemals durch ein rechtschaffenes Wort des Lobes und Dankes dafür, dass Jerasalem der Christenheit wiedergegeben war, gnt zu machen gesncht ; im Gregentfaeil in der Bannbulle Ton 1^9, ebenso anch in der von 1245, welche Innoe^iz FV gegen den Kaiser schleudert, kehren die alten Vorwürfe w^en eines Friedens mit den ^gottlosw Heiden", wie ihn Templer und Könige von Jerusalem frifter und später oft gen^g ge- schlossen, wieder. ^7<^ Gleiehwohl hat Gregor die Segnmigen dieses von ihm verworfenen Friedens bis dahin bestens aeceptirt, und ims seinem Auftreten gegen die dem Frieden feindlich Ge*- sinnten lässt sich wohl erkennen, dass er die Wichtigkeit und die Tragweite desselben anerkannte. Er ermahnte den Templer- meister, d6n Frieden, vrelchen der Kaiser gewonnen, nicfat zu brechen, ^^^ Hess die beiKgen Stätten wieder wdJien,^^^ des- avouirte den antikaiserlichen Gerold ^^^ und arbeitete rüstig an der Herstellung des Gehoarsan» gegen den Kaiser in Syrien. ^^^ Friedrich jedoch suchte die Beziehungen, welche er durch den Kreuzzug mit dem Osten gekntkpft, besonders nach merkan- tiler Seite weiter auszubeuten, während ihn die politisehe Lage seines neuen Königreiches weniger interes(»rte. Im Jahre 1231 sandte er Heinrich MulasBan de Yolta und Paganns de Rudolfe nach Alexandrien,^^ worauf im folgenden Jahre Al- Kämil eine Gesandtsohaft zu Friedridi schickte , welche unter anderen Geschenken ihm ein prachtvolles Astrolabium Über- brachte. ^^ Friedrich nahm die Gesandtai höchst ehrenvoll auf und gab ihnen in Lueeria ein grosses Bankett. ^^ Zu gleicher Zeit schlosB Friedrich aber auch mit Tunis einen Freundschafts- und Handelsvertrag, 2^^ und seinen Fusstapfen faigteB die meisten norditidischen Seestädte ; ^^^ ihre Schiffe fahren , wie Gregor klagt, ^zum Aergemiss der Christenheit und sum Scha- den ihrer Seele^, selbst nachdem Friedrich zum zweiten Male gebannt war, immer nur unter kaiserlicher Flagge in die mus-

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limigchei^ HäfeB^^^^ AIb AUKäiml gestorben war (27. Febr. 1238), pflegte Friedrich mit dessen Söhnen die nun schon tradi- tionell gewordenen Beziehungen weiter, ^^^ suchte den nach Syrkjä ziehende Pipern durch Empfehlungen zu nützen ^^^ und verspraeh ihnen auch seine Intervention bei den musli- mischen Herrsehem.^^^ Im Jahre 1240 erneuerte er seinen be- reits 1231 mk Al-Kämil vereinbarten Vertrag mit dessen Nach- folger Nagm adf-dln^s* uiad den Vertrag mit Tunis, 2^^ während er im fönenden Jahre mit Marokko abschloss, wodurch er sich sowohl dea reichen Getr^idemarkt dieses Landes eröfiEuete, als auch das Recht sidherte^ muslimische Söldner daselbst zu wer^ beA.286 Er erlangite beispiellose Beichthümer. Prächtige Be- stien, ^^^ mit Gold befraclitete Kameele,^»^ edle Pferde, ^^^ die kostbasj^teB Stoffe und Steine, kurz alle ntöglichen Erzeugnisse wnrdea ibiaa von den orientalischen Gebietern geschenkt, flös- sen ihm durch den Handel zu, der bis nach Indien hinaus unter dem Namen des grossen Frankenk^gs von Europäern getrie- ben wurde, ^^^ Seine vertrauteste Umgebung bildeten Muslim men,^^^ und diesem Kreise entstammen seine philosophi- sche», ^^^ kirchenfeindfichen Ansichten ^ zum Theil auch jene Lasdvität, die bereits 1229 durch Gerold getadelt, allmählig aber ein immer grösseres Aergemis« wurde. ^^^

Die Freundschaft zwischen der Krone Sit^ilien und den orientalischen Souveränen ward nach Friedrichs Tode von Manfred ^^^ und selbst von Karl von Anjou 205 weiter gepflegt, trotzdem letzterer die Krone Siciliens nur unter der Bedingung erhalten, keine Freundsehaftsverträge irgend einer Art zu sehliessen.^^^ Endlieh am Schlüsse des 1 3. Jahrhunderts (1290) unterhaüdelt selbst Alphons von Aragonien mit dem ägypti- schen Gabinet und bittet um dieselben Rechte und Vergünsti- gungen für seinen Handel, wie sie einst Friedrich II bewilligt erhalten hatte.^»?

Es ist unmöglich hier weiter auseinandei-zusetzen, welch hohe Bedeutung fttr die damalige Zeit und die kommenden Ge- schlechter die Eintracht jener beiden ausserordentlichen Män- ner Friedrieh und Al-Kämil besass, welche in die Herrschaft

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der Welt getheilt und als Repräsentanten von zwei grossen Cultuvformen sich die Hände reichten. Nur das Eine wollen wir hervorheben, dass seit diesem Augenblicke die ideale Po- litik der frühem Kreuzzüge in den Hintergrund trat, und die materiellen Interessen, die Interessen des Handels und der Industrie, bestimmenden Einfluss gewannen. Das Ritterthum und die ritterliche Sangeskunst verfiel; die Deutschen und Skandinavier zogen sich seit dieser Zeit von den Kreuz- fahrten ganz zurück. Das heilige Land hat darum keine gros-- sen christlichen Armeen mehr gesehen; die bedeutendsten Züge, welche folgten, waren ohne allgemeine Betheiligung und gegen Aegypten und Tunis gerichtet. Ueberhaupt sanken die Kreuzfahrten allmählig zu dem herab, was sie früher ge- wesen waren, nämlich Pilger^üge mit bloss privatem Cha- rakter ohne die Betheiligung aller Nationen, ohne die Füh- rung gekrönter Häupter. Ebenso ist kein Kaiser des römischen Reichs mit seiner imposanten Machtfälle und dem Nimbus sei- nes Namens seitdem als Heerführer wieder in das heilige Land gezogen; aber die Sage hat die Meerfahrt und die Un- terwerfung des Islams bis-in das späteste Mittelalter von dem grossen Kaiser erwartet und gehofft, der einst kom- men sollte, um das Reich aus seinem Jj^mmer und Elend wieder zu Glanz und Ruhm zu führen. Und dieser grosse Kaiser, er- zählt die Sage, ist nicht Friedrich I, sondern Fried- rich 11,298 der für einige Zeit in die Verborgenheit, sich 5iu- rückgezogen hat,^-^^ aber, wenn es Gottes Rath beschlossen, die Kirche zu ihrer ursprünglichen Schönheit und Reinheit zu- rückführen, das heiligeLand gewinnen und einen ewigen Welt- frieden herstellen wird. Dies glaubten und hofften viele Tau- sende frommer und patriotischer Männer, und der Bettelmönch Johannes von Winterthur , so wenig er ihre Meinung theilte, hat ihre Ueberzeugung in den ergreifenden Worten ausge- drückt : „Er wird kommen, unser Heiland Friedrich II, in ge- waltiger Majestät und wird die verrottete Kirche läutern und verbessern. Er wird kommen; denn er muss kommen. Und wäre sein Leib in tausend Stücke zerschnitten, ja wäre er zu

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Asche verbrannt, so wird er doch kommen; denn es ist im fiathe Gottes also beschlossen und kann nicht anders sein. Wenn er das Rieich wiederum hat, wird er die Tochter des armen Mannes dem reichen Manne zum Weibe geben, er wird die Nonnen verheirathen und die Mönche zur Ehe anhalten, den Wittwen und Waisen und allen Beraubten das Ihrige wie- dererstatten und Allen ihr Recht zu Theil werden lassen reich- lich und vollauf. Die Priester aber wird er mit solchem In- grimm verfolgen, dass sie, wenn sie nichts andres haben, mit Mist ihre Tonsuren bedecken werden, damit man sie nicht als Priester erkenne. Und diejenigen Geistlichen, welche die Bann- sprüche wider ihn verkündigt haben, zumal die Bettelmönche, wird er vom Erdboden vertilgen. Darnach, wenn er dies Alles wird vollbracht haben, wird er mit grosser Streitmacht über das Meer ziehen und auf dem Oelbergß das Reich niederlegen." ^^o Dasselbe sagt auch der Thüringer Chronist Rothe, und seine Worte verdienen Angesichts der augenblicklichen Lage unseres Vaterlands wohl vernommen zu werden. Er sagt: ,,Han meynet wol, das vor dem jüngsten tage eyn meehtiger Keiszer der Christenheit werden snlle, der frede machin snlle vnder den fürsten, ynde denne snll von om eyne meerfahrt werden, vnde d^r suUe das heilige grab gewynnen^ vnde de nenne man Fre- derieh vmbe firedis willen, den her maehit, ap her nicht alszo getnoffet ist." ^^^

Anmerkungen.

.-'■,/- N.^/'V. /^-^

l)So nejiDt ihn Byeeardas de Sau Qßrttümo i>ei Pertz.XlX. p. 338.

2) Frie4ric]^ besagt ekk in seinem iSendscI^reiben an alle Könige bitter über sein^ trübe Lajfe in 3iciUen (ß, Br^. 1. 78 f. ; vgl. P, Legg. II. 227, 231) ; ganz besonders zeigten ' sich gegen ihn die Templer gehässig (H. BrA. II. 252), nnd anch vonseiten der Curie blieb er trotz aller Freundschaft (Potth. 5514) nicht ohne BeunnihigHng, da man die Hohenstaufen doch Immer als ein I^etxergesphiAfibt ansah (H. Br4h. I. 70rr-78 ; III. 38). So hat z. B. Innocenz lU das Ml^ro^en, 4a89 F^e4Hc^ ^ nn^eoigeachobeM^ Kif)4 ^U geglai^bt (vielleicht erfanden !) qnd verthei4igt. Mnratori III A. ^, 49} ; Chronic, Salim^. p. Id (ed, Parqa.)j vgl. Rog. de Hoved, ed. StubbsIV. pag. 31.

3) So wird Friedrich in sehr vielen, besonders romanischen Quellen ge- nannt, z. B. Chron. Mort. Mar. 85&; Bob. Mont. 344; Chronic. Andr. 577; Chropic. Uid. 71ß(bei Bouquet XYIIl.); Chronic. St. Den. 3^6 (beiBouquet XVII.); Bich, Sanen. 42 (bei Boel(n?r, ^^t. ü.); Afinal. Why«^. 321 (e4. Luard), , .

4) üeber diese ^Qhlaclit Winkelmann I. 56— 60j 102—104. Diese Be- ziehungen Friedrichs zu Frankreich sind klar erörtert von Scheifer-Boicborst in den : „Deutschen Forschungen", Band VIII. p. 467 562. Vgl. H. BrÄ. I»- troduct. CCLXXXVII bis CCCXXIII. -— Kurz vor die oben genannte Schlacht fällt die Ermahnung des Troubadours Pierre d'Auvergne an die Könige Otto, Johann und Philipp, Frieden zu machen nnd einen Kreuzzug zu unternehmen. Histoire litt, des Tronbad. II. pag. 20.

5) H. Brtfh. I. 742; II. 123, 409; III. 39.

6) Fbenso richtig sagen Rycc. 337 : „in rependium coUati sibi coelitus benefleii"; Chron. Laud. 718 (Bouq. XVIII.): „mox de honore percepto Deo gratias solvens"; Annal. Trudp. 293 (Pertz XVII.) : ^^racie Dei non ingratus cruce Signatur^*. Lorenz (in Sybels Zeitschr. XI. 332) meint dagegen, Friedlich hätte schon 1215 keine Lust zum Krenzzuge gehabt, und Kestner p. 14 glaubt, Friedrich habe wohl mehr den politischen Vortheil, den die Kreuzzüge bisher der Curie gebracht, indem er ihrem Arrangement vorauskam, im Auge gehab| und sich sichern woftn. Vgl. dagegen Schirrmachers gediegene Ausführung II. 41 f.

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7j lUs eiste Mt) w«r Friedrich am 9. Decemter 1212 geki$Rt wordon. H. Bush. I. 230; vgl. Bob. Alt. 281 (bei Boa^oet XVm.> »eto. Leod, 380.

8) ReiD. Leed. 384; vgl. Winkelmann p. 69. t Note 2.

9) Als Kreuzprediger werden genannt ^hsnnee SdioUslicos von Xanten (Aim. Colon, max. 827. P. XYII.) und DeUn Koarad. (Rein. Leod. 383; Ann. Uaibac. 173).

10} Rein. Leed. 383; Abu. Colon, max. 827.

11} Br wird auf kehiem KreiuzQge eiwUmt, scheint daher sich wahrschein- lich Ahsokitlon TOD seinem Kreuzgeiübde verschafft zu haben, ebenso die meisten andera mitgenaiiBteB : Hu^, Bisehbf von Lüttich (f 12. April- 1229), Hein- rieh, Bischof von Strassbnrg, Heinrich, Herzog ton Brabant, Rudolph und der Graf von Sayn. Die in der <^iieUe nur abgel^firzt gesohrfebenen Namen der Kreuzfahrer laBs«n sieh veryoUstandigen ans ihren Unterschriften zu den Ur- koaden von Andernaßh (3. Mal) und Aacdlien {29. Joli).- H, Breh. I. 318 uttd401.

12} £gbert ging mit seinem Bruder, Herzog Otto von Meran, 1217 mit dem König Andreas nach dem heiligen Lande. Ann. Marb. 174..

13} Ulrich ging mit dem Her^^g Ludwig von Bayern 1220 mAh Dami^te (Cont. Garst. 595) und starb 1221 auf der Heimlcehs. Ann. Qottw. 603; Cent Clauetroneeb. H. 623.

14) Er starb a<^on 1221 nach Albericus ad annom.

15} Ihm wurde der 1222 von Hoaorius Ul erbetene Aufschub »eiaer Kreuzfahrt abgeschlagen (Rayn. Ann. 1222 ; ^5.), seitdem wird er nicht mehr in der Kreuzgesehichte erwähnt.

16) Dux de Aneei oder Nanceji (Nancy), nicht Anstriaa, wie Wilken VI. 103, Anmerk. 100 lesen will. . Uebrigens starb Theobald scjbon 1219 (H, Breh. I. 805 Note), nach Albericns 1220.

17} Als Zeuge am 20. Juni 1215 genannt. H. Br^h. I. 338. 18) Hermann von Baden focht mit vor Damlette. Oliverlua 1427. 19)Xudwig II starb nach Albericas schon 1218.

20) So ist wohl nach Beehmers Vorgang der Name H. cemes de Seine lesen; cf. Note 11.

21} Adolf vonBerg ist vor Damiettc Führer der Friesen. Jac. de Vitry 1132^ 22) DerHanptkreuzpredig^ in.D e utschland «asser den oben genannten, war der Kölner Seholasticus Oliverius, der mit Magister Hermann von Bonn seit dem 16. Februar 1214, wo er in Lüttich auftrat, mit riesigen Erfolge, beson- ders unter der triesiachen Bevölkerung, wirkte. P. XYI. Rein. Leod. 671 ; Aim. Stad. 856 ; Albericns 1214 ; Ann. Colon, max* 827. Am 31. Mai finden wir ihn wieder in Lüttich, wo er auf der Heimkehr von Friedend am Sonntag Exaudi predigt. Rein. Leod. 672.

23} hl Frankreich predigt seit 1213 Cardinal Robert, der an Lahme, Blinde, Greise, Kinder, AVeiber und Verbrecher Kreuze austheilt. Albericns 121o-, Gml. Armer. 108 (bei Bouq. XVU.); Lamb. bei Martene V. 43 ; Chrom

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L«iid. 718 und Rob. Altiss. 283 (bei Botiq. XYIII.). Konig PhUip{> gtobt auf den R«th der Bischöfe Peter von Paris und Gn^rin von Senlis die berühmten Cr- donnances (d'Achery^ Spicileg. III. 577) , welche die Rechte der Kreuzfahrer feststellen sollten. Notices VI. 605.

24) In England nahm König Johann am 4. März 1215 das Kreuz (Ghron. Wyk. 58 ed. Luard; Ann. Theokesb. 61 ed. Luard; Chronic. Laud. 718 bei Bouq. XVIII.), wogegen Matth. Parts 213 (Ausgabe von 1684) den 2. Februar

-angiebt. €f. Chronic. Savig. 352 und Cent. Rob. Mont. 345. Johann starb aber schon am 19. October 1216 (Ann. Waverl. 286; Ann. Ösen. 60), und am -28. October wurde Heinrich gekrönt; dieser nahm sofort das Kreuz. Rog. de Wendow. rv: 3. Pötth. 5427.

25) Innocenz hatte am 27. April 1214 selbst an Malik AI- Adil, den Bruder Saladihs , geschrieben und die Abtretung Jerusalems sowie die Freilassung der christlichen Gefangenen verlangt (Ryccard. 335 f.), und damit steht wahrschein- lich in Verbindung die Absendung des Erzbischofs Giovanni Cicala von Oefalu an die Cabinette von Cairo und Damaskus. (Er war Erzieher Friedrichs gewesen. Vgl. D. Forsch. VI. 395) v Diese Mission wird bezeugt durch die tJeberschrift eines Porticus der Kathedrale von Cefalu ; .,Vade in Babyloniam et Damascum et fllios Saladini (<Safädini zu lesen?) et verba mea audacier loquere, ut statum ipsius valeas melius reformare.^' Amari Storia III B. p. 635. Jeden- falls war der Erfolg des Erzbischofs ein geringer, und jetzt begann in Folge dessen die energische Arbelt des Ooncils für den Krenzzug. Reichlich wurde Ablass ausgetheilt an alle diejenigen , welche direct oder indirect für die Sache des heiligen Grabes sich bemühten , und gegen alle, die mit den Saracenen irgendwie in Freundschaft lebten, (cf. dagegen die eigenen Briefe von Inno- cenz H. Br^h. I. 70—76, 164 f.) wurde der Bann geschleudert. (Raynouard, Choix II. LXXIV LXXVI.) Alle Turniere wurden auf 3 Jahre untersagt, und ein vierjähriger Weltfriede verkündigt. Ausserdem wurden monatliche Proces- sionen in den Kirchspielen angeordnet, ferner Psalm 78 und 67 an gewissen Stellen der Messe eingelegt, und ein Altargebet zur Befreiung des heiligen Lan- des sowie die Aufstellung eines Opferstockes in jeder Kirche befohlen. Endlich , machte Innocenz den Fürsten den Kreuzzug dadurch plausibel , dass er durch «ine eigenthümliche Rechnung mit der Zahl des apokalyptischen Thieres (666) das baldige Ende des Islam als bevorstehend herauscalcnlirte. Mansl XXII. col. 956—960. Trotz aller dieser Anordnungen war in Frankreich die heilloseste Verwirrung in Bezug auf alle die Kreuzfahrt betreffenden Massregeln , -wie *der Praemonstratenserabt Gervasius berichtet. Epist. Hon. 618 620 bei Bouq. XIX. In diese Zeit fällt wahrscheinlich auch das Kriegslied des Troubadours Aimeric de Peguilain. Diez, Leben d. Troub. 435.

26) Innocenz hatte die Templer um Bericht ersucht über die Sitten und politischen Verhältnisse der Muslimen , worauf diese schrieben : „Volunt isti (Saladins Nachkommen) libenter reddere in manus domini papae terram sanctam. quam tenent, ad opus christianorum et, ut certi sint et securi de alia terra,* a

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fopola cfaristiano singulis annis volnot esse sub certo tribnto Iherosolymitano 6t dabant inde cautelam -Romanae eoclesiae de non impedieiida amplius terra sanpta, qua dominus noster J. Chr. suis pedibus ambulavlt.^ Ilycc. 336. Oanz ohne Zweifel sind die Angaben Lügen ! Vgl. Pertz, Arcb. XII. 238 Na. 3851.

27) Ueber den grossen Sieg, welchen die Tereinigten christlichen Fürsten Spaniens im Juli 1212 über die Araber da^on getragen, vgl. Ryecard. 336 f. und besonders De Slane, Hlstolre des Berb^res II. 224 f.

28) Das Itinerar von Innoeenz in der Bibliothdque de V<^cole des chart. IV Serie, tome 3 p. 533 f ; Annal. Senens. 227. Kurz zuvor hatte er den Car- dinallegaten Gualo nach Paris abgesandt, der dort ipi Mai angelangt war und den Prinzen Ludwig abhalten soUte von seinem Kriege gegen den jungen König Heinrich (,,cmo6 slgnatnm'*) Hlst. reg. 428 ; Ghron. Andr. 577 ; cf. Epistol. Bon. p. 625 (17. und 19. Januar); p. 626 (20.. Januar); 629 f. (21. April 1217), allein alle Drohungen des Legaten waren vergeblich ; Ludwig segelte nach England. Chron. Land. 719.

29) üeber das Datum siehe den Brief des Jacob v. Vitry in den M^moires de l'Acad. Beige Xlll. p. 31 ; vgl. Winkeim. in den D. Forsch. X. 252 u. 254 u. Potth. p. 468.

30) Potth. 5317, 5321. Dass trotz des zwischen England und Frankreich aasgebrochenen Krieges noch am 1. Juli 1217 eine allgemeine Kreuzfahrt mög- lich sei, glaubte Honorius noch fest, wenigstens ermahnte er (7. August 1216) viele hervorragende französische Magnaten, (Eplst. 610 bei Bouq. XIX.) ihre Kreuzfahrt anzutreten, ebenso in einem Schreiben vom 3. und 5. December 1216 (Eplst. 615 f.). Ausserdem liess er den Brzbischof Simon von Tyrus herüber kommen, um durch lebendige Schilderungen der Gefahr des heiligen Landes das Volk zum Kreuzeseifer zu entflammen. Eplst. 615; Chron. Andr. 577; Alberic. 1218. Die englischen Kreuzfahrer liess er, um ihrem König gegen*Frankreich helfen zu können , ebenso viele Untaugliche, namentlich Weiber und Kinder, ihres Kreuzgelübdes ledig sprechen. Chron. Andr. 577; Epist. 623 (17. Jan. 1217). Gegen alle den Prinzen Ludwig unterstützende Magnaten verfügte er kirchliche Strafen. Epist. 611 (16. September 1216) und Epist. 622 f. (3. Jan. 1217; cf. Schirrmacher I. 529--532; 21. April 1217) und Epist. 669 f. (5. Sep- tember 1218). Ausserdem suchte er alle Störungen, die die Kreuzfahrt unmög- lich machen konnten, zu beseitigen. Vgl, Epist. 637(28. October 1217); Thein., Mon. Hib. p. 4(29. April 1217); Epist. 631 ff. (2. Mai 1217); Epist. 687 (Mai 1219) ; Kpist. 714 (22. December 1220).

31) Raumer 1 17. Honorius versprach, einen Legaten nach Deutschland an Friedrich zu senden, um mit ihm über den Kreuzzug zu unterhandeln, und zwar auf dessen Wunsch. Rayn. 1217; § 41. Raumer, welcher im vatikani- schen Archive für die Jahre 1215 1217 keine Correspondenz zwischen Ho- norius und Friedrich auffand , vermuthet, dass sie entweder mündlich geführt ^urde, oder verloren gegangen, oder aber ganz unterbrochen war. Vgl. dagegen Winkelmann I. HO, Note 2; Schirrmacher II. 47. Honorius erwähnt der

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bevorstebeuden KreuziPfthit Friedricbg in einem S<^mben an den Erzbificbof yc« Bens (4. November 1217) und fordert ihn auf, die Pilger aufznmuntern, «Lob ab dessen Kreuzbeei anznacbUessen. Epist. 638.

82) Böbm. Beg. 249; H. Br^b. L ö84--5«6; lUyo. 1219) $ 7.

^) Zu gleieb«r Z«it »eereditlrte Honof ius JKonrad (epäter Bucbof tdq HU- desbfiim) bei den deutflcben Prälaten ate päpsllicben Kreuz^ugspraUtd«. Bobmavsi Reg. Hon. 32.

d4) WinkeUnann 115. Da» Sebreiben ist niehjt erbalten.

35) H. Br^. 1.^36 In» 636 9.; er aplelt bier a^cb auf Verleibung der Kaiserkrone an. (Bdbmers Reg. 279).

36) H. Br^b. I. 674. An demt^ben Tage sebrieb flonorios an den Lega- ten Pelagius von Daüuette und tröstete^ ibn damit, Friedri<^ komme nlkcbsteaB gana bestimmt. H. BrA. 1. 805-^904; cf. Epist. 690 f. . .

37) H. BriOi. I. 691; Rayn. 1219; % 9. Cf. Winkelmaaii 120.

38) H. Br^. I. 724; Hahn, Mon. vet. I. 361.

39) H. Brtfb. I. 746; Rayn. 1220; % 6.

40) H. Br^b. I. 784; cf. Winkelmann 123, Note i; docb vgl. Pottb. 6311,6343. , -

41) Rein. Leod. 677 f. ; Bobmers Reg. imp. 328. Naeb Wilmanns (Haupt, Zeitacbr. ZUI. 266; vgl. Pfeiffer German. V. pag. 33) varaucb Walter von der Yogelweide auf diesem Reichstage anwesend,

42) Rayn. Annal. 1220; % 46.

43) Winkelmann 145.

44) Die päpstliche Iftstruetion fax beide steht bei H. Breh. I. 880 f. (10. November 1220); vgL Chroa. Sicul. 896*

45) Schirrm*cber JI. 19; Chio^u Sioul. 89ö; Chron. Salimb« p, 5 (ed. Parm.) ; B6bmer 381 ; Potth. p. 559. Bei dieser Gelegenheit bat Friedrieb auch den Papst, den dentsoben Ritterorden dea übrig^i geistlichen Orden gleich zu stellen, vras dieser auch tbat. Böhmer, Reg. imp. 463 ; vgl. Potth, p. 598 ff. Auch Ballan v. Sidon nahm wahrscheinlich Theil am Fest der Krönung. Cbron. Salimb. p. 5.

46). Rein. Leod. 386; Rieh, Sanon. 47 (bei Böhmer IL); Flor. Minor, (bei Böhmer IV.) p. 641 , Chron. in^d. bei H, Br^h, II. 2.

47) H, Br«h. U. 52 f.

48) H. Brelj. I. 780 ; II. 52 f.; Rayn. 1221 ; % 9. Vgl. Potth.. 6415.t

49) H. Br^h. II. 142—144. Am 15, December 1220 bftt«e Honorius «n Pelagius geschrieben, Friedrieb werde im März 1221 landen (Rayn. 1221 ; g 21 ; H. Br^b. II. 82), allein man hatte schon nach dem Falle des Kettenlbnrm«s (!fö. Aug. 1218) Friedrich sehnlichst erwartet. Rein, Ann, 678; vgl. Matth. Paris 268 (ed. 1684).

50) H. Br<fh. II. 122—127,- Unt^ demselben Datum begluekwunicht Friedrich auch den Cardinal Ugolino zu seiner Ernennung zum Kreuzzugalegaten in der Lombardei und forderte die tuseisAhoft Städte auf, diesen bei Austtbung

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seiner Futictioneu angemessen zu luter&tütEen. Pertz, Legg. II. 246 f. Vgl.. Räumer p. 144.

51) H. BfA. III. 90; vgl. Sehirrmacker 11. 69. y

52) H. Birfh. n. 190 f. o3) Ryccard. 341.

54) Ann. Jannens. Mareii. 149; wg\, Rayn. 1221; $ 7. In diese Zeit wird wohl daa von De M. Latrie (Hiaieire de Tile de Chypre II. 37) mügetheUte na* datirte ßchreiben des oypnflehen iCöoiga (an Friedrich 11) aetzen aein.

55) lieber diftsen Friede von Damiette vgL Ann. fitad. 357 ; Wilken \I. 346 f. Bs ist für die politische iüogheit Al^amik beseiohnend, daaa er o«FeA im Kriegsrathe erklärte) das blosse Massacre schade nur, da alabald nemo Sdiaa- ren ans dem Occldente herbeücommen und dann durch Erfahrungen belehrt den Muslimen den Sieg sehr streitig, wo nicht unmöglich, machen würden. Vgl.. Ibn Furat bei Michand, Bibl. II. 775.

56) H. BrÄ. 200 If.

57) Gregor sehreibt 80gar{flL Bre'h. III. 128) in seiner Anfclageacbrift t ^Plan- glt insnper excidtum ttaen sanetis, quam nunc <^pi de paganorum minibna spe«- rabamns, quam olim , ut asseritnr, recuperassoit exereitua christianot per con- cambium Damiate, nlsi ei semel et iterum iniperialibns IHeris faiaset interdictum." Nicht minder scharf und ^gleich ungerecht tadeln die Troubadours Friedrich wegen seiner Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit gegen die Sache des Kreuz« zuges. Vgl. Histoire Utt. I. 328 ; III. 45, 378, 460 ff. ; Diez, Leben der Troub. p. 318 f. 562. Daas Friedrich keinö Schuld an dem Unglücke von Daraiette beigemessen werden kann, Ist von Wilken VI. 353, Note 90 und besonders von Sehtrrmaeher U. 368 evident bewiesen worden. Den richtigen Grund des Un- glückes von Damiette giebt Friedrich am klarsten in seinem Schreiben an den KöBig von England (23. April 1240) H. Br^. V. 921 ff. -^ Der Troubadour Guillaüme Figueira singt darüber: „Roma be sapchatzQue Yostr 'avols barata 1& vostra Soldatz fetz perdre Damiata". La France littfraire XVIlI. p. 655. Das furchtbare Erdbeben, das . 1222 ganz Italien und Cypern heimsuchte, wobei Totker Staub (Infusorien) aus der Luft fiel, galt allgemein als Folge des Unglücks der Christen und Mahnung zu neuem Kreuzeseifer. Ann. Dunst. 80; Ann. Jan. March. 149.

58) H. Br^. II. 206 f. Heinrich von Malta wird in Folge dessen^ ob* schon unschuldig, von Friedrich seines Besitzthumes für verlustig erklärt. Rycc. 341 ; vgl. dagegen Ann. Jau. March. p. 153,

59) Epistel, «onor. (19. Der. 1221) p. T17. Am 11. AprU 1223 sandte Honorius an die Herrscher des Nordens einen Bericht tiber die Niederlage der Christen vor Damiette und ermahnte zu neuem Kreuzzugseifer. Bzovius 1223. '

60) H. BrÄ. II. 240-^243; vgl. 317; Potth. 6741; Schirrmacher II. 287.

61) Honorius berichtete hierüber an König Philipp und bat ihn, mit König Heinrich Frieden zu machen, damit dessen Kreuzfahrt von Krfolg sein kmine (18. April 1223) Epistol. 731 f.; (20. Februar und 3. August 1224) Epistol. 746

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und 757 f.; ct. Shirley I. 538 540. . Zugleich schrieb er an den König Erik Läspe von Schweden, worin er ihm die Bestimmungen für den neuen Kreuzzug von 1225 mittheilt, und an den Bischof Peter Jacobson v. Roeskild, indem er ihm die für die Kreuzfahrer usuellen Privilegien . zusichert. (Peter f auf der Kreuzfahrt zu Bourges 1225). Potth. 6994 ; vgl. 7132.

62) Wilken Tl. p. 371 Note^ Sie heisst in mehreren Quellen z. B. bei AU bericus, Marino Sanudo: Jolantha; offenbar liegt eine Verwechslung der Namen von ^utter und Tochter vor. Den Dispens zu dieser Heirath hatte Honorluö bereits am 6. August «rtheilt; Rayn« 1223 * $ 7. Ueber Johann v. Brienne und seine Tochter vgl. besonders St« Martin, M^moires i. 394; Du Oange (E. Bey)^ tes familles d'outre mer p. 32 37.

63) Annal, Colon, max. 837; Contin. Claustroneob. IL 623; Gontin. Garst. 596; Rayn. 1224; § 7. Honorius schrieb unter andern an dea Landgrafen Lud- wig von Thüringen und Leopold von Oesterreich , den Dogen und die Bürger- schaft von Venedig (Rayn. 1223; § 8), bat sie um Hülfe für die bedrängte Christenheit des heiligen Landes und bewirkte ^ dass Waldemar durch den Vertrag j^ron Dannenberg (4. Juli 1224) verpflichtet wurde, im Sommer 1226 mit 100 grossen uiid kleinen Schiffen abzusegeln , um im Sommer 1227 im hei- ligen Lande einzutreffen (Usinger 320).

64) Ueber diese Insel vgl. Abulf. Geogr, ed. Refnaud II A, p..273 und be- sonders Aman, La Guerra del Vespro Siciliano I. 309—312.

65) Die Saracenen waren seit 1189 aus den Städten der Insel meist ver- drängt und hatten sich in die Berge geflüchtet. Annal. Gasin. 3.14. Ueber die Burgen vgl. Hartwig in den D. Forsch, VI. 6457; H. BrÄ. I. 118 f. Note 2; I. 254 Note 1; Edrizi ed. Jaubert II; 87, 98 und besonders Ihn Djobair^ Voyage en Sicile ed. Amari im Journal asiatique 1845 u. 1846. Den Aufstand der Sara- cenen behandeln Rycc, 342; Amari Storia III B. p. 590—600; Ihn Khallikan, Hist. des Berb^res ed. de Slane II. 335.

66) Ryoc. 1223; Append. Makt. 1223; Ann. St. Just. 152; Ann. Siculi 496; Ann. Jan. March. 153.

67) H. BreTi. U, 410—413; Ann. Colon, max. 8.37. Jedes der Schifife hatte, eine Brücke, um. direct landen oder die Verbindung mit andern Schiffen herstellen zu können, eine Einrichtung, die vielleicht in Folge des militärischen- Planes des Patriarchen Nicolaus von Alexandrien getroffen wurde. Rayn. 1223^ 8 10.

68) Rayn. 1223; H. Breh. II. 412; vgl. Potth. 6290.

69) Johannes kam wenige Tkge vor dem Tode Philipps (14. Juli) an dessen- Hof. Laut Testament desselben (Gull. Armor. 114 f; § 5 f. bei Bouquet XVII.) sollte der König. Ton Jerusalem 3000 Mark, die Templer und Hospitaliter je 2000 Mark zum Märzpassagium 1223 erhalten, ausserdem 150,000 Mark und noch 500 Mark, um dafür 300 Ritter 3 Jahre lang zu halten. Auf Johapnes fiel demnach als Antheil 53,1662/3 Mark Silber; darnach sind die Angaben in den Annal, Colon, max. 837 (150,000 Mark), Aibericus 1223 (100,000 Pf.), L'estoire

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357 (150,000 Mark), Chron. Turon. 304 (60,000 Pf.) zu verbessern. Dm trotz dieses grossen Eifers der Krone selir wenig Interesse für den Kreuzzng vor- handen war, ist klar bezeugt. Deutsche Forschungen VII. 335; vgl. flenry Hist. ecclesiast. XVI. ^62; Le Nain de Tillemont, Histufre de St. Louis I. 327 fr. Johann wohnte noch der Krönung des Königs Ludwig in Rheims bei (6. Aug. 1223) ; Ohron. Divion. 742 bei Bouquet XVIII.

70) Johann ward in Canterbury und London ehren voll aufgenommen, „sed ideo munera pauciora data sunt illi, quia dissuasit regi Franciae jura regls Angliae reformare". Annal. Dunst. 81 ; vgl. p. 67 : ,,in Anglia Anglos vulpinos reperiens". Chron. Andr. 579 bei Bouquet XVII. Die Ankunft Johannas in England wird erst zwischen August und £nde November zu setzen sein (nicht wie Wilken VI. 373, Note 32 nach Matth. Paris annimmt, Anfang Juli). Am 13. December 1223 ist er in Tours, nimmt dort am 3. März 1224 den Pilgerstab nach St. Jago (L'estoire 356) und kehrt mit seiner Gemahlin Berengaria am 9. Juni 1224 nach Tours zurück. Chron. Turon. 305. Bald darauf finden wir ihn in Metz (Alberic. 1224), am 14. August in Köln bei König Heinrich (Cäes. vita Engelb. bei Böhmer, Fontes 11. 301 ; Annal. Colon, max. 838) und zum St. Thomasfeste (21. December) in Rom (Shijley I. 244).

71) H. Breh. II. 412 f. ; Chron. Andr. 577; Epist. Honorii 623 f. (17. Ja- nuar 1217); vgl. oben Note 30.

72) In Folge dessen schreibt Honorius an den Patriarchen von Jerusalem, Friedrichs Gesandte in Syrien gut aufzunehmen (I.März, Rayn. 1224; §16) und am 4. April 1224 an Ludwig von Frankreich, er solle alle Pilger auffordern, sich dem bevorstehenden Kreuzzuge Friedrichs anzuschliessen (Epist. Honorii 750 f.). H. Breh. TL. 420.

73) Ann. Colon, max. 837. Zu dieser Zeit ward Honorius erfreut durch Briefe der Königin Russutana von Georgien und ihres Conne'table Johannes, wo- nach 7000 tapfere Georgier bereit wären, dem heiligen Lande zu Hülfe zu eilen. Rayn. 1224; §17. u. 21.

74) Dieser Legat aus altadligem Geschlecht (Graf von Urach) ward über Frankreich nach Deutschland gesandt (Potth. 7204), besonders auf die Vorstel- lung Friedrichs, dass die Kreuzprediger als Personen ohne Bedeutung ganz er- folglos predigten, zumal sie sich nicht im Besitz umfangreicher Vollmachten, Ablass zu eitheilen, befänden. H. Br^. II. 413 f . ; Deutsche Forschungen VII. 319—393. Als seine Collegen werden genannt: Bischof Konrad von Hil- desheim, Magister Salomo von Würzburg, Rudolf von St. Moritz in Hildesheim, Konrad von Bebenhausen, der Dominikaner Johannes aus Schwäbisch Hall (Ex miracul. Matth. bei Pertz VIII. p. 232) und der Cistercienser Gottfried (Deut- sche Forsch. VII. 337 f.). Zugleich predigte Patriarch Lothar mit grossem Er- folge in Frankreich das Kreuz. Rayn. 1225 ; § 8.

75) Ryccard. 345.

76) H. BreTi. U. 498 f ; cf. Chron. Turon. 313.

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77) H. Bteh. IL 501—503; FerU, Legg. II. 255. Der Vertrag von San Oermaao steht dur<^ Mine beispiellose Härte und.BQoksiehtsloftigkeit einzig in ^er O^esobichte der K^eu^zi^e da. Niebt weniger als 61,500,000 Franktm (die Croidnnze. ist nämlieh ilach Amari, La Guexi^a II. 402 as 4 Angustalen >= 61^5 iFsanken im Durehschnitt trerth; cf. dagegen Winkelmaiia 382t-984) sollte Friedrich zahlen, eina g&ilz enorme Summe ! . Dabei s^and im Yettrage nichts von der Möglichkeit eines Krankheitsfalles, den doch Hononus (4. Juli 1224) im Vertrage zu Danoenberg bei König Waldemar von Dänemark als legitimen Gnind für die Nichterfüllung des Kreuzgelübdes selbst aufgestellt hatte (Usin- ;ger 320). Wie uachslchtig ist die Curie gegen Friedrichs Zeitgenossen, die Könige von England und Dänemark ! Sie alle haben das Kreuzgelubde abgelegt ; keiner ist verflucht -worden. Wie zahm -vollends erscheint die Ouiie 1284 und 1289 . in den Unterh^indlungeo wegen ^iaer Kreuzfahrt mit König Eduard von Eng- land, wo Nicolaus für den Fall des Nichtantritts der Fahrt nur die Rückeistattuag der dafür gesammelten Gelder verlangt! (Thein. Mon. Hibern. 129 Yind 146 ff.) Auf diesen neuen Termin beziehen sich die zum Kreuzzug aufmunternden Schreiben bei Potth. 7607, 7608, 7618, 7646—7648. In Bezug auf die Stim- mung der Minnesänger nach diesem Vertrage vgl. Walther ed. Lachm. 13^ 5.

*

78) Nach der r^tion fran^aise du mariage de Fr^d^ric II avec Isabelle de Brienne bei H. Brtfh. II. 921—924.

79) Das Datum steht fest durch die Annal. Scheffl. 338; vgl. chron. Sicul. 897; Assises ed. Beugnot II. 399.

80) H. Brtfh. n. 922 f.; Rayn. 1226; § H. Friedrichs Verlangen war nicht ungerecht; bei Guido von Lusignan, Koiifad von Mohtf errat und Heinrich von der Champagne hatte derselbe Fall wie bei Friedrich vorgelegen und war in der Weise," wie Friedrich jetzt verlangte, zum Austrage gekommen. Eaümer 159.

81) H. BrÄ. 923 f. Johannes soll Friedrich fvgl. Note 2) im Zorn als „fllium beccarii" bezeichnet haben. Chron. Saliüib. p. 14 (wahrscheinlich in Foggia). Vgl. Wilken tl. p. 4Ö2— 408; Winkelmann 1. p. 194 f.

82) Chron. Sicul. br. 897.

83) Hayn. 1226; J 55; Mar. San. 211.

84) De Mas Latrie I. 227 f. Die cyprische^i und syrischen Barone be- trieben daher auch sehr eifrig die Krönung des kaum zehnjährigen Heinrich von Lusignan. VergeWich beklagte sich Friedrich darüber bei den Ibelins. De Mas Latrie I." 228.

85) Honorius hat Friedrich nie, Gregor IX erst in efnem SchTeiben vom 12. August 1231 „König von Jerusalem^ genannt.

86) H. BreTi. II. 540 f. In Folge dessen vrahrscheinlich zog unter anderen auch der Isländer Aren Bjorleifsson mit Eyolfr und 16 Geehrten n&th

' dem heiligen Lande. Rlant, Pelerinages 334.

87) Deutsche Forschungen VII. 293 - 318.

88) H. Brtfh. II. 609—612. Inzwischen hatte Honorius, durch Bitt- schreiben der Hospitaliter und Templer veranlasst, wiedej Kreuzprediger

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(Annal. Guelf. 44S) nach aUen Biehtungen abgesandt und Qebete und Pro- eesslonen . nach dem Vorgänge von Innocenz (siehe oben Note 25) angeordnet (Ohron. Tqiob. 312), auch König Waldemar von Dänemark als „cru^e signatum'^ sofort seines Eides entbunden, den Graf Heinrich von Schwerin ihm abgenothigt, um ihn für die Kreuzfahrt Friedrichs zu gewinnen, ßuhm IX. 765; Usinger 363; Tgl. 222. Waldemar acceptlrte die Eidesentbindung, hat aber die Kreuzfahrt ftleht angetreten, und ist trotzdem vom päpstlichen Stuhl «nbeheltigt geblieben.

89) Deutsche Forsch. VIT. 391; vgl. Ann. Guelf. p. 440 Note. Dass die Curie sich über diesen Streich freute, wurde damals allgemein geglaubt. Chron. ürsperg. 1226.

90F) H. BrÄi. II. 712; vgl. 641—647. Aus jener Zeit (18. Juli 1226) stammt die Urkunde, wodurch Friedrieh dem Bruder des Cardfnals Konrad 30 bis 40 Ritter versprach, wenn er ihm Ins heilige Land folgen wolle. H Br^. n. 647 f. ; Böhmer, Reg. 3328.

91) H. BrÄ. n. 703 -- 706; Annal. Cremon. 807; vgl. Chron. Turon. 318. Natürlich haben die Lombarden keine dieser Bedingungen erfüllt, nicht einmal die 400 Ritter sind erschienen.

92) H. Breh. 11. 706 f. Nach den Annal. Colon, max. 840 widerrief der Papst selbst den Bann durch seinen Caplan Alatrin. Zu gleicher Zeit ermahnte Honorius Friedrich, sich mit Johann v. Brienne auszusöhnen. Rayn.

1227; S 2.

93) Ende Februar ermahnte Friedrich die Lombarden, die Urkunde voll- zogen ihm zu übersenden (H. Br^. 715 f.), allein erst am 26. März ward sie ausgefertigt (H. Brtfh. III. 3—6).

94) Annal. Senens. 228 ; Ryccard. p. 347.

95) Rayn. 1227; $7. In diese Zeit gehört wahrscheinlich auch die im Chron. Nerit. 897 (bei Muratori XXIV.) Note 24 enthaltene Liste der von den Praelaten Unteritaliens zu stellenden Mannschaften.

96) Konrad von Porto hatte die Wahl abgelehnt. Deutsche Forsch. VIL 365.

97) Raumer UI. 179. Ein Gedicht (nach H. BreTi. , Pierre de la Vigne 402) von Petrus de Vinea sagt über Gregor IX : ,,Credo, ^uod Gre£;oriiis, qui est dictus nonus, Fuit apostolicus vir justus et bonua, Sed per mundi dimata strepit softus, Quod ad guerras fuerat uimis pronus.'* Du Me'ril, Poesie» populaises 163—177; cf. H. Br^., Pierre p. 404.

98) H. Brek. lU. 6 f. ; vgU Potth. 7868 f. Zugleich ergüig am 27. Mai an den päpstlichen Legaten in England, Cardinal Romanus, ein Schreiben, den von Honoriua über König Heinrich von England verhauten Bann nicht aus2.iispre- eheUy „nisi super hoc mandatum nostriun reoeperis speciale'* (Shirley I. 545 bis 547)» jedenlalls weil Gregor sieher glaubte, Friedrich werde dem Banne verfallen, und weil er nicht wollte , dass der Bann, auf zwei Königshäupter geschleudert, an Kraft verliere. Er erkor sich das edlere Opfer aus ; Heinrich aber, der nach

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päpstlichem Uitheil und formalem Recht den Bann verdiente, kam ohne den- selben davon.

99) Dem Kloster von Monte Cassino wurden allein 450 Unzen Gold auf- erlegt. Rycc. 347.

100) H, Bre'h. m. 42.

101) Cont. Guü. Tyr. bei H. Br^Th. III. 480. Gleichwohl wird erzählt, dass ein „prince de Marseille Regnez^ mit dem Troubadour Vidal 1227 seine Kreuzfahrt angetreten habe (Jehan de Notre Dame I. 97), und der Troubadour Raymund de Preux mit dem Kaiser nach Syrien gesegelt sei (Nostr. 73 f.); auch befinden sich in dessen Umgebung viele Provenzalen. H. Br^. II. 714.

102) Diese Zahl gab der Kreuzprediger Hubert an. Rog. de-Wend. IV. 144. Die Pilger segelten unter Führung der Bischöfe Peter von Winchester und Wilhelm von Exeter nach Ostern ab. Ann. Waverl. 303; Ann. Theok. 69 f; Ann, Wint. 85; cf. Ann. Piacent. Guelf. p. 443. Wie erzählt wird, waren die meisten durch Visionen getrieben. Rog. IV. 144.

103) Daher wird unser Kreuzzug auch „expeditio nobilium et divitnm" ge- nannt. Hugo Rutl. bei Böhmer, Font. IV. 129 ; cf. Cont. Guü. 580 f. Welche grosse Hoffnungen man übrigens auf diesen Kreuzzug setzte , geht deutlicli aus dem Gratulation s schreiben des Praemonstratenser- Abtes Gervasius an Friedrich hervor. (H. Breh. Tll. 479 f.)

104) Er hatte das Kreuz aus den Händen Konrads von Hildesheim ge- nommen und zog am 24. Juni aus Eisenach. Ann. Reinh. ed. Wegele 198. Nach Rycc. 348 traf er im Juli in Italien ein ; vergl. Kestner 26 Note 1.

105) Ueber ihn vergl. Deutsche Forsch. IX. 549 Note 3.

106) Ausser diesen Rittern wird noch Ludovicus de Kastele (Ann. Marbac. 175) und Guerri (Gerhard?) de Dunes (Duningen oder Durna; cf. L'estoire im Recueil III. p. 363 Anm. f.) genannt. Cont. Guil. 481. Ferner nennt das Chron. Bald. Ninov. ed. de Smet p. 723 : den Magister Aegidius de Lowes, (postea abbas Viconiensis) , Andreas plebanns Ninivensis (Ninove) , Johannes de Outre (Oultre) , welche zu Johannis 1227 abreisten , von denen Andreas in Brindisi starb. Nach M. S. H. 4, 406 begleitete auch Hartwig von Raute den Kaiser nach Syrien, und das Chron. de Trajecto (bei Matthaeus V. p. 337), erzählt, Bischof Otto V, Lippe habe ebenfalls 1227 seine Kreuzfahrt angetreten, sei aber am 1. August „apud Coevorden" überfallen und zu Tode gemartert worden. Nach

•Lachmann, Die Gedichte Walthets p. 15; Uhlands Schriften Band V. 97 f. Rieger 41; Bartsch, Liederdichter p. XXXVI und neuerdings Bezzenberger 448; vergl. Kestner p. 10 f. soll auch der Dichter den Kreuzzug mit gemacht haben, während er nach Wilmanns (Haupt Zeitschr. XIII. p. 267 und 285) schon 1227 gestorben war. Vgl. Dietze : Die lyrischen Kreuzgedichte (Programm). Wit- tenberg 1873. p. 12 15. Endlich scheint auch ausser dem Dichter von Fri- danks Bescheidenheit der Minnesänger Bruder Wernher theilgenommen zu haben M. S. H. 2 p. 235 VIII.

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107) Stalin , Wirt. Qesch. II. 175. Dass der Abt von Murbach anch Theil- nehmer am KreuzzQge war, geht aus dem Berichte des Bich. Senonensis (bei Böhmer> Fontes HI. 49; auch bei d' Achery, Spicileg. II. 631) und der bei Räumer 194 citirten Luzerner Handschrift hervor.

108) Ann. Belnhard. 203 f; Bothe, Thärlng. Chronik ed. LiUencron p. 368 giebt ausser diesen noch als Kreuzfahrer an : Härtung de Erffa, Budolf de Büzingislobin (für Bargsieben ?) und Gerhardt de Coppil.

109) Ann. Wormat. 38 bei P. XVH. ; cf. Ann. Plac. Guelf. 443. Wahr- flcheinlich schlössen sich auch die seit 1226 schon bereit stehenden kölnischen, labecker und norwegischen Pilger an. Vgl. Bayn. 1226; $ 54.

HO) Emo 116. Die Friesenflotte wird auf dem ganzen Kreuzzuge sonst nicht erwähnt.

111) Ann. Parm. ma^. 677; Ann. Dunst. 107, cf. 111 ; Job. Corn. 358; Chron. Salimb. p. 7 ed. Parmens.

112) Gegen 40,000 Pilger »probae juventutis« sollen hier gestorben sein; Ann. Theok. 69 f; Ann. Dunst. 107, cf. Hl; Cont. Sancruc. I. 627; Ann." Plac. Guelf. 443.

113) H. BrÄ. III. 43 ; Cont. Sancruc. I. 627 ; Chron. Piacent. 77 ; H. Breh. m. 27.

114) H. Br^. III. 44 : »Quia igitur saevities erat perdere nosmet ipsos, cum a nobis vita salusque multorum pendeat populorum, dilata est persone nostre transf^etatio pro convalescentia resumenda.« Dass Friedrich wirklich krank war, beweisen die zuverlässigsten Quellen. Darüber sehr gründlich Winkelmann I. 335 f.

115) Er starb an der Seuche (Bycc. 348; Ann. Stad. 359), allein später wQsste man zu erzählen, dass er vergiftet worden sei , Annal. Beinh. 206 f., ja der Kaiser selbst sollte sein Mörder gewesen sein.! Ann. Sche£Fl. 338; Annal. Marbac. 175. Seine Leiche ward im Benedictlnerstift Beinhards^unn bei- gesetzt. Ann. Beinh. 212; cf. Wegele in Sybels Zeitschrift V. 389 f.

116) H. Breli. III. 44; Cont. Guil. 481. Der Papst meldete dem Klerus des Königreichs Jerusalem die baldige Ankunft Gerolds am 20. April 1227. H. Brtfh. III. 69.

117) Chron. Sicul. 897 (H. Br^. III. 44 f.), die Annal. Waverl. 303 und Theokesb. 73 geben als Grund des Bannes an, dass Friedrich von den Muslimen darch Geschenke bestochen gewesen und desshalb nicht seine Kreuzfahrt ange- treten habe, doch setzen letztere zu dieser Nachricht hinzu : »quod est contra opinio- nem multorum Christianorum«, Bich. Senon. bei Böhm. Font. III. 49. Die Annal. ^. Just, bei Pertz XIX. p. 153 finden den Bann gerechtfertigt durch die un- bedeutende Zahl seines Heeres (quod potentissimus Imperator ad modum piratae Diare transiisset, in quo tremendum nomen imperii romani apud nationes bar- baras minui et deprimi videbatur) ; ähnlich Gregor über Friedrichs unbedeutende Heeresmacht in seinem Sclireiben an den Cardinal Bomanus (5. August 1228). H. BrA. m. 74 u. 82.

Köhricht, Beiträge. 5

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1 18) »Nam spoftte, non monitos, Sede apostolica Ignorailte, crta«6m httmeri» suis äfHiit.tc fi. Br#h. m. 25. Gregor maelit also denk Kaifier einen Vdr#ftrf «US dem8el1>ien Factum, das seinen Eifef für die Sache der Kircbe l^e^eiflüt Allerdings hat Innocenz III schon auf dem vatlcanischen Concü 1215 dös Kai- sers als des Führers der Kretizfahrt nicht mit Einer Sylbe gedacht, so dass sich wohl leicht ersehen !Sls8t, dAss es politische Maxinfe des Papstthums war, die Führung eines Kreuzzugs in der Hand eines Könige od^r Kaisers ftU politische Schwächung der Curie anzusehen, dagegen die Neigung zu Kreuzfahrten alg be* quemes Mittel auszunützen, um Scliwierigkeiten und Verlegenheiten zu scbaf-« fen, in Folge dessen Zugestöndnisse und vor allem Geld und immer wieder Geld zu erpressen. Vgl. Wink^manil I. 69. Eine Analogie zu diesem Falle bei Kugler, Studien zum zweiten Kreuzzuge p. 103 f.

119) Hier soll er nach Gregors Bericht auch geschworen haben „non ut ceteri peregrini sed ut hospitalarius vel templarius in perpetuum^ dem heiligen Lande zu dienen. H. Br^. III. 25. Ein solcher Eid ist von Fried- rieh nie geschworen worden!

120) »Quia gratiam suam Imperator subtraxerat civitatibus f^re omnibus in portibus cOnstitutiä.« Br^. UI. 26. Dagegen Friedrich : »Bnlndusiuih videlicet, ubi passagium fleri semper competentius consuevit.« H. Br^h. III. 43. Der Kreu£* zug, welchen Innocenz III projectirte, sollte am 1. Juni 1217 von Brindisi und 31es6ina ausgehen ! ! Uebtigens ist es interessant, Böhmers exaltirteS Lob dieser päpstlichen Urkunde als einest der „grossartigen Denkmäler der Gesinnung und des Talents" zu lesen. Vgl. Potth. No. 8044.

121) »In est! vi fervogris incendio, in regione mortis et aeris corruptela.« H. BrÄ. III. 27.

122) Dagegen Friedrich-: >i(Damieta), quae in hunc mödum amissa exstitit^ non et interdicto, quod inventionibus novis adponitur de inhibitione concambii Damiate per literas nostras fuisse transmissum, quia non est verislmile, üt, qui ad liberandam terram sanctam expensis innumeris et immensa laböravimüs, in- terdictum concambii, per quod optatus finis nostrae solllcitudinis et laboribus advenisset, ei fleri mandaremus.« H. Br^. III. 41.

123) Dagegen Friedrich : Die letzte Rate von 20,000 Unzen ist mit der kai- serlichen Kammer bereits mit Herzog Heinrich von Limburg nach Syrien ab- gegangen; über 80,000 Unzen sind die Quittungen vorhanden, mithin ist dieser Grund erdichtet und erlogen. H. Br^. III. 45.

124) Dagegen Friedrich: 700 Ritter hat Hermann von Salza in Deutseh-: land auf Kosten des Kaisers (cf. HI. 39), 250 der Kaiser nut Hülfe der Kreuz-^ Steuer geworben, ausserdem sind in dessen unmittelbarer Umgebung 100 Bitter, und 400 Ritter haben die Lombardei vertragsmässig zu stellen (sie sind dem Kaiser nicht zum Kreuz2uge gestellt worden (vgl. Potth. 8398), haben aber gegen ihn später wahrscheinlich gefochten. P. 8425 u. 27), also ist dieser Grund wieder eine Lüge. H. Bre'h. III. 45.

67.

125) Diese S Qrüiide betreu trMz der Yerthaidigang des Kaiaers imnwr nieder, so in der BaanbiiUe Tom August 1229. H. Br^. UI. 15^; ef. in. 212.

126) H. Brtfh. IH, 32—37,

127) H. Br^fh. in. 4ft; Bytcard, 348.

128) H. Br^. m. 36 48. Matth. Paris giebt den Annug eines Schrei- bens von Friedrich an dea Kdnig von England (H. BrA. III. 48 ff.) und setzt es um den Deoember 1227 an, doch hat es wohl seine Stdle tmt nadi dem zwei- ten Banne 1240. Winkelmann I. p. 284 Note 2 bestreitet seine Echtheit, allein dtss Friedrich emate kircheniefosiitttoriscliie Gedaftkeo hatte (die anch Waitz Q, Geiehrte An2. 1861 p. 933 bestreitet), fMüeh mit zum Theil falseber Mystik versetzt, wird man nadi den eia^eboideiiEiörtetiingen ven BiA^ (Fieriet de la Yigne p. 425 ff.) ffig^ieh nicht mehr bezweifln dlirtoi ; mithin kann aneb dieser Brief echt «eio«

129) fl. BrÄ, m. 47 ; vgl. WUfcwi VI. 419.

130) Rycc. 348.

131) H. BrÄ. m. 710.

132) Aiberiena 1228; Kyee. 34^

133) H. Br^, ni. 53; Ryec 348.

134) Chn». Ur^erg. 1227.

136) Annal. Salisb. 784 f Ann. Piacent. 77; H. BrA. UI. 59; cf. III» 52-55.

136) BifGc. 349; Be«. de Wend. IV. 169 f Obren. Ursp. 1227.

137) H. Br^. HI. 50 f. Gegen die Datirong dieser Urkunde vgL Winkel* mann I. 287 Note 2; Byee. 349.

138) Byce. 349; H. Br^. UI. 60.

139) Rycc. 349.

140) H. BrÄ. UI. 57. Die Zahl der Püger (40,000), die nach Ibn Fnrat mit der Flotte 1227 fn Syrien gelandet, ist sicher zu hoch (Michaud, Blbl. II. 776), ebenso die der Cont. Sancruc. I. 627 (80,000).

141) Rycc. 349 f.

142) H, Brfli. m. 71 1

143) Rycc. 349 f.

144) H. Breli, UI. 63; Rayn. 1228; $ 8.

145) Chron. Sicul. breve 898; Cont. OuD. 483; cf. H. fir^. Rech. p. 66 Note 9 und 91 Note 9.

146) H. Br^. m. 66 ff.

147) Cent. Gull. 483. Ein Gratulationsschreiben des Königs Heinrich von England an ihn fztm glücklichen Erfolge auf der Kreuzfahrt) vgl. bei Shlrley I. 381.

148) fi. Br^. lU. 489; Ann. Dunst. 114. Vgl. besonders Schirrmachers gründliche Erörterungen U. p. 388 t und Winkelmann p. 292 Note 3.

149) Chron. üraperg. 1227; Ann. Scheffi. p. 339.

150) Not. Emmer. p. 574. Dass die Lombarden die bedungenen Ritter

5*

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gestellt, wie die Ann. Dunst. 114 behaupten, ist zu bezweifeln, hingegen mag es wohl wahr sein , dass die gallische Kirche Vio ^^'^^ Einkünfte dem Kaiser gegeben ; denn Frankreich stand ja mit Friedrich besonders seit 1227 auf gutem Fusse. Of. MartÄne, Collect. I. 1195. Vgl. Note 124.

151) Cont, Guü. Tyr. 483.

152) Chronic. Sicul. breve 899 f ; H. Br^. lU. 489.

153) Cont. Guü. Tyr. 483.

154) Toeche, Heinr. VI. p: 392.

155) Cont. Guü. Tyr. 483; Marin. Saaut. II. 211 f; Art de v^rifler les Dates I. 460; Beugnot, Asslöeä de J^tusalem I. 266 Note A.' Nach De Mas Latrie I.. 243 sandte Friedrich zu' gleicher Zelt nach 'Akkä und liess Truppen, besonders Reiterei, nach Cypem kommen ; ebenso. wurden, von Cypem aus die Unterhandlungen mit Al-Kamü fortgesetzt. Ueber die Lage der Festung Dieü d'Amour (Didymas oder casteUum St. Hilatii) vgl. De Mas Latrie II. p. 2 Note.

156) Darunter nennt die Cont. 484 : Amaury Barlas, Amaury de Bethsan, Gauvain de Chenichy, Guillaume de Rivet, Gavano de Rossi ; cf. De Mas Latrie I. 230. Nach Sanut. 211 soUen sie Friedrich bis Morea entgegengedegelt sein.

157) Roger de Wend. IV. 174; Ann. Marg. 36. Ueber die Zustande in 'Akka singt Freidank (ed. Grimm, p. 100): »Vfi gefuor e Keiser über mer im banne und ane fürsten her? vUnd ist kommen in ein lant , dl got noch man nie triuwe vant ; und hat manegen widersatz (daz muoz got scheiden) ane schätz. Jchn muochte wiez geschaehe, daz ich daz beüic grap gesaehe: so füere ich z Akers in die stat, da würde ich guöter spise sat. Swelch schif mir zerste kaeme , daz waere mir genaetne. Waz mac ein Keiser schaffen, stt kristen beiden unde pfaffen stritent gnuoge wider in ; da verdürbe Salomönes sin.«

158) H. Brfli. m. 83.

159) Cont. Guü. Tyr. 486 ; H. Brtfh. IH. 83.

160) Er ist in der Geschichte der Kreuzzüge deii Christen als einer der edelsten Sultane bekannt geworden. Wilken.III b. p. 315; Annal. Scheffl. ad. ann. 1224; Muratori VII. 800 ff; Chron. Turon. 306; Itin. peregrin. «d. Stubbs 419. Cfr. IbnKhallikSined. deSlanellL p. 239— 244; Abulf. IV. 269. Der Name Saphadin , welchen er bei den occidentalischen SchriftsteUern führt, ist eine Modiflcation seines Zunamens Saif ad-din (Schwert des Glaubens).

161) Al-Kamil war das Muster eines orientalischen Sultans; in ihm waren alle die grossartigeu Seiten des arabischen Characters ausgebildet. Die ara- bischen Autoren (Jemal ad-din ed. Carlyle p. 30; Abulf. IV. 419. 431 ff; Ibn Khallüiän I. 328; III. 240—248. (Cf. Fundgruben des Orients V. 152 und Makrizi Beilage B.) pieisen seine politische Klugheit und Gerechtigkeit, seine mUitärische Tüchtigkeit und Gelehrsamkeit , seine Liberalitat und Massigkeit. Aegypten verdankte ihm gute und sichere Wege, prachtige Bauwerke und ein Seminar für traditioneUe Theologie zu Cairo (Quatremdre, Makrizi I B. p. 46 Note 54 ; Zeitschr. der Deutschen Morg. GeseUsch. XVIII. p. 467). Mit un- erschütterlicher Gerechtigkeit schlichtete er die Streitigkeiten der Christen in

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Aegypten, bei denen sie selbst ibn zum Schiedsricbtei durcb gemeinscbaftliches Verti&nen erwählt (Makrlzfa Gesch. der Oopten ed. W.üstenfeld in den Ab- handlungen der Göttinger Akademie 1847 III. p. 69), und nahm sich, wie selbst christliche Quellen bezeugen (Renaudot, Historia patr|arch. Alexandr. p. Ö74), der Christen in ihrer Bedrängniss auch gegen seine eigenen Emire an. Besonders ist bei den Christen sein Andenken in Seegen geblieben wegen der Barmherzigkeit, die er gegen die elenden und halb verhungerten Pilger nach der Auslieferung von Damiette übte. Jac. de Yitry, Hist. occid. p. 353; vgl. Oliver. Scholast. p. 1439—1449; Matth. Par. 1222; Cont. GuU. ad annum. Nach Matth. Paris 1238 setzte er in seinem Testamente grosse Summen auch für die Christen aus. Die christliche Sage berichtet, er sei von Bichaid Löwenherz in 'Akka zum Ritter geschlagen worden. (Itin. peregrin. ed. Stnbbs p. 325), er hätte, als Franz von Assisi vor Damiette ihn mit Be- kehrangsversnchen anging, diesem sehr geneigtes Gehör geschenkt (Voigt in d. Abhandl. der sächs. Gesellsch. d. Wlssensch. 1870. p. 477 ; vgl. Neanders Kirchengesch. VA. 111 u. Coric, Hist. di Milano 162). Ja man erzählt sogar, er sei von einer christlichen Mutter , nämlich der Schwester des Grafen von St. Egidien (Eulog. ed. Stevenson III. 78) geboren und ein heimlicher Christ ge- wesen. Vgl. Bayn. Ann. 1238; p. 468 No. 16. Dasselbe wird jedoch auch vom Chron. Triveti ed. d'Achery III. 164 (in ed. Hog. 93) vom Sultan von Iconium erzählt.

162) Ueber die separatistischen Umtriebe der Emire schon unter Saladin, vgl. besonders K^mäl ad-din bei Wilken II. 346. Anmerk. 4 und Weil, Ghalifen lU. 406—410 , 417.

163) Er starb zu Afi^ nach Abulf. IV. 267. Ueber die Lage von Afi^ vgl. Quatrem^re, Makrizi I B. p. 6#.

164) Abulf. IV. 313 ff.

165) Al-Mu'azzam (seinen vollständigen Namen glebt Ibn Khallikän III. p. 427 ff.) wird von den christlichen Autoren wunderbarerweise inmier Corradin genannt. Reiske (Abulf. IV. 684 f. Note 271) meint, dass. sein Beiname Saraf ad-din, den Jacob von Vitry zusammengezogen und nach französischer Aus- sprache Choraddin schreibt, von den meisten Autoren sehr leicht in Coradin und Corradin umgewandelt werden konnte. Allgemein vrird er als ein furchtbarer Feind der Christen genannt, während die arabischen Autoren ihn wegen seiner Gerechtigkeit und Gelehrsamkeit rühmen. Ibn KhaUikän III. 428; Abulf. IV. SSTu. 639; cf. Fundgruben des Orients V. p. 148; Abolph. Hist. Dyn. I. 499. Er war ein eifriger Haneflt , daher auch energischer Gegner seines sunnitischen Bruders Al-Kämil und ein wahrer Vater der Mekkapilger , für die er aufs beste bedacht war; denn »er sorgte für die Unbemittelten, welche mit ihm die Reise nach Mekka machten, spendete in den beiden heiligen Städten bedeutende Summen für die Armen und Hess die Teiche und Wasserleitungen (in Mekka) wieder in Stand setzen.« (Wüstenfeld, Chroniken von Mekka IV. 233.) Vgl. Ibn Batoutat» ed. Defr^m. I. 259. Ueber seinen Eifer für den »heiligen Krieg«

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vgl. Zeitsehrifi der D«titseb. Mwg. Gesell. XYin. 461. ftfan erE'afalt, ein eMst- Itcher Köiiig limbe Ifam dad Oeheimnisg Terratben, wie darch das ^ibeitige Feuer« %m Osterfeste die Lampenanzündung erfolge (Zeitscfc. d. D. Morg. Oes. XIX. 570; vgl. XVm. 464).

166) Abulf. IV. 331^Ba3. Al-Aftiaf befand si«h scbon im Februar 1226 zu I>ama8kuB in Oefa«geiiscb«ft, wie Kamat ad-dih beriditet. £r erzüklt, ihm ^en von Ai-Moazzam Briefe zur Beeorgutig an <len AUbak Al-Airafs Sfhab ad- dtn übergeben worden ; »et (A. M.) ut ab eo, se AlmaKc Alasdirafo neqne auxi- Unm praestiturnm neque , -comAlmaKe Alcamil «ontra ipsmn tenderet, seipsi co&tra eum auxiliaturum este, jufijurandiim aeetperet, ab eodem petivlt. Quam Oamal ad-din- Atabeco rem pertulisset, &e rem -factunim esse negavit, .qnippeAlmalic Alaschrafns ipsnm in fldem Almalic Akamili jurare et ne sine ipsiuB mandato in tiUa re onm rege aliqno consentiseit , coegerit ; quam 8i rem velit, ipsi mandatum Almalic Alcamilo mittat , necesse ease.« Freitag , -Seleota ex bistöria Halebi, Introd. p.- XXXVIII.

167) Ibn Fnrät bei Micband II. 776.

168) Abulf. IV. 331.

169) Amari, Bibliot. 509 f ; Michaud II. 348.

170) Reinaud, Extraits 427. Unter den Geschenken soll sich auch das CjOibpfferd des Kaisers befunden haben (IbnFurät bei Michaud, Biblioth. II. 776).

171) Michaud II. 776.

' 172) Amari, BibL 510. Dass übrigens Gregor IX von den zwischen Al- Kamil und Friedrich gewechselten Gesandtschaften wusste, geht aus seinem Schreiben (vom 4. August 1228) an den Cardinal Romanus hervor : -»Quod de- testabilius est , cum Soldano et aliis Saracenis nefandis (iraperator) contrahens paotiones illis favorem, Christianis odium %xhibet manifestum.« H. BrSh. IV. 73, cf. 75 ; vgl. Ann. Theokesb. 73.

173) Reinaud 427.

174) Rycc. 349. unter den Geschenken , die er mitbraclite , befand sich auch ein Elephant.

175) Diese Nachricht giebt der Brief des Patriarchen Gerold, der Bischöfe von Nazareth , Caesarea , Narbonne , Winchester und Exeter , .sowie der drei Oidensmeister vom 23. December 1227 bei Roger IV. 146. Die Zahl 40,000 bezweifelt als eine viel zu hohe Schirrmacber, dagegen "Winkelmann 296, Note 3. Aus Gerolds Sehreiben i«t sie in die Ann. Wav. 303 gekommen.

176) Abt Säma bei Wilken VI. 460, Note 12 sagt : »Im Jahre 625 (1227 bi« 1228) hatten die verruchten Franken die Feindseligkeiten wieder angefangen tmd über ganz Palaestina «ich verbreitet , weil der Waffenstillstand abgelaufen war; und die Muselmänner geriethen dadurch in grosse Furcht.« In Folge dessen unterwarfen sich nach Ibn al-Atir die Muslimen vom Libanon freiwillig den Kreuzfahrern. Amari, Bibliot. 315. Die Ann. Dunst. 111 erwähnen ein castrum Sagittae; damit ist jedenfolls Sidon gemeint. Vgl. Chron. Salimb. 11 ; Corio 178 und besonders Robinson, Pal. III. 702 Note 4.

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177) Gout. Gull. Tyr. 482; (über die paumerie de Cbaifa, »quae porta est Jerusalem«. Aad. WaTeil. 305. Tgl. De Mas Latrie, II. 11 Note 3).

178) Ajuial. Colon, max. 832. Jacüt erzählt, AI-Mu a^^am habe, als er die Hau«rn der festen Platze Syriens schleifen Hess, gesagt: »Wir wollen unser Land nicht dnxch'Mauein^ sondern di^rch unsere Schwerter und Ritter schützen Zeitscb. d. D. Morg. Ges. XVIII. 464.

179) Cont. Guil. Tyr. 482 nennt den Vormund Al-Na^irs: Hesedin Eibec and Herrn von Salquet, d. b. Sarehod ; vgl. Ck>nt. Guü. bei Guizot XIX. 414 und 438. Nach Albericus 1228 aoll er von Geburt ßin Spanier (Martinus Gue- silii) und Hospitaliter gewe&en sein, auc^ soll er die Wittwe Al-Mu az^ams ge- heirathet haben; cf. Becueil des hls^ir. des croisad. III. p. 370 Note. Er ward 1229 von Al-A6raf gewonnen, trat als erster Emir in dessen Dienst und flel als Vertheidiger von iBalat (Abulf. IV. 557 ; vgl. 363, 365, 377). Neben ihm wird anch als erster Vezir genannt Ibn Onaiä AbuU Maltesin Saraf ad-din (f 4. Jaü. 1232). Ibn KhaUikan III. 179 f ; vgl. Abulf. III. 179 f. n. Abulf. 357, 363. Vgl. Note 166.

180) Al-Kamil soll folgenden Brief an Al-Alraf geschrieben haben : »Um die Christen zu bekämpfen , bin ich hierher gekommen. Das Land war ohne Vertheidigungj und die Franken hatten eb^ die Mauern Sidons , die wir go'- schleift ha^en, wieder aufgebaut. Du weisst , daas unser Oheim Saladin durch die Einnahme Jerusalems einen für immer berühmten Namen zurückgelassen hat. Wenn die Franken die heilige Stadt wieder gewonnen hätten, so wäre dies eine ewige Schande für uns gewesen, unser Andenken wäre für immer bei unsem Kachkommen entehrt. Der von unserm Oheim erworbenen Achtung würden wir verlustig gegangen sein, und welches Ansehens hätten wir uns zu erfreuen vor Gott und den Menschen? Die Franken würden sich nicht mit dem, was fie erobert, zufrieden gestellt haben, sie würden anderes haben gewinnen wollen. Indese, da Du hierher gekommen bist, so ist meine Anwesenheit unnütz. Ich werde mich nach Aegypten zurückziehen , nun wird Syriens Vertheidigung Dir zufallen. Von mir soll man aber nicht sagen, dass ich zum Kampfe gegen meine Brüder gekommen bin ; dieser Gedanke sei ferne von mir!« Michaud II. 237.

181) Abulf. IV. 367.

182) Apud Gazaram. H. Br^h. III. 91 u. 96; Ibn al-AXir bei Amari 315. Teil al- agül war ein Ort 5 Meilen südwestlich von Gaza (Ritter XVI. 42), von dem Hügel so benannt, auf dem er liegt (Quatremdre, Makrizi. JB. 237; Abulph. H. Dynast. I. 499). Er war an der grossen Etappefistrasse von Aegyp- ten nach Syrien gelegen, von Jerusalem (Sprenger, Bßiserouten in den Abhand- langen für die Kunde des Morgenlandes 1864 IH. p. 100) nur 2 starke Xage- mäische entfernt und der gewöhnliche Concentrationspunkt der muslimischen Armeen.

183) Ibn al-Atir bei Amari 314 f ; AbuJph. Hirt. Dyn. I, 499 f ; Abulf. IV. 347 f ; Weil III. 461 ; Cont. Guil. 486.

184) Amari, Storia III B. p. 640.

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185) Makrizi sagt : »AJ-KImll ersehrak gewaltig > weil jer sich zu sehwaeb fühlte zu einem Kriege mit ihm. Daher suchte er ihn durch Freundlichkeit zu gewinnen. Er war von den Franken gefangen wie in einer Schlinge, und wusste sich nicht anders zu helfen , als indem er ihnen Jerusalem ahtrat. « Ihn al- Attrbei Amarip. 315 : »Darob wurden die Muslimen erschreckt.« Michaudll. 714.

186) Dies sagt Gerold selbst.

187) Rog. de Wend. IV. p. 145.

188) Chron. Ursperg. 1228 : »Soli vero Hospitalarii de domo Sanctae Mariae Teutonicorum fideliter ei assistebant, similiter Januenses et Pisani et alii milites, qul cum ipso et pro ipso advenerunt, Yeneti vero yaeillabant.«

189) H. Br^h. III. 98. Vgl. dagegen Eestner 43 Note 2.

190) H. Br^.ni. 103 ; Wüßten VI. 463, Note 22 f. u. p. 469, Note 36.

191) Nach Dehebi schrieb Friedrich an Al-Kamil: »Ich bin Dein Freund, Du weisst , wie hoch ich über allen Fürsten des Abendlandes stehe. Du hast mich hierher gerufen; die Könige und der Papst qind unterrichtet von meiner Reise ; wenn ich, ohne etwas erreicht zu haben, von hier zurückkehren würde, würde ich alle Achtung in ihren Augen verlieren. Ausserdem hast Du nicht dieses Jerusalem, das der christlichen Religion das Leben gegeben, zerstört? Es ist jetzt in seine frühere Armlseligkeit zurückgekehrt. Ich bitte, las» es mir in dem Zustande, in dem es sich jetzt befindet, damit ich bei meiner Rückkehr das. Haupt unter den Königen erheben kann. Ich verzichte im Voraus auf alle Vor- theile, die ich daraus ziehen könnte.« Reinaud , Extr. 429 ; Michaud II. 547. Das Schreiben hat wesentlich denselben Inhalt wie die von der Gontin. Gull. 485 mitgetheilte ^ede der Gesandten des Kaisers. Denselben Sinn hat auch eine spätere Aeusserung, die Friedrich Fa^r ad-din gegenüber gethan haben soU : »Wenn ich nicht fürchtete, mein Ansehen bei den Franken zu verlieren, so hätte ich von dem Sultan nichts von der Art verlangt.« Amari p. 154. Gerold (H. Breh. III. 103)^ und nach ihm Gregor IX (an den König von Frankreich) berichten , dass Friedrichs Unterhändler , trotzdem sie den Helm und Panzer sowie das Schwert des Kaisers ihm überbracht und erklärt hätten, der Sultan möge mit dem Kaiser machen, was er wolle; er würde den Sultan nicht angreifen,, von Al-Kämil schimpflich behandelt worden seien ! H. Breh. III. 147.

192) H. Bra. III. 92.

193) Nach der Contin. Gull. Tyr. bei H. BrÄ. III. 485 vor Ricordane »u» casal,- qui est sor le Chief du fleuve au court devant Acre«, und Sicard bei Mura- tori VI. 613 erklärt: »Recortana, ubi fluvius A«conis oriturtt. Demnach ist jenes Ricordane, wo übrigens auch Richard und nach Friedrich noch viele andere Heer- führer mit ihren Pilgerschaaren lagerten,- offenbar ein Dorf gewesen auf dem bei Van de Velde angegebenen Teil kurdäny. Am Fusse desselben ist ein Sumpf,, und Plinius (Hist. nat. 5, 17; ibid. 36, 65) nennt als Quelle für den Belus (Nähr N^amän) diesen -Sümpf (Cendevia). Vgl. Robinson Neuere bibl. Forsch. 134. Kestner 43 Note 2 bezweifelt demnach wohl mit Unrecht , dass Friedrich sein Lager hier aufgeschlagen.

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194) Fa1)i ad-din Ibn tl-SuJüb hatte bereits 1227 mit Friedrich unterhan- delt, wurde von Friedrich zum Ritter geschlagen (Joinville ed. du Gange 42 f.), unterwarf 1232 als Feldherr Al-Kamils den Ursurpator von Yemen Nur ad-din Ibn Rasül (Wüstenfeld, Chroniken der Stadt Mekka IV. 237) und fiel 1249 bei Mansüra gegen Louis IX (Joinville Ö52).

195) Amari, Bibl. p. 521 ; Gontin. Oyil. 485. Ueber ihn vgl. Ibn Khal^ likän, Biogr. Dict. I. 167 f. und Note 209. Statt seiner wird filschlich von an- deren arabischen Quellen der Kadi von Nablus Sams ad-din genannt. Reinaud 429; Michaud H. 713.

196) Ann. Marg. 36 ; Gont. Guil. 485 ; Rog. de Wendow. IV. 175 und darnach Matth. Paris 1228. Gerold sagt: »£o tempore ei Soldanus quaedam in- strumenta misit Villa et despecta , que directe praetendebant effectum turcopuli et tonsoris, mandans, quod terra sua talibus abundaret.« H. Br^. III. 103. Ebenso soll Al-Kämil dem Kaiser Sängerinnen , Tänzerinnen und Gauklerinnen übersandt haben (Matth. Paris 1241 nennt sie Almeae), die In 'Akkä die Hon- neurs gemacht hätten. Daraus ist nun weiter die Nachricht -entstanden, die der Herzog von Lothringen dem Konige von England "^ber Friedrich gemeldet, dass er die Tochter Al-Kamils (nach Ann. Dunst. 112 dle> Schwester desselben) ge- heiratbet habe. Shlrley I. 343.

197) Diese gelehrten Disputationen sind nicht als Kunstgriffe der arabi- schen Agenten, sondern als Usancen anständigen Verkehrs xu betrachten. Vgl. Abdallatif (ed. de Sacy) 467. Dass Friedrich hierbei den lismslimischen Ge- sandten und dem Sultan selbst imponiren musste , lässt sich mit Sicherheit vor- aussetzen ; denn er besass eine grossartige Gelehrsamkeit und Sprachkenntniss. Chron. Salimb. 166 f ; Muratori VID. 953; Gull. Figneiras in d. Bibl. de l'^cole I Stfrie, 4 p. 32; H. Brtfh. Introd. GXIX— CXXX; Jourdain, Rech. 152— 165; Renan, Averroes 148; vgl. H. BrÄ. IV. 382 Note 2; Petrus de Vinea, Epist. III. 67; Michaud II. 610. Besonders lehrreich sind die beiden Artikel Steinschneiders (freundliche Mittheilung von ihm selbst) Hebr. Bibliogr. VII. 62—66 ,u. 136; Narducci's Buonarrotti 1872, Juliheft. Bald nach seinem Kreuzzuge richtete Friedrich an den spanischen Muslimen Ibn Sab' in (f 1271 d. 9 Jnni ; cf . de Slane, IbnKhald.II.340— 345; Makkari, Analectes 1.590; Notices XII. p. 303 f.) mehrere philosophische Fragen über Aristoteles und dessen Doc- trinen, die von Amari (im Journ. asiat. 1853, F^vrier) raitgetheilt und commen- tirt sind. lieber Friedrichs sonstige gelehrte Bildung und Verdienste um die Wissenschaften handelt in ausgezeichneterweise Gamus in den Notices et Extr. VI, 403—421 ; vgl. Bulletin de l'acad. des inscript. 1872 November p. 528 ff.

198) Die arabischen Berichte (AmJiri 511 ; Reinaud 429 ff.) über Friedrichs t'reimüthige religiöse Aeusserungen über die christliche Religion sind von Schirf- macher II. p.205 mit Unrecht verdächtigt worden; vgl. Winkelm. I. 311 Note 3. Allerdings hat man ihm viele Dicta, wie das Wort von den 3 Betrügern (H. Br^. V. 349; vgl. 339; Matth. Paris 1239 u. 1243 ; Muratori IX. 658; Chron. Salimb. 166-168; vgl. H. Brtfh., Pierre de la Vigne 156—158 u. Winkelraann II. 1,

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p. 134) angedichtet, so dass er später sogar sich veranlasst sah, seine Recht- glänbigkeit iirkundlich zu bezeugen (H. Br^. V. 349) ; ab^ diese von den Ara- bern berichteten Aeusaerungen werden ohne Zweifel Ihre Richtigkeit gehabt haben. Friedrich hatte an^ diplomatischen Gründen Yeranlassji^ng, den Muslimen sich freisinnig zu zeigen , ausserdem musste die Bitterkeit über d^s Vorgehen der. Clerisei ihm mandi^es herbe Wort nahelegen, abgesehen davon, dass auch sein kirchliches Ideal ein anderes war als die katholische Kirche seiner Zeit. H. BriQ). Introduct. CDXXLV— DXIV. Pierre 204— 230).

199) AUe arabischen Autoren sind entzückt über die Gelehrsamkeit des Kaisers (vgl. Note 197 u. Fundgruben Y. 151 f.). Es war nach «einem Tode förmliche Tradition der Hohenstaiifen geworden, arabische Gelehrsamkeit zu treiben. Der Gesandte des Sultan Bibars, Ibn Vä§il, der 1261 zu Manfred ging und eine GiralTe die erste, die überhaupt nach Suropa kam, mitbrachte (Rel- naud 436; vgl. Quatremöre, Makrizi I B. p. 106 Kote 128), -^ schrieb ihm zu Ehren eine Logik : »Die kaiserliche« (Ibn Khaldun ed. des Yeiigers 181 Note) und rühmte bei seiner Rilekkehr, dass Manfred im Geiste seines grossen Vor- gängers und Yaters fortwirke. (Abulf. Y. 145, i47, 349; R^lnaud 483 ; Schirr- macher, Die letzten Hohenstaufen, p. 497, J^oia 41, u. Urkunde XXII).

200) Die Cont. Guil. 487 sagt ganz richtig: »si il vault approchler en bele maoiere (du soudan)«, ebenso fühlte Gerold richtig den Grund dieser Massregel heraus, H. Br^. HI. 136, vgl. 90 u. 95.

201) Contin. Guil. 486: am Flusse Montdidier. Vilken YI. 470 glaubt, dies sei der Rohrfluss ; allein es wird sich woblliich^ ausmachen lassen, welcher Flass damit gemeint sei. Yelde giebt drei grössere Flüsse auf der Strecke Caesarea Jafä, wo der obige Fluss zu suchen ist.

202) Matthaeus Paris 1229 (vgl. Beinaud 429; Amari 516; Wilken YI. 474 ^ote 47) erzählt, dass die Templer, als Friedrich, wahrscheinlich zum Epi- phaniasfest, habe eine Wallfahrt zur Taufstelle Johannis des Täufers (IV2 8td. vom Todten Meere aufwärts am rechten Jordanufer; Tobler, Topogr. II. 685 n. 689 ; nach Sepp, Jerusal. I. 517 bei Aenon) unternehmen wollen , den Sultan durch ein Schreiben davon benachrichtigt u. aufgefordert hätten, ihn bei dieser Gelegenheit aufzuheben ; der Sultan haji>e aber dieses Schreiben d.em Kaiser zu- stellen lassen und so den von den Templern beabsichtigten Yerrath offenbart. In Folge dessen lässt Matth. Paris (1246 u. 1249) den Sultan Ajjüb ausrufen : »Miseri sunt Uli Christiani , qnos dlcimus Templarios et Bospitalarios, legis et ordinis sui transgressores. Primo enim voluerunt paucis transactis annis suum Iraperatorem Frid^arienm prodere fraudulenter , sed per propitiam pietatem nostram aob praevaluerun|xi , und 1249 den Grafen Robert von Artois: »Nonne superest hie FriderieviS «onun expertus ^uscipuUs testis certissimus?« Friedrich behauptete 1239 sogar: j»(Papa) per nuatios et legatos, jqui soldaoum Hteris suis , quas nos captis eorum latoribus in publicum testimonium reserva- mns, ne terram diyinam cultui deditam redderet cum rjegni Hierosolymitani Juribus.« H. Br^. Y. 296. Der Papst bestritt natürlich und wohl auch mit

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RMht die Echtheit eines solchen Schreibeos (H. fireli. V. 328), gleidiwoh gUabte m«a allgemein nach Friedrichs Tode , dsss der Papst an Al-Kamil ge- sehriebeD. Chrcttiche de Pisa bei Tartinios I. 496. Pandulf de Falcono warnte 1290 den König Ton SicUlen vot 4er Ttlcke der Carie , die einst den Saltan Kaiml ond dem damaligen Grossmeistw der HespitaUter (die Briefe sind beige- fugt) zum Morde des Kaisers aufgefordert. Barthol. de Neocastro beiMarat. XIII. p. 1162 f. u. H. Breli. IH. 490--492. Diese gbibelUnischen Fictionen waren zum Theil die Antwort auf die von der Curie verbreiteten Mährchen, dass Friedrich den Hersog von Bayern durch Gesandte des Alten vom Berge habe ermorden lassen (Ann. Gol. max. 842 ; Alber. 1230), den Papst habe meuchein wollen (Maith. Peris 1246) «ad 1243 die Musliman zpr Verwüstoag Albaniens aufgefordert hM>e. (Matth. Panis 1243.) ^atiai&ch ekubte man auch dies ; der König von Ungani sandte in Folge dessen sogar eine Gesandtschaft an den Alten vom Berge mit Gesehenken (Alberic. 1230), und im Volke lebte später die Sage, Friedrich habe mit dem Priesteikönig Johannes Gesandtschaften ge- wechselt. Le ciento Nov. Mo. IL p. 7 f. Vgl. Ano. Marb. 149 ; Ann. Neresh. 23 ; CSiren. Sanp. 254, 267. IMr eigentliche Grund für diese Fictionen war jedoch wohl die Absieht Friedrichs, eine der grossen Menge In die Augen springende Veranlassung zu finden, den Templern in seinen Ländern eine Reihe TOD Pzivüegien «Lsd Besitzthtimern zu entziehen (H. Br^h. V. 252, 288; VI. .324). Friedxiehs Zorn gegen sie ging sogar so weit, dass er jede Intervention far die bei Darbassak 1237 gefangeneii Templer ablehnte. Alberieus; Matth. Paris 1237« Aehnliche Fälschungen wie die erwähnte vgL bei Mone, Quellen- Sammlung I. 488, 495.

203) Pertz, Legg. 11. 262.

204) Contin. Guü. 487.

205) Makrizi bei Reinaud 430.

206) Pertz, Legg. II. 272; H. Breh. III. 90; vgl. Winkelm. 303 Note 3.

207) Dass Friedrichs Geldmittel in der That sehr gering sein mussteu, lässt sich wohl schon daraus folgern, dass er auf Cypern 30000 Byzantiner von Guido T. Gabala lieh und bei seiner Heimkehr an die bereits Note 156 genannten cyprischen Magnaten die Vormundschaft über den jungen Heinrich v. Lusignan für 10,000 Mark verkaufte. Cent. 483 ; vgl. L'estoire p. 375. *

208) Aftnal. Theokesb. 72.

209) Die B^iutzung einer oberflächlichen Notiz aus Ibn Kballikän, Biogr. DictioB. s. V. SaJadin al-Arbili in den Münchenex Gel. Anzeig. 1844 No. 17 p. 144 hat Höfler p. 168 No. 2 zu einem ungerechtfertigten Angriffe auf Friedrich veranlasst. Saladin nämlich schreibt selbst in Bezug auf den Eid, den Friedrich auf die Urkunde geschworen, an Al-Kämil : »Der Kuser hat dafür sich verbind- lich gemacht und sein Wort gegeben , dass wir einen dauernden Frieden haben Verden. Er wurde verpflichtet, dies wirklich zu versichern durch einen Eid, und für den Fall eines Bruches desselben (durch das Versprechen), das Fleisch seiner linken Hand zu verzehren.« Höfler findet diese Versicherung schändlich,

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aber der Bericht Saladin» ist in poetischer Form und über die Phrase giebt de Slane selbst Licht genug. Er sagt (Biogr. Diction. I. p. 168): »ThLis silly. stofF conld only be tolerated in t^e original langnage^ as its quibbles and donble mea^ nings are lost in the translation. The first yerse may signlfy: The yauirting emperor has pretended etc. , etc. or : the emperor prince has said. The second verse signifles literaly : He has drunk the oath (or dronk hls right band), and If . he attempt to break it, may he eat the flesh of his left (throngh disappointment and rage). The expression : to drink an oath has its equivalent in Jluglish and might be rendered by : to «wallow an oath , that is , to take it by compnlsloh.« Cf. Koran Sur. 87, 2; Exod. 32, 20; Hariri.ed. de Sacy p. 99.

210) Winkelmann I. 305 theilt folgende Schwnrformel mit , die Al-Kamü bei dieser Gelegenheit gebraucht : »Ich schwöre bei Gott , bei Gott und seinem Gesetze , mit reinem Herren und gutem Willen und ohne Abbruch in gutem Glauben Alles zu beobachten, was die unter meiner Hand liegende Urkunde ge- schrieben enthält. Wenn ich das nicht thun sollte, will ich vom künftigen Ge- richte und der Gemeinschaft Muhammads ausgeschlossen sein und den Yater und den Sohn und den heiligen Geist bekennen.« Dieser Eid war aber der, mit welchem Al-Kämü den Frieden ron Damlette beschwor nach Oliv. Schol. bei^ Ekk. Corp. H. 1437.

211) H. Br^. in. 87^88 altfranzösisch, und 90 lateinisch, ebenso bei Pertz, Leg. H. 272 u. De Mas Latrie, Histoire de l'Üe de^hypre.IIL 626—629.

212) § 1 der treuga : »ut de ea quocunque modo pro arbitrio disponat com- municatve.« cf. Hermanns Bericht H. Br^. lU. 92. Damit war also das Becht, Jerusalem zu befestigen , klar ausgesprochen , während die arabischen Autoren berichten, dass Friedrich Jerusalem nur unter der Bedingung, die Stadt nicht zu befestigen, erhalten habe ; jedenfalls ein Irrthum (Abulf. IV. 351 ; Michand II. 548, 714; Amari p. 315; Fundgruben d. Orients V. p. 151). Offenbar wurde dieser Irrthum von Al-Kämil, der ja auch gesagt haben soll : »Wir über- geben den Franken nur Ruinen!« (Michaud II. p. 713), absichtlich verbreitet, um den Muslimen für den Verlust der heiligen Stadt wenigstens einen kleinen Trost zu gewähren.

213) Recueil III^ 375 ; vgl. Rosen, Das Haram von Jerusalem. Gotha 1866 ; Vogue, Le temple de Jerusalem. Paris 1864; Tobler, Topographie I. 459 607. Biblioth^que de IVcole des chartes, S^rie H, tome 2 p. 391 ff. lieber die A^sa- moschee vgl. Abulf! Tab. Syr. ed. Köhler p^ 180; Fundgruben V. 158—168. Ibn Khald. Prolegg. IL 263—269. Vgl. Jaküt in der Z^itschr. d. D. Morg. Ges. XVm. 461 u. 463.

214) H. BrÄ. III. 97.

215) H. BrÄ. in. 92.

216) S 2 u. 3 der Treuga Soldani.

217) Nach Ohron. S. Medardi in D'Achery's Spicil. II. 490 wäre Bethlehem nicht abgetreten worden .

218) Nach Gerold : duo minima casalia. H. Br^h. 105.

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219) Nach Gerold auch nur: duo minima casalia. Nach Gamal ad-din bei Michaud II. 548; Tgl. Abalf. IV. 351 erhielten die Christen an der Strasse- nach 'Akka 10 Castelle; nach Makrizi p. 714 blieben 2 Dörfer bei Jerusalem im ausschliesslichen Besitz der 'Muslimen. Die armenischen Quellen (Recueil VII. 486) melden wie die Annal. Waverl. 306 die Abtretung Nazareths.

220) Hbnin (Toron) ward, wie die Annal. Waverl. p. 306, Gerold (HI. 105) und Ihn Atatd (Amari p. 511) bezeugen, ebenfalls an Friedrich abgetreten. Dieser aber gab es an die rechtmässige Besitzerin zurück (H. Brelü. III. 123), nämlich Alice , die Schwester Gautiers von Montbeillard (Assises ed. Beugnot n. 452), und Wittwe des 1228 verstorbenen Philipp von Ibelin. De Mas Latrie m. 644; cf. Winkelmann I. 304 Note I. Vgl. Aman, Storia UI B. 643 Note 2.

221) »Ita quod Deo gratias securum patet Ire et redire omnibus peregrinis per antiquam stratam peregrinorum.« Ann. Waverl, 306; Abulf. IV. 351. Di^ alte Piigerstrasse ging von 'Akka über Caesarea, Jäf», Lydda oder Bamla nach Jerusalem ; alle diese Orte waren in den Handto der Christen.

222} Tibnin liegt grade in der Mitte zwischen Xynis und dem Merom.

223) H. BrA. m. 92; Rycc. 1229 ; Ann. Waverl. 306. Armenische QueUen nennen auch noch eine Stadt Legiun (Reo. arm. 486) ; darunter ist offenbar das heutige Lejjün (Leggio, das alte Megiddo) zu verstehen, welches zwischen Caesarea und Jesreel liegt. Robinson, N. blbl. Forsch. 153; Pal. III. 412 ff .

224) H. Brtfh. III. 29 u. 97.

225) Ann. Dunstabi. 118. ^

226) H. Br^h. III. 99. In Folge dieses Paragraphen kamen viele jener jugendlichen jetzt freilich zu Männern erwachsenen Pilger frei, die 1212 in miullmische Sklaverei gefallen waren. Albericus 1212.

227) S 5 der Treuga.-Amari 513; Michaud II. 714; vgl. Abulf. IV. 353.

228) § 6 der Treuga. Diese Bestimmungen (in $ 9 der Treuga enthalten) historisch zu commentiren, ist bei den grossen Lücken unserer Kenntnisse sehr schwierig. Zunächst ist es ohne Zweifel, dass unter dem vom Texte genannten festen Platze Karak nicht jene berühmte Festung in der Moabitis, sondern das Xurdenschloss zwischen Aradus und Hims zu verstehen ist (Rob. N. bibl. Forsch. 737 Note 7, und 739), wie schon WUken VI. 490 Note und De Mas Latrie III. 629 Note, richtig bemerkt haben. Diese Festung gehöhte den Hospitalitern, während Castelblanc offenbar das heutige ^fttä (zwischen dem Kurdenschlosse und Aradns) ist (vgl. Rey (Du Cange), Les familles d'outre mer p. 26 u. 887) und* den Templern gehörte (Wilbr. ed. Laur. 169.). Tortosa ist das alte Aradus (arab. Tartfts) an der Küste nördlich von Tripolis und gehörte auch den Templern (Wilbr. 169), Margatum ist das heutige Mar|j:ab «nördlich von Tortosa und war £igenthumder Hospitaliter (D.. Rey 894; Wilbr. 170), Tripolis das des Herzogs Bohemundv. Antiochien» Mithin scheint dieser Paragraph gegen die Templer und Hospitaliter, welche sich dem Kaiser so feindlich gezeigt hatten, gerichtet zu sein, ebenso gegen den Herzog Bohemund , da Antiochien, welches 1192 ausdrück- lich durch Richard in den mit Saladin pactirten Frieden mit eingeschlossen wurde

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(Ibn al Atir bei Midland II. 333), hier vom Fried«n aoggeiirnnmen wifd. In Betug 4af die beiden Orden erseheiM diese Bestimmung erklärlich; in Bezug anf Bobemnnd, für welches sicli Friedrich früher beim Papste verwandt (H. BfA. II. 538), und der als sein Freund bkher ersebienen (H. Bri^h. III. 125), erheben sich hingegen Schwierigkeiten, die sieh nur durch die Annahme lösen lassen^ dass Bohemund im heiligen Lande selbst auf die Seite der Gegner des Kaisers ge- treten Und mit den Hospttalitern und Templeri» gemeinschaftliche Sache gemacht. Wenig Lieht giebt die Centin. Gull. IIL 375. Hier werden ebenfalls genannt Karak und 3 Sehloiser »en la terre de Sur et de Satete que haut hon^ aToient gamiz et les voloient rendre. Mes ne pot mie granment chaloir qu'il ne sont mie ii fort qu'il convenist estre devant longuement a siege* Mes dou Croc fa daanAge ear teute Crestlefitec p<nrrdit seoir devant qne ja ne seioit pris taut com il eussent dedenz a me Agier.« Hingegen erzählen dieAnnal. Dunst. 118, dass die Temple^r und Bohemund IT, Herzog v. Autioehlen ond Graf ▼. Trlpcdis, dem Frieden mit dem Sultan nicht beigestimmt , und der Brief eines Kieuzfklnexs aus jener Zeit (Ann. Wareil. 306) meldet, dass sehen im April 1229 Al-Kamil das Kutdenschloss belagert habe. Damit seheint die Angabe Abulfeda's (IV. 367) sieh irereinigeb zu lassen , dsjss die Christen aus den Kurdenschlosse trete des Friedens einen Verstoss gegen Hamat unternommen , aber bei Afiün vion Mtdik al-Muzaif*r geschlagen worden seien. Diese AuiflMsung ist Ton Kestncr 53 Itote 2 abgewiesen und durch die Annahme ersetzt worden , Ftiedrieh haä>e ntir das ursprüngliche Verhältniss der rechtlichen und staatlichen ZusteimengehÖrigkeit des Herzogthums Antioehien und des Königreichs Jerusalem durch diesen Paragraphen lösen wollen ; allein dann ist die Schwierigkeit wieder eine andere^ nämlich zu erklären, wie Friedrich gegen seinen Freund Bohemund so handeln konnte, abgesehen davon ) dass unerklärt bleibt, warum neben Antioehien und Tripolis, welehe Bohemund giehörten, grade die Festungen der beiden Friedrich feindlichen Orden ausgenommen werden. Es wird also wohl ak Grund für diesen Paragraphen eine feindliche Absicht Friedrichs mindestens gegen die beiden Orden , welche den Frieden nieht anerkennen wollten ) angenommen werden müssen^ zumal die obigen drei Quellen sonst nicht zu ihrem Rechte kommen.

229) ^Vgl. Note Ji97.

2d0) AUiari 519. Dass die Muslimen es liebte», 10 Jahre als Friedensdauet festzustellen, ist klar aus den bei Quatrem^re, Makrizi II A. p. 204, 221, 224, 262 angeführten Documenten^

231) Das Massacriren von Saracene» galt der damaligen Zeit als Recht und Pflicht eines Kreuzfahrers; vgl. Wilken IL 573 Note 3 u. Beilage IX. p. 48 f; m. 392 Note 20.

232) Matth. Paris 1229; H. BnJh. Hl. 108.

233) Dem Patriarchen waren die von Friedrich gemachten Eroberungen nicht genügend, aber Hermann 8(^reibt : »Veresimile videtur , quod, si dominus imperator in gratia et concordia R. transivisset, longo elficacius et utilius prosperatum fuisset negotium Terre Sancte.« '^'

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234) H. Br^h. III. 106.

235) H. Br<^. III. 108 vgl. p. 148. Darnach bezeichnet Reiner (Ann. 680 bei P. XVI.) den Vertrag al» »pacem ignoüniniodäm et abominabilem«, und Böhmer, Einleitung zn den Reg. Imp. d. XXIX. sagt: »Dafls nun die Minner, namentlich die Ordensleute , welche fQr ein heilig geaehtetes Ziel die grösstra Opfer gebracht , welche so viele Noth ertragen , so minehe Geftihr bestuiden hatten, äiit dieser von ihnen durchschauten diplomatischen Blndirung ihrer Be» geisterung nicht zufrieden waren, dass es Jenen das Herz durchschnitt, den cbristlichen Kaiser hier nicht als den Rächer ihrer Missgeschicke , sondern als den Freund der Feinde ihres Glaubens auftretett und ihren Kampfestnuth in halben (nicht einmal haltbaren) Resultaten amortisiren zu sehen, i«t iMgreitlich Zahlreicher und gerechter sind die Stimmen der zeitgenössisohen Quellen. So Weist der Verfasser des Chron. Sicul. (ein Augenzeuge) p. 902 darauf hin: oQuanium eniih in historiis legitur, a tempore civüatera ipsam intravit Bisi ipse Friderictts.« Roger de WendowerIV. 196 sagt, Friedrich habe Jerusalem genom* men, »cooperante dementia diviua« ; die Annales Qottwic. 603 sagen : »eoopettnte mirabiliter et misericorditer Deo«j und der Kreuzfahrerbrief in den Annal. WaTcrl. 306 fügt dem Bericht ein »Deo gratias!« ein ; Chton. And. 681 : »Ejus (Fridericl) malo Dens utehs in bonum«. Vgl. Chron. rim. de Mousk. bei Bou^. XXll. p. 46 Vers. 28062 f ; Cont. Göt. bei P. XXII. p. 347. Besonders die Dichter haben Friedrichs Errungenschaften gepriesen (vgl. Wilken VI. 508«'-^ 510), vor allen aber der Troubadour Guillaume Figueiras, welcher singt: »Mot fes otramar onrad 'obra e neta Que Ihrlem conque's et Äscalona Que ane no y pres colp d'Are ni de sageta, Can li fe '1 con soudan ondrada patz e bona.« La France lit.XVIIJt. p. 658 und Marquard v. Paduä C^ontin. Scot. 625 bei P*rtz IX.), der Friedrich mit dem Öeilande vergleicht. Vgl. Rayn. Choix IV* 124; Diez 567. Fridank Bescheidenheit: z'Akets. Endlich schien det Himmel selbst für Friedrich zu zeugön; denh 1229 erfolgte die Lampenanzündung durch das »himmlische Feuetft Me gewöhnlich (am Osterfeste), (Annal. Marg». 37), wahrend sie 1230 zögerte. Albericus 1230. In Folge dieses Friedens trog man sich im Occidente mit den überschwänglichsten Hoffnungen , zumal auch die astro- logischen Berechnungen des Magister Johannes v. Toledo 1229 den Untergang des Islam (Kog. de Wendow. IV. 180 ff., 194; Ryccard 361 f ; vgl. Albericus 1227) und die Bekehrung aller Helden zum Evangelium (vgl'. Shirley I. 343) verhiessen. Die muslimischen Schriftsteller sind hingegen natürlich nicht erbaut von deüi Frieden ihres Sultans; z. B. Ibn Khallikän (ein Zeitgenosse) IV. p- 102 sagt in Bezug auf die Freundschaftsbezeigungen des Kaisers gegen AI- Kämil : »Allah weiss , in wie weit diese (Freundschafts-) Beweise aufrichtig sein Biögen Ibn al-Atir bricht bei der Erzählung der Abtretung Jerusalems in die Worte atis: »Unsere Kräfte und unsere Mittel kommen von Allah allein; be- schwören wir diesen erhabenen Allah, dass er uns die Pforten der heiligen Stadt wieder öffne und sie dem Islam wieder gebe Rein. 434.

236) H. Br^. IH. 92.

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237) »Qualis etiam faerit exultatio omnis populi in restitutione, yIx potest enarraritr, sagt Hermann (H. Br^. III. 92 p. 100), und damit übereinstimmend berichtet Albertcus ^ »Minutus vero GhTistiaDorom et peregrinorum populus, qui- biis per illam paeem iicult Ire libere ad sepulchrum Domini, ipsam pacem gra- tantei accipiebant et imperatorem inde magniflcabant.« Albericus 1229.

238) Gerold erzählt dies selbst und schilt die Deutscheu , »die nichts an- deres erstrebt hatten, als das heilige Grab besuchen zu können«. H. Br^. m. 106.

239) Dass im Text excusavit, nicht incusavit zu lesen sei, hat Schirr- macher II. 398 Anmerk. 6 eingehend erwiesen. Freilich der päpstliche Legat Stephan erzählte in England von Friedrich : »Ibi (in ecclesia St. Sepulchri) prae- dicavit populo e x c us a n d o malitiam suam, accusando ecclesiam Romanam Bog. de Wend. lY. 198. Auf der Folie dieser schamlosen Verlogenheit des Vertreters »der allein seligmachenden Kirche« und dem Gebahren der ganzen Clerisei, zeigt sich Friedrichs Selbstbeherrschung und massvollcTs Benehmen im besten und edelsten Lichte. Vgl. Nitzsch in Sybels Zeitschr. III. p. 385.

240) H. Brtfh. III. 109 ; Bog. de Wend. IV. 198.

241) H.Br^. UI. 106; Annal. Marg. 37. Nach diesen beiden Berichten wären die beiden englischen Bischöfe mit Balian v. Sidon nach Damaskus ge- sandt worden, um Al-Nasirs Beitritt zum Frieden zu erlangen. Vgl. Ann, Waveri. 306.

242) H. Br^. III. 101. «^ .

243) H. Bre-h, lU. 108.

244) Friedrich liess aus den seit der Zerstörung durch Al-Mu az^am (1219) noch zerstreut umherliegenden Trümmern der Mauern Jerusalems das Stephans- thor und die Citadelle (den sogenannten »Thurm Davids«; vgl. Bobinson, Pal. II. 93 95) stark befestigen und legte eine Besatzung hinein. H. Br^. II. 267 ; Chron. S. Medardibei D'Achery, Spicileg. II. 490; Chron. Andr. bei Bouquet XVIII. p. 581*; vgl. Tobler, Topographie I. 138 und 192. Doch erfolgten diese Massregeln vielleicht erst 1230.

245) H. Breli. III. 109.

246) Bog. de Wend. IV. 197 f.

247) Der Schmerz der Muslimen über den Verlust der heiligen Stadt w&i sehr gross. Aman 316; Abulf. IV. 351; Fundgr, V. 151 j Rein. 434; Abu Säma bei Wilken VI, 492 Note 50. Saladin sagte einst (1191) zu Rieh. Löwen- herz : »Jerusalem ist uns eben so heilig, ja noch heiliger wie euch; denn dort machte unser Prophet seine nächtliche Fahrt zum Himmel, uod dort Versammeln sich die Engel. Denke also nicht, dass wir uns deäselben entäussern werden ; nimmer werden wir uns ßolcher Fahrlässigkeit unter den Muselmännern schuldig machen«, (Boha adnitn c. 125; Abulf. IV. HO,), und Jaküt (Zeitschr. der D. M. G. XVIII. 462) sagt: »Mekka und Medtna haben zwar durch die Kaaba und das Prophetengrab einen Vorzug , aber am Tage der Auferstehung ziehen beide im Triumphe nach Jerusalem, und dieses vereint dann in sich alle Herrlichkeit.«

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£8 ist ausserdem aUgemeiner Glaube, dass jedes in Jerusalem gesprochene Gebet denselben Werth hat , als spräche man es im Himmel ; Jeder Pilger -wird in Jernsalem erhört , wird von Sünden rein und erhält für seine Pilgerfahrt sicher einen Platz im Paradiese. Wer endlich in Jerusalem ein Gebäude auf- führt , oder ein frommes Institut begründet , dessen Leben wird um 15 Jahre verlängert. Darüber vgl. besonders Toblers Topographie I. 437 bis 459, Michaud, Bibl. II. 595 und die ausführlichen Mittheilungen von De Guignes in den Notices 111. 605 617. Somit scheintauch der Bericht IbnFuräts, dass Al-Kämil wegen seines nachgiebigen Friedens mit dem Kaiser am Hofe des Ghalifen sich darch einen Gesandten rechtfertigen musste, gute Begründung zu haben.' Michaud II. 776; Reinaud 433. Als Al-Nä§ir 1235 nach Bagdad ging, um sich über Al-Kämil zu beschweren , mochte er ihn gewiss auch wegen der Cession Jerusalems an die Franken verklagen. Abulf. lY. 413.

248) In dem Briefe eines Kreuzfahrers (20. April 1229 von Akkä aus datiit) in den Annal. Waverl. 306 wird erzählt, dass Al-Kämil und Al-A6raf ge- meinschaftlich »cum GL Admiralliis« Damaskus im April eingeschlossen hätten ; vgl. Z. d. D. M. G. VIII. 825. Nach »dem Buche der Todesjahre« von Bir?äli (Mscr. der Wetzstein. Sectio II. No. 288 hiesiger Bibliothek, mir durch die Güte des Herrn Consul Dr. Wetzstein mitgetheilt) erfolgte der Fall von Damaskus nach langer blutiger Belagerung durch Capitulation am 25. Juni (nach Ibn Khallikän III. 488 erst am 10. Juli, und 2 Tage darauf ergab sich die Oitadelle), und zwar durch Al-Kämils Heer , während nach Abulf. IV. 352 Al-Kämil sich erst nach dem Falle von Damaskus mit Al-Ai^raf vereinigt hätte. Inzwischen (August 1229), lagerten die Chowaresmier vor Halät (Ghelät), das am 14. April 1230 fiel. Recueil VII. 460 ; Journ. asiat. 1858, 207—209.

249) Das Datum schwankt; Gerold giebt bald den 22. (H. Br€h. lU. 110) bald den 25. März an (H. Br^. III. 137); erstere Angabe dürfte wohl die rich- tige sein. Vor der Ankunft Friedrichs in 'Akkä ist wahrscheinlich der von der Contin. 483 berichtete Streit mit den Templern um den Besitz des ihnen ge- hörigen Pilgerschlosses, wobei sie ihm gedroht das Leben zu nehmen, anzusetzen ; doch erscheint der Bericht anekdotenhaft.

250) Unter den Gründen des Interdictes führt das bei Matth. Paris 1229 allein vollständig erhaltene Schreiben Gerolds an : die Entziehung gewisser Hafengefälle, die den Kanonikern des heiligen Grabes zugehörten, die Sympathie des Kaisers für die syrischen Christen , die stete Beschränkung der Einkünfte des Patriarehenstuhles und Einsetzung einer kaiserlichen Commission für die Erhebung geistlicher Renten.

251) Chron. Sicul. 902 ; vgl. Reinmar bei Haupt XIH. 435. Kestner 70 f. meint, diese Nachricht hätte Friedrich durch ein Schreiben des Herzogs Raynald erhalten , das von Matth. Paris fälschlich als ein Schreiben des Grafen Thomas angeführt werd«.

252) Nach Gerold (H. Br^. III. 139) soll Friedrich mehrere derselben an Al-Kamil geschenkt haben.

Böbrioht, Beitr&ge. 6

82

253) Werner, bereits in einer Urkunde Tom 1. Juli 1211 als Connetalde ge- nannt (Rozidre, Cartolaire 268 f.) , ward später Templer , worauf Odo y. Mont- beillard seine Stelle einnahm. Contin. 141 (bei H. Breh. III.) und Assises II. 399. Schirrmacher II. p. 400 Note 14 bezweifelt diese Angabe, allein Odo unter- schreibt sich selbst als Conn^table am 4. October 1232. De Mas Latrie III. 636.

254) H. Bröh. IH. 117 ff. Vgl. Potth. Reg. 8587.

255) So nach den ungedruckten Berichten der cyprischen Autoren Amadi und Bustron bei De Mas Latrie I. 252. Vgl. Beil. C.

256) De Mas Latrie I. 253.

257) Chron. Sicul. 903. Vgl. das famose Gleichniss des Bruder Wemher in Bezug auf diese Heimkehr. M. S. H. 3 pag. 16 b.

258) Chron. Ursperg. 1229 ; Chron. Repgow. ed. Massmann p. 477 : »De wile dat de Keiser over mere was wan er de päves af üner stete und borge rele, wante he let predeken, dat de Keiser d6t waere.«

259) Ryccard. 354 ; Chron. Sicul. 903.

260) Zu gleicher Zeit kam als Gesandter des Kaisers Ton Constantinopel ein Oraf Majo de Romano zu Friedrich. Ryccard. 356.

261) De Mas Latrie II. 49.

262) H. Br^. III. 157—159, 165. Am 7. Juni hatte Gregor sich auch an den Infanten Dom Pedro Ton Portugal um Hülfe gewandt. V^. Potth. Reg. 8430-33, 8455 f., 8459.

263) Ryccard. 356.

264) Am 29. April forderte der päpstliche Legat Stephan auf Grund dei unverschämtesten Taxen (improbus exactor) den Zehnten aller beweglichen Güter auf der Reichsversammlung von Westminster, und trotzdem dass eine drohende Erbitterung aller Gemüther sich bemächtigte, gelang es ihm durch den Hinweis auf den Bann, das geforderte Geld zu erlangen. Roger de Wend. IV. 202 f.; Matth. Parü 1229; Annal. Waverl. 305 j Ann. Burt. 364 f. ; Annal. Ösen. 70; Ann. Dunst. 114 u. 115. Vgl. Pauli, Gesch. Engl. UI. 556 573. Inzwischen hatte der Cardinal Otto de carcere TuUiano (D. Forsch. XI. 406 f. ; VIU. 45— 58) und Albert v. Possemünster (Schirrmacher , Alb. v. P. 1871) in Deutachlaud gegen den Kaiser Minen gelegt.

265) Chron. Sicul. 903; Ann. Colon, max. 842; Rycc. 358.

266) Die Annal. Dunst. 126 und Theok. 76 schreiben dem Bischof Peter einen bedeutenden Antheil an dem Versöhnungsversuche zwischen Kaiser und Papst zu.» Er kam am 22. Juli 1230 in Rom an (Annal. WaverU 308) und ist auch in der That unter der Urkunde vom 28. August 1230 (Pertz, Legg. 274) mit unterschrieben. Von seiner Thätigkeit im Orient, namentlich seinem Antheil an den Befestigungsplänen der heiligen Stadt berichtet das Chron. Andr. 581. Ausserdem erzählen die Ann. Dunst. 126 : »(Ejus) Providentia ordo eanonloorum apud S. Thomam martyrem per Hnbertum Cantuarensem archiepiscopum in Acconia constitutus mutatus est in ordlnem Spatae Hispaniensis.« Dies ist die

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einzige Stelle ül)er diesen Orden, die sich Torfindet ; sie war De Mas Latrie II. 81 nicht bekannt.

267) Alle diese sind genannt In der Urkunde vom 23. Juli 1230. Pertz, Legg. n. 269.

268) Ryce. 361 ; H. Br^. HI. 227 f.

269) Pertz, Legg. 275. Uebrigens empfing der Papst vom Kaiser zugleich 32,000 »Ubras Trevisinorum« ! I Ann. Plac. Ghib. 469.

270) Gregor schreibt in der zweiten Bannbulle : »Übi (in Syria) cum soldano solis meniis Hierusalem restitutis et illi grandl ad impugnationem christianorum tiansmisso equorum et armatorum exercitu äexennale (wahrscheinlich ein ab- sichtlicher Schreibfehler fürdecennalel) f edus feriens et templum domini- cum Saracenorum ibilaudes exdamantium Machometi curie relinquens ex defensore mutatusinhostem.« H. Br«^. III. 147 f. und Innocenz 1245 : »Praeterea conjunctus amicitia detestabili Saracenis nuncios etmunerapluries destinaviteisdemetabeis- dem vicissim omni honoriflcentia et daritate recepit, ipsorumque ritus amplecti- tnr, illos in cottidianis ejus ob^equlis notabiliter secum tenens.« H. Br^. VI. 325. Friedrich vertheidigte sich dagegen nur damit : »Ad hoc fedUs nos nullius fami- liaritatis intrifflsecus provocavit äffectio sed cauta provisio.cr H. Br^. VI. 329. Uebrigens hat Gregor IX (vor ihm schon 1076 Gregor VII und 1198 Innocenz III (vgl. De Mas Latrie, Trait^s de paix; Docum. YII u. Till) auch mit mus- limischen Herrschern correspondirt. £r schrieb 1233 na«h Damaskus und Marokko, um diese Sultane für das Ohristenthum zu gewinnen (Bayn. 1233 ; No. 16£f.; Wadding, Ann. Minor. 11. 313 316), soll sogar an den Chalifen Glaubens- boten gesandt haben, und 1235 nach Tunis (Docum. X u. XI ; vgl. Bitter XVII. 500), während er zu gleicher Zeit (!) und trotz des anerkannten l*riedens die Christenheit zu einem allgemeinen Kreuzzug gegen die Muslimen aufrief (Wadding II. 411 u. 415). Ja 1245 schrieb sogar Innocenz lY an den Sohn des Sultan Al-Eämü Al-Sälih, um ihn von seiner Freundschaft mit dem Kaiser ab^ Zuziehen. Der Sultan (das Schreiben steht bei H. Br^. YI. 425 ; vgl. Riezler in d. D. Forsch. XI. 63^f.) schrieb darauf sehr kühl : »Sedpapa (quem Dens cobflrmet) seit, quod inter nos et impefatörem jamdudum fuit familiaritäs et dilectio mutua et contordia perfecta a tempore soldani nostri, (quem Dens ponat in clarltate sua), et inter nos et im]peratorem predictum est , sicut scitis. Und6 non licet nobis aliqua componöre cum christianis, nifd piius habuerimus super bis ipsius consl- linm et assensum, et nös scripsimus nuntio nostro, qui est in curia iiuperatoris, pro causis, quas detulit ftuncius pap6, nuntiantes ei capitula et proposita nuncii vestri.« H. Br€h. YI. 425. Das Schreiben ist ohne Zweifel acht, gleichwohl bezweifelte Innocenz lY dessen AechthMt (es war griechisch abgefasst; Annal. Stad. 370) und vermuthete eine Fälschung Friedrichs darin , mi ipsum papam ad pads reformationem facilius inclinaret.« Matth. Paris p. 622 (ed. 1684). Ygl. Wilken YII. p. 39 f. Im Jahre 1246 schrieb Innocenz lY an den Sultan von Tnnis und Marokko ; er bittet um Schutz für die Christen und gratulirt ihm zu den Siegen über seine Feinde ! ! De Mas Latrie, Docum. XIY u. XY.

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271) H. Br^. III. 266-267 (20. Februar 1231); Rayn. 1231; § 56. Ebenso schreibt Gregor an die Einwohner von'Akkä 1232 (H. Br^. III. 376), 1234 an Johann -v. Ibelin und 1235 an die Hospitaliter von 'Akkä, dem Kaiser zu gehorchen. De Mas Latrie III. 640 ; II. 59 ; H. Br^. IV. 736.

272) Albericus 1231. Gerold residirte immer noch in'Akkä, wie die Ur- kunden bis 1233 beweisen. (De Mas Latrie III. 631 u. 636). Er starb am 7. Sept. 1239 (Rey 728).

273) De Mas Latrie I. 278; Rayn. 1232; § ^^•

274) H. Br^h. IV. 411 ; De Mas Latrie I. 304 f. Vgl. Rossi, Historia Ra- vennae VI. 407.

275) Bartholom. Ann. beiPertzXVUI. ad ann.1231. Nach der „Geschichte der Ejjubiten« schickte Friedrich schon im Jahre 627 der Hedschra (1229— 1230) einen Gesandten an den egyptischen Hof. Michaud II. 716.

276) Annal. Colon, max. 842; Com. de Fabaria p. 178. Die Beschreibung des letzteren passt sehr gut zu den uns bekannten Astrolabien. Vgl. Woepcke in den Abhandl. der Berliner Akademie 1858 p. 1 31. Ryccard. p. 368 berich- tet, diese Geschenke seien vom Sultan von Damaskus gekommen, allein nicht Al-A§raf, der seit 1229 Sultan von Damaskus war, sondern Al-Kämil hatte Ver- anlassung zu solchen Geschenken. Einer der Gesandten des Sultans (Mahlüf) starb in Messina. Barth, de Neoc. Muratori XIII. 1060.

277) H. Br^. IV. 369; Reinaud 434; Böhmer, Fontes II. 364.

278) De Mas Latrie, Trait^s depaixl23 u. 153; H,BrÄ.in.276; Michael Dukkas ed. Bekker p. 557 ; Dumont,- Corp. diplom. 1. 168 ; M^anges aslatiques II. 108 ff. ; Ihn Khald. Eist, des Berb. II. 335. Ueber die früheren Verträge Siciliens mit Tunis vgl. Amari, Storia I. 122.

279) Allerdings giebt es schon Handelsverträge früherer Zeit zwischen den norditalischen Seestädten und den Muslimen, aber seit 1229 wird ihr Verkehr lebendiger als je zuvor. Vgl. De Mas Latrie, Trait^s p. 31, 196. Am 14. No- vember 1238 gelingt es sogar den Venetianern mit Al-Kämils Sohn AI- Adil einen Vertrag abzuschliessen. Marino, Storia civile VI. 337—344. Vgl. Fon- tes rerum Austr. XHI. 2. Band p. 272 277 (1229 Novemb. und Decemb. Vertrag der Venetianer mit dem Emir von Sahjün und dem Sultan von Halab).

280) H. Br^. Introduct. p. CGCLXII. Uebrigens hat man in Jerusalem überraschend viel Augustalen bei Nachgrabungen gefunden. Tobler, Topographie I. 658. Wie gross das Ansehen Friedrichs im Orient sein musste, geht aus dem Bericht des franzosischen Seneschalls Joinville hervor, wonach er sein Leben nur dadurch rettete, dass er sich bei seiner Gefangennahme für einen Ver- wandten des Kaisers Friedrich ausgab. Joinville ed. du Gange p. 70.

281) Den Text dieses Schreibens giebt Iselin in Petrus de Vineis epist. U. c. 18 f. und besser Br^oUes V. 397 f. Jedenfalls ist die Antwort Nagm ad-dins unächt; das Schreiben Friedrichs dürfte acht sein. Vgl. Amari, Storia m B. 634.

282) Die darauf bezüglichen Urkunden bei Br^oUesV. 426; VI. 127, 140 f..

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466. Im Jahre 1246 soll Friedrich sogar dem Papste durch Louis IX haben anbieten lassen, »ut in sanctam terram irrediturus abiret, quoad viveret Christo ibidem militaturus et totum regnum integraliter pro posse restituturus cultui Ghristianoor. Matth. Paris 1246. Sein Testament setzte für das heilige Land 10,000 Goldunzen aus. Matth. Paris 1251 ; Ann. Piacent. Qhib. 503.

283) H. Br^. V. 123. Joinville p. 531 erzählt, dass Friedrich für den ge- fangenen Konig Ludwig bei Nagm ad-din intervenirte ,- hingegen berichtet er aber auch p. 92 f. und übereinstimmend Makrizi (Michaud II. 719; Reinaud p. 436 ; Amari , La Guerra I. 421), dass Friedrich durch einen als Kaufmann ver- kleideten Gesandten den Sultan von den Rüstungen und dem Kreuzzuge Lud- wigs vorher genau informirt habe.

284) Reinaud p. 441 5 Muratori III. 604 ; vgl. H. Brtfholles I. CCCLIX bis CCGLXH. Amari, La Guerra I. 420 berichtet über diese Gesandtschaft auf Grund arabischer Quellen : »Approdarono (1 ambasciatori) ad Allessandria sur una nave siciliana di maravigliosa grandezza, detta „il mezzo mondo^', che avea rento uomini d^equipaggio oltre cento persone di segulto degli ambasciatori. Le splen- dide feste, la sontuosa ospitalitä con che questi furono accolti ad Alessandria ed al Cairo e le lunga dimora che fecervi, mostrano al pare la importanza della mis- sione e le relazioni amichevoli e piuttosto intime dei due governl. La medesima nave carica di olio, vino, cacia, miele e d'ogni maniera di merci, tornö con altri ambasciatori ad Alessandria ü 959 (dell' öra de martiri), 1243 1244 (29. Aug. 28. Aug.) con 300 marinari oltre i passegieri.« Cf. Biblioteca p. 326. § 4. Die Annal. Siculi 497 bei Pertz XIX. geben 1240 als Datum der Gesandtschaft.

285) H. BrÄ. V. 687, 726, 745; Annal. Siculi p. 497.

286) Muratori V. 605. ' Die kaiserlichen Heere sind daher ein buntes Ge- misch aus allen Nationen ; den Kern jedoch bildete das Mamelukencorps aus Luceria. Vgl. Brtfh. Infrod. CCCLV; VI. 139; Annal. Piacent. Ghib. 479; Rycc. 1227.

287) So finden wir ihn 1231 in Ravenna, 1238 in Strassburg, 1245 zu Parma und Cremona mit einer ganzen Menagerie wilder Thiere. Br^. Introd. CXCIII; vgl. Chron. Salimb. 47 f; Annal. Piacent. Ghib. ad ann. 1235 und 1245. Faber in seinem Evagatorium ed. Hassler (Bibl. d. lit. Vereins) III. p. 16 f. erzählt, Friedrich habe vom Sultan unter anderen werthvollen Geschen- ken auch ein »vas aureum smaragdinum, balsamo plenum« erhalten und den In- halt verschenkt.

288) Nach Matth. Paris kamen 1250 zwölf Kameele mit Gold beladen zu Friedrich.

289) Br^. Introd. DXXXV flf.

290) Matth* Paris 1251.

291) In Deutschland wusste man freilich nicht, was den romischen Kaiser so sehr an die muslimischen Gebieter fesselte. Annal. Stad. 363: »Cum soidano etiam multam amicitiam habuit. Quid per hoc intenderet, nemo novit.«

292) Vgl. oben Note 197. Muratori III. 584; Contin. Gull, im Recueil

III. p. 526. Vgl. Böhmer, Reg. EiAleitung p. XL VI— XL Vn. ; Chron. Salimb. ed. Parm. p. 166 169. Ausserdem sind besonders zu vergleichen : Raynouard, Choix IV. p. 124 126; Diez, Leben der Troubadours p. 564; Hagen, Minne- sänger II. 131; Matth. Paris 1245; Le clento Novelle antiche (Milano 1825) No. XXI p. 37 f.; Montenus, Vorzeit von Cleve II. 290.

293]^ Friedrich etablirte in Palermo ein vollständiges Harem. Br^. CXC— CXCII ; Schirrmacher IV. 395 Anmerk. 7. Doch vertheidigte ihn sein Gesandter Thaddaeus v. ^uessa auf dem Concile von Lyon sehr geschickt gegen die Vor- würfe von Unsittlichkeit. Matth. Paris 1245. Vgl. Winkelmann in den Deutsch. Forsch. Xn. 524 f. Ueber Friedrichs Leben und Neigungen handelt ausser Winkelm. XII. 267 besonders Amari, Storia III B. p. 693—713 ; vgl. Wiener Sitzungsberichte XXXI. p. 376 und ^iblioth. de l'^cole des chartes 1866, VI S<Srie, tome 3 p. 204.

294) Abulf. V. 145, 147, 349 ; Reinaud 483 ; vgl. Note 199. Der Rest der 1266 versprengten Ghlbellinep floh nach' Tunis und diente in der muslimischen Armee gegen Ludwig. Muratori VI. 833, 838; VHI. 614; Ibn Khald-, Hist. des Berb. ed. de Slane II. 367 ; Amari , La Guerra I. 36 f.

295) Reiuaud 515. Carl liess sich von Tunis auch das medizinische Werk von Hawi kommen und übersetzen. Amari, La Guerra I. 80.

296) Nach § 29 des 1265 zwischen Carl und Clemens IV abgeschlossenen Vertrages. D'Achery, Spicil. III. 657.

297) Reinaud 564. Die Chronik des Kelaün (ed. Amari in BibUot. p. 339 ff.), übersetzt in dessen : La Guerra 333 335 sagt über diesen Frieden : »Quest anno (689) arrivarono ambasciatori dal conte Barcelonese J>Qß Al^oi^so quel medesimo, che avea conquistato il reame dl re €arolo frat^o, del m(marca francese e il reame altresi dell' imperatore. Imploravano essi del sol- dano la pace nei medesimi termini fermati una volta tra lo imperatore Federlgo II e il soldano Malec Camil: e tra gll altri presenti, che recavano alle porte del Soldano si notavano settanta musulmani, che avean patitp lunghlssima ci^ttivita in quei paesi. Dimoravon costoro parecchi giorni tauto che fu copiato un trattato di tregua scrltto gili di propri& mano degli ambasciatori di essp imperatore (Federico U.) in lingua arabica e franca : del quäl trattato gll ambasciatori dell' Imperatore recaxono al signor lora la oopia in lingua franca sottoscrivendo di propria mano re«emplase arabico rimasto in Egitto.« Der Vertrag steht auch im Magasin encyclop. 1801, II. 145 161 und bei Wilken VU. Anhang p. 17 ff.

298) Dies ist das Resultat der schönen Arbeit G. Voigts : »Die deutsch^ Kaisersage« in Sybels Zeitschrift XIII. 3. Heft p. 131—187. Vgl. Riezler in den D. Forsch. X. p. 133—140.

299) Meyer, Tile Kolup p. 14 f ; Voigt 143 u. 153. Diese Sage wurde ro- manischer S,eitek begründet durch dl^ Ert;lärung Friedrichs als des Antichristen, der wie Nero (De Wette, Offenbarung Johannia ed. Möller 3. Aufl, 1862 p. 192 f.) nach sdtchristlicher Ueberlieferung in Babylon seineja l^itz genommen

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(in Castro confusionls ; denn Babel heisst hebiäisch : Yeiwiirung; -vgl. Voigt 161). Ygl. Monumenta Franciscana ed. Brewer p. 67; Qrimm Mythol. 538; Mosheim, Ketzergesch. 342; Uhlands Schriften I. 493 501. Die Yeranlassiing zu der Auffassung Friedrichs als des Antichristen hat aber der Papst Gregor in seiner Bannbulle 1239 gegeben. (H. Br^. V. 339 ; Winkelmann II 1. p. 132 ff.), und die Joachiten haben sie auf Apocal. 17, 8 u. 11 (vivit et non vivit) weiter be- gründet. Acta Sanct. 29. Mai p. 135 ff. ; Ghron. Salimb. (vgl. Haupts Zeitschr. I. 268 Lit. A. No. 36 u. 5). Hingegen gab es auch eine Richtung in der Kirche^ -welche den Papst selbst als den Antichristen ansah. Bened. Peterb. n. 151—154; Bog. Hov. ed. Stubbs III. 75 ff. ; Winkelmann, Arnoldi epistola p. 21 ; Matth. Flacius, Varia poemata 133—149; Du Mtfrü, Porfsies latines 163—177; Rohrich in"" Illgena Zeitschr. X. p. 129 und Barthel ibid.' XV. p. 104 ff.; Meyer p. 75—77.

300) Joann. Vltod. ed. de Wyss 249 f. ; Meyer 54. Uebrigens 'ist der letzte Sats aus dem Schreiben Albwlns (um 1000) über den Antichrist an den Erzbischof Heribert v. Goln entnommen (Haupt Zeitschr. X. p. 269 ; vgl. VT. 380 V. 410—420. Vgl. Waitz , Jord. v. Osnabr. in den 65tt. Abh. 1869 p. 80 u. 81, auch das Vatieisium l^byllae bei Pertz XXH. p. 376 und Usingexs Bemerkungen darüber in den D. Forsch. X. p. 621 631. Einen interessanten Beitrag zur deutschen Kaisersage bietet »Eine moderne Saga in Baiern« In der National-Zeitung 1874, No. 53 p. 3 des Hauptblattes.

301) Botke ed. LiUencron p. 426 ; vgl. Meyer 61 V. 13—21 ; p. 68 f.

Beilage A.

■s.

Aas Amari, Biblioteca Arabo Sicola. Leipz. 1859.

P. 609. Anno 624. Er sagt bei der Erwähnung der Thaten der Ajjubiten : Es schrieb Al-Kämil an den Kaiser , den König von Deutschland , er werde nach Syrien und nach der Küste kommen und ihm Jerusalem nebst allen Eroberungen Saladins an der Küste übergeben u. s. w. p. 510. Er sagt aus der Chronik des Ibn Kattr: Nachdem Malik Al-Kämil Gewissheit erhalten hatte von der Ver- bindung seines Bruders Al-Muazzam mit Galäl ad-dtn Huwärazmsäh, erschrak er darüber und begann eine Correspondenz mit dem Kai- ser, dem Könige der Franken, und wünschte, er möge nach 'Akkä kommen, um dadurch das Gemüth seines Bruders Al-Mu'azzam da- von abzuhalten, womit er sich beschäftigte. Und er versprach dem Kaiser, ihm Jerusalem zu übergeben. Da zog der Kaiser nach 'Akkä. Als dies Ma azzam erfuhr, schrieb er Briefe an seinen Bru- der Al-Asraf und suchte dessen Meinung für sich zu gewinnen. Und es sagt Ibn ELattr ; Es kam der Gesandte 4es Kaisers •*— er sei ver- flucht — zu Mu azzam und forderte von ihm die Städte an der Küst«, welche der Sultan Saladin Ibn Jüsuf erobert hatte. Da gab ihm Mu azzam eine harte Antwort und sprach : „Sage Deinem Herrn, dass ich nichts habe als das Schwert!^ Und es sagt Abu Säma: Es kam der Gesandte des Kaisers , des Königs der am Meere woh- nenden Franken, zu Al-Mu azzam , nachdem er mit Al-Kämil über- eingekommen war, und verlangte von ihm die Städte , welche sein Oheim Saladin erobert hatte. Dieser aber Hess ihn hart an und sprach : „Sage Deinem Herrn, dass ich nicht dem Andern gleiche, für den ich nichts habe, ausser das Schwert." Und in der Chronik des Bibars : Er sandte ^ er meint Al-Malik Al-Kämil den Emir Fahr ad-d£n ibn Saih al-Sujüh zum Kaiser Friedrich und bat ihn, er möge nach "^Akkä kommen und versprach, ihm von Saladins Er- oberungen an der Küste zu geben, damit dadurch das Gemüth seines Bruders abgehalten und er gezwungen werde, mit ihm sich zu ver-

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«inigen und sich unter seine Botmässigkeit za begeben. Da rüstete sich der Kaiser zum Zuge nach der Küste. Es erfuhr dies Al-Mu az- zam u. s. w.

p. 511: Anno 625. Er sagt ans der Chronik des Ibn Amtd : Der Sultan Al-Malik Al-Kämil war nach Nablus gekommen und hatte dort Wohnung genommen und Präfecten und Vicepräfecten und Di- wane in den Städten der Küste eingesetzt. Als er nun erfuhr, dass der Kaiser nach Jäfä gekommen war, so kehrte er von Nablus nach Teil al- agül zurück und nahm dort Wohnung. Da gingen die Ge- sandten zwischen dem Sultan und dem Kaiser unaufhörlich hin und her, und es war der Vermittler zwischen beiden der Emir Fahr ad- din Ibn Saih, welcher unablässig zu dem Kaiser ging , bald allein, bald mit $alah AI- Arbalt , bis der Friede unter der Bedingung zu Stande kam , dass der Kaiser Jerusalem und den District auf dem Wege von Joppe nach Jerusalem und die Stadt Ludd empfing. Er sagt: Im Jahre 625 verlangte der Kaiser vom Sultan Tibnin und seine Bezirke, weil seine Besitzerin, die Tochter des Henri , welche bei ihm eine Audienz gehabt hatte , ihn darum gebeten hatte. Da schenkte es ihm der Sultan, und so trat eine Abänderung des Frie- densvertrages zwischen dem Kaiser und dem Sultan ein. Es wurde der Friede auf eine Dauer von zehn Jahren festgesetzt, und es empfing der Kaiser Jerusalem, Ludd und die Orte, welche auf dem Wege dahin liegen. Das üebrige davon wollen wir so Gott der AUmächtige will im kommenden Jahre erwähnen. Und in der Chronik des Bibars : In ihm (Anno 625) kam der Kaiser Friedrich, der König der Franken, nach 'Akkä mit einem grossen Haufen von Deutschen und anderen Franken. Die Bedentang dieses Namens aber ist im Fränkischen: König der Fürsten. Sein Reich ist die Insel Sicilien und von dem langgestreckten Festlande das Land Apu- lien und Lombardien. Es war aber der Kaiser ein ausgezeichneter König, weise, die Weisheit, Logik und Arzneikunde liebend. Nach- dem er nun gekommen war , wurde Al-Kämil durch ihn gehindert ; er konnte ihn aber nicht verdrängen oder bekriegen p.. 512. wegen der früheren Einigkeit zwischen beiden , und weil es zum Misslin- gen der Zwecke geführt hätte, die er jetzt vor sich hatte. So eröff- nete er denn eineCorrespondenz mit ihm und behandelte ihn freund- lich. Nachdem er nach 'Akkä gekommen war, eilten die Franken mit dem Aufbau von Saidä , welches den Gläubigen und den Fran- ken je zur Hälfte gehört, und dessen Mauern zerstört waren. Diese bauten sie wieder auf, machten sich zu Herrn darüber und verdräng- ten aus ihm die Herrschaft der Gläubigen. Es blieb aber der Kaiser in 'Akkä, und die Gesandten gingen unablässig hin und her zwischen